Klimawandel [Sammelthread]

  • :)

    Auf der Ebene können wir die Diskussion gerne führen...

    Bis später!

  • Die Anti-Atomhaltung wird sich nicht ändern. Die Probleme mit den nicht existierenden Endlagern sind bereits jetzt schon kaum tragbar und kosten jedes Jahr Unmengen. Selbst wenn die Kraftwerke 100% GAU-sicher sein würden bleibt dieses Hauptproblem.

    Im oben verlinkten Video erklärt Volker Quaschning, dass selbst wenn wir Atomstrom wollen würden, wir dafür keine Infrastruktur haben. Der Bau der Kraftwerke würde Jahre dauern. Zeit, die wir nicht mehr haben. Außerdem erklärt er, dass für weltweite Umrüstung zu Atomkraftwerke der Rohstoff Uran in wenigen Jahren aufgebraucht sein würde. Von den hohen Marktpreisen im Vergleich zu Erneuerbare ganz zu schweigen.

    Es sieht für mich, selbst wenn man einzelne Aspekte ausklammern würde, jedenfalls nicht nach einer Alternative aus. Da Quaschning auch der Meinung ist, dass es technisch auch ohne Atomstrom funktioniert und ich bisher kein Argument kenne, welches das Gegenteil nahelegt, wüsste ich nicht, wieso ich daran zweifeln sollte. Es gibt ja weitere sinnvolle Technologien, die er gar nicht angesprochen hat und ebenfalls einen Beitrag leisten können.

    Ich habe nicht für neue Atomkraftwerke plädiert. Ich bin dafür, die bestehenden Atomkraftwerke weiter zu betreiben, um entsprechend früher aus der Kohle auszusteigen.

    Die Parteien, die das nicht wollen, besonders die Grünen, priorisieren damit ganz klar den Atomausstieg vor dem Klimawandel. Meine Priorisierung ist dagegen umgekehrt.

    Der Atommüll ist ein Alibiargument, da das Problem im Vergleich zum Klimawandel erstens viel, viel, viel weniger relevant ist und zweitens nicht massiv verschärft wird, wenn wir die bestehenden Atomkraftwerke 10 Jahre länger betreiben.

    Langfristig bin ich wie die meisten für annähernd 100% erneuerbare Energien.

    Nur gibt es da bis heute keine Speicherkonzepte, um besonders die bei uns sehr großen Unterschiede zwischen Winter und Sommer zu Überwinden und besonders bei den Grünen und den Linken sehe ich hier auch keine großen Anstrengungen, Lösungen für die Speicherprobleme zu finden.

    Im Gegenteil zeichnen sich Grüne vor allem immer dadurch aus, dass sie notwendige Trassen oder Infrastrukturprojekte durch Bürgerinitiativen blockieren. Grünen scheint es wichtiger zu sein, Geld für Homöopathie auszugeben als für erneuerbare Energien, auch hier sind meine Prioritäten entschieden anders.

    Das mit "XYZ ist nicht wichtig, dass etwas funktioniert" trifft meines Erachtens aktuell auf alle großen Parteien zu. Du nanntest LINKE und Grüne und ich ergänze mit FDP, Union, SPD und AfD. Und gerade die GroKo hatte es so viele Jahre in der Hand, aber bei den Bestrebungen bisher erreichen sie nicht einmal ihr eigenes Klimaziel, welches bereits zu schwach ist um den ernst der Lage zu verstehen. Deshalb wundert es mich, dass du mit deiner Einstellung zum Klima dennoch CDU oder FDP wählen würdest.

    Würde zustimmen, dass keine der großen Parteien aktuell ein gutes, ökonomisch durchführbares Klimakonzept hat, dass auf maximale Effizienz und Effektivität ausgerichtet ist. Aber wenn man solche Stimmen hört, dann noch am ehesten von parteiunabhängigen Ökonomen. Klimawissenschaftler sind am besten darin zu erkennen, was gemacht werden muss, Ökonomen wissen am besten, wie und mit welchen gesellschaftlichen Anreizsystemen diese Ziele erreicht werden können. Die Klimawissenschaftler werden eher von den rechten Parteien ignoriert, die Ökonomen werden von allen Parteien ignoriert, wenn überhaupt, werden die Ansätze des Emissionshandels als wichtigstes Mittel höchstens noch von Vertretern der FDP vereinzelt genannt.

    Und der 3. Punkt wurde schon 2x angesprochen. Aber ich möchte das mal etwas anders formulieren. Mal angenommen die Armut und der Krieg ist schlimmer. Wenn der Klimawandel das begünstigt und letztlich sogar verursacht, die Klimaerwärmung als Ursache dann nicht gerade deshalb schlimmer?


    Nein, Armut und Krieg sind schlimmer. Diese haben immer viele Ursachen. Die Klimaerwärmung kann dazu beitragen, löst aber nicht zwangsläufig Armut und Krieg aus. Dank des Kapitalismus sind wir heute um eine Potenz von 10 oder 100 reicher als vor 300 Jahren und dadurch auch in einer viel besseren Ausgangssituation, uns an eine sich verändernde Umwelt anzupassen.

    Der wichtigste Faktor für Armut wird beispielsweise die Ernährung sein. Hier haben wir selbst bei viel schlechteren Bedingungen riesige Potentiale die Ernährungssituation weltweit zu verbessern, indem einfach der Fleischkonsum minimiert wird. Auch Migrationsfragen können hervorragend gelöst werden, wenn Menschen aufgrund des Klimawandels migrieren müssen.


    Beispielsweise könnten gigantische heute unproduktive Flächen in Sibirien oder Kanada für Milliarden von Menschen ein neues Zuhause auf einem +6° Planeten bieten. Dies wäre dann keine Verschlechterung, sondern sogar eine Verbesserung für die Leute, die heute schon unattraktivere Gebiete in zum Beispiel Afrika verlassen, als auch für die aufnehmenden Staaten, die damit ihre Bevölkerungsstruktur massiv verbessern können.


    Davon abgesehen, ich hatte vor ein paar Jahren mal ein Gespräch mit einem Inder, der schon bisschen in der Welt herum gekommen ist. Er meinte in Gegenden, wo reiche Leute auf der anderen Straßenseite zu sehr armen Leuten leben, wirken die armen Leute glücklicher, weil das Zwischenmenschliche im positiven Sinne viel ausgeprägter ist. Das heißt nicht, dass Armut etwas gutes ist, aber die Korrelation ist recht interessant.

    Das ist zwar ein nettes anekdotisches Beispiel von dem Inder, aber die Wissenschaft widerspricht der These, dass das Zwischenmenschliche im positiven Sinne unter Armen viel ausgeprägter ist, doch sehr deutlich. Aber es ist klar, dass dieser Eindruck in Gegenden, in denen Arme und Reiche gegenüber leben, leicht entstehen kann. das Zwischenmenschliche im positiven Sinne ist bei Menschen in den allermeisten Fällen allgemein sehr ausgeprägt, also ist es auch nicht verwunderlich, dass man das überall, wo Menschen sehr exponiert sind, auch gut beobachten kann. Die Korrelation gibt es aber nicht, sondern wissenschaftlich eher die Korrelation, dass sich reichere Menschen sozialer verhalten als ärmere Menschen. Ich würde das aber nicht direkt auf den materiellen Wohlstand zurückführen, sondern einfach auf die Tatsache, dass Menschen unter Sorgen, Stress oder Existenzängsten sich weniger sozial verhalten und diese Dinge bei ärmeren Menschen im Schnitt ausgeprägter sind.

  • Also ich kann und werde Herrn Quaschning z.B. nicht mit irgendwelchen Zahlen, die ich errechnet habe, von irgendetwas überzeugen.

    Er hatte in der letzten Runde aber auch komplett recht, indem er darauf hinwies, dass deutlich mehr Windräder, PV und Speicher gebaut werden müssen als bisher.

    Warum unsere Politik hierfür die Ausschreibungsmengen nicht endlich erhöht oder diese bescheuerte Umlage auf selbsterzeugten PV-Strom mal abschafft, kann ich wirklich nicht verstehen. Ich vermute allerdings nicht, dass diese unterlassene Hilfeleistung für die Energiewende etwas mit Kapitalinteressen irgendwelcher Großkapitalisten zu tun hat, sondern eher etwas mit dem äußerst schleppenden Netzausbau (der an vielen Stellen auf Grund von Einspruchsverfahren aus der Bevölkerung heraus hängt) und Bedenken um die Netzstabilität... weitere Gründe kann ich nicht ausschließen, aber irgendein KKW in der Lausitz wird sicherlich nicht der Grund sein.

    Ob wir das noch halbwegs anständig hinbekommen? Ich sag mal so; vor 10 Jahren wäre der heutige Stand super gewesen. Man muss jetzt einfach Prioritäten setzen und das Thema mit klarem Fokus angehen, aber auch entscheidende Fragen beantworten:

    Wie wichtig ist uns Versorgungssicherheit? Also: Sind wir im Zweifel bereit auch mal in Energielockdowns zu gehen, wenn die erneuerbaren mal über Wochen schwach sind oder müssen wir hier vielleicht doch von dem 100%-Ziel 2050 abrücken und Kompensation betreiben?

    Wie wichtig ist uns eine Energieintensive Industrie? Auf lange Sicht wäre sie in Gefilden mit von Haus aus mehr erneuerbaren Energien einfach besser aufgehoben...

    Wie gelingt es uns das ganze Thema sozial zu gestalten, damit Klimaschutz nicht am Ende noch als Klassenkampf von Oben wahrgenommen wird?

    Und vor allem: Wie gelingt uns personell die Umsetzung, weil Geld und politischer Wille am Ende gar nichts nützen, wenn die Fülle an Monteuren fehlt um Leitungen und Brennstoffzellen zu montieren?

    Also das müsste man schon sehr bald mal klären, neben all den technischen Schwierigkeiten...

    Ich habe nur irgendwie nicht den Eindruck, dassman sich gerade mit solchen Fragen befasst, obwohl sie sich in der oder anderer Form bald sehr konkret stellen.

    Wenn allerdings die Antworten auf all diese Fragen die Gesellschaft spalten oder mehrheitlich aufwiegeln, gehe ich davon aus, dass die Energiewende einfach nur abgewählt wird und man sich lieber auf die Folgenabwehr konzentriert.

    Ob die Energiewende noch gelingt oder nicht hängt in meinen Augen also stark davon ab inwieweit die Bevölkerung bereit ist mitzumachen. Die 40% Abhängigkeit im Strom merkt man nicht. Aber 80% wird man merken, weil die eben sehr starken Schwankungen unterlegen sein werden.

    Zudem wird man, gerade für Wärme, noch ganz schön viel bauen und umrüsten müssen.

  • Ich vermute allerdings nicht, dass diese unterlassene Hilfeleistung für die Energiewende etwas mit Kapitalinteressen irgendwelcher Großkapitalisten zu tun hat, sondern eher etwas mit dem äußerst schleppenden Netzausbau (der an vielen Stellen auf Grund von Einspruchsverfahren aus der Bevölkerung heraus hängt) und Bedenken um die Netzstabilität...

    Oh ich schau dir vielleicht mal Peter Altmeiers Politik an, diese ist größtenteils genau abgestimmt auf die Energieversorgerkonzerne. Lektüre dazu 2017: "Das fossile Imperium schlägt zurück. Warum wir die Energiewende jetzt verteidigen müssen" von Claudia Kemfert

  • Ich vermute allerdings nicht, dass diese unterlassene Hilfeleistung für die Energiewende etwas mit Kapitalinteressen irgendwelcher Großkapitalisten zu tun hat, sondern eher etwas mit dem äußerst schleppenden Netzausbau (der an vielen Stellen auf Grund von Einspruchsverfahren aus der Bevölkerung heraus hängt) und Bedenken um die Netzstabilität...

    Ach soo.


    Schuld daran, dass man den in großen privaten Investitionsprojekten erzeugten Konzernstrom nicht einfach quer durch die Republik transportiern kann, anstatt ihn dezentral und womöglich gar von kommunalen Betreibern nah am Verbraucher erzeugen zu lassen, sind natürlich diese ganzen egoistischen, rückständigen und dummen Menschen in der Provinz, die sich ihre Dörfer und Landschaften nicht mit Hochspannungsmasten verschandeln und ihre Äcker nicht mit planierten Schneisen für unterirdischen Leitungen austrocknen lassen wollen.


    Die dogmatischen Marxisten-Leninisten vom Deutschlandfunk zeigen sich bezüglich dieser Erkenntnis leider uneinsichtig und konstruieren lieber wilde Verschwörungstheorien:

    Windstrom für den Süden - Braucht die Energiewende die Stromtrassen wirklich?


    Auch der Rest vom Artikel ist natürlich nur ähnlich gefühliges Ideologenzeugs.


    Am besten gar nicht erst lesen.

  • Wären Dir 300 Preiszonen lieber? Mir nicht. Ich fände es zudem ungerecht, wenn nun dort, wo besonders viel erneuerbare Energien vorhanden sind z.B. an der Küste, die Strompreise super günstig sind und im Inland teuer. Zumal die erneuerbaren über die EEG-Umlagen vorher teuer finanziert wurden. Sollen dann Entschädigungen fließen? Und wie soll der Inländer in Gebieten mit weniger Wind bezahlbar an erneuerbare Energien kommen? Soll die Industrie jetzt an die Küste ziehen (zum Teil wäre das sicher wirklich nicht verkehrt).... Die Alternative, 300 Preiszonen und kein Netzausbau, bietet wirklich wenig Vorteile....

    Vorallem weil wir dann Offshore zubauen könnten wie bekloppt, am Ende müssten wir abregeln...oder mit schlechten Wirkungsgrad H2 herstellen, weil es keine Abnehmer gäbe... alles in allem keine gute Alternative

  • Ich stelle mit Bedauern erneut fest, @Danton, dass Du mal wieder nicht auf die, auch in dem Deutschlandfunk-Beitrag angesprochene, grundsätzliche Problematik marktbasierter Lösungen für vom Markt verursachte Probleme eingehen willst, sondern statt dessen versuchst, die argumentativen Torpfosten auf eine Frage des Preises - also auf eine nur innerhalb jenes kritisierten Marktzusammenhangs relevante Angelegenheit -, bzw. auf eine technische / technokratische Detaildiskussion zu versetzen, innerhalb derer Du als Mann vom Fach natürlich mit einer Expertise glänzen kannst, welcher Nicht-Fachleute nur schwer etwas entgegen setzen können.


    Über Fragen der möglichen techn(okrat)ischen Umsetzung wird allerdings hier und im gleichnamigen Thread im alten Forum schon seit mehreren hundert Seiten und vielen tausend Beiträgen diskutiert, während über die sozioökonomischen, politischen und ideologischen Verhältnissen die denselben immer noch massiv im Weg stehen eher wenig bis gar nicht gesprochen wird.


    Ich halte mich aus der technischen Diskussion ganz bewusst raus, weil mir dazu das Fachwissen fehlt und ich nicht die Zeit habe, es mir anzueignen. Allerdings kann man auch ohne Ingenieursstudium oder sonstige (verwaltungs-)technische Ausbildung durchaus feststellen, dass die Politik hier nicht hauptsächlich vom Widerstand der Bevölkerung davon abgehalten wird, die technischen Lösungen umzusetzen, sondern von ihrer Verpflichtung gegenüber den Industrie- und Energiekonzernen in Deutschland und Europa, deren Wettbewerbsfähigkeit um jeden Preis aufrecht zu erhalten - sofern jener Preis nicht von den Profiteuren des Wettbewerbes bezahlt werden muss, sondern vom Rest der Gesellschaft.

  • Ich stelle mit Bedauern erneut fest, @Danton, dass Du mal wieder nicht auf die, auch in dem Deutschlandfunk-Beitrag angesprochene, grundsätzliche Problematik marktbasierter Lösungen für vom Markt verursachte Probleme eingehen willst, sondern statt dessen versuchst, die argumentativen Torpfosten auf eine Frage des Preises - also auf eine nur innerhalb jenes kritisierten Marktzusammenhangs relevante Angelegenheit -, bzw. auf eine technische / technokratische Detaildiskussion zu versetzen, innerhalb derer Du als Mann vom Fach natürlich mit einer Expertise glänzen kannst, welcher Nicht-Fachleute nur schwer etwas entgegen setzen können.


    Über Fragen der möglichen techn(okrat)ischen Umsetzung wird allerdings hier und im gleichnamigen Thread im alten Forum schon seit mehreren hundert Seiten und vielen tausend Beiträgen diskutiert, während über die sozioökonomischen, politischen und ideologischen Verhältnissen die denselben immer noch massiv im Weg stehen eher wenig bis gar nicht gesprochen wird.


    Ich halte mich aus der technischen Diskussion ganz bewusst raus, weil mir dazu das Fachwissen fehlt und ich nicht die Zeit habe, es mir anzueignen. Allerdings kann man auch ohne Ingeniersstudium oder sonstige (verwaltungs-)technische Ausbildung durchaus feststellen, dass die Politik hier nicht hauptsächlich vom Widerstand der Bevölkerung davon abgehalten wird, die technischen Lösungen umzusetzen, sondern von ihrer Verpflichtung gegenüber den Industrie- und Energiekonzernen in Deutschland und Europa, deren Wettbewerbsfähigkeit um jeden Preis aufrecht zu erhalten - sofern jener Preis nicht von den Profiteuren des Wettbewerbes bezahlt werden muss, sondern vom Rest der Gesellschaft.

    Also... ich hab’s mir jetzt komplett durchgelesen. Es freut mich, dass Herr Matthes dort zu Wort kommt. Ich habe ihn 2mal live zu anderen Themen sprechen hören und war ziemlich schnell überzeugt von dem was er damals sagte. Ich konnte und kann ihn auch an diesem Punkt sehr gut nachvollziehen und freue mich, dass er ähnliche Gedanken zum Thema hat.

    Ideologisch halte ich ihn für einen aufrichtigen Klimaschützer. Er hat damals sehr lange darüber gesprochen welche Folgen die Erderwärmung in anderen Regionen auf der Welt so hat, was in dem Rahmen eigentlich klar Offtopic war, aber es war ihm wichtig, dass das alle begreifen.

    Auch hier finde ich es völlig nachvollziehbar, was er anbringt. Die 700-750 TWh habe ich hier auch schon thematisiert...

    Für fundierte fachmännische Aussagen müsste ich rechnen oder Rechnungen recherchieren...inwieweit diese Leitungen nötig sind. Im Kontext werde ich aber immer zur Matthes-Position tendieren.

  • Im Kontext werde ich aber immer zur Matthes-Position tendieren.

    Du meinst den Mathes der z.B. folgende Metastudie mit verfasst hat?:


    https://www.oeko.de/fileadmin/…ierung-und-Stromnetze.pdf


    Das ist bestimmt eine qualifizierte Analyse zur technischen (und ökonomischen) Machbarkeit dezentralerer (onshore, PV, Biogas, etc. in der Provinz) vs. zetralisierter (offshore WK im Norden) Ansätze und der entsprechenden Anforderungen an den Netzausbau.

    Allerdings macht sie - so weit ich das beim kurzen Querlesen von Einleitung und Synthese am Schluss erkennen konnte - genau das nicht, wovon ich die ganze Zeit rede: Die Energiewende im Hinblick darauf zu analysieren, ob sie unter den gegebenen sozioökonomischen Verhältnissen machbar wäre oder ob man an diesen Verhältnissen und ihrem profitgetriebenen Energiebedarf nicht vielleicht massiv ertwas ändern müsste. Vielmehr geht sie offenbar einfach davon aus dass an denselben nichts zu rütteln sei, extrapoliert den heutigen Energiebedarf z.B. der großen Industriellen Zonen West und Süd kurzerhand in die Zukunft, und misst dann die Effizienz der verschiedenen Ansätze zu Energierzeugung und Netzausbau daran, ob sie für diesen künftigen Bedarf unter Maßgabe der Klimaschutzziele ausreichen würden. (Hint: Die dezentralen Ansätze würden es natürlich nicht)


    Sofern ich da nicht was Wichtiges übersehen habe, wäre das eigentlich genau das, worüber ich mich hier seit nunmehr schon wieder drei Tagen beschwere und worauf Du Dich standhaft weigerst, ernsthaft einzugehen.


    Das bringt ja so nichts.

  • Allerdings kann man auch ohne Ingenieursstudium oder sonstige (verwaltungs-)technische Ausbildung durchaus feststellen, dass die Politik hier nicht hauptsächlich vom Widerstand der Bevölkerung davon abgehalten wird, die technischen Lösungen umzusetzen, sondern von ihrer Verpflichtung gegenüber den Industrie- und Energiekonzernen in Deutschland und Europa, deren Wettbewerbsfähigkeit um jeden Preis aufrecht zu erhalten - sofern jener Preis nicht von den Profiteuren des Wettbewerbes bezahlt werden muss, sondern vom Rest der Gesellschaft.

    Ganz würde ich das nicht unterschreiben, denn es ist ja noch ein bisschen perfider: Der Widerstand der örtlich ansässigen Bevölkerung wird seitens der Politik, zumindest ist das meine, politischem Zynismus geschuldete, Vermutung, als Effekt fest einkalkuliert. Es gibt ja genug Konzepte und Ideen über finanzielle Beteiligung des Lokalkolorit quasi widerstandslos Windräder aufzustellen, Stromleitungen zu bauen etc.

    Man macht es nur nicht, weil es, wie Du ja richtig sagst, überhaupt nicht im Interesse der Konzerne ist, die an dezentralen Lösungen natürlich nichts verdienen. Dementsprechend ist es natürlich auch nicht im Interesse derer, die auf einen Aufsichtsratsposten in diesen Konzernen hoffen.

  • Stellungnahme des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. zum Netzentwicklungsplan 2030 (2019) und dem Umweltbericht (->PDF)

    "[...] Die Übertragungsnetzbetreiber erhalten eine gesetzliche (Anreizregulierungs-verordnung) Eigenkapitalrendite von 6,9 % (BNetzA, BGH Juli 2019) auf deren Investitionen. Allen anderen Betreibern von Onshore-Windenergie, KWK-Anlagen jeglicher Größe, Stromspeichern verschiedenster Art, PV-Anlagen, der Power-to-Gas-Technik, die in ihrem Zusammenspiel ebenfalls eine Bereitstellung der gleichen Strommenge (sowie auch Wärme aus KWK) wie im NEP angesetzt bieten können, erhalten nicht die gleichen Vorteile der Offshore-Windenergie.

    Dies bedeutet, dass hierdurch eine Bevorzugung der Errichtung und des Betriebs von HGÜ-Leitungen gegenüber anderen Technologien am Markt erfolgt. Diese Bevorteilung liegt im Doppelten darin, dass die Übertragungsnetzbetreiber für ihr Monopol eine besonders hohe Eigenkapitalrendite erhalten und die hierdurch bei den HGÜ-Leitungen erhöhten Transportkosten nicht auf die Stromlieferung gezielt umgelegt werden, die den Bau dieser Leitungen erfordern. Hinzu kommt, dass aufgrund der Ausfall-möglichkeiten der HGÜ-Leitungen, sowohl von Kabelverbindungen als auch in den Konvertoren, jeweils das (parallele) HDÜ-Netz soweit ausgebaut wird, dass es diese Ausfälle auffangen kann. (Schreiben der BNetzA an den BUND) Die HGÜ-Leitungen weisen daher eine besondere Privilegierung gegenüber anderen Stromübertragungen auf, da die ÜNB als Investoren eine besonders hohe Eigenkapitalrendite erhalten und zudem ein Ausfall ihrer Leitungen durch zusätzlichen Netzausbau im HDÜ-Netz übernommen wird und diese Kosten auch dem HGÜ-Transport nicht zugerechnet werden.

    All dies zeigt, wie sehr andere eher dezentrale und regionale Stromerzeugungs- und versorgungsoptionen belastet, behindert oder sogar verhindert werden. Das Konzept der „Kupferplatte Deutschland“ verbunden mit dem Konzept der entfernungs-unabhängigen „Briefmarke“ für Netzentgelte (je nach Spannungsebene) hat seit jeher schon die Stromübertragung ausgehend von Großanlagen begünstigt. Das Prinzip, dass EE-Anlagen keine Netzeinspeiseentgelte entrichten müssen, war und ist wesentliches Element für den bisherigen Ausbau der Onshorewind- und PV-Stromerzeugung. Nun wirkt es aber begünstigend vor allem für den Ausbau der Offshore-Windenergie, die aufgrund ihrer räumlichen Konzentration wie ein Großprojekt wirkt, dem durch die Politik wiederum Vorteile gegenüber kleineren, dezentralen Anlagen mit regionalen Konzepten eingeräumt werden. Es ist daher erforderlich, eine klarere Kostenzuordnung zu tätigen und für gleiche Ausgangsbedingungen auch für andere wichtige Optionen der Energiewende im Strombereich zu sorgen.

    Dies betrifft insbesondere die Gestaltung der Netzentgelte hinsichtlich der Zeit- und Entfernungsabhängigkeit (vgl.7) Die HGÜ-Projekte sowie einige andere Maßnahmen sind durch die Europäische Kommission als sog. „Project of common interest“ deklariert. Damit erhalten diese Projekte neben Förderung seitens der EU einen Status in der Netzplanung, die diese quasi unangreifbar macht. Diese Projekte sind daher einer Abwägung und Optimierung nicht mehr zugänglich. Damit ist die Mitwirkung und Beteiligung der Öffentlichkeit sowohl im Rahmen von Konsultationen als auch möglicherweise auf rechtliche Ebene ausgeschlossen.[...]"

    Aber das hat bestimmt alles nix mit den Interessen des Großkapitals zu tun. 6.9% Eigenkapitalrendite bekommt man zur Zeit ja quasi überall hinterher geschmissen.

  • Nee eine Diskussionen bringt wirklich nichts, solange Du jede Gelegenheit nutzt derartigen Experten die Redlichkeit und Expertise abzusprechen.

    Kollegen wie LDR wissen es sicher auch besser als dieser, in meinen Augen, ausgewiesene Fachmann, Klimaschützer und Starkstromingenieur.


    Regionale Energie-Autarkie war by the way auch mal in meiner Stadt ein Plan. Man wollte das mit Tiefengeothermie erreichen. In der Theorie war es wohl möglich für eine ganze Stange Geld sowas zu machen.

    Dann gab es eine Volksabstimmung und das Votum fiel dagegen aus. Die Bürger hatten Angst vor Erdrissen und Erdbeben. Als neulich mal eine Messung auf Wind durchgeführt wurde gab es auch sofort Protest. Und DESHALB habe ich mich jetzt auf „Kinderkacke“-Projekte fokussiert...

    Das wird aber noch lange nicht reichen um hier autark zu sein.

  • Das wird aber noch lange nicht reichen um hier autark zu sein.

    Autarkie sollte aber auch nicht der Gradmesser sein finde ich.

    Wenn durch ein paar Windräder der Strom für alle Bewohner im Umfeld einfach etwas günstiger wird oder es eine Beteiligung an den Gewinnen gibt, dann geht es in die richtige Richtung.

  • Nee eine Diskussionen bringt wirklich nichts, solange Du jede Gelegenheit nutzt derartigen Experten die Redlichkeit und Expertise abzusprechen.

    Du verdrehst meine Aussagen. Ich habe Herrn Mathes und seinen KollegInnen weder die Expertise noch die Redlichkeit in Bezug auf die Ergebnisse ihrer Metastudie abgesprochen.Ich habe sogar explizit geschrieben, dass ich das nicht tue.


    Das ist bestimmt eine qualifizierte Analyse zur technischen (und ökonomischen) Machbarkeit dezentralerer (onshore, PV, Biogas, etc. in der Provinz) vs. zetralisierter (offshore WK im Norden) Ansätze und der entsprechenden Anforderungen an den Netzausbau.


    Ich habe lediglich festgestellt, dass sie damit in Bezug auf das was ich hier bemängelt habe die falsche Fragestellung behandeln.

  • Autarkie sollte aber auch nicht der Gradmesser sein finde ich.

    Wenn durch ein paar Windräder der Strom für alle Bewohner im Umfeld einfach etwas günstiger wird oder es eine Beteiligung an den Gewinnen gibt, dann geht es in die richtige Richtung.

    Als ich hier mal ne Biovergärungsanlage, ne Flusswärmepumpe und ein Projekt für gegenseitige Abwärmenutzung in einem Industriegebiet vorgestellt habe, Maßnahmen, die genau DAS wollten, wurde das hier vom Forenmitglied LDR als „Kinderkacke“ bezeichnet....

  • Als ich hier mal ne Biovergärungsanlage, ne Flusswärmepumpe und ein Projekt für gegenseitige Abwärmenutzung in einem Industriegebiet vorgestellt habe, Maßnahmen, die genau DAS wollten, wurde das hier von Forenmitglied LDR als „Kinderkacke“ bezeichnet....

    Kommt halt immer auf die jeweilige Diskussion an. Wenn es um den "ganz großen Wurf" geht, der eh immer nur diskutiert und nie umgesetzt wird, kann man das als Kinderkacke abtun, wenn es um konkrete Lösungen geht, sollte man es in das Portfolio lokaler bzw. regionaler Politik aufnehmen, für die die nationale Politik die Bedingungen schaffen muss.

    Und man muss ja auch sagen, LDR spricht eben auch nur für LDR. ;)

  • Kommt halt immer auf die jeweilige Diskussion an. Wenn es um den "ganz großen Wurf" geht, der eh immer nur diskutiert und nie umgesetzt wird, kann man das als Kinderkacke abtun, wenn es um konkrete Lösungen geht, sollte man es in das Portfolio lokaler bzw. regionaler Politik aufnehmen, für die die nationale Politik die Bedingungen schaffen muss.

    Und man muss ja auch sagen, LDR spricht eben auch nur für LDR. ;)

    ...das beschreibt die Sache ganz gut.


    Utan Deinen Punkt mit den Netzentgelten schaffe ich heute wahrscheinlich nicht mehr...morgen oder Montag.

  • Utan


    Wenn ich es nun richtig verstanden habe lautet die zu diskutierende These:


    "Durch den enormen Netzausbau lohnen sich regionale Projekte auf Grund der niedrigen Strompreise nicht mehr. Nur große Konzerne werden sich daher auf Dauer durchsetzen können"


    ...so oder so ähnlich.


    Da würde ich jetzt sagen; man muss differenzieren um welche Eigenerzeugungsanlagen es sich handelt. Aber ein Blick in die Ausschreibungsverfahren hilft um die Situation einzuordnen und um zu erfahren wer da gerade baut:


    https://www.bundesnetzagentur.…termin_01_12_20_node.html


    Ob die ganz Großen jetzt auch immer zwingend in so eine Ausschreibung gehen, möchte ich nicht bis ins letzte ein- oder -ausschließen. Grundsätzlich wird man als regionaler Anbieter wohl aber mit 6 ct./kWh 20 Jahre lang rechnen können, ganz egal wie hoch der Strompreis an der Börse liegt. (Die "Kupferplatte" spielt in den ersten 20 Jahren also schonmal keine Rolle)

    Je nach Größe der Anlage, reden wir hier also über millionenschwere Subventionen, pro Anlage. Ein kleiner Windpark, mit sagen wir mal 2MW und durchschnittlich 3.000 Volllaststunden im Jahr (mittlere Benchmark), erhält also auf 20 Jahre gesehen eine Subvention in Höhe von: 7.200.000€.

    Ich weiß nicht genau wie teuer so ein Investment ist, aber die Tatsache, dass Bürgergesellschaften auch ohne BimSch-Genehmigung daran teilnehmen konnten (und auch teilnahmen) zeigt mir, dass man regionale Windkraft nicht verhindern möchte, sondern ein ehrliches Interesse daran hatte solche Anlagen unbedingt mit ins Boot zu holen.


    Nicht viel anders sieht es mit PV und Biomasse aus; Die Ausschreibungen garantieren einen Erlös unabhängig von der Kupferplatte.


    Und kommen wir nun trotzdem mal zu den Argumenten von Herrn Matthes: Er sagt sinngemäß: Erneuerbare Energien werden immer knapp und volatil sein; daher sollten wir dafür sorgen, dass wir die Erneuerbaren immer an den für sie günstigsten Standorten maximal ausbauen und anschließend so weit wie möglich verteilen, weil wir uns Energieverschwendungen durch Speicherverluste eigentlich nicht leisten können: Und auch da gebe ich dem guten Mann Recht: Wir müssen die Energie dort maximal abfassen, wo sie maximal vorkommt, sonst wird es nicht reichen.

    Und auch im Netzausbau sehe ich durchaus Vorteile. Wenn viel Wind weht, kann er zu günstigen Preisen abgenommen werden. Volatile Abnahmeprozesse werden, bezogen auf die Energie, günstig (und noch günstiger) gestaltet werden können . Und hier liegt auch eine Chance für regionale Stadtwerke mit Fernwärmenetzen. Die Flusswärmepumpe bspw. beruht auf einer solchen Marktbeobachtung.

    Das überbauen diverser KWK-Anlagen übrigens auch. Das wäre dann der zu wählende Wärmeerzeuger, wenn der Wind schwach ist. Auch hier liegen die Subventionen derart großzügig, dass ich es hier schon gar nicht mehr aufschreiben möchte. Also besonders regionale Versorger mit einem Fernwärmenetz werden im kommenden Energiemarkt nicht trotz, sondern wegen dieser Kupferplatte hervorragende Möglichkeiten besitzen ihre Nische als Systemstabilisatoren zu finden. Ich bin da wirklich guter Dinge. Was viel mehr nervt sind all die Datenschutz- und Digitalisierungsreformen. Da habe ich auch so meine Verschwörungstheorien. Wer sich die Mako 2020 ausgedacht hat, sollte zurücktreten oder sich bei jedem Mitarbeiter der Branche entschuldigen.... komplizierter und bescheuerter geht es wirklich nicht mehr.

  • Erneuerbare Energien werden immer knapp und volatil sein; daher sollten wir dafür sorgen, dass wir die Erneuerbaren immer an den für sie günstigsten Standorten maximal ausbauen und anschließend so weit wie möglich verteilen, weil wir uns Energieverschwendungen durch Speicherverluste eigentlich nicht leisten können: Und auch da gebe ich dem guten Mann Recht: Wir müssen die Energie dort maximal abfassen, wo sie maximal vorkommt, sonst wird es nicht reichen.


    Inwiefern löst das das Volatilitätsproblem? Da brauchst du doch trotzdem Speicher,

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