Der SARS-CoV-2-Thread

  • Ganz normale Leute mit 0 Fachwissen erklären einer Intensivkrankenpflegerin, warum die ganzen Leute, die sie in den letzten zwei Jahren behandelt, und zum Teil in Leichensäcke gepackt hat, eigentlich gar nicht an, sondern allenfalls mit Corona beatmet wurden und gestorben sind.



    Aber mit Verschwörungstheoriedenken hat das natürlich nichts zu tun.

  • Ganz normale Leute mit 0 Fachwissen erklären einer Intensivkrankenpflegerin, warum die ganzen Leute, die sie in den letzten zwei Jahren behandelt, und zum Teil in Leichensäcke gepackt hat, eigentlich gar nicht an, sondern allenfalls mit Corona beatmet wurden und gestorben sind.



    Aber mit Verschwörungstheoriedenken hat das natürlich nichts zu tun.

    Diese Selbstgefälligkeit. Faszinierend.

  • Ansonsten hatte schon ein andere Meldung aus Israel über die Probleme mit Delta mein Misstrauen erweckt.


    Die Idee, dass es ein Problem beim Schutz gegen Delta in Israel gibt, hat einer genaueren statistischen Analyse der Daten, wie sie auch in der Studie verarbeitet wurden, nicht standgehalten:


    https://www.covid-datascience.…spitalized-are-vaccinated


    Sobald man das Alter einbezieht - die Gruppe der älteren Menschen hat die höchste Impfabdeckung und die größte Wahrscheinlichkeit für eine Hospitalisierung - sieht man, dass die Wirksamkeit weiterhin hoch ist.

  • In Nachtweys Studie landet man mit dieser Antwort bei den Verschwörungstheoretikern und somit in einem Topf mit irgendwelchen Hohlköpfen und Flacherdlern, mit der Folge, dass nicht nur Nachtwey einen - ich kürze das jetzt etwas ab - in einer „anderen Wirklichkeit“ verortet und vom demokratischen Diskurs ausschließt.


    Das ist jetzt aber schon fast wieder lustig, @Syd.


    Du hast gestern noch selbst die Leute aus dem Video mit der Intensiv-Schwester als Spinner und Hohlköpfe bezeichnet. (wurde dann leider gelöscht, so dass ich es nicht mehr zitieren kann.)


    Ich hingegen habe die Bezeichnung "ganz normale Leute" durchaus ernst gemeint.


    Das sind keine verrückten oder geistig minderbemittelten Menschen. Aber Leute wie Du und Deine bevorzugten Stichwortgeber von der organisierten Gegenaufklärung haben ihnen durch stetige Wiederholung völlig verrückte, kollektive Vorstellungen von "größeren Zusammenhängen" in die Köpfe gesetzt, von denen sie sich selbst von Leuten nicht mehr abbringen lassen, die mit Fachkenntnissen und praktischer Berufserfahrung argumentieren, weil man ihnen - so wie Dir - beigebracht hat, hinter jeder schiefen Zahl, jeder unsauberen Formulierung, und jeder unbedachten Äußerung die finsteren Pläne einer Eliten-Verschwörung gegen ihre bürgerlichen Freiheitsansprüche zu vermuten.

  • Disclaimer: Es gab mal einen regelmäßigen User der sich S.Y.D. nannte. Leider bin ich daher zunächst dem Irrtum aufgesessen, es handele sich bei der neuesten Tarnidentität unseres ewigen Forentrolls tatsächlich um eine andere Person und habe mich auf eine erntshafte Diskussion mit ihm eingelassen .


    "Denunziert" hat sich unser verlogener Heuchler @Syd allerdings - wie immer - selbst.

  • Niemand sonst, den ich kenne, ist in der Lage oder gibt sich die Mühe einen grausam verschwurbelten Soziologentext von 13 Seiten in ein paar Abschnitten zusammenzufassen. Der alte Affe kann das.

    Ja, und leider hast du die Kompetenz und Gutmütigkeit unseres (manchmal etwas aufbrausenden) Affen schamlos für deine Zwecke missbraucht und schmierst ihm jetzt verlogen Honig ums Maul, und mich wieder mit reinziehen in deinen Wahnsinn. Hatte mir schon gedacht, dass du es bist, als du die Patientenakte der unter 50 jährigen sehen wolltest. Machs gut Dicker :*

  • Disclaimer: Es gab mal einen regelmäßigen User der sich S.Y.D. nannte. Leider bin ich daher zunächst dem Irrtum aufgesessen, es handele sich bei der neuesten Tarnidentität unseres ewigen Forentrolls tatsächlich um eine andere Person und habe mich auf eine erntshafte Diskussion mit ihm eingelassen .


    "Denunziert" hat sich unser verlogener Heuchler @Syd allerdings - wie immer - selbst.

    Ach. War ja doch trotzdem mal wieder ein interessanter Reminder, wie wenig er aus seiner Haut raus kann, wie substanzlos sein Aktivismus ist und wie begrenzt seine Taschenspielertricks das letztendlich kaschieren können. 😊

  • Ich hingegen habe die Bezeichnung "ganz normale Leute" durchaus ernst gemeint.


    Das sind keine verrückten oder geistig minderbemittelten Menschen. Aber Leute wie Du und Deine bevorzugten Stichwortgeber von der organisierten Gegenaufklärung haben ihnen durch stetige Wiederholung völlig verrückte, kollektive Vorstellungen von "größeren Zusammenhängen" in die Köpfe gesetzt, von denen sie sich selbst von Leuten nicht mehr abbringen lassen, die mit Fachkenntnissen und praktischer Berufserfahrung argumentieren, weil man ihnen - so wie Dir - beigebracht hat, hinter jeder schiefen Zahl, jeder unsauberen Formulierung, und jeder unbedachten Äußerung die finsteren Pläne einer Eliten-Verschwörung gegen ihre bürgerlichen Freiheitsansprüche zu vermuten.

    Hier würd ich gerne mal einhaken, weil ich finde, dass viele gute Stichworte gefallen sind. Ich denke auch nicht, dass jeder, der irgendeiner Verschwörungstheorie anhängt irgendwie "dumm" ist. Aber um gewisse Dinge glauben zu können (z.B. Corona ist irgendwie ne Gates-Verschwörungsnummer) muss schon ein gehöriges Maß an Unbildung herrschen. Das frappierende ist, meiner Ansicht nach kann beides gleichzeitig herrschen: Informiertheit und Unbildung. --- Wie denn das? Ich hab oft mit Leuten diskutiert, die irgendwelches Zeug glauben, was man einfach unter Blödheit oder eben Verschwörungstheorie verbuchen könnte. Was allen gemeinsam war, ist, dass sie zu kleinteiligen Einzelheiten ihres Themas nicht mal unbedingt sooo schlecht informiert waren es aber gleichzeitig daran mangelt diese Informationen -sinnvoll- in (eben jene) "größeren Zusammenhänge" einzuordnen. Der springende Punkt ist, dass es, wenn wir ehrlich sind, eine ganze Menge Bildung braucht, um einschätzen zu können, was eigentlich denkbar ist und was nicht. Ich gebe ein Beispiel: Es gibt Verschwörungstheoretiker, die glauben, dass Bill Gates oder Jeff Bezos bei Corona "irgendwie" die "Finger drin haben". Wie so eigentlich immer Gates, oder Bezos? Weil es sich -im Bäumchen-Wechsel-Dich-Spielchen- um die reichsten Menschen der Welt handelt und mit viel Geld auch viel Macht verbunden ist. Das ist ein Zusammenhang den kennt fast jeder auch aus seinen täglichen Zusammenhängen. Dann "drehen" diese Leute auch immer ein "sehr großes Rad", will sagen, sie sind in den unterschiedlichsten Gebieten "aktiv", unterhalten Stiftungen und so weiter und äußern sich auch oft zu vielen Themen. Und zu allem Überfluss ist noch zu beobachten, dass sie von "Zuständen" profitieren. Das ungeheure Missverständnis, das dann passiert, ist, dass dieser Zustand konspirativ erklärt wird: dem Menschen, der Organisation oder der Nation wird der "erklärende Teil" der Erzählung zugeordnet, er wird ins Zentrum des "Problems" gesetzt. Rein formell passt dann alles: Man hat einen Zustand, von dem jemand profitiert. Die Logik, dass ein machtvoller Profiteur eines Zustandes, diesen Zustand auch herbeigeführt hat (oder zentral daran beteiligt war) liegt auf der Hand. Das Problem von Verschwörungstheoretikern liegt meiner Ansicht nach nun darin, dass diese Menschen sich den jeweiligen Zustand tatsächlich mit dem "bösen" oder "gierigen" "Willen" einer Einzelperson erklären können. Das Missverständnis beginnt beim Einordnen der Beobachtung in größere Maßstäbe. Es ist eben unfassbarer Quatsch, Einzelpersonen, Personengruppen, Organisationen oder Staaten, die Macht diesen Zustand herbei zu führen, zu zu sprechen. Man muss auf vielen Gebieten wirklich wenig verstanden haben um zu ernsthaft zu glauben, dass Jeff Bezos oder Bill Gates oder irgendjemand sonst, weil sie so reich und einflussreich sind, tatsächlich die Macht zu so etwas hätten. Wer von politischen Systemen, von Recht und von Ökonomie genug verstanden hat um Probleme im Weltmaßstab zu begreifen, der kann eine so einfach gestrickte Logik nicht glauben. Es ist ja paradox, Verschwörungstheoretiker (im gesellschaftspolitischen Bereich) sehen das (ein) Problem ja nicht als zu groß, sondern als zu klein an. Viele Verschwörungstheorien kommen trotz ihrer eingliedrigen Erzählstruktur immer mit apokalyptischem Gestus daher. Dass ein Zustand, der aus der inneren Logik der Struktur (also aus Abermillionen Einzelentscheidungen, die nach gewissen Interessenlagen getroffen und in gewissen juristischen Bahnen verläuft, die wiederum Resultat gesellschaftlicher Verhandlungen unter Interessenlagen ist) hervor gebracht wird, deutlich bedrohlicher ist, als die Verschwörung Einzelner, ist dabei eine der Paradoxien (sämtliche Konspirationen, Regelwidrigkeiten, etc, die ja tasächlich vorkommen, sind dann zwar empörend, aber lediglich statistischer Kleinkram).


    Ich will noch einmal von einer anderen Seite her erklären was ich meine. Dieses simplifizierte, eingliedrige Denken gibt es nach meiner Wahrnehmung auch in anderen Bereichen. Dort würde man es aber nicht Verschwörungstheorie nennen - vielleicht, weil die Erklärung ein positives Szenario entwirft oder weil sie besser andockfähig ist, da sie sich besser in bestehende Weltbilder einfügt oder einfach, weil die Motive besser sind. Ich will diese Theorien "Versöhnugnstheorien" nennen. Was meine ich? Zum Beispiel manche Vorstellungen, die in der Klimadebatte vorgetragen werden. Auch hier werden erschreckend einfache Denkmuster genutzt um scheinbare "Lösungen", zur Modellierung der Welt, anzubieten. Die Erzählung, zum Beispiel, wir (also der westlich industrialisierte Teil der Welt) könnten das Klima retten, indem wir die Ökonomie, die da ist, ins Grüne hinein umbauen, mutet für mich ähnlich dämlich und eingliedrig an, wie so manche Verschwörungstheorie. Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin bei diesen Einzelforderungen immer dabei, es geht auch nicht darum, ob etwas gut oder wünschenswert ist, sondern darum, ob die projizierten Maßnahmen, tatsächlich die Qualität haben um im Weltmaßstab (also im großen Zusammenhang), die Veränderung herbei zu führen, die ich beabsichtige.

    Auch hier wird meiner Ansicht nach die innere Logik des Problems nicht bedacht. Ein heruntergebrochenes Beispiel: die Vorstellung etwas für das Klima getan zu haben, wenn z.B. in Deutschland 42 Mio. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in den -sagen wir- nächsten 30 Jahren, durch 42 oder 44 Mio Elektrofahrzeuge (der Energieträger ist eigentlich egal) ersetzt werden, mutet irgendwie rührend naiv an. Es kann natürlich sein, dass es mein eigener Dogmatismus mich hier behindert, oder, dass meine Skepsis meiner Unwissenheit geschuldet ist (weil ich Technologien nicht kenne oder deren Effektivität verkehrt einschätze). Ich formuliere auch bewusst offensiv. Aber, wenn ich versuche vernünftig über die Dimension -Klima- nachzudenken, komme ich nicht umhin, anzuerkennen, dass es nicht einmal um die verwendete Technologie geht ( zu mindest bei dem was an Technik da ist, also z.B. Windkraft statt Kohle, oder Elektroauto statt Verbrenner,...) sondern schlicht um die Menge - um in der Struktur zu argumentieren: es geht ums Lebensmodell. Ich fand den Begriff der "Stoffumwandlung", den Prof. Schellnhuber im Jung und Naiv Interview verwendet hat, da sehr passend. Die Vorstellung in einer kapitalistischen Wachstumswirtschaft, die als Legitimation und inneren Antrieb, immer mehr an Stoffumwandlung benötigt (einerseits, legitim, um Teile der Menschheit an lebensnotwendige Infrastruktur anzubinden andererseits aber auch aus dem dynamischen Antrieb des "Modells" heraus selbst - kennt ihr noch eine Person unter 40, die kein Smartphone besitzt? Oder irgendjemanden, der nicht gerne verreist?) beim jetzigen Stand der Technik, etwas Sinnvolles in Bezug aufs Klima erreichen zu können, kommt mir einfach abwegig vor. Klar, man kann das als Utopie denken, das ist nur leider genauso eindimensional und ignoriert die Dynamik der Struktur von Wirtschaft - Politik - Recht, wie es so manch anderer "einfacher" Welterklärungsveruch an anderer Stelle tut. Das bedeutet nicht, dass diese Maßnahmen nicht zu unterstützen wären. Aber es bedeutet, anzuerkennen, dass diese Maßnahmen bestenfalls geeignet sind, die Situation langsamer zu verschlimmern.


    Daher, ich finde schon, dass einfache Erklärungsmuster, die sich in abwegigen Theorien äußern, anzeigen, dass die Person entweder massive Bildungsmängel hat und sich daher gewisse Dinge vorstellen kann (oder nicht vorstellen kann), oder, dass die Person direkte Interessen verfolgt (um diesen Erklärungsversuch ging es mir aber hier gerade nicht). Das klingt viel Schlimmer als es gemeint ist. Ich finde wirklich, dass es unheimlich viel verlangt ist, das alles einschätzen zu können. Es ist daher moralisch völlig unbedenklich, wenn jemand Unsinn glaubt, weil er Dinge nicht einschätzen kann. Schwierig, wird es, wenn die realen Umstände es verlangen, dass "ganz normale Leute" das alles einschätzen können müssen. In der Klimafrage ist das sicherlich eher der Fall, als bei der Frage was jemand über die "Bilderberger" denkt, bei Letzterem entscheidet dummes Geschwätz in Konsequenz eben nicht über den Fortbestand der Zivilisation...

  • Dass ein Zustand, der aus der inneren Logik der Struktur (also aus Abermillionen Einzelentscheidungen, die nach gewissen Interessenlagen getroffen und in gewissen juristischen Bahnen verläuft, die wiederum Resultat gesellschaftlicher Verhandlungen unter Interessenlagen ist) hervor gebracht wird, deutlich bedrohlicher ist, als die Verschwörung Einzelner, ist dabei eine der Paradoxien (sämtliche Konspirationen, Regelwidrigkeiten, etc, die ja tasächlich vorkommen, sind dann zwar empörend, aber lediglich statistischer Kleinkram).

    Absolut richtig!


    Und genau deshalb rege ich mich so maßlos über Leute auf, die anderen Leuten in den Kopf setzen, das sei alles nur das Resultat der bösen Handlungen böser Menschen.

  • Das für mich treffendste Argument dagegen dass Bildung der entscheidende oder sogar dann lösende Faktor ist, ist die Homöopathie und deren Massen an Anhängern im Bildungsbürgertum.

    Als ich den Text geschrieben habe, musste ich natürlich auch sofort an Homöopathie denken. "Natürlich", weil ich mich jetzt mal outen muss, es ist noch gar nicht soo lange her, da hätt ich, darauf angesprochen, wahrscheinlich auch geantwortet: ist vielleicht gar nicht so verkehrt. Aber weniger aus einem Eifer heraus, als aus einer scheinbaren eigenen Erfahrung heraus. Mein Bruder hatte, als er klein war eine Erkrankung, die länger nicht in den Griff zu kriegen war. Irgendwann wurden auch homöopathische Sachen probiert, irgendwann is die Sache abgeklungen. Daraus hatte sich bei mir ein "diffuses Gefühl" von Wirksamkeit dieser "Behandlung" eingeprägt. Später, mit Fakten konfrontiert, musste ich schnell einsehen, dass ich an dieser Stelle Kausalität und Korrelation verwechselt habe. Passiert. Andauernd. Dies ist einer der Erklärstränge. Ein anderer ist, dass "Bildung" ein ziemlich abstrakter Begriff ist - deshalb eignet er sich ja auch so gut um über strukturelle Dinge zu sprechen. "Bildung" würde ich meinen, umfasst z.B. auch "soziale Bildung". Damit meine ich das Sozialgefüge in dem ich lebe. Wenn dieser Kontext stark von bestimmten Meinungen geprägt ist, ist es umso schwieriger außerhalb dieses Zusammenhangs zu denken. Und ganz allgemein, "Bildungsbürgertum" - der Begriff ist letztlich recht formal. Fest gemacht am Abschluss mit gewissem statistisch messbarem Zusammenfallen eines höheren Haushaltseinkommens. Aber, der Fakt, dass formale Bildung vorhanden ist, rechtfertigt nicht unbedingt die Aussage, dass jemand tatsächlich gelernt hat, zu denken. Ich behaupte es ist ein eklatantes Problem unseres Bildungssystems mit Nichten "die Besten" hervor und in die richtigen Positionen zu bringen. Ich kenne ne Menge Leute, die haben keine formale Bildung, können aber sehr wohl denken. Und umgekehrt laufen die Allerorten rum, einer der "Endlagerpunkte" ist leider häufig die Politik - und da kommt dann öfter raus, dass es nicht mal mit der formalen Bildung weit her ist... --- Mit all dem wollt ich nur sagen: dass man statistisch messen kann, dass viele Leute, die Zauberbohnen für Medizin halten, einen formal hohen Bildungsabschluss haben, erlaubt nicht den Rückschluss, dass "Bildung" nicht doch gegen Blödheit schützt...

  • Mit all dem wollt ich nur sagen: dass man statistisch messen kann, dass viele Leute, die Zauberbohnen für Medizin halten, einen formal hohen Bildungsabschluss haben, erlaubt nicht den Rückschluss, dass "Bildung" nicht doch gegen Blödheit schützt...

    Ich würde sagen Bildung ist oft (aber nicht immer) eine nötige Bedingung, um nicht jeden Blödsinn zu glauben - aber eben keine hinreichende.


    Eine Menge sehr gebildeter Leute glauben z.B. dass Ökonomik eine exakte Wissenschaft sei, weil sie mit komplizierter Mathematik arbeitet.

    Allerdings braucht man kein VWL-Studium absolviert zu haben, um zu erkennen, dass das Geschwätz von prominenten ÖkonomInnen oft den Strom nicht wert ist, den es braucht, um es online zu veröffentlichen.

  • Ich würde sagen Bildung ist oft (aber nicht immer) eine nötige Bedingung, um nicht jeden Blödsinn zu glauben - aber eben keine hinreichende.


    Eine Menge sehr gebildeter Leute glauben z.B. dass Ökonomik eine exakte Wissenschaft sei, weil sie mit komplizierter Mathematik arbeitet.

    Allerdings braucht man kein VWL-Studium absolviert zu haben, um zu erkennen, dass das Geschwätz von prominenten ÖkonomInnen oft den Strom nicht wert ist, den es braucht, um es online zu veröffentlichen.

    Vollkommen einverstanden :thumbup:

  • Als ich den Text geschrieben habe, musste ich natürlich auch sofort an Homöopathie denken. "Natürlich", weil ich mich jetzt mal outen muss, es ist noch gar nicht soo lange her, da hätt ich, darauf angesprochen, wahrscheinlich auch geantwortet: ist vielleicht gar nicht so verkehrt. Aber weniger aus einem Eifer heraus, als aus einer scheinbaren eigenen Erfahrung heraus. Mein Bruder hatte, als er klein war eine Erkrankung, die länger nicht in den Griff zu kriegen war. Irgendwann wurden auch homöopathische Sachen probiert, irgendwann is die Sache abgeklungen. Daraus hatte sich bei mir ein "diffuses Gefühl" von Wirksamkeit dieser "Behandlung" eingeprägt. Später, mit Fakten konfrontiert, musste ich schnell einsehen, dass ich an dieser Stelle Kausalität und Korrelation verwechselt habe. Passiert. Andauernd. Dies ist einer der Erklärstränge. Ein anderer ist, dass "Bildung" ein ziemlich abstrakter Begriff ist - deshalb eignet er sich ja auch so gut um über strukturelle Dinge zu sprechen. "Bildung" würde ich meinen, umfasst z.B. auch "soziale Bildung". Damit meine ich das Sozialgefüge in dem ich lebe. Wenn dieser Kontext stark von bestimmten Meinungen geprägt ist, ist es umso schwieriger außerhalb dieses Zusammenhangs zu denken. Und ganz allgemein, "Bildungsbürgertum" - der Begriff ist letztlich recht formal. Fest gemacht am Abschluss mit gewissem statistisch messbarem Zusammenfallen eines höheren Haushaltseinkommens. Aber, der Fakt, dass formale Bildung vorhanden ist, rechtfertigt nicht unbedingt die Aussage, dass jemand tatsächlich gelernt hat, zu denken. Ich behaupte es ist ein eklatantes Problem unseres Bildungssystems mit Nichten "die Besten" hervor und in die richtigen Positionen zu bringen. Ich kenne ne Menge Leute, die haben keine formale Bildung, können aber sehr wohl denken. Und umgekehrt laufen die Allerorten rum, einer der "Endlagerpunkte" ist leider häufig die Politik - und da kommt dann öfter raus, dass es nicht mal mit der formalen Bildung weit her ist... --- Mit all dem wollt ich nur sagen: dass man statistisch messen kann, dass viele Leute, die Zauberbohnen für Medizin halten, einen formal hohen Bildungsabschluss haben, erlaubt nicht den Rückschluss, dass "Bildung" nicht doch gegen Blödheit schützt...

    Ein Problem, das ich oft anspreche, die Unschärfe in der Sprache bzw in der Verwendung von einzelnen Begriffen, insbesondere wenn sie als eine Art Schlagworte oder Kampfbegriffe verwendet werden.


    Mit dem Wort Bildung habe ich auch ähnliche innere "Kämpfe" schon geführt. Ich stimme dir da im wesentlichen denke ich zu, glaube aber dass wir nen neuen oder besseren Begriff benötigen. Spontan fällt mir sowas wie Kompetenz ein.

    Ich denke für die aller meisten Leute ist Bildung das, was die Schule und Uni macht. Und genau das wird dann auch unter "Bildung" verstanden. Wenn man also dahin will, auch eine Forderung aus der Erkenntnis formulieren zu können, welche auch zu möglichst gewünschten Veränderungen führt, brauchts hier nen anderen Begriff als "Bildung". Denn mit "Bildung" löst man denke ich in der breiten Bevölkerung und vor allem in einer politischen Diskussion nur die Behandlung des Themas Schule, Uni und Ausbildung und vllt noch Kindergarten aus.

  • Ein Problem, das ich oft anspreche, die Unschärfe in der Sprache bzw in der Verwendung von einzelnen Begriffen, insbesondere wenn sie als eine Art Schlagworte oder Kampfbegriffe verwendet werden.


    Mit dem Wort Bildung habe ich auch ähnliche innere "Kämpfe" schon geführt. Ich stimme dir da im wesentlichen denke ich zu, glaube aber dass wir nen neuen oder besseren Begriff benötigen. Spontan fällt mir sowas wie Kompetenz ein.

    Ich denke für die aller meisten Leute ist Bildung das, was die Schule und Uni macht. Und genau das wird dann auch unter "Bildung" verstanden. Wenn man also dahin will, auch eine Forderung aus der Erkenntnis formulieren zu können, welche auch zu möglichst gewünschten Veränderungen führt, brauchts hier nen anderen Begriff als "Bildung". Denn mit "Bildung" löst man denke ich in der breiten Bevölkerung und vor allem in einer politischen Diskussion nur die Behandlung des Themas Schule, Uni und Ausbildung und vllt noch Kindergarten aus.

    Hmm, also das wollte ich damit eigentlich gar nicht ausdrücken. Ich denke nicht, dass wir in dem Bereich neue Begriffe benötigen, man kann den Bildungs-Begriff ja sehr gut spezifizieren - nur muss man es auch tun. Der Kompetenz-Ansatz wird, ja im Grunde verfolgt. Meines Wissens nach gibt es in dem Bereich mittlerweile sogar wieder eine Rückbesinnung. Die unsäglichen Bologna-Reformen betrafen ja den kompletten Bildungsbereich - in dem Zuge fand auch eine Verschiebung hin zu "Kompetenzen" statt. Man kann es aber auch so nennen, ich denk das ist gar nicht so erheblich.Erheblich wäre meiner Ansicht nach, dass wir Bildung ganz anders denken und organisieren müsste. Ich hab natürlich kein fertiges Konzept in der Tasche, aber grobe Linien kann man ja zeichnen. Ich denke z.B. dass Bildung länger dauernd dürfen muss. Der Druck möglichst schnell "fertige" Handwerker, Sozialarbeiter, Wissenschaftler,... zu "produzieren" ist idiotisch und liefert schlechte Ergebnisse und ist dem materiellen Wohlstandsniveau überhaupt nicht angemessen. Bildung muss viel stärker und langfristiger finanziert werden, prekäre Beschäftigungsformen müssen ein Ende haben. Drittmitteleinwerbungen an Unis müssen aufs Ärgste begrenzt sein, ein Gesamtschulsystem wäre wünschenswert. Insgesamt geht es darum, Bildung "kompletter" zu denken - Bildung ist meiner Ansicht nach nicht der Erwerb von Wissen. Bildung ist die Fähigkeit zu selbstständigem Denken, zu rationaler Abwägung und zur sinnvollen Verarbeitung von Information und damit die Fähigkeit sich ein begründetes Urteil über etwas bilden zu können. Und so sollte sie auch vorrangig behandelt werden; als sinnvoller Selbstzweck, der lange dauern kann und auch mit der Persönlichkeitsentwicklung zu tun hat. Bildung "als Selbstzweck" zu betrachten, heißt nicht, dass sie es ist. Ich bin sicher, dass eine möglichst umfassende Bildung in Sinne von "sich eine Meinung bilden können" konstitutiv für eine Demokratie ist...



    @ Steff. Na gut, ich finde dein Beispiel gar nicht schlecht gewählt, aber deine Prioritätensetzung ist eigenartig. Das Entscheidende ist doch nicht der Vorgang "des Herunterladens". OK, ich muss schon mal wissen, dass ich etwas finden kann, vielen ist das bestimmt nicht mal so klar. Aber entscheidender ist doch, dass ich erstens, noch bevor ich irgendetwas mit der Information tue, einschätzen kann, ob die Quelle, die ich nutze mir eine gute Information liefern kann - das hat viel mit "Medienkompetenz" zu tun, aber auch viel mit Bildung. Es braucht viele "geordnete Informationen über die Welt" um ein begründetes Urteil zu etwas abgeben zu können. Und das selbe gilt für "danach". Das Interessante ist ja wohl nicht, dass ich die Tabelle runterladen kann, sondern, dass ich etwas mit dem Inhalt anzufangen weiß - dass ich Informationen sinnvoll verarbeiten und mir auf Basis meiner sonstigen "Bildung" ein begründetes Urteil bilden kann... -- Kann irgendwie nicht sehen, was eine Neubenennung nach "Kompetenzen" letztlich bringen sollte. Es kann doch nicht darum gehen nur die Begriffe zu ändern, wir sollten die Praxis ändern...

  • Hmm, also das wollte ich damit eigentlich gar nicht ausdrücken.

    Ich glaube da reden wir grad irgendwie aneinander vorbei. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass du die von mir angesprochene Unschärfe ausdrücken wolltest. Meine Zustimmung bezog sich auch nicht darauf, da ich den Punkt ja garnicht gemacht habe, sondern auf deine Beschreibung dessen was du eher unter Bildung verstehst und verstanden haben möchtest. Darauf dann eben nur meine Erwiderung, dass ich denke in der breiten Masse wird der Begriff eben gerade nicht so verstanden und soweit ich es mit bekomme auch schon garnicht in politischen Diskussionen.


    Mir gehts auch nicht darum Begriffe zu ändern. Zumindest dann nicht, wenn das als der Zweck verstanden wird. Ich sehe es nur so, wenn unter dem Begriff "Bildung" von den meisten Leuten etwas anderes verstanden wird als das was du damit ausdrücken willst, dann kannst du entweder Energie darauf verwenden diese Ansicht zu verändern, also über einen in dem Fall meist langwierigen Prozess ein neues Verständnis und eine allgemein verwendete "neue" Definition (Achtung Wortspiel) zu bilden. Oder du suchst und verwendest direkt nen, für das was du mit dem Begriff beschreiben möchtest, passenderen Begriff.


    Kompetenz mag da auch nicht der richtige sein, ka. War mir nur spontan in den Sinn gekommen, denn er umfasst sowohl die Fähigkeit, was Wissen und Handwerk (dessen Vermittlung großteils als das was Bildung tut verstanden wird) beschreibt, aber auch die Möglichkeit, im Sinne von Struktur, Position, Willen, Umfeld beinhaltet. Das jetzt sicher auch ne sehr spontane und lockere Beschreibung, ich will mich da auch ganich drauf festlegen.


    Ich sehe einfach schlicht nen Problem mit dem Begriff Bildung, zumindest in der Form in der er aktuell primär verwendet wird. Aber jetzt vllt auch nicht mehr so ganz der richtige Ort für diese Diskussion.

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