Klimawandel [Sammelthread]

  • Ja gut. das kann ja durchaus sein.


    Aber wenn die Gaspreise überall in Europa explodieren und kleinere Versorger in den Ruin treiben, dann fehlt mir da irgendwie das klare Kosten/Nutzen-Verhältnis.


    Letztendlich geht's bei der ganzen Anti-Russland-Geschichte doch auch nur ums Geschäft.

    Also Theorie habe ich schon dazu; wenn es der Plan von Trump damals war die Preise für LNG für die Schieferölproduzenten möglichst hoch zu treiben, dann ist dieser Plan schonmal vollends aufgegangen. Man schickte ja völlig bewusst Europa ins Wettbieten mit Asien um LNG-Mengen. (Während der Corona-Pandemie gab es sicherlich erstmal viel zu viel Angebot, aber danach eben nicht mehr…)

    Die Polen verdienen wie die Ukrainer an der Gasdurchleitung und waren in dieser Hinsicht amerikanische Verbündete im Verhindern von NS2.


    Edit: …und natürlich konnten auch die Amerikaner keine Interesse daran haben, dass Pipelinegas in Westeuropa durch weniger Durchleitungsgebühren nochmal deutlich billiger wird. Da ist LNG nämlich irgendwann wirklich raus…


    Also geschäftliche Gründe das zu verhindern gab es viele


    Tilo Fand Dein Nachfragen bei der BPK rund um NS2 extrem gut! Vielleicht wusstest Du es nicht, aber man merkte der guten Dame vom Wirtschaftsministerium, die etwas blass und zittrig wirkte, schon an, dass ihr bewusst war, dass jedes Wort aus ihrem Mund rund um die Welt Milliardenbeträge bewegen kann. Mich würde mal interessieren inwieweit das Wirtschaftsministerium/Bundesnetzagentur die wirtschaftliche Lage der Stadtwerke und Versorger noch im Blick hat. Die sollen schließlich später mal all die regionalen Klimaschutzprojekte finanzieren und stemmen. Diese Energiepolitik und der jetzige Energiemarkt, der völlig unberechenbar geworden ist und für viele Versorger auch hohe finanzielle Schäden bedeutet, macht derartige Investitionen allerdings geradezu unmöglich. Mancherorts geht es nur noch ums nackte Überleben.

  • Klar, die Transitländer der alten Routen sind hier wirtschaftlich die Verlierer.


    Wobei ich mich frage, ob bei der polnischen Erklärung keinen neuen Liefervertrag mehr mit Gazprom einzugehen, vielleicht auch die sich rapide verschlechternden Beziehungen zu Weißrussland eine Rolle spielen. Denn die profitieren ihrerseits als Transitland von Gasexporten nach Polen. Da kaufen sie dann am Ende doch lieber Gas auf dem EU-Markt, selbst wenn es über Nord Stream 2 reingekommen ist.


    Grundsätzlich wollen die Polen aber auch die Gefahr, dass Gaslieferungen als Druckmittel gegen sie eingesetzt werden, reduzieren. Solange sie als Transitland gebraucht wurden, war die Überlegung, dass Russland sich das nicht leisten kann. Da sind wir wieder bei der Abneigung bzw. dem davon abgeleiteten Misstrauen, dass die Russen dank Nord Stream 2 nun frei sind zu diesem Druckmittel zu greifen.

  • Klar, die Transitländer der alten Routen sind hier wirtschaftlich die Verlierer.


    Wobei ich mich frage, ob bei der polnischen Erklärung keinen neuen Liefervertrag mehr mit Gazprom einzugehen, vielleicht auch die sich rapide verschlechternden Beziehungen zu Weißrussland eine Rolle spielen. Denn die profitieren ihrerseits als Transitland von Gasexporten nach Polen. Da kaufen sie dann am Ende doch lieber Gas auf dem EU-Markt, selbst wenn es über Nord Stream 2 reingekommen ist.


    Grundsätzlich wollen die Polen aber auch die Gefahr, dass Gaslieferungen als Druckmittel gegen sie eingesetzt werden, reduzieren. Solange sie als Transitland gebraucht wurden, war die Überlegung, dass Russland sich das nicht leisten kann. Da sind wir wieder bei der Abneigung bzw. dem davon abgeleiteten Misstrauen, dass die Russen dank Nord Stream 2 nun frei sind zu diesem Druckmittel zu greifen.

    Und die Polen bauen eben auch eifrig LNG Hubs und könnten langfristig als Erdgasimporteur auf diesem Weg profitieren… und solange kein russisches Pipeline-Gas in rohen Mengen durch NS2 fließt ziemlich gewaltig.


    https://www.gtai.de/gtai-de/tr…eitert-lng-terminal-21746

  • Ich habe den Eindruck die Einschätzung, dass Gazprom an der Grenze seiner Produktionsmöglichkeiten operiert, setzt sich durch. Hier ist eine weitere von Adeline Van Houtte eine Analystin bei der Economist Intelligence Unit:


    Zitat

    Comments from Mr Putin appear to have provided some comfort to the market. However, whether these additional gas supplies depend on a quick approval of Nord Stream 2 or not may not be the main issue.


    Currently, the Russian domestic gas market remains tight, with its inventories running low, output already near its peak and winter looming in Russia as well, limiting gas export capacity.


    There is also little sign that Gazprom — the Russian gas export pipeline monopoly, which supplies 35% of European gas needs — is attempting to pump more gas to Europe's spot buyers via existing routes, and overall given its small room for manoeuvre, it is unlikely that Gazprom could deliver more than around 190bcm (billion cubic meters) to Europe this year. European prices are unlikely to cool substantially in 2021.


    Das wird aber niemanden abhalten das als russische Vorenthaltung von Gas zu interpretieren. Zumal die Russen ihrerseits Limitierungen nicht offenlegen werden. Gerade die britische Regierung mit ihrer abschmierenden Versorgungslage kann einen Sündenbock für wenigstens einen Teil davon gut gebrauchen.

  • So halb, in einigen der osteuropäischen Länder gibt es einfach eine tiefe Abneigung gegen Russland. Und insbesondere die Polen haben die deutsch-russische Kooperation bei Nord Stream 2 direkt mit einer Neuauflage des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrags in Zusammenhang gebracht.

    Nee. Das kaufe ich so nicht.


    Die Osteuropäer werden von den mächtigeren Wirtschaftsnationen - insbesondere Deutschland - zwar gerne vorgeschoben, um die Angst vor Russland, vor Flüchtlingen, oder vor Schuldenschnitten für Südeuropa zu schüren, aber hier geht's ja offensichtlich um eine Situation, die schlimmstenfalls zu einer Energiekrise in ganz Europa führen könnte. Und da gehören natürlich auch Polen und die baltischen Staaten dazu.


    Außerdem erscheint es mir eher unwahrscheinlich, dass Grüne Russlandfeinde, die Putin für seine zweifelhafte Haltung zu Menschenrechten, freiheitlich-demokratischer Grundorndung, Rechtsstaat und sonstigem Werte™-Blabla anprangern, dabei die nationalistische Angst-Propaganda einer rechtslastigen polnischen Regierung besonders am Herzen liegt, die selbst autokratische Züge aufweist.


    Es mag ja sein, dass da tatsächlich auch irgendwelche festgefahrenen Ressentiments mit rein spielen, aber man muss sowas ja wenigstens vor der Bevölkerung mit irgendewas zurecht rationalisieren.

    Wenn hier tatsächlich im Januar die Heizungen ausfallen, kann sich doch keine Regierung hinstellen und sagen, man habe das russische Gas leider nicht einspeisen können, weil die Polen sich einbilden, noch ein Hühnchen mit Russland rupfen zu müssen.


    Mir fehlt da im Moment einfach das rationale Narrativ.

  • Also ich denke nicht, dass es einen Widerstand gegen Nord Stream 2 gibt, der die Erwartung hat, den Betrieb noch aufzuhalten. Aber alles, was jetzt noch an Wartezeit anfällt ist ein stückweit die Trägheit all der früheren Versuche Widerstand aufzubauen. Insofern die Bundesnetzagentur selbst daran interessiert ist, Nord Stream 2 so schnell wie möglich zu eröffnen - muss sie die Zulassung gegen die übrigen Beteiligten absichern.


    Die mussten zum Beispiel PGNIG, ein großer polnischer Gaskonzern im Staatsbesitz, als Verfahrensbegleiter aufnehmen. Und deren Presseerklärung:


    https://pgnig.pl/aktualnosci/-…tream-2/newsGroupId/10184


    hier in englischer Übersetzung:


    https://gasnews.eu/all-news/pg…ertification-proceedings/


    klingt nicht so, als wären die auf eine schnelle Inbetriebnahme aus:


    Zitat

    “In the certification proceedings, we will also seek to ensure that the owner of Nord Stream 2 cannot avoid the application of ownership unbundling requirements, third party access and transparent tariffs which take into account the costs of the entire pipeline. We will prove consistently that Nord Stream 2 AG does not meet the formal and substantive requirements for the operator of the pipeline, in particular those relating to security of supply and the corporate structure of the company,” said Paweł Majewski.


    Letztlich wird deren Meinung nicht ausschlaggebend sein, aber anhören und einbeziehen muss man sie wohl.


    Die Polen machen auch andere Späße wie für Gazprom eine Strafzahlung von über sechs Milliarden Euro für die Verletzung polnischer Monopolvorschriften durch den Bau von Nord Stream 2 anzuweisen:


    https://www.reuters.com/articl…and-gazprom-idUKKBN26S163


    Also sieht nicht wirklich danach aus, dass die polnische Regierung gerade glaubt eine europäische Gaskrise abwenden zu müssen. Ich weiß ja nicht, vielleicht sehen die sich selbst einer guten Versorgungslage und der Rest ist ihnen eben egal.

  • Ein großer Gewinner dieser Gaskrise sind auch Kohlekraftwerksbetreiber. Die Polen können derzeit mit sehr viel Profit Strom exportieren

  • Ein großer Gewinner dieser Gaskrise sind auch Kohlekraftwerksbetreiber.

    Naja, aber nicht allen Kohlekraftwerksbetreibern geht das so, vor ein paar Tagen konnte man z.B. das hier lesen:

    Keine Kohle: Energiekrise erreicht STEAG-Kraftwerk Bergkamen-A

    Betreiber musste Steinkohle-Kraftwerk diese Woche abschalten. Energiekrise sorgt weiter für hohe Preise.

    Die globale Energiekrise mit Rekordpreisen für Erdgas und Kohle hat mittlerweile spürbare Auswirkungen bis nach Deutschland. Während chinesischen Fabriken teilweise der Strom abgedreht wird, musste diese Woche der Kraftwerksbetreiber Steag das deutsche Steinkohlekraftwerk Bergkamen-A stilllegen. Der Grund, wie STEAG gegenüber Bloomberg bestätigte: Nicht genügend Steinkohle, die per Binnenschiff verfügbar wäre. Was bedeutet das für den Winter in Europa?

    ...

    Edit:

    Die Polen können derzeit mit sehr viel Profit Strom exportieren

    Das tun sie aber nicht wenn ich das richtig sehe, zumindest nicht nach Deutschland, im Gegenteil exportieren wir aus Deutschland noch immer so 1-1,5GW Strom nach Polen(nicht nur diese Woche, die Wochen davor sehen ähnlich aus)

    im-ex.de-plr9ju4.jpg

  • Im Mittel scheinen sie etwas mehr zu exportieren.

    Das würde mich wundern, Polen hat bisher immer mehr importiert als exportiert...

    Polen - Abhängigkeit von Energieimporten bis 2019
    ...17.02.2021

    Die Statistik bildet die Abhängigkeit Polens von Energieimporten zur Deckung des Energiebedarfs in den Jahren 2002 bis 2019 ab. Die Energieabhängigkeit zeigt inwieweit sich eine Wirtschaft auf Importe verlässt, um seinen eigenen Energiebedarf zu decken. Sie wird als Nettoimport dividiert durch die Summe des Bruttoinlandsenergieverbrauchs (inkl. Lager) berechnet. Im Jahr 2019 wurden rund 47 Prozent des Energiebedarfs Polens durch Import gedeckt.

    ...sonst hätte man in den letzten Jahren ja auch nicht solche Nachrichten hier gehabt:

    Polnische Stromversorgung am Limit

    17.07.2019 - 11:38

    Posen (energate) - Die polnische Stromversorgung stößt seit Jahren an ihre Grenzen - vor allem im Winter und bei besonders hohen Temperaturen in den Sommermonaten. Der höchste Stromverbrauch im Winter 2018/19 entfiel auf den 25. Januar mit einem Wert von 26,5 Mio. kWh. Die Produktion in den heimischen Kohle- und Gaskraftwerken konnte zu diesem Zeitpunkt nur 91 Prozent (24,3 Mio. kWh) des Bedarfs decken.


    ...

    Der (fast) schwarze Montag in Polen

    6. August 2020

    Am 22. Juni 2020 schrammte Polen sehr nah an landesweiten Stromausfällen vorbei: Dem polnischen Stromnetz fehlten als Spitzenwert rund 13 Gigawatt an Strom. Die Regelenergiepreise erreichten Rekordniveau – das System kam an seine Grenzen.
    Eigentlich war es ein ganz normaler, frühsommerlicher Montag in Polen – bis eine Abfolge von unvorhergesehenen Zwischenfällen die größtenteils kohlegefeuerte Beschaulichkeit unterbrach. Eine ganze Reihe von Kraftwerken, darunter die größten Stromerzeugungskomplexe des Landes, meldeten Total- oder Teilausfälle ihrer Erzeugungskapazitäten...

    Edit: Leider findet man bei energy-charts nur Daten bis 2019 zu den jährlichen Stromflüssen, aber da sieht man auch das Polen mehr Import als Export hat...

    sf-pl90jic.jpg

  • Warte mal, was ist das?


    http://www.news.cn/english/2021-10/08/c_1310232914.htm


    Zitat

    Lavrov said that the European Commission retroactively extended legal requirements for the Nord Stream 1 gas pipeline, causing it to operate at just 50-percent capacity.


    Ich habe den Eindruck, dass der Lawrow nicht mehr so ganz auf der Höhe ist. Sollte man vermutlich mal austauschen, aber Putin hängt ja immer an den Leuten. Insofern meint er vielleicht das hier:


    https://www.lto.de/recht/hinte…line-energiesolidaritaet/


    Nicht die EU-Kommission hat eine Regulierung auf Nord Stream 1 ausgeweitet, sondern der Europäische Gerichtshof hat eine von Bundesnetzagentur und EU-Kommission eingeräumte Freistellung von Nutzungsauflagen für die Opal-Pipeline zu Gunsten von Gazprom kassiert. Darunter war die Aufhebung einer Kapazitätsbeschränkung auf 50% und weil die nun doch wieder greift macht das in Folge auch Nord Stream weniger wirtschaftlich.


    Hier sieht man auch wie das funktioniert, geklagt hatte Polen vor dem Gericht der Europäischen Union mit Erfolg. Deutschland ist wiederum gegen dieses Urteil vor den Europäischen Gerichtshof gezogen und hat verloren. Die Polen sind da überall hinterher und Nord Stream 2 wird vermutlich noch einiges an Klagen nach sich ziehen.


    Also wenn es nichts anderes ist. Aber fast hätte ich sagen können und dafür lese ich chinesische Propaganda.

  • Das würde mich wundern, Polen hat bisher immer mehr importiert als exportiert...


    Also in Kalenderwoche 40 meine ich, wenn man die Summe zuschaltet.


    Wenn man sich die Summe für das ganze Jahr ansieht, haben sie in der ersten Jahreshälfte deutlich mehr importiert. Aber in den letzten Monaten scheinen sie mehr Exporte zu haben. Liegt vielleicht tatsächlich an den Preisen.


    https://energy-charts.info/cha…=year&legendItems=0000001

  • Insgesamt habe ich den Eindruck, die Probleme auf dem Energiemarkt sind jetzt auch nicht fundamental anders begründet als die in anderen Märkten.


    Dieser Artikel unterstreicht den Punkt nochmal. Agnostisch gegenüber der Frage, was Gazprom gerade macht:


    https://www.reuters.com/busine…as-price-kemp-2021-10-08/



    (Wie gesagt ich tendiere zur Knappheit.)


    Aber die Grundlage für die Situation ist nicht das Ausmaß russischer Gaslieferungen:



    Ich habe auch die Einschätzung gesehen, dass Europa als "swing market" für LNG fungiert. Wir absorbieren also im Zweifel auch die Preisspitzen. Was bei mir den Eindruck festigt, dass dieses mobilere Flüssiggas gegenüber der statischeren Lieferbeziehung zwischen Quelle und Verbraucher bei einer installierten Gaspipeline eher ein Übel ist. (So man auf Gas setzt.) Wenig überraschend da es von den Usis gepusht wird.

  • Wie gesagt, meine Vermutung wäre die Russen können jetzt absehen, dass sie ihr Einspeicherziel erreichen, und ab Anfang November mehr liefern. Wenn das so ist, wird der Markt sehr bald feststellen, dass im Oktober doch nicht viel mehr kommt und dann geht der Preis in eine neue Höhe, aber ab November sollte es eine Entlastung geben.


    Ja, sieht danach aus. Nach Putins Auftritt, wird seitens Gazprom offenbar erstmal vertröstet:


    https://www.bloomberg.com/news…ope-energy-crisis-deepens


    Zitat

    The Russian gas giant, Europe’s biggest supplier of the fuel, reiterated that shoring up inventories at home was its top priority. Only after it has refilled its own storage facilities by the end of October, would the company look at potentially increasing exports to continental Europe, Wood & Co. and BCS Global Markets wrote in separate notes Friday following a webinar with Gazprom managers.


    Also im Oktober kann man sich vermutlich nochmal anschnallen, wenn man auf der Preiskurve mitfährt.

  • Wenn man bei der Lieferübersicht auf die Angaben für die letzten Monate schaut:


    https://www.gazprom.com/invest…sclosure/actual-supplies/


    Sieht man im Juli, als die Jamal-Europa-Pipeline gewartet wurde, geht der Gasexport auf 50 M m³ / Tag zurück (das müsste dann auf die zentrale Route und Nord Stream zusammen entfallen). Ich nehme an, das heißt über Weißrussland kommen von Russland 150 M m³ / Tag in die EU. - Mir ist nicht so ganz klar, wie die Lieferungen von Weißrussland an die EU zu verstehen sind.


    Korrektur: Ich hätte genauer hinschauen sollen. Damit ergibt jetzt auch "Supplies from Belarus to EU" Sinn. Das sind die Gaslieferungen über die Pipelines in Weißrussland.


    Die Wartung der Jamal-Europa-Pipeline war nämlich vom 6. bis 10. Juli:


    https://www.reuters.com/busine…-gas-pipeline-2021-06-28/


    Und in dem Zeitraum geht der Gasfluss in der dritten Spalte fast vollständig zurück.


    Der Rückgang in der zweiten Spalte "Supplies from Russia to EU", den ich im Blick hatte, korrespondiert dagegen mit der Wartung von Nord Stream vom 13. bis zum 23. Juli.


    https://www.nord-stream.com/pr…ied-out-in-july-2021-519/


    Die erste Spalte ist dann der Transit über die Ukraine.


    Ich denke South Stream / Turk Stream zählt mit zur zweiten Spalte. Man sieht auch den Wechsel eines Volumens von um die 15 M m³ Gas pro Tag von September zu Oktober aus der ersten in die zweite Spalte. Das sollte der umgestellte Transfer nach Ungarn von der zentralen Route über die Ukraine auf die südliche Route sein.


    Insofern der Transit über Weißrussland ist tatsächlich zum Oktober stark zurückgegangen (von 100 auf 30 M m³), aber zuletzt nach Putins Ansage zumindestens ein bisschen wieder gestiegen. Ich weiß allerdings nicht, ob das reicht den Markt bis November zu beruhigen.

  • Seit Putins Ansage ist der Markt schon relativ deutlich zurückgekommen und stagniert seitdem auf einem noch immer extrem hohen Niveau (85€/MWh im Gas , normal waren 19€/MWh). Dem endsprechend sieht es im Strom ganz ähnlich aus (200€/MWh anstatt 40€/MWh). Vorher waren die Preise kurzzeitig schon bei 160€/MWh im Gas.... Da war die Kacke halt so richtig am dampfen.


    Man verlässt sich gerade auf die Ankündigung, dass ab November deutlich mehr geliefert wird. Ich denke allerdings, dass die kleinste Enttäuschung seitens der Russen oder kalte Wetterläufe die Situation erneut hochkochen lässt. Von unseren Politikern hört man dazu GAR NICHTS, es sei denn man gibt Putin persönlich die Schuld. Noch nie habe ich so klar und so deutlich gesehen wie wenig Macht, wie wenig Mut und wie wenig Einsicht unsere Staatenlenker eigentlich haben. Diese Ignoranz nimmt mir den Atem. Man kann es normalerweise in einem Industrieland schlicht und einfach nicht zulassen, dass sich die Energiepreise innerhalb weniger Wochen verfünffachen. So etwas ist für eine industrielastige Wirtschaft wie der unsrigen tödliches Gift. Aber ich höre von keinem Lösungsansatz, der jedoch klar aufgezeigt wird; "Genehmigt Nord Stream 2."


    Offenbar fühlt sich die EU hier etwas erpresst. (Was mir natürlich völlig egal ist. Solche Befindlichkeiten haben beim Ausmaß dieser Krise ja eher hinten anzustehen!) Und dabei hat sich die EU selber in diese Situation gebracht. Man kann eben einem 10 Mrd.€-Projekt kurz vor der Fertigstellung keiner neuen rechtlichen Rahmenbedingung (EU-Gasrichtlinie 2019) unterwerfen, nur weil Trump mal Launen bekam und sich hinterher noch im Recht fühlen. Sich jetzt in Schuldzuweisungen Russland gegenüber zu ergehen und über den LNG-Preis Asien gleich mit in die Scheiße zu reiten, ist schon ein ganz besonderes Kunststück, welches unsere EU-Kommission und nun die BNetzA hier vollbringt. Ich weiß nicht wie man auf der einen Seite sich selber so derart wichtig nehmen kann und auf der anderen Seite das Ausmaß der Krise einfach weg zu schweigen.


    Gestern wurde bei "Hart aber fair" derart viel Blech geredet, dass ich vor Schock darüber wie lächerlich wenig Kenntnis und Ahnung zum Thema die NRW-Landesvorsitzende der Grünen (Mona Neubauer) hier Preis gab, kaum in den Schlaf kam. Sie hat dem Problem geradezu explodierender Energiepreise ihre Hoffnung entgegengehalten, dass die 900 kommunalen Stadtwerke diese Preise vielleicht gar nicht weitergeben. Na klar Mona! Wir fühlen uns gerade total wohl damit mit unseren derzeit gültigen Tarifen (die halt nur 1mal jährlich angepasst werden) gut 30% besser als Eon oder Vattenfall zu sein! Wir hätten jetzt richtig Lust darauf so einen Billigheimer, wie Hermann-Josef Tenhagen (war auch in der Sendung) zu uns zu locken, damit wir dann am Spotmarkt für seine zusätzlichen Mengen drauflegen und dann, wenn wir etwas an ihm verdienen könnten die Kündigung präsentiert zu bekommen. Allein wegen solcher Typen machen wir genau DAS nicht. Natürlich werden ALLE, liebe Mona, die Preise deutlich anheben. Mal gucken ob Du das Problem dann irgendwann mal in Deiner Partei für gesprächsbedürftig genug einschätzt.


    Ich gebe zu die Grünen tatsächlich per Erststimme gewählt zu haben. Noch nie habe ich eine Stimmabgabe derart bereut. Diese Partei wird nicht in der Lage sein dieses Problem zu lösen. Das garantiere ich heute schon. Sie müsste tatsächlich dazu bereit sein pragmatische Wege zu gehen, ansonsten werden sich all diejenigen, die zuvor schon von einer unbezahlbaren Energiewende sprachen nur noch bestätigt fühlen. Man darf in dieser Situation, die ich für brandgefährlich halte, nicht FFF hinterherrennen, sondern muss realpolitisch agieren, sonst gibt es in wenigen Monaten schon Aufstände. (wenn nicht hier, dann woanders in Europa)

  • Seit Putins Ansage ist der Markt schon relativ deutlich zurückgekommen und stagniert seitdem auf einem noch immer extrem hohen Niveau (85€/MWh im Gas , normal waren 19€/MWh). Dem endsprechend sieht es im Strom ganz ähnlich aus (200€/MWh anstatt 40€/MWh). Vorher waren die Preise kurzzeitig schon bei 160€/MWh im Gas.... Da war die Kacke halt so richtig am dampfen.


    Die 160 EUR waren am 6. Oktober, nicht wahr?


    Die Russen sagen jetzt, sie hätten in den letzten Tagen schon interveniert.


    https://www.reuters.com/busine…bilise-market-2021-10-12/


    Wobei ich nicht unbedingt denke, dass es das hier ist:


    Zitat

    Interfax news agency, citing data from Gas Infrastructure Europe, has said that Gazprom pumped gas from a storage facility at Haidach in Austria for one day on Oct. 7 after a spike in gas prices to a record high.


    Interfax hat wohl auf die gleiche Datenübersicht geschaut, die wir auch schonmal hatten. Aus dem österreichischen Astora-Gasspeicher in Haidach wurde am 7. Oktober eine Leistung von 42 M kWh also so 4 M m³ ausgespeichert:


    https://www.astora.de/transpar…ungsdaten/speicher-astora


    Das könnte auch ein Kunde des Gasspeichers gewesen sein, der den hohen Preis mitnehmen wollte.


    Die Intervention sind dann vielleicht tatsächlich die 10 M m³ Gas mehr, die seit 6. Oktober über die Pipelines durch Weißrussland gehen. 20 M m³ mehr, wenn man von den ersten Oktobertagen ausgeht.


    https://www.gazprom.com/invest…sclosure/actual-supplies/


    Hatte mich schon gewundert, dass die Ansage allein genügt haben soll, den Preis fast zu halbieren. Aber wenn sie auch das Angebot ausgeweitet haben.

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