Diskussionen zu Interessanten News, Sendungen, Links und sonstigen Aufregern des Tages

  • Danke für Euer Feedback. Ich fand die Sendung tatsächlich in der Hinsicht faszinierend, dass der Rahmen ein anderer war und die Gäste relativ frei ihre Punkte artikulieren konnten - also abseits des engen Korsetts einer klassischen Talkshow.


    Und dennoch kommt da überhaupt nichts Sinnvolles bei raus und "beide Seiten" hinterlassen bei mir ein sehr unangenehmes, absurdes Gefühl. Bereits nach fünf Minuten dreht sich der Kreis irgendwo im luftleeren Raum und je mehr die Gäste zu merken scheinen, dass ihre Argumente aus der Twitter Academy keine Haftung finden, desto skurriler werden die Metaphern. Auch das ist natürlich schon eine Erkenntnis und die hat Utan ganz gut analysiert.


    Der Fleischhauer fühlt sich auf dieser Ebene ganz offensichtlich pudelwohl und so trifft es sein letztes Statement im Vieraugengespräch mit der Bobinger auf den Punkt (im negativen Sinne), wenn er sagt, er fürchtet sich vor dem Gesellschaftsbild, dass sich hinter der eigentlichen Debatte verbirgt.

  • Schmidt + NZZ


    "Wir wollten auch ein Video produzieren, aber dann wurde der junge Kollege, der die Aufnahmen machen sollte, positiv getestet."


    "Aids?"


    "Nein, Corona."


    "Gut, ich bin eben an der Charité vorbeigefahren, ich bin also nicht auf ein Virus festgelegt. Michel Houellebecq, der französische Autor, falls Ihnen der Name neu ist, sagt ja, das sei das Langweilige an Corona: dass es nicht einmal sexuell übertragen werde."



  • Danke für Euer Feedback. Ich fand die Sendung tatsächlich in der Hinsicht faszinierend, dass der Rahmen ein anderer war und die Gäste relativ frei ihre Punkte artikulieren konnten - also abseits des engen Korsetts einer klassischen Talkshow.

    Das Format als solches ist ganz interessant und hier werden zumindest bei anderen Themen deutlich die Argumente besser vorgetragen, als dies in den anderen Entertainmentshows ist, aber wie auch so häufig ist diese Show genau das: Entertainment. Ich mein, wenn man Titel und Gäste sieht, dann weiß man eigentlich schon, worauf es hinausläuft.


    Ich hab mich mal länger mit der Frage beschäftigt, ob es in Ordnung ist jemanden nach seiner Herkunft zu fragen, weil das ja dieser Tage als absolutes no-go gilt. Meine Antwort ist so simpel wie nichtssagend: Kommt drauf an. Es kommt doch immer darauf an, in welchem Zusammenhang sich Leute begegnen, ob geschäftlich, privat, per Zufall oder weiß Gott was. Sensibel für das sein, was der andere empfindet läuft schon immer gemeinhin unter dem Aspekt der Empathie, die man entwickeln sollte. Dass hier Faktoren der Identität einen Einfluss haben, das dürfte klar sein, aber nun kenne ich allein vom Phänotypen meines gegenübers nicht, welche Identität er/sie hat. Meine Güte, ich kenn ja nicht mal meine eigene Identität, was für ein merkwüridges Wort das auch ist. Dann kann man den Bogen natürlich auch immer weiterspannen und zu dem Schluss kommen, dass der Bogen mit der Ellbogengesellschaft überspannt ist und hier ein Problem im Liberalismus steckt.


    Und bevor man hier ein Fass aufmacht und darüber diskutiert, ob ich morgen ein Kimchirestaurant aufmache, sollte man doch vielleicht einmal fragen, wie es in den vermaledeiten Herkunftsländern der Diskriminierten ausschaut, die nämlich nicht nur kulturhistorisch, sondern auch noch brandaktuell ausgebeutet werden. Sehr schön fand ich dieses Interview hier, wo mit Felwine Sarr mal angedeutet wird, wie eine afrikanische Kultur aussehen sollte, abseits des Kolonialismus:



    Interessant vor allem deswegen, weil er die Freimachung vom Kapitalismus in Afrika auch als Identitätsfindungsprozess ganzer afrikanischer Kulturen dienen könnte, den unsere schöne Wirtschaftsform ist ja als Kulturgut missioniert worden. In Punkto Ausbeutung und religiöser MIssionierung hat man ja schon unendlich viel gehört.

  • Ich hab mich mal länger mit der Frage beschäftigt, ob es in Ordnung ist jemanden nach seiner Herkunft zu fragen, weil das ja dieser Tage als absolutes no-go gilt. Meine Antwort ist so simpel wie nichtssagend: Kommt drauf an. Es kommt doch immer darauf an, in welchem Zusammenhang sich Leute begegnen, ob geschäftlich, privat, per Zufall oder weiß Gott was. Sensibel für das sein, was der andere empfindet läuft schon immer gemeinhin unter dem Aspekt der Empathie, die man entwickeln sollte. Dass hier Faktoren der Identität einen Einfluss haben, das dürfte klar sein, aber nun kenne ich allein vom Phänotypen meines gegenübers nicht, welche Identität er/sie hat. Meine Güte, ich kenn ja nicht mal meine eigene Identität, was für ein merkwüridges Wort das auch ist. Dann kann man den Bogen natürlich auch immer weiterspannen und zu dem Schluss kommen, dass der Bogen mit der Ellbogengesellschaft überspannt ist und hier ein Problem im Liberalismus steckt.

    Ich habe das Thema gar nicht in diesem Kontext verstanden. Vielmehr ging es ja nur um (kulturelle) Aneignung im kapitalistischen Sinne. Also wer hat das Recht was zu vermarkten und zu verwerten und wie macht man daraus ein moralisches Argument. Reichlich skurril.


    Und bevor man hier ein Fass aufmacht und darüber diskutiert, ob ich morgen ein Kimchirestaurant aufmache, sollte man doch vielleicht einmal fragen, wie es in den vermaledeiten Herkunftsländern der Diskriminierten ausschaut, die nämlich nicht nur kulturhistorisch, sondern auch noch brandaktuell ausgebeutet werden. Sehr schön fand ich dieses Interview hier, wo mit Felwine Sarr mal angedeutet wird, wie eine afrikanische Kultur aussehen sollte, abseits des Kolonialismus:

    Das hat mir mein YT auch schon vorgeschlagen. Ich schau mal rein. :)

  • Ich habe das Thema gar nicht in diesem Kontext verstanden. Vielmehr ging es ja nur um (kulturelle) Aneignung im kapitalistischen Sinne. Also wer hat das Recht was zu vermarkten und zu verwerten und wie macht man daraus ein moralisches Argument. Reichlich skurril.

    Ja, aber das ist mir wie den kleinen Mitesser auf der Nase behandeln zu wollen, während der ganze Rest des Körpers mit vereiterten Abszessen übersäht ist. Auf dem Feld kann man nur noch Fehler machen.

  • Ja, aber das ist mir wie den kleinen Mitesser auf der Nase behandeln zu wollen, während der ganze Rest des Körpers mit vereiterten Abszessen übersäht ist.

    Das ist aber sehr anschaulich Formuliert. ^^


    Auf dem Feld kann man nur noch Fehler machen.

    Ja, aber vielleicht brauchen wir auch da eine andere Fehlerkultur. Anders ist die Kuh ja nicht vom Eis zu holen und so'ne Wichser, wie der Fleischhauer, nutzen das und lassen jeden großzügig die Kugel der Verwirrung* begrabschen.


  • Mal 'ne bewusst zynische Frage, die so auch vom Fleischhauer hätte stammen können:


    Ist es eigentlich kulturelle Aneignung, wenn privilegierte Teile der Bevölkerung im Namen von diskriminierten Minderheiten Betroffenheit und Entrüstung äußern, wohlwissend, dass so ein Gebaren nicht nur positives Feedback und Klicks auf Twitter und Co generiert, sondern auch durchaus monetisierbar ist? Es müsste hier eine Abstufungen der Moral geben und die intrinsische Motivation des eigenen Verhaltens für alle erkennbar sein.

  • Mal 'ne bewusst zynische Frage, die so auch vom Fleischhauer hätte stammen können:


    Ist es eigentlich kulturelle Aneignung, wenn privilegierte Teile der Bevölkerung im Namen von diskriminierten Minderheiten Betroffenheit und Entrüstung äußern, wohlwissend, dass so ein Gebaren nicht nur positives Feedback und Klicks auf Twitter und Co generiert, sondern auch durchaus monetisierbar ist? Es müsste hier eine Abstufungen der Moral geben und die intrinsische Motivation des eigenen Verhaltens für alle erkennbar sein.

    Du meinst sowas hier?


  • Na, ich würde denken beides. Der Zyniker in mir sagt, dem ist eine pragmatische Kosten/Nutzen Kalkulation vorausgegangen.

    Ok.

    Ganz außer Acht wird bei solchen Überlegungen mit Sicherheit nicht der eigene Erfolg in der Umsetzung künftiger Vorhaben sein. Ich halte es dennoch erstmal für voreilige Compliance. Zum einen um möglichen Aufschreien proaktiv zu begegnen und zum anderen wohl definitiv auch um, evtl nur gefühlten oder vllt sogar ganz realen?, Vorgaben zur möglichen Teilnahme am ESC zu genügen.

    Daraus dann noch PR zu machen ist dann ja nur konsequent.

    Das dieser compliance scheiß so metastasiert ist, dass er direkt signifikanten Einfluss auf die Kalkulation hat und das in einem Maß, dass es zu selfcanceling, selbstzensur und quasi öffentlichem voreiligen zu Kreuze kriechen führt ist da ja dann nur die nächste Stufe der Idiotie, aber auch konsequent die kapitalistischen Mechanismen von allen Seiten ausgenutzt.

  • Ok.

    Ganz außer Acht wird bei solchen Überlegungen mit Sicherheit nicht der eigene Erfolg in der Umsetzung künftiger Vorhaben sein. Ich halte es dennoch erstmal für voreilige Compliance. Zum einen um möglichen Aufschreien proaktiv zu begegnen und zum anderen wohl definitiv auch um, evtl nur gefühlten oder vllt sogar ganz realen?, Vorgaben zur möglichen Teilnahme am ESC zu genügen.

    Daraus dann noch PR zu machen ist dann ja nur konsequent.

    Das dieser compliance scheiß so metastasiert ist, dass er direkt signifikanten Einfluss auf die Kalkulation hat und das in einem Maß, dass es zu selfcanceling, selbstzensur und quasi öffentlichem voreiligen zu Kreuze kriechen führt ist da ja dann nur die nächste Stufe der Idiotie, aber auch konsequent die kapitalistischen Mechanismen von allen Seiten ausgenutzt.

    Ich denke Selfcanceling und Selbstzensur setzt ja irgendwie voraus, dass man vorher eine Überzeugung hatte, die man aufgeben konnte. Ich kenn jetzt zugegebenermaßen die Truppe nicht, kenn auch ihre frühen Texte nicht und weiß erst recht nicht, inwieweit diese Ausdruck von Überzeugungen waren. Ich weiss aber, dass im Showbiz alles Show ist.


    Ich wäre zB damals auch nie auf die Idee gekommen, dass sich KKS* selbst cancelt und zensiert, als sich seine Texte schlagartig änderten, nachdem er die Chance auf kommerziellen Erfolg bekam und wahrnahm.


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