Ich denke die Russen sind vorallem bereit trotzdem darüber zu verhandeln, weil die US-Amerikaner die diplomatischen Kontakte wiederaufgenommen haben und parallel eine Normalisierung der Beziehungen ausgehandelt wird. Das Interesse daran ist im Prinzip Prestige, bloß nicht wie man es sich unter unseren westlichen Vassallenexperten vorstellt, weil die Russen (wie die) nach Zuwendung der USA gieren, sondern weil sie sich als größte Kernwaffenmacht, ständiges Mitglied des Sicherheitsrates usw. ernst nehmen.
Man sollte nicht vergessen, dass der eigentliche Grund für die kategorische Ablehung der Russen gegenüber einer Aufnahme der Ukraine in die NATO sicher nicht darin bestand, dass die Ukraine dann eine militärische Beistandsklausel mit Deutschland und Frankreich hätte geltend machen können, sondern darin, dass sie damit auch ganz offiziell zu einem weiteren Vorposten der USA in der unmittelbaren Nachbarschaft und auf einen Territorium geworden wäre, das die russische Führung wie kein anderes außerhalb Russlands selbst schon immer zum Bestandteil der "Russischen Welt" gezählt hat.
Mit den tonangebenden Westeuropäern hat man sich seit Ende des "großen vaterländischen" zweiten Weltkrieges immer irgendwie arrangieren und zuletzt sogar ziemlich einträgliche Geschäfte machen können. Es waren die USA - und zwar unter mehreren von beiden Parteien dominierten Administrationen, denen das von Anfang an nicht gepasst hat, die Russland seinen Anspruch, eine Großmacht zu sein explizit verweigerten (Obama -> "Regionalmacht"), und die sich schliesslich auch ganz aktiv und mit ziemlich dreister Offenheit (McCain, Nuland in Kiew) am Sturz des letzten "russlandfreundlichen" ukrainischen Präsidenten Janukowitsch durch den Maidan-Putsch, und seiner Ablösung durch den amerikafreundlicheren Oligarchen Poroschenko und den ultra-neoliberalen nationalisten Yatsenyuk als Regierungschef (damals noch) in Koalition mit den rechtsradikalen Neonazis von Svoboda beteiligten.
Die bloße Aufnahme von Verhandlungen mit der derzeit in den USA amtierenden Trump-Administration wird die Russen nicht zu echten Zugeständnissen bewegen. Warum sollten die ausgerechnet dem größenwahnsinnigen Trump und seiner America First-Bande zutrauen, ihnen in Zukunft ihren eigenen Großmachtstatus, für dessen Erhalt sie diesen fürchterlichen Krieg überhaupt vom Zaun gebrochen haben, nicht mehr streitig zu machen?
Glaubst Du an die unter deutschen Meinungsführern leider ebenso weit verbreitete, wie vollkommen einfältige These, dass nationalistische Autokraten alleine der autokratische Nationalismus schon zu potenziellen Freunden der nationalistischen Autokraten (oder solchen, die es wie Trump gerne werden wollen) anderer Nationen macht?
Ich glaube da jedenfalls nicht dran, Und ich glaube auch nicht, dass der Autokrat Putin, den Amerikanern, die seit Jahrzehnten daran arbeiten Russland als geopolitischen Machtfaktor zu neutralisieren, ausgerechnet jetzt mehr Vertrauen entgegenbringen wird, wo sie von einem erratischen Irren wie Trump regiert werden, der jetzt schon wieder damit droht, noch mehr Sanktionen gegen die Russen aus dem Hut zu zaubern, wenn er seinen Willen nicht bekommt.
