Der SARS-CoV-2-Thread

  • Wow, solche Kommentare hätte ich bei Twitter erwartet, aber nicht hier.


    Ungeimpfte mit AfD- und FDP-Anhängern gleichsetzen und für asozial erklären?


    Tja, raue Zeiten. Ich habe allerdings nur darauf verwiesen, dass zu erwartende CoViD-19-Tote nicht so viel Stimmanteile bewegen, unabhängig davon ob oder wen sie gewählt haben würden.


    Ich finde es sinnlos für Sympathie für alle Ungeimpften zu werben. Denn der wirkliche Zorn konzentriert sich letztlich auf die Art ungeimpfter Person, die das mit Selbstgerechtigkeit vertritt, wie sie eben auch auf Twitter zu finden ist, so wie auf Leute, die für Sympathie für Ungeimpfte werben.

  • Meine Erfahrungen aus dem sozialen Bereich sind vielleicht nicht repräsentativ, aber dort sehe ich, dass viele der Ungeimpften zu unterprivilegierten Klassen gehören.

    Es gibt wohl noch keine so richtig repräsentative Studie dazu, aber einige empirische Erhebungen legen nahe, dass der Anteil der sozial Benachteiligten unter den Ungeimpften am größten ist.


    Impfkampagne / Wer sind die Ungeimpften? (DLF - 15.09.21)


    Statista - Impfbereitschaft nach Milleu


    GERINGVERDIENENDE GERATEN BEI IMPFUNGEN INS HINTERTREFFEN – IMPFUNGEN AM ARBEITSPLATZ WICHTIGER BAUSTEIN FÜR DIE IMPFKAMPAGNE (Hans Böckler Stiftung - 07.07.21)


    Wer sind die Ungeimpften? (Max-Planck-Gesellschaft - Studie zur Impfbereitschaft in älteren Risikogruppen in europäischen Ländern - 07.10.21)


    Die hardcore-Impfgegner und "Querdenker" stammen zwar eher aus gutbürgerlichen Millieus, aber die sind nur ein kleiner Teil davon. Viele Ungeimpfte haben wohl andere Gründe dafür, sich nicht pieksen zu lassen.


    Es bringt meiner Meinung nach überhaupt nichts, denen jetzt auch noch pauschal soziale Verantwortungslosigkeit vorzuwerfen und ihnen die Schuld an den explodierenden Fallzahlen in die Schuhe zu schieben, während sich die politische Klasse lieber mit der üblichen Anbiederei an ihre jeweilige Klientel befasst, indem sie die gefühlte Freiheit™ der einen gegen die der anderen ausspielt, als mit einer wirksamen Bekämpfung der Ausbreitung.


    Und natürlich sind es auch nach wie vor häufig die weniger privilegierten abhängig Beschäftigten, die keine Home-Office Möglichkeit haben und nicht mit dem Fahrrad oder dem eigenen Auto zum Dienst am Bruttoinlandsprodukt fahren können, sondern sich beim Pendeln aus Umland und Randbezirken in die Innenstädte im vollgestopften ÖPNV dem Virus aussetzen müssen.


    Aus meiner eigenen - nicht repräsentativen und rein anekdotischen(!) - Beobachtung im "links"-liberalen Umfeld meines Berliner Hipster-Bezirkes sind es jedenfalls eher die gebildeten und sozial privilegierten Geimpften, die sich nach wie vor in relativer Sicherheit wähnen und lustig jede Gelegenheit nutzen, um sich - gerne auch ohne Abstand und Maske - in Kneipen oder auf Wochen- und Flohmärkten ins dichte Gedränge zu begeben.

  • Es bringt meiner Meinung nach überhaupt nichts, denen jetzt auch noch pauschal soziale Verantwortungslosigkeit vorzuwerfen und ihnen die Schuld an den explodierenden Fallzahlen in die Schuhe zu schieben, während sich die politische Klasse lieber mit der üblichen Anbiederei an ihre jeweilige Klientel befasst, indem sie die gefühlte Freiheit™ der einen gegen die der anderen ausspielt, als mit einer wirksamen Bekämpfung der Ausbreitung.


    Und natürlich sind es auch nach wie vor häufig die weniger privilegierten abhängig Beschäftigten, die keine Home-Office Möglichkeit haben und nicht mit dem Fahrrad oder dem eigenen Auto zum Dienst am Bruttoinlandsprodukt fahren können, sondern sich beim Pendeln aus Umland und Randbezirken in die Innenstädte im vollgestopften ÖPNV dem Virus aussetzen müssen.


    Aus meiner eigenen - nicht repräsentativen und rein anekdotischen(!) - Beobachtung im "links"-liberalen Umfeld meines Berliner Hipster-Bezirkes sind es jedenfalls eher die gebildeten und sozial privilegierten Geimpften, die sich nach wie vor in relativer Sicherheit wähnen und lustig jede Gelegenheit nutzen, um sich - gerne auch ohne Abstand und Maske - in Kneipen oder auf Wochen- und Flohmärkten ins dichte Gedränge zu begeben.

    :thumbup:

  • anderer Meinung waren

    Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet.

    Ja, der Spruch ist recht alt aber immer noch aktuell



    Die Teile der Gesellschaft, die dir nicht passen, siehst du nicht als Teil der Gesellschaft?

    Gesunde Organismen führen meist, das was ihnen schadet ab.

  • Inwiefern schadet es Menschen die gegen Covid geimpft sind, wenn andere nicht geimpft sind? Ungeimpfte schaden sich körperlich höchstens selbst.


    Den Schaden tragen die Pflegekräfte, weil sie aus rechtlichen und moralischen Gründen verpflichtet sind, jeden Patienten zu behandeln - auch vermeidbare Patienten, die von sich glauben, dass ihr Körper sehr robust sei. Ich wäre aber offen dafür, innerhalb der aktuellen Krise, von diesem Grundsatz abzurücken. Die Grundannahme muss sein, dass jeder Mensch, der eine Covid19-Impfung ablehnt, auch eine Covid-19-Behandlung ablehnt - es sei denn, er stimmt einer Behandlung ausdrücklich zu. Wer nicht in der Lage ist, sich zu artikulieren, muss vorzeitig entlassen werden bzw. darf gar nicht erst ins Krankenhaus aufgenommen werden. Damit würde die Aussage stimmen, dass Corona-Leugner/Verharmloser frei sind.

  • Man sollte sich erstmal vor Augen führen, wie sich die Ungeimpften zusammensetzen. Etwa 11 M sind Minderjährige, 15 M sind Erwachsene. (Von daher zweifle ich auch etwas an den 50% AFD-Wähler, denn die haben bei der letzten Bundestagwahl 4803902 Zweitstimmen bekommen.)


    Ich denke es gab immer 5%, die eine Impfung von Anfang an kategorisch ausgeschlossen haben. Das sind schonmal 4 M. - Keine Ahnung wie groß der Anteil von Menschen ist, die aus medizinischen Gründen keine Impfung erhalten können. Denke man kann den vernachlässigen. - Konzentriert man sich auf die Erwachsenen, hat man also 11 M, die bleiben. Ich würde schätzen weitere 5% sind im Verlauf des Diskurses ins Ablehnungslager gewandert. Ich denke also nicht, dass mehr als 7 M (15 M - 2 * 4M) Ungeimpfte - aber immerhin etwa 8% der Bevölkerung - sonstige Gründe haben, ohne ein Element von Widerstand.


    Diese Gründe wiederum würde ich im Wesentlichen erstens im fehlenden Zugang zum Angebot sehen, alle Möglichkeiten, die bestehen, sind zu schwierig wahrzunehmen, und zweitens darin, dass man über das Umfeld und die Art der Internetnutzung der Propaganda von Impfgegnern ausgesetzt ist, und keine Informationsquellen hat, die das entkräften. Ein Beispiel wären die unter jungen Frauen kursierenden Warnungen über eine Schädigung der Fruchtbarkeit durch die Impfung.

  • Aus meiner eigenen - nicht repräsentativen und rein anekdotischen(!) - Beobachtung im "links"-liberalen Umfeld meines Berliner Hipster-Bezirkes sind es jedenfalls eher die gebildeten und sozial privilegierten Geimpften, die sich nach wie vor in relativer Sicherheit wähnen und lustig jede Gelegenheit nutzen, um sich - gerne auch ohne Abstand und Maske - in Kneipen oder auf Wochen- und Flohmärkten ins dichte Gedränge zu begeben.


    Die sind ja auch relativ sicher. Warum sollten sie sich zurückhalten, wenn die politischen Signale in die Richtung gehen, dass man die Gesellschaft auf jeden Fall offen halten will?


    Ich muss sagen, mir war auch nicht klar, wie sehr die Maßnahmen zwischenzeitlich zugefahren worden sind. Hab mich wohl von der obligatorischen Maske im Geschäft täuschen lassen.

  • Die sind ja auch relativ sicher. Warum sollten sie sich zurückhalten, wenn die politischen Signale in die Richtung gehen, dass man die Gesellschaft auf jeden Fall offen halten will?

    Ja genau.


    Die politischen Signale sind halt voll und ganz der Aufrechterhatung des Marktgeschehens verschrieben.


    Passt ja auch zu unserer künftigen Regierung mit einem wirtschaftshörigen Technokraten als Aushängeschild und einem marktradikalen Ideologen von der kleinsten Koalitionspartei als Schattenkanzler.

  • Du meinst, die Polen setzen auf eine aktive Durchseuchungsstrategie?

    Kann ich überhaupt nicht einschätzen. Ich fand die polnische Coronapolitik schon immer crazy. Wobei sich in Polen allerdings auch kaum eine harte Linie durchsetzen ließe. Denen ist das Thema in der Breite entweder völlig egal oder ziemlich suspekt. Als meine Freundin da zum Friseur ging, hat sie die komplette Ladung Verschwörungstheorie abbekommen. Auch im Straßenbild sieht man kaum jemanden mit Maske… „no i co?!“

  • Diese Gründe wiederum würde ich im Wesentlichen erstens im fehlenden Zugang zum Angebot sehen, alle Möglichkeiten, die bestehen, sind zu schwierig wahrzunehmen, und zweitens darin, dass man über das Umfeld und die Art der Internetnutzung der Propaganda von Impfgegnern ausgesetzt ist, und keine Informationsquellen hat, die das entkräften. Ein Beispiel wären die unter jungen Frauen kursierenden Warnungen über eine Schädigung der Fruchtbarkeit durch die Impfung.

    Sorry, ich halte diese Idee das der Zugang fehlt für falsch, es gab rein technisch genug Zugang und alle Menschen die es gewollt haben konnten sich impfen lassen...wenn du Gründe suchst dann betrachte nicht einfach die technische Ebene sondern besser auch mal die psychische Ebene...und das in Deutschland laut Armutsbericht 2019 und 2020 etwa 14 Millionen Menschen offiziell in Armut leben(die meisten von denen schon über Jahre und Jahrzehnte)...die Gründe dafür das sich größere Teile der Unterschicht unserer Gesellschaft nicht solidarisch verhalten liegt mMn einfach darin das die Mehrheit dieser Bevölkerung diesen Menschen der Unterschicht gegenüber auch nie solidarisch gewesen ist...und viele dieser Menschen haben sich halt auch schon lange vor Corona weitgehend vom Staat und großen Teilen der Gesellschaft distanziert, einfach auch schon aus rein ökonomischen Gründen, ohne Geld kann man nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben, Menschen die von H4 leben oder im Niedriglohnsektor arbeiten werden dir das öfter bestätigen können.

    Viele dieser Menschen leben daher wie gesagt schon seit Jahrzehnten durch Armut gezwungenermaßen in einer Art "Lockdown"...etwas das für viele Menschen der Mittelschicht und Oberschicht jetzt in der Corona Zeit eine Zumutung ist...ist für diese Menschen schon lange die Normalität.

    Und durch diese schon lange anhaltende Ausgrenzung und Armut werden diese Menschen z.B. auch öfter krank (sowohl psychisch als auch physisch) und sterben eher, da hat sich die Mehrheit der Gesellschaft früher auch nie für interessiert und sich solidarisch mit diesen Menschen gezeigt.

    Die Frage die sich mir stellt ist, warum sollten diese Menschen die nie Solidarität bekommen haben jetzt ein Interesse daran haben solidarisch zu sein?

  • ...die Gründe dafür das sich größere Teile der Unterschicht unserer Gesellschaft nicht solidarisch verhalten liegt mMn einfach darin das die Mehrheit dieser Bevölkerung diesen Menschen der Unterschicht gegenüber auch nie solidarisch gewesen ist...und viele dieser Menschen haben sich halt auch schon lange vor Corona weitgehend vom Staat und großen Teilen der Gesellschaft distanziert, einfach auch schon aus rein ökonomischen Gründen, ohne Geld kann man nicht am gesellschaftlichen Leben Teil haben, Menschen die von H4 leben oder im Niedriglohnsektor arbeiten werden dir das öfter bestätigen können.

    Viele dieser Menschen leben daher wie gesagt schon seit Jahrzehnten durch Armut gezwungenermaßen in einer Art "Lockdown"...etwas das für viele Menschen der Mittelschicht und Oberschicht jetzt in der Corona Zeit eine Zumutung ist...ist für diese Menschen schon lange die Normalität.


    Und durch diese schon lange anhaltende Ausgrenzung und Armut werden diese Menschen z.B. auch öfter krank (sowohl psychisch als auch physisch) und sterben eher, da hat sich die Mehrheit der Gesellschaft früher auch nie für interessiert und sich solidarisch mit diesen Menschen gezeigt.

    Die Frage die sich mir stellt ist, warum sollten diese Menschen die nie Solidarität bekommen haben jetzt ein Interesse daran haben solidarisch zu sein?


    Fühl Dich gedrückt, Bratan!

  • Ich habe bei der ersten Lockdown-Welle noch gesagt, vergesst nicht die Leute die schon vorher Lockdown hatten, die nach dem Lockdown nicht ins Kino gehen, nicht im Biergarten sitzen oder im Urlaub, keine Konzerte, Theater, Pizza/Eis in der Stadt beim flanieren ... nix.


    Aber mit der Ampel und ihrer 30 Euro Erhöhung (weit unterhalb der Inflationsrate, also eigentlich ein MINUS bei den aktuellen Preisen) - da erwarte ich keine Hilfe oder Solidarität - ehr noch mehr Druck.

  • Ich gehe davon aus, dass die Leute im Prinzip ausreichend motiviert sind. Im Sinne davon, dass sie Impfstoff als Eigenschutz oder möglichen Schutz von Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung verstehen. Das ist dann keine Frage von Solidarität mit der Gesellschaft. Es hat nur keine hohe Priorität.


    Sorry, ich halte diese Idee das der Zugang fehlt für falsch, es gab rein technisch genug Zugang und alle Menschen die es gewollt haben konnten sich impfen lassen...wenn du Gründe suchst dann betrachte nicht einfach die technische Ebene [...]


    Einen Termin in einem Impfzentrum buchen oder zu einem Hausarzt gehen zu müssen, das ist für manche Menschen kein Zugang.

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