HANS JESSEN SHOW - Deine Politiksprechstunde

  • Morgen wollen wir eine niveauvolle Diskussion über Israel & Palästina mit euch führen. Hans begrüßt dafür im Studio den jüdischen Israeli und Philosophen Omri Boehm. Wer Omri noch nicht kennt, möge sich das Interview (Folge 468) mit ihm anschauen



    ab 19 Uhr LIVE. Ihr habt Fragen an Omri zum Nahostkonflikt etc? Ihr wollt darüber diskutieren? Bewerbt euch!

    Großartig investierte Zeit!


    Viele Einsichten zu Israel vs Palästinenser die man sonst so nicht hört.

    Eine meiner Lieblingsstellen war die Atwort auf den jungen Mann der wissen wollte wie man Proteste gegen canceling immunisierren kann.

    Boehm (sehr frei): Ein Vorlesungseinstieg von mir war "This is not a safe space..." Frage ist bei 3:10:00 Antwort etwa eineinhalb MInuten später.

    Das Leben ist keine Nudelsuppe, man muß auch mal beißen können.



    Geplauder am Ende: Omri hat er als Lieblingssport "horseback riding" angegeben, da musste ich an Michael McIntyre denken.

  • "Das Land hat immer die Politiker, die es verdient."

    So einleuchtend der Satz erstmal klingen mag, so erschütternd destruktiv ist er.


    Aber stimmt er auch wirklich?


    Jeder, der sich mal in einer Partei engagiert hat, wird wissen, welche Mühlen da mahlen und welche Charaktere am Ende zur Wahl übrig bleiben.


    Vielleicht könnte man mal darüber nachdenken, ob Parteien mehr reguliert werden sollten. :)

  • Ich verstehe sollte Sätze nicht, weil sie immer von der Integrität des politischen Systems ausgehen. Ich denke, dass das nicht der Fall ist, das es dabei einige Probleme gibt. Damit meine ich aber nicht, dass wir es mit Wahlmanipulation zu tun haben, sondern das sieht man schon an ganz einfachen Fakten wie z. B. Koalitionszwang, ständige Kompromisfindung bis zur Deformation von der ursprünglichen Politik oder auch die Ungebundenheit der Politiker, die ja nur ihrem Gewissen verpflichtet sind, der starke Einfluss der Lobbyisten, Drehtüreffekt, Spenden, das herrschende politische Spektrum der Möglichkeiten usw.


  • 17. August, ab 20 Uhr LIVE


    Neue Ausgabe der HANS JESSEN SHOW mit Soldat Marcus Grotian. Er war selbst in Afghanistan stationiert, in Kundus, und hat das "Patenschaftsnetzwerk für Afghanische Ortskräfte" gegründet. Marcus will denen helfen, die vorher den Deutschen geholfen haben. Grotian und seine Mitstreiter organisieren auf eigene Faust die Hilfe für die Ortskräfte - und das gefällt nicht jedem in der Bundeswehr.


    Außerdem (hoffentlich) zu Gast im Studio: Afghanistan-Experte Thomas Ruttig


    Ihr wollt mit Marcus und Thomas über die Situation in Afghanistan reden? Bewerbt euch via Whatsapp oder Telegram (max. 5 Zeilen oder 20 Sek Audionachricht): 0152/590 13 700 | Alternativ per Email: hansjessenshow@jungundnaiv.de | Wir melden uns dann zurück!


    Bitte unterstützt die HANS JESSEN SHOW finanziell:

    Konto: Jung & Naiv

    IBAN: DE854 3060 967 104 779 2900

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    PayPal ► http://www.paypal.me/JungNaiv

  • Hatte heute, wie wahrscheinlich viele andere auch, versucht, das Patenschaftsnetzwerk zu erreichen.
    Hat Marcus eineneTipp, wie das am Besten geht?


    Es geht um einen Fall einer afghanischen Politikerin, die sich den Taliban in Masar-e Scharif entgegen gestellt hat und nun versucht, aus Afghanistan zu fliehen und in akuter Lebensgefahr schwebt...

    Ich hatte die Hoffnung, einen Tipp zu bekommen, was sie nun tun kann...

    Hatte dazu heute Mittag eine eMail an info@patenschaftsnetzwerk.de geschrieben, bekam aber kein Feedback. Nehme an, wegen übergroßer Auslastung.
    Gruß aus Dortmund.

  • Sehr intensive, wichtige Folge. Ein Zeitzeugnis. Danke.

  • Dass die Lage ein heißer, dampfender Haufen ist, haben die beiden Kameraden ausreichend klar gemacht.



    Zwei Anmerkungen, hauptsächlich für Tilo und hansj. ,vielleicht auch Aufgaben:


    1. Marcus ist jetzt eure "Ortskraft" innerhalb der Bundeswehr, sollte er vor DZE (wenn er kein Berfufssoldat ist wird er es jetzt vermutlich auch nicht mehr) den falschen Disziplinarvorgesetzten bekommen, kann man ihm bestimmt einen Strick drehen aus seinen öffentlichen Äußerungen. Besonders wenn er wieder aus der Öffentlichkeit verschwunden ist.


    2. Die Geiselfunktion der zurückgelassenen Ortskräfte funktioniert nur solange Afghanistan nicht in ein Medienblackout fällt, sonst werdendie Geiseln schnell nutzlos.


    Bei beiden Punkten sollte man nicht mit langem Atem der ÖR rechnen.

  • Wann findet denn die nächste Politiksprechstunde mit offenen Themen statt? Ist das schon bekannt? Danke!

    "Das zwanzigste Jahrhundert war durch drei Entwicklungen von großer politischer Bedeutung gekennzeichnet: das Wachstum der Demokratie, das Wachstum der Unternehmensmacht und das Wachstum der Unternehmenspropaganda als Mittel zum Schutz der Unternehmensmacht vor der Demokratie." A. Carey

  • Morgen, 19 Uhr


    Ich stimme Ulrike ja in den meisten analytischen Fragen gerne zu (auch wenn ihre Vorhersagen vielleicht nicht immer so ganz ins Schwarze treffen).


    Aber ich finde bei der (sehr guten, Danke hansj. ) Frage nach den mangelnden Inhalten der Wahlkampfberichterstattung macht sie es sich zu einfach, wenn sie darauf abstellt, der Medienmarkt sei eben ein "echter Markt" auf dem die Nachfrage das Angebot bestimme.


    Die Deutsche Medienlandschaft wird mittlerweile - ähnlich, wenn auch noch nicht ganz so schlimm wie in den USA - von einigen wenigen Konzernen dominiert, die häufig noch größtenteils im Besitz einflussreicher Familien sind. Die taz ist da als Genossenschaft sicher eine löbliche Ausnahme. Aber auch die öffentlich-rechtlichen Medien sind nicht frei von der Einflussnahme diverser Interessenverbände und politischer Seilschaften. Und leider hat sich auch bei ihnen eingebürgert, sich am privaten Angebot zu messen und die unmittelbaren Quoten als Maßstab und Rechtfertigung für die Programmgestaltung dem ursprünglich intendierten öffentlichen Bildungsauftrag vorzuziehen.


    Zumindest bei den traditionellen Medien muss man also leider konstatieren, dass hier das Angebot bestimmt, was überhaupt nachgefragt werden kann. Dass Youtube-Videos mit durchaus kritischen Inhalten (J&N, Rezo, dieser sächsische Mittelalter-Headbanger, etc.) - trotz deutlich bescheidenerer Produktionsbudgets, und ganz ohne eingebaute Autorität und Deutungshoheit - zum teil höhere "Einschaltquoten" haben, als die wenigen noch wirklich kritischen Magazinbeiträge in den Öffis kommt ja nicht von ungefähr.


    Am Markt kann nur nachgefragt werden, was auch im Angebot ist. Sollte Ulrike, als alte Kapitalismusversteherin, eigentlich wissen.

  • Fand sie etwas schwach, wie immer. Gerade die naive Ansicht, dass das Wahlprogramm der Parteien immer auch den Wünschen der Bevölkerung entspricht. Als gäbe es nicht einige gewichtige Ebenen zwischen diesen zwei.


    Und natürlich noch, dass Neoklassik kein Neoliberalismus ist. Die Neoklassik geht vom Markt als Ressourcenverteiler aus und Märkte entstehen natürlich. Im Neoliberalismus sind Märkte epistemologische Prozesse, die Informationen verarbeiten und Wahrheit schaffen, was direkt von Hayek kommt, der vom Entdeckungsmechanismus von Märkten geschrieben hat. Einige Neoliberale sagen das auch so, z. B. Titus Gebel oder es wird regelmäßig in Veröffentlichungen der Mont Pelerin Society geschrieben. Der Markt entsteht im Neoliberalismus auch nicht natürlich, er ist instabil und muss vom Staat geschaffen werden. Ordoliberalismus ist die konservative Strömung (im Sinn von Rechts-Liberalismus), die viel Staatshandeln und den Markt nur in wirtschaftlichen Bereichen fordert, der angelsächische Neoliberalismus ist die linke Strömung davon, bei der der Staat wenig handeln soll und der Markt in allen Bereichen des Lebens wirken soll.


    (bin mir gerade nicht sicher mit den links/rechts neoliberalismus, aber es sind unterschiedliche strömungen, deren Vertreter damals auch bei Treffen der MPS waren)

  • Utan


    Ich teile deine Analyse ausdrücklich. Wenn man die Gründe, warum die Wahlkampfberichterstattung so abläuft, wie sie abläuft betrachtet, würde ich neben der Marktkonzentration, der politischen Einflussnahme durch Parteien und Interessensverbände als weiteren Grund noch den inhärenten Strukturkonservatismus, sowohl bei Öffis als auch bei den Privaten, als Problem identifizieren. Was meine ich damit konkret:


    Gerade die öffentlich-rechtlichen Sender, aber auch die Privaten, haben mehrere Spartensender und Drittprogramme mit unterschiedlicher thematischer Gewichtung und Sendeplanung zur Verfügung. Angesichts dieser bereits existierenden Infrastruktur gibt es für mich keinen ersichtlichen Grund, warum die TV-Trielle z.B. immer noch eine so knappe zeitliche Begrenzung zwischen 90 bis 120 min haben.


    Nach den bisherigen Triellen lässt sich eindeutig eine schlechte inhaltliche Qualität feststellen, die sich teilweise lieber mit Horse Race beschäftigt, statt einen wirklichen Querschnitt aller Themen abzufragen. Einerseits der schlechten journalistischen und redaktionellen Vorbereitung geschuldet, andererseits aber auch ausgelöst durch die zeitliche Bgrenzung Beispielsweise wurde das Thema Gesundheitspolitik und Pflege vollständig ignoriert, obwohl es die letzten 18 Monate zurecht umfassend medial aufgegriffen wurde.


    Insofern finde ich Ulrikes Vorschlag gut, sich ausnahmsweise ein Beispiel an der sonst so entertainmentlastigen US-Wahlkampfberichterstattung zu nehmen und thematische Trielle zu veranstalten, z.B. über mehrere Tage bzw. Wochen verteilt. Meinetwegen 5 Trielle die jeweils 2 oder 3 Themenblöcke intensiv über eine Spanne von 3 bis 4 Stunden bearbeiten. Diese könnte man über die Drittprogramme und Hörfunk versenden, wenn dann doch am Sonntagabend im Ersten der Tatort unbedingt gezeigt werden soll. Scheinbar halten sie das Publikum immer noch nicht für mündig genug, wenn sie den Zuschauer:innen solche inhaltlich tiefen Formate über Spielfilmlänge hinaus weiterhin nicht zumuten.


    Angesichts der vorhandenen, hervorragenden Infrastruktur und Ressourcen ist dieser Strukturkonservativsmus meiner Meinung nach nicht mehr zu rechtfertigen. Die Masse an Gegenbeispielen im Internet, die du bereits aufgezählt hast, sollten eigentlich schon Grund und Warnung zugleich sein, dass diese immer gleich beleibende seichte Soße sich nicht mehr aufrechtzuerhalten lohnt. Natürlich kann man über den Einfluss der Wahlkampfberichterstattung und der Trielle auf Wahlentscheidungen und -ergebniss ausgiebig debattieren. Dennoch sollten wir uns vergegenwärtigen, dass die Wahlkampfberichterstattung immer noch eine wichtige Informationsquelle der politischen Willensbildung für einen gewissen Teil der (Wahl)bevölkerung ist.



    Davon abgesehen finde ich es legitim wenn Ulrike mit ihren vorherigen Prognosen konfrontiert wird und ihre Standpunkte revidiert. Nach meinem Eindruck hat sie dies argumentativ schlüssig gemacht. Besonders ihre Analyse zu Markus Söder empfand ich als sehr spannend, gerade weil es sich mit dem deckt, was bereits Hajo Funke im Gespräch mit Tilo erwähnte, wie er Söder als Machiavellisten beschrieb. Da wird mir z.B. Angst und Bange, zumal Söder von ganz rechts bis linksliberal-grün wirklich populär ist.


    Dazu hätte ich noch eine Frage Tilo : Hat Ulrike später bei euch noch im Hintergrund erwähnt, auf welche Söder-Biografie sie sich bezog? Hab mal kurz auf Wiki geschaut und dort sind drei Werke als Biografien verzeichnet. Kann man das vielleicht noch in Erfahrung bringen?

  • Besonders ihre Analyse zu Markus Söder empfand ich als sehr spannend, gerade weil es sich mit dem deckt, was bereits Hajo Funke im Gespräch mit Tilo erwähnte, wie er Söder als Machiavellisten beschrieb. Da wird mir z.B. Angst und Bange, zumal Söder von ganz rechts bis linksliberal-grün wirklich populär ist.

    Ich behaupte ja schon immer, dass Söder ein gewissenloser Opportunist sei.


    Offenbar versucht Laschet - der seine eigenen Karriereleiter ja eher aus Versehen hinauf gestolpert ist, weil er im erzkatholischen Rheinland mit den richtigen Kirchenvorständen im Karnevalsverein war (oder so ähnlich) - sich nun ebenfall "machiavellistisch" zu gebahren.

    Leider ist er dabei natürlich viel zu plump und ungeschickt, als dass man es ihm - so wie man es bei Söder macht - von Seiten des professionellen Politikkommentariats in erfürchtiger Bewunderung als ausgeprägten Machtinstinkt und Ausweis seiner Befähigung für das politische Hochamt attestieren würde (hört man leider auch bei Ulrike ein bisschen durch). Da helfen offenbar auch zwanzig fränkische Bratwürste und ein Kilo Sauerkraut mit dem Großmeister nicht wirklich weiter.


    Frau Herrmann hat jedenfalls gerade noch eins drauf gelegt, auf ihre neulich bei Maischberger vorgebrachten Einlassungen zur "Razzia"-Affäre, und findet, Der kleine Armin habe öffentlich einen politisch motivierten Verstoß der Staatsanwaltschft Osnabrück gegen rechtsstatliche Prinzipien als Wahlkampfmittel instrumentalisiert, und damit praktisch schon gegen den Amtseid des Bundeskanzlers verstoßen, bevor er überhaupt gewählt wurde:

    Justizskandal im Wahlkampf: Laschets autokratische Züge

    Um seinen SPD-Konkurrenten Scholz zu beschädigen, missbraucht der Unionskandidat den Rechtsstaat. So jemand sollte nicht Kanzler werden.


    [...] Doch nun wird es merkwürdig. Justiz- und Finanzministerium waren nämlich bereit zu kooperieren, man bat nur um ein förmliches Ersuchen. Doch die Staatsanwälte schickten keinen Brief, sondern erschienen zu einer polizeilichen Durchsuchung. Diese „Razzia“ war so überflüssig wie ungewöhnlich.

    Noch verdächtiger ist die Presseerklärung. Wie gesagt: Es ging um mögliche Schwächen der Computerprogramme. Schuldige wurden nicht gesucht. Doch die Staatsanwälte ließen missverständlich verlauten, sie wollten ermitteln, „ob und gegebenenfalls inwieweit die Leitung sowie Verantwortliche der Ministerien … in Entscheidungen der FIU eingebunden waren“. Subtext war: Scholz ist schuld, dass in Afrika Drogengeld ankommt.

    Es ist extrem unwahrscheinlich, dass diese Formulierungsfehler ein Versehen waren. Alles spricht für Vorsatz – zumal sich die Staatsanwaltschaft nicht entschuldigt hat. Die BürgerInnen müssen sich darauf verlassen können, dass Staatsanwälte sauber und neutral ermitteln. Dieses oberste Rechtsprinzip wurde in Osna­brück erkennbar verletzt. Im Triell hätte Laschet daher unbedingt darauf verzichten müssen, die „Razzia“ für seinen Wahlkampf zu nutzen. Es geschah das Gegenteil.

    Jeder Kanzler schwört einen Eid, in dem es heißt, „Ich schwöre, dass ich … das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes … verteidigen … werde.“ Diesen Eid hat Laschet schon jetzt gebrochen. Eigentlich darf er nicht mehr Kanzler werden.

    Ich befürchte nur, dass das für den Teil der bürgerlichen "Mitte", der Typen wie Söder gut findet, schon irgendwie o.k. ist. Schliesslich geht es darum den "Linksrutsch"=O zu verhindern! Und im Kampf gegen diese kommunistischen Verfassungsfeinde, muss die wehrhafte Demokratie eben auch mal ganz pragmatisch über ihren grundgesetzlichen Schatten hüpfen.

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