Stammtisch & Kaffeekranzerl

  • Ich verstehe nicht ganz, was das mit Klassenkampf zu tun hat. Es ist natürlich traurig, dass es da Menschen gibt, die aus Gründen Angst vor cis men haben - daher scheinen die ja auch in diesem speziellen Wohnheim zu leben. Aber die Gründe scheinen nach der Erklärung nichts mit der Klasse zu tun zu haben.


    Was übersehe ich?

    Ein paar übersatte Gören, finanziell und vom sozialen Standing, piesacken den handy man der den Heizkörper anschrauben soll.


    Lass mal so ein Sorority Häusel voller weißer Gören sich drüber beschweren, dass bei ihnen immer ein Schwarzer kommt um die Mülltonnen zu leeren (in ihren personal safe space blablubb), gleiche Kategorie, ganz anderes Hallo.

  • Ein paar übersatte Gören, finanziell und vom sozialen Standing, piesacken den handy man der den Heizkörper anschrauben soll.


    Lass mal so ein Sorority Häusel voller weißer Gören sich drüber beschweren, dass bei ihnen immer ein Schwarzer kommt um die Mülltonnen zu leeren (in ihren personal safe space blablubb), gleiche Kategorie, ganz anderes Hallo.

    Ok, danke. Vielleicht bin ich da anders sensibilisiert. Ich lese aus dem Artikel halt eher, dass sich in dem Wohnheim lgbtq Menschen befinden, die Misshandlungen erlebten und daher traumatisiert sind und offensichtlich an Angststörungen leiden.


    Vom Piesacken lese ich da nichts. Eigentlich beschreibt der Autor nur den Umgang mit seinem eigenen Unwohlsein in der Situation. Er lässt die Arbeiter ja rein ohne ihnen das Leben schwer zu machen. Beschweren tut er sich eigentlich nur über die Heimleitung und fragt, warum sie die Arbeiten nicht in den Ferien machen lassen konnten.


    Die Beschreibung der Situation vom Autor erscheint mir vorsichtig, reflektiert und ich bin geneigt die Angst zu glauben. Der Zusammenhang mit den Kosten für die Uni erschließt sich mir daher auch nicht. Wären arme Misshandelte jetzt anders traumatisiert?


    Insofern passt für mich auch die Analogie nicht so ganz auf "weiße, reiche Gören, die sich generell über PoC beschweren". Im Vergleich hielte ich so zB auch die gleiche Erklärung für die #Karens für nicht überzeugend.

  • Habe ich das mit den Misshandlungen und Traumata überlesen oder du dazugepackt? Ist ja ein wichtiges Detail.

    Zitat

    I couldn’t help but think that, though there were other dorms affected by the installation, Baldwin Cottage was one of the worst places for it to occur. There are myriad reasons to want to be housed in Baldwin Cottage, but many people — myself included — choose to live there for an added degree of privacy and a feeling of safety and protection. A significant portion of students choose to live in Baldwin because they are victims of sexual assault or abuse, have suffered past invasions of privacy, or have some other reason to fear cisgender men


    überlesen oder du dazugepackt?

    Rob! Sag mal, wie denkst Du von mir? ^^


  • Jetzt auch noch Marktapologetik🙄Sie ist komplett durchgedreht.

  • Zitier mal. Wo findest du in der Kolumne „Marktapologetik“?

    "Zweitens muss die Politik alles dafür tun, dass Märkte und Wettbewerb in unserer vermeintlichen Marktwirtschaft wieder halbwegs funktionieren. Statt sich mit aller Macht einem gerechteren Steuersystem zu widersetzen, hätte die FDP hier in der neuen Regierung ein sinnvolles Betätigungsfeld. Freilich, der letzte FDP-Politiker, der den Mut hatte, ein Entflechtungsgesetz auch nur ins Gespräch zu bringen, war Reiner Brüderle. Das ist schon ziemlich lange her, und auch bei Brüderle verschwand das Projekt schnell in den Aktenschränken."


    "Wer den Klimawandel ernsthaft stoppen will, muss Innovation und neue Technologien fördern und da, wo es sinnvoll ist, den öffentlichen Nah- und Fernverkehr ausbauen."

    "Und viertens schließlich sollten die Regeln am Arbeitsmarkt so verändert werden, dass Arbeitnehmer und Gewerkschaften wieder höhere Lohnsteigerungen durchsetzen können. Wegen des größeren Wettbewerbs würden die dann zumindest teilweise zulasten der Gewinnspannen gehen, vor allem da, wo letztere in den zurückliegenden Jahren unverschämt ausgedehnt wurden."


    "Wir erleben also seit 30 Jahren eine stetige Umverteilung weg von den Arbeits- und hin zu den Vermögenseinkommen. Diese leistungsfeindliche Entwicklung muss endlich gestoppt und umgekehrt werden."


    Könnte von der FDP sein. "Nur wenn der Markt wieder funktioniert..."

  • Ist zwar zu spät, aber das Gedanken Experiment "Sahra Wagenknecht ist Kanzlerkandidatin für die Linke" finde ich ganz nett. Ich kann mir angesichts des Wahlergebnisse nicht vorstellen, dass es noch schlechter geworden wäre dadurch...

    Weder besser noch schlechter würde ich sagen. Es ist eigentlich egal, wer da als Spitzenkandidat antritt, solange der Konflikt um ihre Person polarisiert und offen ausgetragen wird, gibt man nach außen bescheidenes Bild ab. Ein gefundenes Fressen für die Berichterstatter.

  • Hm, Wagenknecht habe ich nie so verfolgt. Hat sie sich früher zum Sozialismus bekannt?

    JA. Les mal ihr Buch Reichtum ohne Gier. Dort beschreibt sie ein Modell mit Arbeitereigentum und Verwaltung (beim zweiten bin ich mir nicht sicher). Sie war bis jetzt immer der Meinung, dass der Kapitalismus überwunden werden muss. Als Politikerin hat sie sich natürlich auch für bürgerliche Reformen eingesetzt.

  • Ach, das Buch kennst du?

    Es ist ein durchaus marktwirtschaftliches Modell, das sie da vorstellt.

    Es geht um Arbeitereigentum und Arbeitermitbestimmung. Das gehört jetzt in eine eher theoretische Debatte über den Übergang vom Kapitalismus zu etwas besserem. Man kann natürlich Kooperative im Kapitalismus und in der Marktwirtschaft laufen lassen, aber der Sinn davon wäre, dass dadurch eben der Übergang in eine andere Gesellschaft stattfinden würde, in der Lohnarbeit nicht mehr hierarchisch und autoritär ist (Grundmerkmale des Kapitalismus) und in der die Profitlogik ersetzt ist durch eine Bedarfslogik, die von den Arbeitern im Unternehmen selbst bestimmt wird. Das Modell von Wagenknecht, wobei ich mich leider nicht im Detail damit beschäftigt habe (nur kurz gescanned), würde ich dann zum Marktsozialismus rechnen. Auf jeden Fall war Wagenknecht bis vor kurzen für die Überwindung des Kapitalismus, das kann man sehr schwer leugnen, auf YouTube gibts genug Interviews mit ihr, wo sie das sagt.

  • Mein oberflächlicher Eindruck war immer Wagenknecht ist eher systemkompatibel und ansonsten auf Nationalökonomie orientiert.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Reichtum_ohne_Gier#Rezensionen


    Also dem Spektrum der Rezensionen nach, lesen da manche Rezensenten ein Bekenntnis zu Marktwirtschaft heraus. Die ist jetzt zwar nicht völlig inkompatibel mit Sozialismus aber eine Betonung davon, ist es auch nicht.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Freiheit_statt_Kapitalismus

    Das nur zur These, dass Wagenknecht nicht den Kapitalismus überwinden wollte (damals).

    Über die verschiedenen Modelle und in wie weit sie den Kapitalismus überwinden, darüber kann man viele Diskussionen führen.

    tims

  • Wemire

    Marktsozialistische Modelle mit Staatsformen (wie von Wagenknecht vorgeschlagen) gibt es viele. Z.B. im Demokratischen Sozialismus ist es die Idee, dass man eine Wirtschaft hat, die aus Genossenschaften besteht und dann die Industrien, die man auch als "natürliche" Monopole bezeichnet (Bahn, Strom, Krankenversicherung usw.) verstaatlicht sind. In diesem Rahmen könnte man sich eine Form von Markt vorstellen.

    Mir persönlich geht der Marktsozialismus aber nicht weit genug und er wäre gefährlich. Ein solches System bräuchte so viele Regularien, um nicht wieder in die kapitalistische Profitlogik zu fallen, dass die Gefahr von reaktionären, den Kapitalismus wiederherstellenden politischen Kräften (regulatory capture), zu groß ist. Man muss bedenken, dass es nach großen Umwürfen feudalistischer Verhältnisse im 19. Jahrhundert immer wieder restaurative Perioden gab (Vormärz und nach 1848) und die wird es auch unmittelbar in der Zeit nach der Überwindung des Kapitalismus geben.

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