Stammtisch & Kaffeekranzerl

  • Wäre ja auch kein micro-, sondern macro targeting, wenn es die Mehrheit betrifft.

    Nee. Du musst nur alle Leute erreichen, die potentiell die AfD wählen würden und ihnen dann maßgeschneiderte politische Werbung zeigen durch die sie dann dazu gebracht werden, die AfD zu wählen. Sozusagen ihnen den letzten Schubs nach Rechts geben. Das hat ja die FDP auf TikTok gemacht. Deswegen haben so viele Jugendliche die gewählt.

  • Ich habe mal eine - vermutlich - blöde Frage zum Thema Israel/Palästina.


    Und zwar habe ich den Eindruck , dass das Thema in den USA sehr groß ist oder sagen wir mal zumindest gefühlt größer als in anderen Ländern der Welt. Nun weiß ich nicht sonderlich viel über die USA, außer, dass dort viele Menschen mit jüdischen Wurzeln leben.

    Deswegen überrascht mich die Tatsache, dass die pro-palästinensischen Stimmen so laut sind (mein subjektiver Eindruck nicht nur aus Wemirs Postings zu den Universitäten, sondern auch aus Kommentaren in "sozialen" Medien). Woran liegt denn das?

  • Erklärungsversuch. Der angesprochene Anteil der jüdischen Bevölkerung ist ein Aspekt und die jüngeren unter ihnen sind Umfragen zufolge inzwischen vom Staat Israel abgerückt.

    Die öffentliche Debatte unserer Hegemonialmacht USA ist auf der anderen Seite hierzulande immer überrepräsentiert. Deren Themen sind auch unsere Themen in der Presse. Hinzu kommt, dass wir bei diesem Thema aus bekannten Gründen selbst in Zurückhaltung üben müssen, was den Eindruck verstärkt. Ein weiterer Grund dürfte die durch den 1. Verfassungszusatz andere Mentalität der Amerikaner sein. Auch wenn Proteste unterdrückt werden, so ist man juristisch dort zumeist auf der sicheren Seite.


    Das Thema ist allerdings auch anderswo groß, besonders außerhalb des Westens. In Deutschland wird es vermutlich am kleinsten gehalten, was angesichts unserer Staatsräson nicht wundert, denn autoritäre Auswüchse, wie zuletzt mit Varoufakis, kamen in diesem Zusammenhang nochmal auf ein neues Level und auch das wird kaum öffentlich diskutiert, gruselig.

  • Danke Dir!

    Mir war gar nicht bewusst, dass die jüngeren Teile der dortigen jüdischen Bevölkerung ein nennenswerter Teil der Proteste sind und dementsprechend hatte ich mich gewundert, wer denn da Pro-Palästina ist, da man den Amerikaner:innen ja ansonsten nachsagt, dass sie nicht mal wüssten, wo auf dem Globus andere Länder zu finden sind.

    Umso schiefer erscheinen mir die Antisemitismusvorwürfe in alle Richtungen (und insbesondere gegen Juden). Puh.


    Zu allen anderen von dir angeführten Punkten: ah okay, klingt logisch. Und vermutlich nehmen wir das Schweigen hier in D ungleich lauter wahr, weswegen die Debatte andernorts dann umso mehr auffällt.

  • Zur Situation an den US-Universitäten muss man noch sagen, dass die Pro-Palästina-Proteste auch Teil des seit langem dort tobenden Kulturkampfes sind. Die Republikaner führen schon seit einiger Zeit ihren Kreuzzug gegen die angebliche Diktatur der "woken" "Neo-marxisten" an den Elite-unis. Jetzt versucht man die auch noch zusätzlich allesamt als Antisemiten und Terroristen zu brandmarken, und die Polizei oder gar die Nationalgarde auf sie loszulassen.

    Absurderweise decken sich in Sachen bedingungslose Unterstützung der rechtsradikalen israelischen Regierung die Haltungen der Republikaner, bis tief ins ultra-reaktionäre Trump-Lager hinein, mit denen von Joe Biden und dem hinter ihm stehenden demokratischen Parteiestablishment.


    Die Proteste sind also auch ein Aufstand der eigentlich bisher noch irgendwie zur demokratischen Zielgruppe gerechneten Abkömmlinge des gehobenen Bildungsbürgertums gegen den demokratischen Präsidenten, von dem gerade die jungen Leute in den USA auch schon lange vor der jüngsten Entwicklung in Gaza ziemlich enttäuscht waren, und von dem sie sich jetzt nicht mehr länger vereinnahmen lassen wollen, und ihm vor allem deshalb seine Unterstützung des "Genocide" durch die Israelische Regierung in Gaza vorhalten.


    Damit machen sie sich dann allerdings nicht nur das erzkonservative Fox News, sondern auch die ganzen "liberalen" Qualitätsmedien wie CNN, MSNBC, etc. zum Feind, die dort eine starke Affinität zur demokratischen Parteiführung aufweisen. Und so wird das ganze über die Maßen medial aufgebauscht und man erhält ein völlig verzerrtes Bild davon, was da eigentlich gerade stattfindet - nämlich hauptsächlich friedliche Proteste, an denen auch viele jüdische Menschen teilnehmen - wenn man nicht außerhalb der Qualitätsmedien nach weiteren Informationen sucht.

  • Zur Situation an den US-Universitäten muss man noch sagen, dass die Pro-Palästina-Proteste auch Teil des seit langem dort tobenden Kulturkampfes sind. Die Republikaner führen schon seit einiger Zeit ihren Kreuzzug gegen die angebliche Diktatur der "woken" "Neo-marxisten" an den Elite-unis. Jetzt versucht man die auch noch zusätzlich allesamt als Antisemiten und Terroristen zu brandmarken, und die Polizei oder gar die Nationalgarde auf sie loszulassen.

    Das ist eher eine Bruchstellen des Kulturkampfes, denn Widersprüche treten jetzt zutage. Dieser Kulturkampf hat seine Wurzeln an diesen Universitäten und ein Kern der Ideologie ist die Pluralität und dass Ethnie u.a. keine Rolle spielt, so die Selbstwahrnehmung. Plötzlich ist nun aber offensichtlich, dass dieses von staatswegen offensiv zur Schau gestellte und gesellschaftlich forcierte Werterittertum das Gegenteil des tatsächlichen Handeln ist und nichts weiter als eine Maske für die hässliche Fratze des Imperialismus.


    Es wurde anfangs mit den gleichen Mustern versucht diese Kritik aus dem öffentlichen Diskurs zu halten und auf Linie zu bringen, wie bei anderen Themen. Das hat nicht geklappt, weil hier die Kinder der Reichen und die zukünftigen Eliten Ziel der Angriffe waren. Ursächlich dafür dürfte dann auch sein, dass an den Eliteuniversitäten ein nicht zu unterschätzender Teil mit ethnisch "diversem" Hintergund für viel Geld studiert, der dann aber auch eine andere Perspektive, als die leitmediale mitbringt.


    Man kann dies dann überaschenderweise gar als einen ungeplanten Erfolg der Woke-Bewegung betrachten.

  • Es gibt keine

    Du weißt was gemeint ist und jeder andere auch. Und sich an Begrifflichkeiten aufzuhängen ist nur die Ausflucht vor der eigentlichen Auseinandersetzung.


    Wenn du darauf beharrst, dass Bewegung eine organisierte Gruppe von Menschen sein muss, die sich selbst so bezeichnet, dann natürlich nicht, denn die Marke ist längst verbrannt. Das ändert aber nichts daran, dass der Begriff ursprünglich von den Aktivisten für Diversität selbst geprägt wurde und dieser Aktivismus später erfolgreich von denen instrumentalisiert und mit viel Geld ausgesestattet wurde, welche in der Finanz-Oligarchie das Sagen haben. Und tatsächlich ist die "Bewegung" dank der lenkenden Unterstützung von Staat und Großkapital aktuell sehr erfolgreich damit, die Gesellschaft zu verändern. Das kann man einfach mal zur Kenntnis nehmen, selbst ohne Wertung.


    Die Proteste im Zusammenhang mit Gaza an seinen Elitefabriken waren dabei aber ganz gewiss nicht im Sinne des finanzkapitalistischen Establishments, welches sich der "Bewegung" ermächtigt hat, aber erhält jetzt durch die selbst erklärten Ziele Rückendeckung. Die Ironie muss mann einfach lieben,

  • Danke Dir!

    Mir war gar nicht bewusst, dass die jüngeren Teile der dortigen jüdischen Bevölkerung ein nennenswerter Teil der Proteste sind und dementsprechend hatte ich mich gewundert, wer denn da Pro-Palästina ist, da man den Amerikaner:innen ja ansonsten nachsagt, dass sie nicht mal wüssten, wo auf dem Globus andere Länder zu finden sind.

    Umso schiefer erscheinen mir die Antisemitismusvorwürfe in alle Richtungen (und insbesondere gegen Juden). Puh.


    Zu allen anderen von dir angeführten Punkten: ah okay, klingt logisch. Und vermutlich nehmen wir das Schweigen hier in D ungleich lauter wahr, weswegen die Debatte andernorts dann umso mehr auffällt.

    Die Nazis haben früher nicht umsonst von "jüdischem Bolschewismus" schwadroniert. Es gibt eine sehr reiche Tradition linker Politik in der jüdischen Kultur des Westens. Die zieht sich durch die 68er bis heute und ist teilweise sehr Israel kritisch. Während die britische Presse sich gegen den vermeintlichen Antisemiten Corbyn eingeschworen hat wurden auch relativ viele Jüdinnen und Juden aus der Labour Party entfernt, weil genau wie bei uns Antizionismus als Antisemitismus ausgelegt wurde.

    Antisemtisimus ist inzwischen fixer Teil der zionistischen Bewegung, Ben Shapiro z.B. popularisierte "JINO - Jews In Name Only". Man unterstellt der Opposition nur "kulturell jüdisch" zu sein, "echte Juden unterstützten Israel" und andere nationalistische Positionen.

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  • Das ändert aber nichts daran, dass der Begriff ursprünglich von den Aktivisten für Diversität selbst geprägt wurde und dieser Aktivismus später erfolgreich von denen instrumentalisiert und mit viel Geld ausgesestattet wurde, welche in der Finanz-Oligarchie das Sagen haben.

    Ach. Das ist ja interessant.


    Welche Elemente der "Finanz-Oligarchie" sind denn das, die da "das Sagen", und die "Woke Bewegung" "mit viel Geld ausgestattet" haben?


    Und warum haben die das gemacht?

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