Klimawandel [Sammelthread]

  • Nun.... wir schalten jetzt 6,5GW an Atom- und Kohlekraftwerken abschalten...

    Nun, ich will vorab nochmal erwähnen das man da kein Drama raus machen muss weil wir eigentlich noch immer etwas Überkapazität bei der Kraftwerksleistung haben...und eigentlich schalten wir Ende 2021 nur 3 AKW mit insgesamt etwa 4GW Generatorleistung ab, die restlichen 3 AKW mit ebenfalls etwa 4GW kommen erst Ende 2022.

    Und die paar zusätzlichen Kohlekraftwerke die wir abschalten können wir auch wohl verkraften weil wir für die Versorgungssicherheit im Winter immernoch etwa 8GW Leistung in Kaltreserve/Netzreserve rumstehen haben, dazu gehören sowohl Braun(1,8GW) als auch Steinkohle(3,6GW) sowie Gaskraftwerke(1,5GW) und Ölkraftwerke(1,6GW).


    Beim Thema Kaltreserve sind wir übrigens auch wieder schön beim Thema Frankreich und Versorgungssicherheit, die Kaltreserve haben wir z.B. bei der letzten Kältewelle in 2017 gebraucht um Strom nach Frankreich zu exportieren weil die mit ihren Atombruchbuden und Elektroheizungen bereits immer hart am Blackout arbeiten(also wie gesagt genau umgekehrt zu der Propaganda das Frankreich zu uns exportieren bzw Deutschland mit Strom versorgen würde):

    ...während der Kältewelle in Europa im Januar 2017 wurden deutsche Kraftwerke aus der Kaltreserve hochgefahren, um die Versorgungssicherheit in Frankreich gewährleisten zu können. Dort waren durch den Ausfall einer Reihe von Kernkraftwerken sowie durch hohen Strombedarf infolge einer Kältewelle die Versorgungssicherheit gefährdet. Da in Frankreich sehr viele Elektroheizungen installiert sind, steigt dort mit jedem Grad tieferer Temperatur die Stromnachfrage um ca. 2,4 GW.

    ...und 0,5GW Erdgas anschalten.

    Laut Bundesnetzagentur sind es bis 2024 8GW AKW + 8GW Kohlekraftwerke die wegfallen und 3,6GW (hauptsächlich Gaskraft) die dazu kommen, wobei soweit mir bekannt etwa 2-3GW bis Ende 2022 geplant sind.

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    Was man tun könnte? Endlich NS2 genehmigen. Aus Klimaschutzgründen muss man es fast tun, denn was passiert denn gerade? Kohlekraftwerke laufen rund um die Uhr.

    Viel interessanter ist ja was man in der Vergangheit oder zumindest jetzt in der Gegenwart hätte tun können damit es nicht zu einer solchen Situation kommt bzw weiterhin kommen wird...ich wiederhole mich zwar immer, aber wir bräuchten schon seit Jahren 20-25GW PV Zubau pro Jahr und am besten auch nochmal 10-15GW Windkraft dazu, aber leider kommen wir aus absichtlich herbeigeführten Gründen nur auf einen Bruchteil davon.

    Und zusätzlich hätte man über die ganzen letzten Jahre auch ohne Probleme parallel ein paar GWh Akkuspeicher ans Netz hängen können, so um die 100GWh wären über die letzten 10 Jahre durchaus realistisch gewesen, die könnten wir schon längst hier stehen haben.

    Bei einer eher materialschonenden Entladung von max 0,5C hätte man damit als Beispiel 50GW Generatorleistung für 2 Stunden...oder wenn man es noch ruhiger angehen lässt 25GW für 4 Stunden oder 12,5GW für 8 Stunden usw, damit hätte man also schon für die Tageszyklen eine ordentliche Speicherleistung welche die restlichen Kraftwerke deutlich entlasten könnte. Und für die langfristigen Zyklen hätten wir hier auch schon längst 20-30GW Elektrolyseure installieren können, damit könnten wir im Sommerhalbjahr ins Gasnetz einspeichern und wären deutlich unabhängiger vom Import von Gas.


    Aber das alles wurde über die ganzen Jahre aktiv von CDU+SPD verhindert...und als Notlösung klammert man sich jetzt an diese olle Pipeline von der man dann auch nur wieder abhängig ist...anstatt dafür zu sorgen das wir uns mit einem dezentralen System aus EE+Speicher unabhängig machen.

    Der Blick auf Import/Export in Menge ist in Bezug auf die Versorgungssicherheit relativ aussagelos.

    Das gilt - wie ich an dem Beispiel weiter oben deutlich gemacht habe - halt auch für Frankreich die uns der Propaganda nach angeblich mit diesem achso tollen Atomstrom versorgen könnten...in Wahrheit versorgten aber wir bisher bei einer Kältewelle eher die Franzosen als umgekehrt, daher kannst du ruhig mal aufhören hier die Atompropaganda zu verbreiten, die Franzosen sind sowohl im Sommer bei großer Hitze als auch im Winter bei großer Kälte eher auf Kraftwerke in Deutschland angewiesen damit es bei denen keinen Blackout gibt.

  • Ich habe eine Präsentation neuer Forschungsergebnisse zum Thwaites-Gletscher an der Küste von Westantarktika gesehen:


    https://news.climate.columbia.…ch-earlier-than-expected/

    https://agu.confex.com/agu/fm21/meetingapp.cgi/Paper/978762


    Sie sagen einen Zusammenbruch des Schelfeis, das den Gletscher zurückhält bis 2030 voraus. Danach würde er beschleunigt ins Meer abschmelzen. Sieht mir sehr danach aus, als wäre der Schaden bereits irreversibel.

  • Ok, das ist dein letzter Post für heute Abend... Zu viel Realität ist nicht gesund.

  • Nun, ich will vorab nochmal erwähnen das man da kein Drama raus machen muss weil wir eigentlich noch immer etwas Überkapazität bei der Kraftwerksleistung haben...und eigentlich schalten wir Ende 2021 nur 3 AKW mit insgesamt etwa 4GW Generatorleistung ab, die restlichen 3 AKW mit ebenfalls etwa 4GW kommen erst Ende 2022.

    Und die paar zusätzlichen Kohlekraftwerke die wir abschalten können wir auch wohl verkraften weil wir für die Versorgungssicherheit im Winter immernoch etwa 8GW Leistung in Kaltreserve/Netzreserve rumstehen haben, dazu gehören sowohl Braun(1,8GW) als auch Steinkohle(3,6GW) sowie Gaskraftwerke(1,5GW) und Ölkraftwerke(1,6GW).

    Diese Tabelle findest Du unter dem Link



    .... und "Reserve" heißt immer noch "Reserve". Die sind nicht dazu da um Grundlast abzusichern, sondern ungeplante Ausfälle.



    Beim Thema Kaltreserve sind wir übrigens auch wieder schön beim Thema Frankreich und Versorgungssicherheit, die Kaltreserve haben wir z.B. bei der letzten Kältewelle in 2017 gebraucht um Strom nach Frankreich zu exportieren weil die mit ihren Atombruchbuden und Elektroheizungen bereits immer hart am Blackout arbeiten(also wie gesagt genau umgekehrt zu der Propaganda das Frankreich zu uns exportieren bzw Deutschland mit Strom versorgen würde):

    Laut Bundesnetzagentur sind es bis 2024 8GW AKW + 8GW Kohlekraftwerke die wegfallen und 3,6GW (hauptsächlich Gaskraft) die dazu kommen, wobei soweit mir bekannt etwa 2-3GW bis Ende 2022 geplant sind.

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    Viel interessanter ist ja was man in der Vergangheit oder zumindest jetzt in der Gegenwart hätte tun können damit es nicht zu einer solchen Situation kommt bzw weiterhin kommen wird...

    Ist das wirklich interessant? Die Vergangenheit interessiert mich aktuell nicht sonderlich, einfach weil sie nicht mehr verändert werden kann. Und mein Punkt war der, dass wir aktuell erdgasmäßig sehr schlecht versorgt werden... und zwar so schlecht, dass Versorgungsengpässe ganz real und aktuell drohen.


    ich wiederhole mich zwar immer, aber wir bräuchten schon seit Jahren 20-25GW PV Zubau pro Jahr und am besten auch nochmal 10-15GW Windkraft dazu, aber leider kommen wir aus absichtlich herbeigeführten Gründen nur auf einen Bruchteil davon.

    Und zusätzlich hätte man über die ganzen letzten Jahre auch ohne Probleme parallel ein paar GWh Akkuspeicher ans Netz hängen können, so um die 100GWh wären über die letzten 10 Jahre durchaus realistisch gewesen, die könnten wir schon längst hier stehen haben.

    Bei einer eher materialschonenden Entladung von max 0,5C hätte man damit als Beispiel 50GW Generatorleistung für 2 Stunden...oder wenn man es noch ruhiger angehen lässt 25GW für 4 Stunden oder 12,5GW für 8 Stunden usw, damit hätte man also schon für die Tageszyklen eine ordentliche Speicherleistung welche die restlichen Kraftwerke deutlich entlasten könnte.

    100 GWh Akkuleistung bedeutet in jedem Haushalt ein 2,5 kWh Akku (a 800€) und sollte eigentlich serienmäßig mit jedem Sicherungskasten verbaut werden (können). Gerne auch gesetzlich vorgeschrieben. Das hielte ich für grundsätzlich sinnvoll und sowas in der Art muss auch kommen. Nur halte ich den Zweck für diese Maßnahme eher auf den Sommer, bzw. windige Wetterlagen begrenzt. Das wäre zweifellos wertvoll und wichtig, aber es hilft uns nicht mehr in den Wintermonaten, wenn es über Tage kalt und windstill bleibt.... so wie seit November diesen Jahres.


    Und für die langfristigen Zyklen hätten wir hier auch schon längst 20-30GW Elektrolyseure installieren können, damit könnten wir im Sommerhalbjahr ins Gasnetz einspeichern und wären deutlich unabhängiger vom Import von Gas.

    Ja, man hätte mit den EEs parallel Speicher aufbauen müssen. Ob das jetzt Wasserstoff oder sonst etwas gewesen wäre. Man hat es aber nicht getan. Und es ist natürlich interessant sich mal anzuschauen wieviel Wasserstoff wir bspw. allein in der vergangenen Woche gebraucht hätten.

    Im Schnitt trugen die erneuerbaren um die 25 GW bei. Der Verbrauch könnte im Schnitt bei 65GW gelegen haben. Mit dem jetzigen Ausbau beträgt das Defizit ca. 40GW 24/7, also 6.720 GWh.


    150 GW PV (aktuell 54GW) sollen bis 2030 montiert werden. Windkraft an Land soll 95GW (aktuell 55GW) erreichen. Auf dem Meer sollen bis 2030 20GW (aktuell 6,5) erreicht werden.


    Das Agorameter gibt dafür folgendes Diagramm aus.


    Wie man leicht erkennt erhöht sich im Agora-Szenario 2030 zwar die Erzeugung, aber auch der Verbrauch. Man erkennt, dass 100GWh Akkuleistung schon am ersten Tag, auch bei voller Ladung innerhalb von 2 Stunden komplett werden werden würden.


    Bleiben wir mal bei wöchentlichen 6.720 GWh Stromspeicherbedarf. Nach den Zahlen, die ich auf die Schnelle ermitteln konnte liegt der Wirkungsgrad des Prozesses Strom zu Wasserstoff zu Strom derzeit bei ungefähr 50%. Das heißt für 6.720GWh Strom im Winter benötige ich 13.440 GWh Strom im Sommer... bzw. 13.440GWh generellen Herstellung. Bei 1.000Vh/a PV und einer Kennzahl von 200KWh ;) pro m² und Jahr mal 0,7 (Modulabstand), bedeutet das für diese eine Woche einen Flächenverbrauch von 96.000.000m² oder 96 Quadratkilometer. Das ist in etwa die Flächengröße der Großstadt Kassel und gleichzeitig bereits ein Viertel (13,44 GW) der bislang installierten Generatorleistung.... für eine eher milde Woche Stromversorgung im Dezember 2030. Man könnte das wahrscheinlich innerhalb eines Jahres zubauen.... aber man ist auch jetzt im Sommer noch nicht klimaneutral. Bei 20GW bis 25GW käme man der Sache allerdings schon näher.... nur ist das gerade der Plan? Eher nicht oder?

    Aber das alles wurde über die ganzen Jahre aktiv von CDU+SPD verhindert...und als Notlösung klammert man sich jetzt an diese olle Pipeline von der man dann auch nur wieder abhängig ist...anstatt dafür zu sorgen das wir uns mit einem dezentralen System aus EE+Speicher unabhängig machen.

    Wie lang dieser Weg zu dieser Unabhängigkeit noch ist, habe ich gerade versucht zu erklären. Diese "olle Pipeline" würde bis 2030 jedenfalls den Atom- und Kohleausstieg absichern. "Abhängig" sind wir, wenn nicht vom Gas, dann aktuell von der Kohle. Es lässt sich diese neue Infrastruktur mit Sicherheit nicht in den kommenden 8 Jahren aufbauen und von daher frage ich mich schon ob unsere Außenministerin gemeinsam mit ihrer Partei gerade noch alle Latten am Zaun hat, wenn sie so tut als könnten wir auf diese Pipeline einfach so verzichten. Derzeit liefert Gazprom über Mallnow (Polen) gerade so gut wie gar nichts mehr. Der Gaspreis (TTF) schloss heute bei 147,5 €/MWh (Januar) bzw. 14,7ct/kWh. Guck mal auf Deinen aktuellen Gastarif, wenn Du einen hast. Mit Netzentgelten, CO2-Abgabe, Energiesteuer und Umsatzsteuer wären das Brutto ungefähr 20 ct pro kWh und damit in etwa wohl das vierfache Deines aktuellen Tarifs. Strom kostet am Spot morgen zwischen 17 und 18Uhr 62 ct/kWh... im Großhandel! Wir erleben hier Dimensionen einer Krise, die ich so (schnell) nicht für möglich gehalten hätte. Ich glaube mittlerweile auch kaum, dass wir uns bald noch aus freien Stücken für oder gegen diese Pipeline entscheiden können. Spätestens bei 1.000€/MWh hört der Spaß dann endgültig auf. Das kann kein "normaler" Industriekunde mehr bezahlen.

  • Hatte ja Rob schon mal angedeutet; Dominoeffekt. Bislang halten sich die Pleiten noch im Rahmen. Die Mengen, die diese Kunden jetzt benötigen, müssten bei der Marktlage sofort eingedeckt werden. Die Grundversorgertarife wurden vielleicht vor einem Monat festgelegt und bedeuten aktuell schon wieder hohe Verluste, weil seitdem die Preise schon wieder massiv gestiegen sind. Je später nun also Kunden in die Grundversorgung rutschen, umso größer die Verluste für den Grundversorger (wenn die Preise nicht schon wieder angepasst wurden)

    Privatwirtschaftlich gedacht ist es für ALLE Versorger gerade lukrativer Kunden abzustoßen und evtl. beschaffte Mengen zu horrenden Preisen auf dem Spotmarkt zu verhökern. Da verdient man derzeit definitiv mehr als an einem Kunden. Das ist auch so eine Gefahr. Wenn die Marge auf dem Spotmarkt 5mal so groß ist, als mit einem Kunden… wozu dann noch Kunden versorgen? Da stapelt sich gerade ein riesiger Haufen Scheiße aufeinander.

  • .... und "Reserve" heißt immer noch "Reserve". Die sind nicht dazu da um Grundlast abzusichern, sondern ungeplante Ausfälle.

    Das stimmt so nicht, Kälteperioden im Winter und sogar Wirtschaftswachstum (fuck yeah, Kapitalismus) oder Brennstoffkosten werden unter anderem als Gründe dafür genannt das diese Kraftwerke aktiviert werden können, die sind also für gewisse Zeiträume durchaus dafür gedacht Grundlast zu decken:

    Gründe dafür, in Kaltreserve befindliche Kraftwerke zu reaktivieren, können u. a. sein:

    -Wirtschaftswachstum,

    -der Ausfall großer Kraftwerke durch Defekte, Störfälle...

    -Änderung der Brennstoffkosten

    -Kälteperioden im Winter

    150 GW PV (aktuell 54GW) sollen bis 2030 montiert werden. Windkraft an Land soll 95GW (aktuell 55GW) erreichen. Auf dem Meer sollen bis 2030 20GW (aktuell 6,5) erreicht werden.

    ...

    Naja, alles was wir hier annehmen ist viel Spekulatius, dir ist das ja vermutlich selber klar, aber es gibt da verschiedene Prognosen für die Zukunft die davon abhängig sind welche Rahmenbedingungen bzw welches Szenario etc man dabei wählt, bei Fraunhofer bzw energy-charts unter dem Szenario "Referenz" werden etwa 200GW PV und etwa 144GW Wind für 2030 genannt...

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    ...das würde bedeuten das wir hochgerechnet von dem aktuellen Anteil EE im Dezember 2021 (26% Wind, 7,6% Biomasse, 4,1% Wasser und 1,6%PV) etwa 58,5% Wind und 5,5%PV hätten, also immerhin 64% Wind + PV sowie zzgl. die 11,7% Biomasse + Wasser, wären also nach diesem Szenario etwas über 75% EE in Dezember 2030, würden also in der Theorie nur 25% Restenergie bleiben die wir (wenn wir zu dem Zeitpunkt keine anderen Kraftwerke hätten, die werden wir aber noch haben) über Speicher abdecken müssten.

    Viel interessanter ist daher bei dieser Generatorleistung die Erzeugung im Sommerhalbjahr, da hätten wir von April bis Oktober fast durchgehend eine EE Leistung welche zwischen 110-130% der aktuellen Erzeugung liegen würde, wir müssten also bis dahin entweder anfangen den Verbrauch aus dem Winter in diesen Zeitraum zu legen oder alternativ diesen Überschuss an Energie langfristig als Gas zu speichern(oder von beidem etwas)...und auch dazu gibt es verschiedene Szenarien die sehr weit auseinandergehen, bei "Referenz" gehen die bei Fraunhofer davon aus das 2030 etwa 11,4GW Wasserstoff+Methan Elektrolyseure installiert sind, bei dem Szenario "Inakzeptanz" wären es sogar 57,8GW...und das wäre technisch anscheinend durchaus machbar, aber wie der Name schon sagt wäre die Akzeptanz für so ein Szenario in der Bevölkerung nicht sehr groß. Allerdings müssen wir mMn um den Klimawandel zu verhindern leider durchaus solche unbeliebten Maßnahmen treffen...mit 57GW Elektrolyseure hätte man rein technisch eine Generatorleistung die in der Größenordnung der Übertragungskapazität von Nord-Stream2 liegt (55GW), aber wegen den grob 50% Wirkungsgradverlust (über die du dir hier ja auch schon Gedanken gemacht hast) wären es gerade mal so knapp 29GW maximal möglicher Output, damit könnten wir uns zwar noch nicht selber versorgen, aber es würde unsere Abhängigkeit von Gas doch schon etwas verringern.

    ...

    Wie man leicht erkennt erhöht sich im Agora-Szenario 2030 zwar die Erzeugung, aber auch der Verbrauch. Man erkennt, dass 100GWh Akkuleistung schon am ersten Tag, auch bei voller Ladung innerhalb von 2 Stunden komplett werden werden würden.

    ...

    Naja, alles worüber wir hier spekulieren ist nur Theorie, aber unter dem Szenario "Referenz" werden bei Fraunhofer für 2030 neben den 100GWh stationären Speicher nochmal grob 140GWh mobiler Speicher (also E-Autos die am Netz hängen) sowie 50GWh Pumpspeicher genannt, damit kommt man auf fast 300GWh Speicher... bcafkmt.jpg
    ...und könnten bereits größere Zeiträume abdecken, mal als Beispiel, wir hatten jetzt am Montag dem 20.12.2021 (also einer der Tage mit der kürzesten Sonnenscheindauer) gegen Mittag immer noch 14,4GW PV bei 58GW Generatorleistung, hochgerechnet auf 200GW Generatorleistung wären das gegen Mittag fast 50GW PV gewesen, zusätzlich mit Wind, Wasser und Biomasse wären es dann sogar 63GW gewesen, gegen Mittag also fast 100%EE.

    Und in der Nacht waren es z.B. 14GW Wind, hochgerechnet auf die 144GW Generatorleistung wären das etwas über 30GW Wind zzgl Wasser und Biomasse gewesen, also etwa 37GW bei einem Verbrauch von etwa 45-50GW.

    Geht man also bei 300GWh Speicher von einer Dauerleistung von 15-20GW aus kommt man auf eine Betriebsdauer von 15-20 Stunden. Für die kurzfristigen Tageszyklen wäre das schon mehr als ausreichend, dieser Speicher ist ja nicht für lange Zeiträume gedacht, für dieses Problem müssen wir wie gesagt die Überproduktion im Sommerhalbjahr nutzen, Gas erzeugen, im Gasnetz bzw den Gasspeichern einlagern und dann mit den Gaskraftwerken im Winter wieder zu Strom machen, dafür haben wir ja sogar schon 30GW Gaskraftwerke rumstehen.

    Bleiben wir mal bei wöchentlichen 6.720 GWh Stromspeicherbedarf. Nach den Zahlen, die ich auf die Schnelle ermitteln konnte liegt der Wirkungsgrad des Prozesses Strom zu Wasserstoff zu Strom derzeit bei ungefähr 50%. Das heißt für 6.720GWh Strom im Winter benötige ich 13.440 GWh Strom im Sommer... bzw. 13.440GWh generellen Herstellung. Bei 1.000Vh/a PV und einer Kennzahl von 200KWh ;) pro m² und Jahr mal 0,7 (Modulabstand), bedeutet das für diese eine Woche einen Flächenverbrauch von 96.000.000m² oder 96 Quadratkilometer. Das ist in etwa die Flächengröße der Großstadt Kassel und gleichzeitig bereits ein Viertel (13,44 GW) der bislang installierten Generatorleistung.... für eine eher milde Woche Stromversorgung im Dezember 2030. Man könnte das wahrscheinlich innerhalb eines Jahres zubauen.... aber man ist auch jetzt im Sommer noch nicht klimaneutral. Bei 20GW bis 25GW käme man der Sache allerdings schon näher...

    Basierend auf den Zahlen die ich da verwende könnte man im Sommerhalbjahr 2030 durchaus bereits einen Teil zum einspeichern im Gasnetz für den Winter verwenden. Hochgerechnet vom Mai 2021 lägen wir z.B. bei 133% EE, bei aktuell 39TWh Verbrauch/Erzeugung wären das also fast 52TWh EE, würde man den aktuellen Verbrauch abziehen hätte man etwa 13TWh EE Strom über, abzüglich den 50% Wirkungsgradverlust könnte man also in diesem Monat etwa 6,5TWh in das Gasnetz einspeichern.

    Eigentlich kann man sogar schon im April anfangen, da hätten wir 115,5% EE und hätten abzüglich dem aktuellen Verbrauch 6,4TWh über, wir könnten also ab April ein paar TWh in das Gasnetz einspeichern. In 2030 könnte man damit dann (bei etwa 57GW Elektrolyseure) im Sommerhalbjahr bereits grob 25-30TWh Gas aus EE Strom erzeugen.

    Bis 2035 würde die Leistung der EE und Elektrolyseure den genannten Szenarien nach dann nochmal deutlich ansteigen und würde zu einer deutlich größeren Menge an Überschussenergie führen die wir im Sommerhalbjahr einspeichern können, da würden wir dann grob abgeschätzt so Richtung 100TWh kommen, wenn ich mich richtig erinnere hat unser Gasnetz bzw Gasspeicher irgendwie so 220TWh Kapazität, damit könnte man die Hütte also dann fast halb voll machen.

  • Profiteure fossiler Brennstoffe: Inflation und Klimakrise

    Die Preiserhöhung für fossile Brennstoffe sollte durch die Erhöhung der CO2-Steuer zustande kommen – nicht durch Profite der Anbieter.


  • Emissionshandel: Verschmutzungsrechte als Spekulationsobjekt

    Handel mit CO2-Zertifikaten lockt Spekulanten an. Für deutsche Klimaforscher wird das erst zum Problem, wenn die Preise bewusst in die Höhe getrieben werden


    Spekulanten spekulieren also, wenn man ihnen staatlicherseits die dazu geeigneten Spekulationsobjekte in die Hand legt und sich dann darauf verlässt, dass der Markt das schon regeln werde. Wer hätte das gedacht?


    Aber natürlich gilt weiterhin: "Am Marktprinzip darf nicht grüttelt werden"!

  • Aus der Reihe „Was Deutschland bewegt“: Gasstreitigkeiten oder „Lässt Putin uns im Winter frieren?“

    Welche Frage stellt sich, wenn internationale Gaslieferanten ihr Gas von Europa weg nach Asien umleiten und zusammen mit Spekulanten am „Spotmarkt“ die Preise nach oben treiben?


    [...]


    Also was ich hier vorallem erstaunlich finde, ist wie wenig transparent der Gasmarkt auch in der EU ist. Die Gasflüsse kann man ja noch herausfinden, aber wem genau welches Gas wann gehört, das ist völlig unklar. Geht das den Spekulanten auch so, ich habe fast den Eindruck, dass die nicht viel mehr darüber wissen, was vor sich geht.


    Zu den letzten Preissprüngen habe ich bisher nur von der russischen Seite etwas Schlüssiges gehört, wobei selbst das nur so halb zu verstehen ist. Dem folgend soll Gazprom seine vertraglichen Anforderungen gegenüber Firmen in Deutschland und Frankreich in diesem Jahr erfüllt haben, deshalb sind die Lieferungen über die Leitung von Jamal-Europa nach Deutschland eingestellt. Die Gasflussumkehr in dieser Pipeline, die kurz vor Weihnachten den Preisanstieg ausgelöst hat, sollen deutsche Gasanbieter sein, die jetzt Gas nach Polen und in die Ukraine liefern.

  • Geht das den Spekulanten auch so, ich habe fast den Eindruck, dass die nicht viel mehr darüber wissen, was vor sich geht.

    Na, wenn man genau wüsste was passiert, dann bräuchte man ja nicht drauf zu spekulieren, dass etwas passiert. No risk, no profit fun!


    Im Übrigen ist das kein Bug sondern ein Feature. Der Energie-, Rohstoff- und Derivatemarkt soll sich ja schliesslich mit unsichtbarer Hand selbst regulieren.


  • Sorry, aber das mit der Bekämpfung des Klimawandels wird genau so lange nicht funktionieren, solange solch ein absoluter Unfug in den Raum geworfen wird. Das kann die werte Frau Sury selbst nicht einmal glauben und allein in diesem zitierten Satz steht so viel Scheiße drin, dass ich allein darüber Stunden ranten könnte. Weihnachten ist vorbei, Frohlocken ist over. So ein Wichs.

  • 1 mol Leitungswasser enthält etwas weniger als 2 mol atomaren Wasserstoff. Frau Surys Aufgabe ist durch ein Wesensmerkmal von Wasser bereits gelöst. 🤷‍♀️

    aber als Speichermedium braucht man es doch durchaus?

    Speichern kann man machen, wenn Überschuss vorhanden ist. Für Wasserstoff zu werben, würde eigentlich aufrichtigerweise bedingen, ausreichend in Energiegewinnung aus Solar, Wind, Biokraft und Hydraulik zu investieren, sowie für effizienten und sparsamen Umgang mit Ressourcen einzutreten.


    RWE und andere haben seit Jahrzehnten die Möglichkeit gehabt die bewährten Antworten auf "[aber] wo soll die ganze grüne Energie dafür herkommen?" umzusetzen und zu gestalten.


    Um es in eine Glosse zu übertragen:

    Zitat

    Ohne informierte Leute und demokratische Teilhabe wird es mit dem Angehen der Klimakrise nichts, sagt irgendjemand.

    Aber wie sollen sich diese bilden, wenn JournalistInnen systemintegrierter Medien ("die vierte Säule jeder Demokratie") nicht mehr hinbekommen, als unreflektiert Repliken des Bullshit des Großkapitals wiederzugeben?

    🕊 57657220646173206c696573742c2064656b6f6469657274206765726e652053616368656e

  • 1 mol Leitungswasser enthält etwas weniger als 2 mol atomaren Wasserstoff. Frau Surys Aufgabe ist durch ein Wesensmerkmal von Wasser bereits gelöst. 🤷‍♀️


    Einfach die Brennstoffzelle voll laufen lassen?


    Speichern kann man machen, wenn Überschuss vorhanden ist. Für Wasserstoff zu werben, würde eigentlich aufrichtigerweise bedingen, ausreichend in Energiegewinnung aus Solar, Wind, Biokraft und Hydraulik zu investieren, sowie für effizienten und sparsamen Umgang mit Ressourcen einzutreten.


    Nun, wenn ich das richtig verstehe, müsste man hier staatlich mit Subventionierung in Vorleistung gehen, weil Großspeicher sowieso erst ab einem bestimmten Ausbaugrad wirtschaftlich werden. Wenn man wartet, dass die sich lohnen, führt das dann später vielleicht zu Verzögerungen beim weiteren Ausbau der Erzeuger, weil fehlende Speicher ein limitierender Faktor sind.


    (Deswegen sind Gaskraftwerke wohl tatsächlich eine Brückentechnologie. Weil sie jetzt schon wirtschaftlich betrieben werden können und dann Gas durch Wasserstoff bei in Näherung gleicher Technik und Infrastruktur abgelöst werden kann.)

  • Nun, wenn ich das richtig verstehe, müsste man hier staatlich mit Subventionierung in Vorleistung gehen, weil Großspeicher sowieso erst ab einem bestimmten Ausbaugrad wirtschaftlich werden. Wenn man wartet, dass die sich lohnen, führt das dann später vielleicht zu Verzögerungen beim weiteren Ausbau der Erzeuger, weil fehlende Speicher ein limitierender Faktor sind.

    Da du dich an der Diskussion zum Gas und dem Speicher ausführlich beteiligt hast sollte dir doch eigentlich bewusst sein das es erstmal nicht notwendig ist weitere Gasspeicher zu bauen, wir haben für Gas bereits Speicher mit einer Kapazität von etwa 230 TWh, die reichen für den Anfang eigentlich mehr als aus, später kann man die natürlich immer noch ausbauen, keine Frage, aber da müssen wir jetzt am Anfang erstmal nicht drüber nachdenken, man muss ja erstmal die Gasmenge ersetzen die wir aktuell noch über die Pipelines wie NS1 und NS2 etc beziehen.


    Was wir viel dringender brauchen ist die EE Generatorleistung + ein paar 100GWh Akku um die kurzfristigen Tageszyklen zu glätten...und dazu dann parallel die Elektrolyseure die überhaupt erstmal den Wasserstoff erzeugen für die langfristigen Zyklen um die Energie vom Sommer in den Winter zu verschieben.

    Wenn wir das haben könnten wir anfangen Wasserstoff und Methan dem aktuellen Gas beizumischen, in der Vergangenheit hat man bereits etwa 50% Wasserstoff und 20% Methan im öffentlichen Gasnetz gehabt, also sollte das technisch aktuell auch kein so großes Problem darstellen...

    Stadtgas oder Leuchtgas bezeichnet ein ab der Mitte des 19. Jahrhunderts weithin übliches Brenngas, das zumeist in städtischer Regie durch Kohlevergasung hergestellt wurde. Es diente zur Beleuchtung von Straßen und Wohnungen und dort auch zum Betreiben von Gasherden und Gasdurchlauferhitzern. Stadtgas in den öffentlichen Gasnetzen wurde in Europa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch Erdgas ersetzt...Zusammensetzung...:

    Wasserstoff H2 (51 %)

    Methan CH4 (21 %)

    Stickstoff N2 (15 %)

    Kohlenstoffmonoxid CO (9 %)

  • Da du dich an der Diskussion zum Gas und dem Speicher ausführlich beteiligt hast sollte dir doch eigentlich bewusst sein das es erstmal nicht notwendig ist weitere Gasspeicher zu bauen, [...]


    Ich meinte nicht, dass man im Fall von Wasserstoff unbedingt Großspeicher bauen muss - bei anderen Speichertypen wie Pumpspeichern dagegen schon - sondern dass man das Speichern z. B. durch Wasserstofferzeugung zu Spitzenzeiten vermutlich subventionieren muss, damit die Infrastruktur wie eben Elektrolyseure jetzt aufgebaut wird, da der Betrieb nicht wirtschaftlich ist. Mit Preisen wie gerade im Gasmarkt würde es sich vermutlich lohnen, aber das ist ja eher eine Anomalie. Könnte man die Erdgasinfrastruktur eins-zu-eins für Wasserstoff nutzen, wären wir für diesen Speichertyp vielleicht tatsächlich ausreichend gerüstet, aber da fehlen ja noch Funktionselemente.

  • ...subventionieren...

    ...ist leider für alle Bereiche der Energiewende notwendig weil wir nur noch einen kurzen verbleibenden Restzeitraum haben und der "freie Markt" dieses Problem mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht regeln wird, nicht nur bei Elektrolyseuren welche eh noch nicht wirtschaftlich zu betreiben waren sondern auch bei Windkraft und PV Anlagen welche sich mittlerweile zwar wirtschaftlich schon meist nach ein paar Jahren lohnen, aber ohne ordentliche Subventionen nicht in den entsprechenden Größenordnungen die notwendig sind (um den Klimawandel zumindest halbwegs zu begrenzen) gebaut werden würden.

    Könnte man die Erdgasinfrastruktur eins-zu-eins für Wasserstoff nutzen, wären wir für diesen Speichertyp vielleicht tatsächlich ausreichend gerüstet, aber da fehlen ja noch Funktionselemente.

    Ich denke rein technisch werden natürlich gewisse Anpassungen notwendig sein wenn man den Brennstoff ändert, sowohl an gewissen Elementen vom Speicher als auch an den Gaskraftwerken bzw Gasturbinen wird man einige Bauteile oder Einstellungen ändern müssen, ich habe zwar keine Erfahrung mit Turbinen sondern nur mit Motoren, aber es ist vermutlich ähnlich wie wenn man einen Verbrennungsmotor z.B. von Benzin auf Ethanol oder umgekehrt umbaut, da muss man (bzw im automatisierten Fall das Steuergerät) ja z.B. auch die Einspritzmengen (oder wenn das nicht reicht die Düsen) anpassen damit das Verhältnis von Luft zu Kraftstoff nicht zu sehr abmagert oder anfettet etc. Bei Gasturbinen wird das ähnlich sein, ist ja am Ende auch nur ein Verbrennungsprozess, sowas muss man halt neu einstellen.


    Und damit diese Umstellung nicht so abrupt ausfällt kann man sowohl beim speichern als auch der Verbrennung erstmal Erdgas mit Wasserstoff mischen, erstmal nur ein bischen und dann den Anteil immer mehr erhöhen, so plant man das anscheinend auch für große Gaskraftwerke...

    Wasserstoff: Weltweit erster Betriebsversuch im Gaskraftwerk in öffentlicher Produktion geplant

    In einem gemeinsamen Betriebsversuch in einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage von Wien Energie soll Wasserstoff unter Realbedingungen zum Einsatz kommen, er soll dabei dem normalerweise eingesetzten Erdgas beigemischt werden. Dies sei der weltweit erste Versuch, in einer in öffentlicher Produktion befindlichen großen Gas-und-Dampfturbinen-Anlage Wasserstoff beizumengen, so das deutsch-österreichische Forschungskonsortium...

    In einem ersten Schritt soll der Wasserstoffanteil bei 15 Volumenprozent liegen. Danach soll er verdoppelt werden; läuft alles, wie geplant, will das Konsortium die Anlage für den Dauerbetrieb zertifizieren. Schon bei 15 Volumenprozent Beimischung von grünem Wasserstoff im Kraftwerk Donaustadt würden jedes Jahr rund 33 000 t an CO2-Emissionen vermieden...
  • Mit populärer Klimapolitik gegen die Ampel

    Soziale Ungleichheit - Die neue Regierung verspricht Klimaschutz ohne soziale Umverteilung und könnte damit der Klimabewegung schaden. Wie ein erfolgreicher Kampf gegen die Klimakrise dennoch gelingen kann

    Sowohl bei Ursula von der Leyens „Green Deal“ für Europa als auch der neuen Ampel-Koalition in Berlin lässt sich beobachten, was der italienische Kommunist Antonio Gramsci einst als „passive Revolution“ bezeichnet hat: Eine Modernisierung kapitalistischer Herrschafts- und Produktionsverhältnisse, die an den grundlegenden Einkommens- und Eigentumsverhältnissen nichts ändert. Dafür nimmt die politische Führung einzelne progressive Forderungen auf und absorbiert Elemente und Führungsgruppen aus sozialen Bewegungen und der politischen Opposition. So kann sie ihre Macht absichern und gleichzeitig weitreichende Forderungen, etwa nach radikaler sozialer Umverteilung oder Vergesellschaftung, die sich gegen die Interessen der Konzerne und Kapitalbesitzenden richten, verhindern.[...]

    Klassen- und Klimapolitik müssen nicht erst zusammengedacht werden – denn eine wirksame Klimapolitik ohne die oben genannten sozial- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen ist gar nicht erst denkbar. Die Klimabewegung sollte sich trauen, diese wirtschaftspolitischen Forderungen aufzugreifen, um damit zur zentralen außerparlamentarischen Opposition gegen die Ampel-Regierung zu werden. Doch statt über populäre Klimapolitik wird in der Klimabewegung derzeit vor allem über radikalere Formen zivilen Ungehorsams und „friedliche Sabotage“ diskutiert. Diese Debatten sind durchaus nachvollziehbar, denn es bleiben nur noch wenige Jahre, um umzusteuern und verheerende Kippunkte im Klimasystem zu vermeiden.

    Eine Radikalisierung von Teilen der Klimabewegung auf der einen Seite ohne eine stärkere Bezugnahme auf sozialpolitische Forderungen durch andere Teile der Klimabewegung kann zu einer gefährlichen Polarisierung zwischen Aktivist*innen und nicht-akademischen Milieus führen. Die Regierung sowie konservative und rechte Kräfte hätten ein noch besseres Feindbild, gegen das sie mobilisieren können. Klimapolitik wird bereits jetzt als moralischer Verzichtsdiskurs und Thema einer kulturellen Elite wahrgenommen.[...]

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