Der SARS-CoV-2-Thread

  • Njoa, also falls das mit dem Paxlovid auch nur irgendwie klappen sollte, dann vermute ich auch, dass das weniger wird.


    Im Clinical Update bei TWIV haben sie so ein bisschen die Erwartungen gedämpft, weil Paxlovid einige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten hat, die man bedenken muss. Hier gibt es eine Liste von Medikamenten, die entweder direkt ein Ausschlusskriterium sind oder abgesetzt werden müssen:


    https://www.covid19treatmentgu…d-drug-drug-interactions/


    Und Patienten mit einem erhöhten Risiko an CoViD-19 zu versterben, nehmen natürlich auch solche Medikamente.


    Apropos, wo ich Sildenafil auf der Liste sehe, es geht jetzt eine Geschichte rum, dass sie irgendjemanden, der schon in der Beatmung, war Sildenafil in Form von Viagra verabreicht haben und dann ist die Person sozusagen wieder aufgestanden. Weiß nicht, ob da was dran ist, aber so wirkt Paxlovid eben nicht. Insofern bleibt es dabei, dass man die besten Chancen bei Patienten hat, die CoViD-19 ernst nehmen, sich bei Symptomen dann auch zeitnah testen oder beim Arzt auftauchen und dann ausreichend früh behandelt werden. Ich könnte mir vorstellen, dass das gerade bei Ungeimpften tendenziell weniger der Fall ist.


    Anyhow, du politisierst deine Aussagen auch nicht so sehr.


    Meine 100000 waren ja auch mehr ein aus der Luft gegriffenes Beispiel. Ich würde allerdings auch nicht sagen, dass Drosten auf jeden falsch liegt. Wir haben den Delta-Ausbruch ja dann doch mit Maßnahmen und Auffrischimpfungen wieder eingedämmt, so dass sich das volle Potential erstmal nicht entfaltet hat. Aber die Zahl der Toten war Anfang Dezember im Mittel immerhin schon doppelt so hoch wie beim dritten Ausbruch im Frühjahr 2021, auch die Übersterblichkeit ist jetzt wieder deutlich höher. (Wird nicht nur CoViD-19 sein, könnte eine Begleiterscheinung der deutlichen Überlastung der Krankenversorgung sein.) Was CoViD-19-Tote angeht, hat Omikron sicherlich das Potential da einiges nachzuholen.


    Ich meine CoViD-19 wird sicherlich viel mehr Menschen als nur 100000 in Zukunft auch in Deutschland umbringen, die Frage ist ja nur wieviele Tote sind es bis wir keine großen epidemischen Schübe mehr sehen.


    Ansonsten scheint mir das Problem mit Drosten eher das gleiche wie in vielen anderen Bereichen zu sein. Es fehlen die grundlegenden Kenntnisse, um seine Aussagen wirklich einordnen zu können. Natürlich nehme ich so eine Serviettenrechnung wie diese Übertragung der UK-Zahlen auf Deutschland durch Drosten nicht so ernst, wie wenn er die Stärken oder Schwächen eines gerade gehypten paper aufzeigt. In der medialen Rezeption hat das aber tendenziell den umgekehrten Schlagzeilenwert, die vage Abschätzung ist da leicht mehr wert, als die fundierte Auseinandersetzung. Ich nehme an, deshalb sieht er mittlerweile von solchen Überschlagsrechnungen ab.


    Zwischen Drosten und Kekulé bin ich allerdings in jedem Fall bei ersterem. Einfach weil die breitere Ebene, die Kekulé bedient, mich schnell nicht mehr sehr interessiert hat und ich von ihm seit Anfang der Epidemie eigentlich nur noch diese ganze Auseinandersetzung mit seiner Universität mitbekommen habe.


    Wobei gerade erst hat mir jemand erzählt, dass Kekulé sich irgendwie negativ darüber geäußert hatte, dass die Impfstoffzulassung für Comirnaty um ein Jahr verlängert wurde, anstatt direkt in eine nicht zeitlich begrenzte Zulassung umgewandelt zu werden, und dass das an Versäumnissen von Biontech liegt. Irgendwie spielte da auch diese Diskussion über Inhaltsstoffe mit rein. Fand ich klang alles etwas merkwürdig. Es war allerdings zu vage, um aus dem Stand eine Antwort darauf zu haben. Ich hatte nur gesehen, dass die Verlängerung alle CoViD-19-Impfstoffe betrifft, wodurch ich den Eindruck habe, dass die Forsetzung der bedingten Zulassung wegen der daran geknüpften Anforderungen zur Datenerhebung vielleicht auch staatlicherseits erwünscht war. Also vielleicht kommt von Kekulé immer mal wieder eine halbgare These, die die Gemüter auf Twitter am kochen hält? Ich kann es nicht beurteilen, wie gesagt letztlich habe ich seinen Äußerungen zu dem Thema irgendwann in 2020 nicht mehr weiter verfolgt.

  • Die Durchseuchungsquote in der Tabelle basiert weiterhin auf der kumulierten Fallzahl seit 1. Oktober letzten Jahres. Für die "Durchseuchungsquote" in der Grafik habe ich bisher auch diesen Wert genommen basierend auf der Überlegung, dass er sich durch Übergewicht der Geimpften bei den Infizierten in Kombination mit Untererfassung und Fehler durch die fixierten Zahlen als abgeschätzte Durchseuchung der Ungeimpften eignet. Wegen Omikron nehme ich die Fälle ab dem 4. Januar nur noch gewichtet mit dem Anteil der Ungeimpften hinzu.


    Nebenbei 7.5% Durchseuchung in Sachsen - da habe ich auch nochmal in die Daten geschaut - und in der Tat waren es seit Anfang Oktober 300000 Fälle dort, was diesem Anteil der etwa 4 Millionen Einwohner entspricht. Ohne Omikron wär da jetzt vermutlich Ruhe, ich denke mal mit, wird sich der sinkende Trend der Neuinfektionen jetzt wieder umdrehen.


    Bundesland IQV
    DIQE
    UGQ DQ
    Baden-Württemberg 70.5 1.8 27.7 4
    Bayern 71 1.4 27.6 4.5
    Berlin 73.1 2.8 24.1 3.8
    Brandenburg 65.6 2.3 32.1 5.1
    Bremen 84.5 3.5 12 3.1
    Hamburg 77.7 2.3 20 2.7
    Hessen 70.8 3.8 25.3 2.6
    Mecklenburg-Vorpommern 70.8 1.8 27.4 3.4
    Niedersachsen 73.7 2.8 23.6 1.9
    Nordrhein-Westfalen 75.2 3.4 21.4 2.6
    Rheinland-Pfalz 71.5 4.3 24.3 2.4
    Saarland 78.4 2.4 19.1 3.1
    Sachsen 61.4 2.4 36.2 7.5
    Sachsen-Anhalt 69 1.2 29.8 5.2
    Schleswig-Holstein 76.7 1.8 21.5 1.9
    Thüringen 66.6 1.9 31.5 7.3


    IQV - Impfquote, vollständige Impfung, DIQE - Differenz zur Impfquote für Erstimpfungen, UGQ - Anteil Ungeimpfte. DQ - Durchseuchungsquote basierend auf Fällen seit dem 1. Oktober 2021

    Diskrepanz durch fixierte Fallzahlen ist 0.40% der Gesamtbevölkerung.


  • Was CoViD-19-Tote angeht, hat Omikron sicherlich das Potential da einiges nachzuholen.

    Irgendwie ist die Berichterstattung dazu sehr ambivalent, einige Fachleute sagen es wird schlimm, andere sagen wiederum es wird eher harmlos...wie z.B. das hier was ich gerade gelesen habe, da sagt ein weiterer Virologe das Omikron eher fast wie ne Grippe wird...

    Essener Virologe: "Omikron wird wie Grippe"

    Licht am Ende des Tunnels: Künftige Corona-Varianten werden nicht gefährlicher, sondern harmloser, sagt der Essener Virologe Ulf Dittmer. Das zeichne sich schon bei Omikron ab.

    So wie es aussieht, verliert das Coronavirus allmählich seinen Schrecken: Die Omikron-Variante und die Grippe seien sich zumindest ähnlich, sagte der Virologe Ulf Dittmer von der Uniklinik Essen am Mittwoch im Videocast "19 - die Chefvisite". Die Ähnlichkeit sei jedenfalls deutlicher als bei der Delta-Variante.

    "Delta war ein absolut tödliches Virus und sicherlich die schlimmste Variante, die wir in dieser Pandemie gehabt haben." Das sei bei Omikron zum Glück offenbar nicht so.

    ...

    Keine Ahnung was die Wahrheit ist, aber ich finde man sollte so oder so langsam mal aufhören so übertriebene Panik zu schieben, davon wird auch nichts mehr besser, ich glaube die vergangenen 2 Seuchenjahre haben der psychischen Gesundheit von großen Teilen der Bevölkerung ausreichend zugesetzt, damit sollte man sich vllt. mal langsam im nächsten Schritt auseinandersetzen...

  • Was CoViD-19-Tote angeht, hat Omikron sicherlich das Potential da einiges nachzuholen.


    Also diese Aussage ist für mich kein Ausdruck von Panik schieben. Menschen sterben an Infektionskrankheiten. Damit muss man leben und das ist erstmal ein individuelles Problem. Wenn ich sage, dass Leute durch Omikron sterben werden, dann ist das noch keine Aussage darüber, dass auf der gesellschaftlichen Ebene relevant ist.


    Nehmen wir das Ausbruchsgeschehen mit Delta seit Herbst bis zur ersten Winterhälfte: Wäre unsere Impfquote homogen verteilt, also alle Orte in Deutschland hätten tatsächlich die mittlere Impfquote gehabt, anstatt dass es diese Bereiche mit deutlich niedrigeren und höheren Impfquoten gäbe, wäre die Situation deutlich entspannter gewesen, selbst wenn dann immer noch viele Leute gestorben wären. So ist es letztlich mit der saisonalen Grippe.


    Wenn Omikron wirklich seltener die typische CoViD-19-Pneumonie - komplizierter Verlauf, je nach Alter lange Liegezeit - auslösen würde, wäre das vorallem eine große Entlastung für die Krankenversorgung, aber ich denke nicht, dass keine Leute mehr an Omikron versterben werden.


    Also Beispiel UK, die hatten nun wirklich viele Tote, und haben sich seit Juni letzten Jahres ein höheres Niveau an Infektionen und damit täglichen Toten geleistet, dennoch mit dem Omikronausbruch geht die Zahl der Toten im Moment deutlich hoch. Auf die Infektionszahlen mit Omikron gerechnet, ist das natürlich ein kleiner Anteil, aber bei einer Variante die stärker den Schutz vor Infektion umgeht, sind viele Leute dabei, die sich mit Delta gar nicht erst angesteckt hätten oder zumindestens nicht sehr infektiös wären. Der rasante Anstieg der Neuinfektionen begann Mitte Dezember, die Zahl der Toten fing etwa zwei Wochen später an ebenso anzusteigen. An diesem Muster scheint sich nicht so viel geändert zu haben. Die Erwartung für so eine Variante, selbst wenn sie etwas weniger häufig schwere Symptome auslösen sollte, wäre, dass sie gut darin ist das Residuum besonders vulnerabler Individuen in ihrer Ausbreitung zu finden.

  • In der ersten Januarwoche übrigens 73.3% Anteil Variante Omikron in Deutschland laut dem neuen RKI-Wochenbericht (S. 37, Tabelle 8). Ich nehme an diese Woche wird er in den Neunzigern liegen.


    Gibt allerdings ziemliche Unterschiede zwischen den Bundesländern:


    Bundesland Anteil Omikron
    Baden-Württemberg 72.0%
    Bayern 75.2%
    Berlin 84.1%
    Brandenburg 78.2%
    Bremen 96.2%
    Hamburg 84.5%
    Hessen 83.7%
    Mecklenburg-Vorpommern 10.6%
    Niedersachsen 84.6%
    Nordrhein-Westfalen 75.8%
    Rheinland-Pfalz 77.9%
    Saarland 84.6%
    Sachsen 26.4%
    Sachsen-Anhalt 28.0%
    Schleswig-Holstein 86.9%
    Thüringen 38.6%
  • ja, bei dieser Shitshow gibts nur wenige Gewinner. Jetzt werden wir schön Zeuge ein dürfen, wie sich das Empörungsmanagement auf beiden Seiten voll ins Zeug legt und hinterher alle wieder die "Spaltung der Gesellschaft" bedauern. Dabei sind sowohl der Serbe, als auch die erzkonservative Regierung Australiens Seiten der gleichen beschämenden Medaille, die vom medialen Band getragen wird und eigentlich in irgendein anonymes Loch verscharrt gehört.

  • https://blog.fefe.de/?ts=9f1edafa


    Zitat

    In Bayern haben sie einen Arzt gefunden, der angeblich Impfzertifikate ohne Impfung ausgestellt haben soll

    [...]

    Der Mann hat jetzt Berufsverbot und sie haben bei über 100 Patienten von dem eine Hausdurchsuchung gemacht.

    [...]

    Ich weiß ja nicht, wie ihr das seht, aber eine Hausdurchsuchung ist auf der Skala der Grundrechtseingriffe so ziemlich das übelste, was so ein Rechtsstaat anrichten kann. Das sollte man sparsam einsetzen, finde ich.

    Zitat

    Schlimmer wäre ja fast nur noch, wenn man den Leuten ungefragt Blut abnimmt!

    Oh, warte...

    Zudem wurde bei den Verdächtigen Blut entnommen, wie ein Sprecher der Polizei erklärte.
    [...]
    Hey, mit der Rigorosität sollte man auch mal im Bundestag nach Drogen suchen.

  • Wollte gerade schreiben, Lauterbach macht auch keine Pressekonferenzen mehr, also ist wohl gerade keine Problemlage. Aber dann habe ich vorher zur Sicherheit auf die RKI-Seite geschaut und heute gibt es wieder eine.


    =O


  • Das hat meiner Meinung nach mehr Potenzial auf Verurteilung wie im Chatroom zu pöbeln "den sollte man das Licht ausknippsen". Wird "Kill-Them-All" als Aussage demnächst strafrechtlich verfolgt? "Burn, Motherfucker Burn"? Solange da kein plausibler Plan nachweisbar ist wird es wohl nichts mit der Verurteilung.


    Das mit der Blutabnahme kommt schon beim pusten auf dem Fahrersitz, ist eben gut faktisch nachweisbar. Wahrscheinlich bei gefälschten Impfpässen weniger aussagekräftig, es kann sich ja auch jemand ein Dokument fälschen lassen obwohl er eine unbemerkte Infektion und Antiköper hat (die sind wahrscheinlich der Grund der Blutabnahme).


    In beiden Fällen scheint der Staat im Graubereich tendenziell autoritär zu agieren und das lautstark mit größtmöglicher Abschreckung.

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