Cold War Reloaded - Der neue Ost-West Konflikt

  • Also den Hack hat es gegeben:


    https://www.gazeta.ru/tech/news/2024/10/07/24092647.shtml


    Bei dem Scheinrücktritt als Ersatzprogramm bin ich mir nicht sicher. Das wird hier zum Beispiel überhaupt nicht erwähnt:


    https://www.independent.co.uk/…ia-tv-putin-b2625196.html


    Zitat

    Huge hack shuts down Russian online state media on Putin’s birthday


    A Ukrainian official said the cyberattack was waged to congratulate Vladimir Putin who turned 72 on Monday

    Zitat
    Kyiv-based hacker group “sudo rm-RF” disabled Russian state broadcaster VGTRK’s online broadcasting and some internal services on Monday morning, news outlet Gazeta reported.
    Zitat

    “Ukrainian hackers congratulated Putin on his birthday by carrying out a large-scale attack on the all-Russian state television and radio broadcasting company,” a Ukrainian law enforcement official told Politico.

  • https://www.reuters.com/world/…y-turkey-says-2024-10-09/


    Zitat

    Ukraine eyes peace summit by year-end that includes Russia, envoy to Turkey says


    ANKARA, Oct 9 (Reuters) - Ukraine aims to organise a new peace summit by the end of this year and wants Russia to attend this time, its ambassador to Turkey said on Wednesday, but ruled out any direct bilateral talks with Moscow at the meeting.

    Zitat

    "One of the most important goals of this summit is to reach a fair peace in Ukraine. We are not talking about a format here in which Ukraine and Russia sit across (from) each other and Ukraine listens to Russia's demands," Ambassador Vasyl Bodnar told a briefing in Ankara, via a Turkish interpreter.


    "What we see now is this: the international community, along with Ukraine, will sit and create a list on what steps could be taken for a fair peace in Ukraine, and they will discuss what sort of demands to ask Russia based on that list," he said.


    Klingt wie die letzte "Friedenskonferenz". Die Russen sind dabei aber drehen Däumchen während das passiert?

  • https://www.reuters.com/world/…-cancels-trip-2024-10-09/


    Zitat

    Zelenskiy awaits new summit date after Biden postpones Germany trip


    BERLIN, Oct 9 (Reuters) - Ukrainian President Volodymyr Zelenskiy said on Wednesday he expected a new date for a summit of key allies to be agreed soon following the postponement of a planned gathering in Ramstein, Germany, because U.S. President Joe Biden was unable to join.

    Zitat

    "We understand that a new schedule may be prepared in the near future," Zelenskiy told a briefing in the Croatian city of Dubrovnik.


    Schätze man könnte es als schlechtes Zeichen sehen, dass es keinen Ausweichtermin gibt, andererseits wurde das Treffen recht kurzfristig abgesagt und wenn beiden kommt, sollen nehme ich an auch die Spitzenvasallen dabei sein, da sind viele Kalender zu koordinieren.


    https://www.reuters.com/world/…europe-summit-2024-10-09/


    Zitat

    Zelenskiy sees 'opportunity' to end war in Ukraine by 2025


    Oct 9 (Reuters) - President Volodymyr Zelenskiy said on Wednesday that the current state of play on the battlefield had created an opportunity for steps to end Russia's more than 2-1/2-year-old invasion no later than next year.

    Zitat
    "In October, November and December, we have a real chance to move the situation towards peace and long-term stability," he said. "The situation on the battlefield creates an opportunity to make this choice - a choice in favour of decisive action to end the war no later than 2025."


    Ich kann mir eigentlich nur vorstellen, dass er den Umstand meint, dass die Ukraine weite an ihrem Stückchen Kursk festhält. Denn ansonsten sehe ich nicht, was sich jetzt gerade im Oktober für die Ukrainer in eine gute Richtung entwickelt.

  • (1/3)


    Robert Woodward hat sein neues Hintergrundbuch wohl zum Ukrainekrieg geschrieben und das ist eine Erzählung daraus:


    https://foreignpolicy.com/2024…e-trump-russia-logan-act/


    Zitat

    What a New Book’s Explosive Revelations Tell Us About Biden, Trump, and Putin


    Bob Woodward’s “War” suggests Biden may have stopped a nuclear war even as Trump was secretly talking to Russia’s president.


    Nun kann man das bei seinen früheren Büchern vielleicht diskutieren, aber ich denke nicht, dass sich die neueren grundsätzlich von den Produkten des ubiquitären Leakens zur Narrativplatzierung durch DC-Insider unterscheiden. Was etwas kompliziert ausgedrückt ist, um zu sagen, möglich ist alles, aber ich glaube nicht wirklich daran.


    Es geht um den Zeitraum rund um die russischen Rückzüge 2022 (obwohl der Artikel schon noch Trump vor dem Nuklearkrieg behandelt, was bei mir den Eindruck hinterlässt, dass die Geschichte ebenfalls nicht für so ganz voll genommen wird). Kleine Zeitleiste der Rahmenereignisse:



    2022-09-10 Erklärung des russischen Rückzugs aus Charkow
    2022-09-15-16 SCO-Gipfel Samarkand
    2022-09-21 Russische Mobilisierung
    2022-09-23-27
    Referenden über den Beitritt ukrainischer Oblaste
    2022-09-26
    Sprengung des Nordstream-Systems
    2022-09-30 Annexion ukrainischer Oblaste
    2022-10-08 Anschlag Kertsch-Brücke
    2022-10-08 Surowikin als Kommandant der militärischen Spezialoperation ernannt
    2022-11-09 Rückzug aus Nordwest-Cherson angeordnet



    Das präsentieren sie:



    Also die Erzählung ist in etwa: Die US-Amerikaner haben erkannt, dass die Russen überlegen Kernwaffen einzusetzen und fangen an ihnen verhohlene Drohungen zukommen zu lassen, um sie davon abzubringen. Unter anderem führt das zu dem Telefonat von Austin und Schoigu. Schoigu ruft zurück und sagt, aber was wäre wenn die Ukrainer eine schmutzige Bombe haben. Austin sagt ihm daraufhin wir haben euch durchschaut und die Russen lassen von ihren Plänen ab. (Es ist noch etwas komplizierter, der Artikel erwähnt noch andere Gespräche, die Chinesen usw.)

  • (2/3)


    Freilich ist eigentlich gar nicht so viel Neues und ich meine nicht, dass schonmal darüber berichtet wurde, sondern dass das damals von westlicher Seite über die Medien ganz ähnlich präsentiert wurde, nur weniger explizit.


    Etwa diese Biden-Rede vom 6. Oktober 2022:


    https://www.whitehouse.gov/bri…aign-committee-reception/



    Dass Austin Schoigu plötzlich am 21. Oktober angerufen hat, wurde öffentlich bekannt gegeben:


    https://www.washingtonpost.com…shoigu-austin-phone-call/


    Zitat

    Details of the call were closely guarded by both sides. The Pentagon said Austin initiated the call and “emphasized” to Russia’s defense chief, Sergei Shoigu, “the importance of maintaining lines of communication amid the ongoing war.” The Kremlin, in its summary of the leaders’ “telephone negotiations,” said only that they discussed “relevant aspects of international security, including the situation in Ukraine.”


    https://eng.mil.ru/en/news_pag…re.htm?id=12442420@egNews


    Zitat

    Russian Defence Minister General of the Army Sergei Shoigu holds telephone talks with U.S. Defence Secretary Lloyd J. Austin


    Und soweit ich es nachvollziehen kann, kam das Thema "dirty bomb" am 23. Oktober auf wegen einer Reihe weiterer Telefongespräche von Schoigu an dem Tag mit Franzosen, Türken, Briten und nochmal US-Amerikanern unter anderem zu:


    Zitat

    [...] concerns about possible provocations by Ukraine with the use of a ‘dirty bomb’.


    Schließlich an dem Tag gab es daraufhin von drei davon eine gemeinsame Erklärung, dass man die Russen "durchschaut" habe:


    https://www.state.gov/joint-statement-on-ukraine-2/


  • (3/3)


    Was ist also der Teil, den ich nicht glaube? Nun, es kann schon sein, dass man im Westen davon überzeugt war, obwohl ich das nicht voraussetzen würde, die Frage ist, wieviel hat es mit dem zu tun, was sich bei den Russen abgespielt hat.


    Gehen wir es mal durch:


    Zitat

    [...] the Biden administration began receiving alarming intelligence that the Russian president was increasingly desperate over his battlefield losses. New intelligence reports indicated that there was a 50 percent chance Russia would use a tactical nuclear weapon, an assessment that was dramatically up from 5 percent and then 10 percent earlier in the war, Woodward writes.


    Wenn das präzise formuliert ist, sollen die geheimdienstlichen Erkenntnisse eigentlich nur besagt haben, dass Putin über entweder russische Verluste oder Niederlagen zunehmend verzweifelt sei. Und daraus wurde dann geschlossen, dass die Russen Kernwaffen einsetzen könnten. Die Prozentzahlen besagen denke ich nur, dass sie es vorher ausgeschlossen haben (5%, 10%) und jetzt nicht mehr ausschließen können (50%).


    Nächster Teil der Erzählung:


    Zitat

    According to the book, Biden swiftly directed his national security advisor, Jake Sullivan: “On all channels, get on the line with the Russians. … Tell them what we will do in response.” Biden told his team to use “language that is threatening without being directly threatening,” Woodward writes. “We need to open up a channel,” Biden reportedly said, [...]


    Das hat mich sofort an diesen ominösen Washington Post-Artikel vom 22. September erinnert:


    https://www.washingtonpost.com…uclear-threat-us-options/


    Zitat

    U.S. has sent private warnings to Russia against using a nuclear weapon


    The Biden administration has been sending messages to Moscow about the grave consequences that would follow the use of a nuclear weapon in Ukraine


    Der stellt nun tatsächlich ein Problem für die Erzählung dar (obwohl die Zuverlässigkeit seiner Angaben natürlich auch unklar ist), denn während uns jetzt gesagt wird, dass sich etwa um die Zeit dieses Artikels die US-Regierung entschlossen hatte, Russland Drohungen zukommen zu lassen, besagt der Artikel selbst, dass das schon seit Monaten passiert:


    Zitat

    The United States for several months has been sending private communications to Moscow warning Russia’s leadership of the grave consequences that would follow the use of a nuclear weapon, according to U.S. officials, who said the messages underscore what President Biden and his aides have articulated publicly.


    The Biden administration generally has decided to keep warnings about the consequences of a nuclear strike deliberately vague, so the Kremlin worries about how Washington might respond, the officials said, speaking on the condition of anonymity to describe sensitive deliberations.


    Ein weiterer Teil der Erzählung:


    Zitat

    [...] In a phone conversation in October, U.S. Defense Secretary Lloyd Austin warned his Russian counterpart, then-Defense Minister Sergei Shoigu: “Our leaders and your leaders have repeatedly said a nuclear war can never be won and should never be fought. This could put us on a path to confrontation that would have existential implications for you and for us. Don’t step on that slippery slope.”


    Austin further told Shoigu that if nuclear weapons were used, “all the restraints that we have been operating under in Ukraine would be reconsidered,” according to Woodward. “This would isolate Russia on the world stage to a degree you Russians cannot fully appreciate.”

    When Shoigu responded that he didn’t like being threatened, Austin countered: “Mr. Minister, I am the leader of the most powerful military in the history of the world. I don’t make threats,” according to Woodward’s account. [...]


    Decken wir einen Mantel des Schweigens darüber, falls die Worte "I am the leader of the most powerful military in the history of the world.I don’t make threats" wirklich gefallen sind und versetzen uns stattdessen in die Situation. Schoigu wird in diesem Gespräch nicht eingestanden haben, dass Russland den Einsatz von Kernwaffen akut erwägt. Mit anderen Worten Austin ruft an, fängt an darüber zu reden und Schoigu könnte sich die ganze Zeit gedacht haben, was will der eigentlich.


    Zusammengefasst: Vielleicht haben die US-Amerikaner die Furcht entwickelt, dass die Russen Kernwaffen einsetzen könnten, obwohl das nicht oder höchstens abstrakt erwägt wurde. (Nebenbei in zeitlicher Nähe zur Zerstörung von Nord Stream und offenbar kurz vor dem Anschlag auf die Kertsch-Brücke vielleicht hat man ja Reaktionen darauf erwartet.) Deshalb haben sie ihnen gedroht. Die Russen haben sich das angehört. Gibt keinen Kernwaffeneinsatz, die US-Amerikaner klopfen sich für ihren Erfolg auf die Schulter.


    Dafür spricht, dass das alles hier im Konjunktiv präsentiert wird "Biden may have stopped a nuclear war". Also auch aus US-Sicht ein gutes Maß an Zweifel verblieben ist. Müsste man schauen, ob das im Buch von Woodward auch so ist.


    Natürlich fehlt bei dieser Alternativdeutung der letzte Teil:


    Zitat

    [...] Two days later, Shoigu called back and falsely claimed the Ukrainians were planning to use a “dirty bomb,” which the United States believed the Kremlin was putting out as a pretext to deploy a nuclear weapon. “We don’t believe you,” Austin said, according to Woodward. “We don’t see any indications of this, and the world will see through this. … Don’t do it.”


    Shoigu responded, “I understand,” according to the book. [...]


    Wie passt nun das ins Bild? So wie es dargestellt wird, hat Schoigu praktisch sondiert, ob die US-Amerikaner auf diesen Vorwand reinfallen würden und da sie es nicht tun, haben die Russen dann davon abgesehen. Erneut wie muss man sich diese Situation vorstellen? Man hat dir gesagt, wir wissen ihr überlegt Kernwaffen einzusetzen, tut das nicht. Zwei Tage später ist dir ein Grund dafür eingefallen und du schaust, ob man ihn dir abnimmt?


    Ich habe hier keine gute Antwort, aber es schiene mir naheliegender, dass schon bei dem Anruf von Austin die dirty bomb-Anschuldigungen aufgeworfen wurden und Schoigu dann über die nächsten beiden Tage die Belege dafür zusammenstellen lässt, um sie dann mehreren Parteien zu präsentieren. Müsste man mehr darüber wissen, vielleicht hat das Woodward-Buch weitere Details, so wie es hier dargelegt wird, habe ich allerdings nicht den Eindruck.


    Ohne diesen Aspekt würde ich von der Kopfkino-Variante ausgehen, weil sich so überwältigend viel im Westen und bei seinem ukrainischen Stellvertreter auf der Ebene von Narrativen abzuspielen scheint. Und diese (vermeintlichen) Lorbeeren hier:


    Zitat

    At the time, some people were skeptical, especially inside Ukraine, whether Putin was bluffing. But Woodward’s citation of U.S. intelligence estimates—which proved to be strikingly accurate about Putin’s intentions before he invaded—is eye-opening. [...]


    Haben mich jedenfalls nicht davon überzeugt, dass westliche Geheimdienste wirklich wissen oder zumindestens nach oben vermittelt bekommen, was die Gegner so bewegt.

  • Nun kann man das bei seinen früheren Büchern vielleicht diskutieren, aber ich denke nicht, dass sich die neueren grundsätzlich von den Produkten des ubiquitären Leakens zur Narrativplatzierung durch DC-Insider unterscheiden. Was etwas kompliziert ausgedrückt ist, um zu sagen, möglich ist alles, aber ich glaube nicht wirklich daran.

    Ich habe das auch gelesen und war erst ein bisschen skeptisch, aber spätestens bei diesem Hollywood-reifen Satz, der super in ein potenzielles Team America II gepasst hätte...:


    When Shoigu responded that he didn’t like being threatened, Austin countered: “Mr. Minister, I am the leader of the most powerful military in the history of the world. I don’t make threats,”


    ...war ich absolut überzeugt davon, dass es sich genau so zugetragen hat!

  • Wie passt nun das ins Bild? So wie es dargestellt wird, hat Schoigu praktisch sondiert, ob die US-Amerikaner auf diesen Vorwand reinfallen würden und da sie es nicht tun, haben die Russen dann davon abgesehen. Erneut wie muss man sich diese Situation vorstellen? Man hat dir gesagt, wir wissen ihr überlegt Kernwaffen einzusetzen, tut das nicht. Zwei Tage später ist dir ein Grund dafür eingefallen und du schaust, ob man ihn dir abnimmt?

    So wie es da zitiert und formuliert ist, liest sich das einfach wie ein schlechter Tom Clancy-Abklatsch.

    Natürlich ist der russische Verteidigungsminister (ein Typ der es als Einziger Russe bisher so lange in diesem Amt ausgehalten hat, obwohl man ihm allgemein bescheinigte, dass er vom Militär keine Ahnung habe, der also offensichtlich mit allen politischen Wassern gewaschen ist) so dämlich, dass er versucht, dem amerikanischen Amtskollegen (ein Typ der Chef des Generalstabes und Manager in der Rüstungsindustrie war, und der es als erster schwarzer Mann in dieses Amt geschafft hat, der also vermutlich ebenfalls nicht auf den Kopf gefallen und völlig naiv sein kann) weiß zu machen, Russland habe einen legitimen Grund für einen Atomwaffeneinsatz, weil die Ukrainer versuchten, eine dreckige Atombombe gegen Russland einzusetzen.


    Das ist doch ziemlich offensichtliche und plumpe Propaganda für Leute, die glauben, dass Tom Clancy realistische Romane schreibt.

  • https://www.welt.de/politik/au…athematisch-fundiert.html


    Zitat

    „Unser Siegesplan ist mathematisch fundiert“


    Der Top-Berater von Präsident Selenskyj versteht den westlichen Pessimismus über die militärische Lage der Ukraine nicht. Er sieht gute Aussichten, Putin zu echten Verhandlungen zu zwingen – und erläutert im Interview, wie die Militärführung ihre Chancen ausrechnet.


    Es geht um Podoljak. Und ich denke tatsächlich habe ich den Siegesplan jetzt verstanden:


    Zitat

    Podoljak: Unser Modell beinhaltet vier Dinge. Erstens geht es um politischen Zwang, der deutlich machen soll, dass jedes Land das Recht hat, in dem Bündnis zu sein, das es möchte. Zweitens ist militärischer Zwang nötig. Etwa mit der Verlagerung des Krieges auf das Gebiet der Russischen Föderation. Drittens bedarf es wirtschaftlichen Zwangs, um die russischen Wirtschaftsmärkte zu schwächen. Und viertens ist da der diplomatische Zwang. [...]


    Gut, Punkt 3 und 4 sind man muss mal wirklich richtige wirtschaftliche Sanktionen zur Anwendung bringen und man muss die gesamte Welt dazu bringen, die Ukraine zu unterstützen. Also mehr und besser. Nun wenn es so einfach wäre, müsste der Teil schon abgehakt sein.


    Punkt 1 ist tatsächlich die Aufnahme der Ukraine in NATO und EU. Einfach mal machen.


    Punkt 3 ist insofern interessant, als dass es hier überhaupt nicht mehr darum geht, ukrainisches Gebiet zurückzuerobern. Das Gebiet kommt zurück, wenn alle Punkte zusammenkommen, damit ausreichend Zwang auf die Russen ausgeübt wird und sie nachgeben und sich zurückziehen. Es ist sogar so, dass militärischer Zwang nicht heißt, dass etwa die Angriffe tief in Russland eine große miilitärische Wirkung haben müssen, sondern eigentlich geht es um die "gesellschaftliche Stimmung", Podalyjak kommt jedesmal darauf:


    Zitat

    [...] Welchen Nutzen uns die Kursk-Offensive und die Luftschläge tief im russischen Gebiet geben. Wie wichtig es ist, den Krieg auf das Territorium Russlands zu verlagern und wie dies die gesellschaftliche Stimmung in Russland beeinflussen wird.

    Zitat

    [...] Deshalb sind unsere Luftschläge in russischem Territorium so wichtig. Erstens werden Produktion, Lager und Logistik zerstört, was sich auf die Ressourcen auswirkt und die Erschöpfung weiter vertieft. Dies ist die militärische Komponente, aber es gibt auch eine soziale. Wenn man großflächig angreift, nicht nur in Kursk und anderen Grenzgebieten, sondern in den Tiefen Russlands, in Saratow, Oriol, Leningrad und in der Region Moskau, dann ist die gesellschaftliche Stimmung eine ganz andere. Den Menschen wird klar, dass der Krieg auch in Russland stattfindet. Sie haben zwei Jahre keinen Krieg erlebt und fanden es cool, dass in der Ukraine Menschen getötet werden. Aber plötzlich erleben sie diesen Krieg selbst und merken, wie beängstigend das ist. Dies ist für den Kreml gefährlich, denn es könnte zu einem Stimmungswandel und Protesten führen.

    Zitat

    Podoljak: Sehen Sie, diese Waffensysteme würden den Verlauf des Krieges um das Zehnfache beschleunigen. Mit ihnen könnte man tausend Kilometer hinter der Frontlinie wichtige Militäreinrichtungen zerstören. Man würde den Nachschubtransport signifikant verlangsamen, ihn sogar blockieren und damit die Intensität der russischen Angriffe minimieren und stoppen können. Dies hätte wiederum Auswirkungen auf die gesellschaftliche Stimmung.


    Dann ergibt es auch Sinn die Kursk-Offensive, die man sich vermutlich nicht wirklich hätte leisten sollen, als Teil des Erfolgsmodells verkauft wird.


    Es wird schon auch die Vorstellung bedient wird, dass den Russen die Ressourcen ausgehen, aber nur so halb wie dann wieder der Verweis auf die sich schnell einstellende Einsicht zeigt:


    Zitat

    [...] Russland kämpft mit quantitativen Parametern. Es hat alte sowjetische Waffen in großen Mengen und eine große Anzahl von Menschen. Aber all das kann vernichtet werden, und das muss auch geschehen. [...] Es gibt quantitative Indikatoren dafür, wie viele Langstreckensysteme, wie viel militärisches Equipment benötigt werden, um Russland schnell klarzumachen, dass sich die Lage verschlechtern wird.

    Zitat

    WAMS: Es geht also um die Erschöpfung der russischen Ressourcen. Wann ist der Kipppunkt erreicht?


    Podoljak: Die Erschöpfung der Russischen Föderation ist schon offensichtlich. Warum müssen Nordkorea und der Iran Raketen an Russland liefern? Der Kreml gibt in diesem Jahr 140 Milliarden Dollar für den Krieg aus und investiert enorm in die Militärindustrie. Aber die Defizite vor allem bei Munition, Granaten und Raketen wachsen. [...]


    Und noch zum westlichen Pessimismus, völlig unverständlich, da Russland keinerlei Fortschritt im Donbass macht, außer dass sie ein kleine Stadt zerstört haben:


    Zitat

    [...] Zudem macht Russland keine nennenswerten Fortschritte an anderen Frontabschnitten. Ich verstehe diese pessimistischen Texte in verschiedenen Zeitungen nicht, die Untergangsstimmung über die Donezk-Region verbreiten. Russland hat dort alles eingesetzt, was es hat. Sie haben Wuhledar zerstört, aber das ist eine kleine Siedlung.

  • Hoffentlich hat Putin kein BILD-Abo, sonst kann der am Ende noch hinter die Bezahlwand gucken und mitlesen, welche Pläne der demokratische Widerstand schmiedet! =O


    Sneak peek:


    https://twitter.com/Lithuanian…tatus/1844381934165864858


  • ... ich denke tatsächlich habe ich den Siegesplan jetzt verstanden:


    A propos "Sieges"-plan...:

    What Would Victory in Ukraine Look Like?

    If Ukraine defines victory as the return of all land that Russia has occupied since 2014, victory is not in sight. But if it aims to maintain its independence as a prosperous democracy linked to Europe, while reserving its right to the ultimate return of its territory, victory remains possible.

    [...] In Iraq, the US removed Saddam Hussein but neither found weapons of mass destruction (the justification for their deployment) nor turned that country into a functioning democracy. Worse, some cynics would argue that the true victor was Iran, which became the most influential political force in Iraq. On the other hand, though the demilitarized zone remains in place in Korea, the southern half of the peninsula has evolved into a vibrant, prosperous democracy with an annual per capita income of $35,000, whereas North Korea is a dangerous dictatorship with an estimated annual per capita income of $1,200

    and recurrent food crises. Who won the stalemated war? This brings us to Ukraine, where the definition of victory depends on the participants’ war aims and time horizons. In 2014, Russia invaded Ukraine on the pretext of protecting Russian speakers in Crimea and parts of the eastern Donbas region. Eight years later, Russia tried to complete the process by destroying Ukraine as an independent state. As Russian President Vladimir Putin wrote in 2021, he did not regard Ukraine as an independent nation but as part of the larger Russian world. He massed troops on the border with the intent of capturing Kyiv in a few days and replacing the Ukrainian government, much as the Soviet Union had done in Budapest in 1956 and Prague in 1968. He failed. [...]

    Man wendet natürlich erst mal die unter westlichen Expert*innen mittlerweile altbewährte Expertentaktik an, dem Gegner irgendein Maximal-Kriegsziel zu unterstellen, und die eigene Seite dann dafür zu rühmen, ihn trotz aller Widrigkeiten durch ihren todesmutigen, heldenhaften Einsatz an dessen Erreichen gehindert zu haben, obwohl man keinen tatsächlichen Beleg dafür hat, dass das überhaupt das gegnerische Ziel war, außer der diesbezüglichen Interpretation eines Textes oder der Abschrift einer Rede des feindlichen Anführers, die man dabei jedoch lieber nicht im Wortlaut zitieren will, weil sonst klar würde, dass das da so gar nicht drin steht.

    Immerhin hat der Autor den Artikel Putins aus dem Juli 2012, auf den er sich bezieht, hier verlinkt, aber natürlich nicht die entsprechende Stelle zitiert, so dass es dem Leser überlassen bleibt, sich durch das seitenlange Putinsche Seminar über dessen eigensinnige Interpretation der Russo-Ukrainischen Geschichte zu kämpfen, und hoffentlich gar nicht erst bis zum Schluss durchzuhalten, wo der Russenhitler tatsächlich klar formuliert, dass er überhaupt nicht die Absicht habe, "Die Ukraine" als unabhängigen Staat zu "zerstören". .


    Weiter im Text wird es allerdings realistischer:


    [...] The problem, of course, is that Russian troops still control approximately one-fifth of Ukraine’s territory, and Putin has revised his war goals to demand that Ukraine recognize his annexation of four eastern provinces (including some that Russian troops do not fully control). The war seems to be stalemated, but Putin has turned it into a war of attrition. While Russian casualties are enormous, he may be betting that time is on his side, given Russia’s larger population and economy. Eventually, Ukraine’s will to fight may erode, as will Western support.[...]

    Recently, Czech President Petr Pavel, a former NATO general who has been a strong backer of Ukraine, stated that “to talk about a defeat of Ukraine or a defeat of Russia, it will simply not happen. So the end will be somewhere in between.” Pavel warned that part of Ukrainian territory will remain under Russian occupation temporarily, and that “temporarily” could mean years. If Ukraine defines victory as the return of all land that Russia has occupied since 2014, victory is not in sight. But if it aims to maintain its independence as a democracy linked to Europe, while reserving its right to the ultimate return of its territory, victory remains possible. But this possible victory also means that Putin must not be able to declare his own victory. Ukraine must be given the support it needs to strengthen its bargaining position. Even if Ukraine cannot achieve its maximalist goals in the short run, the legitimacy of its position would be preserved in the long term as long as Russian gains are not recognized.[...]


    Natürlich schafft der Russe, seinen derzeitigen Vormarsch im Donbass nur unter "enormen Verlusten". Aber das kennt man ja von ihm. Er hat eben - im Gegesatz zu uns friedliebenden, lebensbejahenden Völkern des freien Westens, denen brutale Gewalt gegen andere Länder vollkommen fremd ist - keine Kultur des Lebens, sondern nur eine des Sterbens (F. Gaub, A. Mansour) und daher ist es ihm egal, wieviel Menschenfleisch er in den Wolf werfen muss, damit am Ende ein schönes Hacksteak für den Diktator auf den Teller kommt, und die Landkarte stimmt.

    Der Ukrainer hat allerdings keine wirklich andere Wahl, als die neuen Grenzen erst mal so zu akzeptieren, und sich darauf zu verlassen, dass einzene NATO-Mitglieder ihm schon zur Seite stehen werden, sollte der Iwan wieder über die Grenze machen, denn eine eigene Mitgliedschaft in der heiß begehrten Allianz der westlichen Werteträger und Friedensfürst*innen ist - ehrlich gesagt- ziemlich ausgeschlossen, solange da ein eiserner Vorhang mitten durch's Land geht, und es statt eines Friedensvertrages nur einen dauarhaften Waffenstillstand für den dann "eingefrorenen" Konflikt gäbe:


    [...] This is sometimes referred to as a Korean solution. An armistice and demilitarized zone along the line of control would be monitored by international peacekeepers, so that Russia would draw in many other countries were it to resume its attack. While it may not be possible to get 32 NATO members to agree to Ukraine’s formal membership in the alliance at this time, a group of NATO members calling themselves “friends of Ukraine” could monitor the zone and vow to respond to any new act of Russian aggression. Finally, Ukraine would also need assistance to rebuild its economy and access to EU markets. While a Korean solution would not satisfy Ukraine’s maximalist goals in the short term, it would certainly deserve to be called a Ukrainian victory.


    Interessant ist der Text eigentlich vor allem deshalb, weil Autor Joseph Nye ein ziemlich wichtiger Politikberater ist, der zum Beraterstab mehrere Ministerien unter demokratischer Führung gehörte, und lange Zeit Dekan der renommierten politischen Elite-Schmiede John F. Kennedy School in Harvard war. Außerdem wurde der Artikel auch nochmal im Kyiv Independent groß aufgemacht (dort fehlt allerdings der Link zum Artikel Putins).

  • uhh...das klingt aber dramatisch. Die ruzzische Bevölkerung steht mehrheitlich hinter Putins imperialem Terrorkurs!


    Mal reinhören, was die furchterregende Frau Adler vom Deutschlandfunk da für uns beim russischen Dissidenten heraus recherchiert hat:


    "[...] Eine realistische? [Chance auf Friedensverhandlungen] Die gibt es nicht. Putin wir sich nicht auf Verhandlungen einlassen, wenn er weiß, dass er militärisch besiegt worden ist [?]. Der Krieg wird so lange dauern, bis ihm die Ressourcen ausgehen. Und er hat die absolute Absicht, die Ukraine auf brutalste und zynischste Weise zu zerstören - ihre Infrastruktur, ihre Wirtschaft, und so weiter. Rücksichtslos, mitleidlos - hier sollte man sich keine Illusionen machen.

    Und die Stimmung der Massen in Russland ist ungefähr die gleiche. Es gibt keinerlei Mitleid mit den Ukrainern. Es gibt auch kein Schuldbewusstsein. Als wir gefragt haben, ob sie eine Entscheidung Putins, die Feidnseligkeiten einzustellen unterstützen würden, sagten 70% 'Ja'. Als wir fragten: 'Würden sie den Abzug der russischen Truppen aus den eroberten Gebieten unterstützen?', sagten ebenso viele - 65-70% - 'Nein'. [...]" (DLF, 11.10.24 - ab 07:50)


    Also ganz klar. Der gemeine Russe ist genauso rücksichts- und mitleidlos wie sein Kreml-Hitler. Ja einfach die Feindseligkeiten einstellen, das würde diesem Barbaren wohl so gefallen! Aber was viel wichtiger ist: nämlich die territoriale Integrität der Ukrainischen Nation und ihrer wertebasierten Herrschaft wieder herstellen, das will er nicht. Da fehlt ihm jegliche Empathie.


    Da hilft nur noch eins:


    Der Feind lässt uns keine andere Wahl.

  • https://www.politico.eu/articl…ture-relationship-russia/


    Zitat

    US and Europe to clarify NATO’s future relationship with Russia


    Defense ministers will discuss how to map out a new NATO strategy toward Moscow, to reflect the frosty relationship.


    Wollen wohl die NATO-Russland-Grundakte loswerden:


    Zitat

    However, despite the change in tone, NATO still keeps the "Founding Act" with Russia alive. It's a document signed in 1997, six years after the Soviet Union's collapse, stipulating a shared goal to "build a stable, peaceful and undivided Europe."

    Zitat

    NATO countries are now in the process of trying to "map out different elements of [the Russia] strategy and advance the debates inside the alliance that takes us to subjects like the future of the NATO-Russia Founding Act," a senior U.S. government official told reporters on Friday.


    "It's time to now craft a new strategy in terms of [the allies'] specific positions," the official said.

    Zitat
    The U.S. official added: "Right now we have to have an understanding across the alliance ... that the [Founding Act] and the NATO-Russia Council were built for a different era, and I think the allies are prepared to say that was a different era in our relationship with Russia, and therefore something new is merited."


    Und das hier::?:


    Zitat
    Differences arise as to how far NATO should go to create a new set of rules when it comes to Russia. A NATO diplomat said there is worry among some members that a very aggressive new strategy could send a "signal" that could destabilize Russia.


    Destabilisiert die russischen Grenzen, so dass sie sich plötzlich mit NATO-Gebiet überschneiden oder wie?

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