Meinst Du wirklich, die Russen waren dazu bereit, sich auf einen solchen Waffenstillstand in der Luft einzulassen, oder haben sie das Trumps Leuten eigentlich nur vorgeschlage, weil sie wussten, dass die Ukrainer da sowieso nicht mitmachen würden?
Möglich ist es durchaus. Es gab ja diese Meldung letztes Jahr nach Beginn der Kursk-Offensive, dass es Verhandlungen für ein Abkommen geben sollte, um die Infrastruktur der Energieversorgung von Angriffen auszunehmen. Dass die Russen daran interessiert sind, schien mir schon da vorstellbar:
Man kann sich erstmal fragen, ist es plausibel, dass sich beide Seiten auf solche Verhandlungen einlassen. Ich denke die Ukrainer als die wesentlich stärker geschädigte Partei haben einen klaren Anreiz, dass russische Angriffe auf ihre Energieinfrastruktur enden. Die ukrainischen Angriffe auf russische Öldepots, Raffinerien usw. muss man dagegen eher als Nadelstiche verstehen und sie sind zu sporadisch, um eine relevante Wirkung zu hinterlassen. Aber natürlich sind es Kosten, die man vermeiden könnte. Und Angriffe auf das Kernkraftwerk Saporoschje zu unterbinden - im Fall des Kernkraftwerks Kursk wurde sie ja auch schonmal früher (vor der jetztigen Offensive) behauptet - ist zusätzlich wegen der möglichen katastrophalen Folgen interessant.
Wiegt das nun die Option auf, die ukrainische Energieinfrastuktur weiter angreifen zu können? Vielleicht muss man sich eher die Frage stellen: Braucht man diese Option noch? Die ukrainische Stromversorgung ist sehr stark degradiert worden, nicht nur das Netz sondern mittlerweile auch die Erzeugung. Selbst wenn man Erwägungen weglässt, ob die Russen die Lebensbedingungen der Ukrainer so stark beeinträchtigen wollen, ist ziemlich klar, dass sie die ukrainischen Kernkraftwerke außerhalb ihrer Kontrolle nicht als Ziel betrachten. Damit lässt sich die Erzeugungskapazität nicht auf Null herunterbringen. Man könnte natürlich immer noch das Stromnetz kollabieren, aber Kernkraftwerke dauerhaft vom Netz zu trennen, ist in sich ein Risiko, genauso wie eine Destabilisierung des Netzes, an dem sie hängen. Kann sein, dass der Verzicht auf weitere Angriffe "billig" für die Russen ist.
Fazit: Solche Verhandlungen sind durchaus plausibel.
Allerdings es kann sein, dass die Russen diese konkreten angeblich anstehenden Verhandlungen dementiert haben. Andererseits gerade im Zusammenhang mit dem Kernkraftwerk Saporoschje haben sie meine ich öfter mal über die Möglichkeit von Verhandlungen dieser Art gesprochen.
Insofern würde ich sagen der Umstand, dass Putin für den Bereich der Energieversorgung im März direkt zugesagt hatte, kann durchaus ernstgemeint gewesen sein:
Die Waffenruhe für Infrastruktur der Energieversorgung genauer spezifiziert:
Selbst wenn es (auch) ein Test war, um zu sehen, ob die USA willens und in der Lage sind, die Ukrainer zum Mitmachen zu zwingen. Das war der Bereich, wo man es sich erlauben konnte. Und wenn das für die 30 Tage funktioniert hätte, wäre das vermutlich auch verlängert worden.


