#499 - Fabio de Masi (Die Linke) über Wirecard

  • Ich weiß allerdings nicht wie ich noch klarer machen soll, warum ich das so komplett anders sehe als Du, obwohl wir unsere Ansichten offenbar im Grunde auf der selben Theoretischen Grundlage aufbauen.

    Bislang sehe ich, dass Du den von Dir beschriebenen linken Populismus wünschst. Das kann ich gut verstehen. Ich sehe nur nicht dessen reale Möglichkeit. Die Version De Masi scheint mir empirisch widerlegt, zuletzt durch die Agenda 2010, durch den Kosovokrieg, auch durch die 'Kröte' Festung Europa. Es kommt mir mit dem Wert des linken Populismus so vor wie mit Kants Talern: Es ist ein großer Unterschied, ob man sie in der Tasche hat oder in der Vorstellung.

    Wenn die Antwort auf diesen Hinweis aber nur ist, ich sei überheblich, ist mir das zu wenig. Es ist der Wahrheit doch völlig schnuppe, ob sie von einem arroganten Schnösel oder einer lieben Omi ohne Schulabschluss ausgesprochen wird. Entscheidend ist, dass man sich darüber unterhält, was Sache ist und was der Menschheit hilft, und nicht darüber, welche abstrakten Manieren (schon eine 6jährige muss Kernphysikerin sein können) einem sympathisch sind und welche nicht.

    Na, sehen wir mal, ob sich andernorts eine Gelegenheit zur Klärung, wenn nicht sogar zur Übereinkunft ergibt. Ich freue mich drauf. Nur nicht vergessen, wie man richtig diskutiert:

  • Genau darin liegt das Problem des linken Populismus. Er muss - ganz anders als der rechte Populismus, dem es genügt ein möglichst leicht anzugreifendes Feindbild zu produzieren und sich dann als aufrechte Verteidigung dagegen zu positionieren - einen Weg finden, die Erkenntnisse die die Linke Kapitalismus- und Ideologiekritik auszeichnen so an die "einfachen Leute" zu bringen, dass sie sich dabei nicht bevormundet und herabgesetzt fühlen.

    Ich weiß nicht genau, wie du dir Kapitalismuskritik vorstellst. Kapitalismuskritik besteht nicht aus langer Exegese von hochkomplexen Konzepten von Marx und dann bringt man das destilierte Wissen an den dummen Pöpel. Anstatt ständig in Internetforen abzuhängen, könnte man ja mal einfach auf die Straße gehen und fragen , was der average Joe eigentlich so von unserer Gesellschaft hält. Einfaches Ohrenspitzen in seinem Alltag reicht auch. Jeder, egal wie ungebildet oder ignorant, der auf der Straße rumläuft, kann dir innerhalb von ein paar Minuten einige Schieflagen unserer Gesellschaft nennen. Da wären z. B.:

    Die Menschen arbeiten doch eh viel zu viel !!

    Alles dreht sich nur um Profit !!

    Die da oben hören doch eh nur den Lobbyisten !!

    Unser Chef will möglicherweise unsere Jobs outsourcen !!

    Die Menschen werden immer egoistischer !!

    usw. usw.

    Das sind alles im Grund anti-kapitalistische Äußerungen, oder aber Kritik am Kapitalismus aus einer sozialdemokratischen Perspektive d. h. Regulierung und Einddämmung des Kapitalismus wird gefordert. Ich bin mir aber sehr sicher, dass sich die meisten Leute für alternative Formen von Wirtschaften begeistern lassen. Dass Problem ist aber, dass die meisten Linken selbst in einer priviligierten Position sind und sie Angst haben, dass sie diese Position nach einer Umwälzung der Verhältnisse verlieren würden. Kritisieren können sie den Kapitalismus den ganzen Tag, aber dann heißt es: "Ach das tut mir so leid, aber man kann sowies nichts daran ändern wegen Human Nature und xyz." und reproduzieren dabei das, was sie angeblich kritisieren. Diese Verlogenheit geht mir so auf die Nerven. Wir brauchen neue Erzählungen und Ideen von einer anderen Wirtschaft und einem anderen Leben. Allein das zu kritisieren, was jeder Normalo auf der Straße auch in gleicher Weise kritisiert, reicht nicht. Während die Rechten schon dabei sind, mit ihren neuen Vorstellungen von Totalkapitalismus zu experimentieren, fehlt bei den linken jede Idee von einer Alternative.


    @Heyfisch

    Es gibt keine Weisheit der einfachen Leute. Gäbe es sie, würde die Resonanz auf linke Politik, und zwar gerade auf die direkte, kommunale, sich in viel besseren Wahlergebnissen der Linken niederschlagen müssen.


    Hm. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, ob die Parlamentarisch-Repräsentative Demokratie überhaupt in der Lage ist, gesellschaftliche Prozesse in Ganz zu setzen, die zu transformativen Veränderungen führen können. Jeder, der zwei Minuten darüber nachdenkt, kann nur zu dem Schluss kommen, dass dem nicht so ist, was sich auch historisch belegen lässt.

    Soziale Veränderungen kommen nur von politisch Bewegungen von unten. Über bürgerliche Institutionen kamen sie nie. Von daher ist das allein schon der falsche Ansatz.


    Wer hier widersprechen will, den bitte ich um Folgendes: Bitte erkläre die sechste Feuerbachthese* so, dass jemand, die oder der heute AfD wählt, versteht, um was es geht, und vor allem einsieht, dass jene These stimmen könnte. Ich bin gespannt.


    Das ist, wie Feuerbach es selbst geschrieben hat, eben eine These. Wenn die Mehrheit der Menschen 10 Stunden und mehr am Tag sich unter die Herrschaft einer fremden Macht begeben muss und ihnen eingetrichtert wird, dass dies das einzige Ziel des Lebens ist und es keine Alternative dazu gibt, dann braucht man sich auch nicht zu wundern, dass die Menschen in ihrer Freizeit wenig Lust haben, sich mit großen Gesellschaftsentwürfen zu beschäftigen oder Rechercheprojekte zu starten. Von daher hat dieses eher apartische Verhalten vieler Menschen in dieser Hinsicht nichts damit zu tun, dass irgendwie ihr Bewusstsein gestört wäre oder sowas. Sondern das ist ein System, in dem bestimmte Gedankengänge nicht ihre volle Entfaltung erreichen können, das hat aber nix damit zu tun, dass sie im Prinzip unmöglich sind oder nicht da sind. Und hier spielt halt politischer Aktivismus eine Rolle, oder eben der fehlende.


    Bislang sehe ich, dass Du den von Dir beschriebenen linken Populismus wünschst. Das kann ich gut verstehen. Ich sehe nur nicht dessen reale Möglichkeit.


    Dann muss aber einiges an dir vorbeigegangen sein. Bernie Sanders, Jeremy Corbyn und andere (Z. B. AOC) haben in den letzten Jahren einen erfolgreichen linken Populismus geführt, den man natürlich auch in vielerlei Hinsicht kritisieren kann, aber sie hatten damit sehr viel Erfolg, auf dem auch weiter aufgebaut wird, nur eben nicht in den bürgerlichen Institution, die von ihrer Grundlage her gar nicht transformativ sein können.


    Diese Diskussionen gehen mir so auf die Nerven. Was hier rauskommt ist eine tiefe demokratiefeindliche und anti-humanistische Attitude, die wahrscheinlich große Unterstützung bei Lenin gefunden hätte. Nein, die Menschen sind nicht zu dumm. Nein, es liegt nicht an der Natur des Menschen. Nein, die Menschen lieben nicht ihren Kapitalismus oder haben irgendwas im Kopf, das nicht geändert werden kann und nein, Revolutionen werden nicht im Fernsehen übertragen. Es sind die Rahmenbedingungen, die gegen Veränderungen arbeiten und die herrschenden Verhältnisse immer und immer wieder reproduzieren. Und das Gegenmittel ist eben ein neuer Gesellschaftsentwurft.

  • Es ist der Wahrheit doch völlig schnuppe, ob sie von einem arroganten Schnösel oder einer lieben Omi ohne Schulabschluss ausgesprochen wird. Entscheidend ist, dass man sich darüber unterhält, was Sache ist und was der Menschheit hilft

    Wenn wir die Herrschaft der Philosophenkönige hätten, würd ich dir zustimmen. In unserer hiesigen Demokratie bringt Recht haben aber nix, solange man nicht auxh Recht/ Stimmen bekommt.

    Darauf, ob es "die Wahrheit" dabei überhaupt gibt, kommt es dann schon nicht mehr an.

  • Diese Diskussionen gehen mir so auf die Nerven. Was hier rauskommt ist eine tiefe demokratiefeindliche und anti-humanistische Attitude, die wahrscheinlich große Unterstützung bei Lenin gefunden hätte.

    Ich bin schon etwas müde und morgen ziemlich eingespannt (meine Liebste hat Geburtstag). Aber Übermorgen will ich Dir gern ausführlich antworten, denn es scheint von Missverständnissen, die leicht auszuräumen sind, nur zu wimmeln.

    Für heute nur noch eine kleine Gute-Nacht-Geschichte über den von Dir offenbar so verachteten Lenin:

    Lenin saß mitten im Winter im Garten auf einer Bank im Schnee und fütterte die Vögel mit kleinen Brotkrumen. Einige seiner Kampfgefährten sahen das und kamen auf ihn zu. "Genosse Lenin", sagten sie, "was machst Du denn da! Wir müssen wichtige Fragen der Revolution besprechen! Komm ins Haus, du wirst dir noch den Tod holen!" Lenin schaute auf und sagte: "Lasst mich noch einen Moment bei den Vögeln sitzen. Sie haben Hunger und sie können keine Vereine bilden."

  • Ich bin schon etwas müde und morgen ziemlich eingespannt (meine Liebste hat Geburtstag). Aber Übermorgen will ich Dir gern ausführlich antworten, denn es scheint von Missverständnissen, die leicht auszuräumen sind, nur zu wimmeln.

    Für heute nur noch eine kleine Gute-Nacht-Geschichte über den von Dir offenbar so verachteten Lenin:

    Lenin saß mitten im Winter im Garten auf einer Bank im Schnee und fütterte die Vögel mit kleinen Brotkrumen. Einige seiner Kampfgefährten sahen das und kamen auf ihn zu. "Genosse Lenin", sagten sie, "was machst Du denn da! Wir müssen wichtige Fragen der Revolution besprechen! Komm ins Haus, du wirst dir noch den Tod holen!" Lenin schaute auf und sagte: "Lasst mich noch einen Moment bei den Vögeln sitzen. Sie haben Hunger und sie können keine Vereine bilden."


    Aber ich ahne schon, was da kommt.

  • kein Mensch hat gesagt,eine sechsjährige müsse Kernphysikerin sein.

    Das war ein Einwurf auf deinen Einspruch man könne jene These nicht mit einfachen Worten erklären.

    Sicher kann man.

    Darum ging mir in dem Einwurf.

    Aber das Schlimme ist: wenn man sagt "das ist sooo wichtig aber man kann es nicht so erklären/ausdrücken ,dass es jeder versteht bedeutet das ein ganz großer Haufen Menschen ist zu doof und daher ausgeschlossen.


    Das ist faktisch eh schon lange so.

    Was auch so ist und was mich echt zum verzweifeln bringt ist-ich gehe ja oft auf die Straße zu den Menschen auf der Szene - da werden rechte Parolen, die es da so vor 25Jahren niemals gegeben hätte- noch früher war die Szene dezidiert links-

    zunehmend lauter.

    "DaS Boot ist voll " Sprüche.

    Wenn man sagt :das Problem sind nicht die und die das Problem ist der Kapitalismus- dann wissen sie darum.

    Aber obwohl sie darum wissen hat sich der Kapitalismus in ihren Köpfen als eine Art Naturzustand etabliert.

    Scheiße aber unabänderlich.

    Und darum wollen sie wenigstens kleine Veränderungen zu ihren Gunsten-auf Kosten der anderen.


    Auf Grund dieser Beobachtung glaube ich- es geht nicht um fehlendes Wissen in erster Linie.

    Es geht um fehlenden Mut.

  • Bislang sehe ich, dass Du den von Dir beschriebenen linken Populismus wünschst. Das kann ich gut verstehen. Ich sehe nur nicht dessen reale Möglichkeit.

    Wir drehen uns im Kreis. Dessen reale Möglichkeit existiert vor allem dort nicht, wo man sich als Linke/r gar keine Mühe mehr gibt, um Leute von linken Ideen zu überzeugen, die ihnen genau deshalb feindlich gesinnt sind, weil die politische Gegenseite diese Feindschaft bewusst schürt.


    Denn das Schüren der Feindschaft unter Massen von abhängig Beschäftigten, oder gar unter arbeitslosen Menschen, welche in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Wende - auch gerade im heute so "braunen " Osten der Republik eigentlich das Stammklientel der PDS und späteren LINKEN gebildte hatten, kommt nicht von Ungefähr.


    Wagenknecht hat damals auf ihrer Parteitagsrede zwei Fakten genannt, die eigentlich allen Linken - ob jetzt mit oder ohne akademischen, oder gar marxistischen Hintergrund - die Ohren auf- und die Haare zu Berge stellen sollten:


    1. Die SPD hatte damals (2018 - in Jahr nach der letzten Bundestagswahl) gewaltige Verluste an WählerInnen zu verzeichnen, welche nicht zur Linkspartei wanderten.


    2. Es haben mehr GewerkschafterInnen die AfD gewählt - die auch mittlerweile erfolgreich

    Betriebsräte und Ortsverbände von Gewerkschaften gekapert hatte - als DIE LINKE.


    Warum ist das so? Warum ist diese "Arbeiterklasse" - neben den noch ganz gut situierten Mittelschichtlern, BeamtInnen und höheren Angestellten, die ihre Kreuzchen auch bei der sogenannten "Alternative" gemacht haben - für Linke Ideen und Ideale nicht mehr empfänglich? Warum erreicht man diese "Millieus" nicht mehr?


    Meine ganz ernst gemeinte Frage wäre: Wie sollen Linke die "Arbeiterklasse" (und da muss man hierzulande auch einfach weite Teile des Dienstleistungssektors, viele in die grenzprekäre Selbständigkeit gezwungene Solo-UnternehmerInnen, und auch nicht wenige BetreiberInnen kleiner Läden, Geschäfte und Handwerksbetriebe hinzuzählen), also eine Masse an WählerInnen, und außerparlamentarischer grass roots - AktivistInnen, davon überzeugen, sich ihren Parteien und Bewegungen anzuschliessen und damit in eine gesellschaftlichen Macht und kritische Masse zu verwandeln, welche auch eine neoliberale Große Koalition mit zweidrittel-Mehrheit im Bundestag und einer Mehrheit im Bundesrat nicht mehr einfach weiter so nonchalant weg ignorieren kann, wie sie das im Moment mit linken Bewegungen und Parteien macht?


    Ich bin kein Parteimitglied, aber ich habe ein bisschen Erfahrung mit grass-roots Aktivismus in der Berliner Mietenpolitik. Und ich kann nur sagen, dass das ein unglaublich schwieriges Unterfangen ist, sobald man damit an tatsächliche Machtberhältnisse rührt und sich dabei nicht bloß auf ideologische Gesinnungsdemonstration beschränkt. Es genügt einfach nicht, die richtige Haltung offensiv vor sich her zu tragen, um dabei aktive(!) Unterstützung aus der Bevölkerung zu bekommen - nicht mal aus dem Teil derselben, der sich selbst als eher linksliberal einstuft - obwohl eigentlich eine (wenn auch knappe) Mehrheit der Stadtbevölkerung absolut der Ansicht ist, dass es so wie es derzeit läuft mit der Immobilienbonanza nicht mehr weitergehen kann, und sogar - ja nach Umfrage - bis zu 51% der Befragten eine Initiative gut finden, welche die größten Wohnungskonzerne enteignen will.


    Aber in Umfragen "gut finden" ist halt leider nicht das selbe wie aktiv mitmachen. Und selbst in einem, im Rest der Republik gerne als chaotisch, wirtschaftsfeindlich, und kurz vor der Wiedereinführung des Sozialismus stehend verballhornten Stadtstaat, der von einer Rosa-Grün-Roten Koalition regiert wird und in manchen Ostbezirken mit der Bevölkerungsgröße mittlerer deutscher Großstädte sogar fast alleine von der Linkspartei - gibt es schon innerhalb jener Koalition, und erst recht in der sehr lautstarken, und von Teilen der Lokalpresse aktiv unterstützten Opposition - gerne in Form von durch fdP, cdU und Afd(!!!) völlig problemlos überparteilich gebildeten, absolut anti-linken Zweckgemeinschaften - so unglaublich starke Widerstände gegen alles, was der mächtigen Immobilienlobby und ihren parlamentarischen Vertretungen gegen den Strich geht, dass linke AktivistInnen, die sich für die Belange von hunderttausenden geplagter MieterInnen einsetzen, eigentlich kaum eine Chance haben, irgendeine tatsächliche, materielle(!!!) Veränderung der kolossal ungerechten Verhältnisse zwischen Immobilienkapital und Mieterbedürfnissen herbei zu agitieren, wenn sie dabei nicht von lokalen und LandespolitikerInnen und unterstützt werden.


    Und da kann man jetzt noch so viel Kritik an der repräsentativen Demokratie üben - ich selbst bin alles andere als überzeugt davon, dass man unter Beibehaltung diesen politischen Systems tatsächlich irgendwann den Kapitalismus überwinden könnte - Wenn man ernsthaft daran interessiert ist im hier und jetzt Verbesserungen der Lebensumstände vieler Menschen zu bewirken, dann muss man sich mit diesem politischen System und seinen VertreterInnen arrangieren (oder halt eine revolutionäre Bewegung gründen, die das System gewaltsam überwindet.)

    .

    Und die bekommt man in aller Regel (mit wenigen Aunsahmen) nur dazu, sich auch für radikalere Maßnahmen ein-, bzw. sie auch einfach mal - auch gegen harte Widerstände aus den eigenen technokratischen Behördenapparaten! - umzusetzen, wenn die das Gefühl haben, dass sich daraus politisches Kapital schlagen lässt - was wiederum nur dann wirklich relevant ist, wenn sich dadurch neue, bisher noch anders oder gar nicht wählende WählerInnen rekrutieren lassen.

    Und genau darum muss es einem linken Populismus gehen (übrigens auch gegenüber der Linkspartei, die in Berlin z.B. in Sachen Mietenpolitik kurioserweise deutlich weniger an direkter Unterstützung von Grasswurzelbewegungen aus der Zivilgesellschaft interessiert ist, als der lokale linke Flügel der Grünen, und statt dessen lieber einer verstaubten, staatssozialistischen Vorstellung folgt, dergemäß nur der Staat und seine politische Führung wirklich in der Lage seien, den Armen und Entrechteten zu helfen).


    Dabei ist am Ende jedoch alle noch so gut gemeinte Unterstützung durch lokal- und LandespolitikerInnen immer nur so weit möglich, wie es der Bundesgesetzgeber zulässt.

    Und in dem sitzen seit fast vierzig Jahren politische Mehrheiten, die mit linken Idealen, die sich tatsächlich mit den materiellen Verhältnissen beschäftigen, anstatt sich oberflächlich für "mehr soziale Gerechtigkeit" einzusetzen während man sich hintenrum von arbeitgeberfinanzierten WirtschaftsexpertInnen und von neoliberalen Ideologen beraten lässt, nur noch extrem oberflächlich bis gar nichts mehr zu tun haben.


    Die Version De Masi scheint mir empirisch widerlegt, zuletzt durch die Agenda 2010, durch den Kosovokrieg, auch durch die 'Kröte' Festung Europa.

    Und deshalb ist auch der Verweis auf die komplett in den neoliberalen Abgrund gekippte sPD oder die im tarnfarben-oliv angestrichenen Bundesgrünen völlig verfehlt. Den Linken wie Wagenknecht, de Masi und ihren UnterstützerInnen geht es genau nicht darum, den selben Weg zu beschreiten und sich der Macht der Unternehmerverbände, der Konzerne, oder der transatlantischen Netzwerke in andere militärisch-industrielle Komplexe anzudienen, sondern darum, überhaupt erst mal in eine Position zu kommen, von der aus sie echten, materiellen Einfluss auf diese Verhältnisse ausüben können.


    Und genau diesen Einfluss wird die Linke (ob als Partei oder als Bewegung) niemals haben, wenn sie sich auf Maximalforderungen kapriziert, welche die Hälfte des Wählerinnenpotenzials nicht nachvollziehen kann - nicht weil sie zu dumm, zu verroht, oder charakterlich nicht dazu in der Lage wäre, sondern weil sie mit ihrem eingeübten Bewusstsein in der sozialen Marktwirtschaft nicht konform gehen - und welche selbst die Parteiführung der LINKEN (im Fall der Wagenknecht-Debatte auf dem Leipziger Parteitag) die sie öffentlich als hehre Ideale vor sich her remonstrierte, abseits der großen Parteitags- und Talkshowbühnen selbst nicht für realistisch durchsetzbar hielt, während sie gleichzeitig in ihren eigenen Reihen Grabenkämpfe über hehre Bekenntnisse aufmachte, die sich in der Praxis niemals umsetzen lassen, so lange dafür keine politischen Mehrheiten zustande kommen.


    1/2

  • 2/2


    Der Blick in die USA ist da sehr lehrreich - nicht weil die dortige Situation in all ihrer, für uns LuxuseuropäerInnen nur schwer vorstellbaren Unbarmherzigkeit gegenüber den VerlierInnen des kapitalistischen Systems auch nur ansatzweise mit unserer hiesigen, noch vergleichsweise komfortablen Situation vergleichbar wäre, sondern weil man sich dort live ansehen kann, was mit einer Gesellschaft passiert, in der die selben Tendenzen der totalen neoliberalen Übernahme des politischen Betriebes und seiner technokratischen Institutionen durch Konzerne und ihre ideologischen Helfershelfer aus Thinktanks, bürgerlicher Presse, sowie aus konservativen und "liberalen" Parteien, welche sich auch in UnserLand beobachten lässt, bereits so weit fortgeschritten ist, dass RechtspopulistInnen und VerschwörungsideologInnen für große Teile der Bevölkerung als einzig ernstzunehmende "Anti-establishment"-Bewegungen wahrgenommen werden, und dort nicht mehr nur einen kleinen Teil der Parlamente besetzt halten, sondern bereits RegierungschefInnen in vielen Staaten, und bis vor ein paar Wochen auch auf Bundesebene stellen.


    Ebenfalls kann man dort gerade live und in Farbe mit verfolgen, wie das aussieht, wenn eine eigentlich - in genau dem Sinn den ich hier meine - linkspopulistische Grasswurzel-Bewegung , wie etwa jene der demokratischen SozialistInnen, die durch Bernie Sanders kurzzeitig so große mediale Aufmerksamkeit und durchaus mehrheitsfähige Zustimmung zu vielen ihrer Kernpositionen erfuhren, jetzt von einer "liberalen" Regierung, die ihr eigentlich näher stehen sollte, als der reaktionäre politische Gegenspieler, und einem ihr angeschlossenen Parteivorstand systematisch weggemobt, gespalten, in interne Flügekämpfe verstrickt, und somit immer weiter marginalisiert wird, indem man Kritik an der Regierungs- und Parteilinie, oder an Leuten welche dieselbe vertreten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit - je nach gerade passender Schablone - wahlweise als sexistisch, rassistisch, LGBTQ-feindlich, faschismus-verharmlosend, oder als AgentInnen "feindlicher" Regierungen bezichtigt, und sich dabei auf die rege Unterstützung eines auf beiden Seiten des Politischen Spektrums nahezu vollständig korrumpierten Medienapparates, und vor allem auf rasende social media-Mobs verlassen kann, welche genau die - für Linke rein prinzipiell eigentlich absolut richtigen - idealistischen Haltungen, zu einem Instrument der absolut binären, Schwarz gegen Weiss-, Gut gegen Böse-Polarisation, und damit die traditionelle Bereitschaft von Linken, sich kritisch auch mit den eigenen Haltungen auseinanderzusetzen und harte Debatten darüber zu führen zu einer Waffe machen, mit der die Linke sich selbst zerstört und in einander spinnefeinde Partikularidentitäten zerprengt.

  • Ich hab jetzt mal probiert alles nachzuholen, was hier zuvor stand und wesentlich schlauer bin ich leider dennoch nicht geworden. Was soll die Linkspartei nun tun?


    Identitätspolitik:

    Ist meines Erachtens (aus bereits mehrfach genannten Gründen) ein Minenfeld. Es mag in der Außenwirkung der Partei nicht der wesentliche Aspekt sein, wie Fernbedingung es angemerkt hat, aber gerade der jüngere, nicht direkt parteizugehörige Anteil der Bevölkerung (es gibt aber auch durchaus ältere von dieser Sorte) identifiziert sich mit diesem Thema sehr stark. Und auf diesem Gebiet kannst du politisch keinen Blumentopf gewinnen, weil die Atomisierung der Gesellschaft eine politische Mehrheit verunmöglicht. Das geht so weit, dass selbst die von Utan angseprochenen Verkünder*innen des einzig echten Moral Highgrounds häufig einen Backlash erfahren, weil sie es eben auch nicht schaffen wirklich jeden zu vereinnahmen mit ihrer sogenannten "Programmatik". Da wird einem dann auch erklärt, dass das Gendersternchen gar nicht perfekt ist, weil ein Screenreader da keine Sprachpause macht. Ein ":" wäre an dieser Stelle Barrierefrei. Ich hielt den Kommentar zunächst für Satire, als ich aber sah, dass das ernst sei, dache ich als "alter weißer Hase" auch einfach mal nur: Cringe! Nicht zuletzt ist Identitätspolitik auch deswegen nicht massenwirksam, weil die Massenmedien (paradox, I know!) wie das Heute Journal, die Radiosender und viele andere Zeitungshäuser auf diesen Zug mitaufgesprungen sind, ohne, dass hierzu tatsächlich ein Breite mal ein politischer Diskurs im Parlament stattgefunden hätte (und eine Einigung hätte man aus oben genannten Gründen eben auch nie erzielen können) und man die laut Passmann "dumme" Bevölkerung nicht mitgenommen hat. Man macht sich da praktisch mit Leuten gemein, mit denen die strenggenommen politische Zielgruppe eigentlich nur wenig zu tun haben möchte. Interessanterweise wird man als Teil der Linken ja häufig noch stärker angegangen als die eigentlichen Übeltäter, weil man als Nicht-so-recht-möchtegernteil dieser Bubble es ja besser wissen sollte. Der Dialog ist an dieser Stelle völlig zerbrochen und ich hoffe ja, dass sich das Thema irgendwie in was Wirksames umdrehen lässt....


    Außenpolitik/Flüchtlinge/Krötenschlucken:

    Hier will ich es absolut kurz machen, weil ich solche Sachen als Naturwissenschaftler vermutlich total biased pragmatisch angehe: Was ist die Alternative? Es ist unmöglich in einer Demokratie im Alleingang eine kompromisslos (wenn auch benevolente) Politik durchzuexzersieren, d.h. Kompromisse sind unter Einhaltung unseres (durchaus mangelhaften) Politsystems unerlässlich. Die Alternative zu der ein oder anderen Kompromissbereitschaft bzw. Sorgenbekundung darüber, dass man es lieber anders hätte, aber zähneknirschend mitmacht, wäre, dass man von der Zuschauertribüne aus schlaue (und wichtige!) Kommentare einwerfen kann. Was bringt Flüchtlingen mehr? Ein Weitermachen der Unionspolitik mit ihren Anhängseln, oder eine RRG (oooh noooo....!) Regierung, die ggf. tatsächlich kleine Verbesserungen in dieser Hinsicht erzielen könnte, indem man zumindest die Aufnahmekapazitäten deutlich erhöht? Selbst innerhalb der CDU-Wählerschaft würdest du genug Leute finden die der Meinung sind, dass das Flüchtlingscamp in Griechenland oder an den Grenzen der Balkanstaaten gesammelt in Deutschland untergebracht werden könnte, um zumindest diese eine Schande zu beseitigen. Dann wäre da auch noch die Menschen, die vielleicht gar keine Flüchtlinge sind, aber Angst davor haben, vielleicht mal welche zu werden, sehr geholfen, wenn der ein oder andere Rüstungsdeal platzen würde und man ein bisschen echte Entwicklungspolitik betreiben würde.

    Die ganz großen Würfe erreichst du damit ad hoc sicherlich nicht, aber vielleicht zeigt sich die Bevölkerung ob des Zustands Unserlandesentwicklung ja positiv überrascht von der Linkspartei, die da gerade realpolitisch wird. Mit mehr Wählerschaft käme dann auch mehr Einfluss, und mit mehr Einfluss käme auch eine konsequentere Verfolgung der großen Fische - der geordneten Ablösung des kapitalistischen Systems. Das kann nur ein Langzeitziel sein.


    Manchmal glaube ich übrigens auch (und das wurde hier gar nicht genannt), dass der Ruf der SED-Nachfolgepartei der Linken immer anhängen und auch nie verschwinden wird. Ich weiß tatsächlich nicht, ob die im meinen Bekanntenkreis häufig geäußerten Bedenken (=rants) bzgl. dieses Umstands nur ein Vorwand sind, um sie nicht wählen zu müssen und ihren Status-Quo hoffentlich weiter unberührt lassen, oder ob sie das wirklich glauben. Eine höchst illusorische Lösung wäre meiner Ansicht nach daher wirklich nur eine Abspaltung des linken SPD-Flügels und einer praktischen Parteineugründung mit Teilen der Linken (oder der ganzen, again lol) einer Neo-SPD. Aber ihr merkt ja selbst, wie träumerisch das alles ist, vor allem in einem solchen Hinterwäldlerforum wie diesen hier. Die Linkspartei ist politisch/medial kaum relevant und ich hoffe, dass ihnen irgendetwas einfällt, dies zu ändern - ansonsten haben wir nämlich auf ewig die CDU an der Macht, und das kann nun wirklich auch nicht das Ziel derer sein, die eine Verbesserung für Flüchtlinge, Umwelt und übrigens auch die Teile der Bevölkerung haben, mit denen wir ja offengestanden gar nicht mehr so häufig in Berührung kommen. Und um letzteren Punkt auch schon mal programmatisch aufzuarbeiten: Eine Reforum unseres Schulsystems hin zu einer Gesamtschule täte der Spaltung unseres Landes auch schon mal ganz gut.

  • Das war ein Einwurf auf deinen Einspruch man könne jene These nicht mit einfachen Worten erklären.

    Sicher kann man.

    Ich diskutiere hier nicht mit, weil ich schon alles weiß. Meine Bitte war ganz ernst gemeint. Nach meiner Ansicht ist es hilfreich wenn nicht notwendig, neben den Feuerbachthesen mindestens die Pariser Manuskripte, den ersten Band des Kapitals und möglichst noch die Dialektik der Aufklärung gelesen und verstanden zu haben, um jene 6. Feuerbachthese so weit zu begreifen, dass man ihre Bedeutung für die Frage versteht, ob der Politikstil De Masis eher Teil des Problems oder Teil seiner Lösung ist. Sollte ich Recht haben, wäre De Masi ein weiteres Beispiel dafür, dass gut gemeint das Gegenteil von gut sein kann; dann sind die Aussichten für eine Abschaffung des Kapitalismus sehr, sehr schlecht. Solltest Du Recht haben, sind sie weit besser. Also bitte: Mach es einfach, gib die These in leicht verständlicher Form wieder, ohne ihren Gehalt zu verlieren. Ich würde mich wirklich freuen.

  • Wenn man sagt :das Problem sind nicht die und die das Problem ist der Kapitalismus- dann wissen sie darum.

    Aber obwohl sie darum wissen hat sich der Kapitalismus in ihren Köpfen als eine Art Naturzustand etabliert.

    Scheiße aber unabänderlich.

    Das ist meiner Überzeugung nach genau die Beobachtung, derentwegen Gesellschaftstheorie so bitter nötig ist: Eine Erklärung finden, die eine Perspektive zulässt, die das "unabänderlich" vermeiden kann, ohne die Fakten zu missachten. Genau das ist das Hauptthema der Kritischen Theorie: "Was wir uns vorgesetzt hatten, war tatsächlich nicht weniger als die Erkenntnis, warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt.

    (Adorno/Horkheimer: Dialektik der Aufklärung (1944): Vorrede. Theoder W. Adorno: GS 3, S. 11)

  • Aber ich ahne schon, was da kommt.

    Wirklich? Mich würde sehr interessieren, ob Deine Ahnung sich bestätigt. Mein Geburtstagskind ist beim Klavierunterricht, ich fange mal an.

    Das ist, wie Feuerbach es selbst geschrieben hat, eben eine These. Wenn die Mehrheit der Menschen 10 Stunden und mehr am Tag sich unter die Herrschaft einer fremden Macht begeben muss und ihnen eingetrichtert wird, dass dies das einzige Ziel des Lebens ist und es keine Alternative dazu gibt, dann braucht man sich auch nicht zu wundern, dass die Menschen in ihrer Freizeit wenig Lust haben, sich mit großen Gesellschaftsentwürfen zu beschäftigen oder Rechercheprojekte zu starten. Von daher hat dieses eher apartische Verhalten vieler Menschen in dieser Hinsicht nichts damit zu tun, dass irgendwie ihr Bewusstsein gestört wäre oder sowas. Sondern das ist ein System, in dem bestimmte Gedankengänge nicht ihre volle Entfaltung erreichen können, das hat aber nix damit zu tun, dass sie im Prinzip unmöglich sind oder nicht da sind. Und hier spielt halt politischer Aktivismus eine Rolle, oder eben der fehlende.

    Zur Verständigung: Die Feuerbachthesen sind keine Thesen von, sondern über Feuerbach, und zwar von Karl Marx.

    Beim Übrigen stimme ich Dir zu, ich habe ja schon erwähnt, dass ich diese Feierabendträgheit aus der Landwirtschaft gut kenne. Vollkommen einig bin ich mit Dir auch darüber, dass diese Beobachtung nicht bedeutet, dass Hopfen und Malz verloren wären. Nur ist die 'zweite Natur', die AnjaU angesprochen hat, meiner Ansicht nach eben nicht durch Spruchbänder und Sprechchöre wirksam irritierbar.

  • Diese Diskussionen gehen mir so auf die Nerven. Was hier rauskommt ist eine tiefe demokratiefeindliche und anti-humanistische Attitude, die wahrscheinlich große Unterstützung bei Lenin gefunden hätte. Nein, die Menschen sind nicht zu dumm. Nein, es liegt nicht an der Natur des Menschen. Nein, die Menschen lieben nicht ihren Kapitalismus oder haben irgendwas im Kopf, das nicht geändert werden kann und nein, Revolutionen werden nicht im Fernsehen übertragen. Es sind die Rahmenbedingungen, die gegen Veränderungen arbeiten und die herrschenden Verhältnisse immer und immer wieder reproduzieren. Und das Gegenmittel ist eben ein neuer Gesellschaftsentwurft.

    Ich verstehe nicht, was Du mit Lenin hast. Wie gesagt, ich bin weit davon entfernt anzunehmen, die Menschen seien unheilbar zu dumm. Ich fürchte nur, es bedarf einiger Theorie, um die Möglichkeiten realistisch einzuschätzen, und ich fürchte auch, dass De Masi e. a. auf dem Holzweg sind, wie vormals Grüne und Sozialdemokrat*innen, die auch gedacht haben, sie könnten die Institutionen benutzen, ohne an ihnen Schaden zu nehmen.

    Was übrigens den Gesellschaftsentwurf betrifft: Ich bin dabei. Der Roman ist auf acht Bände konzipiert, der erste ist fertig und handelt davon, welche Quellen hier und heute in die richtige Richtung sprudeln könnten. Und die ausdrückliche Aufgabe war, so einfach verständlich wie nur irgend möglich zu sein.

  • Ich diskutiere hier nicht mit, weil ich schon alles weiß. Meine Bitte war ganz ernst gemeint. Nach meiner Ansicht ist es hilfreich wenn nicht notwendig, neben den Feuerbachthesen mindestens die Pariser Manuskripte, den ersten Band des Kapitals und möglichst noch die Dialektik der Aufklärung gelesen und verstanden zu haben, um jene 6. Feuerbachthese so weit zu begreifen, dass man ihre Bedeutung für die Frage versteht, ob der Politikstil De Masis eher Teil des Problems oder Teil seiner Lösung ist.

    Hmmm....


    Also solltest Du das - vor allem den ersten Satz - tatsächlich ernst meinen, dann würde ich spontan folgende Aussage zurückziehen...:


    Nein. Mit dieser natürlich etwas intellektuellenfeindlich anmutenden Polemik meine ich nicht Dich.

    ...und Dich hingegen ganz expliztit und persönlich damit meinen, wenn ich meine, dass man als Linker keine Leute auf seine Seite bringt, wenn man dabei vom allerhöchsten Ross auf sie herunter blickt, und - nur rein der Polemik wegen - noch hinzufügen, dass man auch noch die gesamte - mindestens abendländische - Philosophiegeschichte präsent haben sollte, sowie eigentlich mindestens die Kritik der reinen Vernunft, sowie den ganzen Hegel nicht nur gelesen sondern auch verstanden haben müsste, um sich überhaupt zu irgendwas äußern zu dürfen, was Marx und seine sämtlichen NachfolgerInnen so an Theoriegebäuden in den letzten 170 Jahren alles errichtet haben.


    Sollte das hingegen nicht ernst gemeint gewesen sein:


    LOL!

  • Also solltest Du das - vor allem den ersten Satz - tatsächlich ernst meinen, dann würde ich spontan folgende Aussage zurückziehen...:


    ...und Dich hingegen ganz expliztit und persönlich damit meinen, wenn ich meine, dass man als Linker keine Leute auf seine Seite bringt, wenn man dabei vom allerhöchsten Ross auf sie herunter blickt

    Oben hat jemand auf Deine Aufzählung von Theoretikern hin in die Gruppe geraunt: "Er hat 'Luhmann' gesagt!" Das war sehr komisch, fand ich. Nicht nur, weil Luhmann der einzige Theoretiker ist, bei dessen Exzerpt ich damals im Studium buchstäblich eingeschlafen bin – was für eine endlose Ansammlung von aufgeblasenen Tautologien, was für nervtötend banale Erkenntnisse nach dem Muster: Ein System funktioniert desto besser, je weniger Störungen stattfinden! Auch musste ich lachen, weil die Bemerkung mir ein selbstironischer Seitenhieb auf die hier schon mehrmals und zu Recht kritisierte sogenannte linke Identitätspolitik zu sein schien. Chapeau!

    Und jetzt bekomme ich so langsam den Eindruck, dass an diesem sympathischen Ort ein ganz ähnliches Spiel gespielt wird, und zwar mit geradezu heiligem Ernst: Wer 'Theorie' sagt, hat verloren.

    Zu dem von Dir inkriminierten Satz: Ja stimmt. Ich habe einen ärgerlichen Fehler gemacht, indem ich einen falschen Indikativ setzte. Mea culpa. Richtig hätte der Satz heißen müssen: 'Ich diskutiere hier nicht mit, weil ich schon alles wüsste.' In der von Dir zu meinem Schaden gewählten Interpretation allerdings hätte er auch mit dem falschen Indikativ nur funktioniert, wenn ich nicht diskutieren würde. Was offensichtlich nicht stimmt.

    Also will ich mich denn bekennen, meine lutherische Erziehung soll nicht ganz umsonst gewesen sein: Ja, ich glaube, die genannten theoretischen Werke sind eine gute, wenn nicht notwendige Grundlage zum Verständnis der genannten Feuerbachthese. Nein, ich glaube nicht , dass ich schon alles wüsste. Ich rechne jederzeit damit, widerlegt zu werden. Darum diskutiere ich. Nein, ich glaube nicht, dass jemand, die oder der etwas noch nicht gelernt hat, es auch für alle Zeiten nicht wird lernen können. Im Gegenteil, ich glaube, dass jeder und jede mit genügend Interesse alles lernen kann, was sie oder er will. Allerdings bin ich weiterhin der Ansicht, dass zur Widerlegung einer These mindestens ein sachliches Argument gehört. Einfach zu entgegnen, der andere sitze auf einem hohen Ross, oder sogar - warum nur, sind wir etwa in Quality-Land? – auf dem höchsten, ist in meinen Augen eine geistige Bankrotterklärung, ganz das Niveau von: Du darfst überhaupt nichts sagen, weil du ein alter weißer Mann bist.

    Und wenn Du Recht haben solltest, und allein der Umstand, dass man eine These äußert und für wahr hält, dazu führt, die Überzeugungskraft anderen gegenüber zu verspielen, dann bleibt wohl nichts anderes übrig, als sich gegenseitig pseudokritisch-harmonistische Texte hinzudahlen und im Übrigen weiter das eine Dogma zu verfolgen, durch das der kleinbürgerlichen Seele die gesellschaftlichen Verhältnisse in ihr zur verzückten Erregung erblühen: Die beleidigte Leberwurst hat immer Recht. Dann schon lieber die Partei. (Siehe 6. Feuerbachthese)


    p.s.: "Grau, teurer Freund, ist alle Theorie!", sprach er. Sein Name war Mephisto. Der Teufel. Exit Luther.

  • mal wieder on topic


    https://www.nzz.ch/internation…s-eines-linken-ld.1603616



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    Ein Dank an die FDP und an alle Kontrahenten

    Mancher Dank im Text ist selbstverständlich, etwa der für Parteigenossen und Mitarbeiter, anderer nicht: De Masi bedankt sich auch bei den Parlamentariern der FDP und der Grünen, mit denen er im Wirecard-Untersuchungsausschuss zusammengearbeitet hat. Er bedankt sich bei den Vertretern der anderen Fraktionen, mit denen er gestritten hat – und bittet jene um Entschuldigung, denen er «vielleicht hier oder dort im Eifer des politischen Gefechts Unrecht getan oder sie persönlich verletzt habe». Man könnte solche Worte für eine demokratische Selbstverständlichkeit halten. Aber das würde De Masi angesichts der politischen Praxis selbst wohl auch anzweifeln.

    Es gebe vor allem in den sozialen Netzwerken die Tendenz, politische Debatten nur noch über Fragen der Moral und Haltungen zu führen, fährt er fort. Um dann deutlich zu werden: Er halte diese Entwicklung für einen Rückschritt. Werte und Moral seien das Fundament politischer Überzeugungen. Wer aber meine, dass alleine die «richtige Haltung» über richtig und falsch entscheide, versuche in Wahrheit den Streit mit rationalen Argumenten zu verhindern. «Ich habe den politischen Meinungsstreit – gerade mit Konservativen und Liberalen – immer als eine Bereicherung empfunden», schreibt De Masi. Es gibt nicht mehr viele linke Politiker, die sich so äussern würden – wie es auch kaum noch Rechte gibt, die sich so über Linke äussern würden.

    Eine linke Identitätspolitik, die nur Unterschiede statt Gemeinsamkeiten zwischen Menschen betone und damit allein «woke» Akademiker in Innenstädten anspreche, sei der falsche Weg, warnt der scheidende Abgeordnete. Ob die Botschaft bei den Genossen ankommt? Wahrscheinlich ist es nicht; Sahra Wagenknecht ist mit einer ähnlichen Haltung immer stärker in die Isolation geraten und schliesslich verdrängt worden.



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  • Das ist meiner Überzeugung nach genau die Beobachtung, derentwegen Gesellschaftstheorie so bitter nötig ist: Eine Erklärung finden, die eine Perspektive zulässt, die das "unabänderlich" vermeiden kann, ohne die Fakten zu missachten. Genau das ist das Hauptthema der Kritischen Theorie: "Was wir uns vorgesetzt hatten, war tatsächlich nicht weniger als die Erkenntnis, warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt.

    (Adorno/Horkheimer: Dialektik der Aufklärung (1944): Vorrede. Theoder W. Adorno: GS 3, S. 11)

    Ich glaube das nicht.



    Wie ich geschrieben habe fehlt es den Menschen an Mut.

    Man hat ihnen so lange eingeimpft,dass diese neoliberale Welt in der wir leben die bestmögliche ist, dass es nicht klappt in einer gerechteren Welt zu leben,weil automatisch wieder welche gleicher werden.

    Dass dann die unsichtbare Hand ein FDJ Hemd trüge, die Welt nicht v)gerechter würde, sondern dass dann selbst auf einen Trabi 18 Jahre gewartet werden muss.


    Vielleicht muss man dies und jenes und welches gelesen haben um zu analysieren und weitere dicke Bücher schreiben zu können.

    Was aber auch keinen weiterbringt.

    Ich meine,dass es wichtiger ist, Menschen Mut zu machen,sie zum Lachen zu bringen,Ihnen das Gefühl von Zugehörigkeit zu vermitteln.

    Bildung ist -da bin ich sicher nicht der Schlüssel.

    Es ist nicht das Problem dass die Menschen nicht verstehen was los ist.

    Ihnen fehlt der Glaube an ihre Selbstwirksamkeit.

    Es gibt kein Arbeiter-Klassenbewustsein mehr...nur noch Individuen und die sind "einsam" stimmt nicht-vereinzelt vielleicht?

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