#499 - Fabio de Masi (Die Linke) über Wirecard

  • … und macht sich damit zu einer Todfeind/in der linken Sache für die es keine Gnade geben kann.

    Ich frage mich, ob ich zu ahnen beginne, was Dich treibt, mir immer wieder Unrecht zu tun (Frei nach dem Vicomte de Valmont).


    Du unterstellst mir ein ums andere Mal, ich würde die inhumanen Motive, die es Menschen erlauben, zur AfD überzulaufen, als unabänderliche, quasi natürliche Tatsachen begreifen, was ich nicht tue, und gegen welche Unterstellung ich mich schon mehrmals gewehrt habe. Du kannst diese Unterstellung aber nicht aufgeben, weil sie Grundlage Deiner zweiten falschen Unterstellung ist, dass nämlich alle, die zur AfD überlaufen, in meinen Augen für alle Zeit verloren und hassenswert seien und keine Gnade verdienten. Ich kann offenbar das Gegenteil behaupten, so oft ich will, Du ignorierst es einfach. Wieso?


    Dein ‚Spoiler‘ aus der Deutschen Ideologie, in dem Marx und Engels den Historischen Materialismus gegen den Idealismus erläutern, könnte, glaube ich, der Schlüssel sein.


    Du glaubst, meine Rede vom verdorbenen Herzen sei eine idealistische Kopfgeburt nach Art des ‚heiligen Sankt Max‘ oder anderer in der ‚Deutschen Ideologie‘ angegriffener Theoretiker, oder?


    Das Gegenteil ist der Fall: Du scheinst nicht von dem Gedanken ablassen zu können, dass es da ein ideales Refugium gäbe, ganz nach De Masi und seiner „Weisheit der einfachen Leute“. Das Herz, das Gemüt, ein guter Kern. Dagegen wendet sich Marx, nicht nur in der 6. Feuerbachthese. Es ist gerade das Unmittelbare, das innerste und innigste Gefühl, das Herz, das am unverstelltesten die gesellschaftlichen Verhältnisse spiegelt, und gerade darum als selbst gesellschaftlich vermittelt ja auch gegen allen Anschein im Prozess der gesellschaftlichen Umwälzung zu retten ist.


    Dieses Missverständnis würde für meinen Eindruck gleich ein zweites erklären, nämlich dass Du den von Horkheimer und Adorno postulierten ‚Verblendungszusammenhang‘ gegen die genannte ‚innere Herzensangelegenheit‘ in Stellung bringst, anstatt zu erkennen, dass beide als objektive und subjektive Seite der Medaille dasselbe bezeichnen.


    Es ist ja ein alter Hut, dass in der Marxschen Theorie die Psychologie, genauer: die Psychoanalyse, gefehlt hat. Darum z. B. die eklatante Fehleinschätzung über die Wahrscheinlichkeit der Revolution. Nun kann man in orthodoxer Weise die Psychoanalyse als ebenfalls idealistischen Spinnkram abtun und hat damit die Frankfurter Schule gleich mit erledigt. So war es meiner Erinnerung nach offizielle Lesart in der DDR.


    Da Du das aber nicht willst und Horkheimer und Adorno sogar gegen mich für Dich reklamierst, würde mich interessieren, wie Du Folgendes in Deinen Wallkürenritt gegen mich integrierst:


    „Das Zufallsgespräch mit dem Mann in der Eisenbahn, dem man, damit es nicht zu einem Streit kommt, auf ein paar Sätze zustimmt, von denen man weiß, daß sie schließlich auf den Mord hinauslaufen müssen, ist schon ein Stück Verrat; … Umgänglichkeit selber ist Teilhabe am Unrecht, indem sie die erkaltete Welt als eine vorspiegelt, in der man noch miteinander reden kann, und das lose, gesellige Wort trägt bei, das Schweigen zu perpetuieren, indem durch die Konzessionen an den Angeredeten dieser im Redenden nochmals erniedrigt wird. Das böse Prinzip, das in der Leutseligkeit immer schon gesteckt hat, entfaltet sich im egalitären Geist zu seiner ganzen Bestialität. Herablassung und sich nicht besser Dünken sind das Gleiche. Durch die Anpassung an die Schwäche der Unterdrückten bestätigt man in solcher Schwäche die Voraussetzung der Herrschaft und entwickelt selber das Maß an Grobheit, Dumpfheit und Gewalttätigkeit, dessen man zur Ausübung der Herrschaft bedarf … Für den Intellektuellen ist unverbrüchliche Einsamkeit die einzige Gestalt, in der er Solidarität etwa noch zu bewähren vermag. Alles Mitmachen, alle Menschlichkeit von Umgang und Teilhabe ist bloße Maske fürs stillschweigende Akzeptieren des Unmenschlichen. Einig sein soll man mit dem Leiden der Menschen: der kleinste Schritt zu ihren Freuden hin ist einer zur Verhärtung des Leidens.“

    (Theoder W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben: Herr Doktor, das ist schön von Euch, Gesammelte Schriften, Bd. 4, S. 26f)


    Ich würde mal sagen, ich bin da deutlich konzilianter. Meinst du nicht auch?

  • Du unterstellst mir ein ums andere Mal, ich würde die inhumanen Motive, die es Menschen erlauben, zur AfD überzulaufen, als unabänderliche, quasi natürliche Tatsachen begreifen, was ich nicht tue, und gegen welche Unterstellung ich mich schon mehrmals gewehrt habe. Du kannst diese Unterstellung aber nicht aufgeben, weil sie Grundlage Deiner zweiten falschen Unterstellung ist, dass nämlich alle, die zur AfD überlaufen, in meinen Augen für alle Zeit verloren und hassenswert seien und keine Gnade verdienten. Ich kann offenbar das Gegenteil behaupten, so oft ich will, Du ignorierst es einfach. Wieso?

    Na weil Du hier so kategorisch ausgeschlossen - und Dich damit eben jenem Teil der Linken angeschlossen hast, der dies ebenfalls tut - dass hinter de Masis (Wagenknechts, et al.) Motiven etwas anderes stehen könne, als entweder eine sträfliche Unkenntnis und intellektuelle Ignoranz gegenübr den Erkenntnissen der theoretischen wie empirischen Ideologiekritik und Antifaschismusforschung, oder eben eine ganz bewusste Beförderung des "xenophoben Furors", des "Ressentiments", und der "faschistischen Aggression" der "einfachen Leute" gegen Geflüchtete, sowie - jedefalls aus Deiner ad hoc-Textanalyse von de Masis Begründung zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag nicht anders zu lesen - einer Verklärung der angeblich so menschenfeindlichen Grundhaltung jener "einfachen Leute" als deren eigentliche "Weisheit".


    Es mag an der Art Deiner Formulierung liegen (ich kenne das Problem nur zu gut), dass das bei mir in den falschen Hals gerät. Aber es hilft eben nicht zum Verständnis des Gesagten, wenn man es dann auch noch durch nichts weiter begründet, als durch den spitzfindigen Verweis auf theoretische Schriften, die man erst mal gelesen und verstanden haben müsse, um das eigentliche Argument hinter den vorgebrachten Anschuldigungen zu verstehen, oder gar dagegen argumentieren zu dürfen.

    Du glaubst, meine Rede vom verdorbenen Herzen sei eine idealistische Kopfgeburt nach Art des ‚heiligen Sankt Max‘ oder anderer in der ‚Deutschen Ideologie‘ angegriffener Theoretiker, oder?


    Das Gegenteil ist der Fall: Du scheinst nicht von dem Gedanken ablassen zu können, dass es da ein ideales Refugium gäbe, ganz nach De Masi und seiner „Weisheit der einfachen Leute“. Das Herz, das Gemüt, ein guter Kern. Dagegen wendet sich Marx, nicht nur in der 6. Feuerbachthese. Es ist gerade das Unmittelbare, das innerste und innigste Gefühl, das Herz, das am unverstelltesten die gesellschaftlichen Verhältnisse spiegelt, und gerade darum als selbst gesellschaftlich vermittelt ja auch gegen allen Anschein im Prozess der gesellschaftlichen Umwälzung zu retten ist.

    Ich gebe zu, das ich mit meinem fatalen Hang zum barocken Satzbau und überbordender Polemik öfter mal etwas über das Ziel hinaus schiesse. Ist der Bandwurmsatz erst mal angefangen, dann muss er auch irgendwo am Ende eine Pointe haben, die seine übermäßige Länge rechtfertigt.


    Aber wenn Du eigentlich gar nicht glaubst, dass die "einfachen Leute" so grundverdorben und daher für die Linke Sache auf Ewig verloren seien, wie ich es Dir unterstellt habe, dann vestehe ich erst recht nicht, warum Du so vehement gegen einen linken "Populismus" Stellung beziehst. Und dann genügt mir auch nicht der Verweis auf Marx und Adorno um zu begründen, warum man sich - sofern man ehrlich an einer Veränderung der Verhältnisse interessiert ist - nicht, so wie de Masi das in seiner Erklärung fordert, in einer Art und Weise mit den "einfachen Leuten" und ihren Ressentiments auseinander setzen soll, die ihnen zugesteht, dass hinter der unberechtigten Ablehnung von Geflüchten oder anderen Minderheiten eine durchaus berechtigte Betroffenheit steht, anstatt - so wie ich es in Teilen der heutigen Linken zu beobachten glaube - sie als eben so grundverdorben zu betrachten, dass die Auseinandersetzung mit den Gründen ihrer Phobien und -Ismen nicht lohnt und man sie daher getrost den tatsächlichen völkischen Angstmachern und Ressentimentschürern in die Arme treiben kann, weil sie dort ja - aufgrund ihres inhärent autoritären Charakters - ohnehin irgendwann gelandet wären.


    Denn wenn dem nicht so ist, dann hat man als Linke/r eigentlich die verdammte Pflicht, alles dafür zu tun, die eigentlichen materiellen Gründe für den Bruch mit der "Weisheit" einer humanitären Vernunft nachzuspüren und eine tatsächliche Alternative zur Abhilfe anzubieten, damit die völkischen AngstmacherInnen mit ihren scheinbar einfachen Lösungsangeboten keinen weiteren Zulauf bekommen, und um somit genau das zu verhindern, was am Ende dieser Entwicklung unweigerlich kommen muss, und wogegen alle aufrechten Antifaschist*innen zurecht Position beziehen: zu genau der kollektiven Hingabe an die niedersten Instinkte, die der Faschismus bedient und zum Instrument seiner zutiefst irrationalen Ideologie macht, während er sich geradezu als Inbegriff der reinen Vernunft verkauft, indem er sich als letztes Bollwerk gegen Feinde aufstellt, denen er einen mythischen, übermächtigen Charakter andichten muss, um seinen anti-menschlichen Umgang mit ihnen zu rationalisieren.


    Die Deutsche Ideologie - die ja wie die Feuerbachthesen eher zum Frühwerk gehört und nicht unbedingt den letzten Stand der Marx-Engelsschen Erkenntnisse repräsentiert - führe ich deshalb ins Feld, weil sie nicht nur den historischen Materialismus begründet, sondern weil sie eine passende Beschreibung dessen liefert, was der reine Idealismus in den Köpfen der IdealistInnen anrichten kann, und weil ich auf der linken Seite tatsächlich Tendenzen sehe, die eigentlich genau das tun, was ich unter Marx Kritik an der "deutschen Ideologie" und ihren Philosophen verstehe - sie idealisieren den Faschismus indem sie ihn zur Ursache gesellschaftlicher Verhältnisse machen, obwohl er eigentlich ein Symptom ihrer historisch-materiellen Entwicklung ist. Sie verneinen seine "Banalität des Bösen" indem sie ihn und seine Beförderer dämonisieren. Sie verleihen ihm übermenschliche Kräfte, welche ihn dazu befähigen, sich schon bei der kleinsten Abweichung vom rechten - also linken - "Glauben", bei der geringsten Öffnung der intellektuellen Wagenburg, durch die kleinste Lücke in der "klaren Kante" in die verwirrten Köpfe und in die irrationalen Herzen der Menschen zu infiltrieren und identifizieren dann mutmaßliche InfiltratorInnen in den eigenen Reihen als personifizierte Feindbilder, gegen die sich der heilige Zorn der Gerechten dann bündeln und in ein kollektives Ressentiment der Gruppe gegen ihre vermeintlichen SpalterInnen und ZerstörerInnen verwandeln lässt.


    Sowohl Marx & Engels als auch Adorno & Horkheimer haben mit sehr unterschiedlicher Gewichtung und aus unterschiedlichen historischen Kontexten heraus - jedenfalls nach meiner akademisch vielleicht nicht ganz vollständigen Lesart - klar heraus gearbeitet, warum das "bürgerliche Bewusstsein" eben nicht von der reinen - im Fall des Faschismus abgrundtief bösen, weil absolut gegen jede bis dato hochgehaltene aufklärerische Vernunft gerichteten - Idee geprägt ist, sondern vom Sein in der Klassengesellschaft (Marx & Engels), bzw. im Spätkapitalismus (Adorno & Horkheimer), und von den materiellen Verhältnissen die dadurch geschaffen werden und es gleichsam begründen.


    Die ganze Dialektik der Aukflärung handelt von nichts anderem, als von dem irrationalen Irrsinn, in den eine vordergründig hyperrationale, auf das kalte Rechnungswesen der kapitalistischen Verwertungslogik gegründete Markt- und Konsumgesellschaft das bürgerliche Marktsubjekt zwingt, und ihm dabei dennoch das Gefühl gibt, sich vollkommen vernünftig in die herrschende Ordnung einzufügen.

    Und "Das Kapital" liefert dafür die materielle Grundlage in der Entfremdung der Menschen von ihrer schöpferischen Arbeit und deren Produkten, die dann in Warenform gegossen letztendlich nur noch Tauschwerte mit Verwertungspotenzial repräsentieren, wo sie eigentlich Gebrauchswerte zur Befriedigung materieller Bedürfnisse ihrer ErzeugerInnen sein sollten.


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    Jetzt kann man sich als Linke/r natürlich auf den Standpunkt stellen, das an dieser Misere sowieso so schnell nichts Substanzielles zu ändern sei, und sich daher eher mit Flickwerk am ideologischen Überbau beschäftigen, um wenigstens die gröbsten Auswirkungen abzumildern - also in etwa das tun, was Du ja lustigerweise de Masi und letztendlich auch mir vorwirfst, weil ich ihn hier als linken Populisten bezeichnet habe, und was man eigentlich als radikaler Linker der Sozialdemokratie seit hundert Jahren zurecht vorwirft: das Arrangement mit den kapitalistischen Verhältnissen in der ewigen Reform-Schleife, die nie ein Ende findet, weil sie in dem Moment wo sie dort angekomen zu sein scheint eigentlich schon wieder damit anfangen muss zu reparieren, was in ihrer Folge durch das System erneut zerstört wird.


    Dann kann man sich aber nicht hinter Adorno und schon gleich gar nicht hinter Marx verschanzen, um den Faschismus und seine diversen artverwandten -Ismen auf ideologischer Basis zu bekämpfen, weil die herrschende Ideologie - inklusive ihrer bürgerlichen Moral -, deren Kritik Gegenstand der hier zitierten Marx-Passagen war, eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit ist, von der man sich auch als noch so überzeugte/r Bewegungslinke/r nicht vollkommen frei machen kann, so lange man selbst Teil dieser Gesellschaft ist, und weil man sich ihrer nur dann wirklich entledigen kann, wenn man die herrschenden Verhältnisse tatsächlich materiell dergestalt transformiert, dass dem ideologischen Überbau die materielle Grundlage abhanden kommt.


    Wie gesagt: Ich habe nie behauptet, dass das einfach sei, oder dass es dazu irgendein Patentrezept geben könne. Und ich möchte auch noch mal klar stellen, dass ich hier nicht den de Masi-/Wagenknecht-Anwalt spielen möchte, weil ich selbst nicht allem zustimme, was sie in letzter Zeit so von sich gibt.


    Aber ich bleibe felsenfest überzeugt davon, dass die Theorie nur dann einen politischen Nutzen haben kann, wenn sie von praktischem Handeln begleitet wird. Und genau dieses praktische Handeln ist es, was die "einfachen Leute" an "Weisheit" der darüber gestülpten ideologischen Horizontverengung und Kritik voraus haben und einfach besser können, als verkopfte Idealisten, und worin sich die von allen Linken zurecht geforderte Solidarität mit den Benachteiligten und Diskrimierten überhaupt nur ausdrücken kann. Und wenn man als Linke Partei oder Bewegung - vor lauter klarer ideologischer Kante - das dialektische Denken verlernt, dann wird man die ganze Theorie niemals in praktisches Handeln umsetzen können.

  • Zitat

    [...}sie idealisieren den Faschismus indem sie ihn zur Ursache gesellschaftlicher Verhältnisse machen, obwohl er eigentlich ein Symptom ihrer historisch-materiellen Entwicklung ist. Sie verneinen seine "Banalität des Bösen" indem sie ihn und seine Beförderer dämonisieren.[...

    Nice one.


    Tatsächlich ist mir der entstandene Antagonismus innerhalb "der Linken" auch völlig zuwider, weil sich der "Feind" nicht in eine Personengruppe fassen lässt, darüber hinaus aber auch die eigene Gruppe höchst inhomogen ist, eben "im Herzen" deutlich mehr Menschen links sind, als wir das wahr haben wollen. Wir wissen ja alle, und das hat Johnny ja auch beschrieben, dass es hier um mehr geht und um etwas Höheres. Das mag schon einen religiösen Hauch haben, aber grundsätzlich ist's doch der aktuell stark in unseren Hirnen verschränkte Way of Life des Kapitalismus, den wir als unseren unglaublich schwer greifbaren Antagonisten sehen, weil er ein Teil von uns ist. Und um vollends ins Pathetische abzugleiten (spielt das hier noch eine Rolle?!) verlangt die Überwindung des Kapitalismus nicht in erster Linie, dass wir seine vermeintlich offensichtlichen Nutznießer bekämpfen, sondern vor allem uns selbst und die Art, wie wir uns mit ihm arrangiert haben. Und da wir bei realistischer Betrachtung nicht alle zeitgleich von heute auf morgen ein Lebens als Ausreißer frönen werden, bedarf es eines politischen Hebels, der die Gesellschaft bei dieser Geschichte mitnimmt.

  • Und da wir bei realistischer Betrachtung nicht alle zeitgleich von heute auf morgen ein Lebens als Ausreißer frönen werden, bedarf es eines politischen Hebels, der die Gesellschaft bei dieser Geschichte mitnimmt.

    Die Alternative zum politischen Hebel - so widerwärtig der einem auch sein mag - wäre Revolution.


    Und leider bräuchte man auch dafür erst mal genug RevolutionärInnen, die sich von der revolutionären Idee so mitgenommen fühlen, dass sie bereit dazu sind, nicht nur den Komfort ihres bisherigen bürgerlichen Daseins, sondern auch ihr tatsächliches, physisches Leben dafür auf's Spiel zu setzen.


    Die radikale Gegenseite ist da leider weniger zimperlich, weil es in ihrer Wahnwelt im Zweifel ja auch noch den Heldentod für Gott und Vaterland als Leitbild gibt.

  • Nice one.


    Tatsächlich ist mir der entstandene Antagonismus innerhalb "der Linken" auch völlig zuwider, weil sich der "Feind" nicht in eine Personengruppe fassen lässt, darüber hinaus aber auch die eigene Gruppe höchst inhomogen ist, eben "im Herzen" deutlich mehr Menschen links sind, als wir das wahr haben wollen. Wir wissen ja alle, und das hat Johnny ja auch beschrieben, dass es hier um mehr geht und um etwas Höheres. Das mag schon einen religiösen Hauch haben, aber grundsätzlich ist's doch der aktuell stark in unseren Hirnen verschränkte Way of Life des Kapitalismus, den wir als unseren unglaublich schwer greifbaren Antagonisten sehen, weil er ein Teil von uns ist. Und um vollends ins Pathetische abzugleiten (spielt das hier noch eine Rolle?!) verlangt die Überwindung des Kapitalismus nicht in erster Linie, dass wir seine vermeintlich offensichtlichen Nutznießer bekämpfen, sondern vor allem uns selbst und die Art, wie wir uns mit ihm arrangiert haben. Und da wir bei realistischer Betrachtung nicht alle zeitgleich von heute auf morgen ein Lebens als Ausreißer frönen werden, bedarf es eines politischen Hebels, der die Gesellschaft bei dieser Geschichte mitnimmt.

    Ja exakt. Ich würde auch soweit gehen und sagen, dass wir alle in der Gesellschaft mitnehmen müssen. Nicht nur Lohnarbeiter oder AfD-Wähler oder so, sondern wortwörtlich alle. Es hört sich vielleicht etwas idealisiert oder naiv an, aber auch Unternehmer (Kapitalisten), Polizei, Politiker usw. sollten dazu gehört. Das ist halt eine Mammutaufgabe, aber ich denk nicht, dass es unmöglich ist. Alle sind Menschen, die im Grunde ähnliche Vorstellungen von Gesellschaft haben. Das Problem ist eben, dass vielen in ihren institutionellen Rollen, Positionen einnehmen müssen, mit denen sie vielleicht selbst nicht zufrieden sind. Der Gesellschaftsentwurf sollte dann so politisch attraktiv sein, dass sich unsere Gesellschaft als ganzes dafür "begeistern" lässt und wir unsere "Gegner" für uns gewinnen können. Da tun sich dann aber tausend extrem schwierige Fragen auf. Aber Pessimismus ist keine Alternative.

  • Waswaswas Politik soll wieder für ALLE gemacht werden? Wo komm mer denn da hin bzw. des haben wir doch noch nie so gemacht und ausserdem funktioniert des eh ned (und wenn doch sabotieren wir das).

    Das Problem ist halt, dass man in einer Klassengesellschaft mit so einem Programm einigen Leuten auf die Füße tritt. Und selbst viele angeblich "radikale" Linke sehen darin dann die Abschaffung ihrer eigenen Privilegien.

  • Die Basis sprach zum Überbau:

    Du bist ja heut‘ schon wieder blau!

    Da sprach der Überbau zur Basis:

    Waaaas is?

    (Robert Gernhardt)



    Der Versuch, durch Anerkennung der Ängste der AfD-Wähler*innen diese zur Einsicht, oder zumindest zur Wahl Der Linken zu bewegen, kann nicht gelingen. In den Worten von Aisha Ärztin: „Wenn die Leute Scheiße wählen wollen, werden sie immer die Originalmarkenscheiße wählen und nicht die aufgewärmte Instantscheiße …“(Kling: Qualityland, S.109)


    Nun könnten wir ganz einfach sagen: Kann ja sein, aber wir versuchen es trotzdem. Vielleicht haben wir Glück und die theoretische These lässt sich praktisch falsifizieren. Was haben wir schon zu verlieren? Wir haben es auch bei Misserfolg dann (siehe Jack Nicholson in ‚Einer flog über das Kuckucksnest‘) wenigstens versucht.


    Ein kurzer Blick auf die Mittel allerdings, die Wagenknecht und De Masi vorschlagen, und auf die Struktur des Ressentiments, das Menschen zur Wahl der AfD treibt, zeigt leider, dass nicht nur die Aussicht auf Erfolg trübe ist, sondern dass ein solcher linker Populismus das Gegenteil des Gewünschten betreiben würde, und zwar sowohl, was die Partei Die Linke, als auch, was ihre aktuellen und potentiellen Wähler*innen betrifft.


    Zunächst die Zielgruppe: Die die AfD wählen, sind nicht alle gleich. Manche träumen nachts von SS-Uniformen, manche sind eigentlich unpolitisch, und glauben bloß‚ ‚denen da oben‘ einen Denkzettel verpassen zu müssen. Ich denke im Folgenden an diejenigen, die als Zielgruppe Wagenknechts und De Masis gelten können: Menschen, die zu Recht Angst haben und ihre Angst zu Unrecht an Ausländer*innen, besonders an Flüchtende, geheftet haben.


    Das Mittel Wagenknechts und De Masis ist nun, diesen Menschen nicht nur ihre Angst zu konzedieren, sondern auch noch das – fantasierte – Objekt ihrer Angst. Sie könnten ja sagen, was ich auch immer sage: ich verstehe Deine Angst, nur das Objekt dieser Angst ist verkehrt. Plus Begründung in möglichst einfacher Sprache, ohne Verweis auf irgendwas Theoretisches. Wagenknecht und De Masi wollen aber darüber hinaus, indem sie sich dagegen aussprechen, die Öffnung der Grenzen für Flüchtende zu fordern. Sie geben damit implizit zu, was Ramelow ausgesprochen hat: Wer AfD wählt, hat sich nicht einfach geirrt, sie oder er hat Sympathie für deren Politik. Sie geben damit implizit zu, dass man eine unschuldige Angst von der Identifizierung mit einem bestimmten Objekt nur theoretisch trennen kann. In der materialen Wirklichkeit ist die Angst, so realitätsgerecht sie abstrakt auch sein mag, schon fix und fertig mit ihrem falschen Objekt, den Flüchtenden, verbunden, besser: amalgamiert. Sie aus dieser Verbindung bloß durch Aufklärung zu lösen, ist schier unmöglich; darum wollen Wagenknecht und De Masi den AfD-Wähler:innen in ihrer Angst vor Flüchtenden entgegenkommen. In Wagenknechts hanbebüchenen Begründungen für die Ablehnung der Forderung nach offenen Grenzen (Warenverkehr brauche Grenzen, als wenn man Flüchtende und Waren nicht trennen könnte, oder Fachkräfte würden sozusagen automatisch abgeworben, als wenn in dieser Frage die Hilfe vor Ort nicht wirklich ein Argument wäre) ist zu sehen, wie sehr die beiden sich darüber im Klaren sind, dass ihre kategorische Ablehnung der Forderung nach offenen Grenzen nichts als ein Trick ist, die AfD-Wähler*innen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen einzufangen. Die beiden sind nicht böse, sie sehen nur keine andere Möglichkeit.


    Und sie haben durchaus Recht. Will man die Zielgruppe erreichen, ohne sie zu brüskieren, darf man sie nicht damit konfrontieren, dass sie komplett auf dem falschen Dampfer sind. Warum? Philosophisch-ökonomisch hängt es mit dem zusammen, was Du, Utan, aus der ‚Deutschen Ideologie‘ zitiert hast: Der geistige Überbau ist keine Spielwiese, auf der man die Basis vergessen und ungestraft die Geisteswissenschaften nach Belieben weiterwuchern lassen könnte. Oder besser: Selbstverständlich kann man das tun, aber man durchdringt dann nicht mehr kritisch die Wirklichkeit oder sogar Wahrheit der gesellschaftlichen Basis, sondern vollzieht unbewusst deren Ideologie, wie sie sich als geistiger Widerschein des materialen status quo ergibt; und irgendwann redet man folgerichtig nur noch als kleinbürgerliches Individuum, also nur noch über sich selbst und seine Phantasie. Siehe Identitätspolitik.


    Die materiellen Wurzeln aber der Angst vor Flüchtenden scheinen mir in der objektiven Stellung der Scheiternden und Gescheiterten innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft zu liegen. Diese Menschen sind, wie schon Marx sinngemäß im Kapital anmerkt, einerseits frei, selbstständige Rechtssubjekte, und dürfen ihre eigenen Pläne verfolgen, sind also ganz allein für sich verantwortlich und damit der sprichwörtliche Schmied ihres eigenen Glücks. Indem sie aber scheitern oder auch nur zu scheitern glauben, sind sie gemäß ihrer eigenen Ideologie, selbst daran Schuld. Den gesellschaftlichen Verhältnissen können und dürfen sie ihr Scheitern nicht anlasten, denn die haben ihnen ja vollkommene Freiheit garantiert. Sie hätten ja den amerikanischen Traum für sich verwirklichen können. Die direkte Konsequenz daraus ist: I’m a failure, and that is that. Kein Wunder, dass es immer mehr Depressionen gibt, auch ohne Corona.


    Der einzige Ausweg, der noch bleibt, ist: Ich wurde betrogen, böse Mächte haben mich dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Klassisches Opfer dieser Projektionen sind ‚die Juden‘. Aber auch ‚Neger‘, ‚Zigeuner‘, Schwule, Kommunisten etc. pp. können diesem Wahnbild dienen. Hier und heute lässt man gern eine eher unspezifische und darum alltaugliche archaische Reserve aufblühen, die angesichts der Globalisierung schon längst hätte zu Nichts zerfallen müssen: Die Xenophobie.


    Das erklärt meiner Ansicht nach ganz gut, warum die AfD-Wähler:innen diesen blinden Fleck haben, durch den sie den wahren, realen Grund ihrer Angst nicht sehen können, eigentlich aber nicht, wieso sie sich so mit Händen und Füßen wehren, sobald man sie aufklären will.


    Hier kommt die Psychoanalyse ins Spiel, die erklärt, warum sie ihren wahren Feind nicht sehen wollen.


    Das Objekt der Angst ‚Flüchtende‘ ist nämlich nicht so einfach mit kleinen Zugeständnissen aufzuweichen und durch ein anderes, und sei es auch das wahre, zu ersetzen. Man verwechsele nicht die reale Untauglichkeit des Feindbildes mit der Stärke der Bindung an es. Um nicht direkt in suizidale Verzweiflung zu geraten, um, psychoanalytisch gesprochen, das Ich nicht dem Zerfall preiszugeben, ist die Verbindung der Angst mit den Flüchtenden das letzte Mittel, die einzige, subjektiv plausible Möglichkeit. Die Flüchtenden als Bedrohung erlauben dem geschundenen Menschen, überhaupt noch weiter zu leben, sich überhaupt selbst noch so weit zu schätzen, dass man nicht von der Brücke springt. Das Feindbild ‚Flüchtende‘ ist der letzte Strohhalm, und den lässt man nicht so einfach los, und schon gar nicht, um sich auf etwas einzulassen, das dem gesellschaftlichen System, das einen trotz allem ja doch bislang am Leben erhalten hat, auch noch ans Leder zu gehen. Dieses System ist, als zweite Natur, auch an dieser Stelle sakrosankt.


    Wie gesagt, auch die AfD-Wähler*innen, von denen hier die Rede ist, sind nicht böse, sie sind nur krank, im strengen, philosophischen Sinne geisteskrank. Man hilft ihnen nicht, indem man ihre Paranoia bestätigt.


    Und selbst an diesem Punkt kann man immer noch sagen: Okay, trotz aller Einwände und Erwägungen lässt sich die Zukunft nicht theoretisch kassieren. Einigen wir uns auf das dem Parchimer General Moltke zugeschriebene Motto: Getrennt marschieren, vereint schlagen. Wenn erst einmal die Kanzlerin Wagenknecht das Privateigentum abgeschafft hat, wird es nicht mehr so darauf ankommen, wer wann was kleinmütig rumgequengelt hat.


    Nur, so harmlos ist das wohl leider nicht. Was bedeutet die Strategie Wagenknechts und De Masis noch, außer dass ihre Erfolgsaussichten mir klein erscheinen?


    Für die Partei Die Linke bedeutet sie meiner Ansicht nach die Vergrünung. Die bürgerliche, insbesondere die kleinbürgerliche Ideologie steht so stramm und stark da wie der Dax. Wenn dieser fällt, waren es ‚die Juden‘. Als die Grünen anfang der Achtziger die Bühne betraten, waren sie wirklich bunt. Auf der einen Seite war der alte Blut-und-Boden-Mümmler Baldur Springmann mit dabei, auf der gegenüberliegenden Seite nahmen konsequente AntikapitalistInnen führende Positionen ein: Jutta Ditfurth, Rainer Trampert, Thomas Ebermann. Und heute? Nach all dem Krötenelend, das ich wohl nicht auflisten muss, sitzt heute Robert Habeck bei Jung & Naiv und erklärt, man könne sich aus dem Kapitalismus ‚rausschleichen‘, und zwar, ohne die Marktwirtschaft aufzugeben; verliebt habe er sich in den Vorschlag, Unternehmer*innen könnten sich zum Wohle aller aus freien Stücken selbst enteignen. Say no more.

  • -2-


    Oder doch: Wie gesagt: Nichts gegen die Erfolge, die verglichen mit der Abschaffung des Kapitalismus auch dann klein genannt werden müssen, wenn sie auffällig sind, nichts gegen Krankenversicherung, Rentenversicherung etc. pp. All das ist innerhalb des Systems erkämpft worden, und soll nicht gering geschätzt werden. Nur steht das alles permanent auf dem Spiel, kann in Krisenzeiten einfach so kassiert werden. Also ist zumindest die Forderung nach der Abschaffung des Kapitalismus, die Erarbeitung sympathischer, aber radikaler Alternativen, Utopien sogar, wertvoll.


    Unter der Ägide der linken Populist:innen allerdings würde Die Linke den Weg allen Opportunismus gehen und beim Konformismus landen. Was bei der SPD, die am Anfang des 20. Jahrhunderts ihre wirkliche revolutionäre Macht weggeworfen hat, noch eine Tragödie war, würde heute bei der unbedeutenden Linken zu einer Farce werden. Vielleicht könnte Die Linke irgendwann 20% erreichen, aber nur unter der zwingenden Bedingung, dass die Festung Europa noch nicht einmal angekratzt wird.


    Auf der anderen Seite würde die Zielgruppe des linken Populismus, die fehlgeleiteten AfD-Wähler:innen, jetzt und hier schon sehen, dass ihre Vorurteile gegenüber Linken vollkommen berechtigt sind. Die Kleinbürger:innen wissen doch schon seit dem 19. Jahrhundert ganz genau, dass Linke, insbesondere Kommunist:innen, Lügner:innen sind, durchtriebene Machtpolitiker:innen, die die einfachen Leute durch Lug und Trug irgendwie auf ihre Seite ziehen, verführen wollen, um sie dann hinterher mit einer Gewaltherrschaft zu bestrafen. Nun, der erste Teil lässt sich an den Manövern De Masis und Wagenknechts empirisch nachweisen. Sie sagen, sie wollten die bösen Ausländer:innen nicht reinlassen, aber gleichzeitig sabotieren sie Abschiebungen, wo sie können. Fake news!


    Darum ist es so bitter nötig, dass Die Linke die offenen Grenzen wenigstens fordert. Straight und ehrlich. Sonst macht es keiner. Sonst wird vergessen, dass nur offene Grenzen den Menschen helfen. Wenn Die Linke links bleibt, wird sie ein kleiner Stachel im Fleisch des rasenden Kapitalismus bleiben. Wenn sie die Geschichte der Grünen wiederholt, wird sie für die Abschaffung des Kapitalismus gar nichts mehr bedeuten.

  • Okay @Heyfisch,


    Ich muss neidvoll zugeben: Das war ein exzellenter Beitrag.


    Aber selbst wenn wir mal annähmen, dass Du mit Deiner Kritik an de Masi und Wagenknecht und ihrer Herleitung aus Marx, Freud und Frankfurter Schule nicht einfach drei Schritte zu weit gegangen bist, indem Du ihnen unterstellst, sie schürten das Ressentiment entweder willentlich, oder sie wüssten das alles nicht, und scherten sich daher nicht darum, dann verstünde ich immer noch nicht warum linker Populismus so untrennbar mit den Personen de Masi und Wagenknecht verbunden sein soll, bzw, warum wir ihn hier auf den Umgang mit Geflüchteten reduzieren, die sowieso keine Bundesregierung (und auch sonst keine Europäische oder Nordamerikanische) demnächst alle unbegrenzt ins Land lassen würde - selbst wenn wider Erwarten die Linkspartei als kleinster Koalitionspartner daran beteiligt wäre.


    Gibt es da für Linke überhaupt keinen Alternative mehr zwischen Querfront mit den Nazis und einer Forderung nach offenen Grenzen, die - selbst wenn sie gegen alle Wahrscheinlichkeit demnächst realisierbar und dann auch umgesetzt würde - garantiert den rechten Rand und seine rassistischen Ressentiments befeuern würden, wie Benzinkanister im brennenden Haus, und dann vermutlich tatsächlich zur Folge hätte, dass rechte Mobs brennende Benzinkanister in die Unterkünfte der Aufgenommenen werfen würden?

    Denn insoweit sind wir uns vollkommen einig: Es gibt eine leider erschreckend große Zahl von Menschen in diesem Land (und in allen umliegenden Ländern), die aus den von Dir herausgearbeiteten Gründen dazu inder Lage wären, hier wieder Pogrome zu veranstalten, wenn es nur noch ein bisschen schlimmer wird, oder wenn man ihnen erfolgreich einredet, dass es schlimmer würde, wenn sie jetzt keine Pogrome veranstalten.


    Aber selbst wenn man davon ausginge, dass all jene die jetzt schon ihr Kreuzchen bei der sogenannten "Alternative" gemacht , oder sich gar noch offensichtlicheren Faschisten angeschlossen haben, dem noch halbwegs vernunftbegabten Teil der Gesellschaft unwiderbringlich verloren gegangen sind, dann bliebe nach dem ganzen Wortscharmützel trotzdem die unbeantwortete Frage traurig im Raum herum stehen, wie man verhindern will, dass noch mehr Leute in diesen Zustand versetzt werden? Und was machen wir eigentlich mit denen, die es schon sind?

  • Utan:

    Vielen Dank für die Blumen, es freut mich wirklich sehr, dass der Sand aus dem Getriebe ist und wir uns nun doch verständigen können. Danke insbesondere für Deine Langmut und Beharrlichkeit.

    Meine Beschränkung auf De Masi und Wagenknecht, sowie auf die Forderung nach offenen Grenzen, sollte das Problem exemplarisch deutlich machen, nicht eingrenzen.

    Schon in einer Stunde gibt es ja wohl weiteres Material, an dem sich Allgemeines kristallisieren könnte. Vielleicht hat der Weltgeist die Folge 500 dazu auserkoren, eine gute Antwort zu bieten auf die Frage: Was tun?

  • Ich möchte davor warnen, einen Strohmann aufzubauen. Die Gegenposition zum linken Populismus, und sei er auch in Utans Sinne so vernünftig wie nur möglich gedacht, muss doch nicht das sein, was hier linke Identitätspolitik genannt wird.

    Derweil sieht sich der machtpolitische Realraum mit folgender Entwicklung konfrontiert:

    Die "Emanzipatorische Linke"

    Unter den Neumitgliedern dürften sich viele jener finden, die Sahra Wagenknecht in ihrem Interview als der "urbanen akademischen Mittelschicht" zugehörig ansprach, denen die Alltagssorgen der Lohnabhängigen und sozial Benachteiligten fremd sind. Das aber sind genau diejenigen, die von der von Katja Kipping angeführten Parteiströmung "Emanzipatorische Linke" für die Partei umworben werden, für die eben "Sprachsensibilitäten, Gendersternchen und Lifestyle-Fragen" entscheidend sind.


    Und so orientiert sich die Alltagspolitik der Linken mehr und mehr an Jugendbewegungen wie Fridays for Future und an Demonstrationen von Black Lives Matter. Die Partei beteiligt sich an Aktionen für das Recht auf Migration, an Kampagnen gegen Nazis und alle die, die man für Rechtsradikale hält, schließlich engagiert man sich vor allem für die Freiheiten der unter LGBTQ versammelten Gruppen.


    Und so steht der Durchsetzung tatsächlich sozialistischer Ziele aus Reihen der Linken folgende Zukunft bevor:


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    Von OlivGrün über TiefSchwarz bis AfDBlau braucht sich keiner ernsthafte Sorgen um linke Eingriffe in Kernthemen wie Wirtschaft & sozialen Raubbau zu machen - geschweige denn Aussen- & Sicherheitspolitik. Der Weg hin zu mehr "Übernahme von Verantwortung in der Welt" ist frei.

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