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  • Satire ist nur ein Affe im Hirn Gebundene Ausgabe – 9. November 2015

    von Henning Venske (Autor)

    3,9 3,9 von 5 Sternen    5 Sternebewertungen

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    Die Satire entwickelte sich und existiert, um das Bestehende zu zersetzen.

    Mit Satire bekämpften sich von Anfang an Glaubenssysteme, Weltanschauungen und soziale Klassen.

    Satire ist Opposition, Satire ist Notwehr, Satire ist eine Waffe.

    Satire widersetzt sich jedem Zwang, jeder Machtausübung, den Hierarchen und vor allem der Dummheit.

    Was darf Satire? Alles, was sie kann.

    Was kann Satire? Alles, was sie will.

    Was will Satire? Alles, was sie muss.

    Was muss Satire? Nichts.

    Doch schlechte Satire gibt es nicht: schlechte Satire ist keine.

    Henning Venske hat sich seinen Ruf als meistgefeuerter Satiriker der Republik

    seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts mit viel Einsatz erworben.

    Er weiß, wovon er schreibt.

  • deshalb ja auch meine Frage, ob Du den Text genauso entnervt gewertet hättest, stünde er in der Titanic.

    Ich hab in der Zwischenzeit darüber nachgedacht: ja, ich hätte ähnlich entnervt reagiert, wenn dieser Text in der Titanic erschienen wäre; aus den bereits genannten Gründen, die taz trifft hier aber für mein Empfinden eine besondere "Schwere der Schuld".

    Mir geht dieses implizite "ihr seid so doof, dass ihr sogar für Menschen eintretet, die euch ohne zu Zögern töten würden" auf den Zeiger bzw. das, was vermutlich die logische Schlußfolgerung darauf sein soll.

    Ich habe das tatsächlich vor langer Zeit für mich durchdekliniert, als ich mit 15 oder 16 mal von einer Demo gegen Ausländerhass kam und allein auf einer Parkbank saß um mich von den dort erlebten Strapazen zu erholen und mich zwei türkischstämmige, männliche Jugendliche beleidigt, geschubst und bespuckt haben, weil ich mit meinen schwarzen Klamotten, DocMartens und den kurzen, toupierten Haaren nicht in ihr Weltbild passte. Fand ich ziemlich ironisch, muss ich aber seitdem durch.

    Zitat

    Und wie etwas in der öffentlichen Debatte wahrgenommen wird... Na ja, wenn Satire jetzt schon mit Kommentaren gleichgesetzt wird, was deren Interpretation angeht, gut, dann sind wir intellektuell im betreuten Lesen angekommen. Dann kann man keine Satire mehr unkommentiert veröffentlichen. Das ist die Bankrotterklärung für jede Demokratie.

    Die undemokratische Gegenseite ist ziemlich erfolgreich, was das betreute Lesen angeht. Ich glaube, dieser Zug ist bereits vor langer Zeit abgefahren und es wird nicht mehr viel daran ändern, ob ich persönlich eine taz-Satire gelungen finde oder nicht.

  • Ich hab in der Zwischenzeit darüber nachgedacht: ja, ich hätte ähnlich entnervt reagiert, wenn dieser Text in der Titanic erschienen wäre; aus den bereits genannten Gründen, die taz trifft hier aber für mein Empfinden eine besondere "Schwere der Schuld".

    Mir geht dieses implizite "ihr seid so doof, dass ihr sogar für Menschen eintretet, die euch ohne zu Zögern töten würden" auf den Zeiger bzw. das, was vermutlich die logische Schlußfolgerung darauf sein soll.

    Ich habe das tatsächlich vor langer Zeit für mich durchdekliniert, als ich mit 15 oder 16 mal von einer Demo gegen Ausländerhass kam und allein auf einer Parkbank saß um mich von den dort erlebten Strapazen zu erholen und mich zwei türkischstämmige, männliche Jugendliche beleidigt, geschubst und bespuckt haben, weil ich mit meinen schwarzen Klamotten, DocMartens und den kurzen, toupierten Haaren nicht in ihr Weltbild passte. Fand ich ziemlich ironisch, muss ich aber seitdem durch.

    Aus viel implizit und vermutlich wird schnell eine fertige Meinung.

    Gott sei Dank kann man ja absolut sicher sein, dass die eigene Interpretation des Textes auf jeden Fall die korrekte ist, denn wann wäre Satire schon mal doppeldeutig gewesen...

    Was ich damit sagen will, eventuell ist es gar nicht die inhaltliche Aussage des Textes selbst, die hier die Satire darstellt, sondern die erwartete Empörung des Rezipienten.

    Was konkret gemeint ist, weiß nur der Autor selbst, der Rest ist Spielball der öffentlichen Meinung.

    Was Du mir mit der persönlichen Anekdote in Bezug auf das Thema hier sagen willst, weiß ich allerdings nicht.

    Die undemokratische Gegenseite ist ziemlich erfolgreich, was das betreute Lesen angeht. Ich glaube, dieser Zug ist bereits vor langer Zeit abgefahren und es wird nicht mehr viel daran ändern, ob ich persönlich eine taz-Satire gelungen finde oder nicht.

    Selig sind die geistig armen.

    Das kann ja aber wohl nicht der Anspruch sein?

    Weil die doof sind, stellen wir uns jetzt auch alle doof?

    Nein, danke.

    Nach oben treten = Satire.

    Nach unten treten = Keine Satire.


    Ganz einfach.

    Ja, schön einfach.

    Wenn man jetzt noch immer eindeutig wüsste, was oben und was unten ist...

  • Wenn man jetzt noch immer eindeutig wüsste, was oben und was unten ist...


    Der Autor des "satirischen" Beitrages:

    Satiriker, Verleger und Exil-Ostwestfale in Ostberlin. Er veröffentlichte Romane, Kurzgeschichten und Anthologien, schreibt für die "Wahrheit" und andere Printmedien, verlegt Bücher in seinem Satyr Verlag und liest u. a. bei der Berliner Lesebühne »Brauseboys«. Zuletzt erschienen von ihm der Roman »Mami, warum sind hier nur Männer?« (2015) und die Geschichtensammlung „Bloßmenschen. Schöner schämen für alle“ (2017).


    vs.


    Irgendwelche Anfang 20-jährigen "linken" Studis mit null Zukunftsperspektive und einem massiven Rechtsruck vor der Nase, die den israelischen Rachefeldzug in Palästina und dessen Unterstützung durch die Bundesregierung zum Anlass nehmen, um mal ein bisschen Dampf auf der Straße abzulassen und eine bessere Welt zu fordern.


    Kann sich ja jeder selbst aussuschen, ob hier der "Satire"-schreibende bräsige Kolumnist, oder die Objekte seiner billigen Karikatur in der herrschenden gesellschaftlichen Hackordnung weiter oben stehen, um nach unten treten zu können.

    3 Mal editiert, zuletzt von Utan () aus folgendem Grund: Fälschlicherweise taz-Autor J. Feddersen für den "Satiriker" gehalten. Korrigiert

  • Das ist er doch vermutlich auch:


    https://satyr-verlag.de/service/impressum/


    Zitat

    Satyr Verlag

    Indiebooks aus Berlin

    Zitat

    Verantwortlich für den Inhalt nach § 5 Telemediengesetz:

    Dr. Volker Surmann


    Satyr -> Satire - verstehste?


    Der Verlag bringt im September laut Händlerkatalogen dieses Buch raus:


    https://www.kulturkaufhaus.de/…d-Antisemitisten-anwesend


    Zitat

    Sind Antisemitisten anwesend?

    Satiren, Geschichten und Cartoons gegen Judenhass

    Zitat

    Erscheinungsdatum 25.09.2024


    Aber unter den Herausgebern steht er da nicht.

  • Selig sind die geistig armen.

    Das kann ja aber wohl nicht der Anspruch sein?

    Weil die doof sind, stellen wir uns jetzt auch alle doof?

    Nein, danke.

    Menschen als "doof" zu bezeichnen, käme mir allerdings nicht in den Sinn. Ich denke, es war durchaus zu verstehen, was ich insgesamt meinte und recht ausführlich erläutert habe.


    Und ja, ich habe tatsächlich eine Meinung zu all dem und die taz hat aus meiner Sicht in der Vergangenheit wenig getan, um sich irgendwelche Vorschusslorbeeren hinsichtlich wohlwollender Interpretationen zu verdienen.


    Von mir aus können wir das gerne so stehen lassen.

  • Interessant.

    Ein Mensch der nicht arm ist, kann per se keine Satire schreiben, weil er ja privilegiert ist, oder was genau soll ich dieser ad hominem-Wertung entnehmen?

    Menschen als "doof" zu bezeichnen, käme mir allerdings nicht in den Sinn. Ich denke, es war durchaus zu verstehen, was ich insgesamt meinte und recht ausführlich erläutert habe.


    Und ja, ich habe tatsächlich eine Meinung zu all dem und die taz hat aus meiner Sicht in der Vergangenheit wenig getan, um sich irgendwelche Vorschusslorbeeren hinsichtlich wohlwollender Interpretationen zu verdienen.


    Von mir aus können wir das gerne so stehen lassen.

    Mir schon. Es gibt genug, auf die das zutrifft.

    Und gerade die von Dir angesprochenen rechten Verführer Texterklärer sind dafür der passende Anzeiger, liefern sie doch nur einfache Antworten, die auch nur einfache Gemüter kommentarlos schlucken.


    Aber ja, lassen wir das so stehen. Es darf ja auch jeder so interpretieren, wie er möchte.

  • Bin nicht mehr wirklich auf social media, aber von den hier geposteten auszügen: war die große Empörung anfangs nicht, dass Kahn Anklage gegen die Israelis erhebt, nicht aber gegen die Hamasterroristen? Wissen diese Menschen eigentlich, was sie wollen?

    Allgemein hätte ich einfach gerne unter jedem dieser Beiträge einfach eine Grafik mit den zivilen Opfern Palästinenser - Israelis für jedes der letzten 20 Jahre und darüber die kumulative Kurve.

    10-- 1-01 10=- 1-00 1--2 10=0 1-2= 1-01 10=0 1-01 1-20 10=1 10=2 10=1 1-10 10=0 10=1 1-00 1-21 1-21 1-02

  • Bin nicht mehr wirklich auf social media, aber von den hier geposteten auszügen: war die große Empörung anfangs nicht, dass Kahn Anklage gegen die Israelis erhebt, nicht aber gegen die Hamasterroristen? Wissen diese Menschen eigentlich, was sie wollen?


    Kann sein, dass das eines der Gegenargumente war. Aber in der Hauptsache ging es den Unterstützern von Israel schon darum, dass sich jede solche Ermittlung gegen Israelis verbietet, weil sie - in der reduziertesten Form - angriffen wurden und sich nur verteidigen.

  • Ich fand interessant was Schröder gegen Ende des Gespräches (Zeitmarke: ca. 2:05:00) über die Verhandlungen sagte. Sinngemäß sagte er, dass die Krim oder der Donbass gar nicht mal das Problem gewesen wären, sondern eben die internationalen Interessen all jener, die dort involviert sind

    Das passt aber nicht so ganz zu dem, was allgemein über den Ablauf bekannt ist und den Vorgängen, die den Deal zum platzen brachten, bzw. drückt er sich da ziemlich unklar aus. Laut Kujat ist der konkrete Inhalt ja in einer Amerikanischen Zeitung veröffentlicht worden. Schröder hätte dann schon mal konkreter werden müssen, was er meint. So weiß niemand worüber er eigentlich redet. Leider ist das Format auch nicht so angelegt, das groß nachgehakt wird.

  • Das passt aber nicht so ganz zu dem, was allgemein über den Ablauf bekannt ist und den Vorgängen, die den Deal zum platzen brachten, bzw. drückt er sich da ziemlich unklar aus. Laut Kujat ist der konkrete Inhalt ja in einer Amerikanischen Zeitung veröffentlicht worden. Schröder hätte dann schon mal konkreter werden müssen, was er meint. So weiß niemand worüber er eigentlich redet. Leider ist das Format auch nicht so angelegt, das groß nachgehakt wird.

    Nun ja, so richtig aus dem Nähkästchen plaudert er natürlich nicht. Was sich aber ableiten lässt, ist, dass es in diesem Krieg eben nicht um die Ukraine geht, sondern offenbar und leider weit mehr um das… Das weißt Du natürlich auch. Die Folge ist jedoch, dass ein Friedensschluss unglaublich schwierig ist (siehe 30jähriger Krieg).


    Edit: Hör Dir den Münkler an. Das ist wirklich spannend

  • Der Neoliberalismus hat nicht die Verfassung geschrieben, also nein, der ist nicht für das politische System der BRD verantwortlich.

    Die "Zusammenhänge" siehst Du da wohl exklusiv.

    Ich würde gerne nochmal dazu was schreiben und warum es quatsch ist und die Ideologie des Neoliberalismus massiv Einfluss in Deutschland und in anderen westlichen Ländern hat. Erstmal hatten Ordoliberale Einfluss auf die deutsche Verfassung in ökonomischer Hinsicht. Ordoliberalismus ist die deutsche Version des Neoliberalismus. Das konnte aber nicht durchgesetzt werden, weil Deutschland damals noch starke Gewerkschaften hatte. Was heutzutage angeht: Die Schuldenbremse bzw. Austeritätspolitik ist ein zentraler Kern des Neoliberalismus (falls du mir nicht glaubst, es gibt einen talk von Adam Tooze, wo er das sagt). Man muss wohl die letzten Jahre (oder Jahrzehnte) im Dornröschenschlaf verbracht haben, wenn man die ganzen kontroversen Ausseinandersetzung um die Schuldenbremse verpasst hat. Aber nicht nur die Schuldenbremse ist Neoliberalismus. Auch der ganze Privatisierungswahn gehört zum 1*1 des Neoliberalismus. Niedergang des Renten und Krankensystems sind nur einige Entwicklungen, die das Resultat davon sind. Der Neoliberalismus wird praktisch von fast allen Politikern vertreten. Unter anderem auch von Olaf Scholz. Hier sein Auftritt bei der Hayek-Sekte:


    https://makroskop.eu/12-2024/a…cholz-ist-ein-fan-hayeks/




    Hier Merz, der dem Sektenführer huldigt:




    https://x.com/_FriedrichMerz/status/1763278614924038426


  • Das stimmt wahrscheinlich.


    Aber wenn man es mit Internationalen Beziehungen zu tun hat, dann hat man - (nicht nur) meiner Ansicht nach - immer bessere Chancen, zumindest ein bisschen Klarheit in die Verwirrung zu bringen, wenn man erstmal grundsätzilch davon ausgeht, das Staaten an sich wie rationale Akteure agieren, die bestimmten inneren Gesetzmäßigkeiten und Beziehungen folgen, denen sich auch der autokratischste Staatenlenker nicht einfach entziehen kann und daher selbst einer gewissen Ratio folgen muss, die man anhand seiner öffentlichen Ausssagen auch analysieren kann.


    Wenn man hingegen davon ausgeht, dass jeder politische Führer der nicht exakt mit dem westlichen Wertesytem kompatibel ist (dem in der real existierenden rules based order natürlich auch die meisten westlichen FüherInnen nur zu Sonntagsreden und Staatsfeiertagen wirklich die rhetorische Treue erweisen), dem Größenwahn anheim gefallen, daher unberechenbar, verlogen, und ohne jeden "moralischen Kompass" zu den schlimmsten Schandtaten im Stande, und auch von seinem eigenen Machtapparat nicht mehr unter Kontrolle zu bringen, bzw. ggf. der Macht zu entheben sei, dann reicht's zum Internationalen Politikexperten und Kriegsprofessor natürlich auch, wenn man Star Wars geguckt, Alle Avengers-Teile gesehen und Herr der Ringe gelesen hat.

    Ich geb dir da vollkommen recht, wie gesagt, ich kann der Methode ne Menge abgewinnen. Und wie du schreibst, es unterstellt dem politischen Gegenüber erstmal ein rationaler Akteur zu sein, der seine Interessen vertritt, ein wesentlich besserer Ausgangspunkt als z.B. Baerbocks "feministische" Außenpolitik.

    10-- 1-01 10=- 1-00 1--2 10=0 1-2= 1-01 10=0 1-01 1-20 10=1 10=2 10=1 1-10 10=0 10=1 1-00 1-21 1-21 1-02

  • Die Abstimmung läuft noch,mittlerweile sind es sogar nur noch 14% Ja und 86% Nein.

    Vermutlich kürzlich :)


    Diese Umfrage ist massiv manipuliert worden. Zehntausende Stimmen sind automatisiert abgegeben worden.

    Das ist völlig inakzeptabel. Die Umfrage ist daher abgeschaltet worden.

    Wir stehen als CDU für einen fairen Wahlkampf

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