Cold War Reloaded - Der neue Ost-West Konflikt

  • https://www.militarytimes.com/…th-to-drop-again-in-2024/


    Zitat

    The smallest U.S. military force in more than 80 years is about to get even smaller.


    Under end strength levels outlined in the annual defense authorization bill passed by the Senate Wednesday evening and expected to be passed by the House on Thursday, the total number of active-duty troops in the armed forces will drop to 1,284,500 in fiscal 2024. That’s down nearly 64,000 personnel in the last three years and the smallest total for America’s military since 1940, before the United States’ entry into World War II.


    Lawmakers say the reason for the lower target isn’t a decrease in missions or threats in recent years. Instead, the number reflects recruiting challenges across the services and an expectation of what level of personnel is realistic in coming months.

  • Haben sie es doch noch gelöscht:


    https://twitter.com/DefenceU/status/1735667778835619867


    Auf dieser archivierten Kopie lässt es sich nicht ganz so gut entdecken, aber ihr könnt ja mal das Bild vergrößen und suchen.


    https://archive.ph/JIbGy


  • Mit Empfehlung von Ben Hodges:


    https://twitter.com/general_ben/status/1736404670350754270



    https://internationalepolitik.…-gewinnt-den-krieg-sicher


    Zitat

    Wladimir Putin und seine Getreuen dürften das aktuelle Presseecho in Deutschland und anderen NATO-Staaten mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen. „Russland gewinnt den Angriffskrieg“, ist zu lesen, weil im derzeitigen Stellungskrieg im Osten der Ukraine die Zeit für Moskau arbeite.


    [...]


    Abgesehen davon, dass nicht einmal definiert ist, was man denn unter einem russischen „Sieg“ oder einer ukrainischen Niederlage genau zu verstehen hat, sind doch erhebliche Zweifel an einem solchen Niedergangs-Szenario angebracht.


    Und so kommt man zu der Einschätzung, dass es für die Ukraine einigermaßen läuft:


    Den russischen Erfolg an Behauptungen von vor der Invasion und dann Gegenbehauptungen von nach der Invasion messen:


    Zitat

    Zunächst sollte man sich erinnern, dass es am 24. Februar 2022 als nahezu gesichert galt, dass die Ukraine dem russischen Angriff nur wenige Tage oder Wochen würde standhalten können. [...] Der Gedanke, dass man ein Jahr später sogar einen möglichen „Sieg“ der Ukraine ins Auge fassen würde, wäre damals als Phantasterei abgetan worden.


    Die Zeit vor der Invasion zur Relativierung russischen Erfolgs heranziehen:


    Zitat

    Auch heute befindet sich Russland in einer Position, die alles andere als komfortabel ist. In mittlerweile neun Jahren Krieg gegen die Ukraine haben die russischen Streitkräfte gerade einmal 19 Prozent des ukrainischen Territoriums besetzt. [...]


    Die Zahlen, die die US-Amerikaner rausgegeben haben, um die Republikaner zu überzeugen sind nützlich:


    Zitat

    [...] Der gezahlte Blutzoll ist unvorstellbar. Vor einigen Tagen veröffentlichte der amerikanische Geheimdienst Schätzungen von 315 000 Opfern auf russischer Seite, das sind fast 90 Prozent der 360 000 Mann starken Invasionsarmee, mit der Russland den Angriff begonnen hatte. Andere Schätzungen, die von den (bekannten) Zahlungen der russischen Regierung an Opferfamilien auf die Zahl der Toten und Verletzten schließen, kommen zu noch höheren Angaben.


    Eine Erklärung bereithalten, warum die Russen im deutlichen Kontrast zu den Ukrainern bisher nur einmal auf eine verordnete Mobilisierung zurückgegriffen haben:


    Zitat

    Weitere Mobilisierungswellen dürften überaus schwer werden, von den Folgen für die Motivation der Streitkräfte ganz zu schweigen. Der Verlust an Soldaten und Material, so der amerikanische Bericht weiter, würde Russland militärisch um 18 Jahre zurückwerfen. [...]


    Davon ausgehen, dass jedwede westliche Waffenlieferungen die Front erreichen, ohne dass sie von Russland auf dem Weg aufgehalten werden können.


    Zitat

    [...] Auch hat Russland keinen einzigen der Züge oder Konvois, die westliche Hilfe über Polen in die Ukraine bringen, abfangen können. [...]


    Die Verlegung der Schwarzmeerflotte als wichtigen ukrainischen Erfolg ansehen:


    Zitat

    [...] Die Schwarzmeerflotte hat einen großen Teil ihrer Schiffe aus Sewastopol abziehen und weiter nach Osten verlagern müssen, weil schon nur wenige britische Storm Shadow-Marschflugkörper eine erhebliche Gefahr darstellen. [...]


    Die angebliche nordkoreanische Munitionsversorgung als praktisch unbenutzbar abhaken:


    Zitat

    [...] Die von Nordkorea gelieferte Munition soll erhebliche Sicherheitsprobleme mit sich bringen und kaum einsetzbar sein. [...]


    Davon ausgehen, dass die Sanktionen schließlich wirken werden:


    Zitat

    [...] Weitere Sanktionspakete der Europäischen Union oder der USA stopfen Schlupflöcher, durch die Russland moderne Technologie bezogen hatte.


    Einen erhöhten Wehretat vorallem unter dem Aspekt der Kosten sehen (ich bin allerdings unsicher bei den Zahlen, "national defense [...] almost 11 trillion rubles [...] in 2024" gegenüber Expenses [...] 36.66 trillion rubles [in 2024])


    Zitat

    Die Kosten des Krieges sind für Russland ebenfalls gewaltig und werden im kommenden Jahr 40 Prozent der gesamten Staatsausgaben verschlingen. [...]


    Und diese Zahlen sehen nicht beeindruckend aus, aber ich nehme an sie werden verstanden als es kommt kein Geld mehr rein?


    Zitat

    [...] Gazprom, dessen Gewinne einst zehn Prozent des Staatshaushalts ausmachten, hat 80 Prozent seiner Märkte in Westeuropa verloren, ohne dies mit Lieferungen nach Indien oder China kompensieren zu können – es fehlen schlicht die Pipelines. Öl an Indien zum Preis von 70 Dollar pro Barrel liefern zu müssen, ist ebenfalls keine Goldgrube. [...]


    Sich weiterhin am Bruttoinlandsprodukt als verheißungsvolle Metrik festhalten:


    Zitat

    [...] Auch steht man mit der NATO einer Allianz gegenüber, deren Bruttoinlandsprodukt etwa zwanzigmal höher ist als das Russlands – von den übrigen Unterstützern der Ukraine im Rahmen der G-7 ganz zu schweigen.


    Eine symbolische Geste ohne wirkliche materielle Kosten als Indikator für materielle Unterstützung nehmen:


    Zitat

    Aber, so heißt es, Russland ist leidensfähig und kann die eigenen Nöte aussitzen, bis die westliche Unterstützung für die Ukraine schwindet. Allerdings sieht es auch danach bislang nicht aus. Die Mitglieder der Europäischen Union haben gerade die Aufnahme von Beitrittsgesprächen mit der Ukraine beschlossen und bieten dem Land damit die Verankerung im Westen an – etwas, das Putin unbedingt verhindern wollte. [...]


    Geld für die Ukraine wird immer fließen - Teil 1:


    Zitat

    [...] Ein erneutes Hilfspaket für die Ukraine wird trotz des aktuellen Widerstands von Ungarn früher oder später beschlossen werden, und selbst wenn irgendwann das Engagement der EU insgesamt nachlassen sollte, so werden Länder wie Polen, Finnland, Schweden oder die baltischen Staaten die Ukraine immer unterstützen.


    Nebenbemerkung:


    Zitat

    Bemerkenswert ist auch, dass Deutschland bei den jüngst notwendig gewordenen Haushaltskürzungen den Verteidigungshaushalt und die Ukraine-Hilfe weitgehend ausgenommen hat und stattdessen bei Sozial- und Klimaschutzausgaben spart – und das unter einem sozialdemokratischen Kanzler und einem grünen Wirtschaftsminister. Umfragen zeigen, dass diese Prioritätensetzung sogar eine deutliche Mehrheit in der Öffentlichkeit findet.


    Kennt jemand die "Umfragen"?


    Geld für die Ukraine wird immer fließen - Teil 2 (unklar, was der Kompromissbeschluss sein soll):


    Zitat

    Was ist aber mit dem wachsenden Unwillen der US-Republikaner, weiterhin Gelder für die Ukraine bereitzustellen – ist nicht gerade Präsident Selensky unverrichteter Dinge wieder aus Washington abgereist? Auch hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen. [...]


    [...]


    [...] Gelingt es beiden Parteien, trotz der tiefen gesellschaftlichen Spaltung über ihre Schatten zu springen, können auch Hilfen für die Ukraine weiter fließen. Am 13. und 14. Dezember haben Senat und Repräsentantenhaus mit großer Mehrheit beider Parteien einen Kompromissbeschluss auf den Weg gebracht, der Hilfen für die Ukraine für zwei weitere Jahre ermöglicht, sofern Präsident Biden Zugeständnisse bei der „Border Security“ macht.


    Die Zeit bis zum transatlantischen Zusammenbruch wertschätzen:


    Zitat

    Und wenn Trump gewinnt und am 20. Januar 2025 als neuer Präsident vereidigt wird? Dann ist ohnehin alles anders, nicht nur in Sachen Ukraine, sondern auch mit Blick auf die transatlantischen Beziehungen oder die Zukunft der NATO. Das ist aber erstens nicht garantiert und zweitens sind es bis dahin noch 13 Monate – eine Zeit, die für Putin angesichts der geschilderten Probleme sehr lang werden kann.


    Und nach all dem kann man dann auch zugestehen:


    Zitat

    Heißt das alles, dass im Umkehrschluss der Erfolg der Ukraine gesichert ist? Keinesfalls, auch dort sind die Verluste gewaltig, und ohne die große internationale Unterstützung hätte das Land dem Druck Russlands nie so lange standhalten können. [...]


    In diesem Sinne:


    Zitat

    [...] Jede Rhetorik à la „Russland gewinnt sowieso“ untergräbt die internationale Solidarität, durch die die Ukraine bislang überleben konnte.

  • https://tass.com/politics/1722431


    Zitat

    MOSCOW, December 17. /TASS/. Russian President Vladimir Putin warned that Russia, which had good relationship with Finland, is forced to build up military units in the Leningrad Military District by that country's joining NATO.


    "We had the friendliest, most cordial relations. There were no problems. Now there will be, because now we are going to create the Leningrad Military District and concentrate certain military units there," Putin said in an interview with Rossiya-1 channel journalist Pavel Zarubin.


    Leningrad?


    https://www.youtube.com/watch?v=tB_hJsQRO6M


  • Weiß nicht, ob ich es nur hineinlese, aber dieser Artikel scheint mir einen merkwürdig empörten Ton zu haben:


    https://www.nytimes.com/intera…-benefit-ukraine-war.html


    Zitat

    How Putin Turned a Western Boycott Into a Bonanza


    If companies want to leave Russia, the president is setting the terms — in ways that benefit his government, his elites and his war.


    Es geht um die Reaktion des russischen Staates auf westliche Unternehmen, die sich vom russischen Markt zurückziehen:


    Zitat

    In all, Mr. Putin has overseen one of the biggest transfers of wealth within Russia since the fall of the Soviet Union. Huge swaths of industries — elevators, tires, industrial coatings and more — are now in the hands of increasingly dominant Russian players.


    In some cases, that player is the state. Government-owned enterprises have acquired the assets of corporate giants like Ikea and Toyota. In many cases, Mr. Putin personally signs off on sales.


    Man kann sich die neuen Kleptokratie-Vorwürfe mal anschauen, aber jenseits davon irritiert die Darstellung etwas, weil die russische Regierung das gemacht zu haben scheint, was man in so einer Lage erwarten würde. Der Rückzug westlicher Firmen war als Angriff auf die russische Wirtschaft gemeint und wurde dementsprechend auch so behandelt, indem ihnen der Abzug ihres Kapitals aber auch die Disruption russischer Wirtschaftsaktivität so schwer wie möglich gemacht wurde.


    Der Hoffnungsschimmer:


    Zitat

    Still, the wave of departing companies has stung. It has sent a global signal that Russia is a business pariah. The economy is strained and at risk of overheating. Mr. Putin’s handling of Western departures has only reinforced Russia’s image as a dangerous place to do business. Even some top Russian officials admit that decreased competition and foreign investment will hurt everyday Russians and the economy in the long term.


    Freilich:

    Also "business pariah" gegenüber dem Westen ist nicht falsch. Allerdings nicht die Art von Pariah, mit dem man keine Geschäfte machen will, sondern eher die Art, mit dem man nicht gesehen werden will, während man Geschäfte mit ihm macht.

  • "Russia’s image as a dangerous place to do business. "


    +


    "das Image westlicher Banken als willkürliche Raubritter" : )



    Alle Unternehmen/Franchisunternehmen wurden in Wochen durch russische ersetzt und laufen sehr gut. Facebook, YT, Twitter hat Russland schon vor 10 Jahren als russische Varianten aufgestellt in denen nicht Silicon Valley das sagen hat.


    Wie man als Trainer gerne sagte, "das Momentum" ist in Russland, Erfolge-Domino, kann die EU oder USA nicht von sich behaupten.

  • https://www.youtube.com/watch?v=M92WOn7luV0



    Zitat

    Kritik ist in Putins Russland unterwünscht. Und doch rumort es in seinem Reich. Vor allem die Soldatenfrauen fordern ein Ende des Kriegs gegen die Ukraine und wollen ihre Männer zurück.


    ZDF-Korrespondent Armin Coerper ist es gelungen, mit einer Soldatenfrau zu sprechen, die um das Leben ihres Mannes fürchtet. Der Protest von Frauen und Müttern gegen Krieg hat in Russland eine lange Geschichte.


    Die Frage ist, hat es diese Dimension? Die New York Times weiter auf Aufholjagd:


    https://www.nytimes.com/2023/1…actics-to-fill-ranks.html


    Zitat

    ‘People Snatchers’: Ukraine’s Recruiters Use Harsh Tactics to Fill Ranks


    Ukrainian men are reporting incidents of wrongful draft notices, unprofessional medical commissions and coercive mobilization tactics.

    Zitat

    With Ukraine’s military facing mounting deaths and a stalemate on the battlefield, army recruiters have become increasingly aggressive in their efforts to replenish the ranks, in some cases pulling men off the streets and whisking them to recruiting centers using intimidation and even physical force.

    Zitat

    The harsh tactics are being aimed not just at draft dodgers but at men who would ordinarily be exempt from service — a sign of the steep challenges Ukraine’s military faces maintaining troop levels in a war with high casualties, and against a much larger enemy.


    Lawyers and activists say the aggressive methods go well beyond the scope of recruiters’ authority and in some cases are illegal. They point out that recruiters, unlike law enforcement officers, are not empowered to detain civilians, let alone force them into conscription. Men who receive draft notices are supposed to report to recruitment offices.

    Zitat

    There is no official accounting of forced conscription cases, making exact figures impossible to verify. Lawyers and activists say there are thousands of examples [...] across Ukraine involving varying degrees of coercion. The New York Times spoke to more than two dozen lawyers, activists, soldiers, conscripts and family members of conscripts, and also reviewed text messages and military and medical documents, for this article.

    Zitat

    While some believe that high casualty numbers are partially to blame for aggressive conscription tactics, others point to a different reason: many Ukrainian men have either fled or bribed their way out of the draft, leaving a shrinking pool of conscripts, some of whom are supposed to be exempt from mobilization.


    Among those remaining in the pool are many from impoverished circumstances.


    “It’s a war for poor people,” said one Kyiv-based lawyer, requesting anonymity so as not to publicly criticize the military.


    Für den Vergleich fehlt hier natürlich der eigentliche Vergleichspunkt:


    https://www.pravda.com.ua/eng/news/2023/10/27/7426002/


    Zitat

    [27. Oktober 2023]


    "It's time others stepped up": protests in support of demobilisation held in Ukraine

    Protests were held in various cities across Ukraine on 27 October to draw attention to the problem of military demobilisation.


    Die Frage wie verbreitet das ist, stellt sich auch für die Ukraine. Aber die Bedingungen der Rekrutierung scheinen - soweit erkennbar - so viel zwanghafter und ihre Dringlichkeit demensprechend höher, dass man sich vorstellen kann, dass nicht nur wenig demobilisiert wird, sondern es auch wenig Fronturlaub gibt, und insgesamt mehr Widerstand, weil viele Leute nicht freiwillig ins Militär gehen.


    In Russland trifft die Freiwilligkeit auf die Mobilisierten auch zu, insofern wird es schon ein gewisses Maß an Unzufriedenheit geben, zumal nach mehr als einem Jahr und ohne klarem Endpunkt sichtbar. Dennoch wirkt es ein bisschen so, als wenn man - vielleicht in Reaktion auf die Proteste in der Ukraine - nach etwas Ähnlichem in Russland gesucht hat:


    https://www.nytimes.com/2023/1…raine-protests-women.html


    Zitat

    [27. November 2023]


    Russian Women Protest Long Deployments for Soldiers in Ukraine


    “Make way for someone else,” a new grass-roots movement demands as women challenge the official argument that the mobilized troops are needed in combat indefinitely.


    (Unzufriedenheit ist das eine, unter den jetzigen Bedingungen könnten Graswurzeln aber leicht auch Kunstrasen sein.)

  • Man kann sich die neuen Kleptokratie-Vorwürfe mal anschauen, aber jenseits davon irritiert die Darstellung etwas, weil die russische Regierung das gemacht zu haben scheint, was man in so einer Lage erwarten würde.

    Der Artikel ist doch ein klassisches Bespiel dafür, wie wenig Journalisten, Experten und sonstige Menschen, die ihr Geld damit verdienen den Leuten die Welt zu erklären, dazu in der Lage sind, sich vorzustellen, dass sie nicht überall genau so funktioniert wie bei uns im freien Westen.


    Egal ob es dabei um China, um Russland, oder um Länder des globalen Südens geht, in denen westliche Konzerne mit Hilfe westlicher Regierungen bisher profitable Geschäfte machen konnten - sobald sich der kollektive Ausländer nicht so verhält wie es sich für ordentliche bürgerliche Gesellschaften westlicher Prägung gehört, in denen unternehmerische Freiheit und freier Kapitalverkehr genauso zur Staatsräson gehören, wie der freie Wettbewerb der Nationen um den attraktivsten Wirtschaftsstandort und das angenehmste Investitionsklima, kann es sich entweder nur um Böswilligkeit, um ahnungslose Stümperei, oder um beides handeln.


    Dass die Kapitalisten den wertebasierten publizistischen und politischen Welterklärern, die sich so empathisch um deren Wohlergehen zum Nutzen ihrer jeweiligen Nationalökonomien bemühen, in ihrem Verständnis für die anderen Sitten anderer Länder häufig weit voraus sind, zeigt sich dann zum Beispiel daran, dass westliche Konzerne sich durchaus effektiv vor geschäftsschädigenden Auswirkungen einer versuchten Neudefinition der regelbasierten Weltordnung durch ihre westlichen Ordnungsmächte zu schützen verstanden, indem sie ihre Niederlassungen in China kurzerhand zu chinesischen Firmen umdeklarierten, um ihre Lieferketten somit besser gegen die Versuche der forcierten Entkopplung westlicher Industriestandorte von chinesischen Abhängigkeiten zu schützen.


    Wie der Hase in Russland läuft, nämlich so, dass die großen Industriekapitäne dort schon seit dem Ende des kalten Krieges entweder gleich selbst Teil der politischen Führung, oder auf das engste persönlich mit ihr verbunden sind, und dass dieselbe dort schon in den neunziger Jahren von westlichen Ökonomen gelernt hat, wie man sich als unternehmerisch denkender Funktionär herrenloses Betriebskapital schnell und günstig unter den Nagel reißt, gefällt zwar auch freiheitsliebenden westlichen Unternehmensführern nicht so gut, aber dass einige von denen sich nach dem russischen Angriff gegen die Ukraine aus moralischen Gründen recht schnell vom Russland-Geschäft zurückgezogen hätten, und nicht weil sie dachten, ein geordneter Rückzug beizeiten sei der längerfristigen Ertragsentwicklung dienlicher als ein überstürzter in letzter Minute, kann man sich wohl auch nur einbilden, wenn man ganz generell der ideologisch verblendeten Vorstellung anhängt, dass es sich bei der freien Marktwirtschaft tatsächlich um eine Wirtschaft unter freien Anbietern von massenproduzierten Waren und individueller Arbeitskraft handelt.

  • Oberst Roderich schämt sich wirklich für gar nichts.


    Immerhin spricht er mal aus, dass es bei der ganzen Sache nicht nur um immaterielle humanistische Werte geht, sondern auch um ganz handfeste ökonomische.


    Die Frage ist nur, ob er das eigentlich ganz nüchtern sieht, oder ob er sich in seinem Wahn wirklich einredet, dass die freie Welt schon aufgrund ihrer inneren moralischen Reinheit einfach ein Anrecht darauf hat, sich Rohstoffe auf der ganzen Welt unter den Nagel zu reißen

  • Die Frage ist nur, ob er das eigentlich ganz nüchtern sieht, oder ob er sich in seinem Wahn wirklich einredet, dass die freie Welt schon aufgrund ihrer inneren moralischen Reinheit einfach ein Anrecht darauf hat, sich Rohstoffe auf der ganzen Welt unter den Nagel zu reißen

    Also hör mal! Bei den ganzen Ukrainern, die er da geopfert hat, ist ein bisschen Lithium ja wohl das mindeste ...

  • Also hör mal! Bei den ganzen Ukrainern, die er da geopfert hat, ist ein bisschen Lithium ja wohl das mindeste ...

    Ja, man braucht natürlich auch Rohstoffe für eine 1A-Hightech-Rüstungsindustrie, die man braucht, um neue Fregattten, Kampfpanzer und Marschflugkörper zu bauen, die man braucht, um seine Rohstoffquellen zu sichern.


    Es hängt alles mit allem zusammen. Linke haben keine Ahnung von Wirtschaft.

  • Ein weiterer Artikel über diesen ukrainischen Brückenkopf auf der russisch kontrollierten Seite des Dnjepr geht in die gleiche Richtung wie die letzten:


    https://kyivindependent.com/yo…heir-mission-is-hopeless/


    Zitat

    Ukrainian soldiers storming eastern bank of Dnipro fear their mission is hopeless

    Zitat

    Even holding on to the existing bridgehead requires soldiers to take enormous risks, as ammo, drones, boats and special equipment like thermal imaging are in short supply. Many of them have called it “suicidal.”


    Zu der Frage, warum man daran festhält:


    Zitat

    Acknowledging that any breakthrough on the eastern bank is unrealistic for now, especially with the lack of heavy weaponry, many soldiers and officers view the operation as more of Ukraine’s effort to reassure some progress to Western allies.

    Zitat

    After the highly-anticipated summer 2023 counteroffensive failed to achieve its goals, Ukrainian and Western politicians used this little bridgehead to peddle hope to their allies in a static war.


    It coincides with the new military aid pledges to Ukraine over August-October 2023 hitting their lowest since the start of the full-scale invasion, with an 87% drop year-to-year, according to the Kiel Institute, which tracks Ukraine aid.


    “Against all odds, Ukraine’s defense forces have gained a foothold on the left (eastern) bank of the Dnipro,” President Volodymyr Zelensky's Chief of Staff Andriy Yermak said during his November visit to the U.S.


    Ist Charles Michel einer der Gründe, warum da noch Leute hingeschickt werden!?


    Zitat

    During an interview with the Kyiv Independent, European Council President Charles Michel said that the bridgehead on the river’s eastern bank was one of the two reasons why he thinks Ukraine’s counteroffensive wasn’t a failure.


    “The recent progress made on the left (eastern) side of the Dnipro River is very important,” Michel told the Kyiv Independent.


    Dann kommt ein Ukrainer, der denkt, das Vorgehen muss schon ein primär militärisches Ziel statt einem politischen haben, denn:


    Zitat

    “I can hardly imagine that Ukraine can impress anyone in either Ukrainian society or among our international partners by simply reporting that, look, there is a stronghold on the left (eastern) bank,” he said.


    Aber danach kommt mit Ben Hodges ein westlicher Cheerleader der Ukraine und der sagt, der Brückenkopf sei ganz wichtig. - Für ihn und Charles Michel?


    Zitat

    Retired Lieutenant General Ben Hodges, a former commander of the U.S. Army in Europe, said it was politically and strategically important for Ukraine to still try to retain the initiative, even if a successful offensive across the river doesn’t look possible now.


    Ukrainer verheizen, um die Herzen ihrer Fans zu wärmen.

  • https://www.kyivpost.com/post/25634



    Geburtstagsgranate, Frau vom Geheimdienstchef vergiftet -


    Nebenbei geht ihr etwas besser, von heute:


    https://www.kyivpost.com/post/25678



    - jetzt die Militärführung abgehört. Aber kaum einer scheint zu glauben, dass es der Russe war. Bisschen eine Lücke im Narrativ.

  • Wahnsinn! Da wird dann schon klar, weshalb die sich alle so rein hängen (LITHIUM)

    Und der deutsche Michel glaubt dass sie tatsächlich Angst vor einer russischen Invasion haben

    Ich würde das jetzt nicht überbewerten. Oberst Roderich versucht hier wahrscheinlich eher, auch jenen Teil der deutschen Gesellschaft geistig kriegstüchtig zu machen, der mit dem ganzen Wertegeschwätz eher wenig, mit der deutschen Wirtschaft aber durchaus einiges anfangen kann.


    Wenn das kollektive westliche "Wir" dann nach dem Endsieg über den Russen Zugriff auf eine günstige Lithiumquelle bekäme, wäre das bestimmt ein angenehmer Nebeneffekt, aber das war sicher nicht der Grund "unseres" Engagements für die #Freiheit "der Ukraine".


    Es geht beiden Seiten dabei um die Behauptung ihrer geopolitischen Macht in Osteuropa (und den transatlantischen Schirmherren um ihre Weltordnungsdominanz in Eurasien). Die Rechtfertigung für deren militärische Durchsetzung als Verteidigung westlicher - oder auf der anderen Seite eben russischer - #Werte ist sicher nicht nur reine Heuchelei zur Vertuschung der eigentlichen ökonomischen Zwecke, sondern auch ein Selbstzweck der jeweiligen Herrschaften als solche und ihrer auch in Friedenszeiten nötigen Legitimation gegenüber ihren eigenen Bevölkerungen.


    Die Gute Sache für das eigene Volk beinhaltet natürlich hüben wie drüben auch wirtschaftliche Interessen, aber wenn es nur um diese ginge, dann hätte man sich im freien Westen den ganzen Aufwand auch sparen, und einfach in ein paar Jahren einen Deal mit den neuen russischen Herren des Donbass machen können.

  • Angaben von Schoigu:


    https://tass.com/defense/1723781


    Zitat

    Since the beginning of the special military operation in February 2022, Ukraine has lost over 383,000 men, [...]

    Zitat

    The Ukrainian armed forces failed to overcome the Russian tactical defense zone during the so-called counteroffensive and sustained colossal losses. They lost 159 thousand soldiers killed and wounded, [...]


    Aufgeschlüsselt nach möglichen Verteilungen zwischen Toten und Verletzten:



    Angabe1/21/3
    1/41/5
    383000~ 127700 Tote
    ~ 255300 Verletzte
    95750 Tote
    287250 Verletzte
    76600 Tote
    306400 Verletzte
    ~ 63800 Tote
    ~ 319200 Verletzte
    15900053000 Tote
    106000 Verletzte
    39750 Tote
    119250 Verletzte
    31800 Tote
    127200 Verletzte
    26500 Tote
    132500 Verletzte


    Hohe Zahlen natürlich, aber auch fast 130000 Tote ist nicht die höchste Schätzung, die mir schonmal untergekommen ist.

  • https://twitter.com/JulianRoepcke/status/1737151327220682758


  • https://www.ft.com/content/75d…09-4144-bd18-3c3f45d4c95c


    Zitat

    Ukraine and its backers need a credible path to victory


    Securing and sustaining the independence of the country should be the key war aim

    Zitat

    Ukraine goes into the new year short of ammunition, money and diplomatic support. Underlying these critical shortages, there is another important deficiency. The country and its western backers no longer have a convincing theory of victory. Unless they can come up with one, western support for Ukraine will continue to waver.


    Weiß ja nicht woran hier gedacht wird, aber so wirklich überzeugend war plötzlicher russischer Zusammenbruch eigentlich nie.


    Zitat

    Without a credible theory of victory, the pressure on Ukraine to negotiate with Russia will mount. The Ukrainians might make a deal — even if it involved making territorial concessions — if they had any confidence that Russia would stick to it. But Ukrainian officials can point to a litany of agreements that Putin has made and then broken. They believe that any cessation in the fighting would simply be used as an opportunity for Russia to rearm.


    Also mir fällt direkt kein solches Abkommen ein. - Was also tun ohne diplomatische Einigung? Nun, einfach den Konflikt einfrieren:


    Zitat

    One alternative to a formal agreement between Russia and Ukraine might be a de facto freezing of the conflict. In this scenario, Ukraine would move into a mainly defensive posture and hold off further Russian advances. The fighting would never stop completely — but it would dwindle.


    Die Ukraine geht in die Defensive und schon wäre der Russe ausmanövriert. Bloß haben sie das nicht weitgehend während der russischen Bachmut-Offensive gemacht? Man kann sich vielleicht der Vorstellung hingeben, dass die Russen so nur noch sehr langsam vorankommen, aber dass dadurch die Kämpfe reduziert werden, wieso?


    Der Punkt, dass man mit dem Russen keinen Vertrag schließen kann, wird dann auch direkt vergessen, weil man zumindestens einen Waffenstillstand schließen könnte, um dann den wirtschaftlichen Erfolg Südkoreas umzusetzen.


    Zitat

    An intermediate situation — somewhere between a frozen conflict and a formal peace treaty — would be an armistice. The two sides would agree only on a cessation of hostilities, without settling any of the underlying political issues. The model here would be the end of the Korean war and the division of the peninsula into North and South Korea.


    The South Korean model also points to a possible new theory of victory for Ukraine. Once the fighting in Korea stopped, the South Koreans were able to concentrate on rebuilding their economy — with enormous success.


    Und schließlich dieser Vorschlag:


    Zitat

    Even some of Ukraine’s most ardent western supporters are now talking about the need for Kyiv to accept a frozen conflict and declare victory. “We have to flip the narrative and say that Putin has failed,” says one former US official.


    Wird direkt am Ende des Artikels umgesetzt:


    Zitat

    It is certainly true that Russia has done far worse in this conflict — and Ukraine far better — than most analysts dared to hope in February 2022 when the full-scale invasion began. The Russians were humiliatingly defeated in the battle for Kyiv. Putin has sacrificed hundreds of thousands of lives for minor territorial gains. And Russia — for the first time in centuries — has no virtually allies on the European continent.


    Ukraine, by contrast, now enjoys an unprecedented level of international support and respect. The country has also paid a terrible price in this war. But its status as an independent nation — with its own proud culture and identity — will never be erased again. In the great sweep of history, that is a victory that will really count.


    Wozu braucht es da noch eine neue Siegeshypothese?

  • Der Punkt, dass man mit dem Russen keinen Vertrag schließen kann, wird dann auch direkt vergessen, weil man zumindestens einen Waffenstillstand schließen könnte, um dann den wirtschaftlichen Erfolg Südkoreas umzusetzen.

    Fun Fact: Südkorea fing zwar nach dem Ende des Koreakrieges und der Teilung in Nord und Süd zunächst als Versuch einer parlamentarischen Demokratie an, verwandelte sich dann aber binnen eines Jahres für die nächsten fast dreißig Jahre in eine Diktatur - was die amerikanische Schutzmacht allerdings nicht wirklich störte, solange es dort stramm antikommunistisch zuging.


    Der wirtschaftliche Erfolg des Landes wurde vor allem durch eine mit dem Regime eng verbundene und geförderte Oligarchie einer Handvoll Unternehmerdynastien voran getrieben, deren Nachfahren bis heute noch hinter den großen koreanischen Konzernen stehen. Als das Land dann 1987 endlich den demokratischen Wandel schaffte, hat man sich das ganze sozialdemokratische Gedöns gespart, das die Europäer in der Nachkriegszeit noch zu vergleichsweise "sozialen" Marktwirtschaften brachte, und ist direkt in den knallharten Neoliberalismus eingestiegen.

    Zitat

    Ukraine, by contrast, now enjoys an unprecedented level of international support and respect. The country has also paid a terrible price in this war. But its status as an independent nation — with its own proud culture and identity — will never be erased again. In the great sweep of history, that is a victory that will really count.

    Ukraine enjoys vor allem auch einen (zumindest seit Ende des zweiten Weltkrieges) unprecedented level of völkischen Nationalismus, dessen Stolze Kultur und Identität durch die Feindschaft gegenüber Russland und durch einen staatlich beförderten strammen Antikommunismus definiert und zusammengehalten wird. Also ein voller Erfolg für Freiheit und Demokratie.

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