Klimawandel [Sammelthread]

  • Ich bin kürzlich über die Karte vom Flächenverbrauch die Christian Victor auf Twitter gepostet hat gestolpert. Was mir dabei aufgefallen ist, ist der Flächenverbrauch für Energiepflanzen. Das sind nach kurzer Recherche 2'343'000 ha für 2020.Energiepflanzen sind Pflanzen, die zu Brennstoff verarbeitet werden (Biodiesel, Bioethanol, Biogas, usw.). Das ganze ist nicht nur extrem ineffizient sondern auch auf diversen Ebenen extrem Umweltschädlich. Wir sprechen hier von intensiver Landwirtschaft. Also Monokultur mit intensiver Düngung und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Man will das Zeug ja nicht essen sondern verbrennen, mit allen folgen für die Umwelt. Dabei entstehen andere Treibhausgase wie Lachgas oder Methan. Das ganze ist auch noch extrem ineffizient. Freiflächensolar liefert beispielsweise 25 bis 65 mal so viel Strom wie Energiepflanzen. Für 1GW Leistung baucht man etwa 1.6ha. Würde man die ganze Fläche, welche aktuell (2020) für Energiepflanzen genutzt wird in Freiflächensolar umbauen liegen etwa 1400 TW Leistung drinnen. Das ganze funktioniert nur weil das dies von Deutschland extrem subventioniert wird. Die EU subventioniert hier übrigens nichts mehr.Trotzdem stell das kaum jemand in Frage. Bei Landwirtschaft denken viele an Nahrungsmittelversorgung. Stimmt nur bedingt, hier beisst man sich irgendwie selber in den Schwanz.Auf einem Bruchteil der Fläche kann man mit Solaranlagen und Windrädern einen weitaus besseren Effekt erzielen, tut damit etwas gegen die intensive Landwirtschaft und kann so auch noch die Biodiversität fördern. Zudem kann man klimaschädliche Subventionen sparen und gewinnt Fläche für die Wiedervernässung von Mooren, Artenvielfalt, den Hochwasserschutz oder auch für Nahrungspflanzen.Damit sich das einem erschliesst muss man auch nicht extrem tief recherchieren. Das ganze kann man in fünf Wikipediaartiklen nachlesen. In Frage stellt diese Praxis aber praktisch niemand, sondern man lobt sich dafür, dass man auch noch für Biodiesel, der dann wieder eingesetzt werden kann um Energiepflanzen anzubauen...

    Den Beitrag verstehe ich auch etwas als Aufruf an das JN Team dies mal in einer PK einzuwerfen oder bei einem Interview mal als Thema einzubringen.

  • Hatte das ja vor ein paar Tagen im EE Thread, an der Stelle daher auch hier nochmal die Grafik zur Flächennutzung von PV vs Energiepflanzen

    GN8QSPaWkAAhCJK?format=jpg&name=small

    ...

    Den extremen Flächenverbrauch für Energiepflanzen sieht man da übrigens auch sehr schön, totale Verschwendung, wenn man die gleiche Fläche für PV verwenden würde hätten wir deutlich mehr Energie.

  • https://twitter.com/LeonSimons8/status/1799341139780145356


  • https://twitter.com/ErwanRivault/status/1805201272703705591


  • https://www.zdf.de/nachrichten…antillen-karibik-100.html


    Zitat

    Atlantik ist ungewöhnlich warm

    Die ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen im Atlantik ließen ihn erstarken, noch bevor er in die warme Karibik gelangte. Klotzbachs Kollege Michael Lowry ergänzte, so etwas sei äußerst selten.

    Ungewöhnlich ist eine Untertreibung.

    Michael Lowry, Hurrikanforscher

    "Beryl" sei bereits ein historischer Hurrikan, und er habe noch nicht einmal zugeschlagen, sagte er. Die Wassertemperatur im Atlantik sei derzeit so hoch wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen zu diesem Zeitpunkt im Jahr, sagte Experte Brian McNoldy von der Universität von Miami.

  • https://twitter.com/jason61987/status/1808017144166408224



    Frühster Hurrikan der Kategorie 4 (30. Juni).

    Frühster Hurrikan der Kategorie 5 (2. Juli).

  • https://twitter.com/ErwanRivault/status/1810246763590173044


  • Vor einiger Zeit hatten wir hier mal die Nachrichten über China mit grob 50% weltweitem EE Zubau, aber jetzt sind es anscheinend sogar 64%.

    Chinas Vorsprung bei Wind- und Solarenergie wächst

    ...

    China baut mit 64 Prozent der weltweit im Bau befindlichen Solar- und Windenergiekapazitäten fast doppelt so viele Kapazitäten wie alle anderen Länder zusammen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation Global Energy Monitor.

    ...

    Die Tagesschau ist sich in dem Kontext aber nicht zu blöd und möchte an der Stelle natürlich - wie diese "aber China.." Leute - schnell nochmal auf die "vielen bösen Kohlekraftwerke" hinweisen.

    ...

    Neben Wind- und Solaranlagen baut China auch viele neue Kohlekraftwerke. Offiziell, um den Übergang zu den Erneuerbaren Energien reibungslos zu gestalten.

    Dies wird international kritisiert...

    Man versucht dort außerdem mit so Taschenspielertricks (dem erreichen bzw Zeitpunkt vom Peak der CO2 Emissionen) von Chinas gegenwärtigem Erfolg abzulenken bzw umgekehrt vom europäischen bzw westlichen Versagen abzulenken.

    ...

    Bis 2060 will China klimaneutral sein und bis 2030 den Höhepunkt, den "Peak", der CO2-Emissionen erreichen. Die meisten europäischen Volkswirtschaften haben diesen Höhepunkt bereits in den 1990er Jahren erreicht.

    ...

    Es nützt überhaupt nichts wenn wir in Europa den Peak schon 1990 hatten, den deutlich größten Teil vom EE Zubau (und die damit einhergehende Senkung vom CO2 Ausstoß) allerdings erst beginnend im letzten Jahrzehnt, also zwischen 2010 bis 2020 hatten. Aber das würde natürlich nicht in das gewünschte beim Leser zu erzeugende Bild passen.


    Aber wenigstens erwähnen die dort folgendes, China hat diesen Peak nämlich anscheinend auch höchstwahrscheinlich schon erreicht.

    ...

    Chinas massiver Ausbau Erneuerbarer Energien deutet allerdings darauf hin, dass die Volksrepublik schon früher den "Peak" erreichen könnte als geplant. Unterschiedlichen Berechnungen zufolge könnte er sogar im vergangenen Jahr bereits erreicht worden sein.

  • Zitat

    Die meisten europäischen Volkswirtschaften haben diesen Höhepunkt bereits in den 1990er Jahren erreicht.

    Ist auch so eine komplette Irreführung - oder bodenlose Ignoranz.


    Ja klar haben die meisten europäischen Volkswirtschaften den Peak CO2 Emissionen schon längst erreicht. Wir haben ja auch seitdem massiv industrielle Produktionskapazitäten abgebaut und - unter anderem - nach China outgesourced.



  • Der Vortrag von Adam Tooze, der gleich als Erstes kommt.


    Es geht bei seinem Vortrag darum, wie gesellschaftlicher Wandel erreicht wird und immer erreicht wurde in der Geschichte. Viele haben eine falsche Vorstellung davon und glauben, dass Wandel so stattfindet:


    Irgendwann werden sich "die Leute" bewußt, dass es ein gesellschaftliches Übel gibt und das müsse man überkommen. Dann erreicht es die Politiker und die führen eine Reform ein und dann ist alles gut. Schaut man sich die Geschichte an, dann sieht man, dass gesellschaftlicher Fortschritt anders passiert.


    Es läuft eher so ab:

    Es entstehen Gruppen in der Gesellschaft, die sich das Ziel gesetzt haben, ungerechte Zustände zu ändern. Sie müssen aber nicht, und haben es in der Vergangenheit auch oft nicht, der Meinung der großen Mehrheit entsprechen.


    Diese Gruppen schmieden dann effektive Koalitionen mit anderen mächtigeren Gruppen, auch mit Gruppen aus Elitenzirkeln, und verbünden sich.

    Diese Bildung von Koalitionen ist das, was Antonio Gramsci "hegemoniellen Block" nennen würde. Dieser Block schafft es dann, seine Gegner im Grunde platt zu machen, sie zum schweigen zu bringen und im Grunde über die Gegner zu herrschen und sie klein zu halten. Der Block erreicht dadurch kulturelle Hegemonie, kann sich durchsetzen und es kommt zu Fortschritt.


    Beispiel sind die Gewerkschaften. Gewerkschaften waren nie die große Mehrheit in der Gesellschaft und trotzdem haben sie es geschafft viel für Arbeitnehmer zu erreichen. 8-Stunden-Tag, Sozialstaat, Wahlrecht usw.


    Diese Vorstellung, dass man für gesellschaftlichen Fortschritt jeden aus der Bevölkerung ("die Leute") ins Boot holen müsse und auf jede einzelne Meinung achten müsse, um es Allen recht zu machen, das ist einfach Quatsch.


    So hat das auch noch nie funktioniert.

    Und wenn man ehrlich ist, der Mehrheit geht das Meiste doch sowieso am Arsch vorbei. Gerade heutzutage, wo Umfragen zeigen, dass immer weniger den Klimawandel als wichtigstes Problem sehen, darf man nicht versuchen, jeden auf seine Seite zu ziehen. Letzten Endes sollen die Klimareformen natürlich Allen zu gute kommen, aber das ist das Ziel und man muss überlegen, wie man das erreicht.


    Man muss Koalitionen bilden, mit denen man Einfluß erhält und vor allem geht es darum, seine Gegner zu deligitimieren und zu marginalisieren. Das hört sich überheblich und repressiv an, aber so funktioniert Wandel zum Besseren. Man muss sich durchsetzen. Die Klimabewegung sollte vielleicht mal über so eine Strategie nachdenken. Sie muss aufhören, jeden erreichen zu wollen. Das ist nicht nur naiv, sondern auch unmöglich und wird in Zukunft vielleicht sogar schwieriger.

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