Und jetzt schaust Du mal in den von Dir geposteten Link an diese Stelle und vergleichst das mit dem, was ich hier seit Beginn der Diskussion wieder und wieder herunterbete: Ein Zusammenleben ohne artifizielle "Führungsebene" ist nur möglich in sozialen Gruppen, in denen jeder jeden kennt.
Dass das in diesen geht, bestreitet genau niemand. Und dass ein charismatischer Führer nichts befehlen muss, ist auch keine neue Erkenntnis. Das wird aber immer schwieriger, je größer die Entfremdung zwischen "Führer" und "Volk" in echt ist (manche Aspekte moderner Medien können durch Entfremdung und damit verbundener medialer Inszenierung dies noch positiv ausnutzen, aber der persönliche Kontakt ist letztendlich durch nichts zu ersetzen).
Jetzt haben wir dummerweise das Problem, dass selbst ein mittelgroßes deutsches Dorf schon tausende Menschen beherbergt, die sich idR maximal vom zufällig irgendwo sehen kennen, da funktioniert das mit dem charismatischen Führer relativ selbsterklärend eben einfach nicht mehr. Und da haben wir von Städten mit tausenden Einwohnern lokal, einer komplex vernetzten mobilen Gesellschaft von Millionen regional und Handel und Produktionsverknüpfung mit Milliarden Menschen weltweit noch gar nicht gesprochen...
Dass die egalitären Kulturen irgendwie "primitiv" oder tribal oder wenig Komplex waren ist eben just so eines von den Vorurteilen mit denen Graeber und Wengrow aufräumen.
Das ist eben einfach nicht er Fall, dass Hierarchie und Komplexität der Gesellschaft miteinander verknüpft wären, die Daten geben das nicht her, es entspricht in keinster Weise der Forschung heute, aber hält sich dennoch als Mythos.