Stammtisch & Kaffeekranzerl


  • Proletopia war mal ganz gut am Anfang (die ersten zwei folgen oder so). Aber dann ging es stark bergab. Der Fehler ist halt, dass Twitch und Youtube wohl zu seiner Haupteinnahmequelle geworden sind. Somit kann er nur Themen machen, die auch genug views bringen, und das sind halt meistens Themen, die viel Streit und Ausseinandersetzung mit sich bringen wie dieser Kulturk(r)ampf, der mittlerweile seine Hauptbeschäftigung zu sein scheint. Wenn man auch nur ein bisschen Authentizität in sich behalten will, sollte man immer noch eine zweite finanzielle Absicherung haben, damit man nicht komplett von solchen Marktkräften abhängt. Am Besten ist es so wie bei Maurice Höfgen, der macht das alles neben seinem gut bezahlten Hauptjob beim Staat.

  • Wovon ich sprach, ist dabei nicht mal kriminell, sondern einfach gezielter Lobbyismus. Und wenn es dich ruhiger schlafen lässt, zu glauben, dass Regierungen, Konzernspitzen und Vermögensverwalter bestimmte Werte zur Zielvorgabe erklären und mit viel Geld fördern, um die Welt wirklich zu verbessern, und nicht um Märkte zu gestalten, dann will auch ich dir deinen Schlaf nicht rauben.

    https://www.theguardian.com/us…liticians-donations-study


    25 corporations marking Pride donated over $10m to anti-LGBTQ+ politicians – study



    Wieso setzen sich die Konzerne öffentlich für Diversität ein, aber finanzieren heimlich Politiker, die konservativ, rechts und anti-divers sind?

  • Die scheinbare Widersprüchlichkeit im Verhalten von Konzernen – öffentliche Unterstützung für Diversität bei gleichzeitiger Finanzierung konservativer, rechter Politiker – hat Zizek ja ständig beschrieben. Er argumentiert oft, dass der Kapitalismus inhärent widersprüchliche Züge aufweist, die sich in der Art und Weise manifestieren, wie Unternehmen agieren. Sie nutzen die Ideologie der 'kulturellen Diversität' als eine Art kapitalistisches Feigenblatt, um ihre Marktpräsenz zu stärken und gesellschaftliche Akzeptanz zu sichern.


    Gleichzeitig finanzieren sie politische Kräfte, die ihre wirtschaftlichen Interessen unterstützen, selbst wenn diese Kräfte ideologisch gegen die propagierten Werte stehen, im Ergebnis also die 'zynische Distanz'. Man hat ein Bewusstsein über die Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Image und den tatsächlichen Handlungen, aber am Verhalten ändert sich nichts. Unternehmen agieren in einem Spannungsfeld von Profitstreben und Imagepflege, wobei sie pragmatische und oft opportunistische Entscheidungen treffen, die sowohl ideologische als auch materielle Vorteile maximieren sollen.


    Das geht so weit, die bestehenden Machtverhältnisse zu stützen, während gleichzeitig eine Fassade der Veränderung und des sozialen Fortschritts aufrechterhalten wird.


    In diesem Kontext sind Konzerne sowohl Nutznießer als auch Gestalter des sozialen und politischen Diskurses, und ihre Handlungen müssen als Teil eines komplexen Netzwerks von Machtbeziehungen verstanden werden, in dem Ideologien nicht nur reflektiert, sondern aktiv konstruiert und manipuliert werden. In der Form bewerben Tabakkonzerne, Fastfoodketten Programme für gesündere Lifestyles und sind Sponsoren von Sportereignissen, während Facebook und so scheinbar ultra transparent wirken wollen. Hintenrum lobbyiert man aber zwecks Profitmaximierung.


    Diese Akzeptanz von Doppelmoral lässt sich für mich durch nichts besser veranschaulichen, als durch Spitzenpolitiker*innen. Und zeitgleich funktionieren wir nicht anders. Naja... Bisserl weit ausgeholt.

  • Eben genau deswegen exakt an diesem Tag.


    Guntram Wolff. Ist das der Sohn vom schweren Gustav und der dicken Bertha? Guntram Wolff, ich kann nicht mehr. Das ist 100% ein NPC in einer meiner nächsten Rollenspielrunden. Wir haben schon einen Vulfgang Bang.

    10-- 1-01 10=- 1-00 1--2 10=0 1-2= 1-01 10=0 1-01 1-20 10=1 10=2 10=1 1-10 10=0 10=1 1-00 1-21 1-21 1-02

  • In diesem Kontext sind Konzerne sowohl Nutznießer als auch Gestalter des sozialen und politischen Diskurses, und ihre Handlungen müssen als Teil eines komplexen Netzwerks von Machtbeziehungen verstanden werden, in dem Ideologien nicht nur reflektiert, sondern aktiv konstruiert und manipuliert werden.

    Ideologien - vor allem solche, die ganze Nationen oder gar Wertebündnisse aus mehreren Nationen durchdringen - werden sehr selten "aktiv konstruiert".


    Wenn man sowas behauptet, dann muss man konkret aufzeigen können, wie und von wem das getan wird, sonst ist es einfach eine Behauptung - auch wenn sie von Slavoj Zizek aufgestellt wird - in die man alle möglichen Konspiratismen hinein interpretieren kann, bis dann am Ende z.B. raus kommt, dass Klaus Schwab und das WEF die westlichen Regierungen mit ihren Zöglingen aus dem Young Leadership-Programm besetzt haben und dass die jetzt lauter volksfeindliche Maßnahmen ins Werk setzen, um die Gesellschaft von oben zu spalten und für den "Great Reset" sturmreif zu schiessen, oder - auf der anderen Seite, auf die sich auch Großphilosoph Zizek letzterdings geschlagen hat - dass Vladimir Putin und Xi Jinping seit Jahren mit Trollarmeen und TikTok die westlichen Bevölkerungen gegen ihre freiheitlich-demokratischen Regierungen aufhetzen, und sie dazu verleiten, rechtsradikale Demokratiefeinde zu wählen, weil sie unsere #Freiheit hassen und die Ukraine vernichten wollen.


    Ideologien entstehen mit und aus den gesellschaftlichen Verhältnissen. Die "konstruiert" man nicht einfach aktiv und die wird man deswegen auch nicht einfach los, indem man irgendwelche Leute als oberste Ideologiekonstrukteure identifiziert und den Volkszorn gegen sie agitiert, um sie aus dem Weg zu schaffen und zur Rechenschaft zu ziehen, sondern - wenn überhaupt - nur indem man die gesellschaftlichen Verhältnisse ändert, aus denen sie entstehen.

  • Point taken. Aber selbst wenn der Grad an aktiver Manipulation bei Ideologien höher wäre, als du es postuliert, dann wäre die intentionale Grundlage, mit der Ideologien konstruiert werden, immer noch basierend auf dem Sein und den damit verbundenen Verhältnissen. Ich sehe da nicht zwangsläufig einen Widerspruch sondern mehr oder weniger das Konzept der self-fulfilling prophecy.

  • Ich wollte halt - auch aus gegebenen Anlässen - noch mal darauf hinweisen, dass ein guter - wenn nicht der größte - Teil der Probleme, die wir derzeit im freien Westen überall beklagen, genau daher kommt, dass man dafür die Fehlleistungen irgendwelcher in- wie ausländischer Personen, Gruppen oder Parteien verantwortlich macht, sich dann qualitäts- wie alternativjournalistisch immerzu an denen abarbeitet, und damit beim Publikum völlig die Fähigkeit zunichte macht, gesellschaftliche Zusammenhänge zu erfassen, die nicht nur von irgendwelchen Privatinteressen - auch den eigenen - bestimmt werden, sondern von der Art und Weise wie die gesamte Gesellschaft organisiert ist, und wie wir uns alle daran beteiligen, dass das auch so bleibt - ob es uns passt oder nicht - , weil die herrschenden Verhältnisse das nun mal erfordern und es sehr schwer machen, sich dagegen zu wehren.

  • Ich wollte halt - auch aus gegebenen Anlässen - noch mal darauf hinweisen, dass ein guter - wenn nicht der größte - Teil der Probleme, die wir derzeit im freien Westen überall beklagen, genau daher kommt, dass man dafür die Fehlleistungen irgendwelcher in- wie ausländischer Personen, Gruppen oder Parteien verantwortlich macht, sich dann qualitäts- wie alternativjournalistisch immerzu an denen abarbeitet, und damit beim Publikum völlig die Fähigkeit zunichte macht, gesellschaftliche Zusammenhänge zu erfassen, die nicht nur von irgendwelchen Privatinteressen - auch den eigenen - bestimmt werden, sondern von der Art und Weise wie die gesamte Gesellschaft organisiert ist, und wie wir uns alle daran beteiligen, dass das auch so bleibt - ob es uns passt oder nicht - , weil die herrschenden Verhältnisse das nun mal erfordern und es sehr schwer machen, sich dagegen zu wehren.

    Auf der anderen Seite ist aber dann schon so, dass bekannte oder unbekannte Entscheidungsträger:


    - beschließen in die Ukraine einzumaschieren

    - Scharfschützen auf den Dächern rund um den Maidan auf die Menge schießen lassen

    - die Sprengung NortdStream in Auftrag geben

    - Sanktionen verhängen

    - Waffenlieferungen organisieren...


    Ich bin aktuell schon der Ansicht, dass sich politische Entscheidungsträger aktuell sehr viel Macht geben. Wir erleben, aus meiner Sicht, die Rückehr des Primates der Politik, in Gestalt eines immer repressiver agierenden und militärisch gesinnteren Staates. Und damit fällt natürlich automtisch auch einzelen Regierungsmitgliedern das Privileg zu wirklich wichtige Entscheidungen für uns alle zu treffen. Ich kann mich daran erinnern, dass linke Politiker oft formulierten, dass sie sich einen aktiveren oder einflussreicheren (Rechts- und Sozial-)Staat wünschten. Ich fand das damals richtig. Heute wünsche ich mir nur noch einen schwachen Staat, der eben keine Kriege führen oder Sanktionen beschließen kann. Es ist doch so, dass weder Deutsche noch russische Unternehmer diesen Krieg gewollt haben. Hätten wir auf der einen Seite einen Gazprommanager und auf der anderen Seite einen Manager der BASF sitzen gehabt, zwei Vertreter des Großkapitals und damit Repräsentatnten der von Dir beschriebenen Ideologie, hätte es diesen Krieg in Europa wahrscheinlich niemals gegeben. Es kann natürlich auch sein, dass der BASF-Manager hier gar nicht hingehört, sondern einer von ExxonMobile, der eine etwas andere Sicht auf die Dinge haben wird.

    Trotzdem: Krieg und kriegerische Auseinandersetzungen müssen von staatlichen Akteuren organisiert werden, weil Kriege eben keine Werte schaffen und in diesem Ausmaß überhaupt erst mittels staatlicher Kreditaufnahme (siehe David Gräber: Schulden) organisiert werden können.


    Wir erleben hier keinen Auswuchs kapitalistisch geprägter Denkweisen mehr, sondern wir befinden uns inmitten eines Machtkampfes darüber, wer in dieser Welt den Ton angibt. Hier fallen gerade Masken. Die achso freiheitliche und liberale Lebensweise im Westen, war nur solange politisch geduldet, solange es keine Bedrohung von Außen gab. Das was Du als "Ideologie" bezeichnest war eine Art Versprechen, welches nun eilig eingeholt und revidiert wird ("Friedensdividende","Ende der Geschichte", "freiheitliche Grundordnung", "freiheitliche Lebensweise") in "Kriegstüchtigkeit" und "Gut gegen Böse".

  • Heute wünsche ich mir nur noch einen schwachen Staat, der eben keine Kriege führen oder Sanktionen beschließen kann.

    Bis auf diesen Satz Zustimmung meinerseits.

    Ich wünsche mir schon einen starken Staat, denn diese Macht, die ein schwacher Staat abgibt, die löst sich ja nicht auf, sie wird von jemand anderes aufgegriffen und anders als beim Staat, den man so organisieren sollte, dass er demokratisch legitimiert ist (und da gibt es natürlich ein weites Feld an Interpretationsspielraum, wie (und für manchen ob) das ginge), sind es andere Instanzen wohl eher nicht. Kriege sind ja nicht immer persönlichen Eitelkeiten und Machtphantasien geschuldet, sondern durchaus seit Jahrtausenden auch wirtschaftlichen Interessen.

    Und wenn ich sehe, welchen Bedingungen - nach ein paar Jahrzehnten Neoliberalisierung - die Menschen hierzulande, wo wir von einem schwachen Staat ja keineswegs sprechen könn(t)en, ausgeliefert sind, bin ich doch wenig gewillt, diesen Weg mitzugehen.


    Vielleicht ist "schwacher Staat vs. starker Staat" da als Begriffspaar aber auch einfach in einer aus der Zeit gefallenen falschen Dichotomie (analog "links vs. rechts") gefangen, die man einfach nicht mehr ohne ausreichende Differenzierung verwenden kann/sollte, gefangen.

  • Ich bin aktuell schon der Ansicht, dass sich politische Entscheidungsträger aktuell sehr viel Macht geben. Wir erleben, aus meiner Sicht, die Rückehr des Primates der Politik, in Gestalt eines immer repressiver agierenden und militärisch gesinnteren Staates. Und damit fällt natürlich automtisch auch einzelen Regierungsmitgliedern das Privileg zu wirklich wichtige Entscheidungen für uns alle zu treffen. Ich kann mich daran erinnern, dass linke Politiker oft formulierten, dass sie sich einen aktiveren oder einflussreicheren (Rechts- und Sozial-)Staat wünschten. Ich fand das damals richtig. Heute wünsche ich mir nur noch einen schwachen Staat, der eben keine Kriege führen oder Sanktionen beschließen kann. Es ist doch so, dass weder Deutsche noch russische Unternehmer diesen Krieg gewollt haben. Hätten wir auf der einen Seite einen Gazprommanager und auf der anderen Seite einen Manager der BASF sitzen gehabt, zwei Vertreter des Großkapitals und damit Repräsentatnten der von Dir beschriebenen Ideologie, hätte es diesen Krieg in Europa wahrscheinlich niemals gegeben. Es kann natürlich auch sein, dass der BASF-Manager hier gar nicht hingehört, sondern einer von ExxonMobile, der eine etwas andere Sicht auf die Dinge haben wird.

    Trotzdem: Krieg und kriegerische Auseinandersetzungen müssen von staatlichen Akteuren organisiert werden, weil Kriege eben keine Werte schaffen und in diesem Ausmaß überhaupt erst mittels staatlicher Kreditaufnahme (siehe David Gräber: Schulden) organisiert werden können.

    😳

    Nope. Der Staat ist das Einzige, das sich einigermaßen von der Bevölkerung beeinflussen lässt. Ein schwächerer Staat bedeutet schwächere durchsetzungskraft der Interessen der Bevölkerung. Dagegen kann man ja anführen, dass die Politiker sowieso nicht im Sinne der Bevölkerung handeln, aber das stimmt nicht. Ich bin mir sicher, dass der Krieg schon längst eskaliert wäre, wenn nicht die Mehrheit der Leute gegen den Krieg wäre und die Politiker dem wenigstens ein bisschen entsprechen müssen. Auf Unternehmen gibt es überhaupt keinen Einfluss durch die Bevölkerung. Wenn Rheinmetall die Ukraine noch mehr hochrüsten will, dann hätten die das schon längst gemacht. Und natürlich hat das Kapital auch ein Interesse an Krieg, weil es nach dem Krieg auch um Fragen nach der Verteilung von Eigentum und Ressourcen geht, sowie Marktzugänge.

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