Klimawandel [Sammelthread]

  • Na, ich denke das ist Teil des Theaters, um dem Eindruck entgegenzuwirken, Deutschland würde sich russischen Forderungen beugen. Die USA haben die Pipeline doch längst abgenickt.

    Anders herum gedacht könnte es auch Theater auf US-Seite sein, weil sie wissen, dass die EU-Gasrichtlinie die Pipeline bereits hinreichend behindert und es keinerlei Drohungen mehr bedarf…

  • nen relativ ausführlicher Artikel, welcher neben der Kernaussage "Klimaneutralität (net-zero) ist eine gefährliche Falle" noch einen schönen zeitlichen Ablauf der "die Technik wird uns retten" Ideen, Ansätze und deren Auswirkungen skizziert.


    https://www.golem.de/news/klim…he-falle-2110-159923.html


    Zitat

    Wir sind zu der schmerzlichen Erkenntnis gelangt, dass das Net-Zero-Konzept die rücksichtslose, sorglose Einstellung "Verbrenne jetzt, bezahl später" gefördert hat, die die CO2-Emissionen weiter ansteigen ließ.



    Zitat

    1988 war James Hansen [...] Am Nachmittag des 23. Juni [...] zu einem der bekanntesten Klimaforscher der Welt [geworden], als er vor dem US-Kongress forensisch den Beweis erbrachte, dass sich das Erdklima erwärmt und dass der Mensch die Hauptursache dafür ist: "Der Treibhauseffekt ist nachgewiesen und er verändert jetzt unser Klima."


    Hätten wir damals auf Hansen gehört, hätten wir unsere Gesellschaftssysteme mit einer Rate von etwa 2 Prozent pro Jahr dekarbonisieren können. Wir hätten eine Chance von zwei zu drei gehabt, die Erwärmung auf höchstens 1,5 °C zu begrenzen.

    Zitat

    Leider haben sie auch die Notwendigkeit beseitigt, grundlegend kritisch über den Klimawandel nachzudenken. Solche Modelle stellen die Gesellschaft als Netz von idealisierten, emotionslosen Käufern und Verkäufern dar und ignorieren somit, wie komplex die soziale und politische Realität ist, und sogar die Auswirkungen des Klimawandels selbst. Ihr unausgesprochenes Versprechen lautet, dass marktbasierte Ansätze immer funktionieren. Das wiederum hatte zur Folge, dass sich die Diskussionen über politische Maßnahmen auf die für Politiker bequemsten beschränkten: schrittweise Änderungen von Gesetzen und Steuern.


    Zu der Zeit, als sie entwickelt wurden, bemühte man sich, die USA zu Klimamaßnahmen zu bewegen, indem man ihnen erlaubte, die Kohlenstoffsenken ihrer Wälder anzurechnen. Die USA argumentierten, dass sie bei guter Bewirtschaftung ihrer Wälder in der Lage wären, eine große Menge Kohlenstoff in Bäumen und Böden zu speichern, und dass dies mit ihren Verpflichtungen zur Begrenzung der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas verrechnet werden sollte. Am Ende setzten die USA sich weitgehend durch. Ironischerweise waren die Zugeständnisse umsonst, da der US-Senat das Kyoto-Abkommen nie ratifiziert hat.

    Zitat

    Eine baumreichere Zukunft könnte die heutige Verbrennung von Kohle, Öl und Gas ausgleichen. Da die Modelle problemlos Zahlen liefern konnten, die den Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre so niedrig wie gewünscht ausfallen ließen, konnten immer ausgefeiltere Szenarien entwickelt werden, die die Dringlichkeit einer Reduzierung der fossilen Brennstoffnutzung verringerten. Dadurch, dass Kohlenstoffsenken in klimaökonomische Modelle einbezogen wurden, wurde eine Büchse der Pandora geöffnet.


    Hier liegt der Ursprung der heutigen Net-Zero-Politik.

    Zitat

    Mitte der 1990er Jahre lag das Hauptaugenmerk jedoch auf der Steigerung der Energieeffizienz und der Umstellung auf andere Energieträger [...]

    Die Hoffnung war, dass solche Innovationen den Anstieg der Emissionen aus fossilen Brennstoffen schnell umkehren würden.


    Um die Jahrtausendwende war jedoch klar, dass diese Hoffnungen unbegründet waren. Da die ökonomischen Klimamodelle aber von schrittweisen Reduktionen ausgegangen waren, wurde es für sie immer schwieriger, Wege zur Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels zu finden. Also bezogen sie einfach immer mehr Beispiele für Carbon Capture and Storage (CCS) ein

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    Doch lange bevor irgendetwas davon praktisch umgesetzt wurde, floss dieses hypothetische Verfahren in klimawirtschaftliche Modelle ein. Die bloße Aussicht auf CCS bot den politischen Entscheidungsträgern bereits einen Ausweg, um die dringend erforderliche Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu erreichen.

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    Als die internationale Klimaschutzgemeinschaft 2009 in Kopenhagen zusammenkam, war klar, dass CCS aus zwei Gründen nicht ausreichen würde.


    Erstens gab es die Technik noch nicht. Es gab keine CCS-Anlagen in einem Kohlekraftwerk in Betrieb und es gab keine Aussicht darauf, dass diese Technologie in absehbarer Zukunft irgendeinen Einfluss auf die steigenden Emissionen aus der zunehmenden Kohlenutzung haben würde.


    Das größte Hindernis für die Umsetzung waren die Kosten.

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    Ebenso wurde 2009 immer deutlicher, dass es nicht einmal möglich sein würde, die von den politischen Entscheidungsträgern geforderten schrittweisen Reduktionen zu erreichen - und zwar selbst wenn CCS funktionieren würde. Die Menge an Kohlendioxid, die jedes Jahr in die Luft gepumpt wurde, führte dazu, dass der Menschheit immer schneller die Zeit davonlief.

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    Als diese Hoffnung auf eine Lösung der Klimakrise nun also schwand, suchte man nach einem weiteren Wundermittel. Es wurde eine Technologie benötigt, die den Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre nicht nur verlangsamt, sondern sogar umkehrt. Die Klima- und Wirtschaftsmodellierer, die bereits in der Lage waren, pflanzliche Kohlenstoffsenken und geologische Kohlenstoffspeicher in ihre Modelle einzubeziehen, griffen daher zunehmend auf die Lösung zurück, beides zu kombinieren.


    Die neue Heilsbringer-Technologie hieß BECCS

    So wurde die Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (Bioenergy Carbon Capture and Storage, BECCS) zur neuen Heilsbringer-Technologie.

  • Zitat

    Mit dieser neuen Lösung formierte sich die internationale Gemeinschaft nach wiederholten Misserfolgen neu, um einen weiteren Versuch zu unternehmen, unsere gefährlichen Eingriffe in das Klima zu begrenzen. Die Bühne für die entscheidende Klimakonferenz 2015 in Paris war bereitet.

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    Entgegen allen Erwartungen hatte sich die internationale Gemeinschaft nach jahrzehntelangen Fehlschlägen und Misserfolgen endlich darauf geeinigt, alles zu tun, um die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, vorzugsweise auf 1,5 °C, gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

    Das Pariser Abkommen war ein überwältigender Sieg für die Menschen

    [...]

    Etwas tiefer liegend konnte man in Paris aber noch eine andere Emotion bei den Delegierten finden: Zweifel. Es fällt uns schwer, einen Klimawissenschaftler zu nennen, der das Pariser Abkommen damals für machbar hielt. Inzwischen haben uns einige Wissenschaftler gesagt, das Pariser Abkommen sei "natürlich wichtig für die Klimagerechtigkeit, aber nicht umsetzbar" und "ein kompletter Schock gewesen, denn niemand dachte, dass eine Begrenzung auf 1,5 °C möglich sei". Statt die Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, so die Schlussfolgerung eines hochrangigen Wissenschaftlers, der am IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, der "Weltklimarat") beteiligt war, würden wir bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf mehr als 3 °C zusteuern.

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    Statt uns unseren Zweifeln zu stellen, beschlossen wir Wissenschaftler, immer aufwändigere Fantasiewelten zu konstruieren

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    Im Mittelpunkt stand BECCS, weil es damals die einzige Möglichkeit war, mit klimaökonomischen Modellen Szenarien zu finden, die mit dem Pariser Abkommen in Einklang stehen würden. Denn anstatt sich zu stabilisieren, waren die globalen Kohlendioxidemissionen seit 1992 um etwa 60 Prozent gestiegen.


    Leider war BECCS, genau wie alle vorangegangenen Lösungen, zu schön, um wahr zu sein.


    Bei den vom IPCC erstellten Szenarien mit einer 66-prozentigen oder besseren Chance, den Temperaturanstieg auf 1,5 °C zu begrenzen, müssten mit BECCS jährlich zwölf Milliarden Tonnen Kohlendioxid entfernt werden. In diesem Umfang würde BECCS immense Anpflanzungsprogramme für Bäume und Bioenergiepflanzen erfordern.

    Zitat

    Schätzungen zufolge würde BECCS zwischen 0,4 und 1,2 Milliarden Hektar Land benötigen. Das sind 25 bis 80 Prozent aller derzeit bewirtschafteten Flächen. Wie soll das erreicht werden, wenn Mitte des Jahrhunderts gleichzeitig acht bis zehn Milliarden Menschen ernährt werden sollen, ohne dass die einheimische Vegetation und die biologische Vielfalt zerstört werden?


    Die Anpflanzung von Milliarden von Bäumen würde große Mengen an Wasser verbrauchen - und das an Orten, an denen ohnehin Wassermangel herrscht. Eine zunehmende Bewaldung in höheren Breitengraden kann sich zudem insgesamt erwärmend auswirken, da der Austausch von Grasland oder Feldern durch Wälder bedeutet, dass die Landoberfläche dunkler wird.


    Dieses dunklere Land absorbiert mehr Energie von der Sonne, so dass die Temperaturen steigen. Die Konzentration auf die Entwicklung riesiger Plantagen in ärmeren tropischen Ländern birgt überdies das Risiko, dass Menschen von ihrem Land vertrieben werden.

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    Gefahr von "Doppelbuchungen"

    Auch wird oft vergessen, dass Bäume und der Boden bereits große Mengen an Kohlenstoff aufnehmen und speichern, was als natürliche terrestrische Kohlenstoffsenke bezeichnet wird. Eingriffe in diese Senke könnten sowohl die Senke stören als auch zu Doppelbuchungen der CO2-Entnahme führen.


    In dem Maße, in dem diese Zusammenhänge besser verstanden werden, hat der Optimismus in Bezug auf BECCS abgenommen.

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    Als langsam die Erkenntnis wuchs, wie schwierig es angesichts der ständig steigenden Emissionen und des begrenzten Potenzials von BECCS sein würde, Paris umzusetzen, tauchte in politischen Kreisen ein neues Schlagwort auf: das Temperatur-Overshoot-Szenario.

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    Demnach dürften die Temperaturen in naher Zukunft über 1,5 °C steigen, müssten dann aber bis zum Ende des Jahrhunderts durch eine Reihe von Maßnahmen zur Kohlendioxidreduzierung gesenkt werden.


    Das heißt, dass CO2-neutral eigentlich CO2-negativ bedeutet. Innerhalb weniger Jahrzehnte müssen wir unsere Zivilisation von einer, die derzeit jährlich 40 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre pumpt, umstellen auf eine, die einen Nettoabbau von zehn Milliarden Tonnen schafft.

    Zitat

    Die massenhafte Anpflanzung von Bäumen zur Gewinnung von Bioenergie oder als Ausgleichsmaßnahme war der jüngste Versuch, eine Reduzierung des fossilen Brennstoffverbrauchs abzuwenden. Doch der ständig wachsende Bedarf an Kohlenstoffabscheidung verlangte nach mehr, weshalb die Idee des Direct Air Capture aufgekommen ist, die nun von einigen als die vielversprechendste Technologie überhaupt angepriesen wird

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    Immer wenn die Fata Morgana einer magischen technischen Lösung verschwindet, taucht eine andere, ebenso unbrauchbare Alternative auf, um ihren Platz einzunehmen.

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    Die nächste ist bereits zu erahnen - und sie ist sogar noch schrecklicher. Sobald wir erkennen, dass der Nullpunkt nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht erreicht werden kann, wird wohl das Geoengineering, also der absichtliche und weitreichende Eingriff in das Klimasystem der Erde selbst, als Lösung zur Begrenzung des Temperaturanstiegs herangezogen werden.


    Eine Idee: Schwefelsäure in die Atmosphäre

    Zitat

    Es ist an der Zeit, unsere Ängste zu äußern und der Gesellschaft ehrlich zu sagen: Die derzeitige Net-Zero-Strategie wird die Erwärmung nicht auf 1,5 °C begrenzen, weil sie nie dazu gedacht war. Sie wurde und wird immer noch davon getrieben, möglichst alles so weiterlaufen zu lassen wie bisher - und nicht davon, das Klima zu schützen.

  • Anders herum gedacht könnte es auch Theater auf US-Seite sein, weil sie wissen, dass die EU-Gasrichtlinie die Pipeline bereits hinreichend behindert und es keinerlei Drohungen mehr bedarf…


    Kommt drauf an, ob man das Ergebnis der Änderung der EU-Gasrichtlinie für ein Durchsetzen auf deutscher Seite hält oder nicht. Ich tendiere zu ersterem. Glaube übrigens nicht, dass die USA allzuviel mit dieser Gesetzesgebung zu tun hatten. Trump hatte da schon dankenswerterweise das State Department zerlegt. Sanktionen konnten sie umsetzen, aber diplomatisch waren sie eher abwesend.


    Ich glaube, es gibt medial zuviel Fokus auf Nord Stream 2, weil man sich des ebenfalls bestehenden Konflikts über die Ausgestaltung des EU-Gasmarktes nicht gewahr ist. Beispiel:


    https://www.sueddeutsche.de/po…ream-2-baerbock-1.5444217


    Zitat

    Aus Russland kamen am Montag Signale, dass man den europäischen Verbrauchern nur dann zusätzliches Gas liefern werde, um die derzeitige Energieknappheit zu lindern, wenn die EU im Gegenzug die Pipeline genehmige. Das sagten Personen, die dem staatlichen Gasriesen Gazprom und dem Kreml nahestehen. "Wir können nicht zur Hilfe eilen, nur um Fehler zu kompensieren, die wir nicht begangen haben", sagte Konstantin Kossatschow, ein führender kremlnaher Abgeordneter im Föderationsrat, dem Oberhaus des Parlaments, in einem Interview, ohne näher zu erläutern, worum es Russland geht. "Wir erfüllen alle unsere Verträge, alle unsere Verpflichtungen. Alles, was darüber hinausgeht, sollte Gegenstand zusätzlicher freiwilliger und für beide Seiten vorteilhafter Vereinbarungen sein."


    "Personen, die dem staatlichen Gasriesen Gazprom und dem Kreml nahestehen" da könnte etwas dran sein, kommt über Bloomberg die Behauptung, allerdings haben sie nichts Konkretes gesagt. Die Äußerung von Kossatschow ist dagegen ganz klar auf den Spotmarkt gemünzt.


    Ich denke zusätzliche Lieferungen hängen im Moment vom Abschluss neuer Langzeitlieferverträge ab - oder vielleicht einer anderen Kompensation. Eine Inbetriebnahme von Nord Stream 2 könnte die schnellere Liefererfüllung von gegenwärtigen Lieferungen über Nord Stream bewirken. Das stellen die Russen schon auch in Aussicht, aber ich denke nicht, dass sie da an eine Beschleunigung der Zulassung glauben.


    (Geradezu fantastisch finde ich die Vorstellung, dass Gazprom Gas über Nord Stream 2 auch ohne Zulassung ausliefern könnte und einfach das Bußgeld zahlt. Hatte ich im Vorbeigehen im Radio aufgeschnappt, dass irgendwelche "Experten" davon ausgehen. Aber was auch immer den Markt zähmt, schätze ich. - Als ob die uns diesen Gefallen tun würden.)


    Aber wir werden es sehen. Meinem Verständnis nach sagt Baerbock das gerade, weil das Bundeswirtschaftsministerium in Kürze eine Empfehlung für oder gegen die Zulassung von Nord Stream 2 an die Bundesnetzagentur abgeben muss. Ich vermute, da wird es keine Überraschung von Altmaier geben.

  • Übrigens, wenn das Gemüse überhaupt gewachsen ist, ohne gasabhängige Düngerproduktion.

    MWh meinte ich natürlich, also 50ct./kWh. Das können wir im Winter ohne Probleme sehen…halt je nach Wetterlage. Und trotzdem gibt es von der DuH, vom DIW, etc. die Aussage, dass wir das Gas gar nicht brauchen… ich weiß nicht, was da los ist. Man kann derartige Prognosen und Studien nicht aus einem ideologischen Impuls heraus anfertigen und sich als vermeintlich objektiver „Wissenschaftler“ dazu äußern. Das ist doch völlig unredlich.

  • Hm, auch ein interessantes Signal, was sie da senden:


    https://www.reuters.com/articl…ussia-putin-idAFL8N2RG4QG


    Zitat

    The European gas crisis can yet bite Russia, President Vladimir Putin said on Wednesday, should soaring prices feed into inflation, further boosting the cost of essentials such as food, or reduce demand for the fuel which is a key source of state revenue

    Zitat

    “This has certain consequences for us, too,” Putin told senior government officials. “If there is a fall in demand...this would affect our producing companies including Gazprom.”

    Zitat

    There are no signs that demand and supply on the European gas market would be in balance in the short-term, Deputy Prime Minister Alexander Novak told the same meeting.

    Zitat

    Putin said higher gas prices could also cause fertiliser prices to spike which, in turn, would add to already higher food costs. Inflation in Russia has recently accelerated to 7.63%, its highest level since February 2016.


    “We are not interested in an endless increase in energy prices, including for gas,” said Putin, [...]

  • So jetzt ist das Transkript da, aber die Übersetzer sind noch nicht soweit:


    http://kremlin.ru/events/president/transcripts/66975


    Also wieder DeepL, Putin wird gefragt:



    Klingt für mich nicht nach einer platzierten Frage (bei Putin natürlich immer denkbar).


    Die Antwort:



    Klingt eindeutig, aber ausgelassen "[...]" habe ich eine halbe Vorlesung über die Weltwirtschaft und den Gasmarkt, nimmt man die hinzu, ist die Aussage meines Erachtens anders zu verstehen. Kann man dann im übersetzten Transkript lesen.


    Einschub: Zunächst wollte ich nochmal prüfen, ob Nord Stream gerade wirklich voll ausgelastet ist. Die reale Transportkapazität finde ich mit ca. 60 Mrd m³ Gas pro Jahr (nominell 55 Mrd m³), auf 365 Tage runtergerechnet etwa 165 M m³ am Tag. Das ist etwa die Größenordnung des Lieferrückgangs als sie im Juli die Wartung hatten. Scheint hinzukommen.


    Also die Russen stehen auf dem Standpunkt, es gibt im EU-Gasmarkt nicht unbedingt ein Deckungsdefizit an physischem Gas, sondern ein Marktdefizit also zu wenig Angebot. Die Reform des Energiemarktes hat natürlich darauf gesetzt, dass in so einem Fall ein Hersteller wie Gazprom von den Preisen angezogen einspringt, aber da machen die Russen nicht mit. - Wobei immer vergessen wird, dass die LNG-Anbieter ebenfalls no-show sind. - Ich denke aus zwei Gründen, zum einen glaube ich weiterhin, soviel Gas haben sie gar nicht zur freien Verfügung. Zum anderen sehen sie das, wie schonmal gesagt, als ein Entgegenkommen ohne Gegenleistung an. Schließlich mussten sie ihre Produktion, da wegen dem Spotmarkt langfristige Verträge reduziert wurden, 2020 in Inversion dieser Situation massiv drosseln. Ist denke ich auch ein bisschen Vergeltung.


    Wenn Putin sagt, dass sie bei Eröffnung von Nord Stream 2 mehr liefern können, dann würde ich darin kein Versprechen sehen, dass sie zusätzliches Gas auf den Spotmarkt bringen, sondern dass die vorgesehene Menge an Gas (mit dem entsprechendem Preis) auf diesem im Moment voll ausgelasteten Transitweg schneller transportiert wird. (Oder anders gesagt sie haben Gas zwischengespeichert, um es über die Route zu liefern. Es fließt eben nicht von Jamal einmal durch.) Was den Effekt hat, dass mehr Gas in den Markt kommt.


    Ich weiß übrigens nicht, wo er die 17.5 Mrd m³ hernimmt, also nicht das Gas, die Zahl. Das ist ca. ein π-tel der nominellen Kapazität von Nord Stream 2, so ne Art Illuminati-Zeichen?

  • Da muss das Verfahren schon unangreifbar genug sein, dass es den unweigerlichen Klagen nach Inbetriebnahme der Pipeline standhält.


    Falls es Zweifel gab:


    https://www.reuters.com/article/pgnig-gas-idCNL8N2RI3RT


    Zitat

    “If the pipeline has to function, since its construction has been physically completed, we want it to operate in accordance with European law,” Majewski said.


    “In our opinion, from a legal point of view, it is not possible for Nord Stream 2 AG to be certified as an independent operator of the pipeline. Of course, in the event of unfavorable decisions, we will use all legal options,” he added.

  • Der fiel bereits nach Ankündigung, dass die Russen mehr zu uns liefern wollen. Ein bisschen wie damals 2008.

    Richtig, wobei ein weiteres, wichtiges Moment von den Chinesen kam. Die haben gesagt: „Wir kaufen keine Kohle mehr zu diesen Preisen, lieber öffnen wir jede Grube, die es bei uns gibt, auch wenn das am Ende Menschenleben kostet“ (so haben sie es natürlich nicht gesagt, aber es gibt wohl kaum einen schlechteren Arbeitsplatz auf der Welt als in alten chinesischen, aus Sicherheitsgründen eigentlich stillgelegten, unsicheren Kohleminen denen in der Vergangenheit tatsächlich viele Menschen zum Opfer fielen) Und so fiel der Kohlepreis von über 200$/t auf 100$/t. Wird es kalt, werden allerdings auch diese Gruben bei weitem nicht reichen.

    Hatte heute ein Marktgespräch, das ziemlich ernüchternd war. Der derzeitige Rückgang der Preise, könnte eine sehr temporäre Veranstaltung sein. Selbst wenn NordStream2 jetzt in Betrieb geht, werden unsere Gasspeicher bei einem kalten Winter nicht ausreichen. Parallel kürzen die Russen derzeit ihre Lieferungen über Polen und die Ukraine. Die Ankündigung Putins mehr zu liefern wird in meinen Augen nur unter der Voraussetzung einer schnellen Genehmigung von NS2 realisiert werden.

    Allerdings: Bei einem Winter, wie dem letzten, müsste Gazprom über ALLE bestehenden Pipelines + Nordstream2 100% liefern. Das werden sie aber nicht machen. Kurz gesagt; es kann wirklich eng werden. Keine Ahnung, wie sich das unsere Verantwortlichen gerade so vorstellen, aber… das kann wirklich ein interessanter Winter werden.

  • Lilibet von der Themse hat den Großkopferten zur Klimakonferenz bissi was mitgegeben.


  • https://www.gazprom.de/press/n…21/october/article541610/


    Zitat

    Gazprom erzielte benötigte operative Gasreserven in unterirdischen Speichern Russlands, nämlich 72,638 Milliarden Kubikmeter.


    [...]


    Die Gaseinspeisung in russische UGS erfolgt bis 8. November.


    Die Einspeisung in Russland ist Anfang nächster Woche abgeschlossen. Aber wie vermutet, besteht Gazprom weiter auf Verträge mit langer Laufzeit:


    https://www.reuters.com/busine…-export-chief-2021-11-03/


    Ich bin nicht sicher, ob sie sehr viel mehr Gas auf dem Spotmarkt verkaufen werden.


    Zitat

    Yamal-Europe, which normally sends gas westwards across Poland to Germany, remained stuck in reverse on Wednesday after requests to transport gas westwards through it into Germany were abruptly withdrawn, data on the website of its German operator showed.


    Von wem "withdrawn"?

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