Populismus - Freund oder Feind der Linken?

  • sind das die selben jüdischen interessenvertretungen, die in den usa gerne mit trump kuscheln, der selbst keine probleme mit seiner basis hat, die hoch antisemitisch ist, solange er die us-botschaft nach jerusalem verlegt?

    Das sind die gleichen Vertretungen, die auch den Antisemitismus in der AfD oder bei den Linken kritisieren, ebenfalls vollkommen zu recht.

    Leider sind Antisemitismus und Judenhass auch in Deutschland wieder auf dem Vormarsch, besonders in diesen beiden Parteien.


    Trump hat dagegen eine sehr Israel-freundliche Politik gemacht.

  • Ein Blick in den Biden Thread sagt mit, von Sanders Kampagne wurde gar nichts umgesetzt und jetzt ist der Zug auch schon wieder abgefahren.

    Sanders ist wohl zu alt für eine weitere Kampagne. Nachfolger sind nicht in Sicht. The Squad hat sich selbst demontiert. Ist das ein Erfolg für linke Themen? Weiß nicht.


    Was glaubst du denn, was die Sanders Kampagne bewirkt hat?

    die squad hat sich selbst demontiert? inwiefern denn? die kampagne hat nichts erreicht? ich weiß nicht wie man jemals zu dieser überzeugung kommen kann, es war doch überhaupt schon ein wunder, dass er 2016 soweit gekommen ist wie er das kam. ich meine hier nur mal ein (bisschen pathetisches) video darüber, wie die berichterstattung zu beginn aussah und wie sie sich gedreht hat


    hinzu kommt ja noch die ganze bevorzugung der hillary kampagne durch den parteiapparat. dass man sich als linker hier nicht hinstellt und sowohl hoffnung und aufbruchsstimmung für sich selber als auch wut aufs establishment rauszieht, sonder lapidar sagt, er ist eh gescheitert und ist ja auch kein wunder, dass sich das establishment nicht so einfach kapern lässt find ich jetzt irgendwie schon wieder bezeichnend. macht beugt sich nunmal nicht einfach so, die muss man sich erkämpfen und das ist natürlich ein wahnsinnig anstrengender, zermürbender prozess, aber angesichts der probleme dieser welt ist es ja auch irgendwie alternativlos sich dem zu stellen.


    in der kampagne 2016 war nevada mit dem sehr einflussreichen dnc-apparatschick harry reid noch ein großer stolperstein für sanders, 2020 hat er das unter anderem dadurch gelöst, dass er ro khanna, einen zögling reids ne tragende rolle in seine kampagne gegeben hat, weswegen er den staat dann auch mit medienerschütternden 50% gewonnen hat. hinzu kam natürlich, dass sein latino outreach auch deutlich besser war. diese ganzen entwicklungen haben jetzt dazu geführt:

    . ich weiß beim besten willen nicht wie man anhand solcher erfolge denken kann, dass sanders nichts erreicht hätte. es ging vor allem 2016 nie darum, dass sanders tatsächlich gewinnt, das kann man auch dem ein oder anderen artikel entnehmen, dass das sanders team da nie so wirklich dran geglaubt hat, es ging einfach drum überhaupt eine bühne für linke themen zu bekommen. und das ist sanders auf phänomenale art und weise gelungen.


    2020 kann man darüber streiten, ob er mit der popularität die er durch seine kandidatur 2016 erreicht hat nicht wirklich hätte gewinnen sollen/müssen. vize-präsidenten sind aber sehr sehr schwer zu schlagen in vorwahlen in den usa, es gab soweit ich weiß noch keinen der nicht die nominierung erhalten hat am ende. und natürlich hätte sanders ne menge besser machen zu können. aber auch da ist die lehre daraus doch wieder nicht, dass das ding komplett gescheitert ist, sondern dass er trotz dieser fehler wieder recht weit gekommen ist, lediglich von einem vizepräsidenten geschlagen wurde und dass das establishment nach nevada kalte füße bekommen hat und daraus dann eine strategie zu entwicklen, bei der man diese fehler dann nicht mehr macht.


    ich meine man kann ja darüber streiten, ob es nicht besser gewesen wäre, sanders wäre nicht als demokrat angetreten, sondern als unabhängiger, aber dass er keine infrastruktur aufbauen würde, die auch nach ihn überdauert ist faktisch einfach falsch. gäbe es aoc und die squad überhaupt, wenn sanders 2016 nicht angetreten wäre? justice democrats? die von sanders selbst gegründete organisation "our revolution" und noch zig andere. der parteiapparat hätte immer gerne seine e-mailspenderliste, er gibt sie aber nicht raus. glaubt ihr der nimmt die mit ins grab? ich hoffe mal schwer, dass er sich da einen würdigen nachfolger aussucht.


    für mich ist linker populismus a la bernie sanders der einzig vorstellbare weg jemals wieder linke mehrheiten zu bekommen und damit regierungen zu stellen. und das heißt dann auch nicht, dass man andere themen wie antirassismus, antifaschismus, feminismus, das hochhalten von rechten der lgbt-community, flüchtlinge etc fallen lassen muss, das ergänzt sich sowieso alles. aber eine linke, die im wirtschafts- und finanzbereich wo so viel falsch läuft keine kompetenz ausstrahlt und nicht für glaubhafte lösungsansätze stehen kann, wird meiner meinung nach immer ein zahnloser tiger bleiben.

  • Das wird natürlich unserem Comedy-Giganten @Indi nicht als Beweis gelten, weil es ja von einer linken Postille zusammengetragen wurde, aber wer wirklich daran interessiert ist, wie man mit ordentlich Lobby-Power im Kreuz so eine schöne Schmutzkampagne gegen einen politischen Gegner inszeniert und dabei schamlos den Antisemitismus-Vorwurf missbraucht, der kann das ja mal hier nachlesen. Sind auch ganz viele Links zu anderen Quellen drin:

    Der Antisemitismus-Report zu Corbyns Labour ist eine politisch motivierte Farce

    Auf eine Untersuchung zum Antisemitismus in den Reihen der britischen Labour-Partei folgte die Suspendierung des Ex-Parteichefs Jeremy Corbyn. Doch wie der ganze Skandal ist die Untersuchung vor allem eins: eine politische Waffe.



  • ob Corbyn nun so reingewaschen ist oder nicht-

    Keine Ahnung..Ich hatte ein paar Sachen gelesen,die aufgebauscht hätten sein können und sowas wie das:


    Corbyns Herz schlägt für die Palästinenser. Hamas und Hisbollah bezeichnete er als »Freunde«. Er war dabei, als Palästinenser in Tunis einen Ehrenkranz für die »Schwarzer September«-Attentäter niederlegten, die bei den Olympischen Spielen in München 1972 israelische Athleten ermordet hatten.


    Was man irgendwie kaum schön reden kann.


    Wenn Indien aber auf einmal Moral so wichtig findet. . Das finde ich wieder komisch.

    Denn normalerweise hat er mit jener keinem Vertrag.

    (Vllt gibt's ja auch LeiharbeitsVerträge für Moral?

    Stundenweise für bestimmte Teilgebiete von Anstand?)

  • Corbyns Herz schlägt für die Palästinenser. Hamas und Hisbollah bezeichnete er als »Freunde«. Er war dabei, als Palästinenser in Tunis einen Ehrenkranz für die »Schwarzer September«-Attentäter niederlegten, die bei den Olympischen Spielen in München 1972 israelische Athleten ermordet hatten.


    Was man irgendwie kaum schön reden kann.

    Lies mal den Jacobin-Artikel. Da steht drin, warum man da nichts schönreden muss, was gar nicht stattgefunden hat, weil die Attentäter überhaupt nicht in Tunesien begraben liegen sondern in Libyen.


    Propaganda wirkt.

  • Das wird natürlich unserem Comedy-Giganten @Indi nicht als Beweis gelten, weil es ja von einer linken Postille zusammengetragen wurde, aber wer wirklich daran interessiert ist, wie man mit ordentlich Lobby-Power im Kreuz so eine schöne Schmutzkampagne gegen einen politischen Gegner inszeniert und dabei schamlos den Antisemitismus-Vorwurf missbraucht, der kann das ja mal hier nachlesen. Sind auch ganz viele Links zu anderen Quellen drin:

    Der Antisemitismus-Report zu Corbyns Labour ist eine politisch motivierte Farce

    Auf eine Untersuchung zum Antisemitismus in den Reihen der britischen Labour-Partei folgte die Suspendierung des Ex-Parteichefs Jeremy Corbyn. Doch wie der ganze Skandal ist die Untersuchung vor allem eins: eine politische Waffe.



    In deinem Artikel steht das Kranzniederlegung, was in der jüdischen Allgemeinen beschrieben steht wäre nie geschehen.

    Ich nehme das zur Kenntnus- frage mich aber mal wieder wie man nun weiterkommt?

    Ich möchte sehr gern dem Jacobin glauben.

    Aber wie kann man den außer dass man das glauben will sicher gehen was davon stimmt?


    Man kann auch Kränze irgendwo niederlegen wo nicht der Ort des Geschehens ist.

    Ich bin mir wirklich nicht sicher ob das wirklich alles aus der Luft gegriffen ist.

    Ich hatte mich aber auch nie wirklich mit befasst.

    Das werd ich nun machen müssen.

    Brr danke dafür :(


    Klar wirkt Propaganda.

    Nur muss man halt rausfinden wer Propaganda macht.

    Meistens nämlich beide Seiten.

  • Ich möchte sehr gern dem Jacob glauben.

    Aber wie kann man den außer dass man das glauben will sicher gehen was davon stimmt?


    Du kannst auch hier nochmal nachlesen:

    The British Labour Party’s Anti-Semitism Problem

    For their opponents, the Labour Party’s self-inflicted wound over anti-Semitism is the gift that keeps on giving. (Rachel Shabi, The Nation - 20.12.20)


    Da wird durchaus kritisch mit dem Antisemitismus bei Labour umgegangen und auch kritisiert, dass Corbyn als Vorsitzender zu wenig dagegen unternommen habe. Aber auch da steht drin, dass man ihn persönlich für Sachen verantwortlich gemacht hat, die eigentlich nicht allein seine Schuld und schon lange vor seiner Wahl zum Parteichef ein Problem waren.


    Der Punkt ist, dass man solche antisemitsichen, oder auch gegen andere Gruppen rassistische Einstellungen in jeder Partei finden wird. Aber bei Corbyn hat man das mit aller Macht ausgenutzt, um ihn persönlich als Antisemiten zu brandmarken. Zu Pass kam seinen Gegnern dabei natürlich dass er - wie viele Linke, z.B, auch unser Gastgeber Tilo Jung - den Umgang der Israelischen Regierung mit den Palästinensern scharf kritisiert hat.

    Dass das bei konservativen GesinnungsgenossInnen von Netanjahu & Co. ein willkommener Anlass ist, um aus einer Kritik an der Regierung einen antismitischen Angriff auf das Existenzrecht des Staates Israel zu konstruieren ist ja jetzt kein besonders neues Phänomen.


    Und im übrigen muss man leider auch sagen, dass die jüdische Allgemeine vom nicht gerade als besonders linke Organisation bekannten Zentralrat der juden in Deutschland herausgegeben wird, und daher auch nicht unbedingt die politisch unabhängigste Publikation zu solchen Themen ist.

  • und ihm jetzt noch vorwirfst ein Autoritärer zu sein,

    Eigentlich habe ich ihn gar nicht einen Autoritären genannt. Ich habe gesagt diese Art von Populismus, also eine auf eine Einzelperson zugeschnittene Kampagne, ist autoritär. Finde ich im Fall der Sanders Kampagne sogar recht offensichtlich. Aus Bernies Geschichte wurde der Mythos einer unfehlbaren Autorität der Gerechtigkeit. Und mit so einem Popanz aufgeladen kann man dann ja eigentlich nur enttäuschen.

    Die Frage wäre also, wie kann man einen Populismus schaffen, der nicht auf eine Einzelperson fokussiert ist? Ich denke ja das geht nicht, deswegen halte ich Populismus allgemein für linke Politik für ungeeignet.


    Und hier sehen wir auch gleich einen weiteren Nachweis, dass linker Populismus funktioniert. Wenn Diffamierungskampagnen aufgefahren werden, ist das immer ein Zeichen dafür.

    Das behaupten übrigens die rechten Populisten auch alle von sich. Allein deswegen halte ich das für wenig stichhaltig.

  • Wenn man es Abstrakt betrachtet, dann ist Populismus ja so etwas wie eine Art Währung der Politik, die sie bei der Wahl, gegen Stimmen eintauschen kann.

    Wenn man es so betrachtet muss Die Linke populistischer werden.


    Ich fand es immer einigermaßen belustigend, wenn es wieder in den Medien hieß, Trump sei ein "Populist" und "Lügner".. Also etwas ganz Neues, was die Welt vorher so noch nie bei einem Politiker gesehen hat..

  • Eigentlich habe ich ihn gar nicht einen Autoritären genannt. Ich habe gesagt diese Art von Populismus, also eine auf eine Einzelperson zugeschnittene Kampagne, ist autoritär.

    Ähm, vielleicht schaust dir doch noch mal an, was der Begriff autoritär bedeutet. Und anschließend erklärst du mir, warum eine auf eine Person zugeschnittene Kampagne autoritär sein soll.


    Das behaupten übrigens die rechten Populisten auch alle von sich. Allein deswegen halte ich das für wenig stichhaltig.

    Ja sicher, das war auch mit einem Augenzwinkern gemeint. Allerdings ist das in dem Fall bestens dokumentiert, sogar ganz offiziell parteiintern.

  • Können wir festhalten, dass wir absolut pro identity poltics sind, wenn sie dabei hilft die SPD einen früheren Tod zu schenken? Probiert man jetzt wirklich Thierse und Schwan zu schassen? Himmel herrgott, ist doch eigentlich ein exzellentes Beispiel dafür, was für spaltende Kräfte der Spaß hat.

  • Zitat

    Seit der Veröffentlichung seines Gastbeitrags in der F.A.Z. könne er sich vor E-Mails kaum retten, sagte er in einem Interview der Zeitschrift „Cicero“.

    https://www.faz.net/aktuell/po…fuer-kritik-17230918.html


    Mensch, da kann sich der Wolfgang aber über den ganzen Zuspruch der Leser von FAZ und Cicero freuen. Das müssen wohl die ganzen Arbeiterklasse-Wähler sein, die dann in Zukunft wieder SPD wählen werden.

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4t


    Hab mich belesen. Bin sehr zufrieden mit meiner Verwendung des Begriffs autoritärer Populismus.

    Lol. Autoritär, nicht Autorität.

    Schau mal, ich hatte es dir extra verlinkt. Wir können natürlich weiter aneinander vorbeireden und so tun es ginge dir nur um banale Autorität, die Grundlage eines jeden Mandats ist. Dagegen ist doch nichts einzuwenden, es sei denn vielleicht wir reden über anarchische Gesellschaftsformen.


    Können wir festhalten, dass wir absolut pro identity poltics sind, wenn sie dabei hilft die SPD einen früheren Tod zu schenken? Probiert man jetzt wirklich Thierse und Schwan zu schassen? Himmel herrgott, ist doch eigentlich ein exzellentes Beispiel dafür, was für spaltende Kräfte der Spaß hat.

    Hilft sie denn dabei? Meinst du die Wähler der SPD kümmert das?

  • Mensch Rob, sogar im Duden steht



    LOL Autorität, so wie das Nomen zum adjektiv autoritär.


    Aber wenn du dich an dem einen Wort so aufhängst überlies es bitte. Ich verzichte meinetwegen darauf.


    Obwohl ich mich auch ein wenig bestätigt fühle. Habe die Autorität von Bernie Sanders in Frage gestellt --> Verteidigungreaktion

  • Leider eignet sich der auf eine Person und ein Thema fixierte, also autoritäre, Populismus nicht für den Aufbau einer linken Organisation.

    Aus Bernies Geschichte wurde der Mythos einer unfehlbaren Autorität der Gerechtigkeit.

    Ok ich gestehe ein, ich habe dich hier tatsächlich überinterpretiert und missverstanden.

    Was aber vermutlich daran liegt, dass du auf die Enttäuschung angespielt hast, ich aber eigentlich von der Bewusstwerdung sprach. Mein Fehler. Die Unfehlbarkeit halte ich übrigens für Quatsch.

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