*Musik* [Musik] 00:38 Vorstellung https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=38s So, eine neue Folge "Jung & Naiv". Ich habe einen neuen Gast. Wer bist du? Ich bin Maximilian Krah. Maximilian, was machst du? Ich bin Abgeordneter im Europäischen Parlament und Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl. Warum bist du das? Weil ich es sein wollte, weil ich mich immer für Politik interessiert habe, weil das meine Leidenschaft ist und weil ich mich der AfD angeschlossen habe aus Überzeugung und die das für eine gute Idee fand, findet, mich ins Rennen zu schicken als Spitzenkandidat. Und warum? Also was qualifiziert dich im Vergleich zu, gibt es ja noch viele andere AfDler? Ja, zum einen offensichtlich gibt es Leute, die meinen, dass ich ihre Anliegen gut vertrete, gut verkaufe und dass sie sich in mir sowohl inhaltlich wie auch im Stil wiederfinden. Was für einen Stil hast du? Ich bin direkt, ich bin kontrovers und hoffentlich unterhaltsam. Und freundlich, habe ich gelesen, ich habe ja dein Buch gelesen. Das freut mich. "Politik von rechts" und da hast du geschrieben, zur politischen Freundlichkeit gehört auch, den politischen Gegner zu respektieren. Die politische Rechte hat, das ist unsere Überzeugung, die besseren Lösungen für unsere Zeit. Sie kann diese in aller Ruhe, Gelassenheit und Unaufgeregtheit vortragen. Persönliche Angriffe, gar in Gleisungen, sind nicht nötig, nur obendrein kontraproduktiv. Exakt. Daran werden wir uns halten. So hoffe ich jedenfalls, oder? Ja, ich bemühe mich. 02:00 DDR & Biografie https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=120s Erzähl mal was zu dir, wo kommst du her? Ich bin geboren 1977 in einem kleinen Dorf namens Reckelwitz. Wo ist das? Das ist bei Bautzen in der Oberlausitz. Kommst du aus der DDR? Ich komme aus der DDR, das haben wir gemeinsam. Und bin schon 1979 mit meinen Eltern, mit zweieinhalb Jahren nach Dresden gezogen. Und da bin ich dann aufgewachsen, zur Schule gegangen, Wehrdienst, Jura studiert, dann nochmal in den USA Wirtschaft studiert, USA England. War recht zugelassener Rechtsanwalt, Stiftungsvorstand. So weit so normal für Juristen oder ambitioniert. Und da ich aber in der Wendezeit politisch sozialisiert bin und meine Eltern, also schon mein Vater sehr politisch unterwegs war, habe ich diese Leidenschaft für Politik gehabt. War CDU-Mitglied. Und irgendwann habe ich Merkel nicht mehr ertragen. Und manche sind dann von Merkel nach links gegangen, andere sind von Merkel nach rechts gegangen. Ich bin nach rechts gegangen. Und AfD, glaube ich, ist jetzt die Partei, die die richtigen Lösungen für die Zukunft hat. Du meinst gerade Eltern waren politisch? Beide. Waren sie in der SED? Nein, sie waren gegen die SED. Also mein Vater war immer aktiv, hat rumgelästert, gestichelt, dann bei den Demonstrationen recht früh dabei. Und am Ende, da wo in Sachsen eigentlich die meisten Regimegegner gelandet sind, CDU. Wie ist das aufgehört? Du warst 13 Jahre lang in der DDR. Wie ist das als junger Mensch dort aufzuwachsen? Hast du gewusst, dass ihr in der Diktatur lebt? Also die Familie war gegen die Kommunisten. Die mochten wir einfach nicht. Warum? Weil wir ihnen die Verantwortung dafür gaben, dass das Land unterentwickelt war. Man wusste, dass man nicht alles sagen konnte, was man wollte. Man konnte nicht reisen. Man sah durch die Briefe von den Westverwandten, da war es besser. Man empfand diese Regierung, diese Gestalten als doof. Also Honecker und Co. Empfanden wir jetzt nicht als brillant. Und auch die Vertreter der SED oder des Regimes, die wir vor Ort kannten, waren jetzt auch keine leuchtenden Gestalten. Also insgesamt, man verachtete eigentlich diese Regierung. Man wollte sie loswerden. Und insofern haben wir so einen gesunden Oppositionskreis mitgenommen. Aber haben deine Eltern dir diese Verachtung für das System mitgegeben oder bist du darauf selbst gekommen? Worauf kommt man selbst als Grundschüler? Was wird mitgegeben? Es ist halt immer eine gegenseitige Befruchtung. Also meine Eltern haben, mein Vater hat im Wesentlichen dieselbe Meinung vertreten wie ich jetzt. Von daher ist es jetzt kein Revolutionsgeist gewesen, dass ich gegen die Kommunisten gewesen bin, sondern ich bin da ganz offensichtlich im Familienmainstream mitgeschwommen. Aber Revolution ist am Ende rausgekommen. Dafür seid ihr auf die Straße gegangen. Also wir mochten die Regierung nicht. Und wir sind also mit der Erkenntnis aufgewachsen, Regierungen können schrecklich dumm und unfähig sein. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk kann lügen und man soll selbst denken. Also insofern etwas, was Konservative im Westen oft nicht so haben, eine gewisse Bereitschaft auch mal aufzubegehren, die hat man als Konservativer, der in der Endphase der DDR sozialisiert ist, schon mitbekommen. Dass DDR-Fernsehen gelogen hat, ist belegt und wissen alle, habt ihr dann Westfernsehen geguckt und denen geglaubt? Wir haben Westfernsehen geschaut durch eine Antennengemeinschaft ab April 1989, also RTL, Sat.1, ZDF und das war genau da, wo wir die Niederschlagung des Tiananmen-Aufstands in China gesehen haben. Und da sahen wir den Unterschied zwischen der Berichterstattung West und der Berichterstattung Ost. Ja, wir haben selbstverständlich erstmal dem Westfernsehen komplett geglaubt. Ich wollte ja nur wissen, hattest du gewusst, dass du in einer Diktatur lebst als junger Mensch? Ich glaube, dass diese Begriffe Demokratie, Diktatur… Nein, die DDR hieß ja Deutsche Demokratische Republik. Darüber hat man sich lustig gemacht bei uns in der Familie. Dass wir nicht gefragt werden, dass unsere Meinung, wenn wir sie öffentlich äußern, uns zu Problemen bringt. Dass nahezu das halbe Umfeld meiner Eltern entweder Ausreiseantrag gestellt hat oder zumindest darüber nachdachte, das war klar. Aber das jetzt runterzubrechen auf diese abstrakten Begriffe, das habe ich zumindest als Zwölfjähriger nicht hingekriegt. Das war dann klar, das war dann der Schub ab 89, wo man dann sagte, jetzt sind wir eine Demokratie, jetzt entscheiden wir selbst. 06:23 Meinungsfreiheit https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=383s Siehst du irgendwelche Parallelen zur heutigen Zeit? Ich meine, es gibt ja viele Menschen, die, und kein unbeachtlicher Teil, der sagt, wir haben ja auch schon wieder fast eine Errichtung der Diktatur in Deutschland. Also ich glaube nicht, dass sich Geschichte wiederholt. Aber trotzdem gibt es Erfahrungen, die man weitergeben kann. Also zum Beispiel, dass wieder in Sachsen ganz häufig den Kindern gesagt wird, wir reden zu Hause diese Version des politischen Lebens, aber in der Schule sagst bitte nicht, dann kriegst du Ärger. Zum Beispiel? Zum Beispiel bei Meinungen über die Frage der Einwanderung ist das der Fall, dass man zu Hause oft anders redet als in der Schule. Das heißt, wir sagen Eltern, das was meine Eltern mir beigebracht haben, nicht alles zu sagen, das gebe ich jetzt meinen Kindern weiter. Aber dieses zwischen den Zeilen Lesen in der Zeitung, dass man sagt, da steht irgendwas drin, aber es ist nur die halbe Wahrheit und den Rest müssen wir uns selbst Schluss folgern. Das sind ja alles Techniken, die man so in der Spätphase der DDR kannte und die jetzt wieder angewandt werden und die zumindest in unserer Wählerschicht, und wir sind nun mal in Sachsen-Thüringen eigentlich im ganzen Osten die stärkste Partei, die da praktiziert werden. Aber wer wendet das an? Wer macht das? Unsere Wähler? Die Masse der Leute? Du meinst ja gerade auch öffentliche Meinungsbeeinflussung, Medien und so weiter. Da meinst du, diese Techniken werden angewandt? Nein, also das zwischen den Zeilen Lesen wird angewandt. Aber das natürlich sich, wir haben ja Umfragen, Vertrauen in die Medien, Vertrauen in die Zeitungen, Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sieht schlecht aus. Das ist immer noch ziemlich gut. Die Hälfte glaubt nicht dran. Dann war jetzt die Frage, darf man seine Meinung offen sagen? Da sagt 45 Prozent der Deutschen, Ost wie West, sagen, nein, man muss aufpassen, darf nicht alles sagen. Also das sind so die Stimmungsbilder, die wir haben. Also Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Glaube an die Meinungsfreiheit, dass man das, was man wirklich denkt, sagen darf. Das sieht ja, da sind die Umfragen, werden immer schlechter von Jahr zu Jahr. Siehst du das denn auch so, dass man nicht alles sagen darf? Ich empfehle Menschen, die nicht in dem Glück sind wie ich, dass sie ein sicheres Abgeordnetenmandat haben, dringend nicht immer tatsächlich alles zu sagen, was sie glauben. Wenn du jetzt ein Polizeibeamter wärst, jetzt sagen wir mal Streifendienst Anfang 50, würde ich dir dringend empfehlen, nicht in der Kaffee-Runde zu sagen, hey, ich finde die AfD super, die wähle ich auch. Wieso? Das würde ihm wohl, wenn er in der falschen Landespolizei ist, ein Disziplinarverfahren unter Umständen einhandeln. Oder zumindest hätte er ein Problem mit der nächsten Beförderung. Aber wieso? Warum sollte es ein Disziplinarverfahren geben, wenn man sich für eine Partei ausspricht, die im Bundestag sitzt, die nicht verboten ist? Super Einschätzung, sehe ich ganz genau so. Aber die Realität ist leider anders. Das ist mittlerweile im öffentlichen Dienst. Kennst du einen Fall, wo es ein Disziplinarverfahren von Polizisten gab? Bei AfD-Mitgliedern wird das angedroht. Zum Beispiel in Thüringen, vom Innenminister ganz offen. Also wird gesagt, die haben ja die AfD eingestuft. Das Innenministerium hat ja den Verfassungsschutz als nachgeordnete Behörde. Die haben die Thüringer AfD eingestuft als gesichert rechtsextrem. Und wer jetzt als, sagen wir mal, Polizeiführer bei uns Mitglied wäre, würde nicht mehr befördert werden. Das ist geltende Rechtslage da in Thüringen. Aber nehmen wir einen ganz aktuellen Fall aus dieser Woche. Da gibt es einen Landtagsabgeordneten der AfD im Saarland. Der ist in seiner Pfarrgemeinde, in seiner Kirchgemeinde, ist er ehrenamtlicher Verwaltungsrat. Der ist jetzt einfach mal entlassen worden. Der hat sich da ums Geld gekümmert. Weil man sagt, Mitgliedschaft in dieser Partei sei nicht vereinbar mit einem Ehrenamt. Das sind Dinge, die gehören sich in einer Demokratie nicht. Die sind meines Erachtens indiskutabel. Im Übrigen nur ein Beispiel. Wir haben gestern ein Video auf X gesehen. Da war meine Spitzenkandidatin, Konkurrentin der FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Die ist in Ravensburg von einem Zuhörer einer Wahlkampfveranstaltung relativ hart kritisiert worden. Dann hat sie ihn gecontent und gesagt, bei wem arbeiten sie, weiß ihr Chef, was sie sagen. Das finde ich schon eine Einschüchterung. Aber hast du noch andere Beispiele, welche Meinungen man öffentlich nicht mehr sagen darf oder kann? Ich meine AfD wählen. AfD wählen, Einwanderungskritik. Die höre ich überall, auch im Bundestag und nicht nur von der AfD. Ja, aber nicht nur von der AfD. Ja, wir stehen kurz vor den Wahlen. Die CDU entdeckt wieder, dass sie etwas rechtsblinkend wählerstimmend bringen könnte. Und der Bundestag könnte ihr das doch sagen. Mit sagen müssen wir auch. Aber du meinst gerade, man kann manche Sachen nicht mehr öffentlich sagen. Wir als Politiker sagen das, dafür sind wir da. Aber du bezahlst ein Bekenntnis zu unserer Partei oder auch zu unseren Inhalten allzu deutlich. Bezahlst du. Womit? Mit einem gesellschaftlichen, also mit einem Verlust eines gesellschaftlichen Ansehens. Beispiel, wir haben hier in Berlin den ehemaligen CDU-Finanzsenator Peter Kurt. Ein honoriger Mann. Der hat, weil wir lange genug befreundet sind, hat er mich mal auf eine Dachgeschossparty oder auf eine Dachterrassenparty von sich eingeladen. Das stand in der Zeitung. Dessen bürgerliche Existenz, seine bisherige, ist jetzt ruiniert. Dem hat man mit dem CDU-Ausschluss gedroht, dem ist er zuvor gekommen. Der war noch eine Woche als Geschäftsführer interimsmäßig eines Umweltverbandes, das hat man beendet. Den hat man jetzt überall gebranntmarkt als quasi Faschist. Der wird auch nicht mehr eingeladen, das gleicht er natürlich aus, weil er dann andere Freundeskreise sich aufbaut. Nächstes Beispiel in Dresden, die Buchhandlerin Susanne Dagen, seitdem die sich inhaltlich zu uns bekannt hat, sie ist ja nicht Mitglied, hat hier einmal ihren Kundenstamm wechseln müssen. Aber ist dieser Peter Kurt nicht derjenige, der bei dieser Konferenz in Potsdam im November dabei war? Nein. Das ist ein anderer? Er war definitiv nicht dabei. Peter Kurt war nicht dabei. Da waren ja andere CDUler dabei. Ja, da war viele CDUler dabei, aber Peter Kurt war nicht dabei, weil er genau die CDUler, die da dabei waren, nicht leiden kann. Geht ihm wie mir. Warum warst du nicht dabei? Andere AfDler waren ja auch dabei. Nein, das war... Du kennst die Haustiererin ganz gut. Die Grundmelodie dieser Konferenz ist eher Werteunion gewesen. Ich war da nicht dabei, weil... Warum gehen AfDler denn zu einer Werteunion? Gibt ja Überschneidung. Ja? Ja. Okay. 13:02 Krah in der CDU https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=782s Gut, zurück zu dir. Apropos Union. Du bist direkt nach der Wende, hatte ich gesehen. In die Junge Union. Mit 14 war das, ne? In die Junge Union, mit 14, 1991. Warum? Ja, weil ich politisiert war und dachte, das ist jetzt der Moment, dass ich mich einsetze und was mache. Und warum CDU? Weil das die Partei war, von der wir überzeugt waren, dass sie für genau die Prinzipien und Vorstellungen vom Land steht, die wir glaubten, immer gegen die DDR verteidigt zu haben und die wir jetzt zum Sieg gebracht haben. Okay. Und warst du die Partei? Oder bist du irgendwann raus? Das ist eine interessante Frage. Ich erinnere mich, ich hatte als Student, da war ich dann Chef des Ringchristlich Demokratisch Studenten an der Dresdner Universität, hatte ich eine Diskussion mit dem damaligen Assistenten Christoph Möllers, der ist jetzt hier ein super linksliberaler Public Intellectual in Berlin und der sagte dann zu mir, ich würde nie CDU wählen, aber wissen Sie, wofür ich die CDU liebe? Dass sie Leute wie sie neutralisiert. Was meint er damit? Fand ich natürlich extrem empörend, dass er dachte, ich lasse mich neutralisieren. Ich befürchte, er hatte recht. Aber was meint er damit? Er meint damit, dass die CDU, denke ich, über die vergangenen Jahrzehnte bis zum Auftauchen der AfD, hat sie Leute, die eigentlich, denn echt konservativ oder wie ich es jetzt nenne, rechts gedacht haben, also diese Überzeugung hatten, hat sie bei sich aufgenommen und dafür gesorgt, dass sie politisch überhaupt nichts bewirkt haben. Also a la Strauß, der meinte, rechts der CSU ist nur die Wand. Ja, wobei Bayern ist immer nur ein Sonderfall. Aber nehmen wir zum Beispiel Alfred Regger, das war nun ein klassisch altkonservativer rechter Hesse. Der hat in Hessen ja die Vorherrschaft der SPD gebrochen. Also was hat man gemacht? Man hat ihn dann nach Berlin geholt und wurde er sogar Fraktionsvorsitzender. Aber er hat ja politisch keine Spuren hinterlassen. Man hat ihn eingebunden und dafür gesorgt, dass er sich da um seine Randthemen kümmert. Aber auf die deutsche Politik Einfluss konnte man nicht nehmen. Ich denke, dass das im Nachhinein, ich habe dann immer noch über zehn Jahre gebraucht, um die Konsequenz zu verstehen und es umzusetzen, aber dass die CDU die Konservative, die es in Deutschland immer gab, die ich jetzt die Rechten nenne, weil der Begriff Konservativ so schwammig ist, dass sie die zu sich reingeholt hat und dann dafür gesorgt hat, dass die nicht politisch wirkmächtig werden, Einfluss auf die Republik nehmen. Diese Analyse war leider richtig und insofern muss ich sagen, habe ich mich da wahrscheinlich geirrt mit einer Einschränkung. In Sachsen war es anders. In Sachsen in den 90er Jahren war die CDU eine echt coole Truppe. Hat die CDU versucht, dich einzubinden? Naja, ich war RCDS-Chef, ich war Bundesparteitagsdelegierte. Allerdings war es so, die meisten meiner Generation haben ja schon im Studium quasi nur Politik gemacht und mir war das zu heiß, ich wollte ein anständiges Examen. Und deshalb habe ich mich dann ausgeklingt und habe erstmal geschaut, dass die Examsnote stimmt, dass ich die Promotion hingekriegt habe. Ansonsten hätte ich glaube ich nicht die innere Freiheit, mich so zu exponieren, wie ich es tue. Aber haben sie dir nie irgendwie mal ein Mandat in Aussicht gestellt? Oder wolltest du auch irgendwas werden? Also irgendwie kann man mal in den Bundestag? Ich wollte 2013, aber da war ich schon im Großmaul. Da bin ich angetreten gegen den amtierenden Kreisvorsitzenden und Amtsinhaber und habe knapp verloren in Dresden. Aber das Entscheidende ist ja, diese Neutralisierung erfolgt ja auch durch die politische Bildung, durch die Formung der Kandidaten. Also die jungen Unionleute kommen hier rein und sind meist ungestümt und haben ihre Ideale. Und dann ist es ja klar, man wird dann eingeladen, man macht erstmal ein Presseseminar, macht ein Rhetorikseminar, macht auch inhaltliche Seminare, man unterhält sich dann mit älteren Abgeordneten und dann versucht man sich. Und im Laufe der Zeit, wenn man dann dabei ist, wenn man immer wieder auch die nächste Stufe erklimmt, schleift man ein bisschen ab. Also eine Partei formt ihren Nachwuchs auch. Und wenn ich mir jetzt die heutigen CDU-Typen anschaue, also meine Generation, gibt es da einen, der dich vom Hocker haut, der irgendwie kantig ist, der Prinzipien hat, wo du sagst, hey, das ist ein cooler Typ, mit dem würde ich gerne auch abends mal ein Bier trinken, wenn die Kamera aus ist und selbst wenn ich mit dem überhaupt nicht übereinstimme, aber zumindest kann er mir was erzählen, was mich selbst weiterbringt. Ich kenne keinen. Hast du deine Auffassung über Politik, Deutschland, Europa und so weiter, über die wir später noch reden, eigentlich für dich behalten, während du in der CDU warst oder bist du damit offen umgegangen? Ich war schon ziemlich laut. Und wie ist die CDU damit umgegangen? Also das, was du jetzt auch sagst, das hast du damals auch schon gesagt. Das Denken entwickelt sich. Und Nietzsche sagt ja nicht zu Unrecht, der denkende Mensch ändert seine Meinung. Aber die Prinzipien sind immer dieselben. Also ich habe kurz nach dem Jahr 2010 bereits in der Sächsischen Zeitung als Gastbeitrag meinen langen Artikel geschrieben. Und als ich dann Oberbürgermeisterkandidaten Dresden übersag, sagt der Journalist zu mir, naja, Herr Krah, was Neues erzählen Sie mir hier nicht, das habe ich ja alles schon vor zehn Jahren von Ihnen gelesen. Also ich glaube, die Prinzipien sind gleich geworden, aber es zieselt sich aus. Es gibt ja auch ganz neue Fragestellungen, die wir vor 15 Jahren nicht hatten. Also vor 15 Jahren musste ich mir nicht Gedanken machen über Außenpolitik, da war das ziemlich klar. Und ich war immer ziemlich, ja, outspoken. Das ist richtig. Und das war sicher etwas, was in der CDU nur begrenzt ankam. Also Kreisvorstandsmitglied konnte ich werden. Wahrscheinlich hätte ich es auch in den Stadtrat geschafft. Aber schon für ein Landtagsmandat, da passt man dann auf, dass es nicht passiert. Und wie gesagt, beim Bundestag war es so, dass da eine große Mobilisierung kam, dass dann der Amtsinhaber und Kreisvorsitzende doch nochmal mit 53 Prozent das Mandat bekommen hat. Dein Vater ist auch gleich in die CDU reingegangen, ne? Ja, er ist sofort rein. Ist er auch Funktionär geworden? Nein, er war… Er war im Innenministerium, hat er gearbeitet, ne? Ja, aber das ist ja ein Beamtenjob. Also er konnte gerade kein Parteifunktionär werden, weil er ja Beamter war. Also er war passives Mitglied und war halt dann im Ministerium, am Ende Ministerialrat. Hast du deine Auffassung von deinem Papa geerbt oder habt ihr unterschiedlich? Weil er ist ja immer noch in der CDU. Er ist in der CDU, weil er sagt, er ist jetzt in einem Alter, wo er nicht mehr wechselt. Achso. Ja. Und ich, was habe ich geerbt? Ich glaube, ich habe… also wir haben uns eigentlich immer gestritten in der Politik. Und trotzdem würde ich heute sagen, dass ich in allen wesentlichen Fragen eigentlich mit ihm übereinstimme. Ja, warum holst du den nicht in die AfD? Weil er mittlerweile eigentlich schon pflegebedürftig ist. Also er hat drei Schlaganfälle. Er ist am Ende seines Weges angekommen und da hat er zur Zeit andere Themen als Politik. Er schließt ab gerade. Aber hat er noch mitbekommen, dass du in die AfD gegangen bist? Wie fandet er das? Wie findet er das? Super. Ah ja. Warum? Weil er sich selbst immer brennend für Politik interessiert hat. Weil er von seinen drei Kindern der einzige bin, der dieses brennende Interesse übernommen hat. Und weil er es jetzt halt umsetzt. Und welcher Vater ist da nicht stolz drauf? 20:22 „Zerstörung“ der CDU https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=1222s Ich hatte jetzt gelesen, du bist für die Zerstörung der CDU. Ja. Das ist doch klar. Weiß denn Papa das, dass du seine Partei zerstören willst? Das weiß er. Okay. Warum willst du die CDU zerstört sehen? Weil wir einen Wandel in Deutschland nur hinbekommen, wenn die CDU in ihrer heutigen Form nicht mehr da ist. Der Punkt ist, die CDU bindet, sie neutralisiert, nehmen wir das Wort, Wähler, die eigentlich eine eher konservative, sagen wir mal, eine nichtgrüne Politik wollen. Die CDU tut immer eins, vor den Wahlen blinkt sie nach rechts, dann wählen die Leute die CDU, weil sie sagen, naja, da wissen wir was wir haben und so weiter. Nachher macht die CDU eine Koalition mit den Grünen. Und wir sehen in ganz Europa, dass es zu einer Änderung der Politik, weg von diesem dominierenden grünen Mainstream, nur dann kommt, wenn eben diese christdemokratischen Parteien, die rechts die Wähler abgreifen, aber dann links mitmachen, wenn die klein werden oder verschwinden. Also in Italien war der Weg freier, als die Demokratie christianer verschwunden ist. In Ungarn war der Weg für Orban freier, als die Christdemokratie verschwunden ist. In Polen war der Weg für Tikatschinskis freier, als diese christdemokratischen Mittelparteien verschwunden sind. In Frankreich hätte Marine Le Pen niemals über 40% geholt, wenn nicht die Goulisten mittlerweile unter 10% wären. Und das ist mittlerweile, also bis in die 90er Jahre hinein war es in Europa ja insgesamt so, dass die Politik dominiert wurde von diesen christdemokratischen Parteien in der Mitte. Mittlerweile ist es eigentlich so, dass wir in ganz Europa nur noch in Deutschland diese dominierende christdemokratische Partei haben, vielleicht noch in Spanien, dass überall sonst aber diese starken Staatsparteien christdemokratischer Prägung verschwunden sind. Und dass dadurch überhaupt erst der Weg freier ist, dass dezidiert konservative rechte Parteien zu Volksparteien werden können. Wie zerstört man die CDU? Sie zerstört sich selbst. Wie denn? Sie wird ab 2025 eine Koalition mit den Grünen eingehen. Es werden sehr sehr viele Leute, die von der Ampel enttäuscht sind, werden 2025 CDU wählen. Sie werden sagen, AfD, naja, wo kann man denen das Land anvertrauen? Noch zu jung, vielleicht zu radikal. Wählen wir doch mal den Merz. Der sieht so schön aus wie die alte Bundesrepublik. Und dann wird Herr Merz regieren mit den Grünen. Und die Politik von Schwarz-Grün wird im Wesentlichen dasselbe sein wie die Ampel. Und dann werden wir 2029 erleben, dass viele Leute sagen, wahrscheinlich geht es eben dann doch nur mit der AfD. Ich hatte jetzt auch mitbekommen, dass viele fürchten, wenn die CDU mit der AfD in Thüringen oder Sachsen gemeinsame Sache, entweder Koalition oder Duldung machen würde, das würde die CDU zerstören. Das würde sie wahrscheinlich umgekehrt auch zerstören, das kann schon sein. Also in Sachsen und in Thüringen zerstört es die CDU gerade, dass sie die ganze Zeit mit den linken Parteien zusammenarbeitet. Aber es ist richtig, wenn man die sächsische Thüringer CDU das tun lässt, was sie will, nämlich mit uns kooperieren, würde das für die CDU im Rheinland oder im Münsterland oder in Baden, wo es mittlerweile schon Parteis die links der Mitte unterwegs ist, würde es zu furchtbaren Konflikten führen. Deshalb würde die Bundes-CDU alles tun, die sächsische, sachsen-latinische und Thüringer CDU daran zu hindern, mit uns eine Tolerierung auszuhandeln. Das würde für die sächsische, thüringer, sachsen-latinische CDU ein furchtbares Problem sein, weil sie dann weiter, weil sie ja keine Alternative hat, grüne Politik machen und das treibt die Wähler weiter zur AfD. Und umgekehrt ist es ganz klar, wenn die CDU konsequent eine Politik macht, die sich von der Ampel nur graduell unterscheidet, werden all jene, die die Verlierer dieser Politik sind, das sind sehr viele Menschen in unserem Land, werden am Ende sagen, ja, AfD, wir haben Punkte an ihr zu kritisieren, aber es geht halt nicht anders, was sollen wir sonst wählen? Und das wird uns dann den nächsten Schub bringen. Ich meine, Thüringer CDU macht gemeinsame Sachen mit den linken Parteien, also ich habe eher so mitbekommen, ihr habt gemeinsam Kemmerich gewählt. Ja, das hat einen Tag gehalten. Gemeinsame Gesetze wurden mittlerweile in Thüringen schon… Eins. Naja, aber… Die CDU hält seit fünf Jahren den Ramelow als Ministerpräsidenten. Der ist ja Ministerpräsident ohne parlamentarische Mehrheit. Er ist gewählt worden mit Stimmen der CDU und er hält sich ja, er kriegt ja seinen Haushalt nur durch dank der CDU. Er kann ja tatsächlich nur regieren, weil die CDU im richtigen Moment entweder zustimmt oder sich enthält. Das heißt, dass es den Ministerpräsidenten Ramelow in Thüringen überhaupt gibt und das es ihn überhaupt noch gibt, obwohl Neuwahlen versprochen waren. Verdankt Ramelow der CDU. Wenn sie dann irgendwie zweimal bei völlig klaren Dingen mit der AfD stimmen, dann ist das gar nichts. Das ist ja eine nette Geste. Aber wir haben in Thüringen einen linken Ministerpräsidenten Ramelow, den es da nicht gäbe ohne die CDU. 25:32 Wahlen in Thüringen & Sachsen https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=1532s Ihr seid ja gerade in Thüringen, Sachsen, zumindest in Umfragen die stärkste Partei. Es wird schwer gegen euch eine Regierung zu machen. Wenn du die CDU zerstören willst, dann werden die ja bestimmt nicht sagen, okay, dann dulden wir die AfD-Regierung mal oder machen mit ihr eine Koalition. Das ist, denke ich, eine Frage, wie wir das vor Ort machen. Du bist ja aus Sachsen. Ich bin aus Sachsen. Was willst du denn als AfD-Sachsen? Also ich hoffe, dass wir es schaffen, ohne die CDU regieren zu können. Das ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Ansonsten, wenn es so ist, dass die CDU, also das Wahlergebnis wird mutmaßlich so sein, dass die CDU mit allen anderen Parteien koalieren muss, um uns zu verhindern. Das ist die Zerstörung der CDU, die Selbstzerstörung. Wenn die CDU sagt, wir wollen uns aber nicht selbst zerstören, würdet ihr uns tolerieren? Würde ich meinen Parteifreunden empfehlen, Land geht vor Partei, macht es. Also wenn Kretschmer Sachsen Union sagt, wir wollen eine alleine Regierung machen und die AfD toleriert uns. Da würde ich empfehlen, zuzustimmen. Obwohl du diese Partei zerstört sehen möchtest? Land geht vor Partei. Landeswohl geht vor Partei. Sachsen nochmal fünf Jahre mit grünen Ministern, das ist eigentlich, oder was heißt eigentlich, das ist ein Desaster. Aber dann müsstet ihr, wenn ihr die CDU dann duldet, das ja dann alles mitmachen. Wieso alles? Dulden sie. Und wenn sie unsere Stimmen haben will, muss sie halt von Einzelfall zu Einzelfall mal vorbeiklingeln kommen. Und warum nicht andersrum, dass die CDU euch duldet? Das ist noch besser, aber das ist noch unwahrscheinlicher. Das allerbeste ist natürlich, in der Staatskanzlei sitzt Jürgen Urban. Die superschönste Lösung ist mit einer eigenen parlamentarischen Mehrheit. Die zweitschönste Lösung ist von der CDU geduldet. Und Koalition? Ist auch nett. Also die absolute Mehrheit ist im Bereich des unwahrscheinlich Möglichen. Duldung und Koalition halte ich für noch unwahrscheinlicher. Eben wegen der Bundes-CDU, wegen der West-CDU würden wir auch mitmachen. Wir würden auch helfen, wenn die CDU sagt, wir wollen ohne die Grünen koalieren. Auch das würde die West- und Bundes-CDU verhindern. Das heißt, das was leider wahrscheinlich ist und wogegen wir kämpfen, wo wir auch unsere Landsleute in Sachsen wachrütteln wollen, heißt, wir kriegen eine ganz scheußliche CDU-Grüne-Linkspartei-Koalition. 28:21 Jura-Studium https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=1701s Zurück zu deiner Biografie. Du warst ein guter Schüler offenbar. Warum hast du Jura studiert? Das war damals gerade die Mode. Damals studierten die guten Schüler Jura. Das galt in den 90er Jahren als das Fach, wo man eben die meisten Karrierewege offen hat und wo man jetzt in diesem neuen Deutschland, in dem man angekommen ist, was werden kann. Meine Schwester ist Zahnärztin, mein Bruder ist Arzt. Ich habe keine Affinität zur Medizin. Und es war jetzt nicht die Zeit, wo Ingenieurwissenschaften gerade hoch im Kurs waren. Die ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten waren sehr leer in Dresden. Ich war vor allem gut in Mathematik, hatte sogar mal eine Mathematik-Olympiade in erstem Preis gewonnen. Und in der Tat bedauere ich, dass ich ein Studienfach gewählt habe, wo ich mein Mathe-Talent nicht eingesetzt habe. Das habe ich dann so ein bisschen nachher im Wirtschaftsstudium nachgeholt. Aber damals war Jura, zumindest nach meiner damaligen Wertung, das Fach. Was hat das mit deinen Ansichten gemacht, also dieses juristische Wissen zu haben? Jura ist ein Fach, das Denken strukturiert. Also der Jurist ist imstande, die Realität, die komplexe Realität zu strukturieren. Insofern glaube ich, dass man, wenn man ein Jurastudium hat, dass man dann, wie ich zurzeit, nicht in einem juristischen Beruf tätig ist. Man ist imstande, Komplexität in eine strukturierte Ordnung zu bringen und das dann auch rhetorisch umzusetzen, auch inhaltlich umzusetzen. Also man lernt über Sachverhalte, wenn man so will, Raster zu legen und dadurch sie für sich greifbar zu machen, erklärbar zu machen, verständlich zu machen. Das ist eine juristische Technik. Das ist da. Das zweite ist, ich habe bei Jura jetzt nicht nur die Gesetze und Anwendung gelernt. Ich habe auch versucht zu verstehen, was ist das Recht überhaupt? Wie funktioniert das? Ich habe mich in die sogenannten Märchenfächer reingesetzt. Rechtsphilosophie, Rechtsgeschichte. Und man kann von der Rechtswissenschaft her, hat man einen interessanten und ich glaube auch brauchbaren Zugang in die Welt der Geisteswissenschaften hinein. Das funktioniert. 30:37 Verfassungspatriotismus https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=1837s Wird man, du hast das zweite Staatsexamen und so weiter alles gemacht. Ist man dann als Anwalt, als Jurist auch Verfassungspatriot? Verfassungspatriotismus ist ein schwieriges Konzept. Man ist rechtstreu. Man glaubt auch an das Rechtssystem. Und beim Verfassungspatriotismus geht es ja eigentlich um die Idee, dass man sagt, das gesellschaftliche Zusammenleben braucht gar keine Kultur. Es braucht eigentlich nur das Recht. Der Verfassungspatriotismus sagt, alles was wir brauchen, um in unserer Gesellschaft zusammen zu leben, ist Recht. Das teile ich nicht. In der Demokratie ist der Rechtsstaat eine Voraussetzung, oder? Ich würde das sogar insofern teilen. Du kannst ja auch eine unheimlich plebiszitäre Demokratie haben, wo gerade die Rechte der Minderheiten nicht berücksichtigt sind. Eine Demokratie kann ja auch mit Mehrheit entscheiden, dass die Verfahren im Lande oder der Umgang mit Minderheiten gerade eben wenig Rechte übrig lässt. Also, dass der Rechtsstaat und die Demokratie Hand in Hand gehen, das ist der Regelfall. Auch für dich, das ist dringend. Das ist der Regelfall. Aber es ist zum Beispiel auch denkbar, dass es eine sehr stark plebiszitäre Demokratie gibt, die das Recht beurteilt. Eine plebiszitäre, für unsere Zuschauer, du meinst direkte Demokratie? Direkte Demokratie, auch sehr wenig regulierte Demokratie. Eine Demokratie, die wenig Verständnis für rechtliche Verfahren hat. Die einfach sagt, wir ändern jetzt die rechtlichen Verfahren. Und wir nehmen auch keine Rücksicht auf das System dieser Verfahren. Wir schaffen das Recht einfach ständig neu, weil wir es können. Und damit leidet der Rechtsstaat. Umgekehrt ist es auch denkbar, dass man eher limitierte Demokratien hat, die sich dann aber, gerade weil sie da ein Defizit haben, sehr, sehr genau an juristische Verfahren halten. Ich weiß, dass das eine sehr weit wenig bekannte Meinung ist. Aber das Grundgesetz ursprünglich in den 50er Jahren hatte ein gewisses Misstrauen gegenüber der Demokratie. Logischerweise, weil man ja wusste, dass viele der Menschen, die damals lebten, bis 45 mit dem Nationalsozialismus keine Probleme haben. Und man sprach sogar in der älteren juristischen Literatur von einer limitierten Demokratie. Willy Brandt hatte diesen Wahlspruch "Mehr Demokratie wagen". Den verstehen wir heute gar nicht mehr. Denken, war geil, mehr Demokratie wagen. Das "Mehr Demokratie wagen" war eine Antwort darauf, dass die frühe Republik eigentlich gar nicht so demokratisch war, sondern dass sie sehr, sehr viele Checks und Balances eingeführt hat, um auch der demokratischen Willensbildung notfalls rechtlich entgegentreten zu können. Na gut, es gab ja die historischen Schwachstellen der Weimarer Verfassung. Die Weimarer Republik war in vielerlei Hinsicht, hatte sie mehr demokratische und weniger rechtsstaatliche Elemente. Das Grundgesetz ist rechtsstaatlicher und weniger demokratisch. Aber du stehst klipp und klar zum Rechtsstaat. Ich bin Jurist, das ist genau mein Handwerkszeug. Was heißt Rechtsstaat? Rechtsstaat heißt, dass es für alle Geltende, auch für die Mächtigen Geltende, juristische Verfahren gibt. Und dass diese Verfahren einzuhalten sind und dass sich jeder auf die Gültigkeit und Unparteilichkeit dieser Verfahren verlassen kann. Und dass jeder auch gleich ist vom Recht. Absolut. Die Gleichheit von dem Gesetz, der gleiche Zugang zum Rechtsstaat. Jeder kann sich an Gerichte wenden. Jedem wird rechtliches Gehör gewährt. Das heißt, der Rechtsstaat ist für mich, oder er ist nach den klassischen Definitionen, ein formales Kriterium. Und wenn man formale Verfahren hat, haben die etwas unglaublich Beruhigendes, weil sie eben nicht nach der politischen Meinung schauen. Vor dem Gesetz sind alle gleich. Und das ist ein großer Wert, von dem ich ja profitiere. Denn wenn es zur Zeit eben diese Gleichheit vor dem Gesetz nicht geben würde, in der zur Zeit gegen meine Partei doch recht aufgeheizten Stimmung, wäre das für mich nachteilig. Insofern, ich mag das Recht, ich mag dieses rechtsförmigen Verfahren. Und ich setze mich sehr dafür ein, dass sie gewahrt werden und auch nicht abgeschliffen. Bist du jetzt ein Verfassungspatriot oder nicht? Unter Verfassungspatriotismus versteht man leider, dass das Recht ausreicht, um eine Gesellschaft am Leben zu halten. Das teile ich nicht. Also, ein Haus hat eine Hausordnung. Das ist die Rechtsordnung. Aber sie hat eben auch eine Statik. Sie hat eine Architektur. Man kann nicht mit dem Recht die Ethnologie, die Soziologie, die Kommunikationswissenschaft, die Politik ersetzen. Sondern das Recht ist eine Sphäre im Funktionieren einer Gesellschaft. Und der Name Verfassungspatriotismus, der tut so, man braucht eigentlich nur die Verfassung und dann hat man alles. Und diese Ausdehnung des Rechts, dass das Recht quasi alles andere ersetzt und dass man nur die Rechtsordnung braucht, das glaube ich nicht. Insofern, den Begriff des Verfassungspatriotismus halte ich für scheußlich unterkomplex. Er klingt toll, aber es ist etwas, was am Ende nicht funktioniert, sondern eine Gesellschaft braucht schon mehr. Ich will es auch kurz erklären, weil du das Grundgesetz da hast. Das Grundgesetz regelt zwei Dinge. Das Verhältnis des Einzelnen zum Staat und das Verhältnis der Staatsbehörden untereinander. Weil das Grundgesetz regelt nicht das Verhältnis zwischen uns beiden. Ja, dafür gibt es das BGB. Das Bürgerrechtgesetz. Ja, aber du kannst jetzt nicht aus der Verfassung ableiten, wie sich die Menschen untereinander verhalten sollen. Na ja, es gibt ja so Artikel 1, Menschenwürde. Ja, aber das ist auch so, da steht dann alles drin. Ich meine, in dem juristischen Grundgesetzkommentar steht Artikel 1, steht 30 Seiten und keiner weiß. Ich meine, die Menschenwürde nicht antasten, nicht deiner nicht. Das ist Artikel 1, das ist das Wichtigste. Selbst das ist im Artikel 1 steht drin, sie zu achten und zu schützen ist die Aufgabe jeder staatlichen Gewalt. Das heißt, die Artikel 1 und die Grundrechte, sie verpflichten zuallererst einmal den Staat. Aber sie verpflichten jetzt nicht zwingend. Also du zum Beispiel darfst Unterschiede machen zwischen Menschen, der Staat nicht. Der Staat muss alle gleich behandeln. Aber du selbst darfst zum Beispiel sagen, der Freund ist mir lieber als jener Freund und deshalb schenke ich dem zu Weihnachten mehr als dem. Das kannst du rein willkürlich machen, der Staat darf das nicht. Das heißt, Artikel 1 und die Grundrechte, sie verpflichten den Staat, aber sie verpflichten nicht die Privaten. Und die Privaten untereinander finden sich aufgrund sehr komplexer Normen, kultureller Normen, tradierter familiärer Normen, auch Normen, die sie regelmäßig neu aushandeln. All das findest du nicht im Grundgesetz. Insofern, das Funktionieren einer Gesellschaft ist sehr, sehr viel komplexer, als dass du es den Juristen überlassen solltest. Ich wollte ja auch nicht suggerieren, dass es nur Verfassungspatriotismus braucht, aber man kann ja unter Verfassungspatriotismus auch verstehen, das Grundgesetz ist eine gute Sache. Das Grundgesetz ist eine gute Sache. Da stehen viele Grundrechte drin, wo andere Staaten darauf neidisch wären. Da stehen viele Grundrechte drin, wo andere Staaten darauf neidisch wären. Und darauf kann man ja stolz sein. Darauf bin ich stolz und das ist trotzdem noch nicht Verfassungspatriotismus. Weil du die Volksentscheide angesprochen hast. Bist du denn auch für Volksentscheide, die potenzielle Grundrechte betreffen könnten? Also, dass dann der Mehrheitsentscheid des Volkes Grundrechte verletzen könnte? Also, jedes Gesetz kann ein Grundrecht verletzen, sofern es verhältnismäßig ist. Zum Beispiel, es gibt ein Gesetz, das sagt, wenn du ein Grundstück hast und da will die Stadt jetzt aber eine wichtige Straße drauf bauen, dann darf sie dich enteignen gegen Entschädigung. Da wird Artikel 14 in dein Grundrecht auf Eigentum eingegriffen. Das heißt, in ein Grundrecht darf eingegriffen werden, aber natürlich muss am Ende von dem Grundrecht noch was übrig bleiben. Was überhaupt nicht geht, ist das komplette Abschaffen eines Grundrechts. Also, ein Gesetz darf in ein Grundrecht eingreifen, wenn dieser Eingriff notwendig, verhältnismäßig angemessen ist. Aber es darf keine Willkür entstehen. Dasselbe gilt jetzt auch für einen Volksentscheid. Ein Volksgescheit darf nie mehr machen, als der Bundestag tun dürfte. Also, bei einem Volksentscheid darf nicht einfach mehr entschieden werden, als das, was der Bundestag auch entscheiden dürfte. Auch bei einem Volksentscheid darf am Ende das Verfassungsgericht kommen und sagen, tut mir leid, liebes Volk, habt ihr zwar schön entschieden, aber geht nicht. Das verletzt die Verfassung. Das muss klar sein. Also, insofern, ein Volksentscheid ist jetzt nicht das Mittel, die Verfassung zu zerstören, sondern ein Volksentscheid würde nichts anderes sein, als das, was der Bundestag ohnehin darf, aber dann eben in einem anderen alternativen Verfahren. 39:28 Establishment & die „kleinen Leute“ https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=2368s Zurück zu deinem Jurastudium. Wo hast du dein Studium geführt? In Dresden. Nur in Dresden? Nur in Dresden. Ich bin stattdessen lieber in einem Semesterferien durch die Welt gefahren und habe Sprachen gelernt. Was sprichst du alles für Sprachen? Ich habe Spanisch gelernt, regelmäßig. Ich habe noch ein bisschen Schulrussisch, das ich ja mal aufgepöppt habe, aber was wieder leider vergessen ist. Logischerweise Englisch. Und dass mein Französisch so schlecht ist, obwohl ich jetzt viel in Brüssel bin, ist eine Schande, aber das ist ein Ziel für die nächste Legislaturperiode. Später kam noch ein MBA-Studium dazu. Wo hast du da studiert? London und New York. An welchen Unis? In New York Columbia und in London London Business School. Columbia, wir hatten letztens einen Professor hier davon. Das ist ja eine Ivy League, also Elite-Schule. Ja. Also hast du an der US-Elite studiert? Ich habe ein Alumni-Netzwerk, das ist charmant. Ja, ich meine, mehr Establishment geht da nicht. Mehr Establishment geht nicht. Bist du einer aus dem Establishment? Du bist Jurist, hast einen Doktor, hast an der US-Elite-Uni studiert, also das ist doch Establishment per Definition. Genau, ich bin wahrscheinlich von genau diesen objektiven Maßstäben ziemlich Establishment, aber von meinen politischen Ansichten und dem, was ich zurzeit mache, bin ich ein ziemlicher Rebell. Also ich bewege mich da in einem Spannungsbogen. Ich habe nur gesehen, auf deiner Bewerbungsrede auf dem Parteitag hast du dich ja als Vertreter der kleinen Leute. Das kann man ja sein. Jaja, muss kein Widerspruch sein. Ich glaube, gerade weil ich weiß, was... Also ich glaube, dass ich auch über die Defizite, auch die Schwachstellen, auch die festgefahrenen Denkstrukturen gerade des Establishments und der akademischen Welt weiß ich eben ein bisschen Bescheid. Und das führt dazu, dass ich sage, es ist auch richtig und notwendig, das zu kritisieren. Und ich glaube tatsächlich, dass die Eliten, die wir zurzeit haben, sowohl in Deutschland als auch in Wiener Amerika, dass sie ihrer Verantwortung gerade für die Masse der "kleinen" ist ein scheiß Wort, also der einfachen Leute, dass sie der nicht gerecht werden. Ich glaube, dass da eine Missachtung, auch eine Verachtung weiter Teile der einfachen arbeitenden Bevölkerung gehört da zum guten Ton. Und das fand ich immer unangemessen. Aber wissen deine Wähler, wissen eure Wähler, dass du eben nicht einer von ihnen bist? Ja. Dann ist das ihnen egal? Sie finden es gut, weil sie sehen, dass ich mich sehr glaubwürdig, sehr hart und auch unter Inkaufnahme eigener Nachteile für sie einsetze. Wenn du vor Gericht gehst, willst du jetzt auch nicht einen Anwalt haben, der genauso ist wie du, sondern du möchtest eigentlich einen haben, der vielleicht anders ist als du, aber der sich trotzdem mit voller Kraft für dich einsetzt. Ja gut, vor Gericht brauche ich einen Anwalt, der Jurist ist der... Du brauchst auch im Parlament einen Anwalt, du brauchst auch in der Politik einen Anwalt, du wirst der normale... Davon gibt es doch schon so viele Juristen im Bundestag. Es wird weniger, was nicht schlecht ist. Du brauchst einen Volksvertreter, der auch so viel Fachkenntnis hat und vielleicht auch so viel Lebenserfahrung, die auch vielleicht zicken, tacken mehr ist als das, was du selber hast, damit er effizient deine Interessen vertreten kann. Ich glaube, dass man das vergleichen kann mit dem Gerichtssaal. Aber die hast du ja nicht, wenn du Establishment bist, was die armen Leute alles interessiert und was kleine Leute für nötig haben. Also meine Mutter war Sonderschullehrerin. Da sieht man schon viel Not. Ich habe sie regelmäßig abgeholt und dann weiß ich noch, es war oft so, dass sie sagte, pass mal auf, ich muss noch arbeiten. Sie war nach der Wende stellvertretende Schulleiterin geworden, wenn man die roten alle rausgehauen hat. Geh doch mal in die Ganztagsbetreuung und ich hole dich dann da ab. Also ich habe gute Erinnerungen. Ich habe noch bis weit ins Grundschulalter regelmäßig mal, vielleicht ein, zwei Mal im Monat, Nachmittag in der Ganztagsbetreuung mit in der Sonderschule zugebracht. Ja, das ist ein Besuch. Aber ich erinnere mich an diese... Also weil du Sonderschüler beobachtet hast, warst du wie die kleinen Leute. Als Kind beobachtet man ja nicht nur. Als Kind ist man ja, man spielt gemeinsam und so weiter. Ich bin durchaus mit der Erfahrung groß geworden, dass ich sicher privilegiert bin. Aber ich habe immer darauf Wert gelegt oder auch durch Zufall die Chance gehabt, dass ich nicht nur mit Kindern, die ähnlich privilegiert waren wie ich, zu tun hatte oder auch später, sondern ich hatte immer die Bandbreite. Ich war eben auch bei der Bundeswehr in einer Achtmannsstube. Das war jetzt nicht immer schön. Aber es gehört auch einmal, dass man... Also ich möchte die Erfahrung nicht missen. Aber wann war das mit der Sonderschul-Mama? In den 90ern oder was? Ja gut, die war schon in den 80ern Lehrerin und dann in den 90ern ist sie dann... Also wahrscheinlich war das noch in den späten 80ern und dann in den 90ern. Hast du denn in den letzten 30 Jahren was mit den kleinen Leuten zu tun gehabt? Ja sicher. Also zum einen als Anwalt hat man sicher eine ganz gute Bandbreite. Da hast du kleine Leute vertreten? Ich habe im Wesentlichen kleine und mittelständische Unternehmen vertreten. Das sind nicht kleine Leute? Ja, aber ich nehme mal ein Beispiel. Ich rede mit den Leuten, ich sehe sie, ich habe mit ihnen zu tun, dass sie... Also als Politiker sowieso, dann ertrebe ich sie häufig, aber auch als Anwalt, dass man es mit Handwerkern zu tun hat und dann auch mal mit den Mitarbeitern redet. Oder mit den Mitarbeitern... Man wird dann eingeladen... Also Klassiker ist ja, der Anwalt wird dann eingeladen, wenn es eine Betriebsfeier ist. Ja und dann eine Betriebsfeier bei einem Bauunternehmen ist eine rustikale Veranstaltung. Und da habe ich schon darauf geachtet, dass ich nicht die ganze Zeit am Tisch vom Chef gesessen habe und dann "Aber 20.30 Uhr muss ich nach Hause." Sondern ich habe da natürlich mit am Grill gestanden. Ich bin dann mit durchgelaufen und habe mir mal die Geschichten der Leute erzählen lassen. Also wenn man ein bisschen mit offenen Augen durch die... Man muss sich interessieren. Man muss sich interessieren für andere Leute. Man muss offen sein und man lernt ja auch davon. Denn die haben ja Erfahrungen, die ich nicht habe. Aber wenn man sie sich erzählen lässt, dann kann man diese Erfahrung auch für sich selbst nutzbar machen. 45:36 Christlicher Fundamentalismus https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=2736s Welche Rolle hat die Kirche und die Religion bei euch zu Hause gespielt? Also bei uns ist es so, mein Vater war katholisch, meine Mutter war Taufstein-Protestante. Und mein Vater hat eigentlich darauf geachtet, dass wir sonntags mit ihm in die Kirche gehen und dass wir zum Erstkommunionunterricht in den Religionsunterricht gehen. Das war alles. Das heißt, wir hatten so ein Grundbewusstsein. Wir sind katholisch, aber wir hatten kein Tischgebet. Also die klassische Familienfrömmigkeit war nicht da. Bei mir war das eigentlich so ein Punkt, dass ich immer an gewisse Situationen gekommen bin, wo ich mich bekennen musste. Also Beispiel, 11. Klasse. Ich war bei meiner Englischlehrerin, wir hatten ein kurzes Gespräch. Ich wusste, das war die vorherige SED-Parteisekretärin der Schule. Und dann sagt sie zu mir, du bist doch katholisch, oder? Meinst du das ernst? Also so Jungfrauengeburt und so. Ich habe bis dahin nie über die Jungfrauengeburt nachgedacht. Aber ich wusste in dem Moment, die will mehr als Leder. Und da habe ich sie angegrinst und habe gesagt, na klar, Frau Bormann, sie nicht. Und in dem Moment sah ich, wie das Gesicht zusammenfiel und sie kein Wort mehr sagte. Das heißt also, ich hatte kommunikativ diese Diskussion durch dieses einfache, klar, sie nicht, gewonnen. Das fand ich unheimlich super. Also ich bin da rausgegangen und habe gesagt, wow, ich habe jetzt gegen die Tante, die jetzt nicht mehr mein größter Fan ist, einfach mal eine Diskussion gewonnen. Das ist jetzt für ein 17- oder 16-Jähriger, ist das nicht schlecht? Weil du gelogen hast? Ich habe nicht gelogen. Ich habe es in dem Fall einfach gesagt und danach habe ich über die Jungfrauengeburt nachgedacht. Und? Und danach. Was ist die Antwort jetzt? Glaubst du an diese Märchen aus der Bibel? Ja, glaube ich. Nein. Absolut. Finde ich richtig. Ja, glaube ich. Die übersteigen uns. Das heißt, du hast erst alles verstanden und angefangen zu glauben, als du erwachsen warst? Ja. Vorher habe ich das halt einfach mitgenommen und aufgenommen. Und ich habe erlebt, immer dann, die zweite lustige Geschichte war Wehrdienst in Bayern. Aber die Mannschaften kamen meist aus Sachsen. Und dann kam, gibt es einen Standortgottesdienst. Einmal im Monat gibt es den Militärgottesdienst. Dasselbe Situation wieder. Also Schluss des Antretens. So, heute ist Militärgottesdienst. Wer mitgehen will, Hand hoch. In dem Moment habe ich nicht groß nachgedacht. Ich habe mir nur gedacht, naja, was ist schöner, Militärgottesdienst oder Kaserne? Was war das Problem? Ich war der Einzige, der sich gemeldet hat. Das heißt, ich stand da, melde mich und 300 Mal lachen. Egal. Was war das Ergebnis? Diese lustige Geschichte, die offenbar unheimlich komisch war, wurde dem Kompaniechef, einem Major, übermittelt. Der, wie ich dann später herausbekam, ein relativ braver Katholik war. Das heißt also, ab dieser Begebenheit hieß es dann einmal im Monat, heute ist Standortgottesdienst. Krah, der Herr Major erwartet Sie. Der Rest ab zum Dienst. Ab diesem Moment waren alle Unteroffiziere meine Freunde. Das heißt, es gibt noch einige andere. Was ich auch so sagen kann, ist, wer den Mut hat, selbst wenn er nicht groß über theologische Feinheiten nachdenkt, sich in der richtigen Moment zu bekennen, von meiner Erfahrung heraus gewinnt. Und deshalb empfehle ich jedem Bekennungsmut. Ist für dich das Grundgesetz wichtiger oder die Bibel? Ich sehe das nicht als Widerspruch. Ich glaube, die Mehrheit der Mütter und Väter des Grundgesetzes waren sehr, sehr deutlich frömmere Katholiken als ich. Welche Bedeutung hat die Bibel dann für dich? Als Katholik ist die Bibel jetzt nicht das Zentrale. Sola Scriptura ist ziemlich Luther. Der katholische Glauben ist schon ein bisschen bunter. Das ist so ein bisschen wie beim Verfassungspatriotismus. Die Verfassung ist wichtig, aber sie ersetzt nicht alles drumherum. Der Katholik schätzt die Bibel, aber eigentlich lebt er in einer Welt, die doch sehr viel sinnlicher ist. Also da gehört dann eben dazu, dass man in die Kirche geht, dass die auch schön ist. Da gibt es dann die sieben Sakramente, zu denen man bitte schön gelegentlich gehen sollte. Nicht zuletzt eine Ölung, aber zu denen, die man kann. Es ist eine sehr, sehr schöne Welt des Geistes. Wir sind jetzt hier festgesetzt auf diese Welt mit unserem Tisch und mit unserem irdischen Leben. Aber ich glaube, dass sehr viele Menschen in unserem Land auch die Sehnsucht haben oder die Ahnung haben, dass es irgendwie etwas gibt, was unser alltägliches Leben übersteigt. Und der Katholizismus ist ein Weg. Himmel und Hölle auch? Nein, einfach übersteigt. Dass es einfach Dinge gibt, die wir nicht mit Mathematik, Physik, Ökonomie und Soziologie fassen, sondern dass wir als Menschen auch einen Platz haben, der vielleicht mehr ist als die rein physische Welt. Glaubst du denn in den Himmel und die Hölle? Ich glaube daran, dass es mehr gibt als die physische Welt. Himmel und Hölle sind dafür schöne Bezeichnungen. Glaubst du, dass du in den Himmel kommst? Na, das hoffe ich. Ob ich das zurzeit glaube, das ist bei Politikern schwierig. Ja, kann ja sein, dass du sagst, spricht bisher nichts dagegen, oder? Ja, ich glaube, ich muss mich noch ein bisschen anstrengen. 51:05 Jesus in der AfD & 10 Gebote https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=3065s Meinst du, dass Jesus in der AfD wäre heute? Jesus war revolutionär. Ich glaube, es gibt zurzeit keine revolutionärere Partei als die AfD. Allerdings würde ich jetzt ungern Jesus politisch vereinbaren wollen. Ihr seid revolutionär. Das heißt, revolutionär ist ja ein Umsturz. Wir sind revolutionär im Sinne von, naja, wir sind revolutionär im Sinne von, dass wir Fragen aufwerfen, vor denen die anderen Parteien sich drücken oder diese überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen. Wir sind revolutionär in dem Sinne, dass wir bereit sind, alteingebrachte Routinen und immer wieder dasselbe einfach mal anders zu machen. Wir sind revolutionär in dem Sinne, dass jeder, der glaubt, dass das, was wir in Deutschland zurzeit haben, so nicht ewig weitergeht, sondern dass wir neue Ansätze in der Politik brauchen, dass er eigentlich bei uns den einzigen Platz finden kann, dass der bei uns ist. Denn bei uns, wir lieben neue Ideen und wir wollen tatsächlich eine Zukunft haben, die lebenswert ist. Wir glauben oder sind überzeugt, dass wenn wir einfach den Weg, der jetzt beschritten wird, weiterlaufen, dass das uns in eine Dystopie führen wird. Welche Bedeutung haben die zehn Gebote, würde ich als Katholik? Die zehn Gebote sind so allgemein, dass sie für jeden Menschen eine Bedeutung haben. Also du sollst nicht töten. Ich wüsste jetzt nicht, dass irgendjemand, egal ob er Katholik ist oder nicht, sagt, super, jetzt gehe ich mal töten. Also insofern, das sind ja einfach zivilisatorische Grundregeln. Man kann jetzt den Katholizismus nicht auf zehn Gebote runterbrechen. Aber die sind schon wichtig. Die sind alles wichtig, die sind sicher Teil des Fundaments. Kennst du alle? Gott ehren, den Namen, kein Bildnis und dann kommen die sieben. Und dann kommen die sieben zwischenmenschlichen, also nicht töten, nicht stehlen, nicht begehren des anderen Weib, nicht falsch Zeugnis geben. Den nächsten Leben? Das ist Neues Testament, das ist nicht zehn Gebote. Das ist schon. Na gut, dann fehlen noch drei. Moment. Morden, stehlen, Zeugnis, nicht begehren des anderen Weib. Fehlen zwei, fehlen noch. Ich dachte so als überzeugter Katholik kennt man das. Nein. Nicht so wichtig. Katholizismus ist eher ein Lebensgefühl. 53:32 Gottesdienst wie in früheren Jahrhunderten https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=3212s Du bist ja nicht so Fan der Kirchen in Deutschland. Der Kirchen in Deutschland bin ich sehr Fan, also selbstverständlich. Aber die Kirchen in Deutschland sind ja auch Fan der Religion. Lass mich mal so stehen, aber wie sollte denn aus deiner Sicht Kirche sein in Deutschland? Sie soll vor allen Dingen aufhören sich um irdische Dinge zu kümmern und sie soll genau sich um das kümmern, wozu es eine Kirche braucht, nämlich um den Platz des Einzelnen, wenn man so will, im großen Kosmos. Sie soll nicht über Klimawandel reden, sie soll nicht über Politik reden, sie soll nicht über Gender reden, sie soll nicht über, sondern sie soll dem Einzelnen sagen, pass mal auf, du bist viel mehr als ein einfacher Mensch, der regelmäßig zur Arbeit geht und dieses und jenes tut, sondern du hast die Chance teilzunehmen an einer spirituellen Welt, die Orts- und Raum- und Zeit übersteigt. Du bist dazu berufen mehr zu sein. Du bist, jetzt ist es ein theologisches Wort, Gottes Ebenbild. Und wir helfen dir genau diese Existenz, die eben nicht deine irdische Existenz ist. Wir helfen dir deine geistige Existenz zu erkennen, in sie reinzuwachsen und in ihr zu leben. Wir machen dich so, die Kirche muss spirituell sein, sie darf nicht irdisch sein, sie darf sich nicht um den Alltag kümmern, sondern sie muss dem Einzelnen eine Chance eröffnen, gerade aus diesem Alltag in eine geistige Welt auch mal rauszutreten. Und das tut sie nicht. Die deutsche Kirche ist völlig unspirituell. Sie kümmert sich nur um Politik. Sie ist völlig lächerlich, sie kann kein, sie schafft es weder intellektuell noch sinnlich, in irgendeiner Form auch nur den Anschein zu erwecken, dass der einzelne Mensch eine Existenz hat, die seine rein alltägliche irdische Existenz überschreitet. Eine furchtbare Idiotenveranstaltung. Aber hat sich die Kirche oder die Kirchen nicht seit Jahrhunderten politisch eingemischt, engagiert, Politik gemacht? Vielleicht hat sie Politik gemacht, aber sie hatte immer dieses Fundament des spirituellen Geistigen und das hat sie nicht mehr. Sie ist heute nur noch NGO. Echt? Ja. Wie heißt der Erzbischof von Berlin? Keine Ahnung. Gut. Glaubst du, dass dieser Erzbischof, wenn du mit ihm jetzt reden willst über die Frage, wie kann ich in eine geistige Welt reinkommen und vielleicht, was bedeutet Gott in meinem Leben, dass dieser Erzbischof in irgendeiner Form für dich relevant ist? Du hast jetzt die Wahl. Du kannst den Erzbischof von Berlin fragen und sagen, wir haben einen buddhistischen Mönch. Wer glaubst du, erzählt dir eher etwas von einer spirituellen geistigen Existenz? Der buddhistische Mönch oder der Erzbischof von Berlin? Wie würde denn sonntags in der Kirche so ein Gottesdienst aussehen, wenn du dir das malen könntest? So wie der zum Beispiel da aussieht, wo ich regelmäßig, wenn ich in Brüssel bin, zur Kirche gehe. Nämlich? In einer Form, in einem Ritus, das man im Kern zurückverfolgen kann aufs vierte Jahrhundert. Und wo, selbst wenn ich kein Katholik bin und nicht glaube, ich zumindest erkenne, dass hier etwas passiert, das in sehr ähnlicher Form vor 100, 400, 800 Jahren passiert ist. Das heißt also, ich weiß, wenn ich da bin, bin ich Zeuge von etwas, wo auch vor 400, 400, 800 Jahren Leute, die ähnlich gerungen haben um ihre geistige Existenz, wie sie es erfahren haben. Das Entscheidende an einer Religion besteht darin, dass sie dich aus Zeit, Ort und Alltag herausholt in eine geistige Welt, die überzeitlich und überörtlich ist. Interessanterweise hat ausgerechnet, oder im letzten Leerschreiben… Ich erinnere mich gerade, darum nehmen ja manche Leute Drogen. Genau, Drogen sind aber schädlich für deine Gesundheit und nicht schädlich für deine Gesundheit ist es, wenn du… Na gut, auswählen, dass du zu einem pädophilen Priester kommst. Ja, aber die gibt es komischerweise bei den Modernen deutlich häufiger als bei den Konservativen. Ist auch interessant. In den konservativen Gemeinschaften ist das so gut wie nicht vorgekommen. Gerade in den 70er Jahren ist es da vorgekommen, wo die Kirche besonders modern und dieszeitig war. Aber das ist nur am Rande. Ich glaube, das mit der Pädophilie ist auch Jahrhunderte alt. Das glaube ich nicht, weil wir die Fälle ja zurückverfolgt haben und wir sehen ja an den jetzigen Untersuchungen auch, wo der Peak war. Und der Peak war eben genau, als die Kirche Mitte der 60er Jahre, in den 70er Jahren entschieden hat, dass sie jetzt mal super duper weltlich wird. Da fing es an. Warum? Wir hatten letztens gerade vor Weihnachten jemanden zum Zweiten Vatikanischen Konzil hier. Das ist der Grund, warum die Priester pädophil wohnen. Nein, aber das setzte Prozesse in Gang, die dazu geführt haben, dass die Leute sich mehr aus ihrer geistigen Existenz meinten, sie müssten sich um irdische Probleme kümmern. Und irdische Kinder anfassen. Nein, aber zum Beispiel, dass ein Priester, der sich vorher vielleicht überhaupt nicht über irgendwelche Sexualität groß reflektiert hat, jetzt plötzlich der Meinung ist, naja, meine geistige Welt ist mir versperrt. Und dann anfängt irgendwie Pornografie, Kinderpornografie kommt ihm dann vor die Hand. Und er steigert sich rein. Also Sexualität ist ja durchaus etwas Fließendes. Es ist ja nun, sicherlich gibt es Tendenzen und Neigungen, aber so ist dann plötzlich auszuleben, sich da reinzusteigern, auch überhaupt nicht mehr sich innerlich zu bremsen. Das ist ja das Ergebnis auch von Entwicklungsprozessen. Welche Sprache sollte dann aber danach dann beim Gottesdienst gesprochen werden? Die Predigt ist immer in der Landessprache, aber es geht ja um die Gesänge. Nicht Latein? Selbstverständlich, also die Gesänge, die Gebete. Warum Latein? Ich habe gesagt, es geht darum, sich über Raum und Ort. Der Sinn und Zweck der Religion ist es, Raum, Ort, Alltag zu verlassen und sich in eine überzeitliche, überörtliche Gemeinschaft einzufügen. Und wenn ich das jetzt aber alles nur in der heutigen Sprache, mit heutigen Worten mache, was ist dann überzeitlich, überörtlich, überräumlich? Das heißt, in dem Moment, wo ich mich aber hinstelle und dann singt da vorne irgendeine Litanei in Latein, ich habe ja die Übersetzung im Buch, ich weiß halt, was er macht, mein Latein ist lausig. Dann weiß ich, okay, ein Christ im 6. Jahrhundert irgendwo in Frankreich, der hat jetzt dasselbe Lied gehört. Er ist jetzt eigentlich mit mir gemeinsam vor diesem Schauspiel. Ich bin Teil einer Gemeinschaft, die nicht auf die heutige Zeit beschränkt ist. Weil der Priester im 6. Jahrhundert auf Latein das vorgetragen hat, wie heute dann? Teilweise dieselben Worte, dieselbe Melodie. Die Religion gewinnt ihre Glaubwürdigkeit genau durch die Überzeitlichkeit. Eine Religion, die heute anders ist als in 5 Jahren, braucht keine Sau. Das ist Esoterik. Nicht mal das. Das ist gar nichts. Aber eine Religion, die mir garantieren kann, wir sind eine Gemeinschaft, wo du heute von mir bis in die Kunstform hinein etwas hörst, was jemand im 7. Jahrhundert, im ganz anderen Ort der Welt, bis in die Melodie von einem Priester gehört hat, der vielleicht sogar ein ähnliches Gewand anhat. Das ist etwas, was diesem Anspruch, eine geistige Welt zu sein, sehr, sehr schön künstlerisch umsetzt. 1:01:15 Inquisitor Bellarmin https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=3675s Gibt es heilige oder bedeutende Personen, Persönlichkeiten in der Kirchengeschichte, die dir nahe sind? Zunächst einmal gibt es die, die wert sind, dass man sich mit ihnen beschäftigt. Nehmen wir den Heiligen Augustinus, ohne den es das Abendland nicht gäbe. Das ist ziemlich hart. Nehmen wir den Heiligen Thomas von Aquin, der eigentlich Aristoteles wieder in die Jetztzeit geholt hat. Wo man dann so lustige Diskussionen führen kann, wer wäre der bessere Aristoteliker, Aristoteles selbst oder Thomas von Aquin. Wir haben in der Renaissance ganz tolle Intellektuelle, also richtige Universalgenies. Robert Bellarmine, finde ich schon stark. Muss man sagen, der hat damals Kopernikus gejagt? Ne, Kopernikus nicht, sondern Galilei. Aber es war anders. Aber die Kopernikaner waren auch ein Problem für Bellarmine. Nicht wirklich, weil bereits an der katholischen Universität von Salamanca Kopernikus gelehrt wurde. Und Bellarmine hat damals Galilei zum Gespräch eingeladen. Das fand aber in der Villa des Kardinals statt, in der Regel beim Essen. Und man hat dann miteinander parliert. Insofern, ich sage nochmal, Heilige sind nicht deshalb Heilige, weil sie nie einen Fehler gemacht haben. Jedes große Leben, eigentlich auch jedes kleine Leben, aber bei großem Leben noch mehr, hat natürlich auch große Fehler. Es hat Misstritte. Ein Leben ist nicht nur im positiven Bereich. Ein Leben hat auch Nachteile. Was ist die Botschaft der Kirche? Die Botschaft der Kirche ist ja nicht, du bist ein blöder Sünder, ich kann dich nicht leiden. Die Botschaft der Kirche ist Verzeihung. Du machst Fehler, aber du kannst trotzdem weitermachen. Steh auf. Ja, du hast einen Fehler gemacht, wir geben dir trotzdem eine zweite Chance, wir geben dir eine dritte Chance, wir geben dir eine vierte Chance. Du bist es wert, dass du trotzdem immer Fehler weitermachen kannst. Insofern finde ich das jetzt nicht verkehrt, wenn ein Heiliger seine Schwachsinnseiten hatte. Aber warum war er denn ein Genier? Er stand ja zuvor, ich habe ihn so als Inquisitor, als wissenschaftsfeindlicher. Der hat dafür gesorgt, dass Galilä und meine Wegen auch die kopernikanischen Erkenntnisse, dass die Erde um die Sonne kreist, der hat das bekämpft. Nein, das ist nie, zum Beispiel es gibt katholische Universitäten, die haben es unentwegt weitergelehrt. Also zunächst mal, bereits Kopernikus war ja Kleriker. Und Galilä, im Übrigen kann man bei Berthold Precht sehr schön nachlesen, das Problem bei Galilä war ja nicht, dass er das kopernikanische Weltbild vertreten hat. Das Problem bei Galilä war, dass er aus seinem kopernikanischen Weltbild heraus theologische Aussagen gemacht hat. Also er hat gesagt, ja, die Erde dreht sich um die Sonne, und dann hat er das aber übertragen auf irgendeine theologische Fachfrage. Es tut mir leid, ich hätte mir jetzt sogar eine Lebe lesen, wenn ich gewusst hätte, es ist dran. Und dann haben sie ihn eingeladen und haben gesagt, jetzt pass mal auf, du kannst deine Naturwissenschaft machen, aber hör mal bitte auf, dich in die Theologie einzumischen. Und darüber haben die mit Berthold Precht nicht im Folterkeller, sondern sie haben damit in seiner Villa beim Essen appelliert. Und irgendwann haben sie aber gesagt, wir haben den Luther in Deutschland, jetzt haben wir den Galilä hier, die pfuschen uns in unsere Theologie rein, jetzt reicht es aber mal. Und haben den großen Fehler des Jahrhunderts gemacht, indem sie gesagt haben, ihr müsst jetzt alles abschwören. Absolut, völlig idiotisch. Aber wenn man sich Bellarmine anschaut, das war ein Universalgelehrter, der die ganze antike Philosophie, den Humanismus gebracht hat, der den noch weitgehend mit der Theologie versöhnt hat. Also es war in der Tat, nebenbei war er gebildet, er sprach mehrere Sprachen. Aber er hat auch Fehler gemacht. So muss das sein. Jeder große Mensch hat auch Fehler gemacht. Der damalige Stand des Wissens oder der Wissenschaft bekämpft. Der damalige Stand der Wissenschaft war wahrscheinlich, Galileo und Copernicus, ich weiß nicht, ob das der Stand der Wissenschaft war, das war eher die Avantgarde. Ja, also wir einigen uns darauf, Bellarmine ist ein Heiliger trotz massiver Fehler und ich würde sagen, ein Heiliger muss Fehler auch haben. Das ist einfach so, denn er ist einfach ein Mensch. 1:05:31 Pius-Brüderschaft & Steuervermeidung https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=3931s Wir haben ja vorhin schon über dein Jurastudium, dein Juristentaschen gesprochen. Wie bist du bei der Pius Brüderschaft gelandet? Erklär mal kurz, was die Pius Brüderschaft ist. Die Pius Brüderschaft ist eine Organisation, die sagt, diese Selbst-Säkularisierung oder diese Modernisierung der katholischen Kirche machen wir nicht mit. Also es sind Radikale, Radikali in der katholischen Kirche, was ich so weiß. Ja, sie sagen einfach so, die Kirche modernisiert sich, das war das Attraktionskonzil, du hast es wahrscheinlich in der Sendung gehabt, hast du mir gerade gesagt. Und dann gibt es einen französischen Erzbischof, der sagt, ihr habt einen an der Waffel, das geht schief. Marcel Lefebvre. Und der lädt dann, dann kommen lauter junge Männer und sagen, wir wollen gern Priester werden, aber in den modernen Priesterseminarien erzählen sie uns irgendwas Neues. Und erzählen uns das, was eben auch Seminaristen im 8. /14. Jahrhundert so gelernt haben. Können sie uns nicht ausbilden? Und da sagt der, der war schon über 60, mach ich. So und daraus entsteht die Pius Brüderschaft. Und die brauchten einen Anwalt. Und da ich... Wofür? Zunächst einmal brauchten sie einen Anwalt, unter anderem für Presserecht, aber später ist dann dazugekommen, dass sie eine größere Zuwendung, eine Erbschaft bekommen haben und die musste rechtlich strukturiert werden. Ich hatte jetzt gelesen, dass du eine Firma in Lichtenstein eingerichtet hast für die... Genau. Eine Privatstiftung in Wien, sowie eine Aktiengesellschaft in der Schweiz und diese Konstruktion war dafür da, Steuern zu vermeiden. Absolut legal, na klar. Klar war es legal. Super, dafür sind Anwälte da. Anwälte sind dafür da, für ihre Mandanten legal das herauszuholen, was ihrem Interesse entspricht. Das habe ich getan. Jede Organisation... Aber damit hast du dem deutschen Staat ja... In dem Fall dem österreichischen. Ja. Jede Organisation ist dazu da, braucht ja Geld. Also wenn man seine Miete nicht bezahlen kann, rettet man nicht die Welt. Und... Hier geht es um Millionen, nicht um paar tausend Euro, womit man die Miete zahlen muss. Jede weltweit umspannende Organisation braucht halt auch viel Geld. Und da sie das Geld hatten, musste es in eine rechtlich saubere Form gebracht werden. Und dafür gibt es Experten. Ich war einer davon. Hast du das schon für andere gemacht? Nicht in dem Maße. Das war sicher das größte Mandat. In dem Maße? Was heißt das? Wie kann man sich das vorstellen? Ich helfe immer... Als Anwalt hilfst du Leuten und redest nicht darüber. Das ist dann in die Presse gekommen. Du bist als Anwalt dafür da, dass Leute innerhalb der Legalität ihre Interessen durchsetzen können. Und du hast einen Steuerberater ja auch deshalb, damit du wenig Steuern zahlst. Oder korrekt. Also mir geht es eher um das Korrekte. Korrekt und wenig. Hm. Äh... Gut, du hast der Pius-Bruderschaft bei Steuervermeidung geholfen. Vor allem beim Sichern... Bei der langfristigen Sicherung ihres Vermögens. 1:08:36 Kampf gegen Steuerhinterziehung https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=4116s Äh... Jährlich entstehen ca. 100 Milliarden Euro Schaden für die Volkswirtschaft in Deutschland. Durch Steuervermeidung. Durch Hinterziehung. Steuerhinterziehung, also auch legale Steuervermeidung. Steuerhinterziehung, genau. Ähm... Hast du da ein paar Tipps? Ganz sicher aus? Wie der Staat das eindämmen kann? Ja, indem er das Steuersystem... Er muss zwei Dinge machen. Er muss das Steuersystem so einfach machen, dass es für beide Seiten klar ist, was gewollt ist. Das heißt also, wir haben... Es gibt kein Land mit einem so standardisch komplizierten Steuersystem wie Deutschland. Es gibt also zu jeder Regel... Gibt es eine Ausnahme? Gibt es eine Ausnahme von einer Ausnahme? Es gibt eine Ausnahme von einer Ausnahme der Ausnahme. Es gibt Unterpunkte mit Buchstaben, also Paragraf, Absatz. Dann hat er noch einen Buchstaben. Und der Buchstabe geht über das gesamte... Die gesamte Textseite von so einer BEC-Ausgabe. Das heißt, was muss ein Steuersystem machen? Ein Steuersystem muss so einfach sein, dass eigentlich ein normaler Angestellter oder keiner Selbstständiger es selbst versteht. Das ist das eine. Das zweite ist, das Steuersystem muss Steuersätze haben, wo die Menschen zwar immer noch sagen, "Uah!", aber wo sie sagen, "Ich sehe es auch ein." Es gibt zum Beispiel in der Schweiz so gut wie keine Steuerhinterziehung. Nicht, weil die Schweizer gern Geld an den Staat zahlen, sondern weil sie sagen, mit allen Einschränkungen, die wir haben, es ist fair. Es ist fair und ich verstehe es. Und das sind die beiden Grundsätze eines Steuersystems. Es muss fair sein, und die Leute müssen es inhaltlich verstehen, wie es funktioniert und den Eindruck haben, sie werden gerecht behandelt. Und das tut das deutsche Steuersystem nicht mehr. Insofern bräuchten wir eine grundlegende Steuerreform, hat die CDU mal versprochen. 2002. Wir sind natürlich nichts mehr von wissen, aber das ist auch nicht so schlimm, weil jetzt gibt es die AfD, die verspricht es jetzt. Aber kannst du das mal konkret machen, wie ihr das, also Steuern hinterzogen werden natürlich Reiche und die superreichen. Das macht ja jetzt nicht Oma Erna. Ja, auch die Unternehmen. Oma Erna zahlt keine Steuern. Wie kommt man dazu, dass die Steuerhinterziehung verändert? Nur wenn du das Steuersystem insgesamt änderst. Ja, wie denn? Du machst einfach ein Cut und setzt ein neues Steuergesetzbuch in Kraft. Und dieses Steuergesetz muss zwei Grundprinzipien haben. Es muss einfach und verständlich sein, wenig Ausnahmen haben. Und die Steuersätze müssen so sein, dass auch der Steuerzahler sagt, bin ich bereit. Habe ich verstanden. Aber ich habe jetzt noch nicht verstanden, wie man dann die Steuerhinterziehung bekämpft. Darauf gibt es weniger Steuerhinterziehung. Die Steuerhinterziehung ist eine Folge des irren Steuersystems. Denn du siehst Länder, die ein Steuersystem haben, das meinen Prämissen entspricht, haben sehr, sehr wenig Steuerhinterziehung. Die Schweiz hat kaum Steuerhinterziehung. Sie hat ein bisschen, hat das überall, aber die decken sie auf. Aber je komplizierter ein Steuersystem ist, umso mehr Steuerhinterziehung hast du. Das heißt, du simplifizierst das Steuersystem und machst Sätze, wo die Leute sagen, bin ich bereit zu zahlen, mit Schmerzen. Dann hast du keine Steuerhinterziehung. Wenn du irgendwelche astronomischen Sätze hast und dazu auch noch ein System, das so kompliziert ist, dass selbst dein Steuerberater daran verzweifelt, dann hast du Steuerhinterziehung. Aber ich verstehe nur das Ganze, wir haben zum Beispiel keine Vermögensteuer und trotzdem hinterziehen die Vermögen in Deutschland, die steuern. Ja, aber das ist ja, was sie hinterziehen, ist ja nicht das Vermögen. Das ist doch ganz einfache Regel. Und dadurch ein sehr niedriger Satz. Nein, es geht nicht um die Vermögen. Was sie hinterziehen, mutmaßlich, sind Einnahmen. Nicht Vermögen. Sie hinterziehen ja Einnahmen. In Deutschland werden nur Einnahmen besteuert. Na gut, wenn ich auf Cayman Islands Vermögen liegen habe, dann ist das natürlich... Warum habe ich es aber auf den Cayman Islands? Weil in Deutschland das System so ist, dass die Leute dem Staat nicht vertrauen. Kein Schweizer, so gut wie kein Schweizer, hat Geld auf den Cayman Islands. Warum nicht? Warum hat ein Schweizer, der in so ein... Also, nehmen wir mal an, du hast einen reichen Sack am Bodensee, auf deutscher Seite, und du hast einen auf schweizer Seite. Einer wohnt in Konstanz und einer wohnt in Kreuzlingen. Beide sind gleich reich. Warum schickt der Konstanzer sein Geld auf den Cayman Islands und der Kreuzlinger nicht? Warum zahlt der Kreuzlinger seine Steuern brav beim Kanton, wo er da ist? Und warum gibt der Deutsche Unsummen aus und riskiert Gefängnisstrafen, nur um sein Geld zu verstecken? Das ist doch die Frage. Der Kreuzlinger hat dasselbe Geld, aber er zahlt brav Steuern den Kreuzling, der Deutsche nicht. Das heißt, du musst auch immer, gerade im Bereich des Steuerrechts, musst du das System so machen, dass der Steuerpflichtige mitmacht. Wenn du den Steuerpflichtigen in eine Feindschaft hereinziehst zum Steuerrecht, wird er anfangen, nach Schlupflöchern und auch nach kriminellen Schlupflöchern zu suchen. Wenn der Steuerpflichtige aber bereit ist, mitzumachen, weil er das Steuersystem für nachvollziehbar und unter Schmerzen gerecht hält, wird er nach diesen Schlupflöchern nicht suchen. Hast du Konten im Ausland? Nein. Also all dein Geld, all dein Vermögen, Moment, ich habe eins in Belgien natürlich. Ja, okay. Weil du in Brüssel abgeordnet bist. Weil ich in Brüssel abgeordnet bin, habe ich ein Konto im Lokal. Du hast nicht in der Schweiz Lichtenstein. Du kannst mir durchaus glauben, dass ich imstande war, als ich entschieden bin, Politiker zu werden, einmal mich komplett selbst zu durchleuchten. Na, vielleicht hast du ja irgendwelche Konten gefunden, von denen dir nicht klar war. Ich habe nichts. Ich gehe doch nicht ins Rampenlicht, bevor nicht klar ist, dass wenn das Licht auf mich ist, keine Schatten fallen. 1:14:05 Marco Wanderwitz (CDU Sachsen) https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=4445s Mir ist vorhin bei der CDU noch eingefallen, den Marco Wanderwitz, den musstest du ja auch kennen. Klar, wir waren zusammen bei irgendeiner Premiere von irgendeinem schleusigen Star Wars 6 oder so sogar. Ja, aber er ist ja auch aus CDU Sachsen. Klar, war er irgendwann mal per Du. Und dann muss er ja irgendwo auseinander gegangen sein, weil er ist so einer der Vorreiter in der Union, die sagen... Genau, die mich verbieten wollen. Die die AfD verbieten wollen. Es ist noch viel lustiger, er hat seinen Wahlkreis verloren, an einen AfD-Kandidaten. Der war damals mein Mitarbeiter. Und mit Wanderwitz, das letzte Mal live zusammen, waren wir bei der Premiere hier in Berlin von irgendeiner Star Wars Sendung. Da hatte er noch meine Partnerin und mich eingeladen auf irgendwie Tickets, die er bekommen hat als Bundeshaushalte. Warum ist das so auseinander gegangen? Ihr wart ja mal zusammen in einer Partei. Wir waren sogar persönlich einigermaßen befreundet. Weil sich leider unser Land politisch sehr, sehr stark polarisiert hat. Weil das Land sich ändert, weil die Weltlage sich ändert und Wanderwitz und ich eben entschieden haben, jeder für sich in verschiedene Richtungen zu gehen. Und ich bedauere das, bei mir hängen persönliche Beziehungen nicht an der politischen Gesinnung. Also ich... Ganz im Gegenteil, ich finde es sehr befruchtend, mit Leuten Umgang zu haben, die eigentlich alles, was ich sage, furchtbar finden. Weil die mir ja helfen, meine Argumente besser zu machen. Oder auch mal zu sagen, okay, hier hast du Recht, da muss ich mal mich korrigieren. Es gibt aber auch Leute, die eben diesen intellektuellen Spaß nicht teilen und dann sagen, also Leute, die komplett anderer Meinung sind als ich, die will ich in meinem Umfeld nicht haben. Und offenbar ist der liebe Marco da eben eher im denkfaulen Camp. 1:15:45 Krahs Weltbild https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=4545s In welche Richtung, hast du schon ein paar Mal gesagt, bist du gegangen? Also welchem Weltbild hängst du heute an? Vor den Prinzipien ist es dasselbe, aber du musst ja immer die konkreten Antworten sehen. Also eine Migrationsfrage, die heute nach allen Umfragen für die meisten Deutschen die wichtigste politische Frage ist, stellte sich vor 2015 in der Dringlichkeit nicht. Die stellt sich danach. Wie hältst du es mit Russland? Das ist eine Frage, die sich glaube ich vor 2020, 2021, spätestens 2022, nicht als eine primäre Frage gestellt hat. Ach doch. Also Russland, seitdem ich politisch denken kann, ist immer ein Thema. Aber nicht in dem Maße. Also als Gerhard Schröder Kanzler war und die Gas-Deals gemacht hat, waren alle Parteien im Bundestag eigentlich ziemlich zufrieden damit. Gab es keinen Widerspruch. Das ist erst jetzt emotionalisiert worden. Die Grünen waren schon immer gegen Nord Stream 1 und 2. Wie war denn die Regierung drin, als die Gas-Deals gemacht wurden? Merkel hat den Nord Stream 2 gemacht. Ja, aber den Nord Stream generell, dass man den Atomausstieg mit Nord Stream kompensiert, war eine Schröder-Idee und der hat mit den Grünen regiert. Hat er. Aber Nord Stream 2 kam durch Merkel und deine Partei. Damals. Ja, immer noch eine sehr gute Idee. Aber ich hatte gefragt, was ist dein Weltbild jetzt? Migration? Mein Weltbild ist immer dasselbe geblieben. Aber das Entscheidende ist ja, ein Weltbild ist was Abstraktes und das konkretisiert sich dann im politischen. Beschreib das mal, also deine Ideologie. Beschreib das mal. Meine Ideologie wäre, dass ich sage, ich will leben. Ich will leben als das, was ich bin. Ich glaube, dass die große Frage, die sich jeder stellen muss, ist er eine leere Hülle, der von der Gesellschaft und den Diskursen geprägt wird? Oder ist er einfach ein Ich? Das, was in sich hat, eine Identität hat und das die Umwelt nach seiner eigenen Veranlagung und nach seinem Wesen prägt. Prägst du deine Umgebung nach dem, was du bist? Oder prägt der Diskurs, die Gesellschaft dich? Was ist das? Du kannst sagen, sicher beides anteilig. Du willst, dass die Gesellschaft so lebt und so lebt, wie du lebst. Nein, ich möchte, dass jeder sich die Frage stellt, wer bin ich? Dass er sich selbst erkennt und dass er selbstbewusst aus dem, was er selbst ist, anfängt in seinem Umfeld Dinge zu gestalten, seine Meinung zu äußern. Dass er von sich, von innen nach außen agiert. Und das, was aber heute Mainstream ist, du bist eine leere Hülle. Du hast noch nicht mal ein Geschlecht. Sondern du bist, es gibt Diskurse, es gibt gesellschaftliche Trends und du kannst darauf jeweils reagieren. Aber du hast kein Geschlecht, du hast eigentlich kein Ich, sondern du wirst geformt von dem, was kommt und dann kannst du damit interagieren. Aber die Vorstellung, dass du jemand bist, der eigentlich ganz viel schon in sich hat, sehr viel Potenzial, der ein Geschlecht hat, der eine gewisse Form zu denken hat, der auch geprägt ist durch seine Eltern, durch seine Vorfahren und der damit nach außen geht und der selbstbewusst sagt, "Hey, ich will leben, ich bin der, der ich bin, ich habe jetzt meine Zeit, ich baue hier was auf, ich hinterlasse was, ich gründe eine Familie, ich baue mir mein eigenes Haus oder ich pflanze einen Baum, aber von mir bleibt was übrig, was weiterlebt. Ich gebe etwas von dem, was ich bin, in die Welt, in die Zukunft hinein." Dieses Selbstbewusstsein, das ist eigentlich der Kern, der unverhandelbare Kern für mich. Und den möchte ich geben in einer Zeit, wo ich leider sehr, sehr viele orientierungslose Menschen erlebe, bei denen ich den Eindruck habe, dass sie völlig fremdbestimmt sind. Aber jetzt nach deiner Logik, wenn ich mich selbst erkenne, in mich reinhöre und feststelle, Du bist Chantal. Ich möchte als Frau leben und ich will mein Leben leben, so wie du das herforderst. Und mein Leben würde ein glücklicheres und freieres für mich selbst sein, wenn ich so leben kann, wie ich das möchte. Dann argumentiere ich dir, komme ich dir damit, dass es eben auch so etwas für eine objektive Realität gibt. Es gibt eine Natur. Also darf ich nicht abweichen von deinen Vorstellungen, an dem, wie ich leben möchte. Stell dir vor, du sagst jetzt, ich bin Chantal und dann stirbst du. Und nach 60 Jahren werden deine Gebeine gefunden. Und dann kratzen die Wissenschaftler und wollen rauskriegen, wer liegt denn da? Da steht wahrscheinlich ein Name dran. Nee, da sagen sie, da liegt ein Mann. Das heißt also, es gibt einfach Grenzen dessen, was ich bin, frei in den Grenzen dessen, was ich objektiv tatsächlich bin. Aber das hast du vorher nicht gesagt. Man muss sich erkennen. Genau, aber ich erkenne nur etwas Objektives. Also ich erkenne die Wahrheit. Ich erkenne, dass 2+2=4 ist. In deinem Kopf ist ja nichts objektiv. Das bestreite ich. Ich glaube, es ist was Objektives. Ich glaube, das ist tatsächlich so eine Art, also ich weiß nicht, hast du noch Computerunterricht gehabt, wo es das gibt, was auf einer Festplatte immer drauf ist und dann erst wird das System aufgespielt. Also wie hieß das? Bramm oder nee? Keine Ahnung, bin zu jung dafür. Okay, danke. Also es gibt, ich glaube, dass es tatsächlich einen gewissen Set gibt, das in dir drin ist. Es gibt ein Potenzial, in dem du hereinwächst. Du kannst nicht sagen, ich bin jetzt eine Frau. Du bist keine Frau. Du kannst es auch nicht sagen, ich bin jetzt aber in Wahrheit ein Klingoner. Du bist ein Mensch. Da kommst du nicht drüber weg. Du kannst nicht sagen, ich bin jetzt aber eine Miezekatze. Warum bildest du dir ein, mir zu sagen, was ich bin? Ich bilde mir das nicht ein, aber das ist einfach eine Sache. Das tust du ja gerade. Der Mensch ist eben nicht nur reiner Geist, der Mensch ist auch Körper und dann lad mal einen Mediziner oder einen Biologen ein und die sollen dir mal was über XY-Chromosomen erzählen und dann werden sie dir sagen, ja, die Zweigeschlechtlichkeit ist eben sehr fundamental für jedes Lebewesen, gerade für Säugetiere. Also wenn wir so fundamental sind, was ist der Mensch? Der Mensch ist Geist und Körper, untrennbar verbunden. Und selbst wenn du jetzt sagst, ich habe einen Gedanken, dann hat dieser Gedanke eine körperliche Entsprechung. Jeder Gedanke hat ja eine Entsprechung im Körper im Sinne eines elektromagnetischen Impulses oder im Sinne, dass da irgendwie was spielt. Das heißt, dein Geist und dein Körper sind eine Einheit. Und wenn du jetzt aber erkennst, dass du im falschen Körper bist, das ist ja der übliche Spruch, ich bin im falschen Körper, dann würde das ja logisch bedeuten, dass dein Körper nicht zu dir gehört. Ich im falschen Körper heißt, mein Körper ist nicht ich. Richtig? Geht nicht anders. Und damit bist du leider im Irrtum. Dann hast du was Falsches erkannt. Denn du bist dein Geist und dein Körper. Und wenn du nun mal einen männlichen Körper hast, dann bist du ein Mann. Und wenn du jetzt aber sagst, ich bin kein Mann, aber dein Körper ist nun einfach mal männlich, weil du halt XY hast, dann hast du was Falsches erkannt. Dann hast du halt erkannt, zwei plus zwei ist fünf. Ist zwar ein netter Versuch, aber zwei plus zwei bleibt trotzdem vier. Also deine Selbsterkenntnis, deine Freiheit, endet natürlich an dem, was einfach objektiv gegeben ist. Es gibt eine objektive Wahrheit. Es gibt eine Körperlichkeit. Du als Mensch bist eben auch dein Körper. Wir dürfen nicht den Körper komplett vergessen und denken, alles ist nur freier Wille. Was ich gerade will, ist das, was zählt. Nein, dein freier Wille ... Der Geist zählt nicht. Der Geist und der Körper müssen übereinstimmen. Weil der Mensch Geist und Körper in einem ist. Ja, aber wenn mein Geist weiblich wäre, dann sagst du, Thilo, halt die Fresse. Weil dein Körper männlich ist. Die Körperlichkeit beschränkt. Was würde transsexuell in Deutschland drohen, wenn ihr an der Macht seid? Gar nichts. Wieso? Dir würde gar nichts drohen? Wir würden allerdings versuchen zu verhindern, dass jetzt irgendwelche Drag-Queens in die Grundschulen gehen und den armen Mädels und Jungs versuchen einzureden, dass sie was anderes sind, als sie sind. Aber wer jetzt als Transe in Deutschland lebt, der lebt selbstverständlich weiter so. Niemand muss Angst davor haben, dass wir irgendjemanden, der zurzeit irgendwas hat, und irgendwas hat, das ihm wegnehmen. Wir glauben nur, dass es kein gesunder Trend ist, dass wir das im großen Stil propagieren, dass wir Drag-Queens in die Schulen schicken und so weiter. 1:24:06 Rechte Ideologie https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=5046s Ich hatte nach deiner Ideologie gefragt, der Buch heißt ja "Politik von rechts". Ja. Also du bist ein Rechter. Klar. Was heißt das? Ich glaube, wir müssen ... Politik, ähnlich wie Jura, basiert auf Klarheit der Sprache. Und der typische Mensch, der so denkt wie ich, sagt, ich bin ein Konservativer. Problem, Armin Laschet sagt auch, ich bin ein Konservativer. Jetzt habe ich zwei Chancen. Ich kann mich mit Armin Laschet über den Begriff "Konservativ" streiten oder ich kann sagen, hey Armin Laschet, dann bist du halt konservativ, bin ich rechts. Die Frage ist, was ist effizienter? Kommunikativ. Aber gibt es dann so einen objektiven Unterschied zwischen konservativ und rechtsradikal? Na das sowieso. Der Unterschied ist der, das sind ja Etiketten, das sind ja Bezeichnungen. Was konservativ bezeichnet, ist zur Zeit nicht klar. Du kannst sagen, ich bin ein Konservativer, aber Armin Laschet ist auch ein Konservativer. Das heißt, du hast ein Wort, das zwei sehr verschiedene Dinge bezeichnet. Ein Wort, das zwei sehr verschiedene Dinge bezeichnet, ist kommunikativ wertlos. Denn der Sinn der Kommunikation ist ja die Klarheit. Du willst ja genau wissen, was ich dir sage, wenn ich ein Wort nutze. Also wenn ich dir sage "Sonne", aber "Sonne" bedeutet "Mond" und "Sonne" und du weißt am Ende nicht, meine ich jetzt den Mond oder die Sonne, dann veralber ich dich. Das heißt, das Problem, was wir haben, ist, ich möchte Klarheit in der Sprache haben. Und da ich keine Lust habe, mich mit Armin Laschet zu streiten über den Begriff "Konservativ", sage ich, okay, ich lasse ihm das Wort "Konservativ" und nehme mir das unschönere Wort "rechts". Weil ich aber so ein lustiger Typ bin, mache ich das Wort "schön". Wenn du rechts bist, was ist dann rechtsradikal, rechtsextrem? Fangen wir mit rechtsextrem an. Rechtsextrem hat nach den gängigen Definitionen, die bis vor zwei Jahren noch galten, immer einen Gewaltaspekt. Also wer Gewalt einsetzt zur Erreichung politischer Ziele, wer bereit ist, Gesetze zu brechen, der ist ein Extremist. Das ist die klassische Definition, an der ich festhalte. Oder verfassungsfeindliche Sachen. Das ist deshalb schwierig, weil mittlerweile der Verfassungsschutz über die Frage der Verfassungsschutzgesinnungsaussätze schreibt. Diese Vorstellung der Gesinnungsaussätze gibt es nur in Deutschland. Außerhalb Deutschlands bist du immer dann ein Extremist oder ein Verfassungsfeind, wenn du gegen Gesetze verstößt. Ganz einfach. Und der Extremismusbegriff hat immer einen Gewaltaspekt. Das ist das, was Haldenwang jetzt gerade abschaffen will, damit er uns zum Extremisten erklären kann. Als ich Jura studiert habe, war Extremist immer verknüpft mit Gewalt. Und jetzt stellt sich Haldenwang hin und erzählt, wir müssen den Gewaltaspekt aus dem Extremismusbegriff loswerden. Du hast Gewalt dabei. Genau, Gewaltbereitschaft zum Beispiel. Gewaltbereitschaft würde reichen. Auf alle Fälle ja auch mal. Also wer Gewalt einsetzen möchte zur Erreichung politischer Ziele. Was ist der Unterschied zwischen Rechts und Rechtsradikal bei dir? Ich glaube, der Radikale ist dann derjenige, der nicht mehr diskutiv anschlussfähig ist. Also der jetzt zum Beispiel dieses Gespräch nicht führen könnte, weil er überhaupt nicht mehr versteht, worüber du redest. Darum bist du jetzt zum Beispiel nicht Rechtsradikal. Ich selbst halte mich weder für radikal noch für extrem. Also Gewalt setze ich nicht an. Und ansonsten leiste ich mir durchaus den Luxus, auch gerne linke Autoren zu lesen, weil ich tatsächlich glaube, wie du es ja zu Anfang vorgelesen hast, wir müssen zuhören, wir müssen diskutieren, wir müssen freundlich sein und wir müssen akzeptieren, dass es auch Themen geben kann, wo ich Unrecht habe und vielleicht ein linker Recht hat, wo man voneinander lernen kann. Gut, steigen wir mal ein. Es gibt ja viele Probleme, die die Menschen in Deutschland haben. Warum sie auch vielleicht überlegen... Steigen wir mal ein, finde ich jetzt einfach nach anderthalb Stunden eine mutige Aussage. Das ist Teil von "Jung und Naiv", erst mal mit der Biografie anzufangen und dann über die Themen zu reden. Steigen wir ein. 1:28:15 Zerstörung der EU https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=5295s EU, Europawahl, du bist Spitzenkandidat. Warum will jetzt eine Partei, die die EU hat, ins Europaparlament? Die AfD möchte dahin gehen, wo die wichtigen Entscheidungen getroffen werden. Wir schulden unseren Wählern, dass wir dahin gehen, wo die wichtigen Entscheidungen getroffen werden und dass wir versuchen, auf diese Entscheidungen in ihrem Sinne Einfluss zu nehmen. Die wichtigen Entscheidungen heutzutage werden in Brüssel getroffen. Also gehen wir dahin. Aber ihr wollt das ja beenden und abschaffen und zerstören. Wir wollen die EU transformieren. Wir wollen nicht die Renationalisierung. Wir brauchen in der Welt von der Zukunft eine europäische Ebene. Aber wir wollen die EU umbauen. Und solange das eben noch nicht der Fall ist, der Umbau, müssen wir in den bestehenden Institutionen arbeiten. Ich weiß, dass da drin steht, das Parlament soll weg. Aber das ist gemeint, wenn die EU umgebaut ist. Zum jetzigen Zeitpunkt werden wir sicherlich nicht die Institution abschaffen, die uns als einziges die Chance gibt, unsere Meinung zu vertreten, unsere Wähler zu vertreten. Da steht aber jetzt bei euch anders drin, ihr sagt, also euer Wahlprogramm. Das undemokratisch gewählte EU-Parlament wollen wir abschaffen. Die Rechtsetzungskompetenz wird bis zu Neuordnungen der Verhältnisse allein dem Rat übertragen. Das heißt, ihr schafft das Parlament ab und dann gibt es solange noch eine EU. Das ist die Kurzfassung, es ist unglücklich formuliert. Da ist wahrscheinlich was vorbeigekommen. Also wenn die EU umgebaut ist und weniger zu tun hat auch, dann können das auch die Regierungen machen. Wir werden sicherlich nicht in der jetzigen Situation das einzige Instrument abschaffen, wo wir unseren Wählerauftrag erfüllen können. Aber grundsätzlich wollte dieses... Wir wollen die EU komplett umbauen und was danach kommt, wird eine andere Form der Volksvertretung haben. Wie weit bist du denn jetzt, du bist ja 2019 im EU-Parlament, wie weit bist du gekommen, was hast du gemacht, um die EU abzuschaffen? Wir wollen jetzt umbauen, transformieren. Wie weit bist du mit dem Umbau und der Transformation gekommen? Wir sind so weit gekommen, dass wir zunächst einmal ein ganz gutes Netzwerk aufgebaut haben, weit auch über die eigene Fraktion hinaus. Zum Beispiel in die Fraktion ECR, also alles was rechts der Union ist, wo wir zur Entwicklung der EU und möglichen Zukunftsalternativen im Wesentlichen übereinstimmen. Das heißt, wir haben die Plattform aufgebaut, um eine Antwort zu geben auf die Pläne der linken Mehrheit, aus der EU so eine Art Superstaat zu machen. Das heißt, wir sind nicht mehr alleine und wir haben eine Übereinstimmung dahin, wo wir hinwollen. Das haben wir geschafft. Ja, aber habt ihr irgendwas gemacht? Die Leute wählen euch ja, weil ihr EU-Scheiße findet. Die Leute wählen uns, weil sie eine realistische Chance sehen, dass es eine starke Kraft gibt, die eine immer weitere Zentralisierung verhindert. Dafür sind wir da. Und das können wir garantieren. Nach den heutigen Umfragen können wir garantieren, dass wir so stark sein werden, dass wir deutlich mehr als ein Drittel der Stimmen haben, dass also fundamentale Änderungen in die falsche Richtung nicht mehr möglich sind. Wie würdest du beschreiben, wie deine Arbeitsintensität die letzten fünf Jahre war? Die ist deutlich besser als das, was mittlerweile ZDF frontal sagt. Ich bin nämlich Mitglied in nicht nur einem Ausschuss. Ich bin Mitglied Handel, Menschenrechte. Ich bin Stellvertreter Außenpolitik. Ich bin in der Regionalförderung drin. Im Handelsausschuss warst du in den letzten zwölf Monaten bei keiner Abstimmung dabei. Ja, das muss man auch nicht hingehen, weil ich habe den Vorteil, ich kann zu den Sitzungen Teammitglieder schicken. Das tue ich. Und ich gehe natürlich zu den Abstimmungen im Ausschuss nur dann, wenn es knapp wird. Ansonsten lasse ich mich vom Teammitglied briefen und sage, okay, die Sache ist eindeutig, das ist 90/10, ich würde vielleicht selbst zustimmen. Da muss ich nicht hingehen, sondern kann Sachen machen, die vielleicht anderswo wichtig sind. Das ist das eine. Das zweite ist, ich bin im Handelsausschuss der Berichterstatter für den gesamten Handel der EU mit folgenden Ländern. Bangladesch, Sri Lanka, Malediven, Bhutan und Nepal. Und ich bin der einzige AfD-Abgeordnete, der so eine Berichterstatterstelle bekommen hat, die ich auch ausfülle, indem ich mich um den Handel mit diesen Ländern kümmere. Also die Vorstellung, man beweist seine Wichtigkeit nur dadurch, dass man jetzt acht Stunden in einer Sitzung sitzt, in der man genauso gut seinen wissenschaftlichen Mitarbeiter setzen kann, teile ich nicht. Das Entscheidende beim Politiker ist ja das, was wahrgenommen wird und inwiefern er den öffentlichen Diskurs zu einem bestimmten Thema beeinflussen kann. Und dazu geht es auch um die Wahrnehmbarkeit. Aber deine Wähler würden ja erwarten, wenn sie dich als Abgeordneten, die Interessen von denen ihm vertritt, nach Brüssel schicken, dann arbeitet er auch erstmal zunächst, hauptsächlich als Abgeordneter. Da ist das sich veranlasst. Meine Wähler erwarten genau, dass ich mich nicht meine gesamte Zeit damit verbringe, dass ich in endlosen Sitzungen sitze, wo man sich auch vertreten lassen kann. Meine Wähler erwarten, dass ich genau dahin gehe, wo ich den Kontrapunkt setze. Dass ich also auf irgendeiner Podiumsdiskussion sitze, wo fünf Leute erzählen, wie geil die EU ist und dass wir noch viel mehr EU brauchen, mehr Zentralisierung. Und dass ich dann der Einzige bin, der sagt, tut mir leid, ich sehe es anders. Und dass ich diesen Einheitsklang und diese Einheitsmeinung konterkariere. Und ich denke, über mangelnde Arbeit, über mangelnde Präsenz, über mangelnde öffentliche Wahrnehmbarkeit, auch über Einfluss auf den Diskurs im Land, kann man sich bei mir nicht beschweren. Es gibt wohl wenige Abgeordnete, die so präsent in der Öffentlichkeit gewesen sind. Die sich so deutlich zu Wort gemeldet haben. Aber das ist was anderes als parlamentarische Arbeit. Nein, die parlamentarische Arbeit muss organisiert sein. Sie muss organisiert sein, dass man sagt... Du lässt arbeiten. Ja, zum Beispiel. Man delegiert. Aber die sind nicht gewählt. Nein, die sitzen da drin. Die besprechen die Themen vorher mit mir ab. Die schreiben mit, was geht. In der Regel geht es dann um die Frage, Handelsquote mit Vietnam oder so. Und sagen, pass auf, an dem und dem Tag geht es ins Plenum. Heißt, würde ich an deiner Stelle eine Rede halten? Hier ist die Abstimmungsempfehlung. Oder sie sagen, an dem und dem Tag wird im Ausschuss zu dem Thema gesprochen. Das erscheint uns wichtig. Geh bitte rein und bitte ums Wort. Und dann wird das durchgeplant. Anders kann man das auch nicht machen. Der Abgeordnete, der sich in seiner Ausschussarbeit vergräbt, der öffentlich nicht wahrnehmbar ist, und der dann am Ende ganz stolz sagt, ich habe aber gestern wieder acht Stunden auf dem Sessel gesessen, das ist sicher der falsche Volksvertreter. Jetzt ist ja die Europawahl Anfang Juni. Ihr wisst noch nicht, wie die Wahl ausgeht. Sie könnte auch so ausgehen, dass die AfD teilt sich mit anderen rechten Parteien in Europa in der Idee. Könnte ja sein, dass sie eine Mehrheit bekommt. Wo? Im Europaparlament. Das kann ja passieren. Ich arbeite immer im Bereich von Wahrscheinlichkeiten. Die Wahrscheinlichkeit, die wir zur Zeit haben, ist ID plus ECR, das sind so Brüder im Geiste mit Ausnahme der Außenpolitik, plus CDU hat die Mehrheit. Das ist zur Zeit die Erwartung. Aber erklär uns mal, falls es dann doch klappt, dass dann ein Mehr zustande kommt, wie ihr dann das EU-Parlament abschafft. Das werden wir nicht tun. Wir werden erstmal alle Vorgaben der EU, die uns nicht passen, werden wir dann in dem Moment stoppen. Dann werden wir eine EU-Krise herbeiführen. Aber die AfD hat seine Wähler, wählen euch aber auch, und das fordert ihr, dass abgeschafft wird. Wie gesagt, die Forderung, ich wiederhole, die Forderung ist hier, das ist die Kurzfassung unglücklich formuliert. Das ist doch keine Kurzfassung, das sind 37, fast 50 Seiten Europawahlprogramm. Ich habe nicht gesehen, dass das die Kurzfassung ist. Also dann erkläre ich hiermit mit der Autorität des spitzen Kandidaten, die AfD wird nicht das einzige Instrument auf europäischer Ebene abschaffen, wo sie Mitspracherecht hat, bevor die EU nicht so umgebaut ist, dass sie Mitspracherecht hat. Aber der Parteitag eurer Partei ist das letzte Gremium, und die haben das beschlossen. Der Parteitag wird in dem Moment, wenn du das möchtest, selbstverständlich diese Klarstellung mittragen. Warum schreibt ihr das denn überhaupt rein? Es gibt gelegentlich Sätze, die leider missverständlich sind. Ich nehme das mit, ich danke für den Hinweis, du bist der erste Journalist, der das mir vorwirft. Also der Satz, das undemokratisch gewählte EU-Parlament wollen wir abschaffen, das ist missverständlich. Es geht hier um die Zeit. Wir wollen es perspektivisch abschaffen, aber erst dann, wenn die EU so umgebaut ist, dass sie unseren Vorstellungen eher entspricht. Die zum jetzigen Zeitpunkt dieses Parlament abzuschaffen, bedeutete, dass wir die einzige Gelegenheit vergeben würden, die Interessen unserer Wähler in Brüssel zu vertreten. Das wollen wir sicher nicht. Das heißt, es ist ein Missverständnis, aber ich nehme das mit und sorge dafür, dass es korrigiert wird. 1:37:25 Diäten & Pension der EU https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=5845s Wie ist es eigentlich von einem System in Brüssel, in Straßburg, mit Diäten und Pensionen versorgt zu werden, das man eigentlich innerlich hasst und abschaffen will? Nochmal, wir hassen nicht die Vorstellung einer europäischen Ebene. Ihr hasst diese EU? Ja, das tun aber viele. Und diese EU versorgt dich mit Diäten und Pensionen? Der entscheidende Punkt ist, dass auf dieser EU-Ebene, die ich tatsächlich in der jetzigen Form für scheußlich halte, extrem viele Entscheidungen getroffen werden, die das Alltagsleben aller Deutschen und damit auch meiner Wähler betreffen. Und aus dem Grunde müssen wir da sein. Und das ist im Übrigen kein Widerspruch. Also, Nigel Farage war ja auch ewig Europaabgeordneter und war für den Brexit. Aber es gibt auch berühmte historische Figuren. Also, der Vater der tschechoslowakischen Unabhängigkeit, Thomas Masaryk, war Zeitlebensmitglied des Reichsrates der österreich-ungarischen Monarchie. Warum? Weil es die einzige Chance war, unter den damaligen Gegebenheiten etwas für die Tschechien zu tun. Du behältst deine Diäten und Pensionen für dich. Man könnte ja auch sagen, ich bin hier konsequent. Ich muss ja von irgendwas leben. Ich habe eine klare Haltung. Ich spende dieses Geld von diesem Scheißsystem. Ja, das ist doch klar. Das hätte man natürlich immer gern. Warum machst du das nicht? Von irgendwas muss ich ja leben. Also, auch bei mir wird der Kühlschrank ja nicht von Luft und Liebe voll. Dann kannst du ja 90% spenden. Spendest du irgendwas von deinen Diäten? Natürlich. Wir haben alle Mandantsträger spenden an die Partei. Und natürlich spende ich gelegentlich an gemeinnützige Vereine oder an die Kirchgemeinde. 1:39:12 Deutschland in der EU https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=5952s Was würde denn Deutschland ohne diese EU bedeuten? Dass sie eine andere, also nach unseren Vorstellungen bliebe es beim Binnenmarkt, es bliebe bei den Handelsverträgen, es bliebe bei der Zollunion. Es gäbe weiterhin eine Abstimmung und Koordination der Außenpolitik. Es gäbe keine Grenzkontrollen. Können wir die EU belasten? Nein, können wir nicht. Weil es gäbe plötzlich kein Verbrenner aus mehr. Das heißt, die Autoindustrie wäre gerettet. Beispiel. Die Bauern würden von der Bürokratie befreit. Die kleinen und mittelständischen Unternehmen würden von der Bürokratie befreit. Die kleinen Gemeinden müssten nicht mehr jedes Feuerwehrgerätehaus europaweit ausschreiben, wozu sie mittlerweile Dienstleister brauchen. Und, und, und. Das heißt also, es würde das Gute bleiben und die furchtbare bürokratische Überlastung, die kein Mensch braucht, die würde verschwinden. Also insgesamt ein sehr gutes Geschäft für Deutschland, wenn die AfD ihre europapolitischen Vorstellungen umsetzen könnte. Erkennst du an, dass kein Land in Europa, also in der EU, sorry, so sehr von der, also wohlstandsmäßig von der EU profitiert hat wie Deutschland? Als Ökonom darf ich dir sagen, dass das ein Märchen ist, dass man es mit Zahlen nicht belegen kann. Du bist ja Ökonom, du hast MBA studiert. Da ist ja die Ökonomie drin. Das ist ein BWL mit ausreichend VWL drin. Also es ist falsch. Es gibt, ich wollte gerade sagen, hunderte Studien, aber wahrscheinlich... Ja, wahrscheinlich eine von Herrn Fratscher. Wahrscheinlich tausende Studien, die belegen, wie sehr Deutschland... Leider gibt es, ja, aber leider ist mittlerweile so, dass es, also der Experte ist ja mittlerweile zum Schimpfwort gekommen und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk treten ja Leute aus, die in der Regel akademische Nullen sind, dass irgendeine akademische Null aufschreibt, dass Deutschland eigentlich nur dank der EU ein erfolgreiches Land ist. Darum habe ich ja tausend Studien gesagt und nicht eine Studie von dem BWL. Ja, aber die schreiben dann eben alle voneinander ab. Also Deutschland war bereits ein erfolgreiches Industrieland, als es noch keine EU gab. Als die Engländer aus der EU ausgetreten sind, haben tausend Studien vorhergesagt, dass jetzt in England die Lebensmittel im Supermarkt knapp werden. Die Wachstumsraten Großbritanniens sind seit dem Brexit besser als die der Rest-EU. Von daher muss man auch immer ein bisschen vorsichtig sein, wer da irgendwas in wessen Auftrag zusammenschreibt. Deutschland, also das Prinzip der Einzahlung in die EU läuft so, dass das nach dem Bruttoinlandsprodukt geht. Also wer hohe Wirtschaftsleistungen hat, zahlt wenig. Wer geringe hat, zahlt viel. Wer geringe hat, zahlt wenig. Mittlerweile zahlt Deutschland aufgrund des Über-Eifers unserer Politiker so viel, dass es keine Berechnungsformel mehr gibt, die erklären kann, den deutschen EU-Beitrag. Gleichzeitig sinkt aber durch die ständige Erweiterungspolitik der Anteil der Mittel, die nach Deutschland zurückfließen. Also wer glaubt, dass das den Wohlstand in Deutschland mehrt, der glaubt doch an den Weihnachtsmann. 1:42:06 Agrarpolitik https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=6126s Ihr seid doch gegen die gemeinsame Agrarpolitik in der EU. In der heutigen Form, weil die Bauern und die Bauern protestieren ja zu Recht dagegen. Ihr seid gleichzeitig gegen die Subventionspolitik. Wissen die Bauern, die ihr eigentlich in Deutschland unterstützt, dass ihr das Fundament, auf dem sie leben, nämlich die EU-Agrarsubvention abschaffen wollt? Wir würden dann ein nationales Regime finden, das die Bauern besser stellt als jetzt die EU-Agrarpolitik. Wie denn? In Deutschland. Ja, wie? In dem wir sicherlich auch da zum Zweiten, also zwei Dinge. Das eine ist, wir müssen unsere Bauern vor unfairer Konkurrenz schützen. Das ist sicher, also die Erhaltung des Bauernstandes und damit der heimischen Nahrungsproduktion ist von strategischem Interesse. Das zweite, es braucht sicherlich aufgrund der Weltmarktpreise Subventionen, um das zu erreichen. Aber die kann man national deutlich besser und zielgenauer festlegen. Und vor allen Dingen würden wir die Bauern massiv von Bürokratie entlasten. Die Bauern stöhnen ja mittlerweile darüber, dass sie überhaupt nicht mehr dazu kommen, sich um ihre Tiere zu kümmern, weil sie ständig irgendwelche Blätter ausfüllen müssen. Ich habe mich bei den Bauernprotesten in Brüssel dazu gegangen. Und habe mich einfach mal mit belgischen Bauern unterhalten, die waren da halt. Und dann hatten die ihre Tiere dabei und dann fragte ich, was ist denn euer Problem? Und dann sagten sie, naja, früher brauchte ich für dieses Tier eine Tierarztbescheinigung, dass es gesund ist und dann läuft das. Mittlerweile hat er mir erzählt, muss er zweimal im Jahr ein mehrseitiges Formlatt aufgrund einer EU-Verordnung ausfüllen. Das gäbe es nicht, wenn es nur deutsche Subventionen gäbe? Wir würden das deutlich vereinfachen. 1:43:57 EU-Ersatz „Bund Europäischer Nationen“ https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=6237s Ihr wollt die EU ja ersetzen durch was anderes. Bund Europäischer Nation. Was heißt das? Das ist zunächst einmal ein Wort, um klar zu machen, dass wir ein anderes Europa wollen. Also, dass die EU in ihrer heutigen Form die Herausforderungen der Zukunft nicht bestehen wird. Das ist etwas, was die Linken auch zugeben. Deshalb gibt es die Konferenz für die Zukunft Europas. Da entwickeln die Linken ihren Zukunftsplan. Der läuft auf einen Zentralstaat hinaus, den wir für furchtbar halten. Also sagen wir, unser Plan ist ein Europa, was ein paar Änderungen hat. Das erste ist, es muss in Zukunft klar sein, welche Kompetenz ist in Europa, welche im Nationalstaat, welche im Bundesland. Zurzeit ist alles gemischt. Es gibt so gut wie kein Thema, wo die EU nicht irgendwie mitspielt. Und wo sie sich auch nicht für zuständig erklären kann. Sie kann sich nämlich immer über irgendeinen Nebenaspekt für zuständig erklären. Und danach entscheidet der Europäische Gerichtshof selbst, ob sie zuständig ist oder nicht. Das heißt, die EU hat de facto aufgrund der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs so eine Art Allzuständigkeit. Das passt uns nicht. Sondern es gibt klar abgegrenzte Kompetenzen. Punkt 1. Punkt 2. Wir wollen nach innen deutlich mehr Freiheit und nach außen so viel Einheitlichkeit wie nötig. Handelsverträge, Zollunion, das muss alles bleiben. Auch Binnenmarkt. Das nächste, was wir wollen, ist, wir wollen mehr Transparenz. Beispiel. Hast du schon mal den Namen Dombrovskis gehört? Weiß ich nicht. Das ist ein EU-Kommissar, einer von 27. Der hat sicher mehr Macht als drei Viertel aller deutschen Bundesminister. Das heißt, EU zur Zeit heißt, du wirst von Leuten regiert, die du noch nicht mal vom Namen her kennst. Das ist völlig intransparent und undemokratisch. Aber das stimmt ja nicht. Also keine Entscheidung der Kommission kann ohne die Zustimmung der Bundesregierung. Doch. Ich bitte. Nein. Die Kommission und das Parlament können ja nicht ohne Zustimmung des Ministerrates zustimmen. Im Rat gibt es auch mehr als Entscheidungen. Der Rat in der Regel nickt ab. Das heißt, du weißt auch nicht, was du erkennst. Die raten. Also, die Kommission hat ein eigenes Initiativrecht als Exekutivbehörde. Das heißt, der Kommissar, dessen Namen du nicht kennst und der unheimlich viel Macht hat, denkt sich in seiner Weisheit eine Verordnung aus. Aber wenn das so wäre, die EU-Kommission wollte ein Verbrennerverbot, wie du vorhin gesagt hast, EU-Parlament auch. Wer hat das denn geschafft in der EU, dass das nicht so in der Form kommt? Das wurde ja alles abgeschwächt. Das waren die nationalen Regierungen. Ja, aber es gibt eine ganze Reihe Dinge, wo Mehrheitsprinzip auch im Rat gilt. Also, du hast jetzt den Kommissar, den du nicht kennst. Der denkt sich irgendeine Richtlinie aus, die dazu führt, dass die kleinen Unternehmen noch tausendmal mehr Bürokratie haben. Ich wollte über euer Konzept reden. Gut. Bei uns weißt du erst mal, wer dich regiert, weil es weniger gibt. Es gibt nicht 27 Hanseln, sondern es gibt vielleicht am Ende noch 4 oder 5. Und die kennst du dann auch. Da weißt du auch, wie die gewählt sind. Das heißt, du kannst erst mal zuordnen. Wie wählt man diese Hanseln? Wenn es 4 oder 5 sind, kannst du den Namen publik machen. Kein Mensch weiß es bei 27. Aber gut, jedes Land, jedes Mitgliedsland stellt einen Kommissar. Das ist die Frage, ob das dann sein muss. Wenn du 4 oder 5 hast, ist es ganz klar, du einigst dich auf den Kommissionspräsidenten. Und der hat ein Vorschlagsrecht. Es gibt dann immer noch eine Kommission, dieses Bund Europäischer Nation. Ob die Kommission heißt, weiß ich nicht. Aber du brauchst eine Behörde, ja klar. Du brauchst eine Zentralbehörde. Die braucht man. Wer führt dann dieses neue Europa? 1:47:30 Deutsche Führung Europas https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=6450s Ist das alles demokratisch und fair? Oder gibt es da jemanden, der das führt? Natürlich ist es demokratisch und fair. Ja. Muss es nicht demokratisch und fair sein? Ja, kann ja sein, dass es da für ein Land stärker ist, als das andere. Keine Sorge, die Absicht besteht jetzt nicht darin, dass wir sagen, die Europäische Kommission sitzt in Berlin. Naja, also wenn man dein Buch durchliest... In der Außenpolitik, aber nicht in der... Aber lies vor, das ist ein lustiges Thema. Ja, Seite 70 sagst du, Deutschland muss Führung anbieten, wenn Europa mehr sein soll. Muss es auch. Ein amerikanisches Protektorat. Muss es auch. Deutschland muss Führung anbieten. Aber das heißt nicht, anbieten heißt, dass die akzeptiert wird. Das heißt ja nicht, dass wir uns durchsetzen und sagen, du lässt dich nicht führen, ich falle jetzt in dein Land ein. Es gibt zur Zeit, gerade in Mittelosteuropa, gibt es die... ein großes Klagen darüber, dass Deutschland so passiv ist. Also selbst der polnische Außenminister Sikorski, der nun politisch nicht mein Freund ist, ein sehr netter Mensch, aber politisch nicht mein Freund, hat immer gesagt, Deutschland muss Führung anbieten. Das ist ein Zitat von Sikorski. Also Deutschland muss mehr Führung übernehmen. Dadurch, dass die Bundesregierung so passiv ist, führt das dazu, dass es einen Vakuum gibt und nicht klar ist, in welche Richtung sich Europa entwickelt. Wir brauchen ein selbstbewusstes Deutschland, das auch eine Idee von Europa hat, die darüber hinausgeht, irgendwie neue Bürokratie zu etablieren. Absolut. Das ist übrigens etwas, was dir jeder Mittelosteuropäer bestätigen würde. Ja. Also dein Bund Europäische Nationen sieht so aus, dass am besten Deutschland da die Führung anbietet und übernimmt. Nein, mein Bund Europäische Nationen sieht so aus. Ganz klare Kompetenzen, die auch nicht gemischt sind mit den Nationalstaaten. Weniger Kompetenzen, hohe Transparenz, aber geführt von Deutschland. ein sehr kleines Team. Geführt von Deutschland. Nein. Sagst du ja. Deutschland bietet Führung an, bedeutet, dass Deutschland in den Verhandlungen unter den Staaten eine Idee anbietet, dass es auch Angebote macht. Wie Europa sich weiterentwickeln kann. Zum Beispiel, indem man proaktiv den Leuten sagt, das wäre unser Vorschlag. Da kommt zur Zeit überhaupt nichts. Führung heißt doch nicht, ich befehle und du folgst, sondern Führung heißt Motivation. Die Definition, die man mir beigebracht hat in New York ist, was ist Leadership? Leadership ist die Fähigkeit, Menschen zum Wandel zu motivieren. Wenn wir von Führung reden, reden wir davon, dass wir eine Vision haben und dass wir andere Menschen, andere Länder dazu motivieren und ermuntern, diese Vision zu teilen. Also ein neues Europa mit German Leadership. Mit mehr German Leadership. Leadership ist nicht 0 und 1, Leadership ist ein Spektrum. Ist ja jetzt keine neue Idee. Ich habe hier mal eine Idee gefunden aus den 30ern noch. Da heißt es, der Führer sieht ganz klar, Vereinigte Staaten von Europa unter deutscher Führung. Das wäre die Lösung. Dauert noch viele Jahre oder Jahrzehnte, aber ist ein Ziel. Was ist da der Unterschied zu deiner und eurer Idee? Ich glaube, jeder Hitler-Vergleich in Bezug auf die gegenwärtige Politik verbietet sich selbst, weil das ist ja Polemik. Ich frage nach dem Unterschied, damit du das klar machen kannst. Das ist jetzt aus dem Goebbels-Tagebuch von 1936. Hitler meinte mit Führung eben nicht Führung im heutigen Sinne, einer Führung als Motivation, einer Gemeinsamkeit, einer Überzeugung. Sondern Hitler meinte mit Führung, ich befehle und ihr folgt. Das ist ein völlig anderes Konzept von Führung. Sicher? Ja. 1:51:17 EU-Sozialcharta https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=6677s Ihr wollt auch den europäischen Sozialstaat? Also auf keinen Fall. Und selbst die EU-Sozialkarta? Natürlich, weil die nur zu maßlosen Ansprüchen führt und weil sie dazu führt, dass der deutsche Sozialstaat, der ohnehin überlastet ist, pleite gehen würde. Das haben wir angefangen damit, dass du ein Kämpfer für die Armen, gegen Armut bist und sozial Schwache. Die EU-Sozialkarta gibt es seit 1961. Da steht ja eigentlich eine Menge Errungenschaften drin. Absolut, aber man braucht sie nicht, weil sie nur mittlerweile zur Bürokratie führt und zu einer sinnlosen Ausweitung von Ansprüchen gegen den deutschen Sozialstaat. Wir brauchen nicht das Recht auf Arbeit, was da drin steht, das Koalitionsvereinigungsrecht, das Recht auf Kollektivverhandlungen, das Recht auf soziale Sicherheit. Doch, das brauchen wir, aber das brauchen wir nicht in einer UN-Rede. Ich muss das kurz für unser Publikum. Das soziale Fürsorgerecht, das Recht auf besonderen gesetzlichen, wirtschaftlichen und sozialen Schutz der Familie und die Schutzräte für Wanderarbeiter und ihre Familien. Das brauchen wir nicht. Doch, das brauchen wir, aber das brauchen wir nicht in einer EU-Sozialkarta, das brauchen wir im deutschen Grundgesetz, da steht es nämlich auch drin. Naja, aber vielleicht brauchen das andere europäische Länder auch. Ich bin, du erzählst mir gerade, ich dürfe keine deutsche Führung nehmen und sagst aber, dass wir in Deutschland entscheiden müssen, was andere europäische Länder brauchen. Also, entweder oder. Nee, aber andere Länder können sich ja ein gutes Beispiel nennen. Nein, andere Länder haben selbst die Chance zu entscheiden, was sie brauchen und was sie nicht brauchen. Das muss ich nicht in Brüssel festlegen. Wenn jetzt ein anderes Land sagt, ich brauche eins davon nicht, dann glaube ich, dass dieses andere Land das Recht hat zu sagen, nee, brauche ich nicht. Hm. 1:52:40 Abschaffung Sozialstaat https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=6760s Thema Sozialpolitik, ist da für euch ein großes Thema? Wir sind da super drin. Wir haben da echt die Kurve gekriegt und sind heute sicherlich die Partei mit der höchsten Glaubwürdigkeit bei sozialen Themen. Wenn wir jetzt mal feststellen, weil ich meine, dass ihr geflüchteten Menschen Leistungs kürzen wollt und sie abschieben wollt, weiß, glaube ich, mittlerweile jeder. Aber ich glaube, wenige wissen, dass ihr den Sozialstaat eigentlich abreißen wollt. Wir wollen ihn nicht abreißen, sondern ihn umbauen. Mhm. Also, wir machen Politik zunächst einmal für jene, die hart arbeiten oder arbeitswillig sind und die erleben, dass sie von ihrer harten Arbeit am Ende so wenig übrig haben, dass sie kein anständiges Leben davon haben kann. Der Sozialstaat frisst zur Zeit ein Drittel der deutschen Gesamtwirtschaftsleistung, des Bruttoinlandsproduktes. Und das Ergebnis ist aber, dass der Anteil der armen Menschen in Deutschland immer weiter steigt. Das heißt also, ganz offensichtlich ist die Idee, immer mehr Geld aus dem Wirtschaftskreislauf rauszunehmen, irgendwie umzuverteilen mit einer riesigen, sauteuren Bürokratie und Leuten Geld zu geben, diese Idee scheint nicht so richtig zu funktionieren, denn sie erhöht die Armut, anstatt sie zu verringern. Was brauchen wir also? Wir brauchen einen Weg, dass die Leute Lust auf Arbeit haben, weil sie durch ihre eigene Arbeit letztlich sich ein kleines Glück wirtschaftlich aufbauen können, dass es für sie wirtschaftlich und sozial attraktiv ist zu arbeiten. Der Sozialstaat verringert den Anreiz und die Lust zu arbeiten. Ja, aber es gibt ja trotzdem in unserem Land ökonomisch schwache, arme Menschen, die euch wählen, denen ihr Antworten versprecht. Und ihr sagt ja, du schreibst ja selber in deinem Buch, es geht hier um viel weniger Geld. Oder du schreibst, es ist sinnvoll, direkte staatliche Zuschüsse auf das absolute Minimum zu begrenzen, idealerweise durch Gutscheine, also nicht durch Geld, und für die Maßnahmen der Förderung und Lebenshilfe auf nicht staatliche Akteure zu verweisen, die Familie, lokale Gemeinschaften, religiöse Gruppen. Geld muss mit sozialer Kontrolle verknüpft werden. Und du schreibst, rechte Politik will deshalb einen solidarischen Patriotismus statt eines administrativen Sozialstaates. Richtig. Wie passt das mit Artikel 20 des Grundgesetzes zusammen? Weil wir sind ja ein Sozialstaat. Der Sozialstaat heißt für den Juristen, dass der Staat auch den sozialen Ausgleich im Blick hat und fördert. Das heißt aber nicht, dass er dafür ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes ausgibt. Das heißt, der Staat hat die Verpflichtung, den sozialen Ausgleich im Land im Blick zu behalten und eben keine harte ökonomische Klassengesellschaft zuzulassen. Das unterschreibe ich sofort. Es geht da wie gesagt darum, Artikel 20 legt fest, dass wir ein Sozialstaat sind. Du kannst das quasi jetzt finanziell doof finden, aber wenn du hier schreibst und sagst, es geht hier darum, den Sozialstaat zu ersetzen. Wir können ja gleich mal reden, was ein solidarischer Patriotismus ist, aber den Sozialstaat zu ersetzen. Der Sozialstaatsprinzip des Grundgesetzes ist eine Verpflichtung des Staates, Maßnahmen zu treffen, die dem sozialen Ausgleich dienen. Das, was wir heute praktisch als Sozialstaat nehmen, festgelegt durch mittlerweile elf Sozialgesetzbücher, ist ein administratives Monstrum, das ein Drittel der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung aus dem Wirtschaftskreislauf herausnimmt, zurückgibt, mit dem Ergebnis, dass die Armut im Land steigt. Das heißt, ich kann dem Sozialstaatsprinzip sehr wohl entsprechen, indem ich den sozialen Ausgleich anders organisiere. Aber wenn du weniger Geld in den sozialen Staat reinstecken willst, dann werden die Leute, die wenig haben und auf den sozialen Staat angewiesen sind, noch weniger haben. Nein, sie werden anfangen zu arbeiten und sie werden mehr Netto vom Brutto haben. Was ist mit den Leuten, die schon arbeiten und trotzdem vom Sozialstaat Unterstützung brauchen? Die werden plötzlich, weil sie viel weniger Steuern und Abgaben zahlen, keine Unterstützung mehr benötigen. Es gibt über eine Million Menschen, die Arbeit haben und trotzdem nicht genug haben und darum vom Sozialstaat unterstützt werden. Sie haben deshalb nicht genug, weil sie so hohe Abzüge haben. Sie haben so hohe Abzüge, dass das erste das zweite ist. Was wir vorschlagen, unter anderem, ist ein sogenannter Kombilohn. Das heißt, wir wollen den Leuten nicht mehr einfach Geld geben, wenn sie zu Hause bleiben, sondern wir machen einen Kombilohn. Kombilohn habe ich da immer noch drin. Und sagen, ihr arbeitet, euer Lohn ist noch zu niedrig, weil ihr aufgrund eurer noch geringen Qualifikationen und Arbeitserfahrung wenig verdient. Und wir geben euch was zum Lohn dazu. Das ist etwas, was übrigens Viktor Orbán gemacht hat. Er hat ein großes Beispiel. Und zwar gibt es in allen mittelosteuropäischen Ländern ein großes Problem der Arbeitslosigkeit der Roma. Gerade in der Slowakei ganz so. Und Viktor Orbán hat das Problem dadurch gelöst, dass er die Sozialhilfe, also die Zuwendungen, ohne dass man arbeitet, hat er auf ein absolutes Minimum reduziert. Ganz massiv. Aber er hat einen Kombilohn eingeführt. Das heißt, wer ein bisschen arbeitet und zu wenig verdient, der kriegt einen Zuschuss. Und er hat erreicht, dass die Roma sich um sehr einfache Arbeit gekümmert haben. Und er hat auch dafür gesorgt, dass es diese Arbeitsplätze gibt. Er hat z.B. die Gemeinden in Ungarn verpflichtet, Gärtner einzustellen, die die öffentlichen Wiesen mit Rasenmäher mähen. Und auf einen Schlag mussten die Roma, damit sie überhaupt Geld bekommen, weil die Sozialhilfe, die sie vorher hatten, war so gering, dass sie davon kaum noch hätten essen können. Da waren dann wirklich Gutscheine dran. Die Roma mussten also früh zur Gemeinde und mussten anfangen, den Rasen zu mähen. Und nachdem sie das ein halbes Jahr gemacht haben und sich daran, auch nach Jahren, wo sie eben eher wenig gearbeitet haben, daran gewöhnt haben, ist dann der Baumarktbesitzer gekommen und hat sie zum besseren Gehalt eingestellt. Das Ergebnis ist, dass Ungarn heute eine der niedrigsten Arbeitslosenquote der Roma-Bevölkerung hat. Politisch ganz interessant, die ungarischen Roma wählen ganz überwiegend Fidesz von Viktor Orbán. Das heißt, wenn man Sozialleistungen umwandelt, klüger macht, also statt Bürgergeld Kombilohnen, erreicht man, dass man weniger Geld ausgibt. Da zahlt der Staat dann auch wieder die Hälfte des Lohns. Ja, aber die Leute qualifizieren sich weiter. Zu Anfang absolut korrekt. Zu Anfang zahlt der Staat die Hälfte. Aber diese Leute werden durch die Arbeitspraxis plötzlich attraktiv auf dem Arbeitsmarkt. Warum legst du den Lohn nicht so fest, dass der Lohn ausreichend ist? Weil dann Arbeitsplätze entstanden und entstehen werden. Die Arbeitgeber sagt, was ist mir wert? Jemand, der keine Arbeitserfahrung hat, der keine Berufsausbildung hat, der erstmal lernen muss, wieder pünktlich zur Arbeit zu kommen und der nichts anderes tut, als jetzt mal den Rasen zu mähen. Okay, 5 Euro ist er mir wert. Aber der Mindestlohn, sagen wir mal, liegt bei 20. Dann sagt er, den stelle ich nicht ein. Dann mache ich einen Rasenroboter. 1:59:43 „Solidarischer Patriotismus“ https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=7183s Du willst ja statt eines Sozialstaates den solidarischen Patriotismus. Was heißt das? Der solidarische Patriotismus ist das Sozialstaatskonzept der AfD. Das heißt, er sagt, dass jemand, der in Deutschland lebt, wissen muss, dass er aufgefangen wird. Aber das große Problem, das wir haben, ist, dass zur Zeit die soziale Umverteilung vor allen Dingen eine Umverteilung zu Einwanderern ist. Also über 50% der Bürgergeldempfänger in Deutschland haben keinen deutschen Pass, sind also Ausländer, rechtlich gesehen. Und das führt nicht nur dazu, dass der Sozialstaat immer teurer wird, weil er die Einwanderung voranschreitet. Es führt auch dazu, dass der Sozialstaat zu einem Einwanderungsmagneten wird. Der solidarische Patriotismus will das verhindern, indem er den sozialen Ausgleich, übrigens komplett verfassungskonform, im Kern beschränkt auf Leute, die entweder Staatsbürger sind oder aber die schon eine gewisse Zeit ins System eingezahlt haben. Er möchte verhindern, dass jemand über die Grenze kommt, sofort Nutznießer des Systems ist. Klar, Ausländer sind böse. Erzählen Sie das mal plastisch. Wie kann ich dann solidarisch-patriotisch sein? Solidarisch bist du erst mal, indem du... Also anhand eures solidarischen Patriotismus. Erstens gibt es dazu ein sehr schönes Buch, es heißt "Solidarischer Patriotismus". Insofern ist das tatsächlich ein AfD-Code-Wort. Mit Sprudel, wenn es geht. Und der Punkt ist, dass wir den Patriotismus, also das Bekenntnis zum eigenen Land, wollen wir nicht nur verstehen als eine Art Sonntagsreden-Patriotismus. Wir gehen einmal im Jahr zu irgendeinem Denkmal und haben eine schwarz-rot-goldene Fahne, sondern wir wollen klar machen... Wir sind auch solidarisch für Deutsche. Wir sind solidarisch in der Gemeinschaft der Staatsbürger. Deutsche bekommen Hilfe. Es bekommt derjenige Hilfe, der A) Staatsbürger ist oder B) der hier eingezahlt hat. Aber es bekommt nicht derjenige Hilfe, der gerade ankommt und sagt, ich will jetzt aber den vollen Satz haben. Das kriegt er nicht mehr. Das gilt dann auch für Kinder und Studenten in Deutschland? Die haben ja auch nie eingezahlt. Die sind aber Staatsbürger. Ich habe gesagt, Staatsbürger und jene, die eingezahlt haben. Du sagst ja auch, die Förderung und Lebenshilfe soll Familien und lokale Gemeinschaften übernehmen statt jetzt der Staat. Wir haben ein Problem. Wir haben, zum Beispiel hier in Berlin, Bürgergeldempfänger. Die sind in dritter Generation Bürgergeldempfänger. Das heißt also, die haben schon von ihren Eltern es übernommen, dass man eigentlich nicht arbeiten muss. Das Problem, was wir haben, besteht darin, dass der heutige Sozialstaat des Sozialgesetzbuches, der elf Sozialgesetzbücher, dass er Geld gibt, aber nicht schaut, was die Leute mit dem Geld machen. Wenn du zum Beispiel dich mal mit einem Tankstellenpächter unterhältst, dann würde er dir sagen, dass an dem Tag, wo jetzt Bürgergeld ausgezahlt wird, werden oft Taxifahrer gerufen, damit die mit dem Geld, das jetzt frisch auf dem Konto ist, zur Tankstelle fahren und abends für die Abendparty ein bisschen Alkohol holen. Lass mal weg von der anekdonischen Evidenz. Ich möchte das in Zukunft kontrollieren. Dass die Leute verstehen, was ihr damit verfolgt. Was wir damit wollen, ist, dass jemand, der jahrelang auf Bürgergeld ist, dass dem auch jemand zur Seite gestellt wird, der ihm hilft, wieder ins Erwerbsleben zurückzufinden. Wer soll das sein? Idealerweise NGOs, die man dafür unterstützt. Statt der Staat. Der Staat macht es ja nicht. Jetzt kriegt man ja von der Bundesagentur für Arbeit... Du kriegst einfach Geld. Das kriegst du auch weiter. Aber du musst es kombinieren mit Lebenshilfe. Das meinte ich ja nicht. Ihr meint ja Stadt, dem Sozialstaat, wo das Geld herkommt. Das Erste, was ich dir gesagt habe, eher Kombilohn statt Bürgergeld nach einer gewissen Zeit. Das ist das Erste. Dann musst du schon mal arbeiten, das diszipliniert. Und das Zweite ist, kombinieren der Leistungen, die du bekommst, mit Lebenshilfe. Du musst bereit sein, auch an dir zu arbeiten. Du kannst nicht einfach sagen, so jetzt hab ich es und jetzt bleibe ich die nächsten 10 Jahre auf Harz. Das geht nicht. Weil das ruiniert uns. 2:04:10 Bürgergeld https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=7450s Bist du gegen das Bürgergeld? Das Bürgergeld in der heutigen Form ist ein Leistungskiller. Weißt du, wie hoch das ist? Du kriegst volle Miete, volle Nebenkosten und hast einen Satz von rund 500 Euro. Bist du sicher? Ja. Der Regelsatz liegt bei 563. 563, ne? Ja. Für alleinstehende Personen. 2:04:34 Mindestlohn https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=7474s Bist du für Mindestlohn? Das Problem beim Mindestlohn ist, also es sollte einen Mindestlohn geben. Das Problem beim Mindestlohn sind zwei Dinge. Der Mindestlohn sollte regional verschieden sein. Also ein Mindestlohn in München sollte sicher höher sein als ein Mindestlohn in Sachsen. Auch in Sachsen? Wie hoch sollte der Mindestlohn in München sein im Vergleich zu Sachsen? Ich denke, dass man das regional festlegen sollte anhand von bestimmten Preisindizes. Kann ich dir nicht aus dem Kopf sagen. Wie hoch sollte der in Sachsen sein? Ich denke, dass 10 bis 12 Euro in Sachsen durchaus angemessen sind. Wer legt das fest? Das meine ich, vor Ort sollten das die Tarifpartner festlegen und die Kammern im Zusammenarbeit sollten einen Vorschlag machen und der Landtag so etwas bestätigen. Du weißt aber, dass gerade in Sachsen die meisten Angestellten oder Leute, die einen Job haben, tarifgebunden sind. Das ist ja egal. Das machen die dann? Nein, das gilt ja dann per Gesetz. Die machen einen Vorschlag an den Landtag und der Landtag beschließt es. Man kann auch eine Rechnungsformel festlegen. Ich glaube, dass das regional entschieden werden sollte. Nur wenn der Landtag sich nicht darauf festlegen kann, dann gibt es keinen Mindestlohn? Wenn der Landtag sich nicht festlegen kann, dann legt der Landtag sich nicht fest. Meines Erachtens sollte es regional festgelegt werden. Man kann dem Landtag eine Vorgabe machen, das soll man regeln. Aber ich glaube, dass der Mindestlohn besser regional festgelegt wird als bundeseinheitlich, weil wir eben so große Unterschiede haben. 2:05:51 Abschaffung Rentensystem https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=7551s Du hast in deiner Rede auf dem Parteitag zum Spitzenkandidat auch die flaschensammelnden Rentner genannt. Was können die von dir erwarten und deiner Politik? Was machst du für die? Eine Sicherung ihrer Rente. Wir haben folgendes Problem, dass zur Zeit die Rentner... Die gehen ja jetzt auf Flaschensammeln, weil sie zu wenig Rente haben. Das ist gegen das Rentensystem. Wir müssen das Rentensystem so umbauen, dass es zukunftsfest wird. Das ist es zur Zeit nicht. Jetzt ist die Rente der Flaschensammlerin Rentner ja schon zu niedrig. Die leiden unter Altersarmut. Wir haben ein Rentenkonzept vorgelegt, das sicherstellt, dass es einen gewissen Mindeststand gibt. Du bist gegen die gesetzliche Rente an sich? Nein. Du bist gegen die Rentenversicherung? In ihrer heutigen Form funktioniert sie ja nicht. Wir müssen sie umbauen. Es muss ein Rentenpapier dazu. Es muss eine gesetzliche Rentenkasse geben. Aber die heutige Rentenkasse hat ja eine Schieflage. Zur Zeit ist es so, dass der Zuschuss zur Rentenkasse der größte Einzelposten des Bundeshaushalts ist. Das heißt, die Rentenkasse ist so defizitär, dass der Bundeshaushalt mit seinem größten Einzelposten sie einigermaßen ausgleichen muss. Diese Rentenkasse, wie wir sie jetzt haben, funktioniert nicht. Wer heute in deinem Alter in die deutsche Rentenversicherung einzahlt, was du wahrscheinlich nicht tust, denn du bist privat abgesichert, der weiß, dass er am Ende aus dieser Rentenkasse nichts bekommen wird. Das heißt, die Rentenkasse in ihrer heutigen Form ist ein Schmu. Sie zahlt den Alten zu wenig und den Jungen macht sie ein Versprechen, das nie und nimmer eingehalten wird. Im Ernstfall zahlen sie noch jede Menge aus. Und du bist da ganz klar gegen die gesetzliche Rente. Nein, bin ich nicht. Ich sage, wir brauchen eine gesetzliche Rentenkasse. Aber die Rentenkasse, die wir zur Zeit haben, ist ein Betrug an den Jungen. Wir müssen also eine Rentenformel finden, die dafür sorgt, dass auch wer jetzt einzahlt, er nicht den Eindruck hat, er wird betrogen. Aber ist es nicht ein Betrug an den Alten? Nein, die Jungen zahlen ein und kriegen gar nichts raus. Ja, aber wenn diejenigen, die jetzt eingezahlt haben, ihr ganzes Leben, immer noch zu wenig haben... Es werden alle betrogen. Das ist wahrscheinlich richtig. Also der Rentenbeitrag in Deutschland liegt zur Zeit... Ich habe trotzdem nicht verstanden, was du jetzt gegen die Rentenarmut genau tun wolltest. Die AfD will einen Sockelbetrag einführen, der garantiert wird. Nämlich? Da bin ich im Kopf. Gibt es ein Papier vom Bundesparteitag in Kalkar aus dem Jahr 2021? Was wäre denn deine Summe? Was wäre denn die Mindestrente, die jeder Deutsche denn haben sollte? Damit er nicht mehr Flaschen sammeln muss. Da muss ich jetzt tatsächlich passen, weil ich dazu zur Zeit die Lebenshaltungskosten, die ja auch regional verschieden sind, nicht kenne. Aber es sollte sicherlich ein Betrag sein, der ungefähr 1000 Euro beträgt. Mit 1000 Euro pro Monat wenn Menschen nicht mehr Flaschen sammeln müssen. Glaubst du? Also absolute Mindestrente mit 1000 Euro? Damit kann man seine Miete zahlen, damit kann man essen jeden Tag. Es gibt auch noch Witwenrente. Also nehmen wir mal an, du hast ein Rentner-Ehepaar, das hätte dann 2000 Euro. Soll Oma noch hoffen, dass Opa stirbt? Nein. Beide sind zusammen, beide haben Mindestrente. Dann hätten sie beide zusammen 2000 Euro. Mit 2000 Euro kannst du eine Miete bezahlen und du kannst deinen Kühlschrank füllen. Nochmal, ich weiß, dass das sehr wenig ist. Es hat nur einen Nachteil. Bereits heute ist es eben so, dass die Rentenkasse in einer unglaublichen Schieflage ist. Der Rentenbeitrag liegt bei 20 Prozent. Der wird absehbar nach der heutigen Formel bis Ende des Jahrzehnts steigen in Richtung 30 Prozent. Das führt wiederum dazu, dass Arbeit sehr unattraktiv wird. Denn es bleibt eben vom Brutto kaum etwas übrig. Dazu kommt aber noch, es bleibt nicht nur vom Brutto nichts übrig, sondern die Leute wissen, das was wir da zahlen, dafür kriegen wir nie was. Denn für uns bleibt noch weniger übrig. Das bedeutet, wenn wir das endlos ausweiten, stehen wir vor dem Problem, dass die Leute einfach nicht mehr arbeiten. Insbesondere die niedrigen Lohngruppen werden so unattraktiv, dass die Leute aufhören zu arbeiten. Dann fallen noch mehr Einzahler weg. Das heißt also, wir sind einfach in einer Situation, dass wir zwar etwas tun können, in kleinen Schritten, dass aber das, was eigentlich wünschenswert wäre, aufgrund der ökonomischen und demografischen Situation nicht möglich ist. Aber wünschenswert wäre doch, wenn es keine Altersarmut gäbe und keine armen Rentner. Korrekt? - Absolut. Das heißt ja, dass in diesem System, in diesem Rentensystem, was das Geld auszahlt, mehr Geld sein müsste, damit diese Menschen... - Aber das muss ja herkommen, irgendwo das Geld. Ja, aber ihr wollt ja nicht, dass mehr Geld in diesem System drin ist. Das heißt, dann ist da automatisch klar, dass die armen Rentner nicht mehr bekommen, sondern noch weniger. Wir glauben, dass wir zur Zeit bei der arbeitenden Bevölkerung, bei der Höhe der Steuern und Sozialabgaben jenseits des Verträglichen sind. Du kannst bei der Höhe der Steuern und Sozialabgaben, also bei der Differenz von Brutto zu Netto, kannst du nicht weiter erhöhen, weil die Arbeit bereits heute in Deutschland zu unattraktiv ist. - Habe ich verstanden, aber dadurch wird es denn nicht mehr Geld in dem neuen Rentensystem geben? Doch, du kannst ja ein bisschen umschichten. Von wo denn? - Aus dem Bundeshaushalt selbst. - Aber das hast du gerade kritisiert. Man kann umschichten. Ich kritisiere, dass es so viel ist, weil das Rentensystem über Jahre nicht angepasst wurde. Aber du kannst natürlich deshalb umschichten, weil wir uns ja extrem viel Linken Förderfonds leisten, den wir nicht brauchen. Also allein, dass wir zur Zeit absichtlich wegen der Klimaschutzziele die deutsche Industrie zerstören und damit unsere wirtschaftliche Grundlage würde die AfD beenden. Die AfD würde auch die Kosten der Einwanderung, die sich mittlerweile auf rund 50 Milliarden Euro pro Jahr, je nach Berechnung summieren, signifikant senken können. Das heißt, wir könnten schon kurzfristig Gelder freimachen, um eben eine Mindestrente einzuführen. Aber auch diese Mindestrente ist zwar besser, als das wir heute haben, um Längen. In Sachsen hat mittlerweile selbst ein Durchschnittsrentner keine 1000 Euro. Nur damit das klar ist. Aber diese Mindestrente wird immer noch knapp bleiben. 2:12:11 Krahs neoliberale Positionen & Ungleichheit https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=7931s Wenn man sich dein Buch anguckt, in Sachen Ökonomie und Steuern, dann bist du ja nicht nur gegen die Vermögensteuer, was ja den so stärkt, statt mehr Einnahmen generieren würde, sondern generelle Abschaffung der Erbschaftsteuer. Steuerpolitik für Reiche, lese ich daraus. Ende gesetzliche Rente haben wir uns gerade schon besprochen. Nicht wirklich. Sozialabbau. Glaubst du, dass ein Reicher heute wirklich Erbschaftsteuer zahlt? Ja, je reicher du bist, desto weniger Erbschaftsteuer zahlst du. Das Problem der Erbschaftsteuer ist doch, es ist doch zur Zeit eine Steuer, die vor allem die Mittelschicht trifft und nicht die Reichen. Die Reichen zahlen keine Erbschaftsteuer. Darum sollte es vielleicht gerecht sein, und dass mindestens die Reichen genauso zahlen wie die Mittelschicht. Du willst dich jetzt in Österreich einmarschieren, weil es da das Privatstiftungsgesetz gibt. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen... Den Populismus lass ich jetzt nicht durchgehen. Der Punkt ist doch ganz einfach. Wenn du richtig reich bist, machst du eine Rechtswahl. Das heißt, du kannst, da bin ich nur mal Experte, du kannst jederzeit dein Vermögen so gestalten, dass es unter eine andere Rechtsordnung fällt. Es gibt einfach auf dieser Welt Rechtsordnung. Dagegen könntest du ja auch sein. Wie denn? Ich meine, die Position von... Du willst jetzt mit der Kavadari kommen? Die Position der Familienunternehmer, der Superreichen in Deutschland, decken sich mit dein. Du bist gegen die Erbschaftsteuer, du bist gegen die Vermögensteuer, du bist gegen diesen Sozialstaat, du bist gegen dieses Rentensystem. Was unterscheidet denn deine, meiner Meinung nach, neoliberalen Position? Ich gelte in der Partei ja fast als Marxist. Ja, das weiß ich nicht, aber die Realität sieht doch anders aus. Nein, die Realität sieht so aus, dass wir ein völlig dysfunktionales Rentensystem haben, das endlich mal reformiert werden muss. Und jeder, der dieses System, das Dysfunktionales reformieren will, muss sich anhören, er sei neoliberal. Das Problem ist, wir haben einen Sozialstaat, der jedes Jahr teurer wird, aber noch mehr Armut generiert, als es vorher gab, und der dazu noch ein massiver Migrationsmandant ist. Jeder, der diesen Sozialstaat in seiner heutigen Form angreift und umbauen will, muss sich anhören, er sei unsozial. Und da gibt es einen Großteil der Armut, die erst dadurch produziert wird. Dann haben wir eine Erbschafts- und Vermögensteuer-Debatte, die völlig absurd ist, weil gerade die Superreichen, gegen die es immer geht, eh weder Erbschaft noch Vermögensteuer zahlen, da wären sie schon blöd, wenn sie das tun würden. Das heißt, die ausschließlich die Mittelschicht trifft und die Mittelschicht verarmt lässt. Natürlich, wir kriegen in dem heutigen weltweiten System, wie es nun einmal ist, weil wir eben kein Deutschland wollen, wo in Berlin entschieden wird, wie das Steuersystem im Rest Europas aussieht. Das wollen wir nicht. Leadership hin oder her. Genau aus diesem Grunde ist es so, dass du oberhalb von, sagen wir mal, 20 Millionen imstande bist, dein Vermögen so zu strukturieren, dass du keine Erbschaftssteuer zahlst. Das heißt, du erwischst die Mittelschicht, die Familienunternehmer, diejenigen, die vielleicht zwei, drei Häuser sich zusammengespart haben, die fettest du ab. Anstatt, dass die Superreichen auch Erbschaftssteuer zahlen, wie die Mittelschicht, sagst du, müssen wir Erbschaftssteuer ganz raus haben. Wie willst du die Superreichen erwischen in einem Europa, wo wir nicht entscheiden können, wie andere Länder ihre Steuersysteme gestalten? Das wird ja jetzt euer Problem, wenn ihr nicht neoliberal wärt. Aber ich stelle ja fest, dass deine Positionen, die du aufschreibst und hier nennst, sind einfach vernünftig. Sie ähneln sich sehr mit denen der Superreich, mit der FDP. Keine Erbschaftssteuer, keine Vermögensteuer. Vermögensteuer haben wir ja bereits gar nicht. Wir haben eine, aber die ist außer Kraft gesetzt. Weil die verfassungswidrig ist. Du Verfassungspatriot. Die Ausgestaltung der damaligen Vermögenssteuer, das kann man ja anpassen. Nee, kannst du nicht. Weißt du, warum? Ich nenne dir ein Beispiel. Stell dir vor, irgendjemand hat von seiner Oma ein Gemälde geerbt. Dann ist das Vermögen. Jetzt stirbt die Oma. Jetzt hast du da dieses Gemälde. Damit du jetzt einigermaßen vernünftig machst, müsst du jetzt in Bewerter kommen und das Gesetz absetzen. Du hast einen bürokratischen Aufwand. Das ist doch immer das Problem aller dieser Umverteilungssysteme. Der bürokratische Aufwand ist so gigantisch und das Ergebnis ist eher so klein, dass man in Wahrheit sind diese ganzen Steuerformen, Erbschaftssteuer, Vermögensteuer, diese ganze Umverteilungsmaschine, die dient nicht den Armen, sondern sie erzeugt einen riesigen Apparat an überbezahlten und ökonomisch unnützen Beamten. Die Argumentation habe ich von vielen neoliberalen Ökonomen in der Sendung gehabt. Verweise ich gerne darauf, dass das ein riesengroßer Aufwand wäre mit der Vermögensteuer. Trotzdem erkennst du ja wahrscheinlich die Realität an, dass die Bevölkerung verarmt in Deutschland. Die Reichen trotzdem immer reicher werden. Du schreibst selber in deinem Buch, dass ihr eine möglichst breite Eigentumsverteilung und Vermögensverteilung angehen wollt. Ja. Wie passt das zusammen, wenn du gegen eine Vermögensteuer bist, gegen eine Erbschaftssteuer? Genau deshalb. Ich will die Leute, dass sie Vermögen aufbauen und Kinder haben. Das tun sie genau deshalb, wenn sie auf das Vermögen nicht noch versteuert werden. Sie haben dann viele Kinder und werden Vermögen aufbauen, wenn sie wissen, meine Kinder kriegen das, was ich aufbaue. 30 Millionen Menschen haben kein Vermögen in Deutschland. Das ist zu wenig. Wir müssen viel mehr Leute haben, die Vermögen haben. Wir wissen auch, wie es geht. Der Trick, um Vermögen breit zu streuen, ist Wohneigentum. Wir sind in Deutschland bedauerlicherweise ein Land von Mietern. Wir müssen es wieder schaffen, dass auch eine Sekretärin und ein Busfahrer, wenn sie zusammen leben, sich eine Eigentumswohnung leisten können. Das werden sie nur dann tun, wenn sie wissen, erstens, diese Eigentumswohnung wird mir am Ende nicht besteuert, gegen die Vermögensteuer. Und zweitens, diese Eigentumswohnung können wir irgendwann mal an unsere Tochter vererben, ohne Erbschaftssteuer. Genau deshalb sind Erbschafts- und Vermögensteuer ein Gift, denn sie verhindern den Vermögensaufbau der arbeitenden Mittelschicht. Wir brauchen mehr Vermögen in der Mitte. Als Anwalt weißt du, dass es Freibeträge gibt, auch heute schon, und bei Vermögensteuer wäre das ja natürlich ähnlich. Diese Freibeträge decken zurzeit nicht einmal eine Eigentumswohnung in einem Ballungsraum wie München ab. Das heißt, wer jetzt sagt, ich baue was auf, ich bin Münchner. München ist ein schönes Beispiel. Und die bauen auf und sparen sich vom Munde ab und haben rechtzeitig investiert und haben jetzt drei Eigentumswohnungen und zwei Kinder. Dann wird eine dieser Eigentumswohnungen im Erbfall dran glauben müssen. Und das finde ich ungerecht. Trotzdem ist der Stand heute, die Realität heute, dass zwei Superreiche in Deutschland so viel Vermögen besitzen wie die untersten 42. - Das finde ich nicht gut. Ja, aber, dass du da was ändern willst? Nein, der Politiker muss auch einsehen, wenn er etwas nicht ändern kann. Man kann da nichts ändern, dass zwei Menschen in Deutschland so viel Vermögen haben wie die untersten 42. Da kann man nichts ändern. - Nein, weißt du, warum nicht? Da kann man natürlich was ändern. - Nein, weil der einfach geht. Dieses Vermögen liegt doch nicht in Deutschland. Der hat das Vermögen doch nicht in einem Bargeldkoffer unterm Bett. Der hat das auch nicht in deutschen Immobilien. Der hat auch nicht nur deutsche Aktien. Sondern dieses Vermögen... - Der reißt die Fabrik dann ab, oder was? - Dieses Vermögen besteht bereits heute, wird verwaltet von einem Family Office, das vermutlich noch nicht mal in Deutschland sitzt. Dieses Vermögen besteht aus Immobilien in der halben Welt. Es besteht weiterhin aus Aktienportfolios, die auch nicht nur deutsche Unternehmen betreffen, sondern die andere betreffen. Wenn du jetzt mit deiner Vermögensteuer um die Ecke kommst, dann zieht der erstmal aus Deutschland weg. Dann kannst du ihm zwar deine deutschen Immobilien enteignen, aber seine österreichischen Immobilien, seine britischen Immobilien, seine Immobilien in Dubai... Da könnte man ja Lösungen finden. Wir wissen, die USA machen es anhand deines Passes. Wenn du Amerikaner bist, hast du auch in Amerika Steuern zu zahlen, egal wo du in der Welt bist. Du kannst nicht... - Aber nicht Vermögensteuern. Die gibt es in den USA für ausländisches Vermögen auch nicht. Genau aus dem Grunde. Ich möchte nur feststellen, du bist ein Vertreter, der für die Armen und kleinen Leute da sein will, aber wenn es darum geht, wie man die Superreichen weniger superreich macht, kann man nichts machen. Ich stelle fest, ich bin ein Vertreter, der die Armen reich machen will, aber nicht die Reichen arm. Das ist der Unterschied zwischen mir und Sozialisten. Ja, du willst den Reichen eben nichts wegnehmen. - Nein, ich will den Armen reich machen, aber nicht den Armen reich. Wie willst du die Armen reich machen? - Indem ich ihnen Wohneigentum zum Beispiel verschenke. - Schenke? - Nein, durch günstige Kreditsinzen. - Ja, aber wie bekommt man einen Zins und einen Kredit? Du bekommst, wenn du arbeitest. Und wenn die Arbeit nicht da ist? Die Arbeit ist da. - Ah ja. Die Arbeit ist da. Sie lohnt sich zur Zeit nicht. Bei mir geht es um den Vermögensaufbau für die breite Mittelschicht. Das ist das. Das heißt, ich will die Armen reich machen. Bei Sozialisten geht es immer nur darum, die Reichen arm zu machen. Das ist ein absolutes Idiotenkonzept, weil die Reichen verschwinden einfach und mit ihnen letztlich auch deren Unternehmen und so weiter. Das ist immer gescheit. Aber wie gesagt, du bist ja Jurist. Es gäbe ja rechtliche Möglichkeiten, wo man genau das... Nein, die gibt es nicht. Die gibt es nur, wenn ich bereit bin. - Kapitalkontrollen gibt es nicht? Wenn die Immobilien bereits jetzt im Ausland sind? Das ist was anderes. Aber du hast ja gesagt, das Geld verschwindet ja dann ins Ausland. Die Immobilien sind doch schon im Ausland. Glaubst du wirklich irgendeine reiche deutsche Familie... Aber eben meintest du gerade, das steckt eben nicht in den Immobilien. In den deutschen Immobilien. Ach so. - Nee, der Superreiche. Kein reicher Deutscher hat heute mehr als 50 Prozent seiner Assets noch im Inland. Und er wird auch die Masse seiner Immobilien längst im Ausland haben. Im Übrigen genau wegen der Diskussion, wie wir sie hier führen. Weil er genau weiß, wenn ich nicht aufpasse, ist es bald weg. Also sichert er es. Jetzt bereits. 2:21:47 AfD-Steuerpolitik für die Reichen https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=8507s Vermögen ist das eine, Einkommen das andere. Ist das alles Fake News? Ich habe mal nachgeguckt, 23 verschiedene Wirtschaftsfakultäten, Unis oder Zentren sagen, die unteren Einkommensschichten bis 40.000 Euro pro Jahr profitieren gar nicht von den AfD-Vorschlägen. Lügen die alle? Können die nicht rechnen? - Ich würde sagen, sie können nicht rechnen. Du ja schon. Wenn wir einfach die Sozialkosten, wenn wir die Sozialabgaben reduzieren, das ist ja das der Kern, profitieren die kleinen Einkommensgruppen. Das Ding basiert in der Regel darauf, dass man irgendwelche komischen Gegenrechnungen macht und dann öffentliche Infrastruktur und so weiter meint, da einrechnen zu müssen. Würde ich nicht viel drauf geben. In der Regel schreiben die auch alle voneinander ab. - Die irren sich alle. Ich habe das jetzt hier zum Beispiel gerade vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zitiert. Das ist glaube ich Fratscha, der irrt immer. Nee, Fratscha ist von Deutschen. - Achso. - DIW. Okay, ich kenne nur die Fratscha-Studie, der hat immer, das ist immer eigentlich die Bestätigung, dass wir recht haben, wenn der das Gegenteil sagt. - Ich habe bisher keine einzige Studie gelesen, außer die, dass ihr selber sagt, dass ihr für die Armen, also die kleinen Leute sind. Aber die kleinen Leute würden von euren Stauvorschlägen gar nicht profitieren. Aber es ist ja Lügen. Wir können gerne eine Studie erstellen. Sag mal, hast du ein bisschen Zeit mitgebracht? Ich habe Zeit, mach weiter. Wir können bis zum 20. April machen, wenn du willst. Ist ja, heute ist Freitag, ja, das ist ja Wochenendarbeit. Woran haben wir ja schon angesprochen? Wir setzen auf Vermögensbildung der Mittelschicht. 2:23:22 Wohnen & Miete https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=8602s Ja, aber was, das ist das eine, die Leute leiden aber heutzutage schon, hier in den Großstädten unter den hohen Mietpreisen. Absolut. - Immobilienpreise gehen durch die Decke. - Ja, ist doch klar, warum. Ja. Es gibt zwei Dinge. Das eine ist, die Bauvorschriften, dank der Grünen, sind so absurd, dass ich nicht mehr so bauen kann, dass ich am Ende zu einem sozialverträglichen Preis vermieten kann. Das heißt, selbst wenn die Grundstücke von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt werden würden und ich müsste nach den heutigen Bauvorschriften zu den heutigen Preisen bauen, habe ich Quadratmeterpreise kalt, die nicht unter 12 Euro sind. Das ist nämlich in Dresden passiert. In Dresden gibt es Wohnungsgenossenschaften viel. Müsstest du ja noch kennen als Ostkind, die AWG. Die haben wir noch sehr viele. Und die haben relativ große Grundstücke. Warum? Weil man in der DDR hat man mit sehr viel Zwischenraum gebaut. Und daraufhin hatte die Stadt die gute Idee, diese Wohnungsgenossenschaften sollen verdichten. Sie sollen also auf ihrem eigenen Grund neu bauen. Und das wollten sie auch tun. Das Problem ist, die Bauvorschriften und die Baupreise sind so idiotisch mittlerweile, dass dann selbst die neu gebaute Wohnung damals waren es 10 Euro, mittlerweile ist es noch mal teurer geworden ungefähr 12 Euro kalten Quadratmeter kostet und damit überhaupt keine Entspannung der sozialen Frage bringt. Das ist das allererste Thema. Das zweite ist, es tut mir leid, auch wenn es keiner hören will, wir haben eine Einwanderung nach Deutschland, die ist netto im Jahr 2023 bei 1,1 Menschen hat die gelegen. Diese Einwanderung erfolgt ganz überwiegend in die Ballungszentren. Das heißt also, es strömen in die Ballungszentren sehr, sehr viele Menschen, die Wohnraum brauchen. Aber aufgrund der falschen Baupolitik kann nicht neu gebaut werden. Insofern ist es jetzt ein ganz einfaches Spiel. Die Nachfrage steigt, das Angebot bleibt aber gleich. Es steigt der Preis. That's it. 1,1 Millionen muss man nur sagen. Es gibt natürlich auch 100.000, die wieder Deutschland verlassen pro Jahr. Stopp, das ist schon die Netto. Es sind 2,3 Millionen neu hinzugekommen, also gekommen, um dauerhaft hier zu leben. Und es sind 1,2 Millionen gegangen. Netto heißt das, wir sind im letzten Jahr, 2023, um 1,1 Millionen Menschen mehr leben in Deutschland. Dauerhaft. Und diese Zuwanderung erfolgt nahezu schließlich in die Ballungszentren. Die Ausländer sitzen in unseren Wohnungen. Darum steigen die Mieten? Nachfrage erhöht sich, Angebot bleibt gleich. Was heißt das für den Preis? Entschuldigung, das ist Ökonomie, Realschule. Ja, aber heutzutage, theoretisch ist es ja auch, die Wohnungen, die Ausländer in Deutschland bekommen, sind meistens nicht die besten. Weil sie Ausländer sind. Nein, sie konkurrieren genau mit Menschen, die in Deutschland länger leben, sei es Staatsbürger oder länger hier bereits integrierte Ausländer, die sogenannte kleine Leute sind. Natürlich gibt es keine Konkurrenz um die Luxuswohnung im Grunewald. Aber es gibt eben eine Konkurrenz um einfachen Wohnraum. Und dieser einfache Wohnraum kann nicht neu gebaut werden, weil die Baukosten so hoch sind, dass ich keinen einfachen Wohnraum bauen kann. Ich habe also ein gleichbleibendes Angebot an einfachem Wohnraum, aber ich habe eine jedes Jahr massiv steigende Nachfrage. Und, entschuldige, steigende Nachfrage bei gleichbleibendem Angebot heißt steigender Mietpreis. Das ist eine Binsenweisheit, über die wir hier sprechen. Genau, weil es ein Markt ist. Weil wir zulassen, dass Wohnraum in privaten Händen zu sein hat. Und dann ist natürlich die Marktlogik klar. Genau. Und daran möchtest du festhalten. Ja, selbstverständlich, weil es kein besseres Verteilsystem von Gütern und Dienstleistungen als den Markt. Hast du nicht gesagt, du bist nicht neoliberal? Ich bin nicht neoliberal, wenn ich sage, dass der Markt... Das ist eine urneoliberale Position, zu sagen, also gerade beim Wohnungsmarkt auf Privateigentum zu setzen, was ja dazu führt, wie du es ja richtig sagst, mit Nachfrage und Angebot, dass der Preis unweigerlich immer weiter steigen muss. Nur wenn die Nachfrage steigt. Und das Angebot nicht gleichzeitig. In einem idealen Markt würde jetzt die Angebotsseite nachziehen. Das heißt also, es würde wie verrückt gebaut werden. Das Problem ist aber, warum wird in Berlin nicht gebaut? Zwei Dinge. Erstens... Weil es zu viel Regulierung gibt. Hast du uns ja gerade schon gesagt. Also, du bist für Deregulierung. Moment. Es gibt ja mal eine Bausedatorin der Linken, Frau Lomschar, glaube ich. Die hat jedes Neubauprojekt sabotiert. Da sollte zum Beispiel im Ernst-Thälmann-Park gibt es eine riesen Freifläche, fertig erschlossen. Da hätte man locker sozialen Wohnungsbau steuerlich unterstützt machen können. Das Problem ist aber, im Ernst-Thälmann-Park wird ganz viel Linkspartei gewählt, weil da wohnen alte SED-Kader. Und die wollen nicht, dass die Wiese hinter ihren Häusern zugebaut wird. Also hat Frau Lomschar dafür gesorgt, dass da zum Beispiel nicht gebaut wird. Wir haben in Berlin unter den Linken nicht eine Baupolitik, sondern eine Bauverhinderungspolitik gehabt. Das Ergebnis ist natürlich, wenn nicht gebaut wird, aber hier jedes Jahr hunderttausende Leute neu nach Berlin kommen. Die Mieten steigen aber auch in Bayern, wo die Linken noch nie in der Macht waren. In Bayern steigen sie, weil da natürlich auch Zuzug innerhalb Deutschlands in Bayern ist. Aber wenn du die Bauvorschriften und so weiter angesprochen hast, dass das Angebot von den Grünen und so weiter kommt, deine Antwort ist ja, mehr bauen. Ja, aber du geißelst ja die Regulierung und bist für Deregulierung. Das ist der einzige Chance, um das gebaut wird. Also Deregulierung, Markt, Wohnungsmarkt erhalten bleiben. Und mehr Baukredite für die Mittelschicht. Und das ist nicht neoliberal. Mehr Baukredite für die Mittelschicht mit staatlichen Bürgschaften ist garantiert nicht neoliberal. Dass der Staat oder staatliche oder ähnliche wie Genossenschaften und so weiter, die nicht Profit machen müssen, die keine schwarzen Null machen müssen, dass die Wohnraum schaffen statt Konzern und Privatwohnungen. Die Genossenschaften sind doch völlig frei Wohnraum zu schaffen. Nochmal, ich habe das Beispiel Dresden ja nicht ohne Grund gesagt. In Dresden haben wir einen gedrittelten Markt. Dresden ist immer ein schönes Beispiel, was einigermaßen funktioniert. Ein Drittel des Wohnraums ungefähr haben die Genossenschaften. Ein Drittel hat die ehemals städtische Gesellschaft, die man privatisiert hat. Und ein Drittel ist in privatem Streubesitz. Ja, wir haben auch Genossenschaften hier in Berlin. Die müssen aber trotzdem eine schwarze Null schreiben. Das ist ja, da sind wir wieder beim Markt. Die müssen den Markt gesetzt machen. Die Genossenschaften in Dresden sitzen auf extrem hohen Geldvermögen, weil sie abgeschriebenen Wohnungsbestand haben, der bereits saniert ist und damit sie die Mieteinnahmen vereinnahmen. Und diese Genossenschaften wollten, weil sie eine soziale Verantwortung spüren, wollten auf ihren Grundstücken bauen. Genau, was du vorschlägst. Sie wollten preiswerten Wohnraum bauen. Wir haben es durchkalkuliert und festgestellt, dass das mit den heutigen, die haben das Geld und die Grundstücke. Die hätten die Grundstücke für einen Symbolpreis in die Bilanz gestellt. Und sie haben festgestellt, dass das mit den heutigen Baukosten und Bauverschriften nicht möglich ist. Ganz einfach. Dass der Staat Wohnraum schafft, weil ansonsten die armen Menschen, die kleinen Leute den Gesetzen des Marktes zu befolgen haben, wohl oder übel, dagegen bist du. Ich komme ja nun aus der DDR. Da gab es genau das, was du vorschlägst. Auch gab es so eine BRD. Wir haben auch eine Folge dazu gemacht. Ja, aber das gab es in der DDR, war es der Standard. Das Ergebnis war, es ist der gute Altbausubstanz ist verfallen, weil man kein Geld mehr hatte, ihn zu erhalten. Und die Früchte dieses tollen Wohnungsbaus sind die Problemviertel in den ostdeutschen Großstädten von heute. Zeige mir ein Land der Welt, das mit staatlichen Neubauprojekten irgendwie eine soziale Frage gelöst hat. Die Wahrheit ist, sie haben die soziale Frage vervielfältigt. Ich sitze ja nun in Brüssel. Wenn ich da durch die staatlichen Wohnungsbauprojekte der 60er und 70er Jahre gehe, dann bin ich immer froh, wenn ich wieder rauskomme, ohne ausgeraubt zu werden. Fahr mit dem Zug nach Paris, da haben wir ja die Banlieues. Da haben wir den französischen staatlichen Wohnungsbau der 60er, 70er und 80er Jahre. Da traut sich abends nicht einmal die Polizei rein. Diesen Unfug allen Ernstes als Lösung einer sozialen Frage vorzuschlagen, mein lieber Schwan, da muss man aber schon sehr blind für die Realität sein. Ist aber die Frage, wenn man auf Deregulierung und den privaten Wohnungsmarkt setzt, dass der die soziale Frage löst, in welcher Realität lebt man dann? Überhaupt nicht, weil ich in der absolut gegebenen Realität, weil ich ja einen ganz wichtigen Aspekt drin habe, auch im Buch, nämlich das Programm für Baukredite mit besseren Zinsen und staatlicher Bürgschaft an junge Familien. Das heißt, bei mir bekommt die junge Familie Zugang zu einem sehr zinsgünstigen Baukredit. Aber ethnisch deutsche Familie sind das dann, ne? Deutsche Staatsangehörige. Deutsche Staatsangehörige, niemands was. Ich rede, ich bin Jurist, ich gehe nach Staatsangehörigkeit. Nicht in deinem Buch. Darüber reden wir eh noch. Die deutschen Staatsangehörigen bekommen bei mir Zugang zu staatlich garantierten, zinsgünstigen Krediten. Und das führt dazu, dass diese Leute dann selber entscheiden können, was sie sich erwerben und errichten wollen. Dadurch erzeuge ich den Markt des Bauens, aber so wie die Leute es gern hätten und wollen und nicht wie irgendwelche absurden Stadtplaner es sich vorstellen, zu besichtigen in Berlin-Marzahn, in den Banlieues von Paris oder in den ganzen anderen Elends-Ghettos der westlichen Welt, die ja zeigen, wohin staatliche Wirkungspolitik führt. Was ist denn das für eine Mietpreisbremse, die in der Bevölkerung sehr beliebt ist? Überhaupt nichts. Sie führt nur dazu, dass nicht saniert wird. Sie führt dazu, dass Abstandszahlungen geleistet werden. Sie erzeugt einen Schwarzmarkt. Sie wird scheitern, sondern sie führt zu einer massiven Verzerrung der Wohnungssituation. Wir hatten das ja in Berlin und gerade kleine Leute haben von einer Mietpreisbremse profitiert. Nur die, die bereits eine Wohnung haben, aber sie verzerrt den Wohnungsmarkt und verhindert Neuvermietung und ist im Übrigen verfassungswidrig. Wie gesagt, tut mir leid, ich bezeichne mich zwar nicht als Verfassungspatrioten, aber ich lege Wert darauf, dass das, was wir tun im Rahmen von Recht und Gesetz stattfindet. Sie war verfassungswidrig in dem Sinne, dass das Land Berlin sie nicht hätte einführen dürfen, sondern hätte Bund machen müssen. Das könnte die AfD ja machen. Machen wir aber nicht. Ich fand auch noch interessant in deinem Buch, da schreibst du, also du wolltest auch was gegen die Landflucht tun. Und du stellst dir Wohnprojekte aus 30 bis 40 Familien vor, die ein gemeinsames Leben aus Tradition und Natur führen. Warum ist das keine Hippie-Kommune dann? Es ist halt Hippie von rechts. Was heißt das? Ich finde solche... Ich glaube, wir müssen den Mut haben, wir sind in gewisser Weise am Ende auch der sehr stark konsumorientierten hedonistischen Zeit angekommen. Die Geburtenrate verfällt, wir kriegen unsere sozialen Probleme nicht in den Griff. Das heißt, wir müssen offen sein für neue Ideen. Und ich glaube, dass auch eine große Sehnsucht nach einem Leben da ist, nicht bei der Mehrheit, aber doch bei einer ausreichend starken avantgardistischen Minderheit, andere Wege zu versuchen. Und wir haben in Deutschland, gerade im ländlichen Raum, Dörfer mit großem Leerstand. Und wenn da neues Leben einzieht, ist das befruchtend und ist ein Beispiel. Wir haben das in einem Dorf in der Nähe von Jena. Da ist vor kurzem eine Familie hingezogen mit vier Kindern. Und der Mann hat als erstes einen Karnevalsverein und einen Feuerwehrverein gegründet. Mittlerweile ist das ansteckend. Es ziehen Familien nach und es gibt auch... man hat wieder Mut zu Kindern, weil man sich untereinander bei der Betreuung hilft und man reicht die Babysachen weiter und so weiter. Das heißt also, aus solchen sehr kleinen Kernen können Dynamiken entstehen. Und das ist etwas, ich hatte letzte Woche, oder diese Woche, ein Mittagessen mit einem Kardinal. Es gibt schon noch Kirchenvertreter, die mit mir reden. Und den Namen nenne ich jetzt nicht, weil dann ist er dran. Aber... - Da kommt der von den Pius-Leuten. - Nee, ein richtiger Kardinal. Also die Pius hat nur Bischöfe. Und die Frage war eben, was kann man tun, dass das Christentum in Deutschland verschwindet? Und ich habe gesagt, Eminenz, suchen Sie sich ein Dorf raus, mit großem Leerstand, kaufen Sie diese Häuser und bieten Sie den jungen Familien zur Erbpacht zu vergünstigten Preisen an. Und dann schicken Sie in dieses Dorf drei charismatische Priester und sorgen Sie dafür, dass die Grundschule aufgemacht wird. Und ich verspreche Ihnen, Sie werden Leuchttürme schaffen. Und das wird sich weiter verbreiten. Das heißt also, weil wir in vielerlei Hinsicht in Sackgassen gelandet sind, müssen wir den Mut haben für neue, mutige alternative Projekte. Und ich glaube, dass zur Zeit nicht mehr eben in den 60er Jahren kamen die alternative mutigen Projekte von links. Aber links ist heute total langweilig, Staatstragen und bläh. Und deshalb müssen die neuen, mutigen alternativen Projekte heute von rechts kommen. 2:37:03 Pflegenotstand https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=9423s Kommen wir mal zur Pflege. Wir haben einen Pflegenotstand in Deutschland. Das wirst du anerkennen? Das ist ohne Frage so. Dass es zu wenige Pflegerinnen und Pfleger gibt? Es gibt zu wenige. Wir haben ja offenbar eine Höhe. Oder gibt es zu viele Leute, die gepflegt werden müssen? Was ist das Problem? Naja, wir haben deshalb so viele Leute, die gepflegt werden müssen, weil es eben in den Familien nicht mehr richtig funktioniert, weil auch die Familienverbände schwächer geworden sind. Insofern ist klar, wir haben sehr, sehr viele Menschen, die gepflegt werden müssen. Und da können wir lange darüber reden, warum das so ist. Es ist einfach so. Und in der Tat, diese Pflege ist sehr teuer und es fehlt am Personal. Du willst, also wenn wir gleich noch besprechen, dass Ausländer Deutschland verlassen. Es gibt einen großen Ausländeranteil unter den Pflegenden. 80% der Pflegekräfte sind Frauen. In meinem Wahlprogramm, hier steht drin, zu Ärzten, Therapeuten, Apothekern oder Pflegekräften, die sprachliche Defizite aufweisen, kann weder Vertrauen aufgebaut werden, noch können Missverständnisse im Behandlungsablauf ausgeschlossen werden. Die Schlussfolgerung lasst ihr ja weg. Nein, es gibt keine Schlussfolgerung. Es ist nur eine Beschreibung. Der Satz ist eine Beschreibung. Er ist deskriptiv. Er ist nicht... - Ja, aber denk das doch dann mal zu Ende. Wenn Ärzte, Therapeuten, Apotheker und Pflegekräfte, die wir hier hunderttausendfach haben, die unser System am Laufen halten, die aber tatsächlich sprachliche Defizite haben. Haben sie ja. - Zu dem man... Da sagt ihr, zu denen kann man kein Vertrauen aufbauen. - Aber das ist doch eine reine Beschreibung. - Was heißt denn... Denk das doch mal zu Ende. - Nee, ich denke nicht zu Ende. Ich sage, es ist eine Zustandsbeschreibung. Die Zustandsbeschreibung ist unbestreitbar richtig. - Was folgt denn aus dieser angeblichen Zustandsbeschreibung? - Unter Umständen, dass man vielleicht dafür sorgen soll, dass diese Leute Sprachkurse bekommen. Die müssen nicht raus. - Jemand, der hier in Deutschland ist und einen Job hat, muss nicht raus. - Aber am liebsten wäre dir das schon? - Nein. Natürlich nicht. - Was ist mit den ganzen Frauen, die Pflegekräfte sind? - Was soll mit den Frauen sein? Das ist eine harte Arbeit. - Da könnte es sein, dass die dann andere Jobs besser machen müssten. Keine Ahnung. Du bist ja auch fürs Kinderkriegen und so weiter. Man kann ja nicht ein Kind kriegen und gleichzeitig noch pflegen. - Also diesen Konex habe ich noch nie gezogen und sehe ihn auch nicht. - Was wollt ihr denn beim Pflegenotstand tun konkret? Wenn ihr jetzt die großen Anteile an Menschen mit Migrationshintergrund, die unsere Alten pflegen und Ausländer, die unsere Alten pflegen, angeblich nicht raus haben wollt. - Vollständig. - Der Pflegenotstand ist ja trotzdem da. Was tut ihr dagegen? - Der Pflegenotstand ist da. Es gibt auch andere Notstände. - Lass uns mal bei der Pflege bleiben. - Wir glauben tatsächlich, dass wir in den nächsten Jahren am Arbeitsmarkt sehr, sehr große Verwerfungen erleben werden. Weil durch die Einführung der künstlichen Intelligenz in den Arbeitsmarkt wird es in sehr, sehr vielen Berufsbereichen zum Abbau von Arbeitsplätzen kommen. Die Arbeitsplätze, gerade in Bürojobs etc. werden im großen signifikanter Anteil entfallen in den nächsten 10 Jahren. Das heißt, es geht darum, dass wir in Zukunft den knappen Faktor Arbeit, den wir in Deutschland haben, dass wir bereits zu Anfang bei der Berufswahl, bei der Ausbildung dafür sorgen, dass eben in die Jobs qualifizierte, fähige Leute kommen, die auch noch gebraucht werden. Und nicht, dass wir jetzt irgendwas ausbilden, was absehbar in 5 oder 10 Jahren einem Computer zum Opfer fällt. - Also wir brauchen, stand jetzt, hunderttausende Pflegekräfte in Deutschland, damit unser Pflegenotstand aufhört. - Wir werden auch demnächst hunderttausende Arbeitslose haben. In anderen Bereichen, weil aufgrund der technischen Revolution sehr, sehr viele Arbeitsplätze wegfallen. - Ja, aber ich habe jetzt nicht verstanden, wie der Pflegenotstand überwunden wird durch euch. - Durch die Umschichtung der in Zukunft entstehenden Arbeitslosen in die Pflege. Zweitens, indem da womöglich ebenfalls rationalisiert und technisiert wird. - Also es ist ja gerade in den nächsten Jahrzehnten werden, wahrscheinlich werden überhaupt durch KI die Jobs, die sogenannten Bullshitjobs, ersetzt. Die von den kleinen Leuten, die euch wählen sollen, die von den kleinen Leuten gemacht werden und die sollen... - Nein, ersetzt werden nicht die... ersetzt werden Bürojobs, es werden White-Collar-Jobs ersetzt, es werden nicht Blue-Collar-Jobs ersetzt. Das ist nicht wahr. Also der Handwerker, der hier kommt und der da hier den Neonröhrer austauscht, der bleibt, der wird nicht vom Roboter ersetzt. Ersetzt wird zum Beispiel der Versicherungs... - Die Frau an der Supermarktkasse schon. Das passiert doch jetzt schon. - Ja, mag sein, aber es wird ersetzt der Sachbearbeiter in der Schadensregulierung der Versicherung. Es wird unter Umständen der Jurist ersetzt, der Scheidungsfehler machen. - Die sollen Roma erner pflegen. Das hast du ja gerade gesagt. - Diese Leute, die jetzt hochqualifizierte White-Collar-Jobs haben, werden im großen Stil ersetzt werden und in der Tat, ehe die dauerhaft arbeitslos sind, glaube ich, dass die Pflege ein erbarer Beruf ist. - Bin gespannt, ob deine Wähler das wissen, dass sie dann, wenn sie einen Job wegen KI verlieren, dann pflegen müssen. - Findest du Pflege so unverständlich? - Nein, aber ich kann mir vorstellen, dass manche eine andere Zukunftsplanung haben. - Kann ja sein. Sie müssen aber einen Job annehmen, das hatten wir ja erst. Wir wollen ja nicht, dass die Leute dauerhaft von staatlichen Zuwendungen leben. Wir reden von Kombilöhnen. Wir möchten, dass Leute arbeiten. Die Frage ist, welche Arbeitskräfte gibt es in zehn Jahren noch? Und es wird eben in zehn Jahren immer noch sehr viel Pflegekräfte geben. Es wird Handwerker geben. Es wird den Schaffner im Zug geben, aber nicht mehr den Lokführer. Der Lokführer. Das ist ja das, wo wir hinkommen. Und von daher werden wir sehen, dass sehr, sehr viele Berufe, für die heute auch noch ausgebildet wird, werden wegfallen. Und es werden aber Berufe, wo zurzeit Knappheit ist, Handwerk, Pflege, Dienstleistungen am Menschen, die werden bleiben. Und wir müssen einfach mal anfangen, dass wir die Prognosen, wie viel Arbeitskräfte in der Zukunft fehlen, abgleichen mit den Prognosen, welche Jobs von KI betroffen sein werden. Wenn wir das miteinander abgleichen, werden wir feststellen, dass wir zurzeit weniger an einem absoluten Mangel an Arbeit leiden, als vielmehr an einer gravierenden Fehlallokation von möglicher Arbeitskraft. - 2:43:30 Demografie https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=9810s Dann kommt ja noch dazu, dass am Ende des Jahrzehnts die ganzen Babyboomer … …in Rente gehen. Das heißt, noch mehr Arbeitskräfte fehlen uns. - Und noch mehr Leistungsbezieher ins Rentensystem einfließen. - Die sollen nicht durch Fachkräfte und Menschen aus dem Ausland ersetzt werden? - Wir haben seit 2015, schau, wir müssen unterscheiden, reden wir über eine fiktive Idealeinwanderung oder reden wir über die reale Einwanderung, die wir seit 2015 haben. Wir haben seit 2015 eine reale Einwanderung. Und diese reale Einwanderung ist ökonomisch, und da verweise ich jetzt auf Herrn Raffel-Hüschen, der das untersucht hat, ein Desaster. Und auch Herr Fratscher, der ja immer der Regierung zujubelt, hat 2015 gesagt, in fünf Jahren werden die Leute, die jetzt reinkommen, die Rentner, die Renten der heutigen Rentner bezahlen. Das ist ein Witz. Diese Leute sind zu über 50, über 50 Prozent der deutschen Bürgergeldempfänger sind Ausländer. Die zahlen überhaupt nicht ein. Das heißt, die reale Einwanderung, die wir haben, hilft nicht gegen den Fachkräftemangel. - Also ein Fakt ist, hab ich mir extra rausgeschrieben, dass die Städten, die 2015/2016 hergekommen sind, in der Mehrheit mittlerweile Fachkräfte in diesem Land sind und Steuern zahlen. - Also sind das nicht Fachkräfte, sie arbeiten. Und dann musst du zwei Unterscheidungen machen. - Nein, das sind... - Keine Fachkräfte. - Das kann man leicht nach... - Die arbeiten. - Darauf verweise ich. - Nur zu. - Das stimmt nicht, was du gesagt hast. - Aber worum es doch geht, ist doch eins. A) Eine Mehrheit hast du auch mit 55 Prozent. Punkt eins. Punkt zwei, du musst eine Unterscheidung machen nach den Herkunftsländern. Dann sieht das Ganze schon sehr differenziert aus. Und Punkt drei, dass sie arbeiten, ist das eine. Es gibt auch noch einen zweiten Aspekt. Auch wenn du arbeitest, nimmst du ja öffentliche Infrastruktur in Anspruch. Straßen, Schulen, Gesundheitswesen, öffentlichen Personennahverkehr. Das heißt also, es reicht ja nicht nur aus zu arbeiten, sondern du musst auch so arbeiten, dass du so viel Steuern abdrückst, dass du zumindest deinen Anteil an der öffentlichen Infrastruktur übernimmst. Darauf hat hingewiesen Professor Sinn, den ich für einen sehr soliden Ökonom halte. Und wenn du das als Maßstab nimmst, also wer erwirtschaftet so viel Geld, dass er seinen Anteil an den Kosten der öffentlichen Infrastruktur mit übernimmt, es tut mir leid, dann liegen wir in einem Bereich, der so marginal, dass es beschämend ist. Schau dir, die Zahlen liegen da. Diese Einwanderung, die reale Einwanderung, ich sage ja nicht, dass es eine ideale Einwanderung geben kann, die wunderbar funktioniert, das ist möglich. Aber die reale Einwanderung, die wir haben, seit 2015, ist ein ökonomisches Desaster. Es gibt genug Studien, ich habe jetzt nicht genau nachgezählt, die aufzeigen, dass die Zuwanderung der letzten 10 Jahre sogar der Volkswirtschaft geholfen hat. - Nein, die gibt es nicht. Noch mehr Wachstum. - Also die ist von Fratsche, aber der liegt immer daneben. Aber seriöse Ökonomen, die das behaupten, die Studie möchtest du sehen, die diskutiere ich mit dir ongeteil aus. Das kann nur auf grob falschen Zahlen basieren. Ich verweise auf Professor Hans-Werner Sinn. - Gut, und ich verweise man muss aber nur googeln, es gibt dann hunderte Studien dazu. - Nee, hunderte nicht. Wirtschaftswachstum Deutschland. - Eine Flasche Champagner, dass du keine hunderten Studien dazu findest. Ich glaube, die Lage ist eindeutig. 2:46:39 Klimawandel-Leugnung https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=9999s Apropos eindeutig, Klimawandel, dass der von Menschen gemacht ist, leugnest du richtig? Ich sage, es gibt einen Klimawandel und es gibt aller Voraussicht nach einen menschlichen Anteil. Die Frage ist, ist der 10 und 90 Prozent? Und? Großer wissenschaftlicher Streit? - Nein. Doch. Ich bin eingangs nach Princeton geflogen und habe mich mit einem Physiker dazu unterhalten. Ein Physiker? - Ja. Ein Physiker, der sich seit Jahrzehnten mit Klimawandel beschäftigt. Und ich glaube, wenn ich mir das in Princeton erklären lasse, da bin ich dann doch ein Education-Snob und stehe auf Ivy League. Also ein Princeton-Physiker ist für mich eine andere Autorität, als irgend so ein Klimalobbyist. Ein Physiker. Ich unterhalte mich mit anderen, aber ich habe mir natürlich erst mal einen ausgesucht, von dem ich wusste. Das jahrzehntelange Forschung, Zehntausende Der forscht auch. Die Frage ist doch, wie hoch ist der Anteil? Es gibt zur Frage, wie hoch der menschliche Anteil ist, gibt es keinen wissenschaftlichen Konsens. Der Konsens ist aber, dass der Klimawandel, den wir jetzt erleben, seit 150 Jahren, seit dem Industriezeitalter, seitdem wir CO2 in die Luft festen. Dass es einen menschlichen Anteil gibt, aber nicht, wie hoch der ist. Der ist ganz klar dadurch kennzeichnet, dass er durch uns Menschen kommt. Nein, diesen Konsens gibt es nicht. Den gibt es vielleicht in der rosa-roten Vorstellungswelt von Maria Luise Neubauer. Aber den gibt es nicht unter seriösem Wissenschaftsdruck. Du wolltest freundlich bleiben, respektvoll. Der Punkt geht an dich. Also, es gibt diesen Konsens nicht. Es gibt einen Konsens, dass es einen Klimawandel gibt. Es gibt einen Konsens, dass es zu diesem Klimawandel einen menschlichen Anteil gibt. Es gibt keinen Konsens, ob dieser Anteil 90 oder 10 Prozent oder irgendwas in der Mitte ist. Darüber kann man streiten. Darüber wird gestritten. Und wie gesagt, um mich da auf den Stand bringen zu lassen, und da ich jetzt nicht irgendwelchen Lobbyisten glauben wollte, bin ich nach Princeton geflogen. Du brauchst doch keinen Lobbyisten glauben, sondern einfach nur der Wissenschaft oder Unternehmen und so weiter. Und das ist eine objektive Wahrheit. Nein, die Wissenschaft gibt es nicht. Andernfalls hätte ja Kopernikus auch Unrecht denn er hat auch gegen die Wissenschaft seiner Zeit argumentiert. Es gibt nicht die Wissenschaft, sondern es gibt in jeder anständigen Wissenschaft Streit. Aber Maximilian, es gibt die objektive Wahrheit, dass der Klimawandel durch uns Menschen... Zu welchem Anteil? Zu 99 Prozent. Diese Wahrheit gibt es nicht. Selbst übrigen, dass der zu 99 Prozent menschlich ist und das also ein Vulkanausbruch, die Sonnenleistung, dass die weniger als ein oder zwei Prozent Anteil haben. Da gehe ich so weit zu behaupten, dass es einen wissenschaftlichen Konsens gibt, dass das nicht stimmt. Aber das recherchiere ich und schick's dir gern zu. Du erkennst aber an, dass es einen Klimawandel gibt. Ja, selbstverständlich. Warum wollt ihr denn da nichts dagegen machen? Weil wir glauben, dass wir gegen den Klimawandel oder weil ich der festen Überzeugung bin, dass die Vorstellung, dass Deutschland imstande sei, die durchschnittliche Welttemperatur in 100 Jahren auf 1,5 Grad genau zu justieren, eine absolute Hybris ist. Das bewegt sich auf dem Niveau eines Regentanzes. Wir könnten das ja mit anderen Staaten, in eurem Bund, europäischer Nation... Können wir ja gern tun, aber wir tun's zur Zeit alleine. Das stimmt ja nicht. Wir schaffen unsere Kohlekraftwerke ab, aber in Indien und in China werden eine höhere Anzahl an Kohlekraftwerken errichtet. Sind die Chinesen eigentlich bekloppt, wenn sie die mit weitaus, mit großem Abstand die meisten Solar- und Windräder aufstellen? Nein sind sie nicht, weil sie dadurch einen industriellen Vorsprung erreicht haben und mittlerweile den Solarpanelmarkt der ganzen Welt dominieren können. Und den industriellen Vorsprung, den brauchen wir hier nicht. Den hätten wir gebraucht, aber den haben wir ja selbst aufgegeben. Aber du bist doch gegen Solar. Ich finde, dass es eine furchtbare Landschaftszerstörung ist, aber Tatsache ist, dass die Chinesen den Markt erkannt haben und mittlerweile vor allen Dingen ihre Sonarpanel natürlich exportieren, weil sie sich einen Vorteil erkauft haben. Aber warum bist du dann gegen die deutsche Solarindustrie? Ich war nicht gegen die deutsche Solarindustrie, aber mittlerweile ist sie halt tot. Ja, weil unter anderem die AfD den Leuten das Solar- und Windkraft... Also, dass die AfD in irgendeiner Form leider... Weil wir gegen den Klimawandel nichts machen können und dem auch nichts machen brauchen. Nein, wir können sehr wohl was machen. Wir können uns zunächst einmal überlegen, indem wir eine Klimafolgenforschung machen und sagen, welche sind die wahrscheinlichsten Szenarien, von denen wir ausgehen, was der Klimawandel bei uns auswirkt. Und dann können wir sagen, wie können wir uns zum Beispiel darauf einstellen. Man kann ja auch mal überlegen, dass man einen Teil der Klimafolgen einfach einplant und sagt, wir haben so viel Technik und wir sind so wohlhabend, unsere Industrie funktioniert, dass wir Vorkehrungen treffen, für das, was der Klimawandel bringen wird. Also, nehmen wir ein Beispiel, sehr, sehr viele Deutsche lieben es mittlerweile, in Dubai Urlaub zu machen. Das ist an sich klimatisch ein ziemlich heftiger Ort. Es ist nämlich Wüste. Man hat es aber mit Intelligenz, Innovation, Technik und Geld geschafft, aus einem Wüstenort einen global akzeptierten Urlaubs- und Wissenschaftsstandort zu machen, Wirtschaftsstandort zu machen. Das heißt, es ist also offenbar möglich, dass man sich auf veränderte Klimabedingungen einstellt. Wir aber erklären, nein, wir müssen unseren Wohlstand aufgeben, wir müssen unsere Industrie aufgeben, wir müssen unsere Art zu leben aufgeben. - Tut ja keiner. Das wird aber behauptet. Wir müssen sogar teilweise unsere Demokratie aufgeben, weil es halt wegen Leuten wie mir keine Mehrheit gibt, das alles umzusetzen. Wer sagt diese Sache? Na, jetzt darf ich einfach mal Luisa Neubauer zitieren. Die sagt, wir sollen unsere Demokratie aufgeben? Die sagt, dass man gewisse Entscheidungen zum Klimawandel nicht demokratisch abstimmen muss, sondern, dass die Wissenschaften eine Expertenrunde da einfach sagen muss und dass es dann nicht möglich sein soll, dass hier eine Mehrheitsentscheidung dagegen ist. Mittlerweile geht es ja so weit, dass vor den Verfassungsgerichten geklagt wird auf einen Anspruch auf Klimaschutz, selbst wenn die Mehrheit der Menschen und wenn die Parlamente dagegen stimmen. Gibt es Urteile aktuell aus Holland und aus der Schweiz? - Du kennst aber das Grundgesetz, dass auch der Schutz zukünftiger Generationen garantiert sein muss. Ja, ist aber nicht einklagbar. Doch, genau das hat das Verfassungsgericht festgestellt. - Nein, das Verfassungsgericht hat beim Klimaschutz jetzt gesagt, dass Einschränkungen dann möglich sind, wenn der konkrete Nutzen nachgewiesen ist. Aber es ist nicht so, dass wenn jetzt eine AfD-reführte Bundesregierung sich für eine andere Klimapolitik entschiede, nämlich eine Klimapolitik - Keine, nämlich keine. - Eine andere, dass dann ein einklagbarer Anspruch entstünde auf so eine Art Luisa Neubauer Klimapolitik. Das ist nicht der Fall. - Wie gesagt, die Artikel des Grundgesetzes, die Grundrechte, könnt ihr nicht ändern. Das ist aber nur eine Staatszielbestimmung. Artikel 20 ist kein Grundrecht. Nee, ich habe jetzt nicht auf Artikel 20 bezog, aber die Verantwortung für die natürlichen - Ist kein Grundrecht. Artikel 20a ist eine Staatszielbestimmung. In jedem Grundgesetzkommentar steht drin, dass der nicht einklagbar ist. Dass Luisa Neubauer das gesagt hat, bezweifle ich und dass sie irgendwelche politische Macht hat, gibt es nicht. Sie hat aber eine öffentliche Macht, sie hat eine diskursive Macht. Wir werden also belogen von allen. Also nochmal, dass 99% des heutigen Klimawandels menschlich verursacht ist, das war deine These. Das halte ich. - Das ist keine These, das ist Wissenschaft. Gut, we agree to disagree und ich zeige dir nach, dass es keinen Konsens über diese Zahl gibt. 99 oder 98%. Das ist eine relativ leichte Übung. Die Frage, wie wir mit dem Klimawandel, den wir haben, umgehen, ist eine politische Frage, die demokratisch entschieden werden muss. Wir sagen, Abschaffung des Wohlstands, Abschaffung der Autoindustrie, Abschaffung der Art und Weise, wie wir leben, in der vagen Hoffnung, dass das das Klima beeindruckt, halten wir für falsch. Schwerpunkt, Klimafolgenforschung und Reaktion auf die erwartbaren Klimawandelfolgen. Das ist der Weg, den wir gehen und ich glaube, dass wir dafür auch eine Mehrheit finden werden. - Und in der AfD-Regierung würde die Autoindustrie einfach weiter Verbrenner bauen lassen, die dann weltweit gar nicht mehr nachgefragt werden. Selbst in Deutschland wird kein Mensch kaufen Elektroauto in Deutschland. Doch, immer mehr. Letztes Jahr war ein neuer Rekord. Deshalb haben auch alle Mietwagenfirmen mittlerweile mehr und mehr die Verbrenner rausgenommen, weil sie sagen, es rentiert sich nicht, es gibt keine Nachfrage. Warum sind die anderen Autohersteller auf der Welt, anders als die Deutschen, so dumm, sich auf Elektroautos zu beziehen? Das tun sie. Das kannst du nicht leugnen. Die Chinesen haben es getan. Die Japaner. Toyota hat erst jetzt den ersten Elektro, weil sie lange auf Hybrid gesetzt haben. - Sind die so dumm? Nein, die richten sich natürlich nach der Regulierung. Die politische Regulierung geht voran. Und daraufhin wissen die Leute, wenn ich als Automanager weiß, ich kriege in der EU ab 2035 keinen Verbrenner mehr zugelassen, dann werde ich doch jetzt keine neue Verbrennerfabrik bauen. Da versuche ich meine Haut zu retten, indem ich ein Elektromodell auf den Markt bringe. Aber das Verbrennerverbot will doch jetzt nicht nur die AfD kassieren. Selbst die CDU Europäische Volkspartei hat in ihrem Europa-Manifest erklärt, sie will aus dem Verbrennerverbot raus. Ich muss mich jetzt hier nicht kritisieren lassen, weil die CDU/CSU oder die Europäische Volkspartei, wie sie auf europäischer Ebene heißt, jetzt mit ein paar Jahren Verspätung erkannt hat, dass wir recht gehabt haben. Wir reden ja nicht über die Europäische CDU, sondern über euch. Wir wollen weiter Verbrennermotoren, wir finden die ökologisch und auch unter Klimaschutzgesichtspunkten gut. Ein moderner Verbrenner verbraucht 5-6 Liter pro 100 Kilometer. Es gibt Untersuchungen über die CO2 Gesamtbilanz eines Elektroautos unter Berücksichtigung der seltenen Erden, der Rohstoffe für die Batterien und so weiter. Danach ist ein Elektroauto in der Gesamtschau erst, ich glaube, ab einer Laufleistung von weit über 100.000 Kilometern unter CO2-Gesichtspunkten besser als ein Verbrenner. Von daher ist dieser angebliche CO2-Vorteil des Elektroautos, das ist doch sehr stark zu hinterfragen. Lassen wir mal so stehen. 2:57:00 „Traditionelle“ Familie https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=10620s Kommen wir mal zur Familie. Euch ist ja auch die Familie im Europawahlprogramm allgemein in eurer Partei sehr wichtig. Die Familie ist uns wichtig. Erklär doch mal unserem naiven Publikum deine ideale Vorstellung von einer Familie. Das ist dein traditionelles Familienmodell. Eine Familie ist der Ort, wo das Leben weitergegeben wird. Und zwar nicht nur das Leben, sondern auch die Tradition, die Erziehung, die Wertvorstellung. Insofern ist eine Familie immer gebaut, um die Weitergabe der Tradition und der Generation vor allen Dingen. Insofern ist die Kernfamilie natürlich, da man ja um ein Kind bekommen, eine Mama, einen Papa braucht, ist die Kernfamilie natürlich gebaut, um die Kernzelle Mama, Papa, Kind. Im Idealfall. Wir wissen, dass das nicht mehr der Fall ist. Immer weniger, aber das ist erstmal der Idealfall. Man hat einen Idealfall und weiß, die Realität weicht halt davon ab. Aber das ist etwas, was wir wünschen. Aber sie ist nicht damit beschränkt, sondern da gibt es auch noch die Großeltern, die vielleicht helfen bei der Kindererziehung oder beim Märchenvorlesen. Dann gibt es vielleicht noch die Tante, die selbst keine Familie hat, aber die man trotzdem immer einlädt und einbindet. Das heißt also, es gibt eine Kernfamilie und es gibt eine weitere Familie, wo dann die anderen Verwandten dazu gehören. Das ist die Familie und in dieser Familie spendet man sich gegenseitig Solidarität, man passt auf sich auf und man sorgt dafür, dass es eben nicht abreißt und es immer wieder neue Generationen gibt. Das ist stark vereinfacht unser Familienkonzept. Deine Vorstellung von Familie ist Mutter, Vater, die dann Kinder machen. Machen klingt furchtbar. Haben. Die haben dann Kinder. Erziehen sie, haben sie, lieben sie. Untereinander spendet man sich Solidarität. Das ist das Ideal, um das herum alles aufgebaut. Jetzt haben wir aber in Deutschland eine andere Realität. Absolut. Wo auch Homosexuelle Eltern Kinder haben oder adoptieren können. Gut, da sollten wir immer schauen, um wie viel. Es sind sehr wenige. Die gibt es, wunderbar. Wir haben Patchwork-Familien. Sehr viele. Was hast du für eine? Ich bin verwitwet. Und bin jetzt mit meiner... Du hast acht Kinder von drei Frauen. Genau. Also ich bin verwitwet. Und habe zwei Kinder mit meiner Partnerin. Plus zwei Kinder aus einer gescheiterten Beziehung. Ich muss also zugeben, es gibt ein Ideal und ich bin dem Ideal nicht gerecht geworden. Was würde denn dann bedeuten, wenn ihr eure Art von Familienmodell beschließen würdet? Wieso beschließen? Das kann man nicht beschließen. Das ist ein kulturelles Leitmodell. Das kannst du ja nicht staatlich beschließen. Ihr wart ja dagegen, dass homosexuelle Eltern adoptieren können. Dass sie Eltern sein können. Dass es zwei Mütter gibt. Dass es zwei Väter gibt. Da seid ihr ja dagegen. Es gibt ja erstmal immer eine Mutter und ein... Also rein... Fangen wir ganz nüchtern an. Man hat nun einmal eine Mutter und einen Vater. Rein genetisch. Oder? Ja. Daraus ergibt sich ja nach dem schönen Satz, das gelegentlich auch mal aus dem Sein einen Sollen folgt, ergibt sich ja erstmal eine Grundidee. Und dann gibt es zu jeder Grundidee aufgrund gesellschaftlicher Umstände Ausnahmen, die da sind. Ohne Frage. Aber wogegen wir uns wehren, ist, dass so getan wird, als gäbe es nicht mehr eine Grundidee und Ausnahme, sondern irgendwie so alles Regel. Es gibt eine Regel, ein Ideal und dann gibt es Ausnahmen. Die Regel ist aber Mutter, Vater, Kind. Das Ideal. Mann, Frau. Das hohe Ideal auf dem Berg, "The shining city upon the hill". Das ist die Regel. Das ist das Ziel. Und dann wissen wir aber... Diese Ausnahmen soll es nicht geben? Doch, natürlich. Die gibt es. Die sind da. Wir leben in einer pluralen Gesellschaft. Das heißt, die heutigen homosexuellen Eltern, die Kinder haben, müssen... Die homosexuellen Eltern, die Kinder haben? Die müssen die Kinder nicht wegnehmen? Selbstverständlich nicht. Ihr würdet auch das Adoptionsrecht nicht ändern? Wer adoptiert hat, hat adoptiert. Wir ändern doch nicht, was fertig ist. Wir sagen nur für die Zukunft, möchten wir eine verstärkte Wertschätzung, unter anderem eben durch meine erst schon angesprochenen wunderbaren Baukredite, wo wir sagen, wenn ihr Kinder habt, macht einen Baukredit. 3:01:18 Männer- und Frauenbild https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=10878s Du sprichst oft in deinem Buch von Wertschätzung. Wertschätzung der Mutterschaft zum Beispiel. Wertschätzung? Der Mutterschaft. Du propagierst also auch eine klare Trennung der Geschlechterrollen. Keine Trennung, aber eine Unterscheidung. Ja, genau. Erklär das mal. Also ein Mann und eine Frau, was ist da die Unterscheidung in der Familie? Oder in der Partnerschaft? Also ich glaube nicht, dass... Oder schauen wir uns mal den Anteil der Frauen bei den Studiengängen an. Der ist ja eher niedrig. Es gibt ja keinen Zwang, der sagt, eine Frau darf kein Ingenieur werden. Sondern es ist eine freie Wahl und viele Frauen sagen, wir wollen kein Ingenieur werden. Das Interessante an den Studiengängen... Der durchschnittliche IQ von Frauen ist niedriger als Männer. Das Interessante an den... Der durchschnittliche ist eben nicht niedriger, er ist nur anders verteilt. Das Interessante an den... Männer sind hochbegabter als Frauen, hast du gesagt. Das Interessante an den Ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen besteht darin, dass er gerade zum Beispiel in Schweden unheimlich feministisch, unheimlich frei, ist der Anteil der Frauen in den Ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen eher niedrig. In Indien ist er relativ hoch. Ich möchte darauf hinweisen, meine Frage war, welche Rolle hat der Mann in einer Partnerschaft und welche Rolle hat eine Frau? Das entscheidet sich in jeder Partnerschaft individuell. Das sagst du aber selbst nicht. Du hast in deinem Buch... Aber es gibt eine... Es wird einfach aufgrund der Tatsache, dass wir wahre Wahlfreiheit wollen, dass wir Frauen nichts vorschreiben, wird es am Ende dazu kommen, dass Frauen zum Beispiel, wenn sie Kinder haben, erstmal ein Jahr zu Hause bleiben, in der Regel. Das wird der Normalfall sein. Sie werden einfach sich dafür mehr verantwortlich fühlen. Das heißt aber nicht, dass das so sein muss. Das heißt, dass das wir in irgendeiner Form durchsetzen. Sondern wir möchten einfach, dass jeder entsprechend dem, was er für richtig hält, und zwar ohne, dass man ihm Vorgaben macht, seine Beziehung nach seinen Vorstellungen regeln kann. Aber charakterisieren wir mal den Mann und dann die Frau. Das hast du ja oft genug getan. Genau. Ich glaube, dass Frauen zum Beispiel, die sehr oft, es gibt immer Ausnahmen, empathisch sind, dass sie Streit schlichten können, dass sie imstande sind, komplizierte Sachverhalte eher intuitiv aufzunehmen, anstatt zu übertheoretisieren. Dass sie einen Sinn haben für Harmonie und mehr als Männer, die oft ein bisschen rumzoffen, dass sie imstande sind, Heimat zu schaffen und Wohlbefinden. Und dass Männer eine Tendenz dazu haben, eben Dinge oft auszudiskutieren, die kontroverser sind, konfrontativer sind und da ein bisschen die Empathie fehlt. Das würde ich sagen, lässt sich auch aus den Studien, die ich kenne, so als typisch mit den üblichen Abweichungen ableiten. Du hast es ja quasi gesagt, in Kurzform habe ich mir aufgeschrieben, für dich ist der Mann jemand, der dominant und gefühlskalt ist. Nein, das habe ich nie gesagt. Du hast es ja gerade selbst gesagt, die Empathie fehlt da. Dominant und gefühlskalt sind Worte, die ich nie gesagt habe. Und eine Frau hat für dich die Aufgabe, dass sie gebärdet wird. Das habe ich auch nicht gesagt. Ich habe gesagt, es ist eine Aufgabe neben anderen und es ist eine wichtige Aufgabe und sie gehört, wenn wir über Frauen sprechen, gehört die Mutterschaft sicherlich dazu, dass man sie erwähnt und wertschätzt. Aber von dominantem und gefühlskalt habe ich noch nie geredet. Ich würde auch sagen, dass allein die Vorstellung, ein Mann solle dominant und gefühlskalt sein, liegt mir komplett fern. Nicht soll, sondern du hast es ja als... Nein, das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, er ist eher konfrontativ und es ist gut, dass es eben Frauen gibt, weil sie uns gelegentlich an die Notwendigkeit von Empathie und Harmonie erinnern. Da habe ich auch etwas gefunden. Ja, das ist das Hitler-Zitat oder Goebbels, ich kenne es. Hitler 34, das Empfinden vor allem das Gemüter Frauer zu allen Zeiten ergänzend auf den Geist des Mannes gewirkt. Was der Mann an Opfern bringt im Ringen seines Volkes, bringt die Frau an Opfern im Ringen um die Erhaltung dieses Volkes in den einzelnen Zellen. Das kennst du selbst. Das ist mir irgendwann mal zugeschickt worden. Ihr wollt ja, dass mehr Kinder... Ausländer am besten nicht mehr nach Deutschland, mehr Kinder sollen da sein. Wir haben eine Geburtenrate, die ist seit Jahren im freien Fall und sie wird mutmaßlich bis Ende dieses Jahrzehnts um die Eins liegen. 3:05:54 Mehr Kinder https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=11154s Wie wollt ihr es denn schaffen, dass die Frauen mehr Kinder gebären? Es gibt keine einfache, pausale Lösung dafür, weil die Frage, ob man sich für Kinder entscheidet, hängt von so vielen Faktoren ab, dass es generell schwierig ist zu sagen, wir drehen an dem einen Schräubchen und das Ergebnis ist hier... Dann nennen wir mehr Schräubchen. Das erste ist, wir verweisen immer gern auf unseren lieben Freund Viktor Orban in Ungarn. Der hat ein paar Maßnahmen ergriffen. Erstens, Familien, die ich glaube mehr als drei Kinder haben, sind jetzt lang Einkommenssteuer befreit. Punkt eins. Punkt zwei, er hat gezieltes Wohnungsprogramm für Familien mit Kindern erreicht und drittens, er hat in der Öffentlichkeit die Idee, dass man mehr als zwei Kinder hat, einfach positiv dargestellt. Das heißt also, in Deutschland hängen mittlerweile in U-Bahn-Schächten Plakate, wo drin steht, ein kleines Baby, Klimakiller-Fragezeichen. Wo hängt das? In München. Hat gehangen. Hab ich sogar auf dem Handy. Zeig ich dir. Solange man natürlich... Oder das nächste ist, wenn ich das Wort Mutterschaft erwähne, ist das ein absoluter Trigger. Das heißt, ich muss nur ein Video machen und sage, Mutterschaft, Mutterschaft, Mutterschaft, hab ich einen wunderbaren Shitstorm. Das heißt, wenn man natürlich es gesellschaftlich schon für problematisch erklärt, für eine kinderreiche Familie zu werben, und das ist in Deutschland der Fall, dann ist es natürlich klar, dass es wenig kinderreiche Familien geben wird. Zurzeit sind Kinder Armutsrisiko. Sich für viele Kinder zu entscheiden, heißt, dass man massive wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen muss und dass man ein bisschen komisch angeguckt wird. Und da kann das Staat helfen. Er kann dafür sorgen, dass viele Kinder zu haben kein Armutsrisiko ist, indem er im Steuersystem und eben bei den Baukrediten gegensteuert. Er kann dafür sorgen, dass in der Öffentlichkeit Kinder etwas Positives dargestellt werden. Und er kann rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, etwa, indem man nicht das Erziehungsgeld kürzt, was die Ampel getan hat, sondern indem man das wieder auf die Höhe von, die es vorher gab, hochsetzt, damit eben jetzt, wenn man sich für ein Kind entscheidet, man nicht in die Armutsfalle fällt. Das kann der Staat machen. Was er natürlich nur indirekt machen kann, ist, in die ganzen kulturellen Aspekte, dass einfach positiv dargestellt wird, eine Familie zu haben und Kinder zu haben, dass das ein positives Leitbild ist. Das kann der Staat nicht. Das ist eine Frage, die in der Gesellschaft entstehen muss. Und da muss man dran arbeiten. - Aber wenn immer mehr Frauen heute noch so sagen, sie wollen keine Kinder gebären, ist das ein Problem. - Wie löst man das? Muss man da Druck dann machen an die Frauen? Um Gottes Willen, wir wollen keinen Druck machen. Das ist eine höchstpersönliche Eigenschaft Familienbildung und Familiengründung und Kinderkriegen ist eine höchstpersönliche Eigenschaft. - Ja, aber wenn die deutschen Mütter nicht an der Reproduktion des deutschen Volkes beteiligen wollen. - Wir machen keinen Druck, wir setzen Anreize. Wir machen keinen Druck. Anreize. Der Staat kann nur ökonomische Anreize setzen und er kann in der Öffentlichkeit Werbung machen. Aber er kann, es geht niemals um eine negative Sanktionierung. Aber das Thema der Zukunft der Familien ist ja weit komplexer. Ich habe aktuell eine Studie von Morgan Stanley, die sagt, es ist für Amerika, aber kann man auch für Europa übertragen, die sagt, dass im Jahre 2030 50% der Frauen zwischen 25 und 35 Single und kinderlos sein werden. Wir haben eine andere Studie aus den USA, die sagt, dass bereits heute 30% der Männer, 30% der 30-jährigen Männer noch nie eine Freundin gehabt haben. Das heißt, was wir ja zur Zeit erleben, ist, dass wir einen kulturellen Wandel haben, dass uns in der Tat die ganze Familienvorstellung, also dieses ganze auf jeden Topf passenden Deckel, das rutscht uns gerade dahin. Das ist ein kultureller Wandel, ein fundamentaler kultureller Wandel und tatsächlich weder in unserem Familienrecht noch in den familienpolitischen Vorstellungen aller Parteien spiegelt sich dieser dramatische kulturelle Wandel zur Zeit nieder. Die AfD ist immerhin die einzige Partei, die darüber diskutiert. Aber aufgrund dieses kulturellen Wandels müssen wir davon ausgehen, dass die Geburtenrate und zwar wohl weltweit weiter fällt. Sie ist mittlerweile selbst in den meisten Entwicklungsländern unter 2,1 und sie wird absehbar in Westeuropa in Richtung 1 gehen. Ich möchte nur hinweisen, dass diese Zahlen mit 30% von Männern haben noch nie eine Freundin gehabt, die behauptet es doch in einem Buch mehrmals. Diese Quellen werden nie angegeben. Schicken wir dir zu. Japan liegen wir bei 40. Alles mit Vorsicht genießen. In Wertschätzung der Mutterschaft habe ich auch ein bisschen ans Mutterkreuz gedacht. Ist das eine Idee? Wenn die einzigen historischen Bezüge, die man ziehen kann, das dritte Reich ist, dann sollte man ein Geschichtsbuch nehmen. Also es gibt schon ein bisschen mehr. Also ich denke bei Wertschätzung der Mutterschaft zum Beispiel an die unglaublich vielen und künstlerisch extrem wertvollen Ikonen, die in der gesamten christlichen Welt ja hängen. Also das Christentum hat es ja immerhin geschafft, die Wertschätzung der Mutterschaft, verkörpert durch die Verehrung der Maria mit dem Kinder, zu einem absoluten kulturellen Leitmotiv zu machen. Wir haben also, egal ob ich in Antwerpen ins Museum gehe, in Dresden, in die Gemäldegalerie "Alter Meister" oder ob ich irgendwo in Russland bin, ich brauche kein Stück Blech, um Mutterschaft wertzuschätzen. Aber ich habe ja ein Fundus an Kunst, an Malerei, aber auch an Bildhauerei, wo diese Wertschätzung zum Ausdruck kommt. Das ist Wertschätzung der Mutterschaft. Und also bitte, die Geschichte ist schon ein bisschen mehr als ständig irgendwie einen Nazi-Vergleich zu ziehen. 3:11:59 Abtreibung https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=11519s Darum seid ihr aber auch gegen Abtreibung, ne? Wir sind, wir werden die Abtreibung nicht strafbar stellen, aber wir halten Abtreibung generell für etwas Negatives. Abtreibung steht ja schon im Strafgesetzbuch. Sie steht im Strafgesetzbuch nach drei Monaten und ohne vorhergehende Beratung. Das sind die Ausnahmen, aber ist das generell kriminalisiert, wisst ihr? Nein, sie ist nicht kriminalisiert. Eine Abtreibung, wer sich beraten lässt und innerhalb der ersten drei Monate abtreibt, ist in Deutschland straffrei. Das ist die Ausnahme von der Kriminalisierung der Abtreibung. Ja, aber das ist der tatsächliche Normalfall. Wir werden an dieser Rechtslage nichts ändern, aber wir sagen auch ganz klar, jede Abtreibung ist eine Tragödie. Und es gibt auch kein Menschenrecht auf Abtreibung, nur um das nachzuschicken. Ist in Deutschland übrigens Rechtsprechung. Aber wenn jemand in Zukunft unter euch ungewollt schwanger wird, dann? Hat er dieselbe Rechtslage wie zur Zeit. Da wollt ihr nichts machen? Wir gehen an das Strafgesetzbuch nicht ran. Woran wir sicher gehen werden ist, dass wir bessere Hilfsangebote für schwangere Mütter machen. 3:13:01 Männer- und Frauenberufe https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=11581s Aber wo Frauen, du in deinem Buch sagst ja auch, es gibt Männerberufe und es gibt Frauenberufe. Ich habe ja schon über die Quote der Ingenieurstudentinnen gesprochen. In der Bundeswehr sind mittlerweile 14% Frauen. 14? 14%. Ist das nicht männlicher Beruf? Es gibt, nein. Beispiel, ich hatte mal, ein Freund von mir hat mich mal eingeladen zur israelischen Armee und dann hatten wir durften wir ein Schießtraining machen in so einer Simulation und da war die Schießtrainerin war eine Frau und dann haben wir nachher, das ist glaube ich schon über 10 Jahre her, und dann hat er uns nachher erklärt, wir haben ja eine Wehrpflicht auch für Frauen, die ist kürzer als für Männer. Also auch da gibt es Unterschiede. Und deshalb haben wir eine sehr gute Forschung, in welchen militärischen Bereichen Frauen besser sind als Männer und in welchen sind sie gleich und in welchen sind Männer besser. Und zum Beispiel als Ausbilderin so beim Schießen und so weiter oder beim Sport sind Frauen super, weil alle Männer sich mehr anstrengen. Also insofern, es gibt gerade zu Frauen im Militär, gibt es eine ganz fantastische israelische Forschung mit unheimlichen Datensätzen, die sollte man heranziehen. Das Problem wird es doch immer nur dann, wenn man es blind macht. Wenn man also sagt, wir müssen jetzt eine Frauenquote beim Kommando Spezialkräfte einführen. Da würde das Kommando Spezialkräfte leiden. Wenn wir aber sagen, wir nehmen zur Kenntnis, dass wenn Frauen Ausbilderinnen sind, sich die Männer mehr anstrengen, sollten wir dringend mehr Frauen als Ausbilderinnen bei der Bundeswehr einstellen. Was sind denn weibliche Berufe in Deutschland? Ich schlage einfach mal vor, dass wir die ganzen Berufe nehmen und dann schauen wir, wo haben wir einen hohen Männer- und wo einen hohen Frauenanteil. Denn in der Regel suchen sich in Deutschland die Männer und die Frauen ihre Berufe selbst aus. Das heißt also, wir können eigentlich Aber du sagst ja, es gibt männliche und weibliche Berufe. Welche sind denn das? Na wenn zur Zeit der Anteil der Frauen in den Ingenieurwissenschaften, das ist es nicht, aber er ist glaube ich unter 20%. Dann spricht einiges dafür, dass zum Beispiel ein Ingenieur ein eher männlicher Beruf ist. Wenn umgekehrt der Anteil der Frauen bei den Erzieherinnen mutmaßlich über 70% ist. Es ist jetzt bitte wenn es 68% sind, tut es mir leid, das sage ich jetzt ohne, dass ich die Zahl parat habe. Dann spricht einiges dafür, dass die Erzieherin oder der Erzieher ein tendenziell eher weiblicher Beruf ist. Ich würde da einfach nach den Fakten gehen. Hin und wieder ist die Realität ein ganz guter Maßstab für die Politik. Also weil der Anteil Mann und Frauen im Beruf so und so ist, macht das dann diesen Beruf? Nein, es spiegelt es wieder. Es ist ein Zeichen, ein Anzeichen. Es spiegelt es einfach wieder. In der Regel ist ein Blick auf die Realität sehr erhellend. 3:15:42 Bundeswehr https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=11742s Apropos Bundeswehr, du sagst ja, deutsche Soldaten sollen nicht für schwachsinnige Interessen fremder Mächte eingesetzt werden. Von wem werden deutsche Soldaten aktuell, also von welchen fremden Mächten werden deutsche Soldaten eingesetzt? Warum war die deutsche Bundeswehr in Mali? Was hat in deutschen Interessen in Mali gewesen? Erklär es mir. Ich weiß es nicht. Ich finde, ein deutscher Bundeswehreinsatz in Mali war völlig sinnlos. Es war ausschließlich... Welche fremde Macht hat die Bundeswehr da hingebracht? Nach Mali sind wir ausschließlich gegangen, um, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, Frankreich zu helfen. Es gab keinen Grund, es gibt kein einziges deutsches Interesse in Mali. Gibt es nicht. Und die, und die, dieses fremde Macht Frankreich, eine fremde Macht, war das eine schwachsinnige Idee? Nach Mali. Die deutsche Bundeswehr nach Mali zu schicken, war schwachsinnig. Und die fremde Macht, die uns hingeschickt hat, war Frankreich? In dem Fall ging es nicht um deutsche Interessen. Sollte man die Bundesverteidigungsminister fragen, warum er nach Mali gezogen ist, der Afghanistan-Einsatz war, nachdem man die Taliban das erste Mal vertrieben hat, da zu bleiben, war nicht im deutschen Interesse. Es ist meines Erachtens nicht im deutschen Interesse, dass die deutsche Marine in der Straße von Taiwan ist. Ich weiß auch nicht, warum deutsche Kriegsschiffe mittlerweile im südchinesischen Meer kreuzen müssen. All das ist nicht im deutschen Interesse und sollte unterblieben. Der Mali-Einsatz war im Interesse, dass keine Terroranschläge, bzw. Terroristen nach Europa kommen. In Mali ging es darum, dass die militärische Militärjunta sich von Frankreich emanzipieren wollte, indem sie sich andere Schutzmächte gesucht hat. Und das wollte Frankreich verhindern. In Afghanistan ging es ursprünglich darum, die Taliban loszuwerden. Das verstehe ich, weil sie Osama Bin Laden unter Schlupf gewährten. Aber anschließend in Afghanistan drin zu bleiben und so eine Art Besatzungsregime zu etablieren, war schwachsinnig. Und welche fremde Macht stand dahinter? In dem Fall war es die Vereinigten Staaten. Und was die deutsche Bundeswehr im südchinesischen Meer zu tun hat, erschließt sich mir überhaupt nicht. Oder erkunden sie? Nein, sie nehmen da an irgendwelchen flotten Verbänden teil. Es gibt keinen Grund, dass deutsches Militär im Pazifik kreuzt. Gibt es nicht. Das ist vielleicht aus Übungszwecken, aber das ist es ja nicht. Also kann ich keinen Zweck erkennen. Wann sollten deutsche Soldaten dann eingesetzt werden? Ausschließlich bei Angriffen auf das Bundesgebiet selbst oder auf das NATO-Territorium. Da haben wir eine Beistandsverpflichtung. Aber du bist ja gegen die NATO. Bin ich gegen die NATO. Du bist nicht gegen die NATO. Ich bin gegen die NATO. Was? Wieso soll ich gegen die NATO bin? Das überrascht mich jetzt. Die NATO ist zur Zeit das einzige Verteidigungsbündnis. Du schießt doch ständig gegen die USA. Ich bin nicht gegen die NATO. Ich bin in den USA ausgebildet. Im Gegensatz zu allen Leuten, die hier einen auf großen USA-Versteher machen, habe ich einen Eiwilligabschluss. Das heißt also, diejenigen, die mir vorwerfen, ich sage irgendwie anti-amerikanisch, waren vielleicht mal als Tourist im Disneyland. Ist okay, so reden sie ja auch. Also ich sage ganz klar, ich habe an den USA viel zu kritisieren. Ich kritisiere auch die Politik der USA. Das ist überhaupt keine Frage. Ich glaube auch, dass diese Politik oftmals mittlerweile nicht in deutschem Interesse ist. Aber zu dem heutigen Zeitpunkt, das habe ich immer gesagt, ist die NATO das einzige Verteidigungsbündnis, das überhaupt da ist. Aber, und jetzt kommt das große Aber, die Vereinigten Staaten werden sich in den nächsten Jahren von Europa wegentwickeln. Sie tun es bereits jetzt. Das heißt also, Europa muss lernen, für seine Sicherheit selbst zu sorgen. Insofern, ja, heute ist die NATO alternativlos. Aber wir müssen anfangen, darauf zu denken und zu fragen, was müssen wir tun für den Fall, dass die europäisch-amerikanischen Beziehungen sich in eine Richtung entwickeln, die für uns nachteilig ist. Und das ist das, was ich sage. Aber ich habe zu keinem Zeitpunkt den Austritt Deutschlands aus der NATO gefordert. Die AfD schon. Die AfD nicht. Die AfD hat im Grundsatzprogramm drin, dass Deutschland in der NATO drin bleibt. Und die AfD sagt, weil die Welt sich verändert, müssen auch wir über mögliche europäische Sicherheitsarchitektur nachdenken. Eine eigenständige europäische Sicherheitsarchitektur. Und eine deutsche Führung hatten wir ja schon. Ja, aber sie sagt nicht, wir sollen aus der NATO raus. Die Mitgliedschaft in der NATO ist Teil des Grundsatzprogramms. Also da wird hier viel Unsinn erzählt. 3:20:14 Ukrainekrieg https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=12014s Du hast zum Thema Ukraine, wo wir gerade bei der NATO und so weiter sind, den Satz gesagt, das war auf der Ostalb, oder in der Ostalb vor fünf Monaten. Mit uns hätte es keinen Ukraine-Krieg gegeben. Hätte es auch nicht. Man hätte es locker leicht verhindern können. In den letzten 20 Jahren. Ist auch. Erzähl mal, wie man den verhindert hätte können. Indem man Minsk II umgesetzt hätte. Das Minsk II-Abkommen ist 2015 geschlossen worden. Hat Merkel einen guten Vertrag gemacht? Ja, hat sie. Und das hätte man umsetzen müssen. Leider hat Angela Merkel selbst 2022 gesagt, sie hätte diesen Vertrag nicht ernst gemeint. Er wäre nur geschlossen worden, um Zeit zu gewinnen, um die Ukraine aufzurüsten. Ich hoffe, dass das nicht stimmt und dass sie da Unsinn erzählt hat. Ich halte diesen Minsk II-Vertrag, das war ein kluger und ausgewogener Vertrag. Man hätte diesen Minsk II-Vertrag umsetzen können. Dieser Minsk II-Vertrag ist nicht umgesetzt worden. Von wem? Von der Ukraine. Nicht von Putin? Nein, die Ukraine hatte nach dem Minsk II-Vertrag die Aufgabe, für die Gebiete der russischen Minderheit ein Autonomiestatut zu erarbeiten. Dazu musste die ukrainische Verfassung geändert werden. Die Vorlagen waren bereits im parlamentarischen Geschäftskrank in Kiew. Das weiß ich zufällig, weil ich den Abgeordneten kenne oder kannte. Und diese Vorlagen sind anschließend nicht ins Plenum gegangen. Das heißt, die Ukraine hat die versprochene Autonomie für die russischen Autonomiegebiete einfach nicht ins Gesetz gesetzt. Das zweite war, es sollte freie Wahlen geben. Da ist die Frage, wer soll wählen? Die Vorstellung war, es wählen die Leute, die da wohnen. Die Ukraine hat aber gesagt, es müssen auch alle wählen, die von da geflohen sind. Da hätte man mitgehen können. Dann ist nur die Frage, wer kontrolliert denn, wer von da geflohen ist? Also wer entscheidet über das Wählerregister? Das einfachste ist, man lässt einfach die abstimmen, die da ihren Wohnsitz haben, denn die trifft man an. Jetzt war aber der Vorschlag der Ukraine, dass quasi in der gesamten Ukraine jeder wählen darf, der sagt, ich komme von da. Mit diesen beiden Tricks ist Minsk II sabotiert worden. Der Westen hat das durchgehen lassen. Die ukrainische Regierung hat es nicht angehalten, Minsk II umzusetzen. Der dritte große Punkt ist, und da habe ich sogar eine Plenarrede im Dezember 2021 gehalten, es war jedem klar, auch jedem westlichen Außenpolitiker, dass Russland eine Ukraine als NATO-Mitglied nie akzeptieren würde. Hätte man also den Russen gesagt, wir stimmen zu, dass die Ukraine ein neutraler Staat bleibt, hätte der Krieg auch wahrscheinlich verhindert werden können. Das heißt, dieser Krieg hätte relativ leicht verhindert werden können. Aber da war das schon längst, als Minsk vereinbart wurde, haben die Russen die Krim schon besetzt und annektiert. Die Russen haben in der Ostukraine einmarschiert. Der Krieg lief doch schon. Nein, in der Ostukraine sind sie nicht einmarschiert, das waren von Russland unterstützte Separatisten, es waren aber keine regulären Truppen. Und die NATO-Point, ja. Die Krim war weg, aber wir reden jetzt nicht von dem Krieg, der 2014 war, wir reden von dem Krieg von 2022. Nee, aber der Krieg hat ja da schon begonnen. Die Invasion ging dann weiter, 2022. Es gab nach den Vorkommnissen von 2014 Minsk 2. Und der Krieg von 2022, die Eskalation, hätte man verhindern können, wenn man Minsk 2 umgesetzt hätte. Sagt im Übrigen jeder nicht westliche Diplomat in Brüssel so. Und Putin hat damit keinen... Für dich hat der Krieg gar nicht angefangen mit der Annexion eines der ukrainischen Staatsgebiete, ja, durch Putin. Ja, das ist sicher. Ich will das überhaupt nicht schönreden. Ja, aber du sagst, der Krieg hätte es gar nicht geben brauchen. Den Krieg 2022 hätte es nicht geben müssen. Den 2022er Krieg hätte es nicht geben müssen. Wir hätten Putin einfach mehr geben müssen. Na, aber 2022 hätte es nicht gegeben, wenn Minsk 2 umgesetzt worden wäre. 3:24:01 Krah & Russland https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=12241s Hat die Position eigentlich irgendwas damit zu tun, dass du laut verschiedenen Berichterstattungen nahe den Russen stehst? Überhaupt nicht. Das ist meine Meinung, die ich schon immer vertreten habe. Ich sage immer, ja, ich stehe vielen Menschen nahe und ich gebe zu, ich glaube, dass... Also, ich habe eine große Achtung und Respekt und auch Verehrung für die russische Kultur und bin insofern sicherlich kulturell russophil. Das FBI hat dich im Dezember vernommen, als du in Amerika warst. Da ging es darum, dass du Geld von pro-russischen Aktivisten erhalten haben sollst. Nein, FBI hat mich eine reichliche Stunde interviewt zu sehr vielen Fragen. Unter anderem zu meinen Mitarbeitern, zu meiner Politik, zu Reisen nach China und so weiter. Und eine Frage davon war, dass man mir eine Chatnachricht von 2020 vorgelesen hat, wo ein Freund von mir aus der Ukraine fragt oder mitteilt, das Problem mit meinen Technical Expandages, also mit meinen technischen Ausgaben sei gelöst. Das Interessante an der Nachricht ist, dass ich diese nicht gelesen hatte und auch nie beantwortet hatte. Von diesem Hintergrund ist das natürlich eine sehr sinnlose Nachricht, denn weder gelesen noch beantwortet. Er wollte wissen, was mit dem Geld ist. Er wollte irgendwelche Ausgaben ersetzen, was er aber nie getan hat. Ich weiß auch nicht, was er damit gemeint hat. Ich gebe dir aber gerne seine E-Mail-Adresse und schickst ihm eine Frage. Es ging um die Kompensation für deine technischen Aufgaben. So heißt es. Er will dir Geld geben. Aber ich habe halt nie Geld von ihm empfangen. Ich habe auf die Anfrage nie geäußert. Es ist halt schwierig, im Jahre 2023 oder jetzt 2024 eine Chatnachricht einzuordnen, die an mich geschickt wurde, aber auf die ich selbst damals nicht geantwortet habe. Außerdem war das ja vor dem Ukraine-Krieg. Er war damals noch demokratisch gewählter Abgeordneter des ukrainischen Parlamentes. Er ist dann 2021 ins Exil gegangen. Ja, weil er ein Pro-russischer Ukraine war. Trotzdem ist er ins Exil gegangen. Das heißt, das hat sich ja alles erledigt, weil er ja irgendwo sitzt und schaut, dass er über die Runden kommt. Von daher ist das... Aber war jetzt noch nicht der einzige Fall, du sollst auch von Voice of Europe, ist ein russisches Desinformationsportal... Nein, davon soll ich nicht. Selbst der schweizerische Geheimdienst behauptet nicht, dass ich von denen Geld bekommen hätte. Da kannst du ausschließen, dass du Bargeld bekommst? Bei Peter Büstron ist heute rausgekommen, dass... Ich kenn's auch über journalistische Kreise, da kannst du reinhören, wie er im Auto die Scheine nachzieht. Also ich hab den Peter heute früh am Flughafen getroffen, wir haben sogar ein Bild auf Instagram gepostet. Er hat mir versichert, dass er nichts bekommen hat und ich kenn ihn lang genug. Das sind so Geheimdienstnummern, die werden jetzt bis zum 9. Juni, kommen jetzt ständig irgendwelche Geheimdienstnummern, um den Wahlkampf ein bisschen anzuheizen. In Wahrheit ist es der Versuch von Geheimdiensten, Einfluss auf den Europawahlkampf zu nehmen. Wir nehmen das zur Kenntnis. In meinem Fall ist es ganz klar, was wir hier haben, ist eine Chatnachricht, die ich nicht gelesen, nicht beantwortet habe, von 2020 und ich hab kein Geld genommen. Aber es ist ja... Es entsteht ja manchmal ein Muster, wenn das nicht nur bei den Russen passiert, sondern zum Beispiel auch bei den Chinesen. 3:27:23 Krah & China https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=12443s Du warst ja auch in China. Ich bin überall, ich hab viele Freunde. Ich hab mich nicht mit dem Geheimdienst getroffen. Du hast ein Gespräch gehabt mit dem IDCPC. Das IDCPC ist die internationale Kommission der Regierendenpartei. Dass man in einem Einparteienland, als wenn man als Politiker fährt, Vertreter der Regierungspartei trifft, lässt sich nicht vermeiden. Du hast da mit drei auf Deutschland spezialisierte Diplomaten geredet. Das sind im umgangssprachlichen Deutschland die Spione. Die Diplomaten in jeder Botschaft hier heißen, also die, die die Spione sind, heißen auch Diplomaten. Das ist so gängigere Praxis. Ich kann doch nicht behaupten, dass jeder Diplomaten Spion ist. Das ist doch absurd. Das stimmt, aber wenn du mit dem Geheimdienst mit drei Diplomaten... China hat wahrscheinlich viele Geheimdienste. Es hat auch einen Auslandsgeheimdienst. Der IDCPC ist ein Geheimdienst. Nein, ist er nicht. Es ist eine Abteilung der Staatspartei, die sich um die Auslandsbeziehung kümmert. Die CDU Deutschlands hat ein Partnerschaftsabkommen mit der Kommunistischen Partei Chinas. Wer hat dieses Partnerschaftsabkommen auf chinesischer Seite ausgehandelt? Die internationale Kommission. Das heißt also, Olaf Scholz ist jetzt in Peking. Mit wem redet er denn da? Doch nicht nur mit dem Außenministerium. Er redet selbstverständlich auch mit Vertretern der regierenden Partei. Also jeder deutsche, jeder ausländische Politiker, Diplomat, der in China offiziell Gespräche führt, hat immer irgendwelche Vertreter auch der Staatspartei am Tisch und die kommen immer von dieser Kommission. Zu behaupten, dass diese ganze Kommission ein einziger Spionageclub ist, das ist völlig absurd. Es hat auch mit der Realität nichts zu tun. Wenn Olaf Scholz nach China reist, dann lässt er sich aber nicht von Huawei, dem staatlichen nationalen Ölkonzern und mehreren Stadtverwaltungen bezahlen. Ich habe mir das Essen bezahlen lassen und das Bahnticket. Ich habe den Flug selbstverständlich selbst bezahlt. Die Hotelkosten hat die Stadtverwaltung übernommen. Das hast du selbst eingeräumt. Wenn ich eingeladen werde und soll mit denen reden, dann ist es normal, dass man die Hotelkosten erstattet bekommt. Aber, und jetzt kommt der Punkt, die Regeln sagen, ich muss dies im Transparenzregister des Europäischen Parlaments angeben. Was habe ich getan? Ich habe es korrekt im Transparenzregister des Europäischen Parlaments angegeben. Wir reden hier also über eine Bahnfahrkarte und zwei oder drei Hotels und ein Essen. Lass es 500 Euro sein. Die sechs Tage Luxushotels, die die Stadtverwaltung... Luxus! Luxushotels? Da war ich aber in anderen. Bist du per Business Class nach Beijing geflogen? Das habe ich auch selbst bezahlt. Und die Luxushotels, sind das schon Lüge? Das waren ganz normale Businesshotels. Keine Luxushotels. Ich habe die Flugtickets selbst bezahlt. Hin und her. Wir reden von der Hotelübernachtung und wir reden vom Zug. Also, eine Bahnfahrkarte und dreimal Businesshotel. So what? Was sind das? 400 Euro? 500 Euro? Und das habe ich angegeben im Transparenzregister des Europäischen Parlaments im Jahre 2019. Das viereinhalb Jahre später aufzubauen, zeigt sich nur die argumentative Hilflosigkeit meiner politischen Gegner, weil sie mir natürlich argumentativ nicht beikommen können. Aber wo sie dann sagen, wer mal im Businesshotel in China pennt, der redet dann irgendwie mit Spionen. Das ist völlig absurd und das Schöne ist, dass meine Wähler das auch durchschauen und nicht drauf reinfallen. Du hast dein ganzes Programm abgearbeitet. Natürlich, ich habe mich informiert. Bei Huawei, bei dem Ölkonzern. Ich habe mir Huawei das Forschungszentrum angeschaut. Und dann kamst du wieder nach Deutschland und hast teilweise im Interesse Huaweis dafür gekämpft, dass wir unsere 5G-Technik in Deutschland von wem? Falsch. Ich habe dafür gekämpft, dass wir einen Kompromiss, den Angela Merkel damals, auch eine kluge Sache, bereits vorgegeben hat, dass der nicht von meiner Partei angegriffen wird. Merkel hatte vorgeschlagen, dass Huawei 20% des deutschen 5G-Netzes bekommt und 80% gehen an amerikanische Unternehmen. Du vertreibst den Huawei. Das finde ich super, weil ich immer der Meinung bin, dass man sich nicht... Zufälligerweise hast du erst damit angefangen, nachdem du wiedergekommen bist. Zufälligerweise hat meine Partei, erst nachdem ich wiedergekommen bin, erklärt, dass sie Merkels Vorschlag angreift. Und dann hast du gesagt, das geht für mich. Das finde ich eine ziemlich doofe Idee, dass ihr Merkels Vorschlag angreift, weil ausgerechnet jetzt hat Merkel mal recht. Du bist ja ein guter Buddy mit dem chinesischen Großkapital. Ich bin nicht Buddy mit dem chinesischen Großkapital, weil du gleichzeitig deren Interessen später vertriffst. Nein, ich vertrete deutsche Interessen. Es ist im deutschen Interesse, dass wir ein sicheres 5G-Netz haben, das eben nicht zu 100% amerikanisch ist und das vor allen Dingen technisch advanced ist. Denn der technologische Vorsprung der Huawei-Technik ist nun einmal unbestritten. Insofern habe ich mich dafür eingesetzt, dass Deutschland ein ausgewogenes, technisch hochwertiges System bekommt. Im Übrigen dasselbe, wie Angela Merkel vorgeschlagen hat. Dass ich jetzt vorwerfen lassen muss, eine Geschichte, in der ich eigentlich Merkels Vorschlag unterstützt habe, ist wirklich absurd. So kann man es sich auch zurechtlegen. Du vertrittst die Interessen in aller Konsequenz am Ende der russischen Diktatur in Sachen Ukraine-Krieg zum Beispiel. Nein, ich vertrete immer deutsche Interessen. Und deutsche Interessen heißen nicht... Chinesische Interessen. Nein, es ist im Deutschen... Also dann hätte Angela Merkel auch chinesische Interessen vertreten. Das hat sie nicht, sondern sie hat deutsche Interessen vertreten. Und im Übrigen kann man auch argumentieren, wer die 20%, was nicht sehr viel ist, Huawei auch den Amerikanern geben will, der vertritt dann eben die Interessen der amerikanischen 5G-Unternehmen. Welche sind das? Warum warst du bei denen nicht? Weil die ja eh schon 80% hatten. Welche 5G-Unternehmen sind das? Also das eine, was halb europäisch, halb amerikanisch ist, ist Sony Ericsson. Der zweite Ausstatter ist... Die Namen ändern sich. Ich wusste jetzt nicht, dass das amerikanische 5G-Technik ist. Es ist zur Zeit so, dass wir dadurch, dass wir Huawei rausgehauen haben, haben wir jetzt nur noch Unternehmen drin mit bestimmten Anteil amerikanische Investoren. 3:33:52 Trump https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=12832s Aber es ist schon auffällig, dass du insbesondere gute Kontakte zu Abgeordneten staatlicher Institutionen hast in autokratische Länder. Nein, das ist nicht... Erstens stimmt das nicht, weil da unterschlägst du natürlich meine USA-Reisen. Unter anderem, dass ich eben bei Steve Bannon war. Bei den rechten Republikanern warst du auch. Bei Trump und sowas. Nicht persönlich, aber ich war natürlich bei seinem Auftritt in New York. Also, dass ich Donald Trump cool finde, kannst du dir ja denken. Sonst wäre ich nicht in der AfD. Dass ich hoffe, dass er wiedergewählt wird, ist auch klar. Möchte ja auch sein. Aber ansonsten, warum fahre ich in Länder, die jetzt nicht westlich sind? Das ist der entscheidende politische Trend, den wir gerade haben. Weil sie Diktaturen sind? Nein, dann ist es, dass der globale Süden plötzlich mächtig wird. Das heißt, die ökonomische und politische Macht und auch das demografische Hauptgewicht der Welt wandert zur Zeit in einem zeitraffer Tempo vom Nordatlantik in den globalen Süden. Indien hat 1,3 Milliarden Menschen, ist mittlerweile das Bevölkerungsreichste Land der Welt. China, das vor drei... vor drei Jahren geboren wurde, noch ökonomisch völlig irrelevant war, ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wann warst du zuletzt in Indien? Ich war in Nepal und Bangladesch. In Indien war ich... bin ich eingeladen, hab's aber wegen des Wahlkampfs nicht gemacht, werde ich nach der Wahl hinfliegen. In Brasilien war ich ja in den letzten Jahren, nur als Beispiel. Das heißt, worum es geht ist, die Länder des globalen Südens sind maßgeblich für die Zukunft. Und diese Länder des globalen Südens, die richten sich bestimmt nicht nach unseren westlichen Politikvorstellungen. Wenn wir also mit den Ländern des globalen Südens, die die Länder der Zukunft sind, in gutem Einvernehmen sein wollten, dann sollten wir aufhören, die ständig zu belehren. Sondern wir sollten lernen, ihnen zuzuhören, und wir sollten lernen, im gegenseitigen Respekt unsere Interessen wechselseitig zu maximieren. Und genau das tue ich. Anna-Lena Baerbock macht das Gegenteil. Sie belehrt die ganze Welt. Sie zerstört Deutschlands Ansehen in der Welt. Sie wird zum absoluten Witz. Du wolltest freundlich sein und nicht verächtlich. Naja, Anna-Lena Baerbock zu kritisieren, ist eigentlich ein Dienst an der Wahrheit. Und ich glaube, das ist der Unterschied. Bei mir heißt Diplomatie, nicht zu belehren, sondern zu respektieren. Und bei Anna-Lena Baerbock heißt Diplomatie, eben seine eigene politische Meinung allen Leuten vorzuschreiben und sich dann zu wundern, dass man nicht mehr eingeladen wird. Wie gesagt, kann sich jeder selbst ein Bild machen, wenn wir uns da mal googeln. Russland, China, spricht vieles für sich. 3:36:27 Deutsche Soldaten an der „Ostfront“ https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=12987s Ukraine, nochmal eine Sache, da hast du ja gesagt, keine deutschen Soldaten sollen da hin, weil es ist ja nicht unser Krieg. Exakt. Du hast in TikTok gesagt, da müsst ihr noch an die Ostfront. Wie schon unsere Opas. Die waren ja auch an der Ostfront. Die waren auch an der Ostfront. Haben unsere Opas an der Ostfront Europa verteidigt? Nein. Was haben sie da gemacht? Sie haben einen Eroberungs- und Vernichtungskrieg geführt. Sie sind dafür schrecklich missbraucht worden und haben dafür furchtbar gezahlt. Warum bringst du denn diese Zeit mit? Müsst ihr wieder an die Ostfront? Ja, weil es dasselbe ist. Es müssen wieder deutsche Soldaten... Das ist genau das Gegenteil, oder? Nein, es ist nicht das Gegenteil. Es ist exakt dasselbe. Du solltest auf der phänomenologischen Ebene bleiben. Es ist exakt dasselbe, dass nämlich junge Leute von ihrer Regierung in Städte geschickt werden und Kriege führen, an Orten, wo sie nichts zu suchen haben. Sie haben nichts zu suchen. Und es ist mir auch völlig egal, wie man den Krieg verbrämt und wofür man ihn angeblich führt. Am Ende sitzt da ein junger Deutscher in einer deutschen Uniform mit einem deutschen Schießgewehr auf Befehl eines deutschen Kanzlers und soll auf Russen schießen und wird am Ende selbst erschossen. Und da sage ich ganz klar, Nein. Aber es wäre was anderes, wenn man heutzutage... Also angenommen die NATO würde in den Ukraine-Rieg einkriegen, Deutsche Soldaten müssten an die Ostfront, dann würde das nicht passieren. An der Ostfront, dann würde das eine Verteidigung Europas sein. Anders als damals, als wir einen illegalen, völkerrechtwidrigen Angriffskrieg in den Osten geführt haben. Das wäre nichts anderes. Einer meiner Söhne ist 21. Das ist also ideales Kanonen-Foto-Alter. Als seine Mutter starb, war er 10. Danach ist meine Mutter eingesprungen. Ich weiß, wie viel wir gekämpft, in diesen Jungen investiert, an ihn geglaubt haben. Er hat sich wunderbar entwickelt. Es hat alles geklappt, trotz der schweren Bedingungen, unter denen er aufgewachsen ist. Jetzt stelle ich mir vor, er wird eingezogen, ein bisschen ausgebildet, kommt schlecht ausgebildet an der Ostfront an. Es macht "Peng" und er ist tot. Das will ich nicht. Das will ich für niemanden. Und da ist mir auch völlig egal, welche Herrenworte von der Verteidigung Europas man da findet. Dieselben Herrenworte findet man für jeden Krieg. Diejenigen, die junge Männer, auf denen die ganze Hoffnung ruht, die ihr Leben vor sich haben, für irgendwelche Herrenworte in den Krieg schicken, die verachte ich. Ich werde meinen Sohn dafür nicht opfern. Und wer meint, er müsse das Fordern moralisch überhöhen und toll finden, der kann gerne irgendwelche Kriegstreiber von FDP, Grün und CDU wählen. Den wollen wir gar nicht. Wir wollen diejenigen, die so viel Menschlichkeit sich bewahrt haben, dass sie nicht unsere Söhne ins Grab an der Ostfront schicken wollen. Deutsche Waffenexporte in Ukraine brauche ich gar nicht nachfragen. Sind wir dagegen. Damit Putin gewinnt. Wir erwarten eine Friedensinitiative. Diese Friedensinitiative gibt es. Es gibt auch ehrliche Vermittler, auf die Putin hören würde. Zum Beispiel die Türkei. Man soll die machen lassen. Die machen eine sehr vernünftige, ausgleichende Außenpolitik. Im Gegensatz zu uns. Wenn man es schafft, zusammen mit der Türkei und China, auf die Putin hört, eine Friedensinitiative aufzubauen, könnten wir den Krieg beenden. Das sage im Übrigen nicht nur ich. Das sagt auch Donald Trump. Das sagt in Deutschland der sehr linke Professor Warwick von der Uni in Halle. Das sagen sehr kluge Leute. Da bin ich sogar mit dem Team Wagenknecht einer Meinung. Also von daher, wer hier meint, man müsse das Sterben junger Menschen an der Ostfront zur moralischen Pflicht erhöhen, es tut mir leid. Das halte ich für eine absolute Wiedermoral. Krieg ist ja nicht nur in der Ukraine, sondern auch im Nahen Osten. 3:40:08 Krieg im Nahen Osten https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=13208s Angenommen, es eskaliert jetzt im Nahen Osten. Israel könnte in einem Flächenbrand verwickelt werden. Es könnte sein, dass der Krieg dann schlecht aussieht und Millionen von Israelis ein sicheres Zufluchtsland brauchen. Machen wir denn die Tore auf? Also, dass Israel in eine Lage kommt, dass seine Einwohner fliehen müssen. Ich muss jetzt ja nicht nach arabischen Flüchtlingen fragen. Da ist mir die Frage klar bei euch. Was ist mit jüdischen Flüchtlingen, die aufgrund eines Flächenbrandes, der nicht unwahrscheinlich ist, wie du zugeben musst. Also ich halte allein die Vorstellung, dass die Existenz des Staates Israel mit der Armee, die sie haben und der Unterstützung weltweit in Gefahr ist, für völlig absurd. Dann sollen sie kommen. Wenn nicht alle aufnehmen, es wird eine Verteilung geben. Ohne Einschränkung. Also du teilst die Auffassung, dass Deutschland aus einer historischen Verantwortung zuständig ist. Juden und Jüdinnen auf der Welt einen sicheren Ort zu bieten. Wir haben das bereits getan mit den Kontingentflüchtlingen aus der ehemaligen Sowjetunion, nach Zusammenbruch der Sowjetunion. Deshalb haben wir ja wieder jüdisches Leben in Deutschland. Sollte es dazu kommen, dass Israel tatsächlich geräumt wird, ich wiederhole, ich finde allein die Vorstellung, hätte ich Bedenken, ob die nicht nach den heutigen Maßstäben als antisemitisch gilt. Weil daran denkt ja niemand und das ist auch militärisch ausgeschlossen. Aber wenn wir jetzt diesen hypothetischen Fall zulassen und es käme zu einer Konferenz über die Frage, was passiert dann mit den Juden, die verteilt werden müssen, würde Deutschland selbstverständlich den fairen Anteil nehmen, klar. Nicht mehr als andere. Aufgrund unserer Verantwortung, die du gerade verneint hast, die historische Verantwortung? Nein, also ich argumentiere selten mit historischer Verantwortung. Wir würden tun, was zu tun ist. Es würde sicherlich niemand, der als israelischer Staatsbürger in Gefahr um sein Leben ist, nicht Aufnahme in Deutschland finden. Wenn wir das Sagen haben. Aber ich verstehe es gerade nicht mit der historischen Verantwortung. Also hat Deutschland keine historische Verantwortung gegenüber den Juden? Ich argumentiere nicht mit der historischen Verantwortung. Aber gibt es diese? Es gibt selbstverständlich eine historische Verantwortung Deutschlands gegenüber der jüdischen Gemeinschaft. Die gibt es. Aber das ist erstmal der Nullsatz. Die Frage ist ja immer, wie man das dann konkret runter bricht. Was es heißt. Aber in diesem absolut hypothetischen Fall, der nicht eintreten wird, ist völlig klar, wir würden Aufnahme gewähren. Welche Rolle spielt der Holocaust in deinem Bild von den Deutschen? Er hat stattgefunden, es war ein Riesenverbrechen. Was hat da stattgefunden? Es sind mehrere Millionen europäische Juden mit dem Ziel insgesamt die jüdische Gemeinschaft zu vernichten. Aufgrund eines Befehls organisiert, geplant und grausam ermordet worden. 3:42:48 Holocaust & „Schuldkult“ https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=13368s Welche Rolle spielt der Holocaust in deinem Bild von den Deutschen? Er spielt insofern eine Rolle, als dass wir uns immer fragen müssen, welche Fehlentwicklung der Vergangenheit in unserer Geschichte haben das möglich gemacht? Und wie können wir solche Fehlentwicklung in der Zukunft vermeiden? Warum wettest du dann gegen den sogenannten Schuldkult? Den Begriff habe ich wann benutzt? Zum Beispiel, ich habe ihn mehrfach gefunden, ich habe einmal aufgeschrieben, da hast du mit Höcke einen Talk gemacht. Ich habe ihn aber wenig benutzt. Du benutzt ihn in Minute 21,30, kann sich jeder gerade hinspringen. Ich benutze ihn sehr selten. Du hast ihn aber benutzt. Was verstehst du an der Schuldkult? Ich glaube, dass wir lernen müssen, auch ein positives Verhältnis zu unserer eigenen Geschichte zu haben. Wir müssen uns klar sein, dass die Nazizeit ein Zivilisationsbruch war, den es gegeben hat. Wir dürfen nicht anfangen, die gesamte deutsche Geschichte und Tradition und Kultur ausschließlich auf diese negative Seite zu beschränken. Wir müssen auch sagen, es gibt auch fantastische Höhen der deutschen Geschichte und Kultur. Und deshalb ist es nach wie vor sinnvoll, auf seine eigene Geschichte und Kultur stolz zu sein. Wir können also trotz dieses Zivilisationsbruchs an unsere eigene Kultur und Geschichte anknüpfen, weil sie so viel Positives enthält, dass wir anknüpfen können, dass es immer noch reicht, ein positives Verhältnis zu uns selbst zu finden. Nun weißt du aber selbst, dass wer Worte wie Schuldkult benutzt, den geht auf den Sack, dass wir hier in Deutschland ständig an den Holocaust gedenken. Wer Worte wie Schuldkult benutzt, meint, dass wir in der Darstellung unserer Geschichte und unserer Tradition eine Schlagseite haben. Wenn es um das größte Menschheitsverbrechen der Geschichte geht, ist das vielleicht nachvollziehbar, oder? Ist vielleicht nachvollziehbar, aber es ist auch nachvollziehbar, dass man sagt, es gibt mehr. Ich würde nicht sagen, es geht mir auf den Sack. Ich habe mich damit ja intensiv beschäftigt. Ich kenne die Geschichte, aber ich glaube, dass wir einen Weg finden müssen, trotz des Wissens um dieses Menschheitsverbrechen, ein positives Verhältnis zu unserer Geschichte zu finden. Das ist ja eine alte Diskussion. Es gab ja nach dem Krieg die Frage, darf man nach Auschwitz noch Gedichte? Also ist noch Poesie möglich? Die Antwort lautet ja, natürlich. Das Leben geht weiter. Gedenken an den Holocaust findest du also nicht falsch. Wir übertreiben da nicht, obwohl du vom Schuldkult ja selbst immer wieder sprichst. Ich glaube, dass wir eine Schlagseite haben. Wir müssen daran erinnern. Wir brauchen Denkmäler. Wir müssen darüber aufklären. Das heißt aber nicht, dass die gesamte offizielle Geschichtspolitik mittlerweile ja nur noch um den Nationalsozialismus kreist. Also wir brauchen auch positive Bezüge. Wir brauchen nicht nur negative, wir brauchen auch positive Bezüge. Welche denn? Also wenn man zum Beispiel die Rede des Bundespräsidenten zur Gründung des neuen Nationalstaates 1871 gehört hat, dann hat man ja den Eindruck, dass er bereits die Gründung des modernen deutschen Nationalstaates 1871 ganz furchtbar findet. Das ist nicht wahr. Das war ein positives Geschichtsjubiläum. Wer war das? 1871, 2021 hat er 150 Jahre... Wer war das denn? Steinmeier. Ja, aber wer hat dann 1871 da die Rede gehalten? Nein, 2021 hat Steinmeier die Rede gehalten zum Jubiläum 150 Jahre moderner deutscher Nationalstaat. Und hat im Wesentlichen gesagt, dieser ganze Nationalstaat ist eigentlich ganz furchtbar und hat das Kaiserreich einseitig negativ dargestellt. Ja, aber ich will ja wissen, an welche positiven Sachen du denn erinnern willst. Na ja, also geh doch mal durch eine deutsche Stadt und schau dir an, geh durch eine beliebige deutsche Stadt und such dir mal ein schönes Wohnviertel aus, schöne Gebäude, dann sind das im Regelfall Gründerzeitgebäude. Wann war es denn so, dass die Nobelpreis alle nach Deutschland gekommen ist? Wann war plötzlich die deutsche Wissenschaft und Kultur weltweit spitze? Das heißt, das Kaiserreich hat ja bemerkenswerte zivilisatorische und kulturelle Leistungen auf die Beine gebracht. Die werden heute aber mittlerweile alle irgendwie dargestellt als Prolog des Nationalsozialismus. Völlig lächerlich. Aber Kaiserreich heißt auch Diktatur. Nein, Kaiserreich heißt vor allen Dingen allgemeines, gleiches und geheimes Wahlrecht für jeder, in dem Fall für jeden Mann. Das war damals so. Aber wir hatten immer noch einen Kaiser. Ja, aber wir hatten eine, England hat immer noch eine Monarchie und ist keine Diktatur. Der Kaiser in Deutschland hatte verfassungsmäßig ungefähr dieselben Rechte wie der englische König zur damaligen Zeit. Und wir hatten ein weitaus liberaleres Wahlrecht zum Reichstag, nämlich frei, gleich und geheim als die meisten europäischen Länder zu dieser Zeit. Das Kaiserreich war in für die damaligen Verhältnisse liberale, konstitutionelle Monarchie. 3:47:53 Hitler & Höcke https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=13673s Was war Hitlers größter Fehler? Das ist Legion, die großen Fehler. Also über den Holocaust haben wir gesprochen, aber natürlich den Krieg anzufangen. Welchen? Insgesamt den Krieg anzufangen. Er hätte keinen Krieg anfangen müssen. Den zweiten Weltkrieg? Den zweiten Weltkrieg, ja. Dann hat Hitler ja nicht angefangen. Du bist ja eng mit Höcke, ne? Was heißt, ich bin eng mit Höcke? Ja, ihr macht ja gemeinsame Sendungen. Wir sind Parteifreunde und ich glaube, dass er insgesamt viele positive Aspekte und Impulse gegeben hat. Wenn Höcke schreibt, ich zitiere ihn, "Eine Ahnung schleiht sich dabei vielleicht bei immer mehr gebildeten Angelsachsen ein, dass eben nicht die Aggressivität der Deutschen ursächlich für zwei Weltkriege war, sondern letztlich ihr Fleiß, ihre Formliebe und ihr Ideenreichtum. Das Europäische Kraftzentrum entwickelte sich so prächtig, dass die etablierten Machtzentren sich gezwungen sahen, zwei ökonomische Präventivkriege gegen das deutsche Reich zu führen. Der zweite Weltkrieg war allerdings nicht nur ökonomisch motiviert, sondern darf auch als ideologischer Präventivkrieg angesprochen werden, hatte sich im nationalsozialistischen Deutschland doch eine erste Antiglobalisierungsbewegung staatlich etabliert, die, während ihr mehr Friedensjahre zur Erprobung vergönnt gewesen, wahrscheinlich aller Orten Nachahmer gefunden hätten." Das war nicht Höcke, er bestreitet den Artikel geschrieben zu haben. Es ist bewiesen, dass Björn Höcke das geschrieben hat. Das ist gar keine Frage, dass er unter dem Alias Landolf Ladig das geschrieben hat. Das ist durchaus eine Frage. Wir hatten ein eigenes Parteikschiedsgerichtsverfahren zu der Frage. Deine eigene Partei hat das als erwiesen ansehen. Nein, das Schiedsgericht hat gesagt, es sei nicht so gewesen. Das kann jeder nachlesen. Also wie gesagt, ich kenne den Artikel nicht. Ich habe jetzt gerade durch das Durchschein der Papier gesehen, dass es Landolf Ladig gewesen ist. Und ich glaube, Björn Höcke nicht Landolf Ladig ist. Und insofern, wenn du eine Frage an Björn Höcke hast, lad ihn ein. Ich bin sicher, dass Björn Höcke gern kommt. Meinst du? Ja, lad ihn ein, lies ihm das vor und frag, was er dazu hält. Aber ich kommentiere nicht Björn Höcke. Was hältst du von sowas? Von was? Dass ein Landolf Ladig das schreibt, obwohl du jetzt leugnest, dass das Björn Höcke ist. Es ist klar, es ist bewiesen. Meines Erachtens nicht. Kann ja deine Meinung sein. Wenn Björn Höcke, beziehungsweise Landolf Ladig, schreibt, dass Deutschland zweimal überfallen wurde und die Weltkriege noch nicht eingeschafft haben. Meiner Geschichtsverständnis ist das nicht. Hast du ihm das mal gesagt? Ja, natürlich, das weiß er. Ich habe dazu eine öffentliche Podiumsdiskussion geführt mit jemandem, der behauptet, dass der Eingriff in die Sowjetunion 1941 ein Präventivkrieg war. Und ich habe die These vertreten, es war kein Präventivkrieg, es war ein Angriffskrieg. Warum hat dieser Mann denn überhaupt irgendwas bei euch noch zu sagen? Weil er ein Niederlander von Ladig ist. Das glaubst du echt? Ich habe keinen Anlass für das Gegenteil. Ich empfehle dir die Folge dazu, die wir hier dazu gemacht haben. Gut, dann schick mir den Link. 3:50:38 Staatsvolk https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=13838s Erklär uns doch mal, wer zum deutschen Volk gehört. Es gibt, das Problem des Begriffes des Volkes im Deutschen ist, dass er zwei griechische Begriffe vermischt. Denen des Demos und denen des Etnos. Es gibt ein Staatsvolk. Und die Kombination von Demos und Etnos ist wunderbar dargestellt in der Verfassung des Freistaates Sachsen. In der Verfassung des Freistaates Sachsen heißt es in Artikel 5, "Zum Volk des Freistaates Sachsen gehören Bürger deutscher, sorbischer und sonstiger Volkszugehörigkeit." Die Juristen unterscheiden deshalb zwischen der Staatsangehörigkeit, dem Demos und der Volkszugehörigkeit, dem Etnos. Man erklärt das sehr schön am Beispiel von Südtirol. Alle Südtiroler sind italienische Staatsangehörige. Sie gehören zum italienischen Staatsvolk. Mit gleichen Rechten und Pflichten. Aber in Südtirol leben zwei ethnische Völker. Es leben die ethnischen Italiener und es leben die ethnischen deutschen Tiroler. Zum Beispiel Markus Lanz oder mein Parteifreund Mark Jongen. Das bedeutet, auf Deutschland bezogen, das Staatsvolk der Bundesrepublik Deutschland besteht aus Bürgern, Deutscher und anderer Volkszugehörigkeit. Es gibt also zum Beispiel Menschen, die sind aus der Türkei eingewandert, die sprechen zu Hause Türkisch, die feiern Zuckerfest, die sind insofern, selbst würden sie sagen, ja, die wählen also noch Doppelstaatler, die wählen zu Hause Erdogan, die sind aber deutsche Staatsangehörige. Das heißt, die gehören zum deutschen Staatsvolk. Mit allen Rechten und Pflichten. Keine Diskriminierung. Auf der einen Seite. Aber auf der anderen Seite würden sie immer sagen, Volkszugehörigkeit im Sinne des Etnos sind wir eher Türken. Das ist die Realität. Du weißt aber die Realität, was im Grundgesetz drinsteht? Ich habe Jura studiert und das, was ich hier sage, ist hundertprozentig rechtlich einwandfrei, denn ansonsten wäre die sächsische Verfassung verfassungswidrig. Zum deutschen Volk gehört jeder, der einen deutschen Pass hat. Zum Staatsvolk. Richtig. Genau, und jetzt gehst du bitte in 116. Geh in 116. Erzähl mal weiter, bevor ich es suche. Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist. Ja. Heißt der Artikel? Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist. Wer deutscher Staatsangehöriger ist. Oder wer als deutscher Volkszugehöriger. Also hier Artikel 16, da geht es um den Begriff des "Deutschen" und es wird extra reingeschrieben "nationalsozialistische Ausbürgerung". Nein, es geht um Artikel 1, äh Absatz 1. Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist. Wer deutscher Staatsangehöriger ist. Oder wer als deutscher Volkszugehöriger. Im Gebiet des Deutschen Reiches nach den Grenzen vom 31.12.1907 Aufnahme gefunden hat. Ja. Gut. Jetzt erklärst du mir bitte "Deutscher Volkszugehöriger im Sinne des Grundgesetzes". So. Da ging es doch um die Leute, die dann, äh... Was ist der "Deutsche Volkszugehöriger im Sinne des Grundgesetzes"? Der hier deutscher ist. In dem Artikel geht es doch um Deutsche... Nein. ...die flüchten müssen aus Polen in den Ostgebieten. Ach, das sind da Deutsche, aber die sind doch keine deutschen Staatsangehörigen. Was, das sind Deutsche oder was? Ja, die waren doch Teil des Reichs. Ne, es geht doch um Deutsche, die nicht Teil des Reichs waren. War ein Russlanddeutscher Teil des Reichs? Wann war ein Russlanddeutscher Teil des Reichs? Bitte. Ein Wolkerdeutscher, der war Teil des Reichs? Niemals. Der ist aber Deutscher im Sinne des 116 Grundgesetzes. Also nimmst du mir nicht übel. Dem Doktor der Rechtswissenschaften das Grundgesetz zu erklären, geht immer schief. Ich will... ...geht immer schief. Ich wollte da gar nicht das Grundgesetz erklären, sondern... Gut, du hast mir gerade daraus vorgelesen. Ein Deutscher im Sinne des Grundgesetzes ist jeder deutsche Staatsangehörige, das ist der Demos, und jeder deutsche Volkszugehörige, das ist ein Deutscher, der nicht Staatsangehöriger ist, der im Gebiet, in der Regel der heutigen Bundesrepublik, Aufnahme gefunden hat. Das heißt also, ein Deutscher, der nicht deutscher Staatsangehöriger ist, aber ethnisch Deutscher, hat ein Aufnahmerecht. So, das ist... 3:54:53 „Ethnische Deutsche“ & Rassismus https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=14093s Die Frage war ja, wer gehört zum Staatsvolk? Zum Staatsvolk gehört jeder, der einen Pass hat. Genau. Und für dich, du machst da eine Unterscheidung. Nein! Doch, du hast ja gerade von ethnischen Deutschen gesprochen. Schau, jeder Südtiroler gehört zum italienischen Staatsvolk. Punkt. Auch wenn er ethnisch kein Italiener ist. Jeder, der einen deutschen Pass hat, gehört zum deutschen Staatsvolk, auch wenn er kein ethnischer Deutscher ist. Das ist eigentlich nicht schwer. Was ist ein ethnischer Deutscher? Ein ethnischer Deutscher ist jemand, der zum Beispiel zu Hause Deutsch spricht, der seine Alltagskultur, der seinen Kindern deutsche Märchen erzählt, der Weihnachten feiert und die Zuckerfest, der... Das ist nicht klar abzugrenzen, sondern es ist eine Vielzahl von Einzel-Elementen. Warum benutzt du denn Ethnie? Ethnie ist doch klar, was Ethnie heißt. Ethnie hat jetzt nichts mit welchen Gedichten ich zu Hause meinem Kind was vorlese. Also ist die Ethnologie jetzt problematisch als Wissenschaft? Ich will ja wissen, warum du ethnische Deutsche verwendest. Weil der Begriff "Volk" in der deutschen Sprache unklar ist. Denn er bedeutet sowohl "demos" wie auch "ethnos". Und von dem griechischen Wort "ethnos", was auch die Übersetzung für "Volk" ist, komme ich dann, da wir ja hier uns heute auf Deutsch und nicht auf Griechisch unterhalten, zu dem Begriff "ethnisch". Eigentlich ist das kein Problem. Aber Ethnie heißt ja Hautfarbe und Aussehen. Nein. Nicht? Ethnie heißt... Was meinst du damit, Ethnie? Also wenn du das Wort "Volk" ins Google eingibst, dann sagt dir das Google-Wörterbuch eine große Gemeinschaft von Menschen, die durch gemeinsame Abstammung, Sprache und Geschichte miteinander verbunden sind. Das ist Google. Ich will ja Ethnie wissen. Das ist die Definition von Ethnie. Eine große Gemeinschaft von Menschen, die durch gemeinsame Abstammung, Sprache, Kultur und Geschichte miteinander verbunden sind. Woher weißt du, ob ich ein ethnischer Deutscher bin? Das musst du nicht wissen. Das ist keine rechtliche Frage. Du schreibst ja davon. Ob was du persönlich weißt und wofür du dich hältst, interessiert mich nicht. Rechtlich gesehen... Ich will ja wissen, wen du als ethnisch Deutschen bezeichnest. Ich würde als ethnisch Deutschen jeden bezeichnen, der zu Hause in seiner Alltagssprache Deutsch spricht. Du willst ja in Sachen Migration. Geht es dir um 25 Millionen Menschen in Deutschland? Nein, es geht darum, dass eine Auswanderung jedes Immigranten unmöglich ist. Das Buch richtet sich an ein mehrheitlich rechtes Publikum. Da gibt es durchaus Leute, die die Idee haben, eigentlich müsste man doch die ganzen Migranten dauerhaft aus dem Land werden. Und denen sage ich, hört mal diesen Schwachsinn auf. Wir haben 25 Millionen im Land. Die sind da, die sind wertvoll, die sind angekommen. Die Masse wird bleiben. Das ist auch richtig so. Willst du aber nicht. Natürlich will ich das. Wir kommen da gleich nochmal zurück. Einfach nur bei dem ethnischen Deutschen bleiben. Ich meine, du musst doch erklären können, was du damit meinst. Und wie man das herausfindet. Sag ich doch. Wenn du zu Hause als deine Umgangs- und Alltagssprache Deutsch sprichst, dann hast du eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass du ein ethnischer Deutscher bist. Das heißt, auch ein schwarzer Deutscher kann dann ein ethnischer Deutscher sein. Das glaubst du selbst. Das glaub ich. Warum hast du denn Aminata Touré? Die ist ja eine schwarze Deutsche. Ich hab's gelöscht, weil sie in Deutschland geboren ist. Das war ein Fehler. Im Januar '24 hast du geschrieben, in Bezug auf Aminata Touré, die ist Ministerin. In Schleswig-Holstein. In Schleswig-Holstein hast du geschrieben, wer ethnische Afrikaner und Afghanen in die Regierung nimmt, macht die Regierung auch kulturell afrikanisch und afghanisch. Der Mensch formt seine Umgebung nach der eigenen Veranlagung. Sind wir bei der Genetik? Der Mensch formt seine Umgebung nach der eigenen Veranlagung. Das ist zunächst einmal das, was ich zu Anfang erklärt habe. Es geht darum, dass ich von innen nach außen und dass ich nicht eine leere Hülle bin, die durch meine Diskurse und die Gesellschaft geformt wird. Das war nicht rassistisch, was du da gesagt hast. Nein. Allerdings war es falsch. Es war deshalb falsch, weil Aminata Touré in Deutschland geboren ist. Und genau deshalb hab ich den Tweet gelöscht. Du hast dazu auch noch geschrieben, natürlich ist Korruption korreliert mit Kultur und Kultur mit Ethnie. Dass die französische Kultur irgendwas mit dem ethnisch-französischen Volk zu tun hat, ist, glaube ich, eine Binsenweisheit. Und dass die polnische Kultur etwas mit dem Volk der Polen zu tun hat, ist auch eine Binsenweisheit. Bei den Ungarn würde ich es auch bejahen. Das heißt also, der Satz "Kultur hat etwas mit Ethnie zu tun" zu bestreiten, da können wir die ganze Ethnologie abschaffen. Und dann ist die Frage, gibt es einen Konnex zwischen Kultur und Korruption? Und da sagt zumindest die angelsächsische Wissenschaft, die man mir 2011 in London beigebracht hat, dass es tatsächlich so ist, dass es Länder gibt, wo Korruption kulturell weiter verankert ist als weniger. Also beziehen wir das mal auf die ehemalige Sowjetunion, weil da haben wir kein Rassismusproblem. Ohne Frage war in Estland Korruption weitaus weniger verbreitet als in Russland. Und sie war in Russland weniger verbreitet als in Tadschikistan. Warum? Weil der Umgang mit einem gewissen sozialen Phänomen, zum Beispiel Korruption, immer auch kulturell bedingt ist. Das heißt, es gibt einfach Kulturen, die finden Korruption ganz, ganz scheußlich. Das sind in der Regel nordeuropäisch-protestantische Kulturen. Da ist man extrem korrekt und büßt und sauber. Und dann gibt es eben Kulturen, die sind da, naja, lässiger und sagen, wir sind heute mal großzügig. Zum Beispiel katholische Kulturen. Also sicherlich gibt es einen Unterschied im Umgang mit Korruption zwischen Süditalien und Finnland. Das sind letztlich Sachen, die mögen unpopulär sein, aber die sind ja statistisch belegbar. Wie gesagt, du hast ja gesagt, wer indische Afrikaner, Afghane in die Region nimmt, macht die Region auch kulturell afrikanisch-afghanischer. Das habe ich gelöscht, weil ich nur einmal sage, ich wusste damals nicht, dass Aminata Touré in Deutschland geboren ist. Damit ist der Tweet falsch. Wenn sie nicht hier geboren wäre, wäre er richtig gewesen. Wenn sie gerade frisch gekommen ist, ist die Tatsache so. Warum es mir geht, ist, dass Einwanderung ja nie eine Einbahnstraße ist. Du sagst doch, wenn sie in Afrika geboren wäre, wäre sie korrupter auf die Welt gekommen. Nein, nicht korrupter, sie würde mehr von ihrer Kultur, in der sie sozialisiert ist, natürlich auch hier einfließen lassen. Wenn du jetzt nach, nehmen wir mal an, du wanderst aus, wir machen es mal andersrum, du wanderst jetzt aus nach Syrien, dann wirst du doch deine deutsche Prägung nicht an der syrischen Grenze loswerden, sondern du wirst auch in Syrien gewisse Verhaltensweisen mit dir führen, die dich ohne weiteres als Deutscher erkennen lassen. Nach deiner Logik bin ich ja weniger korrupt, weil ich Deutscher bin. Nicht du bist weniger korrupt, aber die Wahrscheinlichkeit oder die Verbreitung der Korruption, das Ansehen ist geringer. Du sagst, ein ethnischer Deutscher ist weniger korrupt, als ein ethnischer Afrikaner. Was das überhaupt an sich schon leisten soll, das ist schon problematisch, ein Afghane. Nein, ich sage das nicht auf den Einzelnen. Ich sage, dass in einer, ich sage, dass zum Beispiel in der süditalienischen Kultur der Umgang mit Korruption entspannter ist, als in der finnischen, und dass deshalb in Süditalien Korruption häufiger vorkommen wird, als in Finnland. Das ist unbestreitbar. Nochmal. Das ist einfach logisch, dass du sagst, wenn man in Afrika geboren wird, dann ist man korrupt. Nein, das ist nicht logisch. Weil das Problem, was du hast, ist, dass du nicht unterscheiden kannst zwischen einer allgemeinen mathematischen Aussage, die einen Standardabweichung hat, kannst du nicht den Einzelfall schließen. Es gibt immer den Einzelfall, der komplett anders ist. Es gibt also den korrupten Finnen und den absolut unkorrupten Süditaliener. Was in Südafrika als das Apartheid-Regime an der Macht war, war weniger korrupt? Weil es sehr weise war? Nach Transparency International war Südafrika in den 80er Jahren tatsächlich hatte weniger Korruptionsprobleme als heute. Warum sagst du das? Es liegt daran, dass die Kultur... Weil die Apartheid-Regierung weiss war? Nein, es liegt nicht daran, weil sie weiß war, es liegt daran, weil es andere kulturelle Schwerpunkte gegeben hat. Aber natürlich haben wir zur Zeit in Südafrika eine grasierende Korruption. Sagt Transparency International und die sind ja noch nicht AfD-nah. Und wir hatten diese grasierende Korruption in den 80er Jahren nicht. Das heißt also, wir haben einen kulturellen Wandel und dieser kulturelle Wandel hat dann dazu geführt, dass offensichtlich die Korruptionsbekämpfung nicht mehr hart genug geführt wurde. Findest du nicht, wenn du den Satz, den du zwar gelöscht hast, aber dann klar gesagt hast und bestätigt hast, wer ethnische Afrikaner und Afghane in die Regierung nimmt, dass das eine Herabwürdigung ist? Nein, das ist es nicht. Das ist es nur in deinen Augen, weil du offensichtlich ethnische Afrikaner und ethnische Afghanen für etwas Negatives hältst. Du hältst zum Beispiel Afghane und Afrikaner für etwas sehr Positives. Umgekehrt könnte ich sagen... Du findest ethnische Deutsche am besten. Nee, finde ich überhaupt nicht. Ich könnte ja genauso sagen, wer ethnische Deutsche in eine Regierung in Syrien nimmt, muss sich nicht wundern, dass plötzlich außer irgendwelchen sinnlosen Regulierungen keine praktische Lösung mehr rauskommt. Ich gebe durchaus die ganze Reihe Sachen, wo ich sage, finde ich anstrengend in Deutschland. Zum Beispiel diesen ewigen Regulierungswahn oder diese Scherzelei. Also nehmen wir mal Covid. In Deutschland haben ja die Nachbarn, hat mir ein gemeindlicher Vollzugsbeamter gesagt, das Schlimmste in Covid waren die Leute, die bei ihm im Büro angerufen haben, um die Nachbarn anzuschmerzen, wenn sie sich nicht an die Covid-Regeln gehalten haben. Das ist ganz eklig. Das gibt es nur in Deutschland. Das heißt also, es gibt ganz einfach überall Vorteile, es gibt überall Nachteile. 4:05:04 Vielfalt & Assimilation von Migranten https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=14704s Ich wehre mich dagegen, dass ein Volk wertvoller ist als ein anderes, sondern ich sage ganz offen, es lebe die Vielfalt. Dazu kommen wir gleich. Das Gegenteil sagst du ja sonst. Nein, es lebe die Vielfalt. Na gut, dann machen wir das jetzt. Ja, komm jetzt. Du hast nachweislich in Freital gesagt, ich zitiere, "Aber sie sind die Mehrheit, für die wir Politik machen. Wenn ich hier in den Raum schaue, ist es nicht bunt und vielfältig. Das ist das Schöne an Freital. Sie sind alle, hier sind Deutsch, Sächsisch und Weiß." Ja, genau, da fehlt aber der Vorspann. Stopp, stopp, stopp, da fehlt der Kontext. Der Vorspann war, ich komme gerade von einer Veranstaltung, wo der Tenor war, dass die alten weißen Männer an allem Übel der Welt schuld sind. Und dann drehe ich das um von "Alte weiße Männer" auf "Und sie sind weiß und das ist okay." Das war der Prokump, das heißt, ich habe den Leuten erklärt, dass es mittlerweile einen Diskurs gibt, der sagt, "Alte weiße Männer sind an allem schuld." Ganz klar, wer öffentlich erzählt, dass alte weiße Männer an allem schuld sind, der darf sich dann nicht wundern, dass Leute wie ich auch mal sagen, "Schön, dass hier alte weiße Männer sitzen." Entweder wir machen, was ich sehr begrüßen würde, wir hören generell auf, über Hautfarben zu reden. Aber wenn wir nur noch über alte weiße Männer schimpfen und "Black Lives Matter" rufen, naja, dann gibt es halt auch eine Retourkutsche. Im Übrigen will ich das nicht schönreden, das war eine freigehaltene Rede und es war unter Umständen nicht der allerschlauste Satz meiner politischen Karriere. Du hast gesagt, hier ist es nicht vielfältig, hier ist es schön. Dann hast du an anderer Stelle auch gesagt, kann jeder nachgucken, Zitat, "Bunt und vielfältig ist jede Müllhalde. Ich bevorzuge aber durchaus auch mal eine gepflegte hellere Wandfarbe." Letzte Woche und hier eben gerade hast du genau das Gegenteil gesagt, also vor Gericht in Münster. Es lebe die Vielfalt. - Das Leben ist bunt, es lebe die Vielfalt. - Ja, natürlich lebe ich die Vielfalt. Ich mache keine Hierarchie, aber es ist durchaus so, dass ich gelegentlich auch mal mich freue, wenn ich alles... Also ich lebe, ich mag Vielfalt. - Du sagst hier, es lebe die Vielfalt, du sagst vor Gericht, als du letzte Woche vor Gericht warst mit der AfD. - Nein, ich wehre mich dagegen, dass mir unterstellt wird, dass ich eine Hierarchie der verschiedenen Ethnien aufmache. Ganz im Gegenteil, ich schätze die verschiedenen Ethnien und die Verschiedenheit, aber was ich nicht möchte, ich will nicht den großen globalen Schmelztiegel. Ich will also nicht, dass am Ende alles aufhört, original bei sich zu sein. Also ich wünsche auch den Syrern nicht, dass sie jetzt eine Masseneinwanderung von Deutschen erhalten. Ich wünsche grundsätzlich, dass es möglich ist, dass zum Beispiel die Polen weiterhin in einem Land leben, in dem eben die Mehrheit der Menschen polnisch spricht und sich an der polnischen Kultur und den polnischen Werten aufrichtet. Das Problem ist doch nicht, dass ich der Meinung bin, ein Volk sei mehr wert als ein anderes. Das Entscheidende ist, ich möchte, dass die Völker erhalten bleiben. Ich möchte die Vielfalt erhalten und nicht so einen einheitlichen Mischmasch haben. Das ist alles. Da habe ich die Passungsstelle in deinem Buch gefunden. Da sagst du, "Die politische Rechte muss deshalb der Fürsprecher der Vielfalt der Menschen und Völker sein, weltweit. Jeder unter seinesgleichen, jede Gruppe am Ort, der sie evolutionär und kulturell geformt hat, den sie nach ihrem Wesen für sich geprägt hat. Sie tritt dann als wertvoll in Austausch mit anderen Völkern in deren Orten." Genau. Das hat mich ein bisschen... Kennst du diesen Satz? Woran hat mich das erinnert? "Jedes Tier paart sich unter..." Ach Quatsch! "Ne, paart sich nur mit einem Genossen der gleichen Art. Meise geht zu Meise, Fink zu Fink." Den Satz kenn ich auch nicht. "Maus zu Feld, Maus zu Haus, Maus zu Haus." Nehmen wir doch mal... Wir machen es noch am Beispiel. Du willst mir also erzählen, dass du es okay findest, wenn es jetzt in Tibet eine forcierte Masseneinwanderung von Han-Chinesen gibt. Du bist der Meinung, dass die Tibeter in Tibet nicht das Recht haben, dass sie da weitgehend unter sich ihre Kultur leben können. Das ist also deine Meinung. Die Frage ist doch immer, hier wird doch mit zweierlei Maß gemessen. Wenn ein Deutscher sagt, ich bin der Meinung, jedes Volk sollte an seinem Ort weitgehend unter sich nach seinen Regeln leben, dann heißt es "böser Nazi". Aber umgekehrt sagen dieselben Leute in der ganzen Welt, also wenn jetzt plötzlich immerhin innerhalb desselben Landes Han-Chinesen in Tibet siedeln, das ist Völkermord. Wir sagen, dass in den Entwicklungsländern gilt plötzlich das genaue Gegenteil. Es gibt eine eigene Gesellschaft, die Gesellschaft für bedrohte Völker, die es genau kritisiert, wenn bei kleinen Völkern es plötzlich zu einer Einwanderung kommt. Und deshalb nehme ich ja immer das Beispiel von Südtirol. In Südtirol gab es eine internationale Verhandlung, es gab ein Autonomiestatut dagegen, weil die deutsche lokale Mehrheit sich dagegen wehrte, dass forciert Italiener angesiedelt wurden. Also von daher gleicher Stab für alle. Und das, was ich da beschreibe, in der Tat, ich finde die Vielfalt der Völker und damit auch die Unterscheidbarkeit der Völker großartig. Ich bin gern in anderen Ländern, weil es da anders ist. - Ja, und jeder soll unter seinesgleichen bleiben. - Ich bin gern da, wo es anders ist. - Genau, und ich habe gerade nicht meine Meinung gesagt, sondern ich habe - Hier, du hast aus meinem Buch sehr richtig zitiert, und ich finde, wenn ich das höre, das sind kluge Worte. - Und ich habe aus einem anderen Buch zitiert, was mir halt sehr - Wie ich jetzt? - Meise geht zu Meise. - Das kenne ich nicht. - Fink zu Fink. - Welches Buch ist das? - Kennst du nicht? - Kenn ich nicht. Also von mir ist es nicht. - Siehst du es selbst? - Also es tut mir leid, wenn alles, was du hast, immer in Hitler verweist, dann ist es dürftig. - Ja, außer wenn er passt. - Ja, aber er passt nicht. - Das kann sich jeder selbst zurückspulen. - Es gibt fast dasselbe, es gibt fast ein ähnliches Zitat von okay, wie heißt der berühmte amerikanische Afroboxer? - Du hast meinen Kampf nicht gelesen? - Tatsächlich nicht. - Was, echt? - Nein. - Interessiert mich überhaupt nicht. - Gibt es ethnische Österreicher? - Nein. - Was sind denn das? - Staatsvolk. - Aber welche Ethnie haben die Österreicher? - Da sie zur deutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft gehören, ist es nach der Ethnologie, aber bitte frag einen Ethnologen, der wird dir sagen, es sind ethnisch-deutsche. - Also gehören sie zum deutschen Volk? - Nein, sie gehören nicht zum deutschen Staatsvolk, weil es einen österreichischen Staat gibt. - Ja, ja, nein, nicht zum Staatsvolk, aber sie gehören zum deutschen Volk. Zu der Volksgruppe der Deutschen. - Zu der Volksgruppe der Deutschen, ja. - Wir feiern übrigens dieses Jahr 200 Jahre deutscher Auswanderung nach Brasilien. Großes Fest, auch durch die deutsche Botschaft in Brasilien. Es gibt über eine Million Brasilianer, die zu Hause deutsch sprechen. - Sind die Ukrainer eigentlich ethnische Russen oder ethnische Ukrainer? - Die Mehrheit sind ethnisch-Ukrainer. - Also das kann man feststellen. - Durch die Sprache. - Ach, durch die Sprache. - Durch die Sprache stellt man das fest. - Ja, aber es gibt dann, was ist mit der Schweiz dann? Da wird ja auch deutsch gesprochen, da sind es auch ethnische Deutsche. - Ja, und ethnische Franzosen. Und ethnische Italiener. - Also Teile der Menschen in der Schweiz gehören zum deutschen Volk? - Zur deutschen Volksgruppe. Es gibt italienische, die gehören zur italienischen Volksgruppe und es gibt natürlich französischsprachige Schweizer. Die werden ja auch so genannt, oder? Und dazwischen ist der Röstigram. - Sind Menschen im Saarland eigentlich ethnische Deutsche? - Da sie in der Regel ja zu Hause deutsch sprechen, würde ich das mal stark annehmen, oder? Immerhin die Hymne des Saarlandes heißt "Deutsch ist die Saar". - Nur hat Saarland ja öfter auch mal zu Frankreich gehört. - Nein, nein. - Na ja, nach dem Krieg kurz, dann haben sie sich... - Nein, da war es selbstständig, als Saargebiet. - Ja. - Nein, die Hymne des Saarlandes, die sie ständig singen, heißt "Deutsch ist die Saar". - Ja, aber Saarland hat auch mal zu Frankreich gehört, richtig? - Unter Napoleon vielleicht. - Waren das dann ethnische Franzosen oder ethnische Deutsche? - Es waren ethnische Deutsche. - Ach immer. - Ja, wenn sie zu Hause deutsch gesprochen haben, war es im Saarland wohl der Fall. So gut kenne ich die saarländische Geschichte nicht. Aber sie waren halt, während sie zu Frankreich gehört haben, also unter Napoleon, waren sie natürlich staatsrechtlich oder rechtlich waren es Franzosen. - Dann gibt es ethnische Holländer und ethnische Franzosen. - Und Holländer gehören nicht zur ethnischen deutschen Rasse? - Nein. - Was? Es gibt ethnische Holländer? - Dutch, na klar, Dutch people. Das ist eine eigene Ethnie. Aber ich bin kein Ethnologe, aber das sind jetzt Grundlagenwesen. Einfach einen Ethnologen einladen, der würde das erklären. Wenn du meinen holländischsprachigen Kollegen erzählst... - Ich bezweifle, dass Menschen so eine Haltung öffentlich vertreten würden. Das macht jeder Ethnologe in Deutschland. - Über ethnische Deutsche zu reden? - Im Grundgesetz heißen die ethnischen Deutschen "deutsche Volkszugehörige". Finde ich einen schlimmeren Begriff. - Was ist mit den ganzen Ruhrpolen, die zwischen 1817 und 1920... - Sie sind mittlerweile da. Wer von denen spricht denn zu Hause noch Polnisch? - Weiß ich nicht. Es gibt ja zweisprachig. - Dann müssen sie es selbst entscheiden, oder? Es ist ja kein rechtlicher Zugriff. Das ist eine Frage... Letztlich ist es auch eine Frage der Selbstdefinition. Du brauchst einen gewissen Anknüpfungspunkt. Du kannst jetzt nicht sagen, ich bin ein ethnischer Franzose, wenn du kein Wort Französisch kannst. Das wird schwierig. Aber wer im Ruhrpott wohnt, polnische Vorfahren hat und die polnische Sprache absichtlich pflegt und in die polnische Messe geht und so weiter, der ist halt ein Pole. Das muss man doch selbst definieren. Das ist deine individuelle Definition. Das gilt ja auch für die Türken der dritten Generation. Wenn die mittlerweile längst besser Deutsch sprechen als Türkisch, dann sind sie natürlich Deutsche. Wenn sie aber zu Hause das türkische Brauchtum pflegen, wenn sie zum Zuckerfest gehen, wenn sie ihre Verwandten besuchen, wenn sie enge Beziehungen halten und wenn sie selbst für sich sagen, hey, wir sind Deutsch-Türken, dann sind es Türken. Im Übrigen die... Wie heißt es? Die im Moscheeverein. Da komme ich jetzt nicht dran. Der türkische Moscheeverein. Der selbst warnt ja vor Assimilation und sagt, bitte tragt eure türkische Erbe weiter, bewahrt es und so weiter. Also die Frage ist schon ein bisschen komplizierter, als es bisweilen dargestellt wird. Du bist ja für Assimilation. Nein, ich bin nicht für Assimilation. Vor Gericht hast du letzte Woche in Münster, das ist ja dokumentiert worden, behauptet, dass du gegen Assimilation von Menschen bist. Nein, ich bin dafür. Du weißt, was du in dem Buch geschrieben hast. Genau, ich bin gegen Assimilierte, ich bin gegen eine Pflicht zur Assimilation. Also, ich zitiere es mal. Es geht um einen Weg, das patriotische Bewusstsein der Autortonen wiederzuheben. Und die Migranten dazu bewegen, sich entweder zu assimilieren oder aber zu remigrieren. Also entweder assimilieren sich Migranten in Deutschland, passen sich total an oder raus. Nein, nicht raus. Weil es bei mir keine Deportationen gibt. Es ist ganz klar, es muss ein Angebot der Assimilation geben. Es gibt keine Pflicht. Es gibt bei mir keine Pflicht zur Assimilation. Den Satz, den du gerade gesagt hast, das heißt nichts anderes. Entweder sie assimilieren sich oder sie müssen raus. Nein, sie müssen nicht raus, weil bei mir Remigration keine Verpflichtung ist. Wenn du, stell dir vor, du gehst jetzt nach Syrien und machst dein Unternehmen auf und irgendwann bist du aber 70 und sagst, es ist mir zu warm hier. Dann gehst du zurück nach Deutschland. Dann ist dein freiwilliges Zurückkehren aus Syrien nach Deutschland eine Remigration. Es ist keine Verpflichtung. Und ich bin strikt dagegen von jemandem zu verpflichten, auch noch rechtlich zu verpflichten, sich zu assimilieren. Ob du dich assimilierst oder nicht, kann von dir nicht verlangt werden. 4:17:05 Remigration 25 Millionen Menschen https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=15425s Das ist dein Wunsch, ich hab's ja gerade vorgelesen, zur Remigration. Du schreibst das ja auch klar in deinem Buch, was war im November nicht dabei, aber reicht ja einfach nur dein Buch zu lesen. Da steht auf Seite 60, ich zitiere, "aber selbst wenn sich eine restriktive und differenzierende Einwanderungspolitik in 10 Jahren politisch durchsetzen ließe, du spekulierst, wenn ihr an ihr Macht wert, was angesichts der anstehenden ökonomischen, sozialen und politischen Verwerfungen zumindest vorstellbar ist, bleibt die Frage, was mit denen dann im Land befindlichen Menschen mit Migrationshintergrund geschehen soll. Das werden in Deutschland prognostisch über 25 Millionen Menschen sein, davon deutlich über 15 Millionen Staatsangehörige." Und damit kommt der Satz, es gibt keinerlei Möglichkeit, diese Menschen gegen ihren Willen zu ausraten. - Ich bin noch nicht fertig. Du hast tatsächlich... - Ich kenn den Satz. Ich kenn, was ich schreibe. - Es geht dann weiter, es wird auch in 10 Jahren nicht ansatzweise eine politische Minderheit, gar die verfassungs- und völkerrechtliche Möglichkeit, ganz zu schweigen von der praktischen Umsetzbarkeit geben, diese Menschen gegen ihren Willen aus dem Land auszuweisen. Und dann schreibst du aber weiter. - Klar. Wie geht es denn weiter? Dass jeder, der von Remigration will, es nur auf freiwilliger Basis... - Nee, du schreibst, die Remigration der Nicht-Integrationswilligen, Unfähigen, kann nur in großer Zahl gelingen, und du willst eine große Zahl, hast du gerade gesagt, wenn sie kooperieren. - Also freiwillig. Hierzu müssen die richtigen Ansätze gesetzt werden. Erstens, es geht um die Nicht-Integrationswilligen, also um jene, die partout sich hier gegen die Regeln verwehren. Wir hatten ja gerade Assimilation schon. Entweder... - Die Nicht-Integrationswilligen, genau lesen, ich bin Jurist. Die Nicht-Integrationswilligen. - Du willst die, die sich assimilieren. - Nein, die Nicht-Integrationswilligen. Hier schreibe ich hier. - Nein. Die Nicht-Integrationswilligen. - Dann widersprichst du dich ja am laufenden Band. - Ich sage doch, die Nicht-Integrationswilligen. Lies doch nochmal den Satz, den du gerade gelesen hast. Jetzt komm. Die Remigration der Nicht-Integrationswilligen, Unfähigen, kann nur in großer Zahl gelingen, - wenn sie kooperieren. Das heißt, die Nicht-Integrationswilligen, selbst bei den Nicht-Integrationswilligen, Nicht-Integrationswilligen, setze ich auf Freiwilligkeit. Absolut einwandfrei. - Ja, du möchtest, dass zwischen 15 und 25 Millionen Menschen, die Nicht-Integrationswilligen, das ist ein Teil davon. - Ich habe doch gerade, wir haben gerade, also Maximilian, kein Scheiß, wir haben gerade vorhin festgestellt, dass du selber gesagt hast, entweder assimilieren sich die Menschen, oder sie hauen ab. Sie remigrieren. - Aber nicht auf Zwang. - Richtig. Du musst sie ja zur Kooperation bringen. Freiwillig ist was anderes als, freiwillig darf man alles. Man darf nur niemanden zwingen. - Aber man kann ja Druck erhöhen, man kann das Leben schwer machen. Nein, freiwillig, sage ich. - Wie denn? Wie bringst du die 15 bis 25 Millionen Menschen? Es geht um diejenigen unter, Moment, es geht um diejenigen unter den 15 bis 25 Millionen Menschen, die nicht-integrationswillig und fähig sind. Das ist eine Minderheit. Und diese Minderheit, sage ich, muss freiwillig gehen. Kann ich dir ganz einfach sagen, zum Beispiel durch das, wovon wir erst sprachen, dass es statt Bürgergeld Kombilohn gibt. Weil dann muss man arbeiten. Du fragst dich selber, ich habe es ja gerade zitiert, was mit 25 Millionen Menschen passieren soll. Allein 15 Millionen allein Staatsingabe. - Und dann sage ich, es gibt keinen politischen Willen, und es gibt keine Mehrheit, und es gibt keine rechtlichen Möglichkeiten, dass diese Menschen gegen ihren Willen gehen. Und dann sage ich, die nicht-integrationswilligen, das ist ein neuer Gedanke, die nicht-integrationswilligen, das heißt, das ist eine Teilmenge, werden nur dann gehen, wenn sie freiwillig gehen und Anreize bestehen. Also, ich erkläre erst, dass die Idee mancher Leute, man könne alle Migranten aus dem Land schaffen, dass die völlig absurd ist. Und dann sage ich, aber wer nicht-integrationswillig ist, der muss auch gehen. In der Tat, wer willig ist, sich zu integrieren, den will ich ja nicht haben. - Ja, wie gesagt, du sprichst nicht von Integration, du willst, dass die sich nicht integrieren, sondern assimilieren. Das ist schwarz auf weiß. - Die Masse kann sich assimilieren und wird es auch tun. Entweder assimilieren sie oder sie remigrieren. Also entweder passen sie sich total an. - Die Masse wird sich assimilieren. Und wie gesagt, es geht bei dir um 15 bis 25 Millionen Menschen. Nein, geht es nicht. - Ich habe es vorgelesen. Es geht um die nicht-integrationswilligen unter den 15 bis 25 Millionen. Und was du unter integrationsunwillig verstehst, habe ich auch gerade vorgelesen, dass sie entweder assimilieren. Nein, du hast hier aus zwei verschiedenen, nein, ist es nicht. Du hast hier auch aus zwei verschiedenen Kapiteln was zusammengestückelt. Das Interessante ist, dass deine Lesart dieses Textes überhaupt vor dir noch niemand gehabt hat. Und das Buch ist schon von vielen sehr kritisch gelesen worden. Das eine ist auch passiert auf Seite 47, das andere seit nur ein paar, zehn Seiten weiter. Das ist alles ein großes Kapitel. - Es geht um die nicht-integrationswilligen und nicht-integrationsfähigen unter den Menschen mit Migrationshintergrund. Das ist eine Teilmenge. Und ich gebe offen zu, wer nicht-integrationswillig und fähig ist, der sollte tatsächlich besser das Land verlassen. Und das tun wir nicht durch Zwang, sondern durch ökonomische Anreize. Und ein solcher ökonomischer Anreiz ist es, dass es in Zukunft Kombilohn, Stück Bürgergeld gibt. Funktioniert wunderbar. Wie gesagt, was du in der Integration verstehst, entweder assimilieren sich die Leute oder fliegen raus. 4:22:30 „Umvolkung“ https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=15750s Von Umvolkung sprichst du ja auch. Ist ja auch ein problematischer Begriff. Wirst du nicht... - Das ist ein sächsischer Lokalkolorit, weil wir hatten im Jahre 2016 eine CDU-Bundestagsabgeordnete, die hieß Bettina Kudler. Und die hat in Sachsen über Umvolkung gesprochen. Und in der Tat haben wir dann den genommen. Den nehme ich mittlerweile nicht mehr, weil der Begriff unnötig polarisiert. - Wer... Wen meinst du denn damit? Wer will denn da umvolken? Wer plant das? Ich hab das einmal erklärt. Ich hab gesagt, was ist Umvolkung? Hab ich per Tweet erklärt. Umvolkung ist, wenn aufgrund politischer Maßnahmen die Zusammensetzung einer Bevölkerung sich in kurzer Zeit massiv ändert. Nach der Definition klappt das, da aber der Begriff in der Tat zu hart klingt, verzichte ich auf ihn. Aber dass sich die Zusammensetzung, die demografische Zusammensetzung unserer Bevölkerung zur Zeit massiv aufgrund von politischen Entscheidungen ändert, das ist wohl evident. Denn wir haben eben eine massive Verschiebung der Zusammensetzung unserer Bevölkerung. Und das haben wir nicht als Folge von Naturkatastrophen, das haben wir als Folge von politischen Entscheidungen. Aber ich gebe zu, der Begriff ist unglücklich. - Weil der auch aus der NS-Zeit stimmt. - Nein, stammt er nicht. Doch. Umvolkung ist NS-Sprache. - Er ist, aber er stammt nicht aus der Zeit, ich habe gegoogelt. - Aber wer folgt denn um? Wer plant das, wer will das? Das habe ich noch nicht verstanden. - Ich sage auf der Basis von politischen Entscheidungen. Die Entscheidung, 2015 die Grenze aufzumachen und in einem Jahr eine Million Menschen nach Deutschland zu lassen, war eine Entscheidung von Frau Merkel. - Mhm. - Bundesregierung. Die hat die Grenzen nie aufgemacht. Die waren auf. Doch, sie hat sie, weil sie nach dem Dublin-3-Verordnung war für die Aufnahme das erste EU-Land an der Außengrenze zuständig. Und sie hat ein Selbsteintrittsrecht behauptet. - Waren die Grenzen offen oder nicht? Sie hat ein Selbsteintrittsrecht. - Waren die Grenzen offen oder nicht? - Sie muss sie zurückweisen. Ja, hat sie nicht gemacht. Das ist was anderes, als dass sie Grenzen öffnet. - Nein, sie hat ein Selbsteintrittsrecht in die Dublin-3-Verordnung positiv formuliert. Und das hätte sie nicht tun müssen. Die Dublin-3- Verordnung sah zu, dass die im ersten EU-Land bleiben müssen. Und sie hat gesagt, das akzeptieren wir nicht. Deutschland akzeptiert diese Leute, obwohl es dazu nicht verpflichtet ist. Und das ist Dublin-3. Und von daher ganz klar, das hat Frau Merkel zu verantworten. Die hat umgefolgt. Sie hat eine Million Leute hereingelassen, die hier nicht rechtlich zu suchen hatten. Da haben wir das eine. Willkommen, war zum Schluss. Hast du noch Kraft für Publikumsfragen? Ich hab... Ich muss zwar mal auf Toilette, aber bei allen ist ja egal. Wir sind die Antworten kürzer. Ich wollte gerade sagen, lass laufen. Das machen wir nicht. Nein, nein, nein. Wir sind ja hier live. 4:25:22 Menschenrechte https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=15922s Menschenrechte. Du forderst, dass es verschiedene Menschenrechte für verschiedene Menschen gibt. - Falsch. Falsch. Ich fordere... - Soll ich es vorlesen? Ja, ich weiß, was ich gesagt habe. Interpretation übersiehst du. Ich sage, die Menschenrechte sind allgemein anerkannt, aber die Auslegung und Interpretation soll dezentral erfolgen. Erkläre ich gern, warum. Du schreibst, es ist richtig, wenn die konkrete Ausformung der Menschenrechte nicht global einheitlich Konkrete Ausformung. Die konkrete Ausformung der Menschenrechte nicht global einheitlich. Global einheitlich, ein anderes Wort für universell. - Ja. Also der Menschenrechte nicht universell, sondern je nach Kulturkreis verschieden erfolgt. Du schreibst weiter, die politische Rechte muss aber nicht nur auf eine dezentrale Interpretation der Menschenrechte drängen. Menschenrechte sind nicht absolut, schreibst du. Dann schreibst du auch, das Konzept der reinen Menschenrechte hat für diese Einbettung keine Instrumente und wirkt daher potenziell destruktiv. - Ja. Das ist allgemein... Wir nehmen das an einem konkreten Beispiel. Ich rede von der Interpretation der Menschenrechte. Also, das ist, steht auch im Buch, dass es gewisse Menschenrechte gibt und dass die weltweit anerkannt ist, ist unstreitig. Wir reden ausschließlich, wie jeder Jurist, über die Grenzfälle. Beispiel? Gibt es ein Menschenrecht auf Abtreibung? Bitte. Ich stelle hier die Fragen und es gibt sowas nicht. Doch, in der französischen Verfassung gibt es das neuerdings. Wir reden jetzt aber über die Menschenrechte. Die kann ich vorlesen. - Genau. Es gibt es gibt mittlerweile NGOs, es gibt Auslegungen, die sagen, es gibt ein Menschenrecht auf Abtreibung. So, jetzt ist die Frage, wer entscheidet über die Grenzen der Menschenrechte? Wer entscheidet über die Konfliktfälle? Für Juristen ist nie der Regelfall entscheidend, sondern immer nur der Ausnahmefall. Das heißt, wir haben, die Abtreibung ist das ideale Beispiel. Wir haben auf der einen Seite Leute, die sagen, es gibt ein Menschenrecht auf Abtreibung als Ausfluss des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Das sagt die französische Nationalversammlung. Das hat bis vor einem oder zwei Jahren der US Supreme Court gesagt. - Mhm. - Auf der anderen Seite gibt es Leute, die sagen, nein, es gibt ein Recht auf Leben und das umfasst auch das Ungeborene. - Mhm. - Jetzt ist die große Frage, wer entscheidet diese Rechtsfrage? Global einheitlich oder dezentral? Nur darum geht es. Der Punkt ist nämlich, und das erlebe ich als Mitglied des Menschenrechtsausschusses, auch wenn ich dann Vertreter hinschicke, wir haben einige wenige globale Menschenrechts-NGOs. Wir haben Amnesty International, wir haben Human Rights Watch. Die arbeiten eng zusammen mit den Menschenrechtsausschüssen der Nationalen des Europäischen Parlaments. Das Ergebnis ist, dass sie ihre Agenda und ihre Auslegung in den Geschäftsgang einbringen und anschließend das Europäische Parlament per Resolution diese für weltweit verbindlich erklärt oder bestimmte Länder auffordert, sich an dieser Auslegung zu halten. Und was ich sage ist, ob es ein Recht auf Menschenrecht, ob es ein Recht auf Abtreibung oder ein Menschenrecht auf Leben für das Ungeborene gibt, soll in den USA der Supreme Court entscheiden. Es soll in Europa der Europäische Gerichtshof für Menschenrecht entscheiden. Das passiert auch, Maximilian. Das Supreme Court in Amerika hat gerade letztes Jahr... Ja, aber der Menschenrechtsdiskurs in den NGOs im Menschenrechtsausschuss sagt was anderes. Das meinst du aber nicht. Dir geht es um die konkreten Menschenrechte. Das ist die Auslegung, mit der ich tagtäglich als Mitglied dieses Ausschusses konfrontiert bin. Du bist Jurist, die Menschenrechte sind universell. Aber doch nicht die Interpretation. Unterscheide doch mal zwischen dem Text und der Auslegung im konkreten Einzelfall. Der Text ist universell, basta, aber die Anwendung auf den Einzelfall nicht. Und das Europäische Parlament in jeder Legislatur, in jeder Plenarsitzung hat drei Menschenrechtsresolutionen, wo es einen jeweils konkreten Einzelfall in einem Land nach seiner eigenen Auffassung der Menschenrechte problematisiert. Das heißt also, du entscheidest dann über den Fall des Arztes Dr. XY aus Aserbaidschan und seine Behandlung durch die aserbaidschanischen Behörden. Das haben wir jeden Monat auf der Tagesordnung. Und gegen diese Anmaßung, dass wir in Europa über die Anwendung der Menschenrechte in Aserbaidschan, in Indonesien, in Nigeria entscheiden, das halte ich für Neokolonialismus und dagegen wehre ich mich. Und jetzt unterhalte ich doch einfach mal mit einem Politiker aus dem globalen Süden. Diese Leute haben mittlerweile eine Verachtung und einen Hass gegenüber dem Westen, weil sie sich permanent bevormundet und geschulmeistert fühlen, weil sie sagen, "Jungs, die Menschenrechte wenden wir in unserem Land alleine an, hört auf, uns zu belehren." Und dieser Neoimperialismus, dass die Europäer den Aserbaidschanern, den Nigerianern, den Indonesiern vorschreiben, wie sie die Menschenrechte in ihrem Land anzuwenden haben, dagegen wehre ich mich. Und das mit gutem Recht. Nach der Logik verstößt die chinesische Regierung bei den Uigulen ja auch nicht gegen die Menschenrechte. Und das siehst du ja genauso interessanterweise. Nochmal, du sagst, es ist richtig, wenn es keine konkrete Ausformung der Menschen... - Konkrete Ausformung. - Das müssen wir mal kurz reden. Wenn es keine konkrete Ausformung der Menschenrechte, wenn die nicht global einheitlich ist. - Genau. - Du sagst, Menschenrechte sind nicht absolut und es geht um eine dezentrale Interpretation der Menschenrechte. Ich zitiere mal Artikel 1 unseres Grundgesetzes, Absatz 2, "Das deutsche Volk bekennt sich darum, zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft des Friedens und der Gerechtigkeit der Welt." - Ja, zu Menschenrechten, aber doch nicht zur Interpretation. Das Interpret... Schau, wir haben mittlerweile über 100 Bände Bundesverfassungsgerichtsentscheidungen. Das heißt, wir könnten diesen ganzen Raum mit den Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts pflanzen. - Du bist der Meinung, dass in China und in Deutschland unterschiedliche Interpretationen Artikel 1 der Menschenrechte geben kann. - Nein, aber zum Beispiel in Deutschland und den USA. - Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste... Du bist der Meinung, dass das nicht ein absoluter Menschenrechtsartikel ist. - Ja, aber ich bin der Meinung, dass zum Beispiel über die Frage der Zulässigkeit der Todesstrafe man in Europa europäischer Gerichtshof für Menschenrechte sagt, ist Menschenrechtsverstoß. Ganz klar. Sehe ich übrigens genauso. - Ja, das ist doch die Realität. - Aber Moment, Moment. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben das Recht zu erklären, nach unserer Verständnis der Menschenrechte verstößt die Todesstrafe nicht gegen die Menschenrechte. Und Europa hat das Recht zu sagen, nach unserer Meinung, verstößt es nicht gegen die Menschenrechte. Und jetzt ist die Frage, muss es zu dieser Streitfrage eine global einheitliche Antwort geben? - Die niemand fordert? - Doch! - Wer fordert das denn? Irgendwelche NGOs? - Der Menschenrechtsausschuss des Europäischen Parlamentes in jeder Plenarsitzung dreimal. Und da bin ich Mitglied. Da bin ich Mitglied. Und deshalb kann ich aus meiner leidvollen Praxis sehr wohl sagen, dass ich die Praxis des Europäischen Parlamentes mit drei Menschenrechtsresolutionen global pro Plenarsitzung für völligen Unsinn, für neokolonialistisch und für europäisch anmaßend halte. Das sage ich auch weiterhin. Das sollte man halt nur richtig verstehen. - Aber wie gesagt, Artikel 1, Absatz 2, ich verstehe nicht, wie... - Weil du den Unterschied zwischen den Rechten und der Auslegung nicht kannst. Nach deiner Logik reicht ja der Gesetzestext des Grundgesetzes aus. Und dann stellt sich ja die Frage, warum brauchen wir über 100 Bände Entscheidungssammlung des Bundesverfassungsgerichts, wenn eh alles drinsteht. Der Text der Menschenrechte ist von mir völlig unbestritten. Steht auch im Buch. Es geht aber um die über 100 Bände, die wir dann weltweit anwenden. - Wir kommen zum Schluss. - Ja. Schade. - Ah. Ich weiß nicht, wie viel Fragen Hans noch mit dabei hat. 4:33:27 Vorfahren & Verbrecher https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=16407s Ähm. Mit den Vorfahren. Wie weit gehst du eigentlich zurück bei unseren Vorfahren? - So weit man Lust hat, sich damit zu beschäftigen? - Wie weit gehst du denn zurück? - Ich weiß, dass die Vorfahren, wenn es dann unkonkret wird, alle aus Kamenz und Sachsen, also die Kras kommen aus Kamenz und Sachsen und waren da in der Regel Handwerker und so Kleinstadt-Patrizia. - Ich hatte Kras irgendwie in den Niederländischen verordnet bei meiner Recherche. - Nein, das waren die Öltjenbruns. - Das ist so ein ethnischer Holland. - Mittlerlicherseits waren die Öltjenbruns aus Oldenburg und aus den Niederlanden. Dann mittlerlicherseits auf der anderen Seite Kurenz war Sachsen und teilweise war ein bisschen Oberschlesien und bei den Kras haben wir Sachsen. - Schließt man dazu, dass unsere Vorfahren keine Verbrecher waren? - In der Generalität glaube ich, dass wir sagen sollten, unsere Vorfahren waren keine Verbrecher, weil Verbrechen ein individuelles Fehlverhalten ist und wenn wir also einen allgemeinen Satz aufstellen, sollten wir dazu bekennen, dass in der Allgemeinheit und damit typisch unsere Vorfahren keine Verbrecher waren. - Waren unsere Vorfahren, die im Dritten Reich gelebt haben? Die Nazis? - Nur diejenigen, die sich individuell schuldig gemacht haben. - Nicht der Rest? - Der Rest nicht. - Was haben die? Haben die keine Schuld? - Nein. Schuld ist individuell. Du musst individuell ein Verbrechen begangen haben. Wenn du 1928 geboren wurdest und du bist anschließend 1943 als Kanonenfutter eingezogen worden und hast es geschafft, den Krieg irgendwie zu überleben als, weiß ich, Lastkraftwagenfahrer oder Kanonenputzer, dann bist du nicht schuldig. Und als Recht kein Verbrecher. - Aber ohne das deutsche Volk hätten die Nazis nicht an die Macht gekommen. - Es gibt keine Kollektivschuld. - Du sagst auch, wenn du wieder entdeckst, also hast du es in TikTok-Followern gesagt, wenn du wieder entdeckst, was deine Vorfahren alles getan haben, dann wirst du auch dich aufrichten können und musst keine Angst mehr haben. - Genau. Weil wir zurzeit Menschen haben, die überhaupt keine Wurzeln haben. Junge Leute heute wissen, dass die Zukunft für sie hart wird. Und sie wissen, dass die Erfahrungen ihrer Lehrer und Eltern sie nicht befähigen, in dieser Zukunft zu bestehen. Das heißt, das, was wir diesen jungen Leuten geben müssen, ist Selbstvertrauen und ein Bekenntnis zu sich selbst. Entdecke, wer du bist. Und um zu entdecken, wer du bist, ist es immer ganz gut, sich zu überlegen, wer waren eigentlich Oma, Opa, Uroma, Uropa? Das heißt, dass du eine Vorstellung von dem hast, wo du herkommst. Und genau diese Idee, eine Vorstellung von dem zu haben, wo du herkommst, das richtet auf, das macht stark, das macht fit für die Kämpfe der Zukunft. - Was mit deinen Vorfahren? - Ja, mein Großvater, der jetzt neuerdings als NSDAP-Mitglied enttarnt wurde, was ich nicht wusste, hat ein sehr bewegtes Leben, das offenbar einen dunklen Fleck hat. Mein Großvater hat als Frontarzt im Ersten Weltkrieg hunderten Menschen das Leben gerettet. Er war anschließend Kassenarzt mit großem Ansehen. Er ist '45 vertrieben worden, hat nochmal eine Kassenarztpraxis in Sachsen aufgebaut. Noch heute kommen zu meinen Wahlkampfveranstaltungen ältere Leute und sagen, "Oh, ihr Großvater war mein Kinderarzt" und ist dann relativ früh am Herzinfarkt gestorben. Er war nebenbei noch Vater von sieben Kindern. Also ein solches Leben in der Tiefe, in der Reichhaltigkeit, ja, hat seinen dunklen Fleck gehabt. Aber man vergleiche doch mal ein derartig gelebtes, intensives Leben mit Höhen, mit Tiefen, mit Enttäuschungen. Er war verwitwet zwischendurch. Mal mit irgendeinem so banalen Leben irgendein ZDF-Journalisten, der meinem Großvater jetzt posthum ans Bein pissen will. Völlig lächerlich. Mein Großvater war ein großer Mann. - Als du letztes Mal nach deinem Großvater gefragt wurdest, hast du gesagt, er war nicht in der NSDAP. - Weil das die Story ist, die der sich mit Familien Forschung betreffende Onkel mir mal gesagt hat. - Dein Opa war kein Verbrecher? - Nein. - Also man kann im Bundesarchiv nachgucken. Er hat eine NSDAP-Mitgliedsnummer. - Das hatten acht Millionen Deutsche. - Er war nicht nur Arzt, er war auch in der Hitlerjugend als Arsch. - Er hat die Hitlerjugend betreut, wenn ihm was passiert ist offensichtlich. - Er war als Arzt bei der Hitlerjugend engagiert, kann man im Bundesarchiv nachgucken. Und dort wird ihm auch bescheinigt, überhaupt aktiv im Sinne der Bewegung sich betätigt zu haben. - Das reicht aus, dass er Hitlerjungen behandelt hat, um sich aktiv im Sinne der Bewegung betätigt zu haben. Im Übrigen, stell dir vor, du hast... - Das heißt, er war Nazi. - Nein, er war kein Nazi. - Er war in der NSDAP. - Und hat Hitlerjungen behandelt. - Er war in der NSDAP. - Er war ein Nazi. - Es waren 8,5 Millionen Leute, nein, war er nicht. Wenn 8 Millionen Leute da Mitglied sind, müssen sie nicht Nazi sein. Sie können auch aus irgendwelchen Schwachsinnsgründen Mitglied gewesen sein. 8,5 Millionen Deutsche waren... - Du willst mir sagen, dass NSDAP-Mitglieder keine Nazis waren? - Nicht zwingend. Es gibt ganz einfache Mitglieder, die waren da halt Mitglied. Wenn du keinen Job hast, wenn du kein Funktionär warst, wenn du nicht in der SS warst, wenn du einfach Mitglied warst, warst du nicht automatisch ein Nazi. Du bist ein Nazi, wenn du eine Funktion übernimmst, wenn du... - Wenn du Hitlerjucht. - Wenn du ein Redner bist, wenn du vorangehst. Du kannst doch nicht spontan und pauschal 8,5 Millionen Deutsche einfach abwerten in dieser Generation. Mein Großvater hat extrem viele Menschen das Leben gerettet. Er war ein Arzt. Stell dir vor, du bist ein Arzt und hilfst verwundeten Wehrmachtsoldaten. Hast du dich auch nach der damaligen Diktion aktiv im Sinne der Bewegung eingesetzt? Du bist trotzdem kein Nazi. - Wenn ich in der NSDAP gewesen wäre... - Hans-Dietrich Genscher war in der NSDAP. Es war Helmut Schmidt, wenn ich richtig in Erinnerung habe, auch und war noch Wehrmachtsoffizier. - Ich weiß aber nicht, ob die sehr aktiv im Sinne der Szene gehandelt haben. - Hans-Dietrich Genscher war in der NSDAP. Verbrecher? Günther Gras war SS-Mann. - Dein Opa schon. - Günther Gras war SS-Mann. Walter Jentz war in der NSDAP. Die ganze linksliberale Schickeria der frühen Bundesrepublik war in der NSDAP. - Das geht ja nur darum... - Waren das alles Verbrecher? Nein, waren sie nicht. Waren sie nicht. - Dein Opa offensichtlich schon. - Nein, waren sie nicht. - Was ist mit den anderen? - Das bitte ich mir. Mein Großvater war Arzt. Er hatte keine Funktion in der Partei. Mein Großvater hat kein einziges Verbrechen begangen. Er hat Menschen behandelt. Mein Großvater war kein Verbrecher. - Du hast letztes Mal noch nicht mal gewusst, dass er in der NSDAP war. Und jetzt bist du dir hier auch so sicher? - Ja, bin ich, weil ich die Unterlagen gelesen habe. Er hatte kein Amt in der NSDAP. - Was ist mit den anderen Großeltern? Auch sicher, dass da keiner vorfahren ist? - Das kann ich verständlich. Mein anderer Großvater war Kriegsgefangener in Italien. - Zum Schluss, Hans kommt jetzt mit euren Fragen. Keine Ahnung, was ihr da jetzt in den letzten Stunden für Maximilian gesammelt habt. 4:39:49 Ermordung von Walter Lübcke https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=16789s Ich habe noch mal eine kurze letzte Frage. Du hast... Du hast es wahrscheinlich mitbekommen. Am 1. Juni 2019 wurde Walter Lübcke erschossen. - Das war der Regierungspräsident von Kassel. - Richtig. CDU von Stephan Ernst. Das war spätabends um 23.20 Uhr. Laut Polizeigangaben wurde er erschossen. Weißt du, wo du an dem Tag warst? - Nein. - Du warst auf einem Parteitag in Sachsen. Hast da nachmittags eine Rede gehalten. Weißt du noch, was du da erzählt hast? - Das war im Schützenhaus in Lommatsch. - Ja. - Genau. Da habe ich passend zum Schützenhaus gesagt... Was habe ich da gesagt? Wenn wir ein gutes Wahlergebnis haben, dann ist der Weg freigeschossen dafür, dass wir auch in Sachsen an die Regierung kommen. - Du hast gesagt, wir schießen den Weg frei. - Das ist ein falsches Zitat, was ich richtig in Erinnerung habe. Das Anwesen des Journalisten, das habe ich so nicht gesagt. Der hat das nur wiedergegeben. Da gibt es auch Videoaufnahmen, dass das so nicht gefallen ist. Abgesehen davon... - Habe ich jetzt in den letzten 5 Jahren eine Korrektur nicht gesehen. - Habe ich auch nicht gemacht. - Das Zitat, was ich gefunden habe, ist "Wir schießen den Weg frei. Es gibt nur uns. Ansonsten geht alles den Bach runter." - Das Zitat habe ich so wirklich nicht gesagt. Ich habe gesagt, wir sind hier im Schützenhaus. Es geht darum, bei der Europawahl den Weg freizuschießen dafür, dass wir bei der Landtagswahl in Sachsen klar stärkste Kraft werden. - Was hast du gedacht, nachdem du mitbekommen hast, dass Walter Lübcke ermordet wurde? - Ich habe sicherlich nicht diesen idiotischen Zusammenhang gesehen. - Was hast du aber gedacht, als Walter Lübcke erschossen wurde? - Ich bin gegen jede Form von Extremismus. Wer Gewalt, gar tödliche Gewalt, zur Erreichung irgendwelcher politischen Ziele einsetzt, dessen Gegner bin ich. - Was hast du gefühlt, als du gehört hast? Du warst selber in der CDU, dass Walter Lübcke erschossen wurde. - Ich bin ein Gegner jeder politischen Gewalt. Aber ich kann es auch nicht sagen, dass, als ich das gehört habe, außer meiner tiefen Verachtung und meinem Erschrecken, ich jetzt irgendwie plötzlich gedacht habe... - Ich habe keine Trauermitteilung oder irgendwie... - Ja, also bitte. Dass ich jetzt, weil ich jetzt nicht irgendwie einen großen Traueraussatz schreibe, ich in irgendeiner Form diesen Mordgut heiße, ist ja nun wirklich absurd. Es gibt keine Verpflichtung, aufs vierte Traueraussatz von Walter Lübcke zu schreiben. Ich lehne und das ist nun wirklich glaubwürdig, habe ich immer so gehalten, jede politische Gewalt rundherum ab. Das weiß auch jeder. Aber das heißt ja jetzt nicht, dass wenn irgendwo politische Gewalt ausgeübt wird, ich sofort rufen muss, ich bin furchtbar betroffen. Also solche Zwangsgesten, solche Zwangsgesten, an denen beteilige ich mich schon aus Rebellentum nicht. - Ich wollte in keinster Weise gerade suggerieren, dass du an dem Mord beteiligt warst. - Nein, ich muss auch keine zwangsweise irgendwelche Konsonanzbekundungen abgeben. Was ich aber in dem Zusammenhang interessant fand, du hast 2017, also zwei Jahre vor dem Mord an Lübcke Männer vertreten, die 2016 vor einer Kaufhalle im sächsischen Arnsdorf einen irakischen Flüchtling an einem Baum gefesselt hatten. Da gab es einen Prozess gegen diese Männer. - Die sind dann ins Verfahrens eingestellt worden. - Kurz vor Prozessbeginn wurde wichtigste Zeuge, nämlich dieses Opfer, der Iraker, tot im Wald gefunden. Weißt du noch, mit wem du damals die Männer verteidigt hast? Mit Frank Hannich. Wer war Frank Hannich? Ein Rechtsanwalt aus Dresden. Wen hat Frank Hannich später verteidigt? Weiß ich ja nicht, wen er später verteidigt hat. Walter Lübckes Mörder. - Ja gut. Stefan Ernst. - Da kann ich ja nun 2017 in die Zukunft schauen. Frank Hannich war ein in Dresden bekannter Strafverteidiger. Und einen Rechtsanwalt vorzuwerfen, welche Mandanten er hat, ist völlig lächerlich. Jeder Angeklagte... Hab ich dir das gerade vorgeworfen? Jeder Angeklagte hat ein Recht auf einen Anwalt. Ich hab diese Männer in Arnsdorf gern vertreten. Übrigens, das war ein CDU-Gemeinderat. Ich war noch CDU-Mitglied. Den Prozess natürlich gewonnen. Es war eine klare Notwehrhandlung. Die Männer durften das. Der Hauptzeuge wurde getötet. Die Männer durften das. Ohne jede Frage. Das war ganz klar vom Gesetz gedeckt. Das heißt, es war legal. Ich hab sie gut vertreten. Sie sind freigekommen, ohne dass irgendeine Blasur an ihnen hängen geblieben ist. Frank Hannig, dass Frank Hannig zwei Jahre später den Mörder von Walter Lübcke verteidigt... Ich bin leider niemand, der hellsärisch begabt ist und weiß, wen Frank Hannig zwei Jahre später vertreten hat. Hätte mich im Übrigen auch nicht interessiert, weil es der Job eines jeden guten Anwalts ist. Straftäter zu vertreten. Man könnte auch sagen, Frank Hannig verteidigt gerne Rechtsextreme. Das weiß ich nicht. Frank Hannig vertritt gerne Straftäter. Deshalb ist er Strafverteidiger. Maximilian, vielen Dank für deine Zeit. - Gerne. Willst du kurz auf Klo? Bevor Hans die Zuschauerfragen macht. Das ist leichter, aber hier etwas entspannter. Gut. Dann machen wir hier kurz eine Pinkelpause, sind in ein paar Minuten wieder da. * Musik * * Musik * * Musik * * Musik * * Musik * * Musik * * Musik * [zucker zucker] [dramatischer Box- loop] "Okay Hans guckt ab." 4:47:59 Hans mit Publikumsfragen https://www.youtube.com/watch?v=BuMZzfDUOf8&t=17279s "So, wir sind wieder da. Du bist auch da." "Ich bin auch da." "Entspannt?" "Sehr entspannt." "Gut, dieses bisherige Gespräch hat in mehrfacher Hinsicht jetzt schon Rekorde aufgestellt. Erstens, es ist jetzt schon das längste, was je in diesem Format geführt wurde. Zum Zweiten, die Zahl der Menschen, die es im Stream gesehen und sich beteiligt haben, ist glaube ich auch vorher noch nie erreicht worden. Du polarisierst, das wird dich nicht wundern." "Das ist beabsichtigt." "Das denke ich mir auch. Und die beiden Pole sind auf der einen Seite, das wird dich auch nicht wundern, es gibt eine große Zahl, wie nennt man die? Kravijana. Also ich will jetzt nicht sagen Krawallisten, nein Menschen, die sagen "Bester Mann, er zerlegt den Tilo" und so weiter. Und dann gibt es den anderen Pole, die sagen, je länger er redet, desto mehr demontiert er sich eigentlich selbst. Er ist ein großer Schwurbler vor dem Herrn. Das sind die beiden Pole und dazwischen bewegte sich dann sehr viel. So, ich habe Fragen, die gestellt worden sind, rausgesucht. Alle können wir gar nicht machen, ist ja völlig unmöglich. Ich möchte anknüpfen an einem Punkt, den ihr zuletzt besprochen hattet, wo du sehr hochemotional warst, als es um deinen Großvater ging. Du hast gesagt, ja der war NSDAP Mitglied, aber er war kein Nazi. NSDAP heißt Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Und die Abkürzung für Menschen, die in dieser Partei waren, war Nazi. War PG. Nein, nein, nein. Es war ein Nazi. Wer in der SPD Mitglied ist, Sozialdemokratische Partei Deutschlands, ist ein Sozi. Warum wehrst du dich so sehr dagegen, dass das, wofür der Begriff steht, Nazi, Nationalsozialist, warum wehrst du dich so sehr dagegen, diese Bezeichnung für deinen Großvater zu akzeptieren? Ich würde nicht sagen, dass jeder, der in der DDR SED Mitglied war, Kommunist war. Sondern in einem totalitären System mit einer dominierenden Staatspartei gibt es sehr, sehr viele Gründe, dieser Partei beizutreten. Im Fall meines Großvaters weiß ich das jetzt nicht, aus dem ganz einfachen Grund, weil ich ja bislang von meinem Onkel noch nicht mal informiert war, dass er überhaupt dabei war. Aber ich weiß aus der DDR, dass man durchaus aus ganz verschiedenen Gründen in die SED gehen konnte, ohne dass man Kommunist war. Das ist in all diesen totalitären Systemen der Fall. Das heißt, ich muss mich jetzt auf das verlassen, was mir von meinem Vater und so weiter übermittelt wurde und auch was sich aus der Akte ergibt. Danach hat er einen Antrag gestellt auf Mitgliedschaft in der Partei im Jahre 1933. Danach ist er umgezogen und die Karte ist nicht zugestellt worden. Hat er vier Jahre gar nichts gemacht. Dann ist er 37, hat er nochmal einen Antrag gestellt. Wir werden jetzt mal rauskriegen, ob er vielleicht gefragt wurde, wollen sie nicht einen Antrag stellen und so weiter, ist auch egal. Er hatte kein Parteiamt inne, noch nicht mal das allerkleinste. Das würde sich nämlich aus den Unterlagen, die das Spiegel abgedruckt hat, ergeben. Das heißt also, der war ein passives Mitglied und hat als Arzt die Hitlerjugend und die Jungs betreut. Das beides allein reicht mir auch im Hinblick auf das, was mir aus der Familie berichtet wurde, nicht aus, um zu sagen, er war jetzt innerlich von der Ideologie des Nationalsozialismus überzeugt. Und für mich ist ein Nazi jemand, der von der Ideologie überzeugt ist, unabhängig davon, ob er jetzt Mitglied war oder nicht. Maximilian, du hast eben gesagt, man weiß es nicht. Genau. Und wenn du es nicht weißt, dann kannst du aber auch nicht sagen, er war es nicht. Ja, aber wir haben ja die Familiengeschichten. Ja, ja, ja, aber da bin ich jetzt bitte dann auch mal präzise. Die sehr dominant vorgetragene These, er war es nicht, er war kein Nazi, die transportiert ein Wissen, das du aber gar nicht haben kannst. Gut, dann kaufe ich den Punkt und einigen wir uns darauf, wir wissen es nicht. Gut. Dann, weil du mehrfach gesagt hast, ich habe Jura studiert, promoviert, gab es die Frage, du bist aber kein Anwalt mehr. Na, da habe ich Druck gegeben. Ja, warum? Na ja, jetzt bin ich Spitzenkandidat. Wenn ich jetzt einen Fall übernehmen würde, was wäre dann die Message? Der Fall oder der Rechtsanwalt? Also ich kann ja nur jedem Mandanten im Hinblick auf meine jetzt eingetretene Popularität, auch auf mein Provokationspotenzial davor warnen, sich von mir vertreten zu lassen. Denn ein Anwalt soll ja den Fall vertreten und nicht er selbst die Message sein. Wenn ich jetzt irgendwo von einem Landgericht auftreten würde, dann wäre die Message, der Anwalt ist der Dr. K. Das ist letztlich einer ehrlichen und seriösen Sachbearbeitung nicht zuträglich. Ist es zutreffend, dass es aber bei der zuständigen Anwaltskammer ein Verfahren gegen dich gab, solange du noch Anwalt warst? Das habe ich abgewartet und die haben der Kanzlei mitgeteilt, dass gegen die Art und Weise, wie ich meine Kanzlei ist, es halt keine Bedenken bestehen. Und dann habe ich Druck gegeben. Nach dem, was ich gelesen habe, war es so, dass die zuständige Anwaltskammer gesagt hat, wir haben geprüft, wir sind auch zu einem Bescheid gekommen, den veröffentlichen wir aber nicht. Der Bescheid, der meinem Freund, dessen Kanzlei es gegen mitgeteilt wurde, war, es ist in Ordnung. Gut, dann das wäre jetzt sozusagen gegenüber der verfügbaren Quellenlage neue Information. Vielen Dank für die Aufklärung. Einer der Punkte, über die ihr zuletzt im Gespräch, geht teilweise rückwärts vor, weil das noch besser ähnlich ist, die Frage der Freiwilligkeit von Remigration. Da wurde gefragt, wo fängt denn dann eigentlich der freie Wille an, wenn, und das ist ja das, was du angedeutet hast, wenn man Anreize setzt für Ausreise oder Rückkehr. Man kann auch sagen, wenn man es den Leuten hier unangenehm macht. Das habe ich nicht gesagt, ich habe von Anreizen. Ja, ja, ja, aber die Anreize können unterschiedlicher Art sein. Es kann auch ein Anreiz sein, dass man sagt, lustig wird das jetzt für dich nicht. Das ist nicht mein Ziel. Sondern? Wie sehen die positiven Anreize in dem Fall aus? Ich sage dir, ich möchte für alle, und zwar unabhängig von der Staatsangehörigkeit, umstellen von Bürgergeld auf Kombilohn. Das ist für viele nicht attraktiv. Ein Anreiz kann zum Beispiel sein, nehmen wir Syrien. Wir haben zur Zeit Sanktionen gegen Syrien. Ich würde sofort die Sanktionen aufheben und würde, ich weiß, dass Assad ein schlimmer Mensch ist, aber er regiert nun mal. Ich würde ein Investitionsschutzabkommen für deutsche Investitionen in Syrien machen. Das heißt, deutsche Unternehmen könnten in Syrien investieren und ihre Investitionen wären geschützt. Und ihre Gewinne könnten sich steuerprivilegiert nach Deutschland zurückführen. Dann würde sofort in Syrien Wirtschaftsaufschwung entstehen und deutsche Unternehmen würden Arbeitskräfte suchen, die a) in Syrien vertraut sind, die aber b) ein bisschen deutsche Sprache können und deutsche Mentalität haben. Maximilian. Das heißt, das sind solche Sachen, die bei manchen kommen. Maximilian, die Menschen, die hier als syrische Flüchtlinge sind, sind in aller Regel politische Flüchtlinge. Sie sind geflohen vor den Drangsalierung und Verfolgung eines Systems. Du sagst jetzt, ja Assad ist schlimm, aber er regiert nun mal. Dann machen wir ein Abkommen. Was soll Menschen dazu bringen, selbst wenn da ein deutscher Unternehmer investiert, zu sagen, ja dann gehen wir wieder zurück in das System, vor dem wir geflohen sind. Das ist doch inhuman und unrealistisch. Erstens ist es nicht inhuman und unrealistisch, was ein Angebot ist. Und das zweite ist, wir haben ja eine relativ hohe Zahl, auch von syrischen Flüchtlingen, die zum Beispiel Urlaub in Syrien zur Zeit machen. Also wir wissen ja, dass es Urlaube gibt in Syrien. Wie groß ist der Anteil? Die Flüchtlinge, die wir haben. Wie groß ist der Anteil? Da habe ich jetzt die Zahl nicht parat. Aber Moment. Die meisten Syrer, die in Deutschland Schutz gefunden haben, haben ja nicht Asyl erhalten, sondern sekundären Schutz nach der Reinflucht. Das heißt, das sind Kriegsflüchtlinge. Die sind nicht geflohen, weil sie individuell verfolgt wurden, sondern sie sind geflohen, weil man ihnen die Wohnung weggebombt hat. Wer man aber die Wohnung weggebombt hat, der ist nicht zwingend aus politischen Gründen gekommen. Und der überlegt sich sehr wohl, bleibe ich jetzt in Deutschland, wo ich vielleicht nur eine gering qualifizierte Tätigkeit habe und wo ich auch nicht heimisch bin, wo es einfach anders ist, oder nehme ich das Angebot an, in meine alte Heimat zurückzukommen, als jemand, der es zu was gebracht hat. Das sollte man versuchen. Ja, aber auch da die Frage. Also der größte Teil der syrischen Flüchtlinge sind Binnenflüchtlinge, immer noch. Und einige schaffen es dann über die Grenze nach Libanon, Türkei, Jordanien. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Und die, die dann hierher kommen, in aller Regel sind das Menschen, die auch vor den Drangsalierungen, ich war in der Gegend, ich war in Flüchtlingslagern, ich habe mit Menschen da gesprochen, die vor den Drangsalierungen des Systems fliehen. Das, was du jetzt beschreibst als Angebot, ist faktisch eine Stabilisierung, mindestens auch eine Stabilisierung eines diktatorischen Systems, das du eigentlich als schlecht bezeichnest. Das nenne ich inhuman. Ja, aber glaubst du denn wirklich, dass du den Menschen in Syrien hilfst, wenn du ein Land, das ohnehin ausgebombt ist und vom Krieg gezerrt, jetzt noch über Jahre hinweg mit Sanktionen in der Armut hälst? Ich finde, nochmal, Politik ist oft die Wahl zwischen zwei Übeln. Die Frage ist, was ist das Schlimmere? Ist es schlimmer zu sagen, ja, wir haben da ein Regime, das wir nicht mögen, aber da leben Millionen Menschen und wir finden es nicht korrekt, dass die jetzt über Jahre weiter in bitterer Armut leben, in der Hoffnung, dass sie irgendwann wieder eine Revolte machen, die wieder blutig sein wird, oder sagen wir... Ihr habt vorhin über Südafrika gesprochen. Das Apartheid-System dort wurde auch überwunden durch Sanktionen, auch aus Deutschland. Unter diesen Sanktionen haben auch Schwarz-Afrikaner gelitten, objektiv und materiell. Und dennoch haben sie sich anschließend dafür bedankt und haben gesagt, das war nötig, um dieses System zu überwinden. Ich glaube nicht, dass das Assad-Regime sich durch Sanktionen überwinden lässt. Das hat bei Saddam Hussein auch nicht geklappt. Wir haben halt nur sehr viel Tote produziert. Das heißt, diese Länder, solche Regime werden überwunden durch Entwicklung, weil eine souveräne, stolze, selbstbewusste Bourgeoisie entsteht, die dann solche letztlich archaischen Diktatoren überwinden. Diese Bourgeoisie kann eben zum Teil auch, auch das haben wir historisch erlebt, im Exil entstehen. Also das, was du forderst, wird unter Umständen geschaffen dadurch, dass Syrer hier auch zivilgesellschaftliche Fähigkeiten entwickeln, die du ihnen aber nimmst, wenn du sagst, geht mal lieber wieder zurück. Sie entscheiden ja selbstständig, ich würde ja niemanden abschieben. Ja, aber zu sagen "you are not welcome" und das ist ein Signal, das man damit sendet, das schränkt dann doch oder ja, das relativiert den Begriff der Freiwilligkeit. In dem Zusammenhang gab es die Frage, weil du ja sagtest, die nicht-Integrationswilligen, denen sollte man dann doch die Remigration nahelegen. Wer entscheidet anhand von welchen Kriterien, was integrationswillig ist? Na zum Beispiel die Strafrichter. Also wer strafrechtlich auffällt und das vielleicht wiederholt, der würde ich schon sagen, da hapert es so ein bisschen mit der Integrationswilligkeit. Aber Integration ist doch kein juristischer Sachverhalt. Nein, ein Beispiel wäre auch die Frage der Sprache. Also wer nach fünf Jahren partout kein Deutsch kann, würde ich schon sagen, da muss man fragen, ob der überhaupt ankommen möchte. Wir haben vor kurzem, das ist jetzt ein Fall, ich bin jemand, der sagt "Finger weg von Staatsangehörigen", aber wir haben vor kurzem in Berlin einen Prozess gehabt gegen einen, ich glaube 19-jährigen deutschen Staatsangehörigen, der musste mit Dolmetscher geführt werden. Also wenn das jetzt nach fünf Jahren noch mit einem nichtdeutschen Staatsangehörigen passiert, würde ich schon sagen, da fehlt es an der Integrationswilligkeit. Aber die andere ist ein wichtiger Aspekt. Mit Sicherheit ist das so, deswegen wird die Frage des Spracherwerbs, auch bei allen, die sich ernsthaft um Integration, und zwar nicht nur in Form eines assimilativen Anpressungsprozesses, sondern als Wechselweise Verzahnung beschäftigen, wie gesagt Spracherwerb, ganz wichtige Kulturtechnik. Aber nochmal, wir haben ja keine Institutionen, die Integrationswilligkeit feststellen könnten, und damit wird dieses Kriterium zu einem politisch beliebig Anwendbaren. Und das ist die Problematik. Also nochmal, die Frage, wir haben ja nun seit 2015 sicherlich, manche sind auch wieder gegangen, ungefähr zehn Millionen Menschen gehabt, die einmal in dieses Land gekommen sind, vielleicht sind einige gegangen, aber die einfach da sind. Dass nicht jeder von den zehn Millionen bleiben kann, zumindest dann nicht, wenn er nach Jahren immer noch nicht imstande ist, seinen Lebensunterhalt wenigstens teilweise selbst zu verdienen, wenn er die Sprache noch nicht kann, wenn er es nicht hinkriegt, sich den Gesetzen entsprechend zu verhalten. Ich glaube, das ist etwas, das zumindest von der Mitte bis rechts allgemein anerkannt ist. Da müssen wir uns auch die Frage stellen, wie wir diejenigen, die partout hier nicht ankommen, ob es nicht auch in deren Interesse ist, dass sie zurückgehen. Denn wenn jemand partout nicht ankommt… Gibt es bei Integration auch eine Bringschuld der, sagen wir, Gastnation? Ja, das tun wir doch. Wie viel Geld geben wir denn aus? Wir bauen Wohnungen, wir bauen Flüchtlingsheime, wir bieten Sprachkurse an, wir erlauben Zugang zum Sozialsystem. Nehmen wir ein Beispiel, was weniger emotional ist, die Ukrainer. In Polen, wo es deutlich weniger Bringschuld gibt, ist der Anteil der Ukrainer, die sozialversicherungspflichtig arbeiten, bei ungefähr 75 Prozent. Bei uns ist er, glaube ich, bei 35, 40 Prozent. Da sieht man doch, dass es offenbar auch anders geht. Und es sind ja keine anderen Ukrainer, die in Polen gelandet sind, als in Deutschland. Von daher meine ich schon… Und Polen bietet deutlich weniger als Deutschland. Ja, aber sowohl die sprachlichen Unterschiede zwischen Ukrainern und Polen sind wesentlich geringer. Das heißt, für Ukrainer sind die Barrieren, um in ein Arbeitsverhältnis reinzukommen, deutlich geringer als hier. Deswegen finde ich, das darf man, wenn man diese Bedingungen mit berücksichtigt, gar nicht so vergleichen, wie du es machst. Weil wir die Zahlen ja auch aus Belgien haben. Da ist es zwar nicht so hoch wie in Polen, aber es ist höher als in Deutschland. Das zweite ist eben, wir müssen doch zur Kenntnis nehmen, dass manche der Angebote, die wir machen, kontraproduktiv sind. Ich habe vor kurzem mich mit einem Gastwirt aus Magdeburg unterhalten. Der Kellner sucht. Und dann sagte er, er hatte auch Ukrainerinnen, die sind zu ihm gekommen, haben sich beworben. Dann haben sie aber gesagt, pass auf, wir machen es nur schwarz für, ich glaube, 12 Euro die Stunde. Jetzt hat er gesagt, die 12 Euro die Stunde, die hat er locker bezahlt, aber nicht schwarz, weil sie nebenbei noch Bürgergeld abgreifen. Wie viele Fälle sind das? Wenn ich mir allein anschaue, den Flixbus-Fahrplan von Berlin nach Kiew, dann habe ich ja pro Tag, wie viele Busse, die da hin und her fahren. Also nochmal, Friedrich Merz ist ja ein Meister des Fettnäpfchens. Ja, dein Vorbild? Aber ich weiß nicht, ob ich so viel Fett, ich provoziere schon absichtlich und nicht zufällig. Aber wenn wir das Gesamtbild sehen, wir haben diese vielen Flixbusse, woraufhin er sagte, Sozialtourismus. Wir haben die niedrige Quote der sozialversicherungspflichtig Arbeiten in den Ukrainern. Wir haben die hohe Quote der Bürgergeldempfänger. Ja, es fehlt dazu die objektive Studie. Aber die Indizien, die wir haben, zeichnen ein Bild, dass wir Fehler machen. Ja, der größte Fehler liegt, glaube ich, darin, der auch am einfachsten eigentlich heilbar wäre, wenn Herr Putin den Angriffskrieg beenden würde. Ja klar, aber das macht er ja nicht. Das tut er nicht. Das nehmen wir dann auch so hin. Andere Frage, weil ihr über England gesprochen habt, die Entwicklung der Ökonomie post Brexit. Da hattest du gesagt, es geht der englischen Ökonomie der Wirtschaft besser. Es gibt ein gemischtes Bild, das mir bekannt. Aber ich bin jetzt einfach mal nach den Wachstumsraten, GDP-Vergleich Großbritannien in Deutschland gegangen. Ja, und ich zitiere, mehrere Follower im Stream haben das angemerkt, Cambridge Economics ist eine aktuelle Untersuchung aus 2024. Das Beschäftigungsniveau wird bis zum Jahr 2035 um drei Millionen Menschen sinken und die Investitionen, die inländischen Investitionen in Großbritannien werden um ein Drittel sinken. Das sind solide Zahlen. Cambridge Economics ist nicht irgendwer. Und sie sind kein gemischtes Bild, sondern sind ein eindeutig negatives Bild. Da warne ich aber ein bisschen davor. Also als der Brexit kam, haben alle englischen Forecaster vor katastrophalen Szenarien gewarnt. Die Wahrheit ist, mit dem Brexit ist der Aktienindex massiv gestiegen. Es gab auch keinen Mangel an Lebensmitteln und an Medikamenten. Das heißt, in der Regel werden für England relativ schlechte Prognosen gestellt, die dann nicht eintreten. Wann warst du das letzte Mal in England? Ich war letztes Jahr in London. Es ist ganz sinnvoll, ab Brexit die Wachstumsraten des GDP zu vergleichen. Da laufen die nicht schlecht. Richtig ist, dass in England die soziale Ungleichheit stark wächst. Das Problem ist, das ist leider immer so, wenn die Tories regieren. Das heißt, ich kann ja jetzt nicht sagen, ist das eine Folge des Brexit oder ist es nicht einfach eine Folge der Wirtschaftspolitik der Tories. Aber ich denke, ohne dass man jetzt sich streitet, wer macht welche Studie, denn wir wissen ja, dass die akademische Welt ganz überwiegend gegen den Brexit war. Einfach vergleichen, Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes ab Brexit, Deutschland, Großbritannien. Dann sieht das Bild anders aus. Nee, also wenn die Prognosen, seriöse Prognosen zum Ergebnis kommen, bis 2035 drei Millionen weniger Beschäftigte und die Produktion sinkt um ein Drittel. Aber das tut sie doch in Deutschland auch. Ach so. Also die Frage ist doch immer der Vergleich. Die Produktion in Deutschland sinkt um ein Drittel. Wenn wir die Autoindustrie bis 2035 von ihren Verbrennern befreien und wir zur Zeit ja schon erleben, wie stark neue Auslandsinvestitionen, also wie stark deutsche Unternehmen im Ausland investieren, müssen wir ja auch damit rechnen, dass die Industrieproduktion zurückgeht. Also ich kenne keine Prognose, die sagt, bis 2035 wird die Inlandsproduktion um ein Drittel sinken. Das hast du jetzt exklusiv. Lass uns die GDP-Wachstumsraten vergleichen. Das ist, glaube ich, besser, als sich über Prognosen zu streiten. Aber ich kenne die Prognosen, ich kenne auch die Indizes, die negativ sind, insbesondere soziale Gleichheit. Dann suchst du dir die raus, die dir passen. Ich gehe nach der einfachsten Lösung. Das mit der einfachsten Lösung machst du in deinem Buch auch häufiger. Da kommen dann auch erstaunliche Ergebnisse raus. Vielleicht kommen wir dann auch auf einzelne Punkte. Es gab einen anderen Punkt, den ihr angesprochen hattet, als es darum ging, um Steuervermeidung, Steuerflucht, Kapitalverlagerung. Wo du sagst, die Schweizer haben keine Konten auf den Cayman Islands. Da haben mehrere Menschen, denen ich das jetzt mal glaube, gesagt, Entschuldigung, A, ich bin Schweizer oder B, ich arbeite im Schweizer Finanzwesen. Diese Aussage ist so was von falsch. Es gibt sie, es gibt massiv Steuerhinterziehung in der Schweiz und es gibt massiv Konten auch auf den Caymans. Einfach nur als Bericht dagegen gehalten. Persönliche Fragen gab es auch. Gibt es in deinem privaten Umfeld eigentlich kritische Stimmen zu deinen Überzeugungen, wenn ja, welche? Na klar, ich umarme jeden in meinem Freundeskreis, der mich intellektuell herausfordert. Das beginnt schon mit meinem Bruder, mit dem wir regelmäßig politisch diskutieren, neuerdings häufiger, seitdem es um unseren gemeinsamen Opa geht. Wir machen uns auch im Team Mühe, dass wir versuchen, die Gegenargumente herauszufinden. Wo steht der dann politisch? Na ja, ich würde sagen rechter CDU-Mann. Riesenabstand? Nein, keinen riesen Abstand, aber zumindest jemand, der andere Akzente setzt. Man kann ja auch mal andere Akzente setzen. Es ist oft unfruchtbar, jetzt für das Publikum, wenn ich jetzt sagen würde, ich muss jetzt die ganze Zeit mit einem Grünen diskutieren. Da redet man aneinander vorbei und irgendwann merkt man sich nicht. Interessant sind ja die Akzente, die zwar verschieden von der eigenen Meinung sind, aber schon irgendwo in der Nähe, sodass man Brücken bauen kann. Weil daran übt man ja auch, sich vielleicht zu treffen in der Mitte. Das ist wichtig. An dem Punkt möchte ich gern noch mal auf dein Buch zu sprechen kommen. Ein Manifest, knapp 230 Seiten. Es steckt von vorne bis hinten voll mit Aussagen und Thesen. Es gibt keine einzige Fußnote. Es ist ein Manifest. Ja, ja. Es gibt keine einzige Quelle darin. Du arbeitest zum Teil mit Zahlen und Behauptungen, die, wenn man sie dann checkt an anderer Stelle, einfach völlig andere Ergebnisse bringen. Ich nehme nur mal ein Beispiel. Ja, jetzt. Zum Beispiel, bei der Frage, 30% der 30-Jährigen hatten keine sexuellen Erfahrungen mit Frauen. Steht da drin. Ja. So. Aktuelle Studien, es sind zwischen 5 und 12%. Dann schicke ich die Quelle, die ich benutzt habe. Ja. Also, wie gesagt, ich habe keine... Ist das USA? Also meine Quelle war USA. Ja, ja. Gut, dann schicke ich das rüber. Ja. Weil da habe ich eine Grafik gehabt. Ja. Gut, weil alle Quellen, die ich gefunden habe, keine von denen kam auch nur annähernd an diesen Wert. Okay. Das Höchste, was zu finden war, war 12%. Und 30% findet man dann bei "Hatten im letzten Jahr keinen Sexualverkehr". Das ist aber was ganz anderes. Das ist was anderes. Ich zeige dir, wir hatten die. So. Und schicken wir rum. Mhm. Und in Japan sei es noch höher. Ja. Wobei die Frage in Japan, weil wir ja uns überlegen müssen, woran liegen so hohe Quoten? Das sind zum Teil kulturell ökonomische Bedingungen. Das hat was mit Wohnsituationen zu tun, mit Arbeitssituationen, mit Gelegenheit. Das spielt bei dir alles keine Rolle, sondern es wird eigentlich nur gesehen als Ausweis einer dramatisch negativen gesellschaftlichen Entwicklung. Und das ist... Das ist ja in jedem Fall, jetzt unabhängig von den Gründen. Aber das ist eine... Aber das macht die Sache so eher... Aber das macht die Sache so problematisch. Wenn du sozusagen aus Befunden nur den Befund rausnimmst, aber überhaupt nichts dazu sagst, warum es zu diesem Befund vielleicht gekommen ist, dann ist das einfach ein verzerrtes Bild. Naja, aber dass es eine dramatische Entwicklung ist, wenn ein steigender Anteil der Männer, und im Übrigen auch 12 oder 15% wären ja sehr viel. Die Hälfte. Wenn diese de facto vom Sexualleben ausgeschlossen wären. Nein, sie werden nicht ausgeschlossen. Dann wäre das ja ein dramatischer Befund. Ja, aber Maximilian, das ist jetzt deine Formulierung eben, und sie ist auch die im Buch. Sie werden ausgeschlossen vom Sexualleben. Sie sind ausgeschlossen. Sie haben kein Sexualleben. Ob sie sich selber und aus welchen Gründen davon fernhalten, ist eine ganz andere Formulierung als "Sie werden ausgeschlossen". "Sie werden ausgeschlossen" setzt ein aktives Verhindern von außen her voraus. Sie nehmen daran nicht teil. Gut, und das ist eine ganz andere Aussage, weil darin kann wieder eine Freiwilligkeit stecken, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Kann man auch problematisch finden, ist aber etwas anderes als eine biologisch abgeleitete... Ich folge eher die Diskussion in den USA. Wir haben natürlich eine ganz starke Behandlung, gerade in den Internetforen, des Begriffs des Incells, des involuntary celibates. Und das ist ja ein neues Phänomen. Das heißt, allein wenn wir die Diskussion verfolgen, dann sehen wir das. Und ich gelegentlich, wenn ich ein junges Publikum habe, dann spreche ich das an, teilweise erst nur in den Fragen. Und es ist regelmäßig für mich erstaunlich, was ich für Reaktionen habe. Also dann kommen junge Männer ans Telefon, die dann da teilweise Sachen preisgeben, die sie besser nicht preisgeben sollten. Das heißt, dieses Thema ist gerade in der jungen Generation, bei jungen Männern, ist es virulent. Die Zahlen prüfen wir nach. Wir haben da eine Statistik gehabt, die liefern wir nach. Aber dass wir da zurzeit mit einem Problem konfrontiert sind und dann eben auf der anderen Seite, Morgan Stanley, das sagt, im Jahr 2030 haben 50% der Frauen sind kinderlos und single, dann sehen wir ja, dass wir ganz offensichtlich, das gesamte Beziehungsgefüge in der Gesellschaft, dass das zurzeit massiv rutscht. Richtig. Und die Frage ist, was sind die Ursachen dafür, dass Beziehungsgefüge gegenüber vorherigen Zeiten sich verändern? Nebenbei gesagt, Beziehungsgefüge haben sich historisch gesehen immer verändert. Es gibt keine gesellschaftliche Statik, sondern es gibt immer. Ohne Frage. Keine gesellschaftliche Dynamik, die bei dir aber auch nicht vorkommt. Naja, aber wir hatten auch nie solche Geburtenrate. Bitte? Also Geburtenraten, die zurzeit ja im Freien, wir sind gerade bei 1,3 in Deutschland. Ja. Und die Kurve geht immer noch gerade nach unten. Also ich, da ist die Prognose... Wir haben in den letzten Jahren wieder zunehmende Geburtenrate. In den letzten drei Jahren haben wir fallende. Wir hatten einen Kick nach oben, in den letzten drei Jahren fällt es runter. Wir liegen jetzt bei 1,3. Da hatten wir nun auch wieder die Corona, also die Pandemie. Und Existenzunsicherheit und Berufsunsicherheit, das sind immer Gründe, weswegen Menschen, wenn man so will, im elternfähigen Alter sagen, jetzt ist mir die Unsicherheit zu groß. Aber wir haben das ja weltweit. Wir haben ja weltweit sinkende Geburtenraten. Und zwar nicht erst seit Corona. Gott sei Dank. Ja, aber wir liegen ja mit Ausnahme von Teilen des Sub-Sahara-Afrikas und sehr wenigen Teilen des islamischen Gebietes, liegen wir überall unter 2,1. Ja. Und das ist ja schon ein bemerkenswertes Phänomen. Das ist aber die einzige Möglichkeit der Überbevölkerung entgegenzuwirken. Ich weiß nicht, ob das tatsächlich so ist. Ihr müsst doch froh sein. Warum seid ihr nicht froh darüber, wenn die Menschheit, die globale Menschheit, es gibt ja nun mal eben doch nur die eine Welt. Die gibt es, ja. Es gibt in der Hinsicht nur die eine Welt. Und es gibt sozusagen nur die eine globale Kollektivressource an Nahrungsmitteln, an anderen Ressourcen, die überstrapaziert wird derzeit. Wenn das sozusagen zurückgefahren wird, müsstet ihr eigentlich sehr dankbar sein. Nein, ich glaube, dass eine schrumpfende und alternde Gesellschaft zu unfassbaren sozialen Verwerfungen führen wird. Ich bin da tatsächlich bei Elon Musk, der das genauso sieht wie ich. Mhm. Ein weiterer Punkt, wir waren ja bei den Punkten, wo ich finde, dass du in dem Buch mit nicht belegten Zahlen arbeitest. Du schreibst, Testosteron ist bei den 30-Jährigen, ja, bei jungen Männern, nie hat den weltweit niedrigsten Stand derzeit erreicht. Ja. Und da haben wir dir FAZ-Recht gegeben. Bitte? Es gab sogar einen FAZ-Artikel dazu, der mir Recht gegeben hat. Ja, es gab, ich kenne auch die Studien dazu, oder mindestens die Kurzfassung der Studien dazu. Weißt du, wie die Entwicklung des durchschnittlichen Testosteronspiegels seit 1950 ist? Sie ist zumindest gesunken. Sie ist jedes Jahr um ein Prozent gesunken. Jedes Jahr um ein Prozent gesunken. Ja, das heißt, wir haben es in gar keiner Weise mit einer aktuellen Entwicklung zu tun. Nein. Moment. Sondern wir haben es zu tun damit, dass der Spiegel dieses Männlichkeitshormons in der Nachkriegsgeschichte, also in den letzten 70 Jahren, 75 Jahren, deutlich gesunken ist. Die heutige junge Generation hat ein Drittel bis die Hälfte weniger Testosteron im Vergleich zu ihrer Großvätergeneration. Und damit sind die nicht, das ist eine Irrannahme, sie sind nicht zeugungsunfähig. Das habe ich ja nicht behauptet. Es ist aber ganz klar, dass dadurch, ja, typisch männliche Attribute wären natürlich weniger. Das muss man mal sehen. Aber wir haben natürlich auch eine steigende Anzahl an Problemen mit der Zeugungsfähigkeit. Das habe ich aber im Buch, glaube ich, gar nicht drin. Das Fass wollte ich nicht aufmachen. Aber es ist schon auffallend, dass der Testosteronspiegel tatsächlich immer weiter sinkt. Weißt du, wann das erste Mal historisch in der Menschheitsgeschichte gesunken ist? Ich glaube ab der Reformation nicht. Zumindest hat die FAZ das behauptet. Dann, wenn das so wäre, läge die FAZ nicht in Übereinstimmung mit der Wissenschaft, die sich da sehr einig ist. Es war am Ende der Steinzeit. Okay. Am Ende der Steinzeit, als die Menschen nicht mehr jeden Tag auf lebensgefährliche Jagd gehen mussten, sondern als sie dann auch anfingen, sesshaft zu werden, Familien gegründet haben, ist Testosteron gesunken, weil Testosteron eben nicht nur als männliches Hormon für Zeugungsfähigkeit wichtig ist, sondern weil es ein Hormon ist, das Aggression steigert. Und wenn es sinkt, das hat die Männer damals im Grunde sozialfähiger gemacht. Ohne Frage. Das heißt also, das, was du so einseitig als negativ auch im Buch darstellst, hat eine sozial positive Funktion. Jetzt mal ganz offen, wir haben einfach ein bisschen zu viel Malte Sörens, die umherspringen, die einfach tatsächlich, ja, wo auch ein bisschen der Drive fehlt. Ich will doch auch, dass junge Männer mal sagen, hey, let's go, und wir haben auch mal einen Drive, und wir stehen auch mal zum Wettkampf. Also ganz offen, zu viele Luschen. Und ich glaube, dass wir da ein bisschen mehr... Aber was ist das für ein Männerbild? Was ist das für ein Frauenbild? Wir haben zu viele Luschen. Na ja, aber guck's doch an, manchmal ist es doch bitter. Jetzt haben wir doch gerade eine Situation, er will die ganze Zeit, dass wir jetzt in der Ukraine die europäischen Werte verteidigen. Mit wem denn? Wir haben doch überhaupt nicht mehr die Soldaten, die sagen, okay, dann machen wir es halt. Ich würde ja keine hinschicken. Ich bin da ja nun ganz anders. Aber einfach mal zu sagen, wir haben einen Punkt erreicht, wo es auch mal wieder ein Ticken, im klassischen Sinn, männlicher werden kann. Das darf ich, glaube ich, als Wunsch äußern, das Vater von Söhnen. Ja, sozusagen der bekennende Macho. Hat mir mal ein Parteifreund gesagt. Wusste ich gar nicht, aber du widersprichst dem nicht. Das bist du. Was? Bekennender Macho. Ich glaube, besser Macho als Lusche. Ah ja. Du, auch in dem Buch, sprichst du, nachdem du, Thilo hat das vorhin zitiert, gesagt hattest, man muss eben auch den Gegner respektieren. Wer unfreundlich ist, der hat Unrecht. Nicht nur hat Unrecht, sondern ist kontraproduktiv, der setzt sich nicht durch. Und dann schreibst du aber in dem Buch, von den ganzen grässlichen Linksfeministinnen, die auch noch hässlich sind, und die auch über ihre nicht vorhandene Chancen auf dem Sexualmarkt getrieben sind. Das hat doch einen ganz anderen Eindruck. Ja, das ist ja auch so. Das hat doch einen... Das ist nicht freundlich. Nee, es ist nicht freundlich. Es ist reiner Sexismus. Also, da ist in der Tat etwas passiert. Das ist eine Jordan-Peterson-These. Aber nee, das ist hier eine Maximilian-Krath-These. Ja, das ist eine recycelte Jordan-Peterson-These. Also, gut, insofern bin ich unkonsequent, an dem Punkt habe ich den eigenen Anspruch nicht erfüllt. Warum machst du so einen Sexismus? Das war auch eine konkrete Frage. In Bezug auf Ricarda Lang, die Bundesvorsitzende der Grünen, da muss ich eines sagen. Da gibt es einen Satz, ich möchte ihn zitieren. Da hast du gesagt, die ist gar nicht in der Lage zu lieben, sonst würde sie nicht so aussehen. Ein dummer Satz. Ich bin einer von den Politikern, der... Also, nochmal, Ricarda Lang zu erwähnen, würzt natürlich eine Wahlkampf-Rede. Sie ist also, sie ist natürlich ideal, weil sie verkörpert eine Politiker-Kaste, die zwar keine Ausbildung zu Ende gekriegt hat, aber das Land regiert. Insofern sollte man sie erwähnen. Ich habe mit Ausnahme des einen einzigen Males und Satzes bislang immer der Versuchung widerstanden, ihr Aussehen zu problematisieren. Dass ausgerechnet dieser Satz mir um die Ohren gehauen wurde, ist Künstler-Pech. Nee, das ist völlig richtig, weil es ist, dieser Satz ist eine kleine, eine kleine, eine kurze, sexistische Eruption. Okay, aber dann will ich Ricarda Lang dann trotzdem nochmal vielleicht... Nein, mich interessiert, sofort, aber warum machst du das? Was drängt dich dazu, so etwas zu machen? Es war spät und ich wollte auf Toilette. Aber worum es mir jetzt geht, ist doch eins. Ricarda Lang und ihr Aussehen. Ist doch das Problem, was wir haben, dass sie ihr Aussehen rhetorisch eingesetzt hat, um an die Spitze der Grünen zu kommen. Sie hat ja ganz offen gesagt, seht, das bin ich. Ich bin so, wie ich bin. Ich sehe aus, wie ich bin. Und dafür wurde sie ja gewählt. Ach, das ist doch Quatsch. Sie wurde ja nie gewählt, weil sie unheimlich genial, brillant ist und eine tolle Rhetorik. Du glaubst, sie wäre nicht gewählt worden, wenn sie anders ausgesehen hätte? Sie hat das zumindest eingesetzt als ein Argument für sich. Das ist eine Verdrehung von Aussagen. Sie hat ihr Aussehen eingesetzt. Wenn jemand sagt, stört euch nicht an meinem Aussehen. Ich bin so, wie ich bin. Dann ist das etwas völlig anderes, als das, was du gerade behauptest. Sie hat keinerlei Qualifikation. Wir haben jemanden gewählt, die fachlich keine abgeschlossene Berufsausbildung hat. Sie hat zehn Semester Jura studiert und ist nicht zum Examen angetreten. Wie viele Spitzenfunktionäre gibt es, die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben? Ist das Sinn und Zweck, dass wir von solchen Leuten regiert werden? Die Frage ist, ist die Tatsache einer nicht abgeschlossenen Berufsausbildung ein Negativkriterium per se? Nein, ist es nicht. Aber du machst es gerade daraus. Wir haben das größte Industrieland Europas. Im Herzen Europas. Wenn es einen einzigen Fall eines brillanten Politikers gäbe, der eben zehn Weltreisen gemacht hat und ein Unternehmen gegründet ohne Ausbildung, sofort. Wir leisten uns eine Politikerkaste, die hat keine Ausbildung abgeschlossen und sie hat ihr gesamtes Leben im politischen Betrieb zugebracht. Das heißt, alle Erfahrungen, die sie haben, haben sie aus dem politischen Betrieb. Und es tut mir leid, wer ein solches Qualifikationsprofil hat, der ist nicht in der Lage, in einem solchen Industriestadt zu regieren. Also die Geschichte der politischen Jugendorganisationen ist sehr häufig gekennzeichnet zwischen wie war das? Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal. Finde ich scheiße. Ja, und das gilt aber für die Organisation, der du selber angehört hast, in einem hohen Maße. Also du qualifizierst das, wo du selber herkommst, ab. Das tue ich auch. Die Jugendunion produziert, dass die CDU heute so ist, wie sie ist. Und wir wissen ja beide nicht. Liegt daran, dass sie ihren politischen Nachwuchs genau nach dem Muster geholt hat. Wir haben doch in Wahrheit völlig konturlose, langweilige und auch nicht besonders inspirierende Gestalten, auch in der CDU. Ja, und wir haben jede Menge Akademiker auch im Parlament. Nicht nur Akademiker, sondern promovierte Akademiker. Wenn man sich Doktorarbeiten anguckt, sind die furchtbar. Ja, dann sind die furchtbar. Das heißt, die Abschlüsse, auf die du jetzt so großen Wert legst als Kriterium, sind in Wahrheit nichts wert. Tue ich nicht, aber ich habe zum Beispiel einen Parteichef. Der ist Handwerksmeister und hat daran auch gearbeitet. Finde ich super. Du meinst Krupp-Valladen. Genau. Elektromeister ist er. Malermeister. Malermeister, okay, gut. Wir sind bei dem Punkt Berufswahl. Auch wieder in Zusammenhang mit KI, ne? Nein, nein, nein. Mit deinem Buch, mit dem Manifest. Zitat "Es gibt keinen Grund, Frauen in Männerberufe und Männer in Frauenberufe zu senden." Jeder soll selbst entscheiden, aber ich mag diesen Girl-Stay nicht. Aber wer sendet die denn dahin? Es ist doch mittlerweile eine Ehe-Regel. Wer sendet? Diese Du behauptest in dem Buch, dass Männer in Frauenberufe gesendet werden und Frauen in Männerberufe gesendet werden. Es wird gezielt darum geworben. Wer sendet sie dahin? Es wird gezielt darum geworben. Wir haben doch natürlich einmal im Jahr diesen Girl-Stay. Ja, es wird darum geworben. Man lädt Menschen ein, guckt euch das an. Wir freuen uns, wenn ihr das macht. Haben wir keine Quoten mittlerweile? Aber doch. Quote heißt doch nicht, dass die dahin gesendet werden. Du hast ein Wording, dass politische Dynamiken behauptest, die es so nicht gibt. Also gerade bei dem Thema, gut, brauchen wir uns nicht streiten. We agree to disagree. Entschuldigung, ich sage euch jetzt mal als Germanist, nicht promoviert, aber abgeschlossen. Sprach- oder Literaturwissenschaft? Bitte? Sprach- oder Literaturwissenschaft? Germanistik ist Sprach- und Literaturwissenschaft. Okay, und wo war das Schwerpunkt? Er war in beiden gleichermaßen, weil ich ein multiples Studium gemacht habe, Sozialwissenschaften und Germanistik. Bei Germanistik war Schwerpunkt Literaturwissenschaft und gleichermaßen Sprachwissenschaft. Okay. Aber wir reden ja hier über mich. Über dich, ja. Weiterer Punkt aus deinem Buch, der auch angemerkt wurde, es gab Leute, die das gelesen haben, würde ich mich freuen. Du sprichst oder schreibst darüber, dass die Verteilung der Intelligenz, IQ, da sagst du, die Verlaufskurve, also die Glockenkurve, man könnte auch sagen die Sinuskurve, des IQs verläuft bei Männern und Frauen unterschiedlich. Du sagst, sie ist bei den Frauen schlanker. Die Standardabweichung ist kleiner, ja. Die Standardabweichung ist kleiner. Das heißt auf Deutsch, wenn man es übersetzt, bei den Männern gibt es mehr Idioten und mehr Hochintelligente. Und mehr Hochintelligente. Und daraus ziehst du dann den Schluss, deswegen ist gar kein Grund, weil es eben weniger hochintelligente Frauen gibt, deswegen besteht gar kein Grund, sich darüber zu beklagen, wenn Frauen nicht mehr in den spitzen Positionen der Wirtschaft vertreten sind. Der Wirtschaft oder Wissenschaft? Nee, der Wirtschaft. Das ist doch aber eine Gagathese. Ja, also mir hat man in der Business School beigebracht, dass tatsächlich der IQ korreliert sei mit dem Aufstieg innerhalb von Industriehierarchien. Also das ist der Befund der Amerikaner. Die Amerikaner lieben ja IQ. Das ist ein Problem. Gelegentlich merkt man meinem Buch halt an, dass ich zu viel dieses Zeugs lese. Und die sagen zumindest, dass es eine direkte Korrelation gibt zwischen dem IQ und dem Aufstieg in Hierarchien. Es gab früher die These, dass es einen Peak gibt und dann einen Schluss. Weil angeblich war es so, alles über 120 ist gleich. Und dann haben sie gesagt, das haben wir noch vor fünf Jahren euch erzählt, in der Organisationssoziologie, mittlerweile ist es so, es flacht dann zwar ab, aber es gibt eine Korrelation. Das ist der Hintergrund, den ich im Kopf hatte. Weißt du, wie um da über Deutschland zu reden, weißt du, wie hoch der Anteil von Frauen prozentual an der hochbegabten Förderung in Deutschland ist, im Vergleich zu dem von Männern? - Ja, aber der ist sehr hoch, aber der hat einen Nachteil. - Er ist höher. Ja, aber er hat auch einen Nachteil, weil die Studienschriftung des deutschen Volkes prüft das ja nicht anhand des IQs, sondern anhand von Vorschlägen und Gutachten und hat auch eine Quote. Der Anteil hat sich aber dynamisch verändert. Das heißt, es gibt keine Vorgabenquote, sondern es wurde befunden, dass der Anteil der förderungswürdigen, hochbegabten Frauen gewachsen ist. Ich gebe dafür einfach ein Bewusstsein. Aber das ist nicht, die hochbegabte Förderung der Studienschriftung des deutschen Volkes basiert nicht auf einem standardisierten Test. Und alle standardisierter Tests ist wirklich sehr schön, weil diese These, und da würde ich dann auch wieder sagen, das was Maximilian Krah in seinem Manifest so schlankweg behauptet, ja, bei den Frauen zwar weniger Idioten, dafür aber auch weniger potenzielle Genies, das hat etwas damit zu tun, wie die IQ-Tests, die ja alle aus Untertests bestehen, zusammengebaut sind. Und die Erfahrung ist, dass Frauen in aller Regel viel besser abschneiden, wo es bei der sprachlichen Intelligenz geht, und Männer besser dort abschneiden, wo es um zum Teil mathematische, nenne ich das jetzt mal, technische Intelligenz geht. Das sind aber wiederum kulturelle Fähigkeiten, die historisch dynamisch sich verändern. Das spielt bei dir gar keine Rolle. Naja, ich gehe jetzt von dem Standardtest aus, der in den Vereinigten Staaten angewendet wird. Ich kann jetzt nur reden vom standardisierten Graduate Management Admission Test, das ist der Business School Aufnahmetest. Da ist es tatsächlich so, dass man, weil man auch eine Quote für Frauen hat, da hat man eine, man will Frauen sagen, dass man unterschiedliche Zahlen hat, also was Männer erreichen müssen, um zum Aufnahmegespräch geladen zu werden, was Frauen erreichen müssen, um zum Aufnahmetest geladen zu werden. Das heißt, man differenziert da, damit man einen anständigen Frauenanteil hat, was ich übrigens gut finde. Aber der Fakt bleibt doch gleich, ich bin jetzt kein großer, also ich glaube tatsächlich, dass der Mensch durch wesentlich mehr konstituiert wird, als nur durch IQ. Aber das Problem, der Vorteil dieses IQ-Tests besteht darin, dass er eben am Ende eine Zahl auswirft und dadurch ist es das Argument geeignet. Und der Hinweis selbst, man muss nur mal ins Google eingeben, IQ-Glockenkurve Männer und Frauen, dann hat man halt die unterschiedlichen Glockenkurven. Ja, aber wir kennen glaube ich beide die begrenzte Aussagekraft von Google, da ist immer dann die Frage, wer was taucht als erstes auf, wer bezahlt dafür. Das ist ein bisschen tiefer. Gut, weil du eben Google angemerkt hast. Nein, aber der Zuschauer kann es ja einfach mal überprüfen, er gibt jetzt mal ein, IQ-Verteilung Männer, IQ-Verteilung Frauen. Und dann geht er auf Bilder, damit er sich einfach nur die vorderen Kurven anschaut. Und wenn er dann weiter recherchiert, wird er feststellen, dass eben diese Zahlen, die so prägnant zu sein scheinen, von sehr begrenzten Aussagewert nur sind, weil darin nicht auftaucht, wie die jeweiligen IQ-Tests sich sozusagen zusammensetzen. Es gibt aber diese eine Gesellschaft, aber du kandidierst doch für das Europäische Parlament. Ich habe keine europäischen Zahlen. Es gibt wenig bei uns. Die Datenlage in den USA ist besser. Wenn man ein Manifest über die Zukunft der Politik, der rechten Politik, die Alternative in Deutschland schreibt, dann sollte man das vielleicht doch, wenn man sich dazu schon äußert und mit Zahlen arbeitet, solche, die aus dem Bezugsrahmen kommen, arbeiten und nicht von irgendwoher, weil es gerade passt. Also die USA, wir haben einfach in Europa, gerade weil wir dadurch diese Standardisierung haben, haben wir zu wenig valide Zahlen. Ja, dann lass doch den Scheiß einfach. Aber es ist ein schönes Argument. Ja, es ist ein schönes Argument. Genau. Und deswegen, das fällt Leuten auf, die sagen, K. ist ein Populist, dazu bekennst du dich, glaube ich, auch. Und er ist ein Opportunist. Er zieht das ran, was ihm gerade für seine Karriereperspektive opportun zu sein scheint. Das ist ein bisschen gemein. Ich habe schon eine Überzeugung, die ich verkaufen möchte. Ich will ja nicht Karriere machen, weil ich einfach den Leuten nach dem Mund rede. Sondern ich will erreichen, dass die Leute sich mit meinen Thesen auseinandersetzen und sagen, hey, es ist ja ein Politiker, dem stimme ich zumindest mal vielleicht zu 80% oder 2/3 zu. Und ich finde es mal spannend, dass ein Politiker nach dem Mund redet und dass er auch noch erwartet, dass ich nach seinem Mund rede. Das kann man ja auch mal versuchen. Also insofern bekenne ich mich dazu, dass ich einen etwas kontroverseren Politikstil pflege und ich freue mich über jeden, der mir dann auch sagt, hier bist du aber zu weit gegangen. Weil allein, dass er mit mir diskutiert, heißt ja schon, er hat sich ja schon auf mein Argument eingelassen. Beziehungsweise sich damit auseinandergesetzt, das ist noch was anderes, als sich drauf einlassen. Ja. Es gibt Menschen, die sagen, was wäre eigentlich, wenn Maximilian Krah vor 10, 12 Jahren es geschafft hätte, in den Bundestag zu kommen? In der CDU. Du hast damals versucht, war Landesliste oder Direktmandat? Direktmandat. Hat nicht geklappt und dann bist du anschließend ausgetreten. Also mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung. Kannst du ausschließen, dass wenn das mit dem Direktmandat geklappt hätte, wenn du christdemokratischer Bundestags Abgeordneter gewesen wärst, könnte sein, dass du jetzt noch in der Partei wärst? Das glaube ich nicht, weil in der Legislaturperiode gingen in Dresden die Pegida-Demonstrationen los. Und ich habe damals das sehr störend empfunden, dass der lokale Direktabgeordnete es nicht geschafft hat, sich damit auseinanderzusetzen. Es wäre sein Job gewesen, das Gespräch zu suchen. Ich meine, da waren in der Spitze fast 30.000 Leute. Er hätte das Gespräch suchen müssen, er hätte dazu Stellung nehmen müssen und auch als die Stadt Dresden insgesamt angegriffen wurde, hätte ich von ihm erwartet, dass er sich ins Fernsehen setzt und sagt, das ist mein Wahlkreis und meine Leute. Es mag sein, dass einiges an dem, was sie sagen, ungelenk, voreilig und so weiter ist. Aber ich stehe zu ihnen, weil sie Ausdruck einer legitimen und ernsten Sorge sind. Und das hat er nicht getan. Hätte ich das getan, in der CDU, die ich kenne, hätten sie mich eh weggeschmissen. Das heißt also, ich wäre halt dann nur so wie eben Frau Steinbach und so weiter gegangen. Also du wärst auf jeden Fall rausgegangen. Du hättest selbst, wenn du in den Bundestag damals gekommen wärst, ich wäre 20, 16 Jahre alt. Ich bin ein so freier Mensch, seitdem ich in der AfD bin. Ist unfassbar. In der CDU muss man bei jedem Satz, den man sagt, zweimal überlegen, ob man nicht irgendjemanden auf dem Schlips tritt und dann am Ende einen Rüffel kriegt und Ärger kriegt. Es gibt ja eine ganze Reihe, mindestens ein halbes Dutzend AfD-Funktionsträger, Bundestag und anderen, die in den letzten zwei, drei Jahren ausgetreten sind, die gesagt haben, wir halten das hier nicht mehr aus. Waren die nicht frei, ihre Meinung zu äußern? Die haben sich unter Druck gefühlt. Also das, was du jetzt der CDU nachträglich vorwirfst, sagen die, die jüngst aus der AfD ausgetreten sind, über euren Satz. Das wundert mich. Ich kann noch von meinen Erfahrungen sprechen. Also für mich ist die AfD in der Tat ein Hort der Freiheit. Deiner Freiheit. Genau. Also so ein Buch, selbst wenn es so die Hälfte als Schärfe hätte, wäre in der CDU undenkbar. Die CDU ist intellektuell unheimlich langweilig, weil jeder Angst hat, seinen eigenen Gedanken zu formulieren. Und was die Leute, die jetzt raus sind, angeht, muss man auch gucken. Viele sind ja raus, nachdem sie die Widerwahl nicht gekriegt haben. Du kandidierst für die Liste, hältst eine strafrechte Rede, danach wirst du trotzdem nicht aufgestellt. Dann stellst du plötzlich fest, dass alles Nazis sind. Wie glaubwürdig ist das denn? Also da muss man die Einzelfälle sich anschauen. Viele, die gegangen sind, sind gegangen, nachdem sie in innerparteilichen Kämpfen den Kürzeren gezogen haben. Und danach erklären sie immer, alle rechts. Mir fallen wenige ein, denen ich glaube, dass sie aus Überzeugung gegangen sind. Du schließt aus, die Möglichkeit, dass sie sozusagen vor dem, was sie auch vorher hätten erkennen können, die Augen verschlossen haben, weil sie gehofft haben, Karriere zu machen und nachdem das nicht geklappt hat, sie erkannt haben, wovor sie vorher bewusst blind gewesen sind. Das schließt du aus? Das kann vielleicht sein für Leute, die so gegangen sind, 2017, 2018, 2019. Aber nicht 2023, 2024. Weil die Entscheidung ist gefallen, 2015 als Lucke ging und Petri kam. Und seitdem ist die Partei eigentlich also sich inhaltlich nicht so groß entwickelt, dass jetzt auch für eine Richtung kein Platz mehr wäre. Also das wird von denen bestritten, die sagen, spätestens seit Meuthen weg ist, seit sagen wir mal Weidel, Kruppaller und dem Hintergrund oder nicht mehr Hintergrund, Höcke, ist diese Partei in einer zunehmend strammen, rechtsextremen Entwicklung, die ich nicht mehr klar habe. Das kann ich nicht sagen, ich erlebe zur Zeit eher, dass gewisse Dinge auch nach innen glatt gezogen werden. - Was heißt das? Dass man tatsächlich jetzt auch anfängt gezielt eben durchaus zu korrigieren, dass man Leuten, die in der Vergangenheit besonders, also nehmen wir ein Beispiel, den Landesverband in Baden-Württemberg, da war jetzt ein Parteitag. Da haben eigentlich in der Regel oder fast durchgängig die Leute gewählt, die sich verständigt haben auf einen professionellen sachlichen Kurs. Das heißt, die Partei unterscheidet gar nicht mehr so sehr zwischen liberal und rechts, sondern sie unterscheidet zwischen den konstruktiven und den Krawallschachteln. Und bei den Konstruktiven ist es so, es gibt sicherlich ein Spektrum zwischen den eher Liberalerinnen und den Konservativen, aber die Bedingung ist, sie müssen untereinander sprachfähig sein. Und wen wir, wo wir sagen, es kommt zum Ende, ist bei denen, die nicht konstruktiv sind, sondern die nur kritisieren, die ständig Misstrauensanträge stellen, die einfach ohne eine eigene positive Idee zu haben, angreifen, die nicht bereit sind, im Team zu spielen, die sich auch nicht mal zurücknehmen können und selbst korrigieren können. Das ist das Entscheidende. Und wir haben einfach die, die jetzt gehen, sind eben bisweilen auch oft Leute, die nicht teamfähig sind, die es nicht ertragen können, meine Abstimmung zu verlieren, auch eine inhaltliche Abstimmung, die nicht bereit sind, mal die Klappe zu halten. Es gibt Menschen, die sehen deine Kandidatur, deine Spitzenkandidatur und auch die Art und Weise, wie du öffentlich, wie du auch selber sagst, bewusst provozierst und polarisierst, die sehen das als ein weiteres Element einer Rechtsentwicklung der AfD, das ist von dir gewollt, du sagst das. Nein, also dass das eine Rechtsentwicklung ist, wenn man das sieht, gibt es ja durchaus einige Themen und Thesen, also ich beschäftige mich mit Digitalisierung, ich beschäftige mich mit künstlicher Intelligenz, ich erweitere das Themenspektrum, aber nur deshalb, weil ich jetzt sage, ich rede über Digitalisierung und künstliche Intelligenz, dass das eine Rechtsentwicklung ist, ist ja absurd. Mein Ziel ist ja immer eigentlich zu versuchen, eine Prognose für die Zukunft zu machen und ein Konzept zu entwickeln, wie wir diese Zukunft gewinnen können. Jetzt, um das zu erreichen, dass die Leute sich mit meinen Thesen auseinandersetzen, muss ich mich natürlich klar und deutlich aussprechen, also wenn ich jetzt so einen Politiker blablabla nennen würde, mit ewig denselben auswendig gelernten Sätzen, dann würde kein Mensch überhaupt wahrnehmen, dass es mich gibt. Ja, du hast einen Führungsanspruch, den du als solchen auch, da ist auch nochmal interessant, auf eurem Europaparteitag, deine, war eine kurze, aber deine Vorstellungsrede, da waren wenig tatsächlich inhaltlich konkrete Punkte drin, sondern es war ein Appell an die Mitgliedschaft zu sagen, ihr seid wer, man hat euch jahrzehntelang nicht gelassen, aber ihr seid wer, seid stolz, seid stolz auf das, was ihr seid, seid stolz auf das, was wir sind, wir sind stolze Rechte. Sozusagen, das war der Appell, das war das Narrativ deiner Rede. Das ist ja meine Grundbotschaft. Meine Grundbotschaft ist, besinnt euch und seid wer. Ja, besinnt euch und seid wer. Und das ist eine, das ist überhaupt gar keine inhaltliche, sondern das ist eine ideologische. Eine emotionale. Eine emotional-ideologische. Ja, und diese emotional-ideologische Position, die durchzieht, das ist für mich auch eine Schwierigkeit gewesen, im Nachvollziehen, dein Buch, weil du Feinderklärungen machst, du beziehst dich ja auch auf Karl Schmitt, für den der Begriff des Feindes ein ganz wichtiger im politischen Kampf ist. Du machst Feinderklärungen, indem du sagst, ihr habt vorhin schon drüber gesprochen, ja, es gibt diese liberal-konservativen, diese Laschets und so, das sind eigentlich, im Grunde sind das Feiglinge, das sind Hasenfüße, das sind Trittbrettfahrer, die akzeptieren den politischen Hegemonialanspruch der Linken und glauben an den ewigen Fortschritt und wenn sie dann sehen, naja, wir gucken jetzt mal und wenn sich da was bewährt, dann übernehmen wir Teile davon. So, und dann sagst du, aber der wirkliche Gegner, der wirkliche Gegner, mit dem wir es zu tun haben, das sind eben die liberal, die linksliberalen, denen wirfst du vor, das sind Menschen ohne Bindung, das sind Menschen, die beliebig sind, das sind Menschen, die keinerlei normatives Gefüge haben, das ist eine verlorene Generation, die gar nicht weiß, was sie ist, das sind Menschen, die unsere Nation, unseren Staat zerstören wollen. Weil sie reine Individualisten sind. Ja, das ist eine massive kulturkämpferische Ansage, für die du aber keinerlei, keinerlei Indiz bringst. Es ist reine Behauptung. Weiß ich nicht, also guck dir das Land doch an, wie das Land aussieht. Es sind Leute, die einfach sagen, die einzige Moral ist die komplette Freiwilligkeit und die keine Verletzungen akzeptieren und auch kein Kollektiv. Naja, also Foucault, ja, Foucault stellt die Mehrheit der stellt die Mehrheit der Linksalternativen in Deutschland ein intellektueller, das stimmt nicht. Na, aber er ist schon der wirkmächtigste. Also ich wehre mich ja auch gegen den Irrsinn, dass jetzt alle erzählen, dass er irgendwie ein neu aufgegossener Marx ist. Was ist denn die heutige Linke, was sind denn die Woken? Die heutige Mainstream, das ist doch nicht Frau Wagenknecht und Karl Marx, sondern das ist natürlich Derrida, das ist Foucault, das ist Judith Butler. Das ist ein strenger Individualismus. Das ist der Mensch als leere Hülle, der durch Diskurse geprägt wird. Und das ist und auch da kann man nur wieder sagen, das ist Ideologie. Es ist eindimensionale, ahistorische Ideologie, weil für dich nur möglich, offenbar möglich ist in deiner Darstellung, es gibt entweder die reine individuelle Freiheit, alles andere interessiert nicht, oder es gibt die, in deinem Sinne, rechtskonservative Gebundenheit, die Abhängigkeit von Tradition, Einbindung mit der Natur und so. Dass beides zusammen möglich ist, ist dir eine nicht mögliche Einschätzung. Wenn man nicht fest ist, muss man ja erstmal so weit zuspitzen, dass überhaupt klar ist, was die Schwarzpaare sind. Und dann kann man natürlich darauf hinweisen, dass es im realen Leben auch Grautöne gibt. Wir wollen ja erstmal den Gedanken der Gegensätzlichkeit und die Grundstruktur des Denkens und die Modelle darstellen. Wir wenden uns ja an, das Problem der Rechten ist ja, dass sie ihre eigene Politik selten intellektuell begründet haben. - Ja, das ist aber auch keine intellektuelle Begründung. - Es geht meist aus dem, naja, es ist zumindest eine in sich schlüssige Herleitung. Es ist mehr als einfach zu sagen, wir sind gegen den schnellen Wandel. Und das schaffe ich schon. - Also, dein positives Bild, also sozusagen unser Gesellschaftsmodell, nicht Staatsmodell, sondern unser Gesellschaftsmodell, ist eben ausgehend von der klassischen Familie, wie du es auch beschrieben hast, mit den definierten Rollen. Und es gründet sich, es ist abgeleitet aus Tradition und Natur. Abgeleitet aus Tradition im Einklang mit der Natur. Und diese Verbindung von Tradition und Natur ist normativ. Das ist dein Modell. Das ist das Modell, ja. Schön zusammengefasst. Und der Wahnsinn, sag ich jetzt mal, an diesem Modell ist, dass Tradition in diesem Dreiklang, Natur in diesem Dreiklang, statische Begriffe sind, was sie in der Realität nicht sind. Das, was heute Tradition ist, war vor 50 Jahren keine Tradition und vor 100 Jahren noch viel weniger. - Für die Tradition können wir darüber diskutieren, bei der Natur bin ich nicht der Meinung. - Die Natur ändert sich massiv, unter anderem durch den Klimawandel, wo im Übrigen... - Ja gut, ich verstehe die Natur ja nicht nur empirisch, sondern auch metaphysisch. Und da komme ich dann halt ins katholische Naturrecht rein. Da merkst du den katholischen Einklang. - Ja, dass ich eben den katholischen Naturbegriff nehme und damit ist die Natur mehr als nur empirisch, sie ist auch metaphysisch. - Ja, aber da ist sie metaphysik und da wirst du dann, finde ich, beliebig, weil du vorhin als du mit Thilo darüber gesprochen hast, wie ist das mit der Geschlechtsidentität, da warst du ganz streng biologistisch und hast gesagt, da gilt es dann nur auch auf der Ebene der elektrischen Impulse sozusagen, der neurophysiologischen Impulse, da gibt es nur das und das als objektive Realität von Gedanken und Vorstellungen. Tatsächlich aber ist auch diese Natur, wenn wir in die Spiritualität reingehen, sie ist eben nicht einfach nur objektiv nachweisbar, sondern sie hat eine nicht rational fassbare Dimension, die du jetzt begrüßt, vorhin aber, und in deinen Aussagen bestreitest du sie, und da wirst du beliebig. - Vieles hat Ratio, also meine Spiritualität und meine Metaphysik muss sich natürlich rational messen lassen, und da kommen wir letztlich zur Frage des Menschenbildes. Also der Mensch ist bei mir Körper und Geist untrennbar vereint, nicht mal gegensätzlich. Da bin ich tatsächlich, Platon hätte gesagt, es gibt Seele und Körper, sie gehören zusammen, bei mir ist es eine Einheit, da bin ich sehr naturwissenschaftlich, aber was wir zur Zeit haben, ist ja eher ein Menschenbild, dass der Körper zweitrangig ist, ich bin im falschen Körper, impliziert logisch, dass der Körper nicht Teil meines Ichs ist. Aber die Vorstellung, dass nur der Wille und der Geist zählen und der Körper weniger wert ist, das haben wir das letzte Mal in der Gnosis gehabt. - Aber das drehst du um, Maximilian, du drehst es um, wenn du sagst, der Wille zählt nicht. - Bei mir wird der Körper wichtig. - Ja, nein, er wird nicht nur wichtig, sondern er ist das allein entscheidende Kriterium. - Nein, da ist die Grenze. Nein, du hast vorhin gesagt, bleiben wir bei der Frage der Geschlechtsidentität, du hast gesagt, es gibt nur Mann oder Frau und wenn ein Mensch sagt, ich bin zwar möglicherweise vom Chromosomensatz her Frau, ich als mein mich empfindendes, wahrnehmendes Ich empfinde mich aber als Mann, dann sagst du, ja, dann geht nicht, dann hat die etwas Falsches wahrgenommen. - Weil es ein innerer Widerspruch ist. - Moment, aber diesen Widerspruch löst du auf, indem du dem Körper sozusagen die allein entscheidende Dimension gibst. - Der Körper definiert die Grenzen dessen, in dem Rahmen der Wille seine Freiheit hat. - Ja. Was hältst du von Kant? - Naja, da ich ja eher bei Thomas von Arquin bin, - Nicht so viel. - Nicht so ganz so viel. - Ja, ja. Aufklärung ist die Befragung des Menschen aus seiner selbstverschämten Unmündigkeit. - Ob wir nicht heute nicht post... Wir sind ja mittlerweile so weit, dass wir auch die Dialektik der Aufklärung wissen. Und die Frage ist, Kant hat uns natürlich auch von der gesamten geistig-spirituellen Welt abgeschnitten. - Nö. - War schon... - Er hat sie ja... Nein, er hat sie ja eröffnet. Er hat sie ja eröffnet. Welchen Begriff hast du denn von Kant? Wie kommst du davon, - Mir ist es ein zu mechanisches, auch die ganze Erkenntnistheorie. Am Ende gibt es ja bei Kant nur das Ding für ihn. Und das Ding an sich kann er gar nicht mehr erkennen. Da hat er uns schon weit abgetrennt. - Also, findest du, dass die französische Revolution die Aufklärung ein kultureller Fortschritt der Menschheit ist? - Die französische Revolution sehe ich gemischt. Weil ich natürlich den Terror und das Massaker in Davon-Dé betrachte. Also die französische Revolution ist für mich nicht nur der Sturm auf die Bastille, es ist auch die Zerstörung von Cluny. - Ja. - Und von daher ist es so, es ist ganz klar, es hat die Volkssouveränität gebracht. Der dritte Stand wurde sich seiner entscheidenden Rolle im Staat bewusst und hat die Macht ergriffen. Er hat eigentlich die Souveränität ergriffen, die ihm schon zustand. - Er hat die Demokratie ermöglicht. - Na gut, das hat die amerikanische Unabhängigkeitserklärung auch schon getan und die hat nicht Cluny abgefackelt. - Nee, aber die amerikanische Unabhängigkeitserklärung wäre ohne die französische Revolution gar nicht denkbar gewesen. - Na die französische Revolution war 1789, wann war die Unabhängigkeitserklärung? - Ja, die Unabhängigkeitserklärung hat aber noch keine Demokratie gebracht in dem Sinne. Sondern sie war eine Befreiung vom Kolonialismus, aber keine Demokratie. - Also dieser rechtliche, politische Aspekt ist völlig unbestritten. Allerdings muss man natürlich auch sagen, wir haben den Terror, wir haben die Zerstörung von Cluny, wir haben das Massaker in Davon-Dé, wir haben unglaubliche Verwerfungen, wir haben auch kulturell massive Kulturschande gebracht. Es ist schwer, also - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - Ist wunderbar, aber die interessante die interessante also für mich natürlich die interessante war natürlich auch wieder die zwiespältige Person. Du hast ja schon gemerkt, ich suche mir ja auch gerne dir aus, die nicht eindeutig sind. - Die du gut verwenden kannst. - Naja, also Charles-Maurice Talleyrand de Perregaux ist schon gerade wenn es um die französische Revolution geht, denke ich sollte man sich mit Talleyrand beschäftigen. - Ja, aber auch mit Voltaire. - Der angeblich auf dem Sterbebett dann doch wieder rufen hat und wieder katholisch werden wollte, aber das kann auch eine Legende der Kirche sein. - Das wissen wir beide nicht. Zuschauerfrage, konkrete, vielleicht einfacher zu beantworten. Welche Beziehung hast du zu anderen Parteien wie der Dritte Weg oder die Heimat? Was hältst du von deren Politik? - Ich habe zu denen ich habe eigentlich zu den in Deutschland zu diesen Splitterparteien, die jetzt rechts der Union sind, egal ob sie nun Bündnis Deutschland, Werte Union oder eben Dritter Weg oder die Heimat heißen, habe ich keinerlei Kontakte. - Liest du, was die schreiben? - Nein. - Warum nicht? - Weil der Tag nur 24 Stunden hat. - Ja, aber die beanspruchen ja dasselbe wie du, nämlich die hegemoniale Leadership einer offensiven Rechten. - Ja, man kann viel behaupten. - Ach so. - Die können viel für sich beanspruchen. Es muss ja immer noch, das ist ja mein Punkt, ich kann beanspruchen, was ich will, aber es muss mit der Realität in Einklang springen. Und das ist so, wenn du halt 0,3 Prozent Wählerzustimmung hast und behauptest, aber du seist der Führer des ganzen Volkes, dann finde ich den Anspruch nicht wert, ihn zu lesen. - Konkrete Frage, die sich auf die Diskussion zwischen dir und Thilo über Identität, was das Kriterium dafür sei für Identität, beziehungsweise für ethnisch Deutsch. Du hast gesagt, Sprachgebrauch zu Hause. - Ist wichtiger. Also ohne das geht es gar nicht. - Da ist die Frage, sind Volker-Deutsche, die daheim Deutsch sprechen, dann nicht auch ethnische Deutsche? - Natürlich sind sie das. - Also Wolker-Deutsche sind ethnische Deutsche? - Na klar. - Weil das wird glaube ich bestritten, dass sie zu den ethnischen Deutschen gehören, aber gut, du sagst sie gehören dazu. - Ja, ohne Frage. - Ist jemand, und ich vermute, der die Fragestellerin meint sich selbst, ist jemand der in Deutschland aufgewachsen ist, die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, Migrationshintergrund hat und muslimischen Glaubens ist für dich auch ein Deutscher? - Ja. - Sowohl Staatsbürger, also ja, sowohl... - Staatsbürger sowieso. - Sowieso, aber auch ethnische Deutsche? - Da muss er jetzt sagen, wie er sich selbst sieht. Das Problem ist doch, die Frage der ethnischen Zugehörigkeit ist doch anders als die rechtliche, keine, die ich anhand eines Registers nachvollziehen kann. Das sind doch ganz, ganz viele Faktoren, die miteinander spielen. Die Sprache spielt mit, das eigene Empfinden spielt mit. Also ich brauche erstmal das eigene Empfinden und das muss irgendwelche objektiven Anknüpfungspunkte haben. Da finde ich die Sprache ein ganz wichtiges, objektives Anknüpfungspunkt. Aber da finde ich jetzt auch wichtig, zum Beispiel, wenn jetzt sagen wir mal, unterstellen wir mal, es ist jetzt jemand, der muslimischen Glaubens ist und sagt, er kommt vielleicht aus der Türkei. Jetzt spielt in irgendeiner Sportart ein deutsches Team gegen ein türkisches. Fiebert da mit Beiden mit und so weiter. Also da gibt es doch, das erste ist mal, wie definiere ich mich selbst? Aber diese Definition, das ist immer wieder bei demselben wie mit dem Geschlechtsidentität. Sie braucht irgendeinen objektiven Anknüpfungspunkt in der Realität. - Und die Frage ist wieder, kann das, du siehst es, glaube ich, auch in dieser Darstellung, eher als statisch und nicht so sehr als dynamisch. Auch, wieder Formulierung aus dem Buch, Heimat ist da, wo ich mich nicht erklären muss. - Das ist Herders, Gottfried Herders, Zitat. - Ja, ja, ja. Aber du machst es dir hier zu eigen. Es gibt Menschen, die in der Welt, in der wir aktuell leben, die mehr mit Migration zu tun hat, als früher. Es gibt Menschen, die sagen, ich habe Heimat ten. Ist Heimat für dich plural fähig? - Unter engen Bedingungen, ja. Das ist aber ein Ausnahme und ein seltener Fall. - Navid Kermani. Kann Navid Kermani - Wer ist das nochmal? - Navid Kermani ist ein bedeutender Philosoph, der eine großartige Rede im Deutschen Bundestag gehalten hat, über Heimat und Integration und Migration. Er ist sozusagen einer der großen, wenn man so will, Versöhner. Und Navid Kermani ist, glaube ich, jemand, der für sich in Anspruch nehmen kann, nicht nur eine Heimat zu haben, sondern Heimat ten zu haben. - Das kann alles sein, aber es gibt ja die schöne, etwas schlichte Unterscheidung zwischen den Somewheres und den Anywhere-Skaulern, nimmt das im Vorwort auf. Ich denke, dass die große Masse der Menschen, die es haben, eine tiefe Sehnsucht nach einem Ort, wo sie sich nicht erklären müssen. Das heißt, für die breite Masse der Menschen gibt es eine Heimat, an der hängen sie und sie haben auch nur die eine. Das heißt nicht, dass es immer auch die Ausnahme gibt. Es ist immer ein Spektrum. Es gibt dann natürlich eben den einen Philosophen, den ich jetzt nicht kenne, der sagt, ja, aber ich bin halt in dem Moment anders. Das mag es gehen. Aber der Punkt ist, dass... - Aber die Zahl der Menschen, die sagen, und das gilt, glaube ich, für einen wesentlichen Teil, auch für Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, vor allem, wenn sie dann auch in Deutschland geboren oder aufgewachsen sind und die dennoch sowohl kulturelle als auch familiäre Beziehungen in eine andere Kultur haben, die sagen häufig von sich, ich habe nicht nur eine Heimat. Deutschland ist meine Heimat, aber, sagen wir die, Türkei oder Iran ist ebenfalls Heimat. Ist das nicht eine Bereicherung, wenn man Heimat ten haben kann? - Da muss man dann immer sehen, ist das dann wirklich in dem Maße wert? Ist es in dem Maße so? Oder ist es dann nicht doch, dass es einen Schwerpunkt gibt, wo man sich sicherer und zufriedener fühlt? Die Frage ist, wenn wir bei den "Somewhere's" und den "Anywhere's" bleiben, die politische Macht, die kulturelle Macht liegt zurzeit bei den "Anywhere's". Aber die Mehrheit liegt meines Erachtens, die Mehrheit der Menschen sind "Somewhere's" und ich glaube die "Anywhere's" überfordern die "Somewhere's". - Wo liegt die politische Macht bei den "Anywhere's"? - Wer dominiert die Filme? Wer dominiert das Kulturleben? Nach wem richtet sich die Politik? Also allein was ich in Brüssel sehe und Brüssel ist die politische Macht mittlerweile leider. Der Mindset, den ich habe, wenn ich durch mein eigenes Parlament laufe, was ich erlebe, wenn ich mit den Kommissionsbeamten spreche, das ist ein "Anywhere-Mindset". Das ist kein Verständnis mehr für Sehnsucht nach Verwurzelung, auch vielleicht mal nach der Abwesenheit permanenter Veränderung. - Ich habe auch aus einer früheren Berufstätigkeit häufiger sowohl in Brüssel als auch in Straßburg zu tun gehabt und die Menschen, die ich da kennengelernt habe im Zusammenhang mit EU-Institutionen, Parlament oder eben dann auch Kommission, die alle sowohl eine, wenn man so will, Geburts- oder Herkunftsheimat haben, als auch dann eine durch die Tätigkeit gewonnene aktuelle Heimat, die waren alle in der Lage, sowohl das eine als auch das andere zu empfinden. Wieso ist es dir unmöglich zu erkennen, dass das eine Bereicherung sein kann, wenn man nicht auf die eine Heimat reduziert werden kann, sondern wenn man sagen kann "Ja" und das ist eben nicht "anywhere", sondern das wäre dann "here as well as there". - Das ist doch was anderes als "somewhere". - Also das, was ich erlebe, ist tatsächlich eine gewisse Idealisierung dieser eigenen Brüsseler Blase bei einer Geringschätzung der Herkunft. Ich will das an einem Beispiel erzählen. Wir hatten jetzt die slowakische Präsidentschaftswahl. Da hat eher der "somewhere" über den "anywhere" gewonnen, stark vereinfacht gesagt. Und ich erlebe das die slowakische Brüsseler Blase. Man war nicht nur schockiert, man hat öffentlich erklärt, wie sehr man sich für die Heimat schämt, also für die Slowakei. Man hatte kein Verständnis mehr dafür, was da stattfindet. Das ist leider generell so, dass wir ein anderes Beispiel... In den europäischen Schulen ist es ja so, dass es für jede europäische Nation eine eigene Klasse gibt. Das heißt, die Kinder können in der Heimatsprache auch nach einem am Heimat orientierten Lehrplan unterrichtet werden. Gerade sehr, sehr viele Osteuropäer schicken ihre Kinder aber jetzt eben nicht in die slowakische, slowenische, die tschechische, polnische Klasse, in die englische. Das heißt, wir haben einen Fall, dass Kinder aufwachsen, dass sie in der Schule nicht in ihrer Muttersprache unterrichtet werden. Schon in der Grundschule. Weißt du, auf welche Schule Putin seine Kinder geschickt hatte? - Auf die deutsche? - Ja. Ja, aber weil sie in Dresden aufgewachsen sind. Naja. - Aber in dem Moment... - In Moskau die deutsche. - In dem Moment, wo ein Kind aufwächst in einer Muttersprache und dann kommt es in die Schule, der Ernst des Lebens. Und in dieser Schule wird jetzt aber nicht die Muttersprache gelernt. Dann ist das Bild, das sich im Kind festsetzt, meine Muttersprache ist irgendwie etwas weniger Ernstes, Wertvolles, als die Fremdsprache, in der ich unterrichtet werde. Wie kommst du dazu? Ich möchte, dass jedes Kind den Eindruck hat und stolz ist auf seine Muttersprache und erst einmal auch lesen und schreiben in der eigenen Muttersprache lernt. Es kann nachher gerne Fremdsprache lernen. Aber es soll erst einmal in der Muttersprache unterrichtet werden. - Das ist deine anekdotische Evidenz. Ich halte dir eine andere entgegen. Befreundetes Ehepaar von mir, die Frau sozusagen ethnisch und staatsbürgerlich Deutsche. Der Mann Italiener, maritimer Ingenieur, in Singapur gearbeitet, lange Jahre. Zwei Töchter, die sprechen fließend Deutsch, Italienisch, Englisch. Alle sind glücklich damit. Die haben nicht eine Muttersprache, die haben drei Muttersprachen. Und keine von denen wird gering geschätzt. Das kommt in deinem Erfahrungshorizont gar nicht vor. - Ja, das halte ich für richtig. Mein Sohn ist acht Jahre, der spricht vier Sprachen. Schön. - Gut. Aber auch da finde ich es wichtig, dass er, die Mama ist Slowaken, als erste Sprache in der Schule genau die Sprache seiner Mutter lernt, dass er schön schreiben lernt, weil das Slowakei auf dem Lehrplan ist. Weil es ihm eine Rückkopplung und Rückverbindung auch an seine Großeltern, seine Onkels und Tanten gibt. Mit mir spricht er, mit mir und meinen Kindern von meiner Verstorbenenfrau spricht er natürlich Deutsch. Schadet ihm das? Nein, aber es war mir wichtig, dass er diese Vielsprachigkeit hat. Es war mir aber wichtig, dass er zunächst auch in der Vorschule die Chance hat, die Sprache seiner Mutter als etwas wahrzunehmen, was auch in der Ferne in Brüssel gepflegt und unterrichtet wird. - Gut. Das heißt, du bist auch im konkreten Fall für sprachliche Vielfalt, die insofern stattfindet, dass wir nicht jede Nation ihre eigene Sprache pflegt, sondern dass in Individuen an einem Ort Vielfalt gelebt werden kann. Ich möchte aber, dass jedes Kind auch erfährt, dass seine eigene Muttersprache es wert ist, in der Institution Schule, und das ist ja für Kinder ein unheimlicher Schritt, in die Schule zu kommen, dass es in seiner Muttersprache zunächst einmal die ersten zwei, drei Jahre lesen und schreiben lernt und dass es dadurch erfährt, dass die Sprache, die es von seiner Mutter aufgenommen hat, für ihn auch, dass die auch einen formalen Rang hat. Weil das gibt ihm Selbstgefühl. Ich hab einen, mein Sohn hat einen Freund, der stammt aus Polen, und seine Eltern schicken ihn in die englische Klasse als erste Sprache und die Deutsche als Zweitsprache. Der arme Junge kann natürlich kein Deutsch, das lernt er jetzt quasi erst da. Und die Botschaft, die bei ihm ankommt, ist eben, meine Muttersprache Polnisch, ist noch nicht mal als Zweitsprache wert. Und ich glaube, dass da auch ein Selbstzweifel in den Kindern gesät wird. Ich möchte also genau diese Übereinstimmung, die Übereinstimmung mit dem, was man selbst gerade in frühester Kindheit erfahren hat, auch einen Sprachklang, wie die eigenen Gedanken sich formen. Sprache formt ja die eigenen Gedanken, die Struktur des Denkens. Dass sich dies auch im öffentlichen Leben widerspiegelt, das ist auch kein falscher Wunsch. Viele nationale Minderheiten kämpfen ja genau aus diesem Grund so vehement für die muttersprachliche Grundschule. - Ja, zu Recht. Natürlich. Also auch, dass das Sorbische als eigene Sprache die Flamen in Belgien, auch, ihr habt über Südtirol gesprochen. Die Deutschen in Südtirol. Aber, dort ist eben die Vielfalt der sprachlichen Möglichkeiten, der integrative Ansatz, die Gemeinschaft der Kulturen, nicht ihre Separation. Aber damit ich eine Gemeinschaft der Kulturen habe, muss ich erstmal meine eigene zumindest so weit im Griff haben, dass ich mit ihr leben kann. Möglicherweise ist dein Verständnis von Kultur, Sprache, individuelle Entwicklung, sagen wir mal, zeitlich und kulturgeschichtlich ähnlich angesiedelt wie deine Vorstellung von Männlichkeit. Ich glaube nicht, dass immer nur die Zukunft schön und die Vergangenheit schlecht ist. Das sagt auch keiner. Wenn ich mir alte Fotos von deutschen Städten anschaue, dann finde ich viele Stadtansichten und Straßenbilder vor 100 Jahren schöner als heute. Ja, und wenn man sich die Lebensbedingungen anguckt, du kennst Sildes Zeichnungen und seine Fotografien, dann ist die Lebensrealität in diesen Städten, die pittoresk waren, sozial grausam. Noch ein paar einfache Fragen. Gibt es Nazis in der AfD? - Nein. - Nein? Nein. - Definitiv nicht? Ein Nazi ist jemand, der zu Hause sich eine braune Uniform anzieht und irgendwie im Stichschritt vom Spiegel herum tobt. Gibt es nicht. Ich glaube, er meint damit Faschisten. Faschisten müssen nicht unbedingt... Da ist die Frage, was der Faschismusbegriff, ich nenne ihn immer Ernst Nollte, der Faschismus in seiner Epoche. Wir haben jetzt auch keine Mussolini-Kopien. Wir haben niemand, der sich die ganze Zeit irgendwelche Hitler-Reden anhört und so weiter. Es gibt keine Menschen, die rassistische Vorstellungen haben? Ich kenne viele. Was ich erlebe, ähnlich wie in unserer Wählerschicht, es sind vor allen Dingen Menschen, die verzweifeln an der Entwicklung in unserem Land, die sich... Ich habe wenig echte Menschenfeinde, Menschen, die Menschen aus anderen Ländern oder mit anderer Hautfarbe abwerten, haben wir nicht. Es gibt einen Verein mit Migrationshintergrund für die AfD. Ich bin da Mitglied. Die nehmen auch Leute ohne Migrationshintergrund auf. Auch die Mitglieder da bestätigen mir, dass sie in der AfD sich sehr willkommen fühlen. Also ich kann... Es gibt immer mal den einzelnen Ausrutscher, den ich auch nicht kenne. Ich persönlich habe diese Erfahrung nicht gemacht. Die größten Sozialausgaben sind Renten und Krankheits- also Gesundheitskosten. Wieso muss man Menschen, die davon leben, von Rente leben oder Krankengeld beziehen, wieso muss man die eigentlich zur Arbeit motivieren? Es geht nicht um Rentner und es geht nicht um... Es geht auch nicht um Krankengeldempfänger. Es geht konkret darum, dass wir eine steigende Anzahl von Menschen haben, die über Jahre hinweg von Bürgergeld lebt und darüber, dass sie von Bürgergeld lebt, auch natürlich den Rhythmus zu arbeiten verliert. Das ist ja ein großes Problem, wenn ich zwei Jahre lang nicht arbeite, sondern ausschlafen kann. Und ich muss jetzt aber wieder früh um sieben klingelt der Wecker, um acht muss ich an der Arbeit sein, dann muss ich halt mal vielleicht sogar körperlich vier Stunden durcharbeiten, bis ich die erste Pause habe, dann muss ich nochmal vier Stunden arbeiten. Man verlernt diese Fähigkeit. Und das ist negativ. - Ja, man kann sie aber auch wieder lernen. Es hat jemand einen Widerspruch gesehen in zwei Aussagen von dir. Nämlich einmal, dass du sagst, die Armen, die trotz, obwohl sie in Lohnarbeit sind, staatliche Zuschüsse brauchen, hast du gesagt, ja, das ist nötig, - Kombilohn. das ist nötig, wegen der hohen Abgaben. Davor hattest du aber gesagt, die Armen zahlen gar keine Abgaben. - Sie zahlen Abgaben, aber keine Steuern. - Ja. Also Sozialabgaben zahlen sie ja, aber sie zahlen keine Steuern. - Ja, aber es sind nur sehr geringe. Wer wenig Einkommen hat, zahlt auch wenig. - Na, na, na. Also wir haben eine Steuer- und Abgabenquote, die liegt über 30%. - Steuer- und Abgabenquote. - Ja, aber bei den Geringverdienern ist ja die Steuerquote quasi null. Wir haben eine Abgabenquote allein, die über 30% liegt. Und die ist ja nicht progressiv. Das heißt, also jemand, der jetzt sagen wir mal, ein Brutto hat, von 2,5, zahlt genau den selben Abgabensatz, wie jemand, der eben kurz unter der Bemessungsgrenze liegt. Okay. Lassen wir so stehen. Ich habe die Zahlen auch nicht so parat, dass ich jetzt sagen könnte... - Ich war Arbeitgeber in meiner Anwaltskanzlei, ich kenne sie noch. In den nächsten Jahren werden 7 Millionen Menschen in Rente gehen, 1,4 Millionen kommen dann im nächsten Schub danach. Wie willst du diese Lücke schließen und zudem diese Menschen zu Altenpflegern motivieren? Wie willst du dann auch noch da die Rente sichern? Also, dass das Ding, was vor uns ist, schrecklich wird, unbestritten. Dass wir tatsächlich in eine massive Finanzierungslücke reinkommen, unbestritten. Ich komme aus Sachsen, da war Kurt Biedenkopf der große Held in den 90ern. In den gesamten 90ern ist er wie ein Wanderprediger durchs Land gegangen und hat dem gewarnt, was jetzt kommt und hat gesagt, es wird nicht lösbar sein, es wird am Ende um ein Management gehen, die schlimmsten Übel zu verhindern. Das heißt also, es ist jetzt auf keinen Fall so, dass wenn wir kämen, wir diese beschriebenen Probleme so wie so ein Deus ex machina einfach mal lösen könnten, wir würden sie angehen. Aber was wir sagen, wir würden halt umschichten von unserer Meinung nach unnötigen Projekten, die wir mit linker Ideologie gleichsetzen. Also wir glauben, dass zum Beispiel die Immigrationskosten betragen ungefähr 50 Milliarden im Jahr. Die würden wir schon senken. Wir haben mittlerweile einen völlig aufgeblähten Beamten- und Staatsapparat, der sehr viel Geld kostet. Wir geben ja zurzeit Unsummen für den Ukraine-Krieg aus. Die Klimapolitik belastet die wirtschaftliche Basis, weil die Industrie zurzeit massiv abschreiben muss. Das heißt, die Höhereinnahmen gehen zurück. Wenn wir an all diese Punkte rangehen, können wir zumindest Gelder locker machen, um die in jedem Fall eintretenden, massiven sozialen Härten ein wenig abzubilden. Du weißt auch, Prävention kostet Geld. Keine Prävention kostet im nächsten Schritt noch mehr. Das, wo du sagst, wir investieren hier wahnsinniges Geld in Klimafolgen, Bekämpfung und in Umbau von Energie, Transformation, das hast du eben gesagt, sind eigentlich überflüssige Ausgaben. Die Ausgaben, die fällig werden, wenn wir und andere Nationen das nicht machen, die Folgen des Klimawandels, die dann kommen, werden, und da ist die Wissenschaft sich relativ einig. Da ist dein Satz, da haben viele drüber gelacht, als du sagtest, die Wissenschaft ist bei Klimawandel sich nicht einig. Sie sind sich zu über 90% einig. Da muss man ins lange Studie schauen. Aber worum es mir geht, ist doch eins. Was Deutschland zurzeit macht, ist, dass es ja überobligatorisch ist. Das heißt, wir sind ja über dem, was weltweit verabredet ist. Nun ist das Klima aber global, es ist nicht national. Das heißt, allein wenn wir die Klimamaßnahmen auf das international verabredete Maß zurückfahren, könnten wir A) Industrie erhalten und B) könnten wir Kosten sparen. Und dass wir allein deshalb, weil das kleine Deutschland jetzt überobligatorisch Geld ausgibt und seine eigene Industrie gefährdet. Weißt du, womit das internationale Tankstellenwesen angefangen hat? Nein. Bertha Benz hat vor 130 Jahren etwa in der Stadtapotheke von Wiesloch 2 Liter Waschbenzin gekauft. Das war der Beginn des internationalen Tankstellenwesens. Die gesamte chinesische Solarindustrie basiert auf deutscher Entwicklung und Forschung. Jetzt können wir sagen, scheiße, dass das jetzt nicht mehr bei uns ist. Aber zu sagen, weil wir so klein sind, nützt es überhaupt gar nichts, Frontrunner zu sein, das ist eine These, die mit der historischen Realität von technologischer Entwicklung zusammenpasst. Mag ja sein, weil nicht jeder rennt uns ja nach, wenn wir gerade irgendwelchen Unsinn machen. Und zumindest die deutsche Energiewende hat bislang noch kein einziges Land nachgemacht. Und da hatten sie ja nun einige Jahre Zeit. China baut gerade Kohlekraftwerke. Ja, und baut weniger Kohlekraftwerke, als dass es Erneuerbare baut. Das mag sein, aber sie bauen Kohlekraftwerke. Ja, ja. Sie bauen aber mehr Erneuerbare. Kein Land steigt aus Atomenergie aus, außer uns. Doch. Alle Länder, die versuchen, neue Atomkraftwerke zu bauen, sind auf einem Pfad, dass die sich entweder enorm verzögern, zeitlich oder teurer werden. Aber sie bauen. Sie bauen. Polen baut, hat da keins. Ungarn baut, die Slowakei baut, Tschechien baut, Frankreich sowieso. Alle bauen. Belgien hat gerade die Laufzeiten verlängert. Ja, und wir werden sehen, ob es Tschernobyl oder Fukushima nochmal gibt. Dann wird der Jammer wieder groß sein. Ich nehme an, du würdest in kein Flugzeug steigen, wo die Piloten sagen, wir wissen zwar, wie man startet, wie wir landen, wissen wir aber nicht. Also mit der erneuten Generation 4 ist das Abfallproblem soweit im Griff, weil die ja auch Abfall wiederverwenden können. Ja, der dann, aber auch der wiederverwendete Abfall wird nicht ewig recycelt, sondern entsteht dann in höherer Konzentration als noch. Aber so viel. Ja, aber das muss, da sind dann die Halbwertszeiten, gehen in den Millionenjahre-Bereich und es gibt diese sichere Deponie noch nicht. Aber ein anderes Thema. Zwei letzte Fragen. Gut. Soll Deutschland aus dem Pariser Klimaabkommen austreten? Deutschland sollte generell keine Alleingänge machen. Sollte die Vereinigten Staaten nach der Wiederwahl der, aus meiner Sicht hoffentlichen Wiederwahl von Donald Trump, sollten die Vereinigten Staaten aussteigen, dann denke ich, dass die Europäischen Staaten auch austreten sollten und gemeinsam mit den Vereinigten Staaten ein neues Abkommen schließen. Solange die USA drin sind und alle anderen auch drin sind, ich bin gegen deutsche Alleingänge. Eine letzte Frage, die hat noch etwas mit der Thema Sexualität, Sexualrollen und deiner Partei zu tun. Deine Parteivorsitzende hält sich sozusagen in mehrfacher Hinsicht eindeutig nicht an die von dir auch als natürlich definierte Rolle von Frau und Mutterschaft. Ist Alice Weidel insofern ein Schaden für eure Partei? Nein, ganz im Gegenteil. Sie ist unser Gesicht, sie ist unser Superstar und ich habe ja gesagt, es gibt ein Ideal, aber wir wissen natürlich, dass die Welt bunter ist und dass dieses Ideal eben ein Ideal ist, was nicht heißt, dass es jeder erreichen kann und erreichen muss, sondern es gibt eben andere Wege, aber das ist im Verhältnis eines Regelausnahmeverhältnisses. Es gibt ein Ideal und dann gibt es halt andere, die sind okay, aber man sollte sich, wenn es um den Sprachgebrauch geht, hat man eben das Ideal im Kopf, aber nicht im Sinne einer Diskriminierung des anderen oder im Sinne eines "Es muss alles hundertprozentig so sein und alles andere ist scheiße", sondern im Sinne "Ja, es gibt viele Wege, aber es gibt eben einfach einen Weg, den die meisten gehen, der auch statistisch nachweisbar die meisten im Kopf haben und von daher werden wir überhaupt niemanden, der sich selbst subjektiv entscheidet, es anders zu machen, diskriminieren. Sie selbst bringt das ja mit dem sehr, sehr schönen Satz zum Ausdruck "Ich bin lesbisch, aber nicht queer." Und das ist genau der richtige Ansatzpunkt. Also, was wir sagen ist... Aber wenn diese Form von Vielfalt, kultureller Vielfalt nenne ich das jetzt mal, in eurer Partei möglich ist, warum soll der dann nicht in einer Gesellschaft insgesamt möglich sein? - Ja, ist es ja möglich, worum wir nur festhalten wollen, ist, dass es eben ein Ideal gibt. Im Sinne eines positiven Ideals, was aber nicht verpflichtend ist, sondern wo wir sagen, schaut her, das ist das, was wir gut, was wir glauben, das ist der Regelfall, der normale, gute Regelfall ist, aber nicht im Sinne "Wer ihr weicht davon ab?" Sondern einfach nur im Sinne, schaut mal her, das ist halt so der Regelfall, das ist das Übliche, das ist der Normalfall, aber logischerweise geht es auch anders. Was heißt denn dann "normativ"? Du verwendest den Begriff, diese Verhältnisse sind normativ. Normativ ist zum Beispiel, dass man seine Eltern ehren soll. Normativ ist, dass man füreinander einsteht. Und so weiter. Das ergibt sich aus der Verwandtschaftsbeziehung. Du hast es im Buch in einem anderen Kontext gesagt. Aber gut, wir haben wirklich... Wir haben richtig überzogen heute, oder? Nö, du hast ja gesagt, ich habe Zeit, ich habe keinen Anschluss. Ich bin für euch da, ich habe mich heute den ganzen Abend frei gekämpft. Das ist schön, gekämpft ist schön, kämpfen ist immer gut. Eine allerletzte Frage, weil du auch mehrfach in dem Buch auch einer der nie definierten Begriffe, du sprichst von der "woken linksliberalen Meinungsführerschaft". Was verstehst du eigentlich als "woke"? "Woke" heißt zunächst einmal "erweckt". Das heißt, es sind Menschen, die glauben, sie selbst haben ein höheres Bewusstsein, weil sie einen gewissen Erkenntnisgewinn haben. "Woke" ist zur Zeit der Oberbegriff dafür, wenn man tatsächlich glaubt, dass alles, was wir so sehen, eigentlich nur konstruiert ist. Wer behauptet das denn? Wer behauptet das? Wer nimmt das für sich in Anspruch? Wer sich selbst "woke" nennt? Wer denn? In den Vereinigten Staaten gibt es die ganzen "social justice warriors", die dann erklären, dass es eben... Wir reden über Deutschland. Wer bezeichnet sich in Deutschland als "woke"? In Deutschland selbst ist es eine Fremdbezeichnung. Das heißt, du arbeitest hier mit einem Buzzword, das du zum Negativetikett machst, für eine von dir zu bekämpfende, unangeblich vorherrschende Kultur. Die ich aber beschreibe, indem ich ganz klar sage, es ist ein falsches Freiheitsverständnis, es ist eine Bindungslosigkeit, und es ist vor allem eine Ablehnung jeder Bindung. Die es so nicht gibt. "Foucault" ist nicht die linksliberale deutsche... Er ist aber zur Zeit der Einflussreichste. Allein diese Begrifflichkeiten. Strukturell. Wir haben es hier mit struktureller Diskriminierung zu tun. Das ist doch alles Diskusstheorie. Weißt du, was Strukturalismus ist? Das ist der Rida, das ist der Poststrukturalismus. Ja, aber wir reden über... Also Strukturellismus ist nun wirklich eine... Eine linguistische Theorie. Eine linguistische Theorie, die man dann über den Theorienmarkt in die Realität übertragen hat. Aber in der Diskusstheorie geht es eben auch darum, dass man, oder bei meinem Strukturellismus, dass man tatsächlich glaubt, dass deshalb, weil die Sprache zum Beispiel männlich und weiblich ist, wir deshalb auch anfangen, in männlich und weiblich zu denken. Aber die Männlichkeit und Weiblichkeit ist eben auch eine objektive Tatsache. Und die Woken tun das nicht. Die Männlichkeit und Weiblichkeit jetzt... Da soll sich dann jetzt die Geschlechtlichkeit... ...ist eine biologische Tatsache. Sie ist sowohl eine biologische Tatsache, als auch ist sie eine spirituelle Eigenwahrnehmungsgeistige Dimension. Und was war eher da? Das spirituelle System oder die Tatsache? Ich weiß nicht, ob eher Henne oder Ei da war, sondern die beiden... Das Entscheidende ist, wie identifizieren sich Menschen in der Gesellschaft, in der wir leben? Wenn du das stellst, und das würde ich als eine rückschrittliche Position ansehen, da unterscheiden wir uns, du stellst sozusagen das Biologische ins Zentrum und sagst, diejenigen Menschen, die ihr Ich anders definieren, die agieren gegen sich selbst und sind damit in sich widersprüchlich. Deshalb ist die Meinung, weil sie in sich widersprüchlich ist, ist sie letztlich nicht... Und du löst den Widerspruch auf gegen die Biologie und das ist eine biologische... Und damit der Widerspruchsfreiheit des eigenen Ichs. Ja, aber das ist... Nein, wenn du den Widerspruch auflöst, zugunsten der Biologie, dann ignorierst du die Definition von Ich, daher kommt der Begriff eigentlich, nämlich aus der Psychoanalyse, der hat nichts zu tun mit Biologismus. Du bist... Ja, aber damit habe ich ein Menschenbild, das die Körperlichkeit negiert. Das ist Gnostisch. Nein, überhaupt nicht. Das ist reine Gnosis. Nein, das ist ignoriert. Das hat die Kirche immer abgelehnt. Nein, es ignoriert die Körperlichkeit überhaupt nicht. Es gibt ihr nur nicht den allein entscheidenden, dominanten Entscheidungspunkt, den du ihr einräumst. Du bist derjenige, der einseitige Ignoranz verkündet. Nein, ich verkörpere einfach eine Begrenzung des eigenen freien Willens durch die körperliche Realität. Ja, für dich ist die... für dich ist die körperliche Realität der Faktor, der den eigenen freien Willen sozusagen overruled. Der ihn overruled. In Form einer Begrenzung. Innerhalb dieser Grenzen bist du völlig frei. Sobald du dagegen verstößt, setzt du dich in Widerspruch zu dich selbst und wirst in sich widersprüchlich. Und der Widerspruch in sich, den gebe ich kein Recht. Ja, und den löst du auf. Du gibst ihm kein Recht und den löst du auf zugunsten der Biologie. Und das ist, wenn man sich fragt, was macht den Menschen zum Menschen und was unterscheidet ihn vom Tier, dann ist es die Fähigkeit des Denkens, des Bewusstseins, der Reflexion. Und das ignorierst du... In einer Grenze. Das ignorierst du... Wir sind auf Erden. In die eigene Körperlichkeit begrenzt. Maximilian Krah, das war ein aufschlussreiches sechsstündiges Gespräch insgesamt. Danke, dass du das gesagt hast, was du gesagt hast. Danke für euer Interesse, eure Fragen, Anregungen und danke auch für eure Unterstützung, ohne die, ihr wisst es, es dieses Format gar nicht geben würde. Wir sehen uns hoffentlich bald wieder. Bis dann. Tschüss. Tschüss. [Musik] [Musik] [Musik] [Musik] [Musik] [Musik] [Musik] [Musik] [Musik] [Musik] [Musik] [Musik] [Musik] [Musik] [Musik]